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„Laffbtakt-Haaff" Nr. 50üH-8>. Don 8 Uhr morgens dir ff Ude ohrM Sonntags den 10—11 Uyr »orinittags.
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«nzeigrn.ffl't-i-bmei Für die Abend-AnSgabe bis U„r mittags: kür die Morgen.Aüsqabe bis « «br nachmitiags
” Wiesbaden, Samstag, 5. März 1910.
Fgr d-, Shifnnfmte von Anzeigen ent den vorgeschriebenen Tagen wird keine Gev-Lhr Sbernomn'en.
88. Jahrgang.
Morgen • Ausgabe.
l.
Am Uorabend der Fusion.
Äon Georg Gothcin, M. d. R.
Am Samstag findet der letzte Delegiertentag des Wahlveretns der Liberalen (Freisinnigen Lereuugung) statt, auf dem die Fusion mit der Freinnnrgen Votts- vartei und der Deutschen Vollspartei beschlossen wer- den wird. Damit hört die Zersplitterung des entschiedenen Liberalismus in drei Fraktionen und Par- teiverbünde auf, und eine immerhin stattliche Gesamr- partei, die Fortschrittliche Volksparter, trrtt an rhre Stelle.
Die Freisinnige Vereinigung blickt auf erne zwar politisch nicht erfolgreiche, aber ehrenvolle Vergangenheit zurück. Ein Erfolg tvar ihr m dreier Zert « bensowen : g beschieden wie den anderen liberalen Parteien. Tie ungerechte, Wahlkrersern- t e i l u n g einerseits, der entfesselte Inter essen- kämpf, das ttbströmen der A r b e i t er m a ]) en 5 iur Sozialdemokratie haben es „verhindert, doll der Liberalismus in den letzten 3(5 Jahren Erfolge xethgen formte, und gerade das enorme Wachstum der Lozrat- demokratie hat sich als eine indirekte Förderung der Reaktion erwiesen. . Y LL
Schon einmal in der Zwischenzeit hatten sich Die getrennt marschnrenden entschiedenen _ Liberalen |itr Deutschfrei'innigen Pari e i fusioniert: ober persönliche und sachliche Gegensätze — letztere freilich über Lruantitärssraqen — hatten dieser Fusion kerne Dauer beschieden. War sie damals aber aus der initiative der Fraktionen hervorgegangen, so sind diesmal die W ä h l e r m affe n selbst es gewesen, die die Parteiteitunoen die die Abgeordneten zur Fusion geradezu g e d rängt haben: sa. man kann von einem ° l e m e n t a r e n Willen dieser,, Wählerschaft , sprechen, die es nicht versiand, warum Männer, die schließlich in allem wesentlichen übereinstimmten, verschiedenen -Karteien und Fraktionen angehören sollten. Denn wo aoch Unterschiede vorhanden sind wie das immer „der Fall sein wird, Unterschiede des Temperaments, über Fragen der Zweckmäßigkeit und der Taktik, so sind dtese Unterschiede nicht solche von Parte, zu Partei oder Frakrion zu Fraktion gewesen sondern sie fanden sich gleichmäßig in allen drei Fraktionen.
Auch von den starken persönlichen Gegensätzen, wie sie in früherer Zeit zwischen Richter einerseits, Bamberger, Nickert, Barth andererseits bestanden, kann jetzt nicht mehr gesprochen werden. Tie Voraussetzun
gen für die Fusion sind also gegeben, und man darf hoffen, daß die neue geeinte Partei von besserem Bestände sein wird als die frühere.
Fortschrittliche Volkspartei soll der Name der neugeeinten Partei sein. Ein etwas schwerfälliger Name, der, wie das Fusionsprogramm, ein Kompromiß verschiedener Wünsche ist. In dem Programm hat aus manche liberale Forderung Verzicht geleistet werden müssen: mancher an sich durchaus gerechtfertigte Wunsch konnte nicht berücksichtigt werden, weil sich hier und da Widerstände erhoben, und es galt, diese zu überwinden, ein Programm zu schassen, das es allen, die sich vereinigten, ermöglichte, zu gemeiw samer Arbeit zusammenzutreten Das hindert freilich niemanden, weitergehende Forderungen zu vertreten, denn schließlich ist es das Wesen einer, Fortschrittspartei, nicht stehen zu bleiben, sondern fortzuschreiten, den neuen Forderungen gerecht zu werden, die das politische und soziale Leben aufstcllt.. Vielleicht mit besserem Recht als die Sozialdemokratie muß eine entschieden liberale Partei von sich sagen, daß ^>w, Bewegung alDes ist, das Fortschreiten zu größerer Erechmt. zu intensiverer Teilnahme des Volkes an der Gejtal- tung seiner Geschicke, zur fortschreitenden Hebung der Lage auch der wenigst begünstigten Klassen des Volkes.
