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„Tagvunr-Hau»" Nr. küüv-SS. L«n 8 Uhr morgrni bis 8 Uhr »brndS, Sonntags von 1v—II Uhr vormittags.
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l»hn » ®tt &Ö Pf» vlerteliährUch durch alle dcutichen Potzanftalren, ausAfießlich Bestell.^ld. - Belass-DekieUungkn nehmen uuuervem entgegen: in Wiesbaden die Zweir;stelle Bismarckring 29,
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8ft»dt<ea‘%«nafe«e: Für die Abend-Autgabe bi» 18 Uhr mittag-: für die Morgen-Ausgabe big 3 Ulm nachmittags-
Nr. 145
Wiesbaden, Mittwvch. SO. März 1910 .
88 . Jahrgang.
Morgen - Kusigabe.
1. Matt.
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KQv öcrs 2 . gmartaC 1910
auf das
„Wiesbadener Tagblatt"
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i*a Vreia« „Tagblott-Aauo" Le.' yoolr« sl, t« der Zweigstelle Kismarckving 29, in de« Ausgabestelle,, dev Stadt und Nachbarorte» und zum Bezugs preis von 3 Htf, vierteljährlich^ bei sämtlichen deutschen Rerchspostaustalten.
D!e TnilUsrif^e DraOblirKett Her Uroplant.
Wenngleich wir auch in letzter Zeit Erfolge mit deutschen Fliegern errungen haben — es sei nur an den Rekord Grades erinnert, an den Flug des Hainburgers Oertz u. a. — fo ist doch nicht zu leugnen, daß uns aus diesem Gebiete der Luftschiffahrt noch die Franzosen und Amerikaner überlegen sind. Nun sind namentlich in Frankreich Stimmen laut geworden, die dem Aeroplan jder Jetztzeit bereits eine Bedeutung für den Heeresdienst zuschreiben, die übertrieben erscheint. Ob der französische Kriegsnlinister tatsächlich jene Worte gesprochen har. die darauf hindeuten, daß er den Fliegern mehr zutraut als den Lenkbällons, mag dahingestellt bleiben. Tatsache ist, daß man sich mehr denn je bei unseren Nachbarn mit Versuchen in dieser Richtung hin beschäftigt und anscheinend auch bestimmte Systeme für die Ausbildung von Offizieren usw. bezeichnet hat. Auch bei uns hat das Kriegsministerium zunächst Kurse bei her Wright-Gesellschaft für Offiziere in Aussicht gestellt, die jedenfalls dazu bestimmt sind, möglichst viel Aviatiker im Heere auszubilden. An Anmeldungen fehlt es ja nicht, und nur so ist es möglich, den Bewerbern nach und nach eine gründliche Ausbildung angedeihen zu lassen. Es fragt sich nun, welche Verwendung im nutzbringenden Sinne den Aewplanen zukommt. Ihrer ganzen Konstruktion und Natur nach ist es notwend g, sie mitzuführen und gegebenenfalls aufsteigen zu lassen. Sie sind vornehmlich für eine taktische Aufklärung, also in engeren Grenzen, geeignet, während die Lenkballons für die strategische Aufklärung, also ähnlich wie die Kavalleriedivisionen, verwendbar erscheinen. Letztere können losgelöst von der Truppe operieren, die Aero- plane dagegen müssen sich den ieweiligen Bewegungen der Kolonnen, ihrer Entwickelung usw. anpassen, um für einen beschränkteren Gesichtskreis in Frage zu ko>n. inen. Daß sie hier unter Umständen als ergänzendes Aufklärunasmittel ante Dienste leisten können, kann man wohl jetzt schon als erwiesen ansehen. Sie können plötzlich in der Luft erscheinen, und angesichts der Höhe, von der aus beobachtet werden kann, recht gute Ans- klänmgsresnltate übermitteln. Man denke_ sich z. 53. eine fei ad lick« Vorposten stellt, ng. bei der wichtig ist zu
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Pariser Modeplauderei von Birginie de Bergörac.
