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Sonntag, i3, März 191». _Wiesbadener Tagblarr.

sorgfältige Lektüre den Engländern nicht dringend genug ans Herz gelegt werden kann,unzweifelhaft auf englischer weite bei der Möglichkeit eines Ausbruchs der öffentlichen Meinung, die durch irgend einen Zwischenfall zu einer Krisis führt. Auch könnte England bei seinem schwindenden Einfluß wohl die Absicht damit verfolgen, sein Prestige wiederherzustellen."

Deutsches Deich.

* Konservative Schaumschlägcrei. Die Vorgänge am Freitag im preußischen Abgeordnetenhaus, wo bei einer Abstimmung die Nationalliberalen den Saal verließen, be­handelt die am Samstag erscheinendeKonservative Korrespondenz" in ausführlicher Weise mit der markanten Überschrift:Ein unlauteres Manöver der Nationallibc- ralen". Schon die Einleitung ist charakteristisch. Sie be­sagt:Die zweite Beratung der Wahlrechtsvorlage hat leider einen störenden Zwischenfall gebracht, der den namentlich von konservativer Seite erstrebten Fortgang der Arbeiten zu einem einigermaßen annehmbaren Resultat empfindlich zu stören geeignet ist. Die Schuld daran trägt zum nicht geringelt Teil das vom moralischen wie vom parlamentarischen Standpunkt entschieden zu verurteilende Verhalten der Ratronälliberalen. Alis konservativer Seite bestand die sachliche und ehrliche Absicht, vor dem Lande die Haltung der Partei gegenüber der öffentlichen Wahl unzweideutig festzustcllen. Dieses sachlich durchaus gerecht, fertigte Bestreben durchkreuzten aber leider die National­liberalen, indem sie es vorzogen, eine der wichtigsten Frage,: der Wahlrechtsreform lediglich von dem taktischen Stand­punkt aus zu behandeln und Zuflucht zu einem Manöver zu nehmen, das aufs Haar dem seinerzeit auch von libe­raler Seite entschieden verurteilten Vorgehen der Sozial­demokraten in einem ähnlichen Fall während der Zolltarif- kämpfe im Jahre 1902 glich." Das konservative Partei­organ kommt zu folgendem Schluß: Die nationalliberale Fraktion des Abgeordnetenhauses hat die Konservative, verhindert, in einer deren Gewissen aufs emsteste berühren­den Frage volle Klarheit zu schassen und sie hat endlich ein femeres gütliches Einvernehmen in der Wahlrechtsfrage zwischen Konservativen und Nationalliberalen ernstlich er­schwert."

* Ausbildungskurse des Nationalvereins. Der Natio- nalverein für das liberale Deutschland gibt folgenden Auf­ruf bekannt:Auch in diesem Jahr veranstaltet der Natio- nalverein für das liberale Deutschland politische Ausbil- dungskurse. Wie schon früher wird in den Ostertagcn, näm­lich vom 29. März bis znm 2. April in Frankfurt a. M. ein Knrsns stattfinden und über den Rahmen dieses Kursus hinaus werden im Laufe des Jahres noch mehrere derartige Kürse im Norden und Süden Deutschlands veranstaltet werden. Je schwieriger die politischen Verhältnisse für das freiheitliche Bürgertum werden, desto wichtiger erscheint die politisch pädagogische Tätigkeit, die wir bei diesen Kursen leisten. Daß wir mit dieser Unternehmung einem wirk- Uchen Bedürfnis entgegentommen, geht aus den zablreichelr Anmeldungen hervor, die bei uns einlaufen. Wir freuen uns, daß wie bei den früheren Kursen auch diesmal sich zahlreiche Lehrkräfte aus allen Lagern des Liberalismus in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt haben. Unter den Angemeldeten sind wieder unbemittelte, die aus eige­ner Tasche die Kosten für die Kurse nicht aufbringen könrien Der StipendienfoNds aber, den wir zum Zweck von Unter­stützungen errichtet haben, reicht längst nicht aus wir bitten deshalb alle Freunde der Sache, wenn es irgend möglich ist, zu den Kosten der Kurse beizutragen. Da wir außer den Reisekosten nur 20 M. Wochenzuschuß gewähren,

