Einzelbild herunterladen
 

V«t«O s««ss«st« 25 ,ST.

;« »», « Uhr ««MS»

M « ,ltzr »brnd».

27,000 Abomcnrcil.

r»dn

ti$ Hit betbe ma&aabtn: 50 5Sfg mcn*:l*äj durch den Vertag Lang! V 50 Bs». »>erkl,üdruch durch alle drmfftzen PoffLNstaltm,

gaste 27, ohne Bringer-

_ ___ ... . . auSjchiietzlicli Bestellgeld,

de»»««- Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bismarckring 28,

fonne dir :W Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt; in Biebrich: die dortigen 33 Ausgabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger,

»nzrigen-stlnn-hme:» die »bend-Au»gabe dir 12 Uhr mittag»! für die Morgen-Ausgabe bi» s Uhr nachmittag».

2 TlWsausgÄcrr.

FerE«echer-S?n?r

,,Tag»i«tt-H«n»" Rr. <U»»0-SS« Kan « Uhr morgen» dis » Uhr sNntA Sonntag» von 10-11 Uhr vormittag«.

__ _ ..... fih-

Reklamen. Ganze, Halbe, drittel und viertel"Seiten, durchlausend, nach besonderer Berechnung, Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenrüttmen ent-prechender Rabatt.

Für die Aufnahme von Anzeigen an de» vorgeschricbenen Tagen wird keine Gewähr übernommen.

Nr. 13».

Wiesbaden, Donnerstag, 24. März IM®.

58. Jahrgang.

Morgen - Ausgabe.

1. Wkatt._

Der ftommenDe ArMMüms im pauseracrür.

Im deutschen Baugewerbe sind schon oft schwere Arbeitskämpfe zwischen Arbeitgebern und Arbeitern burchgeführt worden, aber alle vergangenen Streiks und Aussperrungen werden voraussichtlich an Umfang, Heftigkeit und Tauer hinter dem Arbeitskampf ver­schwinden, der im nächsten Monat im deutschen Bauge­werbe entstehen wird.

Haben die Arbeitgeber früher bei flotter Bautätig­keit oft nachgeben müssen, so wollen sie jetzt bei einer ihnen günstigeren Situation auch Forderungen durch­setzen, die in anderen Zeiten nicht durchzusetzen wären. In den Arbeitgcberorganisationen im Baugewerbe läuft außerdem noch der Gedanke, die Arbeiterorgani­sationen bei einem Arbeitskampf so zu schwächen, daß sie bis in eine günstigere Wirtschaftsperiode hinein^zu ernsteren Acbeitskämpsen untauglich werden. Tie Frage ist nur, ob dies erreicht werden kann und ob der Schaden, der aus einem so tiefgehenden Arbesis- kampf entstehen muß, nicht auch viele Unter­nehmer schwer schädigen oder ruinieren wird. Be­reits bei Acbeitskämpsen in früheren Jahren, die nicht allzulange gedauert haben, hatten Bauunternehmer schweren Schaden. Tie Bauunternehmer suchen sich zwar durch Streikklauseln in den. Werkver­trägen vor den schlimmen Folgen des Arbeitskampfes zu schützen, aber namentlich den kleineren Unternehmern dürfte dies häufig nicht gelingen. Für die kleineren Unternehmer steht es auch insofern ungünstig, als sie voraussichtlich vielfach zur Stillegung ihrer Bauten gezwungen werden, auch wenn sie sich mit den Arbeitern einigen, diese Stillegung wird häufig von den größeren Unternehmern durch die Material- sperre versucht werden. Tie Lieferanten der in den Kampf einbezoqenen Bauunternehmer müssen sich ver­pflichten, Baumaterialien nicht an solche Unternehmer zu liefern, die aus ihren Bauten während des allge­meinen Arbeitskampfes arbeiten lassen. Hat die Ma­terialsperre schon bei früheren Kämpfen im Bauge­werbe eine nicht unbedeutende Rolle gespielt, so wird sie bei der nächsten Bewegung im Baugewerbe von noch höherer Wichtigkeit werden. Ter Hinweis auf die Lieferanten der Bauunternehmer zeigt schon, wie weit ein allgemeiner Arbeitskampf im Baugewerbe auch auf andere Erwerbszweige übergreifen muß. Und wie die Lieferanten all der Materialien, die beim Bauen notwendig sind, bei einer Stillegung der Bauten Schaden haben würden, so auch die verschiedenen Handwerker, die ihre Arbeit beim Bau nach der Arbeit der Maurer und Zimmerer beginnen. Wenn die Maurer und Zimmerer den Rohbau nicht aus- fübren, können auch die Maler, Tischler, Schlosser,

Klempner, Installateure, Stukkateure, Töpfer, Dach­decker, Tapezierer usw. nicht arbeiten. Auch das Transport gew er be muß unter einem, allge­meinen Arbeitskampf im Baugewerbe schwer leiden.

