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2 Tagksausgaben.

Mrnsprech«r-R»sr

Tagblatt-HauL" Nr. SLÜÜ-53. Bon 8 Uhr morgen» bis 8 Uhr abend?. Sonntags vou 10-11 Uhr vormittags.

Nr. LvK.

Wiesvaden, Sonntag, H. März

WWLd.'ÄLLSilLNr »JSidJ'SSg«

Für die Ausnahme Volt Anzeigen LN den vorgeschriebenen Tagen wird keine Gewähr üb ernommen. _ _

B8, Jahrgang.

Morgen- Ausgabe.

1. M'cftt. __

Die PsliliK der Woche.

Der deutsche Reichstag! hat wieder sein Oberhaupt. Die Besetzung der durch das Ableben des Grafen '-Ltot- berg freigewordenen Stelle des Präsidenten vollzog sich überraschend glatt, und da die Wahl des Grafen Schwerin-Läwitz auf Vorschlag des Abgeordneten Frm- herrn v. Hertling durch Akklamation erfolgte, so fehlte den Parieren der Linken der Anlaß zu einer Temon- jtratlon durch Stimmenthaltung. Mochte sich auch hinter den Kulissen mancherlei abgespielt haben, war auch im Zentrum zweifellos eine starke Strömung für die Geltendrnachnnq der Ansprüche auf die Besetzung des Präsidentenpostens, so trat jedenfalls nach außen hin von solchen Differenzen nichts hervor, und die Einigkeit zwischen den konservativen Parteien und dem Zentrum scheint durch die Präsidentenwahl aufs neue besiegelt zu sein.

Im Zeichen der konservativ-klerikalen Paarung steht auch nach wie vor die preußische Wahlrechtsreform. Die zweite Lesung der Vorlage in der Kommission hat im wesentlichen die Beschlüsse der ersten Lesung be­stätigt, und es ist vor allem dabei geblieben, daß auf Grund des Kompromisses zwischen den K o n s e r- vativen und dem Zentrum die direkte durch die indirekte Wahl ersetzt wurde gegen das unzu­reichende Zugeständnis der geheimen Stimmabgabe bei den U r w a h l e n. Gegen dies mit den Stimmen her beiden konservativen Parteien und des Zentrums gegen alle anderen Parteien angenommene Kom­promiß erhob erneut der Minister des Innern Von Moltke Einspruch, indem er versicherte, daß die Regierung sei ihrer Vorlage und deren Begründung stehen bleibe. Aber diese Kundgebung sah durchaus rächt nach einem Entweder-Oder airs, und die allge­meine Meinung oeht dahin, daß die Regierung sich zum Schluß, wenn nur das Herrenhaus der Mehrheit des Abgeordnetenhauses reinen Strich durch die Rech nuug macht, auch mit dieser Umkehrung ihrer Vor tage abfinden werde.

Mehr Erfolge als dem preußischen Mmisterpräsi deuten auf dem Gebiete der inneren Politik scheinen dem deutschen Reichskanzler v. B e th m a n n-H o t l- w e g auf dem der auswärtigen Politik beschieden zu sein. Tas überaus freundliche Echo, welches die Aus­nahme des österreichisch-ungarischen Ministers des Aus­wärtigen, Freiherrn v. Aehrenthal, in Berlin bei der österreichischen Presse gesunden hat. , bestätigt die off.- ziösen Kundgebungen über den befriedigenden Verlauf dieser diplomatischen Visite ebensosehr wie die bedeut­samen Ausführungen, mit denen der frühere Minister Plchner im österreichischen Herrenhause das deutsch­

österreichische Bündnis gefeiert hat. Und wenn der Tscheche Kramarz gleichzeitig im österrerchrschen Abge- ordnetenhause die entgegengesetzte Tonart angeschlagen hat. so sollte das für den Fretherrn Brenerth lediglich eine ernste Mahnung sein, nicht auf der schiefen Ebene einer Politik sortzusahren, dre zu oeni Rücktritt des deutschen Landsmannministers Schreiner geführt hat.