,o muß doch jeder Teilnehmer, auch wenn er ein Stipendium erhält, beträchtliche persönliche Opfer bringen, zumal der Arbeiter, der in vielen Fällen feines Verdienstes verlustig geht. Wir appellieren an den Opfersinn derer, die da wissen, daß unser politisches Leben nur durch gesteigerte Politische Bildung gesunden kann und bitten Bei­träge zu den Kursen möglichst bald an die Bayerische Bank für Handel und Industrie, München, Lenbachplatz 4 (Natio- italvcrein Stipendienfonds), senden zu wollen, damit wir rechtzeitig einen überblick über die uns zur Bersüquna stehenden Mittel erhalten."

* Eine Gesamtvorstandssitzung des Alldeutschen Ver­bandes. Am 2. und 3. April findet in Hamburg eine Ge­samtvorstandssitzung des Alldeutschen Verbandes statt. Am 1. April erfolgt eine gemeinsame Fahrt nach Friedrichsruh. der Besuch der Grabkapelle und die Kranzniederlegung an. Grabe Bismarcks, am 2. April, abends, wird ein Bismarck- kommors stattfindeu, bei welchem General Keim die Ge­dächtnisrede hält.

* Die Ausschreitungen der Bonner Korpsstudenten. Die Untersuchung gegen die 56 Korpsstudenten wegen der schweren Ausschreitungen nach dem Bierhock am 4. Dez. ist abgeschlossen. Gegen eine Anzahl der Beschuldigten dürfte die Anklage wegen Gefährdung eines Eisenbahn­transports erhoben werden.

* Begnadigungen. Der Prinzregent von Bayern hat aus Anlaß seines 89. Geburtstages eine beträchtliche An­zahl zu Freiheitsstrafen verurteilte Personen begnadigt.

1? rtt'l a m cjttrt r i kches.

A Das Abgeordnetenhaus als Gast des Luftschiffer­bataillons. Die Mitglieder des Abgeordnetenhauses sind von der Heeresverwaltung cingeladcn worden, die Einrich­tungen und Anlagen des Luftschifferbataillons in Tegel in Augenschein zu nehmen. Der Besuch soll Anfang April stattfinden. Bei dieser Gelegenheit wird das neue Militär­lustschiffM. 3" von den Abgeordneten einer besonderen Besichtigung unterzogen werden. Bei günstigem Wetter ist ein Aufstieg des Lenkballons geplant.

Rechtsprechung und Uerwattnng.

Justrz-Personal-Beränderungen. Landgerichtsrat Linde­mann in Wiesbaden bei dem Oberlandesgericht in Frank­furt a. M. wurde zum OberlandeSgerichtSrat ernannt. AmtsgerichtSrat Dr. F e n n e r von Fe n.n eberg in Nieder- labnstein ist die nachgesuchte Dienstentlassung mit Pension er­teilt., Amtsrichter Häring in Flensburg wurde als Land­richter nach Wiesbaden versetzt. Referendar Dr. Hösbach im Bezirke des Oberlandesgerichts zu Frankfurt a. M. wurde znm Gerichtsassessor ernannt. Bei dem Strafgefängnis in -oegel ist eine Jnspektorstelle zu besetzen.

Herr- und Flotte.

Personal - Veränderung. Peters. Jntend.-Registrator von der Jntend. des 18. Armeekorps, zum Geheimen Registrator ,m Krregsmrnisterium ernannt.

^^^^erleihung. Hauptmann Roos im 2. Nass. r,eldart.-Regt. Nr. 63 Frankfurt wurde die Königliche 5üone zum Roten Adler-Orden vierter Klasse verliehen.

n Offizier-Fliegerkursus am Militäraeroplan. Bekannt ist, daß seitens der Militärverwaltung Kurse für Offiziere stattfindeu sollen, die die Erlernung der Handhabung mit den zur Verfügung gestellten Wright-FUegern und den beiden Flugmaschinen des Aviatikers Huth bezwecken. Außerdem sollen Ausbildungskurse an dem jetzt nach Döberitz überführten Militäraeroplan stattfinden. Der erste dieser Kurse wird demnächst beginnen, und es ist bestimmt worden, daß zunächst der Hauptmann in der Versuchsab­teilung der Verkehrstruppen de la Roi an dem Aeroplan ausgebildet wird. In Aussicht genonrmen sind ferner für die Unterweisung an den Wright-Apparaten je ein Offizier des Luftschifferbataillons und der Versuchsabteilung' der Verkehrstruppen. . Die an den Huthschen Aeroptanen aus- zubildenden Offiziere sind noch nicht ernannt worden.

