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Nr. 111.

Wiesbaden, Dienstag, 8. März ISIS.

Morgen - Ausgabe.

_ 1. gSEatt.

Nertrauensvolle Beziehungen?

In der Samstags-Reichsiagssitzung, in welcher der Staatssekretär v. Tirpitz sich bei der Beratuna des Marineetats scharfer Angriffe von den verschiedensten Seiten des Hauses zu erwehren hatte, dre er nur zum Teil erfolgreich zu parieren vermochte,. kam es zum Schluß noch ganz unerwarteterweife zuemem Ausflug in das Gebiet der hohen, der auswärtigen Politik- wobei der R e i ch s k a n z l e r v. B e t h m u n n- Hollweg sich veranlaßt sah, in eigener Person am den Plan zu treten und s ch.e i n b a r aus dem S t e g- reif in Wahrheit aber unverkennbar m sehr wohl überlegter Weise einige kurze, aber inhaltschwere Worte über die deutsch-englischen Beziehungen zum besten zu geben. Tie Anregung hierzu gaben dem leitenden Staatsmann die Bemerkungen des tten- trumsabgeordneten Grafen Oppersdorfs_ und des Sozialdemokraten Südekum über den vielerörterten Plan einer Begrenzung der Flotten- - üst u n g e n, ein Plan, bei. dem man, wenn von ihm aie Rede ist, ja bekanntlich immer ausschließlich an Deutschland und England denkt.

Ter Reichskanzler ging zwar auf diese Anregung nicht ein. indem er offenbar meinte, daß keine Antwort auch eine sei, aber er benutzte die Gelegenheit. . dre Meinung der deutschen Regierung über die derzeitigen Beziehungen zu England zum Ausdruck zu bringen. Wenn Herr v. Bethmann-Hollweg hiermit nicht bis zu der großen Debatte wartete, die sich in dieser Woche an den Eta des Reichskanzlers schließen wird, so be­kundete er damit, wie viel ihm daran liegt, be­sänftigendes Öl auf die Wogen zu gießen, d:e bei der jüngsten Wahlbewegung jenseits des Kanals so boeh schlugen und deren Brandung bas noch recht frische und etwas mangelhafte Bollwerk der deutsch-englischen Entente" zeitweise ernstlich zu bedrohen schien.

Nun pflegen ja vernünftige Leut« nicht alles für bare Münze zu nehmen, was während eines so heftigen WahlkarnpstS, wie er sich soeben in England abgespielt hat/zum besten gegeben wird, und so ist es denn ohne weiteres begreiflich, wenn der Reichskanzler alles das, was in den letzten Monaten in Großbritannien über denunerträglichen wirtschaftlichen Wettbewerb Deutschlands", über die maßlosen F l o t t e n r ü st u n g e n" und über dieGefahr einer deutschen 3 nvasio n" gesprochen worden ist, nur andeutungsweise berührte. Denn gegen diese

Feuilleton.

Kus den Mter!

(Nachdruck Verbote nv

Von Rudolf Schuuling

Der Fischotter ranzt jetzt. Er sucht stromauf die ihm bekanirten Baue und Ausstiege nach Weibchen ab und er- tnöaiicfrt es jo, b-erjj er leistet gezüngen erden knnn nis sonst. In seinem Revier weiß der Otter sich nämlich außer- orderrUich gut zu verstecken.

Er ist eines jener seltsamen Trere, von denen sich schwer sagen läßt, ob er Land- oder Wasscrbewohner ist, da er auf dem einen wie in dem anderen sich vollkommen zu Hauze fühlt. Ware die landläufige Erklärung des wissenschaftlichen Namens Amphibie als eines Geschöpfes, welches sowohl im Wasser als aus dem Lande lebt, richtig, so würde der Fisch­otter sicher einen der ersten Plätze in dieser Tierklasse ern- nehmcn. Dem ist aber nicht so, und so seltsam das scheinbar doppellebige Geschöpf auch innrer erscheinen mag, so ist es doch ein so echtes Säugetier, wie nur eines. Gestalt und Körperbau verweisen cs in die nächste Verwandtschaft des Mardergesck lcchts, und es verleugnet auch diese nahe Vetter­schaft nicht in bezug aus seine räuberische Lebenswege. Fischer und Fischereibesitzer sind seine geschworenen Tod­feinde, und sie haben in der Tat alle Ursache dazu.