Eine Volk spart ei soll die neue Partei sein, und der einfache Name ohne jeden Zusatz hätte wohl dem Wunsch der Mehrzahl der Zusammentreten den am besten entsprochen: nicht eine Partei des Bürgertums nicht eine Partei der A r b e t t e r, sondern eine Partei, die alle Kreise des Volkes umfaßt und alle gleichmäßig zu fördern sucht, eine Partei, die dem Volke den Schwerpunkt der politischen Tätigkeit zuweist. Die Frage, ob die geeinte Partei zuiammen- halten, ob sie sich als der mächtige Faktor für einen wirklich politischen Fortschritt, als der Hort im Kampfe gegen die Reaktion bewähren wird, wird letzten Endes davon abhängen, daß sie dem gerecht wird, was ihr Name sagt: daß sie sich eins fühlt mit dem Volke: daß sie nicht eine K l a s s e n p a r t c i, ist, nicht den Schwerpunkt ihrer Kraft in einzelnen Teilen des Volkes sucht, sondern im ganzen Volke und daß sie es versteht, ständig fortzuschreiten, das, es für sie keinen Stillstand gibt, kein Ausruhen aus dem Erreichten. Auch dann, ivenn es ihr im Verein mit den anderen vorwärtsstrebenden Volkskräften gelungen sein wird, die Reaktion zu überwinden, darf sie nicht aus den Lorbeeren ausruhen, sondern muß auch dann den Fortschritt zu größerer Freiheit anbahnen, zu stärkerer Mitwirkung aller Teile des Volkes an den politischen und sozialen Aufgaben. .
Eine politische Partei wird nur dann machng werden, wenn sie ihren Angehörigen auch die genügende
Freiheit in Einzelfragen läßt. So unbedingt notwendig die Unterordnung in den großen Fragen ist, so muß gerade eine liberale Partei dem einzelnen dm Freiheit gewähren, über Wege, auf denen der , Fortschritt zu erreichen ist, auch einmal eine abweichende Meinung zu haben. Wenn in den großen Forderungen und Gedanken Einigkeit herrscht., so wird die Duldsamkeit gegenüber Nebenfragen das unbedingt notwendige Korrelat sein müssen. Nur dann wird es ihr gelingen, die wahrhaft fortschrittlichen Elemente, auch wirklich zu sammeln. Sie muß bas alte lateinische , Wort wahp machen: in necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas; im Notwendigen Einigkeit, ttnj Strittigen Freiheit, in allem, Liebe , und Duldsamkeit,
Keiner der drei Parteien, die jetzt zusammen- treten, wird es leicht, auf ihre Vergangenheit Verzicht zu leisten. Der Freisinnigen Vereinigung, big Männer wie Rickert, Bamberger, Barth — um nur die glänzendsten der Dahingeschiedenen zu nennen — die einen Roesicke, Frese, Ehlers in ihren Reihen zählte, die den Kampf gegen die Brotverteuerung, gegen die Verschlechterung unserer Handelspolttik 1902 mit derartiger Wucht geführt hat, wird dieses Aufgeben sicher: nicht leicht. .
Es wird ihr besonders schwer, die Organisation. die sw gerade in den letzten Fahren mit besonderem Eifer aufgebcmt hatte, aufzugeben zugunsten einer einheitlichen Partei.
Aber über rem allen steht doch hoch der Gedanke, die freiheitlichen Elemente zu sammeln und zw einigen, die außerhalb der Sozialdemokratie in unserem Volke reich vertreten 1>d, und die bei dev. Zersplitterung in kleine 'Parteien vielfach miß- mntra abseits standen. Hoch diüber steht der Ge- danke, daß durch die Einiaung des entschiedenen Liberalismus dessen Stoßkraft in dem schweren Kampfe gegen die Reaktion gestärkt werden muß. Und deshalb wollen wir mit gutem Mute, in die neue Partei gehen, mit dem Mut zu doppelter Arbeit zum Besten! des Volkes, durchdrungen von der Überzeugung, daß schließlich ehrliche Arbeit fürs Volk ohne egoistische Nebenrücksichten doch einmal einen Erfolg zeitigen muß, durchdrungen aber auch von der Überzeugung, daß der Erfolg unendlich viel weniger von den Reden der Parlamentarier und ihren Beschlüssen als von der Arbeit ihrer Anhänger im Lande abhängt. Letzten Endes wird es an diesen liegen, o.b die, Fusion dem deutschen Volke zum Segen gereicht oder nicht.