Die Streitpunkte zwischen, Bauunternehmern und Arbeitern sind diesmal ziemlich reichlich. Einer der wichtigsten, der bei den Unterhandlungen sehr stark hervortrat, ist der, daß die Unternehmer den Tarif­satzungen einen zentralen Charakter geben wollen, während die Arbeiter mehr für lokale Festsetzungen sind. Für Überstunden wollen die Arbeitgeber nur noch dann Zuschläge bezahlen, wenn sich die tägliche Arbeits­zeit auf mehr als 10 Stunden ausdehnt. Bei der Ent­lohnung wollen sich die Unternehmer Vorbehalten, allein darüber zu bestimmen, ob Einheits-, Durchschnitts- oder Staffellöhne zu bezahlen sind, die Arbeiter dagegen for­dern, daß die noch bestehenden Durchschnitts- und Staffellöhne nach und nach in Mindestlohn umgewan­delt werden. Eine Forderung der Unternehmer, die bei den Arbeitern aus großen Widerstand stößt, ist auch der Vorschlag, daß die Löhne der Erd- und Tief­bauarbeiter der freien Vereinbarung Vorbehalten bleiben fallen, auf keinen Fall aber höher sein dürfen als im Hochbau. Hinsichtlich der Akkord arbeit wollen die Unternehmer völlig freie Hand haben. Ta gerade im Baugewerbe die große Mehrheit der Arbeiter scharfe Gegner der Akkordarbeit sind, so ist auch m diesem Punkte keine friedliche Einigung zu erwarten. Dasselbe läßt sich sagen von der Forderung der Bau­unternehmer auf Anerkennung ihrer einseitig verwal­teten Arbeits Nachweise durch die Arbeiter. Auch hier ist der ernsteste Widerstand der Bauarbeiter zu er­warten, zumal nach der Forderung der Unternehmer noch eine Bestimmung eingeführt werden soll, demzufolge dieEinstellung vonArbeitcrn nicht mehrSache desArbeit- gebers, sondern der Arbeitgeber sein soll. Tie Ein­stellung von Bauarbeitern soll also den einzelnen Ar­beitgebern abgenommen und den Arbeitgeber o r ga nl- s a t i o n e n übertragen werden. Ein anderer Streit­punkt bestellt darin, daß die Vorsitzenden der Schlich­tungskommissionen stets Arbeitgeber sein sollen. Ab­lehnend verhalten sich die Arbeiter auch gegen den Be­schluß der organisierten Arbeitgeber im .Baugewerbe, wonach die Arbeitszeit nirgends auf weniger als 10 Stunden festgesetzt werden darf. Die Verträae laufen bis znm 31. März, sie werden zunächst noch bis, zum 15. April verlängert. Aber auch nach dieser. Verlänge­rung dürfte es kaum gelingen, den Frieden im Bauge­werbe zu erhalten!

Deutsches Reich.

* Denkschrift über das Einfuhrscheinwesen. Die Denk­schrift über das Einstihrscheinwcsen ist dem Reichstag nun­mehr zugegangen. Der bei den vorjährigen Erörterungen in einem mit großer Mehrheit gefaßten Beschlüsse der Budgetkommission zrim Ausdruck gelangte Wunsch, eine

solche Denkschrift ausgearbeitet zu sehen, beruhte auf der Auffassung, daß es zunächst einer erschöpfenden Auf­klärung der öffentlichen Meinung bedürfe. Diesem Zweck ist dadurch Rechnung getragen, daß unter Verzicht auf eine bestimmte Stellungnahme zu der Frage, ob und in welcher Beziehung die bestehenden Vorschriften zu ändern sind, vornehmlich eine objektive Darlegung aller Verhältnisse, die für die künftige Erörterung der Frage von Wert sein können, in der Denkschrift gegeben wird. Im ersten Abschnitt ist dargelegt, wie sich das geltende Recht geschichtlich entwickelt hat, welchen Anteil an dieser Ent­wicklung die politischen Parteien und die verschiedenen Er­werbskreise in den verschiedenen Teilen des Reiches gehabt haben, welche wirtschaftlichen Erwägungen maßgebend waren, und welche Einwendungen gegen den jetzigen Zu­stand erhoben sind. Der zweite Abschnitt erörtert den Ein­fluß dieses Rechtszustandes auf die Einnahmen des Reiches, die Preisbildung im allgemeinen, den Schiffsverkehr in den östlichen Häsen, die Viehhaltung und die Müllerei im be­sonderen. Im dritten Abschnitt werden endlich die wich­tigsten, innerhalb und außerhalb deS Reichstags hervorge­tretenen Abänderungsvorschläge gewürdigt. Eine Reihe von statistischen Nachweisungen ist beigefügt.