Friedensklänge tönten .in dieser Woche.auch aus England über den Kanal herüber. Ebenso,wie Kön ig Eduard in der den Erzbischöfen erteilten Audienz erklärte, daß sein heißester Wunsch die Erhaltung des Weltfriedens sei, so hielt auch ini Unterhause ber der Beratung des Marineetats der Admiral Beresford denen eine erfreuliche Vorlesung, die mit der Hetze gegen Deutschland politische Geschäfte zu betreiben suchen. Im übrigen ist es dem Kabinett As qutth glücklich gelungen, die drohende Krisis, m die es durch die Begehrlichkeit der Iren getrieben worden war, wenn nicht endgültig zu beschwören, so doch hinanszu- schieben, lvenn auch in England nach wm vor mit der Wahrscheinlichkeit von Neuwahlen im sommer gerech­net wird, deren ParoleFür oder gegen das Ober­haus!" lauten würde.

Aufgeschoben, wenn nicht gar aufgehoben, ist auch die geplante deutsch-amerikanische Aus­stellung in Berlin, von der man sich eine weitere Ver­besserung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern versprach, während jetzt schon die Vorverhandlungen zu unerfreulichen Reibungen geführt haben. , watz man überhaupt den Friedenswert aller derartigen Veran­staltungen nicht überschätzen soll, hat auch die Ablehnung der an die Akademien des Institut de France gerrchte- ten Einladung zur Teilnahme an der ÄerlinerUnr-- v er s it ä t s fe i er gezeigt, und man hat bei dieser Gelegenheit gesehen, daß ' die nationale Emp­findlichkeit der Franzosen ein Faktor tst. niit dein man noch aus geraume Zeit in Deutschland wird rshnen müssen.

Die iüngsten heftigen Kämpfe in der französi- sch e n D ep u t i e r t en k amme r Haben übrigens aufs neue dargetan, daß die Position des Kabinetts B r i a n d allgemach nicht mehr so unannehmbar ist, wie sie bisher erschien. Zwar hat die Kammer das Budget in einer stürmischen Nachtsitzung mit der großen Mehrheit von 446 gegen 65 Stimmen angenommen, aber es war dies weniger ein Erfolg des Minister­präsidenten ols vielmehr des Finanzministers Cmllaux, den toiele bereite als beit kommenden Mann belrachlen. Und auch das weitere Plus in der Bilanz des Kabi­netts Briand, nämlich die endlich erfolgte Ratifizierung des A b k o m mens m i t dem u 11 a u Muley Hafid, gehört ja im Grunde zum Konto des Ministers Pichon, ganz abgesehen davon, daß man in Frankreich dem geriebenen Marokkaner trotz aller Ver­träge nicht über den Weg traut.

Feuilleton.

(Nachdruck verboten.)

WZ der Teufe! nach Jfemftmm Kam.

Von Erwin Rosen.

Columbnsville bat zwar einen schönen Namen, aber nur siebzehn Holzhäuser, von denen fünfzehn in einem sehr bedenklichen baitlicheii Zustand sind. Es liegt im schwärzesten Süden von Louisiana. , Seine Bevölkerung besieh: aus einhundertdreiundsünfzig Negern (Frauen und Kinder eingerechnet). Der Berus dieser Bevölke­rung ist, möglichst wenig zu arbeiten. Die Baumwolle wächst ja so ziemlich voii selber. Allerdings muß man ji* pflücken, aber das läßt sich nun einmal nicht ändern. Tw Fortschritte, die die Zivilisation in Columbnsville gemacht hat, sind (dank den weisen Gesetzen des Staates Louisiana) gänzlich unbedeutend. Allerdings liegt Columbusville an der großen Staatsstraße nach New Orleans. Die Straße wird jedoch jahraus, jahrein nur von den Banmwollwagen der Farmer befahren.

Die Honoratioren von Columbusville hockten in ein- trächtiglichem Kreis mitten auf der Straße und würfel­ten. Sam vielt, kraft des bedeutenden Ansehens, das er "genoß, die Bank. Sam war nämlich Bürgermeister, Kirchenältestec der Methodistengemeinde und Besitzer von sechs fetten Schweinen. Sam schüttelte die beiden Würfel in der Hand und schielte gewinnsüchtig nach den Häuschen Nickelgeld hin. die auf der Straße aus- gestapelt waren. Sam schüttelte die Würfel. (Er sollte eine Sieben werfen).

