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Wiesbaden, Dienstag, L. März 1910,

88. Jahrgang.

»gäbe.

'-eiben.

he voll Jahren her, noch Vizekönig von länner auf Lidet als Besitz inan sich um en müsse. Derselbe erhause den Staats- die sensationellen len im Wuuderlande che Wunder aufweist, rtwort ließ erkennen, Glacis Indiens aus- rung wird danach wnüver diestrengste auch neuerdings von des engl, scheu Ge- l Auswärtigen Amt sicher gelten, daß die ch, dem der Kamps Existenz näher liegt bet, sich nur aus lg an der indisch­sten. Tenn die Hoss- ufgegeben, ansgeben

and und R u ß - hen Wettkamps nlai-Lama mit wech- die Wende des Jahr- den Burenkrieg ge- d die englische Poss- Jahrzehnt später die dem Ansturm der n Sonne zusammen- m Einfluß in Tibet l europäischen Groß- les Talai-Lamu hin­sich freuende Tritte iner Oberhoheit über 1 durch die englisch- hlichen Besitz gelangt i vom April 1906 er- chaft'liche^Vorteile in l die Souveränität alsdann auch in dem August 1907 geschah, dem Einflüsse Japans Starrheit zu erwachen mmer mehr verstärkt. Residenten, deS Am- na, dem gestlichen

Oberhaupt, wesentlich erweitert, die chinesischen Garni­sonen vermehrt und Hunderttausende der schlitzäugigen Mongolen im Hochlande von Tibet angesiedelt. Diesem planmäßigen Vorgehen ist jetzt endlich die Krönung des Werkes, die Absetzung des Dalai-Lama gefolgt, den man im Jahre 1908 nach Peking bcschicden hatte, um ihil für die ihm zur Last gelegte Aufreizung der buddhisti­schen Bewohner der Mongolei zur Rechenschaft zu ziehen. Als er ini Dezember 1908 Peking wieder ver­ließ, um nach Tibet zurückzukehren, konnte er nicht mehr darüber im Zweifel sein, was ihm bevorstand. Zitterte doch dieserFeigling unter den Päpsten", wie ihn Sven Hedin in seinem Buche über Tibet betitelt, ohnehin vor der Erfüllung der ihm einst zuteil gewor­denen Prophezeiung, daß er der letzte Dalai-Lama fern werde. Und so ergriff er, als jetzt die Chinesen den lange vorbereiteten Vorstoß unternahmen, das Hasen­panier und flüchtete nach Indien, wo er ebenso vergeb­lich aus die englische Hilfe rechnete wie vorher auf die russische.

Die erwähnte Prophezeiung scheint allerdings noch nicht in Erfüllung zu gehen, deiln, wie aus Peking be­richtet wird, die chinesische Regierung will an Stelle desschlechtesten Lama, der je in Tibet regierte",, einen neuen ernennen. Das ist an sich gar nicht so einfach, denn da nach der buddhistischen Lehre der Dalai-Lama der menschgewordene Buddha ist, so muß zu­nächst einWunder" geschehen, um denB u d d h a - C r s a tz" herbeizuschaffen. Aber derartige Wunder werden den chinesischen Gauklern unschwer gelingen, und da zum Dalai-Lama immer ein Kind ernannt wird, oder vielmehr nicht ernannt, sondernvon Buddha bestimmt" wird die meisten Lamas sind, wenn sie ins Jünglingsalter kamen und Selbständig- teitsgelüste zeigten, um die Ecke gebracht wo. denI, sc wird es den Chinesen nicht schwer fallen, unter oder vielmehr über dem neuen Dalai-Lama Tibet allgemach in eine chinesische Provinz zu verwandeln. Tie Besorgnis vor einem allgemeinen Buddhistenausstand braucht man in China kaum zu hegen, da der Talar- Lama durch seine Flucht sehr an Volkstümlichkeit ein­gebüßt hat und es außerdem in Tibet noch drei andere große religiöse Sekten gibt, die den Lama nie als geistiges Oberhaupt anerkannt haben. Von Rußland und England aber hat China keinen ernstlichen Wider­stand gegen die Einverleibung Tibets zu befürchten, dann abgesehen von den Verträgen, durch welche sich beide Staaten gebunden haben, sind den Russen durch ihren Gegensatz zu Japan und den Engländern durch ihr Bündnis mit Japan, das in diesem Falle hinter China steht, die Hände gebunden. So vollzieht sich eine weltpolitisch -bedeutsame Umwälzung, die einen neuen Erfolg derGelben" und einen weiteren Schritt zur Verwirklichung der Losung darstcllt, die seit dem Siege Japans über Rußland immer stärker ertönt: Asien den Asiaten!