„Ist das Empire oder Dircctoire?" fragte ich neulich den kleinen Dronet — jenen Maler, der durch seine Historienbilder einen Platz im Künstlerolymp erobern wollte und dann durch seine Panneanbildche» zum sorglosen Genuß des Daseins gelangte — indem f dj ans die Schaufensterauslage eines großen Modemagazins wies. Was dort meine Aufmerksamkeit fesselte, waren Kleider aus Tuch, Seidenkaschmir «nd Samt mit breitplisjiertcm Falteurock und einem Taillenarrangement, dessen Eigenartigkeit meine Unsicherheit bezüglich des dabei zum Ausdruck gebrachten Stils vcran- laßte. Die Taille hatte ein mit den Seitenteilen im Zusammenhänge geschnittenes Schößchen, das sich hinten srack- artig verlängerte, indes ein entsprechender zugespitzter Teil vorn unter dem breiten Faltengürtel angefügt war. über dem letzteren befand sich ein erngeknöpfter Einsatz aus gefälteltem Chiffon mit Jabot. Eine, meiner Ansicht nach schönste der Toiletten bestand aus hellbronzebraunem Libertyruch, das mu Rockrande mit drei dunkelbraunen Blenden aus Spiegelsamt in abgcstufter Breite besetzt war, mit den, mich der Faltengürtel harmonierte; die Jäckchen- rmd Schoß'eile batte man dagegen durchweg dicht mit dinckel- brauncr Setdensoutachr benäht Sehr apart machten sich dazu Einsatz imb Jabot ans bisquitfarbenem Chiffon. Selten habe ich ein in der Farbe feiner abgcstimmles Kleid gesehen. Ein zmeites war genau ebenso gemacht, doch hatte man hierzu grauen SetdeulajÄmir «ewahlt mrd die Sontachestickerei
konstatieren, wo die größeren Abteilungen stehen, wie weit sie sich ausdehnt, wo das Gros der gesicherten Truppe steht. Wenn ferner die Kavallerie den Anmarsch des Feindes meldet, und am weiteren Vordringen aufgehalten wird, so können die Flieger, auch wenn sie nur allgemeine Angaben machen, doch sehr nützlich sein. Starke Staubwolken auf dieser Straße, geringere auf teuer, genügen vielfach schon, um wichtige Entschlüsse des Führers hervorzurufen. Auch wenn der Feind eine Stellung verteidigt, ist die Einsicht in die Verteilung der feindlichen Truppen von großem Werte. Seine Tätigkeit wird er um so leichter und ungefährdeter ausüben können, je weniger die Gefahr des Abschusses besteht. Ein im Marsch befindlicher Feind wird jedenfalls am wenigsten auf solche Erkundungen vorbereitet sein. Die Bedingung für die nutzbringende Verwendung von Flugapparaten ist allerdings, daß sie einen zweiten Mann als Besatzung aufnehmen können. Eindecker kommen danach vorläufig nicht in Frage. Ter Führer ist tatsächlich so beschäftigt, daß. er die Beobachtung nicht ausführeu kann, zu der (bei unbekanntem Gelände namentlich) unbedingt auch ein Fachmann, der die Karte militärisch zu lesen versteht, gehört. Die Meldungen über das Gesehene werden stets durch Rückkehr des Fliegers geschehen müssen, während man von^Lenk- ballons aus mit Funkentelegraphie und durch Hinabwerfen von Meldungen an Sandsäcken, bie weithin durch Flaggen kenntlich gemacht werden, Nachrichten av- geben und dann weiter beobachten kann. Immerhin ist bei der Schnelligkeit der Aeroplane (Bl<Kiot flog zuletzt 10 Kilometer in etwas über 8 Minuten) deren Rückkehr nicht mit großem Zeitverlust verknüpft,_ und ferner ist es von wesentlicher Bedeutung, daß eine eingehende Meldung mündlich gemacht werden kann. Auf das Herabwerfen von Bomben, wovon man wenig „hält, braucht nicht eingegangen zu werden,. Sehr nützlich kann man sich die Flieger z. B. beim Überbringen Von Meldungen längs und hinter der Fron!, denken, und ganz besonders verdienstvoll kann ihre Tätigkeit sein, wenn sie z. B. aus eingeschlossenen Festungen hinaus — vielleicht bei Nacht — wichtige Kunde bringen können Die Gefahr des Abgoschossenwerdens durch Salven oder Einzelschüsse liegt allerdings vor, da die Maschinen nicht schwer zu treffen sein werden. Je überraschender sie auftreten. desto eher ist auf einen Erfolg zu rechnen. Jedenfalls kann man von der militärischen Arbeit der Flieger noch viel erhoffen.
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Politische Wer sicht.
Herr Gescher «nd das Zentrum.