Hallo, Sieben. Komm, kleine Sieben. Liebe, süße gute' Sieben, komm schnell! Frauchen braucht ein Paar Schuhe. Liebe Sieben. . . ."

Die Würfel rollten .... sieben! Blitzschnell schoß --ste schwarze Tatze des Herrn Bürgermeisters hervor

und strich das Geld ein. Die Honoratioren rollten die ' Augen und ärgerten sich. Ein neues Spiel begann. ^

Oha, dicke Elf. ^Komm, liebe, dicke Elf.

grinste der Herr Bürgermeister beschwörend und schüttelte abermals die Würfel.

Plötzlich ließ er die Hand sinken und richtete sich behend auf. Ein leises Sausen und Surren, etn

Knattern.Er horchte abermals er sah dm

Straße entlang und sprang entsetzt auf. ,

Was ist es o Lord, was ist das?" schrie er furchtbar erschrocken.O o - o Lord . .

In rasender Schnelligkeit schien ein schwarzes Etwas daherzusausen. Dröhnend, stampfend, furchtbar, eine gewaltige Staubwolke auswirbelnd. Immer naher und näher kam es.

Sam machte einen gewaltigen Satz nach der Haus­tür. Tie Honoratioren rannten ihm blindlings nach. Ein schwarzer Kater lies in wahnsinniger Furcht die nächste Wand herauf. Das schwarze Etwas sauste vor­bei Gewaltiger Luftdruck, ein schreckliche^ Trompeten- ton. eine Wolke von Staub und Dunst! Sams schwar­zes Gesicht war aschfahl geworden

Die Trompeten von Jericho!" stöhnte er.,Dre die Trom-eten o, meine Sünden, meine vielen Sünden!" . ^ __ _ .

Beim Stöhnen hatte er natürlich den Mund sehr weit ausgemacht und selbstverständlich einen beträcht­lichen Teil der Dunstwolke in sich ausgenommen. Nun schnüffelte er und roch und schnüffelte wieder. Mit einem Mal kam ihm die Erkenntnis!,

Peck> und Schwefel'" schrre Sam laut auf.

, Ogottogottogott Pech, liebe Brüdei Schwefel, meine Mitbürger. O das war er. O, unsere Sünden. Das war der Teufel!"

Der Teufel!" brüllten die Honoratioren. Blind­lings rannten sie hin und her. Die Weiber kreischten, die Kinder schrien, die Hunde heulten. Dicht in eine Ecke gedrückt stand Sam, Bürgermeister und Kirchen-

PolMschr Merstcht.

Die MUisrrenstrsLunsrm der amerikanischerr BsUarkönige.