Das Tier ist außerordentlich scheu, es riecht und sieht vorzüglich und flüchtet sich stets bei Zeiten in seineil Schlupf­winkel. Es ist daher meist reiner Zufall, wenn es in seiner Tätigkeit beobachtet wird und kommt auch dem Jäger nur höchst selten oors Rohr. Dazu gesellt sich der Umstand, daß es bei Tag- meist still in seinem Bau liegt oder sich an ein­samen Plätzen sonnt und gewöhnlich nur des Nachts seiner Nahrung nachgeht, d. h. regelrecht fischt. Es taucht auf den Grund nieder, um Fische und Krebse unter den Steinen her­vorzuholen, und schwimmt im Fortbewegen stets stromauf­wärts. In diesem Geschäft ist der etwa zwei Fuß lange, oben dunkelbraune, unten gräuliche, unter dem Kinn und an der Rate meist mit weißen Flecken gezeichnete Körper ganz vorzüglich befähigt. Das Tier ist schlank wie ein Wiesel, chatt und beweglich wie ein Aal, der Pelz nimmt kein Waffer ap dir Zehen, sind durch Schwimmbäute verbunden, und die

Ausschreitungen der Wahlagitation richteten sich un­verkennbar die Bemerkungen, daßden freien Wett­bewerb aller Nationen keine Macht auf der Erde mehr ausschalten oder unterdrücken" kann, daß werterdurch unser Flottengesetz jedermann bekannt" ist,rn welchem Umfange und in welchen Zeitabschnitten wir «chrsse bauen werden, daß wirunsere Flotte . nicht zu aggressiven Zwecken bauen, sondern leürglrch zum Schutze unserer Küste und unseres Handels", und daß endlichunser Wunsch, ein freundschaftliches Verhält­nis zu England zu pflegen, offen zutage liege. An diese Darlegung knüpfte der leitende -Staatsmann den Ausdruck der Überzeugung, daßsich aus dreier Grundlage die vertrauensvollen B e z r e h u n- g e n die wir zur englischen Regierung unterhalten, günstig fortentwickeln und gleichzeitig die Volks- st i m m u n g in demselben Geiste beeinflussen werden .

Man wird sich dieser Hoffnung anschließen können, auch wenn die Kennzeichnung der deutsch-englischen Beziehungen, die noch vor wenigen Jahren von deut­scher Seite die Noter o r r e k t" erhalten hatten, als vertrauensvoll", was die englische Auffassung be­trifft, vielleicht noch mehr einem aufrichtigen Wunswe als den Tatsachen entspricht. Immerhin nruß aner­kannt werden, daß in den letzten Wochen. auch lenserts des Kanals von den leitenden Männern ein unverkenn­bar freundschaftlicherer Ton gegenüber Deutschland an­geschlagen wurde, und daß man sich dorr auch bemühte, das Gespenst der deutschen Invasion zu bannen, chn der Tat. wenn man bedenkt, daß sich nach den neuesten Berechnungen der englische Flottenbestand am 1. April nächsten. Jahres auf 56 Linienschiffe und b9 Panze'^ kreuzer, der deutsche aber auf 26 Linienschiffe urrd 10 Panzerkreuzer stellen wird, so muß die Flottenfurcht England ebenso wundernehmen wie das Verlangen einer Begrenzung der Flottenrüstungen, da za dreie Grenzen" so ungeheuer verschieden sind..

Was diese Frage selbst betrifft, so ging, Herr von Bethmann-Hollweg, wie gesagt., mit Stillschweigen darüber hinweg, was darauf schließen läßt, daß die Verbündeten Regierungen noch heute auf dem '«tcmo- pnnkt stehen, den der Vorgänger des jetzigen Reichs­kanzlers, Fürst Bülow, in der Reichstagssitzung vom 10. Dezember 1908 zum Ausdruck brachte, als er die internationale Beschränkung der Rüstungeneine an und für sich sehr wünsche n swer i e Sache nannte, afrer ho.riefte, haf> her Versuch einer solchen Regelung an den technischen Schwierigkeiten, an der An m o g -

l i ch feit, einen gemeinsamen Maß st a v zu finden, und an der Undurchführbarkeif einer Kontrolle scheitern muffe. Im übrigen sprechen mancher an An­zeichen dafür, daß im jetzigen Zeitalter usv Ententen die von beiden Seit«, als im Interesse des Weltfricaens