L. Berlin, 26. März.
Der konservative Abgeordnete v Gescher hat durch seine Erzählungen in Unna nicht bloß den Unwillen der Nationalliberalen hervorgerufen, die ihm mit Recht grobe Indiskretion vorwerfen, sondern auch starke Verstimniung beim Zentrum erzeugt. Aus seinen Mitteilungen ergibt sich, daß das Kompromiß in der Wahlrechtsfrage seinen Urheber in der Z e n t r u m S-
mit scharlachroten Steppstichlinien begleitet, wodurch ein ganz eigentünllicher Effekt hervorgerusen worden war. Hier kombinierte sich der Einsatz, ebenso wie das Jabot aus weißem Chiffon und Valenciennrsspitzen. Die Ärmel in Dreiviertellange waren bei beiden Kleidern mit Soutache bestickt und mit einem schmalen Samtumschlag versehen, unter dem ein etwa dreisingerbreitcs plissiertes Unter- ärmelchen aus Chisson vorragte.
Herr Drouet hatte die Schaufenster nicht minder interessiert besichtigt als ich. „Empire oder Directoire?" meinte er jetzt nachdenklich. „Keins von beiden! Das ist vielmehr 1910, der neue Stil, nach dem wir so lange gesucht und den wir endlich gefunden haben. Das heißt, in diesen Kleidern spricht er sich nur sehr unklar aus, wenn Sie ihn in seiner Reinheit sehen wollen, so müssen Sie in mein Atelier kommen."
Neugierig gemacht, folgte ich seiner Einladung — man muß ja neugierig werden, wenn ein Herr eine Frau über Modcfragen belehren will. Und waS erblickte ich in dem Drouetschen Atelier, das beiläufig bemerkt, mehr dem Boudoir einer Dame als dem Arbcitsraum eines Malers glich? Lauter kleine, auf Reißbrettern aufgespannte Medaillons, mit Kostümbildern, die von den tonangebenden Mendaincs bestellt waren, um in Panneans eingefügt zu werden. Die gemalten Franengestallen hatten alle etwas Schlangenhaftcs, das durch die zwar etwas faltigen, aber infolge des Mangels fast jeglicher Dessous dennoch sehr enganliegenden Röcke die verkürzten Leibchen, die langen Achselnahte und die den Taillen angeschnittenen hohen Stehkragen hervorgerufen wurde. Dies in Verbindung mit den netzartigen Perlstoffen, die besonders für die Bekleidung des oberen Teiles der Figurinen diente, weckte die Illusion, als ob jene Dämchen in eine Schlangenhant geschlüpft waren. Die Röcke waren kamt und sonders sebr lang, leicht drapiert oder mit einem
f r a k t i o n hat, das Zentrum also nicht den Konser» vativen nachgegeben, sondern ihnen vielmelir den Wez vorgeschrieben hat. Damit wächst die Verantwor t- lichkeit des Zentrums für das klägliche Machwerk, und die Abgeordneten des Zentrums werden mit dessen Verteidigung^ vor ihren Wählern doch einen etwas! schwierigen Stand haben. Daß das geheime und direkte Wahlrecht zu haben gewesen wäre, bezweifelt nach der schnellen Unterwerfung der Regierung umev die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses wohl niemand mehr. Daß wir es nicht bekommen haben, ist schuld dessen, der ein Gesetz mit anderem Inhalt ausgeheckk und auf dem Wege der Verhandlungen hinter den Kulissen eine Mehrheit dafür zusammengebracht hat! und das ist eben das Zentrum. Nun wüßte man nur nock) gern, welcher Zentrumskopf den Ersatz dcü Kombination „öffentlich und direkt" durch die Kombination „geheim und indirekt" ersonnen _ hat. Schade, daß in Unna niemand Herrn v. Gescher hierüber befragt! hat. Der redselige Herr würde vielleicht auch in dieser; Hinsicht die Neugier befriedigt haben. Herr v. Gescher: ist in Ahaus-Tecklenburg hauptsächlich durch die Zentrumsstimmen gegen einen Freikonservativen gewählt worden: er ist auch selbst Katholik. Jetzt hat er sich das Wohlwollen des Zentrums verscherzt, wenn ihm auch dev Hieb gegen die Nationalliberalen als. Milderungsgrnnd an gerechnet wird.
Die Exkaiserin Tait«... ein romanhaftes Feairenfchickfai.