Das Programm.
Ter Parteitag der Freisinnigen Volkspartei wird am Samstag um 12 Uhr im großen Saale des Zentralhotels zusammentreten. Tie Verhandlungen werden
Feuilleton.
(Nachdruck verboten.!
Jägerlatein.
Wre kommt es, daß immer nur VE Jägerlatein gesprochen wird? Das Griechische hätte doch dieselbe Amoart- schast aus dm Ehrentitel. Ich glaube nicht fehlzugehm, daß unbeabsichtigt der alte Eäsar, unser Freund aus der Tertianerzeit, die Veranlassung dazu war!
Ws wir uns aus dem Gymnasium durch seinen Gallischen Krieg" quälten, ging es mir wie den anderen Jungens auch; ein paar, in denen schon damals der Streber steckte, ausgenommen, fanden wir das Buch mordslang- weUtg. Das wurde aber anders, wenigstens bei mir, als die erste Jagdgeschichte zum übersetzen an die Reihe kam, und was für eine: „Es gibt im hercyuischen Walde" — darunter ist nicbt bloß der Harz, sondern das ganze bergige Nor'o- deutschland zu verstehen — „alces" (der lateinische Name für dm Elch), den Ziegen (!) in Gestalt und Verschiedenheit der Färbung ähnliche Tiere, aber größer, und die Füße ohne Gelenke. Sie legen sich auch nicht, um zu ruhen, und können nicht anfsteben. wenn sie gefallen sind. Ilm zu schlafen, lechnen sie sich cm die Bäume; daher graben die Jäger diese cms und hauen sie so ab, daß sie leicht umsallen, samt dem Tiere, wmn es sich daran lehnt, so daß sie es fangen können." Wetter noch mal, das war doch noch eine Jagd! Ich war so Feuer und Flamme ob dieser Beschreibung, daß ich srei- millig das ganze Buch und andere alte lateinische Schmöker durchpaukte. Folge war, daß ich im Latein immer eine Eins bekam, aber so herrliche Sachen fand ich leider nicht mehr. Damals war man eben noch so harmlos, alles zu glauben, well es gedruckt war. Ws dann der Verstand kam, mußte die Freude darüber, daß der große Feldherr sich von seinen qermcnüschen Qnartterwitten so anlügen ließ, über die Enttäuschung hinwegheksen. Wie würden die sich ins Fäustchen gelacht haben, wenn sie hätten lesen köimen, wie Herr Casus Julius die große Neuigkeit gleich seinem Kriegstagebuch eiuverleidte!
Bet der tmrigen Kemeinschafft zwischen Jägern und Hunden war eö nur natürlich, daß das sogenannte Jäger- und zwar nickt die dem Wicktläaer mailt unverständ
lichen Ausdrücke der Jägersprache als viel mehr die auf- schneidettsche Darstellung von Jagderlebnissen, welche in Erzählung und Gcgenerzählung einander oft überbieten, auch den Hund und seine Leistungen in den Bereich ihres Interesses zog: „Die von ihrenr Hund berichten — Die unglaublichsten Geschichten — In der Kneipe zum Vergnügen — Aus Lateinisch so zu lügen — Sich bisweilen wohl erlauben — Daß sie's schließlich selber glauben!" Letzteres ist eine falsche Auffassung der Laien, entiprungen aus ihrer Unkenntnis mit dem köstlichen Humor, den man gerade in lebeus- frischen Weidmannskreisen am häufigsten findet. Die Jäger denken gar nicht daran, bei Erzählung solcher Bramarba- sadm, wie sie in Vollendung der bekannte Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen, geboren 1720, sich leistete, ernsthast genommen zu werden!
So erzählt er folgende wunderbare Geschichten von seinem Hunde: „In sanfter Ruhe lag ich unter den schattenreichen Bäumen des Gartens beim Palaste des Sultans in Konstantluopü. Mir nichts, dir nichts, ließ ich es mir gefallen, bei der schwülen Hitze des Tages eine kleine Nachmittagsruhe zu halten. Mein treuer Gefähtte, mein Hühn-r- Hund, der mir nie von der Seite ging, lag bei mir.