Deutsche Kolonien.

Auch ein deutscher Pionier. Civis genuanus sum! ©teile den Fall Wetterlo, den Fall Mannesmann, den Fall Zmtgraff. Jetzt kommt ein neuer. Diesmal aus den Kolo­nien. In Südkamerun wurde im Sommer 1909 eine Volkszählung veranstaltet und in Messa hatte sie der Ober­leutnant Schipper vorzunehmen, über das dabei von ihm beliebte Zeremoniell gibt der Brief eines Eingeborenen, den die heute erscheinendeZukunft" veröffentlicht, recht lehr­reichen Aufschluß. Das Schreiber, lautet:Hierdurch er­laubt sich der Unterzeichnete, ganz gehorsamst Folgendes au Sie anzeigen zu dürfen. An, 9. August des Jahres 1909 ist der Kaiserliche Oberlieutenant Schipper hier in Messa er­schienen, um das Volk zu zählen. Au jenem Tag waren die ganze Menge Kakaleute aus dem Hof des Hätlptlings Titi, sowohl auch Händler vieler Finnen, um die Scheine (Ge­werbescheine) vorzuzeigen, wie dies der Brauch ist. Als Schreiber dieses ihm seinen Schein mit den Worten:Ent-

Morgen-Ausgabe, 1. Blatt.Nr. 121.

schuldigen Sie nur, Herr Oberlieutenant!" übergab, sagte er sofort, indem er auf dem Pferd saß:Wliat, talk englisii!" Schreiber dieses bittet nochmal, daß er keine ordentliche eng­lische Sprache kennt; so war der Herr Oberlieutenant sehr zornig und hob seine Peitsche aus, als wollte er Schreiber dieses schlagen, und fuhr mit den Worten fort:Timt, german (language) no good!" Alle, die dabet standen, Händler sowohl auch die ganze Menge von Kakaleuten, be­merkten das. Schreiber dieses war ja von allen Seiten voll Schamroth, besonders da auch ein Accramann dagewesen war, der vor einigen Tagen rühmte, daß die englische Sprache die beste sei. Die That des Herm Oberlieutenant Schipper machte ja Schreiber dieses sehr Unruhe im Herzen. Mit diesen Schreibungen frage ich ergebenst: Warum ist es so erforderlich, daß wir in Duala deutsche zirka sechs Jahre lernen müssen? Das ist Wunderliches. Das kann man in keiner englischen oder französischen Kolonie sehen. Nicht nur Schreiber dieses, sondern Viele haben das von Oberlieute­nant Schipper bekommen; selbst in Dume Station mußten alle, die doch was dort haben, Englisch sprechen, wie Schreib ber dieses bezeugen kann während feiner Passage von Obernjong nach Bua im Mai 1909. Jeder kann doch anneh­men, daß der Alarm, der Solches schreiben kann, kann auch sprechen. Schreiber dieses bittet, diese Anzeige weiterzube­fördern zu wollen. Hochachtungsvoll David Ngungu, Ober- händler," Der Mann hat vollkommen recht. Das ist wirk, lich Wunderliches. Und Herr Dernburg wird gut tun, so rasch wie möglich dafür zu sorgen, daß sich jener Vertreter des Deutschen Reichs wieder aus deutschem Boden mit deut­schen Untertanen in deutscher Sprache unterhält.

Ausland.

Gsterrerch-Mnggrn.

Ein Skandal im österreichischen Abgeordnetenhaus.