Don diplomatischer Seite wird uns geschrieben: Dir Exkaiserin Tartu von Abessinien nimmt auch nach ihrer; Entthronung noch das größte Interesse in Anspruch, oa sie eine der hervorragendsten Frästen ist, die jemals auf einem Königsthrone gesessen hat. Wenn sie auch nicht so glücklich war wie die Kaiserin Tsu Sr von China, dce Krone bis zu ihrem Tode zu tragen, so war doch ihn Leben ähnlich wie das der verstorbenen chinesischen Kaiserin in seinem ganzen Verlaufe wie ei» großartigen Roman. Sie stieg abwechselnd von Höhen zu Tiefen, um endlich als die Gattin eines großen Herrschers auf einem Throne zu landen. Von dem abessinischen Kaiser Theodorus I. wurde sie, die aus einer unbedeutenden Familie entstammte, an einen abessinischen Häuptling im Alter von 15 Jahren verheiratet. Nach dem Tods ihres ersten Galten führte sie ein sehr bewegtes Leben, bis sie einem Freunde ihres Gemahls gefiel und von diesem geheiratet wurde. Sie reizte ihren neuen Gatten an, gegen den neuen Kaiser von Abessinien, Johannes» der nach dem Selbstmorde des Kaisers Theodor un Jahre 1868 zur Herrschaft kam, einen Aufstand anzuzetteln, um sich selbst auf den Kaiferthron Abessiniens zu setzen. Kaiser Johannes siegte aber und ließ dur Taitu. gefangen nehmen, da er in ihr mit richtigem Blick die Urheberin aller Ränke erkannte. Zur Strafe wurde sie mit einem gemeinen Soldaten verheiratet und mußte im Feldlager die gewöhnlichsten Dienste tun. Trotz dieser demütigenden Lage, in der sie sich befand, verstand sie es, die Aufmerksamkeit der höheren Offiziere! auf sich zu lenken. Als nun nach dem Tode des Kaisers Johannes in: Jahre 1889 sich Menelik am 3. November.
weichen breiten Volant garniert, und die Taillen in Jäckcherr- forrn gehalten. Oben zeigten sie einen spitzen oder länglich ovalen Ausschnitt, unter dem der Chifsoneinsatz eingeknöpft war. Fast keinem Anzug fehlte der breite Faltengürtel, nur war er einmal L travers in Falten gelegt, und ein andermal vorn zusammengelnotet, so daß er rechts wie links ein horizontal liegendes Dreieck bildete. Für die Jäckchen war entweder mit langen Schmclzperlen abkarierter Tüll auf einer Unterlage von Umseide oder Luft sticke rei oder einge- färbte Spachtelspitzen über Gold- und Silbergaze, die ihrerseits wieder mit Seide untersüttert war, verwendet. Unter den Grundstoffen für die Kleider herrschten Wollenkrepps und weiche Popelines — so sagte wenigstens Herr Drouet, da ich selbst dies doch nicht aus den Bildern zu erkennen vermochte — in Pastelltönen, wie mauve, Stahlblau, berce- lette. Perlgrau, Olive und ein sehr helles prune vor. Der koloristische Effekt erschien so verschwommen wie möglich, da auch die Garnierungen an Spitzen, Bändern und Pasie- menterien keine grellen Farben zeigten. Zu Braun war ein zartes Himmelblau, verschleiert von bräunlichen Spitzen, zu Stahlblau ein Lachsrosa, zu prun« ein gelblich angehauchtes Grau als Dekoration benutzt. Nur die glitzernden Gold- und Silberschmelzen und die perlmutterartig schillernden Metallflittern brachten Glanz in das zarte Farbenkonzert.
Ich sprach dem Maler, der diese traumhaften Frühlings- toilettcn komponiert hatte, natürlich meine Bewunderung derselben aus. „Ja, sie sind schön", sagte er wohlgefällig, „und ich habe für jede der Bestellerinnen mindestens fünf bis sechs, die ihrer Eigenart entsprechen, erfunden. Nim werden sie in die Täfelung der Schlafzimmer eingesetzt, und die Damen betrachten sich morgens und abends, bis sie sich so vertraut mit ihnen gemacht haben, daß sie ein Stück ihres Selbsts geworden sind. Laffnr sie sic sich dann anfertigen, so sehen sie darin aus wie ein schöner Vogel in seinem Gs-