Politische Übersicht.

Wir ttttfr England.

L. Berlin, 26. Februar.

Die Krise, von der das liberale englische Kabinett nicht unerwarteterweise betroffen worden ist, wird in hiesigen politischen Kreisen mit dem Interesse verfolgt, das nicht bloß durch die Bedeutung der Vorgänge jenseits des Kanals. sondern nicht weniger durch die Wichtigkeit erklärt wird, die ein etwaiger Umschwung zugunsten der Konservativen für die deutsch-englischen Beziehungen haben müßte. Zu den Triebfedern des erstarkenden Konservativismus, der nur noch nicht an sein Ziel gelangt ist, der aber durch seine Erfolge vei den jüngsten Wahlen offenbar eine größere politisch- moralische Stoßkraft erhalten hat, gehört in erster Reihe der schutzzötl neris che Gedanke. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, welche Folgen ein Steg dieses Gedankens für das Verhältnis der bsi- den Reiche in wirtjchaftspolitischer Hinsicht, vielleicht mehr aber noch wegen seiner unvermeidl chen Über­tragung auf die Gesamtheit der politischen Gegensätze haben müßte. Was von unserem Standpunkte zu wünschen ist, darüber wird in der deutschen öffentlichen Meinung, soweit sie sich rücht bloß auf Gefühlsmomente, sondern auf Realitäten stützt, kein Gegensatz herrschen. Unseren Interessen wäre di- mit gedient, wenn das liberale Kabinett der Schwierigkeiten Herr werden könnte, in die es durch die Schwächlichkeit seines Wahlsieges und durch seine ver­hängnisvolle Abhängigkeit von den Iren und den Arbeitervertretern geraten ist. Tenn das liberals Spstem bildet doch immer noch einen Tamm gegen den protektionistisch-imperialistischen Ge­danken, und das Ziel einer Verständigung mit Eng­land, das bei uns von keiner Politischen Richtung außer­acht gelassen werden darf und mich nicht außeracht ge­lassen wird, wäre bei einer Befestigung des liberalen Systems sedenfalls leichter zu erreichen, als wenn der Unionismus wieder ans Ruder käme. Trotzdem aber geziemt sich eine kaltblütige Betrachtung der Lage, und soweit unsere Beobachtungen in führen­den politischen Kreisen reichen, wird diese Kaltblut q- kcit auch überall gezeigt. Die Möglichkeit einer weite­ren Erstarkung der Konservativen mit allen ihren Kon» seguenzen wird zwar ins Auge gefaßt, aber und das ist das Entscheidende für die Psychologie der hiesigen Stimmungen sie hat nichts Schreckhaftes an sich. Der Unterschied der Tendenzen des immer noch am Ruder befindl'chen liberalen Systems und des zur Macht strebenden Unionismus ist in bezug auf das Ver­hältnis Großbritanniens zu Deutschland so erheb­lich nicht, daß unmittelbare einschneidende Folgen von einer Rückkehr den Konservativen zur Regierung zu er­warten wären. Steckt in dieser Auffassung ein Widcr-

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iserin Elisabeth.

>ex Könige", der lange Regierung den Sicher­lern Frankreichs geleitet Ragazine" interessante nt Leben, die sich mit nge beschäftigen. Rach- önig von Spanien ge- citcn Aufsatz seine Be­nin Österreich und ent- tcrbild dieser von den lantischcn Legende um?

bei einem Besuch der ben.Die Kaiserin war wie ein Mädchen aus, nit aller mädchenhaften ng. Groß und schlank, m Steifheit, erschien sie be, den tiefen dunklen, dem reichen, kaflanien- mich die musikalische it, mit der sie das Fran- 1t ihrer Hände." Paoli und ihrem Gefolge sehr i>CT als er sich beliebt zu gefällig ist, ohne durch u werden, fallen die als Freund. General taiscrin. erklärt ihm auch tete Mißtrauen:Man

c Beamte mit, die uns, n, terrorisieren. Sie er- :ist als furchtbare Plaae- cs unsere Freiheit. Sie