Weil die Hitze so groß war, hatte ich meine Weste aufgeknöpft, mein Hemd hatte nach morgenländischer Art einen weiten Schlitz, so daß Brust und Leib bloß war. Dcr Hund springt aus, beriecht, beschnüffelt mich gerade an der Stelle, wo der Magen ist, und sängt an da zu lecken. Er leckt — und leckt sich richtig zum Magen hinein, frißt mir da — zum Unglück für mich mußte ich eben Rebhühner gegessen haben, ihm träumt davon, er riecht sie, denkt nicht an seinen Herrn — meine Rebhühner und alles übrige heraus, zuletzt auch den Magen.
Zu den Feldhühnern war ich aus eine ganz besondere Art gekommen. Den Spaß vergesse ich mein Leben nicht. Ich gehe mit einigen anderen aus die Jagd und finde eine Kette von fünfzehn Stück, schieße eins, die anderen senken sich in ein niedriges Gesträuch. Mein „Sultan" markiert, wie wir in die Gegend kommen, und es fliegen doch keine Hühner aus. Ich weiß erst gar nicht, was das heißt. Nicht lange, da witscht ein Fuchs vor mir weg. Ich, gleich angelegt, schieße zu. ltnd wie natürlich, der Fuchs macht einen Purzelbaum und mein „Sultan" apportiert ihn. Als ich den Fuchs ausweisteu wollte, becuerku: ick daß er so Lewaltig
dick war, und alle erstaunten und dachten so bei sich selbst: was der wohl mochte gefressen haben. Ich schlitzte ihm den Bauch aus — „Burr" ging s da flog ein Feldhuhn hin. Ich hielt glcich das Loch zu. Mein „Sultan" apportiette das eine und die anderen dreizehn mußten alle, nachdem ich ihnen das Genick eingedrückt, in meine Jagdtasche loandern."
Da war mein „Feldmann", der stellte Ihnen eine Wachtel dadurch, daß er den linken Vorderfuß hochhob, bei einem Rebhuhn derr linken Hinterfuß, bei einem Fasan den linken Vorder- und rechten Hinterfuß, bei einem Rammler die beiden Vorder-, bei einem Setzhascn die beiden Hinterfüße, bei einem Reh alle vier Füße, bei einem Hirsche ebenso, nur mit dem Unterschied, daß er dabei aus dem Kopse stund ! Nun, was sag.» Sie zu solch ernxm Hunde?"
Ein Jäger berichtete Wunderdinge von seinem Hunde, unter anderem, daß er drei Stunden lang vor einem Huhn gestanden habe. Ungläubiges Lächeln spieli um die Lippen der Zuhörer, da erzählt ein anderer mit toiernstem Gesicht: „Ich habe viel Erstaunlicheres erlebt. Mein „Medas" wurde neulich das Opfer eines hattnäckigeic Vorstehend. Ich hatte ihn in einem Kleestück vergessen, wo er unbeweglich einen Hasen stand. Den wollte ich erst nach dem Frühstück schießen, wurde aber abgerufen und mußte aus acht Tags verreisen. Als ich wiedcrkam, fehlte „Medas"; nirgends zu finden. Endlich fällt mir das verdammte Kleestück ein. Ich laus' hin und finde „Medas" und den Hasen, beide vor Hunger tot, aber der Hund hatte noch immer den Vorderlauf "gehoben. Er markierte im Tode das Stehen noch!"
„Ja, meine Herren", berichtet ein anderer, „so ein Dackel, wie ich einen g habt Hab', kommt keiner mehr. Wie er zwölj Jahre alt war, ist er mir kaput gegangen, und zum Artdenken Hab' ich die Haut mitsamt den Haaren gerben lassen. Schant mal diese West n an; das ist mein Dackel, so verehr' ich ihn noch heut! Das war ein Kerl! Heutzutag' noch, wenn ich aus die Jagd geh', und komm' einem Hasen oder Fuchs a-rs hundert Schritt nähr stellt das Vieh die Haar' in die Höh'!"
Das sind Proben von wirklichem Jägerlatein. Neben dem erfrischenden Humor tritt unverkennbar das Bestreben hervor, Klugheit, Treue, Zuverlässigkeit und Leistungen des Hundes ins hellste Licht zu stellen. Dieses Jägerlatein hat nichts mit jenen Versuchen gemein, durch Auszählung großer Strecken au Hirschen, Geursen — wo blieben die TrovüLeu? —, an dis ntemmrd aLrudt. dis eises»