Im Abgeordnetenhaus zu Wien kanr es zu turbulenten Szenen. Das Haus stand gerade in der Debatte über die Finanzvorlage der Regierung. Als Generalredner sprach der Sozialdemokrat Dr. Renner. Während dessen Rede machte der Sozialdemokrat Pernerstorffer im Gespräch zu dem Abgeordneten Stransky die Bemerkung:Ich pfeife auf die Habsburger und pfeife auf die Hohenzollern." Diese Worte hörte der alldeutsche Abgeordnete Malik. Er forderte den Präsidenten auf. Pernerstorffer wegen dieses Rufes zur Ordnung zu rufen. Die Sozialdemokraten riefen bei diesen Worten:Pfui, Spion, Denunziant, gehen Sie zur Polizei." Pernerstorffer erklärte, die Äußerung lediglich im Privat­gespräch gemacht zu haben. Der Präsident bestätigte daß die Worte Pernerstorffers nicht seiner Zensur unterliegen, da die Stenographen unter Eid erklärt hätten, nichts gehört zu haben. Sodann kam es zwischen Malik und dem tschechi- schcr, Sozialisten Soulüp zu einer erregten Auseinander­setzung, die in jedem Moment zu Tätlichkeiten anszuarren drohte. Da Malik einen Überfall von seiten seines Gegners Soukup befürchtete, zog er seinen Revolver und bedrohte Soukup damit. Die beiden mußten schließlich von anderen Abgeordneten getrennt werden. Die Lärmszenen dauerteii bis zum Ende der Sitzung.

Italien.

Die Gesetzesvorlage, betreffend Bewilligung parlamen­tarischer Diäten an die Abgeordneten, ist von der Kammer abgelehnt worden.

Frankreich.

Die Untersuchung gegen Ducz.

_ _ Am 11. März wurden bei den Angestellten und bei dem Schwager des Liquidators Duez Haussuchungen vorgc- nommen, die aber ohne Ergebnis waren. Dagegen führte die Haussuchung, die bei einer Person abgehalten wurde deren Namen nicht genannt wird, zur Beschlagnahme von 3 00 wichtigen Aktenstücken. Die mit der Unter­suchung über die Liquidation der Güter der Kongregationen beauftragte Kommission des Senats wird beim Senat be­antragen, daß in das Finanzgesetz die Bestimmung einge­fügt wird, daß die Liquidatoren der Kontrolle der Finanz- inspektoren unterstellt sind, und, daß eilt Richter beauftragt wrrd, die Rechnungen einer jeden Liquidation zu prüfen und

Tie schöne Frmr schrie erschrocken:Was? Sie wollen schon abends mit Maria abreisen?"

Wir müssen nach Hause fahren, Jlma". sagte er lächelnd.

Nein, ihr werdet noch nicht nach Hause fahren!"

Die schöne Frau drückte Maria heftig, beinahe leidenschaftlich an ihre Brust.Einige Tage müßt ihr hier zubringen. Sie dürfen nicht so grausam sein!"

Sic blieben allein. Ihre erste Frage war:Bist du glücklich?"

Maria nickte. Es gibt Gefühle, von denen man rncht gerne spricht, einerseits aus Aberglauben, andererseits aus falscher Scham.

,;<co muff es auch sein", sagte die Schauspielerin mrt nrutterlichem Ernst.Und dann mußt du es auch zu schätzen wissen."

Sie fiel aber bald aus ihrer Rolle und lachte hell auf.Aber das ist doch schrecklich, daß ich so alt ge­worden bin! Nun bin ich schon bald Großmutter!"

. Maria blickte mit einen, gewissen Befremden die schone Frau an. Die luxuriöse Einrichtung des Salons und die parfümierte Luft betäubten sie. Sie sehnte sich sehr nach Hause in ihr kleines Zimmer, wo sie ihren Bräutigam, den braven Rechnungsoffizial, zu empfangen pflegte. Sie blickte ihre Mutter entsetzt an, als diese mit ernster Miene fortfuhr:

.Tas ist sehr traurig, Maria. Bin ich denn wirk­lich so alt geworden?"

Die Augen des sungen Mädchens füllten sich mit Tränen. Ein heißes, starkes Verlangen hatte sie er­faßt: fort von hier, fort von dieser schönen Frau, fort aus dieser eleganten Wohnung! Nach Hause, zu den beiden Männern, die gut. gerecht, einfach und ehrlich sind, die sie aufrichtig lieben!

Im nächsten Augenblick aber schloß Jlma sie in ihre Arme.Nun, fei wicht böse, teures Kindl Ich habe

Dummheiten gesprochen, aber deshalb liebe ich dich doch."