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eigentliche Stellung der Augen, welche hoch am Kopse liegen und ein wenig hcrvorstehen, lassen es auch alles wahrnchmen, was über ihm vorgeht. Sein Atmen ist sehr kurz, und falls es einem Jäger gelingen sollte, es zu beschleichen, so hat er leichtes Spiel. Es muß nämlich alle paar Minuten an dre Oberfläche des Wassers kommen und die Nase heraus,lecken, um Lust zu schöpfen. Das Schießen ist dann leicht, das Be­kommen aber nichtsdestoweniger eine sehr proolematpche Sache; denn selbst tödlich getroffen, taucht das Tier sofort unter und wird vom Strome fortgeführt. Man sagt sogar, daß es sich im Todeskarnpfe an Wurzeln und Wasserpflanzen auf dem Grunde des Wassers sestbeißt und überhaupt nicht wieder an die Oberfläche kommen soll.

Di- Anwesenheit eines Fischotters in einem Gewässer macht sich schon nach den ersten vierundzwanzig Stunden bemerkbar. Abgesehen von seiner ungemeinen Gefräßigkeit hat das Tier die Gewohnheit, die Fische nur halb zu freff n uud den Rest schwimmen zu lassen, die größeren überhaupt am Lande zu verzehren. Die massenhaften Überbleibsel ver­raten dem Fischer sofort seinen schlimmsten Feind, und cr läßt selbstverständlich nicht eher nach, als bis er seiner hab­haft geworden ist. Der Schaden, den. ihm ein solches Tier zufugt, ist sehr bedeutend: ist es aber gern ein Pärchen, das dann noch zwei, drei auch wohl vier Junge groß zu ziehen hat, dann wird der Schaden geradezu unberechenbar» die Familie kann eine ergiebige Fischerei gänzlich zerstören.

So sehr der Fischotter auch aus das nasse Element ange­wiesen ist, kann es doch nicht leicht ein zweites Tier geben, welches mit einer gleichen peinlichen Sorgfalt um ein iroekenes Lager bemüht ist. Der unterirdische Bau ist in den

88. Jahrgang.

notwendig anerkannte deutsch-englische Derftändigunn auch ohne verbriefte und versiegelte Abkommen weitere Fortschritte machen wird, und daß, wenn die Beziehun­gen zwischen den beiden Ländern auch vielleicht noch nicht ganz so vertrauensvoll sind, wie sie es sein soll­ten, doch die leitenden Männer hier wie dort voll Ver­trauen sind, daß die L e b e n s i n t e r e s s e n der bei­den Nationen selbst früher oder später zu diesem End­ziel führen werden.

V rutsch es Deich.

* DerMatin" zur Affäre Wedel. Der Chefredakteur desMatin" Stephan Lauzanne veröffentlicht in seinem Blatte einen längeren Artikel über die Affäre der Gräfin v. Wedel. In deni Artikel beschäftigt sich der Verfasser mit der Aufforderung, welche seitens eines rheinischen Blattes an den deutschen Kaiser gerichtet worden ist. Lauzanne schreibt:Wir werden die Entschlüsse des deutschen Kaisers ruhig abwarten; wenn wir nur das französisch^ Interesse ins Auge fassen, so würden Wir den Sieg der Spitzel des Pangermanismus wünschen, sowie die Ersetzung des Statt­halters, denn wenn Elsaß-Lothringen jemals germanisiert werden soll, so wird dies durch Leute wie Wedel und Witiig aeschehen, während Redakteure wie diejenigen des rheini­schen Blattes dahin arbeiten, das Andenken und die An- hänglichkeit an Frankreich unverwüstlich zu machen Würden wir'sie bezahlen, könnten sie nicht besser für uns arbeiten.

Diese Anhänglichkeit desMatin" an den Grafen Wedel erklärt sich wohl daraus, daß unter seiner Regierung die Verbreitung desMaiin", die in Elsaß-Lothringen verboten war, vor wenigen Wochen wieder zugelassen wurde.

* Eine Abänderung des Konsulargcsetzes vom 8 November 1867. Im Reichsjustizamt ist man mit den Vorarbeiten für einen Gesetzentwurf zur Abänderung des Konsulargesetzes vom 8. November 1867 beschäftigt. Es ist die Einsetzung eines obersten Konsulargerichtshofes in Aussicht genommen, an dem die Rechtsmittel gegen dis Entscheidung der Konsuln und der Könsulargerichte geleitet werden sollen. Diese Maßnahme steht im Zusammenhang mit der Entlastung des Reichsgerichts, dem jetzt die Recyt- sprechung in Konsularfachen zugewiesen ist.