* DieTriarier", Seim rechten Lichte betrachtet. Auch in der Landesversammlung des Bundes der Landwirte für das Königreich Sachsen hat der Abg. Dr. Diederich Hahn am Freitag wieder erklärt:So lange wir feststehen, gibt es noch keine Gefahren für das Kaisertum. So lange wir nicht erlahmen, ist noch nichts verloren, und darum: wir werden nicht erlahmen!" Mit dieser pharisäerhaften Sprache vergleiche man, so führt dieVoss. Ztg." aus, die Worte aus bündlerischem Munde: Kein Kanitz keine Kähne! und Keine Flotte wenn kein Pökel­fleisch! Man denke an den Ausruf, der zur Gründung des Bundes der Landwirte mit den Worten ausfordert«: Ich schlage nichts mehr und nichts weniger vor, als daß wir unter die Sozialdemokraten gehen und ernstlich gegen die Regierung Front machen." In der offi­ziellenKorrespondenz des Bundes der Landwirte" war cs. wo im März 1894 beteuert worden ist, daß der deutsche Landwirtjetzt geneigt ist, sofern er stch nämlich ehrlich und ohne Rücksicht ansspricht, den Kaiser als seinen poli­tischen Gegner anzusehen". Wie paßt zu diesen Herzensergüssen", mit denen auch jetzt wieder die Aufforde­rung des antisemitisch-bündlerischen Reichstagsabgeordneten Koehler-Langsdorf mit der Eventualität eines Bauern­krieges übereinstimmt, die anmaßende Versicherung des Frhrn. v. Manteuffel aus dem konservativen Parteitag am 11. Dezember:Wir Konservativen sind doch die wahren Triarier Seiner Majestät des Kaisers" ? Mit Recht hat der Abgeordnete,Fischbeck in der ersten Lesung der Wahl­rechtsvorlage das Treiben der Kreise gebrandmarkt, die es so darzustellen belieben, daß sie die einzige, die erste Stütze des Thrones seien, die täglich dreimal aus dem Munde heraus den letzten Blutstropfen für die Monarchie der- spritzen, aber gleichzeitig die ersten Stellen für sich in Anspruch nehmen und in der Politik Liebes-

Fe uillet on.

(maibtuS verboten.)

Germanischer Glauben und Krauch am Gründonnerstag.

Von O. Schell-EWerfeld.

Ungemein verbreitet war einst der Kultus des Donner­gottes, auf einem primittven Elementarkultus ausgebaut, bei vielen europäischen Völkern, so bei den Kelten, Ger­manen, Slawen, Finnen, Esten, Lappen. Kaum dürfte ein rüderer Kultus unter den Völkern Europas eine weitere Verbreitung gefunden haben als gerade dieser. Darum fchon ist es verständlich, daß dem Donnergott ein Wochen­tag geweiht war: der Donnerstag, der in allen germanischen Sprachen nach Donar genannte 6iss Jovis. Aber damit begnügten sich die germanischen Völker, auf die wir uns in den nachfolgenden knappen Auslassungen beschränken müssen, mcht; eine Reihe dieser wöchentlichen Donnerstage hob man besonders hervor: den Weihnacht,s'donnerstag, den Grün- donnersrag und den Himmelfahrts- Donnerstag. Diese drei Donnerstage in ihrer besonderen Wichtigkeit ganz auf christ­liche Einflüsse zprückzuführen, ist nicht angängig, denn sonst hätten der hl. Eligius, der berühmte Bischof Burchard von Worms (f 1025) und andere Kirchenfürsten keinen Grund zu ihrem Eisern gegen die an diesen Tagen geübten Bräuche gehabt. Es darf vielmehr mit Recht aus dieser Tatsache gefolgert werden, daß wir sie M Donar in Beziehung setzen dürfen, ja es ist sehr wahrscheinlich, daß einst der Donners­tag der höchste Festtag der Germanen war.

Ilmcr diesen Donnerstagen darf wiederum der Grün- ponnerswg in volkskundlicher Hinsicht eine besondere Be- bcortro»: beanspruchen dank den Sitten und Gebräuchen, die ihm vielfach noch heute sowohl bei den Nord- als den Süd- acmmser. auhasten, Sitten und Gebäuche, die sich aber bei

genauerer Prüfung als Reste dos alten Kults offenbaren, der seine Wurzel in dem Glauben an eine übernatürliche Macht hatte. Das ist die schon erwähnte Elementargewalt, die sich verkörperte im Donnergott. Solche oft unver­standenen, aus germanischem Kult hervorgegangene Sitten sind die festtägige Feier unseres Tages, volkstümlich fest­gestellte rituelle Speiseordnungen, die Bevorzugung dieses Tages zur Vornahme wichtiger Handlungen usw. Ein äußeres Band um diese vielfachen Auskristallisterungen des alten Kulttages schlingt gleichsam der Name.