Eine innere Erregung erfaßte sie wieder, als sie w^ß,Jhre Tochter ihr kalt und kräftig entgegenkam. Mit tränen in den Augen flüsterte sie:Ich schwöre dir, Maria, daß ich für dich auch mein Leben Hingaben wurde!

In diesem Augenblick trat ein eleganter junger Herr ein. Sie wischte sich sofort die Tränen ab und eilte mit einem liebenswürdigen Lächeln ihrem Gaste entgegen.

Guten Tag, Graf. Kommen Sie, ich will Sie vor- stellen."

Sie blieb stecken. Sie schaute das schöne Mädchen verlegen an. Sie fühlte, daß die große Tochter ihre eigene Jugend in zweifelhaftem Lichte erscheinen lassen niußte. Sie zögerte einen Augenblick, ihre Augen ruh­ten flehentlich aus ihrer Tochter, als wenn sie gesagt hat^e. v?ch kann dich nicht als ineine Tochter vorstellen inan trägt sonst mich mit meiner Jugend zu Grabe.

Und als sie sah, daß Maria ihre stumme Bitte ver­standen hatte, fuhr sie fort:Eine Verwandte!"

Ter Graf verneigte sich und versuchte sich tritt ftana in ein Gespräch einzulassen. Aber Maria war übr bloch und wortkarg. Er dachte sich, dieses hübsche Madel ist sehr dumni und es lohnt nicht, sich mit ihr zu befassen.

Jlma wurde plötzlich guter Laune und machte recht geistreiche Bemerkungen. Eine große Freude hatte sie Maßt; sie hatte über ein junges schönes Mädchen den Sieg davongetragen I

Als spät abends Marias Vater kam, war vom Langerdableiben gar nicht mehr die Rede. Jlma flüsterte ihrer Tochter freundliche Liebesworte ins >^hr: sie versprach ihr, daß sie zur Hochzeit kommen werde. Ihre Augerr waren mit Tränen gefüllt, als sw

rhr einen Abschiedskuß gab. Aber sie atmete erleichtert auf, als die beiden den Wagen bestiegen batten

Maria klammerte sich fest an den Arm ihres Vaters als sie daran dachte, daß jene Frau gesagt hatte, sie wurde ihr Leben für sie hingeben, und sie doch schon irn nächsten Augenblick verleugnet hatte.

Bald war aber auch das vergessen und sie dachte nur an den Mann, der gut, treu, einfach und ehrlich war und sie wirklich liebre. ^

tMackidruck verboten.)

MaeterlincksMaria MaOalena".

(Von unserem Spezial-Berichter st atter.)

Wieder haben Dichter versucht, das Christus-Problem dramatisch zu ergründen und die Figur de^ Henands der Bühne zu gewinnen, aber der 6 166 des deutschen Strafgesetzbuches macht jedes solche Beginnen für die Praxis unwirksam. Dramen werdet! schließlich m>= m^ben, um aufgeführt zu werden, und der Gedanke, den Stifter der christlichen Religion einmal vor den Kulissen verkörpert zu sehen, ist für unsere Verhältnisse unfaßbar Daher richtet sich das Bemühen der Dramatiker darauf' Stoffe zu gestalten, die in irgend einer Verbindung mit dem Nazarener stehen und ihn wenigstens als Schatten im Huüergrunde austauchen lassen. Freilich, die Gewissen­haftigkeit der preußischen Zensur ist durch solche Schleichwege nicht leicht zu übertölpeln. So konnte Paul Hehse, dessen 80. Geburtstag just in diesen Tagen alle Hoftheater festlich begehen, sein SchauspielMaria von Magdala" (erschienen bei Cotta, Stuttgart) nur einmal in einer gesckwssenen Vor­stellung des Berliner Goethe-Bundes sehen. Und so blieb dem Direktor Volkner vom Leipziger Stadttheater die Ehre Maeterlincks SchauspielMaria Magdalena" (erschienen bei Eugen Dicderichs, Jena) als erster auf die Szene zu bringen und damit zu beweisen, daß das religiöse Empfinden durch dieses Stück nicht verletzt wird