* Hansahund. Die Handelskammer der freien Hansen stadt Hamburg ist korporativ dem Hansabund belge- trctcn. In der letzten Zeit sind 30 neue Zweigorganifationcu des Hansabundes gegründet worden.

* Das Herrentum des Bundes der Landwirte. Be­zeichnend für das Herrentum des Bundes der Landwirte ist folgende Geschichte, die demNiederschles. Kur." aus dem Kreise Lüben berichtet Wird. Dort hielt der frepmmge ReichstagZabgeordncte Dr. Doormann am letzten Sonntag

hohen Ufern'der Flüsse, Seen und Teiche angelegt und be­ginnt mit seinem Ausgange unter dem Wasser. Von hier aus zieht sich die Röhre nach oben, mehrmals kesselartig sich erweiternd, und zwar so, daß diese Erweiterungen in ver­schiedener Höhe über dem Wasserspiegel liegen. Wird ber höherem Wasserstande ein Kessel gefüllt, so zieht sich das Tier in die nächste Etage zurück, und so findet es auch bei etwaigen Überschwemmungen stets einen trockenen Unter­schlupf. Von der Decke des obersten dieser Kessel läuft ein gewöhnlich unter Baumwurzeln oder einem Busche gut ver­stecktes Luftloch an die Erdoberfläche, so daß der kunstvolle Bau stet? mit der nötigen frischen Luft verseheu ist. In kultivierteren Gegenden nimmt der Fischotter auch mit einem

Laaer in hohlen Bäumen oder unter starken Wurzeln rn der Nähe von fließenden Gewässern fürlieb, benutzt nötigenfalls auch wohl benachbarte Fuchs- oder Dachsbaue.

Das Lager zu finden ist aber keineswegs leicht. Das Tier beginnt seine Jagd immer erst in gehöriger Entfernung davon, nie findet man in der Nähe desselben Überreste von Mahlzeiten. Das ist nicht etwa eine Gewohnheit, die es erst infolge der Nachstellungen von seiten des Menschen an­genommen hat, denn dieselbe Vorsicht beobachtet eS auch M den tiefsten Wildnissen Amerikas, wo unser Fischotter gleich­falls sehr verbreitet ist. überhaupt ist die ganze gemäßigte und kalte Zone der beiden Hemisphären seine Heimat, unv zahlreiche Verwandte vertreten ihn auch in den heißen Erd- strichen, selbst im Meere. Das ganze Geschlecht der Otter« aber gehört bekanntlich zu den besten Pelzlieserawen.

Des Pelzes wegen und weil der Otter den Frschbestan- den so gefährlich ist, wird ihm fleißig nachgestellt. Meist- aebräuchlich ist immer noch das Tellereisen, welches aber verwiftert sein muß. Es wird am besten an der Stelle des Aufstiegs oder am Wechsel im Bache fängrsch gestellt.

In Enaldnd jagt man den Otter mit Hunden, und zwar mit einer Art von rauhhaarigen Terriers. Wie Hans Windeck schreibt, kann man sich aber auch aus allen anderen Hunde- arten gute, scharfe Otterjäger er,ziehe,r. Am besten sind die stichelhaarigen Hühnerhunde; aber selbst unter den Dorf­kötern unbestimmter Herkunft finden sich sehr eifrige und scharfe Treiber. Es handelt sich doch nur um die Ausnutzung eines vorbandeiren Instinkts, der den Jägern manchmal sehr unliebsam zum Ausdruck kommt, wenn solche Fixköter sich ohne Aussicht in Feld und Wald tummeln dürfen. Aiich Terriers und Teckel gewinnen dieser Wasserjagd bald In­teresse ab. Sic muß init ungeübten Hunden in ganz flae en Bächen begonnen werden. Der Otter, der an stillen Orten nicht selten auch am Tage fischt, wird durch den Lärm der Meute in seinen Bau oder in ein Rotversteck getrieben. Das ist schon ein Vorteil, denn nun fallen die Hunde die frische Fährte an und wissen, was von ihnen verlangt wird. Einige Spaten und Äxte müssen von den Begleitern mit- gefiihrt werden, um den Erdhunden den Bau des Otters zu öffnen. Sobald die Hunde den Gegrier vor sich habe«, wird die Sache seht aufregend. Der Otter ist auch auf dem Lande durchaus nicht unbeholfen, sondern flink, gewandt und verschlagen. Natürlich wählt er. wo er kann, das WgDr