Derreichste Mann der Welt", John Rockefeller. hat bekanntlich vor wenigen Tagen die Stiftung eures Vermögens an die Vereinigten Staaten von Amerika ausgesprochen, wie es in solcher Höhe bisher wohl noch nicht seinesgleichen hatte. Diese Stiftung setzt erne Reihe voii Millionenspenden fort, mit denendie Multi- Millionäre Amerikas in gewissen Zeitabständen die Welt zu überraschen Pflegen. Der Mann, der bisher m Summa vielleicht am meisten von seinem Vermögen für gemeinnützige Zwecke geschenkt hat, dürste Andrew Carnegie sein, aus dessen Kassen bereits 300, Millio- nen Mark geflossen sind. So ungeheuerlich sich diese Summe auch ausnimmt, so repräsentiert sie nur ein verhältnismäßig nicht allzu hohes Kapital int Vergleich zu dem Gesa mtver mögen Carnegies, welches bereits im Jahre 1901, nachdem von Carnegie sein ,An­teil an den großen Stahlwerken an Morgan verkauft worden war, zweitausend Millionen Mark betrug. Carnegie hat ein jährliches Einkommen von 60 bis 80 Millionen Mark, das er selbst bei luxuriöser Lebens­führung unmöglich verbrauchen kann, da er aber über­dies persönlich ein recht bescheidenes Budget hat, so ist er nicht einmal imstande, den zehnten Teil seiner Revenuen zu verbrauchen und spendet deshalb alljähr­lich so bedeutende Summen, wobei aber sein effektives Kapital niemals angetastet wird. Anders steht die Sache bei John D. Rockeseller. Dieser verfügt derzeit über ein Vermögen von rund 2700 Millionen Mart, Von dem Grundsätze ausgehend, daß auch in seinem Falle nicht einmal die Zinsen dieses Riesenkapitals aufgezehrt werden können, hat er beschlossen, den größ­ten'Teil wieder der Öffentlichkeit zuzuführen und seinen Erben nur einen kleinen Teil zurückzutajsen. derkleine Teil" allerdings wird noch immer einige hundert Millionen betragen, so daß auch die Erven nicht zu kurz kommen. In seinem Stiftungsbriese er­klärt Rockefeller,die Multimillionäre sind die Feinde des Volkes genannt worden und man hat sie als Räuber bezeichnet, denen das Gesetz nur nichts cm- haben kann. Dieses Urteil ist eine Ungerechtigkeit. Uns, den Reichen, ist es durchaus nicht darum zu tun. das Geld zusammenzuscharren und im Privatbesitz zu halten, sondern der Erwerb, der Kampf war uns und ist uns ein Genuß, eine hohe Lebensaufgabe. Ter Erfolg selbst oder vielmehr das Resultat des Erfolges, das Geld, kann für uns keinen Wert besitzen. Deshalb trage ich kein Bedenken, mein Vermögen wieder dem Volke z n r ü ck z u g eb e n. von dem es ge­kommen ist, nur daß es setzt zu einer großen Masse ver­eint wie eine Masse wirken kann. Wir, die Millionäre, haben die Aufgabe, die gro ßen W o h l f a h r t s e i n -

ältester, und vcrsuckite mit überschnappender Stimme eine Hymne zu singen. Er brachte nur den ersten Vers heraus:O, du Labsal aller Sünden." Mehr ftel

ihm nicht ein. So wiederholte er den Vers , in allen möglichen Tonarten. Je höher seine Angst stieg, desto höher quietschte seine Stimme. JOHi schrecken gedachte er feines Sündenregisters Sam hatte sehr viele Sünden! Und immer mehr Teufel rasten die Straße herunter. Zwei drei zehn> zwanzig lauter Teufel'. Teufel, die rn schwarze Wolken gehüllt waren und nach Schwefel stanken. Sam konnte sich nicht rühren! Er suhlte die Teufelskralle schon am Halse. . t v

Tann verzech sich der Staub, und ruhig und fried­lich lag die Straße wieder da. Nur aus weiter Ferne ertönte ein gedampftes, taktmäßiges Surren. Aus ihren Schlupfwinkeln heraus kamen dre Bewohner von Columbusville. Hinter Zäunen krochen sie hervor, hinter Baumwollballen, aus dem Straßengraben. Mitten auf der Straße lag mausetot ein hoffnungs­volles, junges Schwein. Dem hatte einer der Teufel den Hals herumgedreht.

Honoratioren und gewöhnliche Neger, Weiber und Kinder scharten sich jammernd um Sam. ihren geisti­gen Führer, um Sam, den Bürgermeister, und Sam> den Kirchenältesren.

Sam zitterte noch an allen Gliedern. Das war auch begreiflich. Wenn dreiundzwanzig lebetrdige Teufel direkt ans der Hölle kommen.

Da hinten kommt noch einer!" schrie ein kleiner Junge aus. . .

Sams Haare, so gerollt, so wollig sie auch waren, sträubten sich. Wieder kam die Erleuchtung über rhu: Jetzt kam er selber! Das war er! Tie anderen drm- undzwanzig waren nur die Vorreiter gewesen. Jetzt- kam er selber! In seiner Angst schnappte er total über. Er sauste in sein Haus hinein und zerrte einen langen, dicken Strick hervor. Dann sauste .er wieder .ans hi«