aber haben glücklicherweise mit dieser häßlichen Tradition gebrochen." Paoli begleitete die Fürstin aus zahlreichen Be­suchen, die sie Frankreich machte und bei denen sie am liebsten auf Kap Martin, jenem schönen Vorgebirge, verweilte, das die Bai von Monaco von der von Mentone trennt. Der Tag der Kaiserin verlies in größter Einförmigkeit. Früh stand sie Winter und Sommer um 5 Uhr aus, machte zunächst in ihrem einfachen schwarzen Kleid einen Spaziergang und nahm um sieben das Frühstück, eine Tasse Tee mit einem Biskuit. Die Mahlzeiten waren überhaupt von höchster Einfachheit; zum Diner nahm sie meist nur eine Schale mit Eismilch und einige rohe Eier nebst einem Glas Tokayer. Nachmittags unternahm sie lange Spaziergänge, auf denen sie stets ihr griechischer Vorleser begleitete. Solcher griechischen Vorleser, die stets unter den jungen Studenten der Universität Athen ausgewählt wurden, hat sie mehrere gehabt; mit ihnen sprach sie neu- und altgncchisch, beides fließend, und vertiefte sich in die Schönheiten altllassischer Dichtung, deren Sonnenhelle die dunklen Schalten ihrer traurigen Erinnerungen verscheuchen sollten. Der Vorleser trug, wenn er sie auf ihren weiten Wanderungen begleitete, stets ein dunkles Gewand über seinem Arnre. Es war ein Rock, da die Herrscherin liebte, während des Spazierganges den Rock, den sie trug, gegen einen leichteren zu vertauschen. Die Fürstin verschwand dann plötzlich hinter einem Felsen oder einem Baum, während der daran gewöhnte Vorleser auf dem Wege wartete und den Blick nach einer anderen Richtung wandte. Dann kam die Kaiserin wieder zum Vor­schein, den abgelegten Rock über dem Arm, den nun ihr Be­gleiter trug.

In ihren Gemächern, die ans das allcrprimitivste ein­gerichtet waren, hielt die Herrscherin jeden Sonntag eine Andacht ab. wobei der Billardraum zur Kapelle umgewandelt wurde. Groß war die Freigebigkeit der Fürstin. Wo sie ans ihren Wanderungen an armseligen Hütten vorbeikam, trat sie ein. plauderte mit den Bauern, nahm die Kinder ans den Schoß und li-ch stets reichliche Almosen zurück. Paoli freilich war von diesen Erkurüonen in nickck g"rinaem Maße beunrutziat und bat die Herrscherin, ihre Wege doch nicht so

weit und in öde Gegenden auszudehnen, da er von den an der Chaussee von Mentonc arbeitenden Italienern drohende Äußerungen gegen die Kaiserin gehört hatte. Aber Elisabeth antwortete ihm lächelnd:Beruhigen Sie sich, mein guter Paoli, mir wird nichts passieren. Was sollte man denn auch einer armen Frau tun? Zudem, wir sind nicht mehr als das Blatt einer Mohnblume oder eine sich kräuselnde Welle ans den, Wasser." Die Kaiserin hatte eine gewisse Manie, überall da, wo sie hinkam, Kühe zu kaufen. Sie wühlte die Tiere auf ihren Spaziergängen aus und fcfjicffe sie dann auf ihre Güter in Ungarn. So bald sie eine Kuh sah, deren Färbung ihr gefiel, ries sie sich den Besitzer hcrbei, fragte nach dem Preis und ließ sie sich ins Hotel schicken. Da sie mtter dem Inkognito einer Gräfin Hohenembs reiste und niemand in der einfach gekleideten Dame die Kaiserin von Sstcreich vermutete, waren die Bauern nachher häufig wütend, daß sie ihre Kühe zu billig fortgegeben hätten, und wollten von einer so hohen Dame auch höhere Preise haben. Überhaupt vermutete niemand in der stets schwarzgekleideten, mädchenhaft bescheidenen Erscheinung die gekrönte Frau, worüber sie sehr erfreut war.

In Paris ging sie, zum Entsetzen Paolis, noch spät abends sich die Notre Dame-Kirche im Mondlicht ansehen und kam dann an den Quais entlang mitten durch die Menge nach Hause. Einmal bat sie auf einem Bahnhof einen Be­amten, ihren Vorleser, der mit dem Stationsches sprach, zu rufen, und der schrie über den Platz:Kommen Sie rasch, sonst wird Ihre Frau ohne Sic abfahren!" Die Kaiserin lachte herzlich, wie sie cs sonst sehr selten tat. Als sich Paoli znm letzten Male in San Remo von der Herrscherin verab­schiedete, war sie trauriger und nachdenklicher denn je.Ich wünsche Ihnen und den Ihren Glück und Gesundheit", sagte sie und fügte mit einem Ausdruck unendlicher Melancholie hinzu:Was mich anbetrifft, so setze ich kein Vertrauen in die Zukunft ..."

Sieben Monate später erhielt derB'schüher der Könige" die Nachricht von ihrer Ermordung. Er eilte nackt Territct und sah sie aus dem Totenbette:Da lag sie, steif und kalt, auf einem kleinen Messtngbett ausgesttcckt, unter