Noch heute gilt der Gründonnerstag bei unseren ger­manischen Namensbrüdern in Dänemark als offizieller Feiertag. Darum heißt er isl. Skirsdagr, schwed. und dän. Skertorsdag ( der heilige reine Thorstag). Die gewöhn­liche Arbeit ruht dann, aber man pflanzt und sät. ' Am Niederrhein pflanzte man früher mit Vorliebe an diesem Tage die Zwiebel, deren nächster Verwandter der Schnitt­lauch (Allium schoenoprasum) ist. Etwas sonderbar ist es, daß der Gründonnerstag am Lochrain niyr für Verheiratete ein Feiertag ist. Wer an diesem Tage feiert, hat nach dem im Aargau herrschenden Glauben das ganze Jahr kein Fieber. Ans die vorchristliche germanische Zeit scheint auch die jährliche Wasserweihe der katholischen Kirche, d. h. die Einsegnung der mit Wasser gefüllten Taufbecken am Grün­donnerstag hinzuweisen, da diese mit Hammer und Haken­kreuz (Donarftzmbolen) bezeichnet waren. Am bekanntesten sind bis heute gewisse Speisevorschristen ani Gründonners­tag im Volksgebrauch lebendig geblieben. Fasten am Grün­donnerstag schützt in Mecklenburg vor Krankheit; diese An­schauung weist deutlich auf Donar als Heilgott hin. Die an diesen Tagen gelegten Eier schützen in Schwaben vor Leibschaden. Gemüse aus neunerlei Kräutern gekocht und am Gründonnerstag gegessen, erhält das ganze Jahr hin­durch gesund. Montanus zählt diese Kräuter aus: Bach­bunge. Brunncnkresse, Schlüsselblume, Holundersprossen, Gierenblatter, Frauenmantel, Lauch, Nesseln und Kuckucks­mus (Oxafts). Auch in Westfalen waren dieselben neun

Kräuter festgelegt. Dieser Brauch ist alt und hat schon früh die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt, da ihn Rollen,Hagen (1542 bis 1609) in seinem berühmtenFroschmenselerkrieg", der im Jahre 1595 entstand, anführt. In anderen Gegen­den werden nur sieben verschiedene Kräuter zur Herrich­tung dieser Gründonnerstagsspeise verwandt. Hier muß auch des aus Rüben und Brunnenkrcsse bereiteten Salats Erwähnung geschehen. In der deutschen Schweiz liefert die Dorrnernessel (Urtica divica) das Mittagessen; ebenfalls früher am Niederihein, namentlich bei armen Leuten.

Weiter von der ursprünglichen Natur entfernt man sich,- wenn man Backwerk mit Grün genießt. In Bayern und Böhmen gibt es gefüllte Spinatkrapfen, in Schwaben Laubfrösche" oderMauschellen", das sind mit frischem Ge­müse gefüllte Nudeln. In der Wettcrau genießt man an diesem Tage grüne Pfannkuchen, am Niederrhein Buch­weizenkuchen mit Schnittlauch, in Berlin (wenigstens noch vor einigen Jahrzehnten) Eierkuchen mit Schnittlauch. Im Wittgensteinischen (südliches Westfalen) schneidet man Schnittlauch über das Gemüse. In Sachsen erscheinen viel­fach Rapunzeln aus dem Tisch. An diesem Tage werden wieder au anderen Orten heilbringende Krüutersuppen ge­kocht. Noch einen Schritt weiter geht man, wenn man Brezeln, Kringel und anderes Backwerk ohne Grünes ge­nießt. Hier dürfte sich allerdings eine Berührung mit dem Fastnachtsgebäck ergeben. In Schwaben kennt man eine ge­salzene Gründonnerstagsbrezel; ihr Genuß sichert Fieber- frciheit für das kommende Jahr zu; allerdings muß sie in nüchternem Zustand gegessen werden. Vielfach verwendet man zur Herstellung des Gründonnerstagsgebäcks Honig (Judasohren, Judasbrötchen, Honigbrötchen). Am Grün­donnerstag muß man auch in Böhmen Honig genießen, wenn man nicht zumEsel" und damit zur Zielscheibe des Spottes von jung und alt werden will

Zunächst darf man in dem sprießenden Grün, das am Gründonnerstag so ausfallend hervortritt, ein Symbol der Fruchtbarkeit und der wiederertvacheulden und neutrcibender,