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Für die Aufnahme von Anzeigen an den vorgeschriedenen Tagen wird keine Gewähr übernommen.

Nr. DK.

Wiesbaden, Freitag, 25 . Februar 1910.

58. Jahrgang.

Morgen - Kusgsbe.

1. ZZLatt.

ErleublrhllsrüZeN.

Die vom Ministerium herausgegebeneBerl. Korre- pondeuz" schreibt: In einzelnenZeitungen werden, dre usführungen des Ministers der öfsentlrchen Arbeiten der Sitzung der Budgetkommission vom 22. d. M. a*xn Teil ganz unrichtig wiedergegeben. Um mißver- änd liehen Folgerungen vorzubeugen, scheint eilte luchtigstellung geboten. Es handelt sich zunächst um Fahrkarten st euer. Ter Minister erklärte, r halte nach wie vor an der Anschauung fest, daß ihre 'eseitigung das zweckmäßigste sei. Diese sei jc- !och vom Reichstag abgelehnt: aus eine Änderung des Schlusses sei vorerst nicht wohl zu rechnen. Es müsse hcher versucht werden, die Steuer durch eine Reform so kinzugestalten, daß die mit ihr verbundenen Unzuträg- eiten, soweit möglich, beseitigt würden. Nach dieser Achtung seien auch zwei Vorschläge ausgearbeitet wor- ea, die beide auf dem Gedanken beruhten, daß die tz i g e n Einnahmen aus der Fahrkartensteuer im »esentlichen ungeschmälert bleiben sollten. Der eine eser Vorschläge, eine prozentuale Steuer dort etwa , bis höchstens 4 v. H. des Fahrpreises zu erheben, e alle Klassen gleichmäßig treffe, habe die Zustim- ung der großen Mehrheit der Reichsfinanzkommission ücht gefunden. Ein zweiter Vorschlag gehe dahin.

der Steuer wie bisher die vierte Klasse frei zu c"'en, den Tarif aber so umzugestalten, daß das Ver- 'ltnis der Steuer in den einzelnen, Klassen geändert Md die Spitzen sozusagen abgeschnitten, d. h. die öchstbeträge von 2, 4 und 8 M. auf etwa 1» 2 und M. herabgemindert würden. Erhöhungen der Wuersätze um ganz geringe Beträge würden daver r vereinzelt Vorkommen. Der Minister habe auch be- Fühlung mit maßgebenden Kreisen genommen, Liese Vorschläge jetzt etwa auf Annahme im Re chs- : rechnen können. Es scheine aber Einverständnis rüber zu bestehen, daß ein gelegenerer Zeitpunkt ab- rtet werden müsse. Bei einem Mißerfolg sei d e ion auf unabsehbare Zeit aussichtslos. Er werde Reform aber unter keinen Umständen aus dem u-zg verlieren. Sollte in absehbarer Zeit eine zweck- r Miff e Umgestaltung der Fahrkartensteuer nicht klingen, so frage ich, ob dann mffit dem von den: Be- ' sterstatter aufgeivorfenen Gedanken einer Herab- % u n a der Fahrpreise der 1. Klasse von 7 Pf. iBf 6 Pf. nähergetreten werden könne. Es sei durch- Az zutreffend, daß die 1. Klasse und ihre Be­ttung unter der Fahrkartensteuer am nreistett gelitten <ste. Wesentlich eine Folge dieser Steuer se die S3e r = inderung der Einnahmen dieser Klasse durch Ab- llnderuna in die niedrigeren Klassen. Man müsse sich iS-; Vergegenwärtigen, Laß bei der Reform der^ iiersonentarife die Fahrpreise allein in der ersten

Klasse auf den norddeutschen Bahnen, erhöht seien. Hätte man sie nach denselben Grundsätzen wie bei der 2. und 3. Klasse festsetzen wollen, so hätten sie 6 Pf. für das Kilometer betragen müssen. Ohne die Fahr­kartensteuer hätten die Einnahmen der 1.Klasse im Jahre 1968 um etwa 2 Millionen Mark höher sein müssen. Aber diese finanzielle Wirkung sei nicht von solcher Erheblichkeit, wie die betrieblich e. Tie 1. Klasse sei zwar aus etwa drei Viertel der Per- sonenzüge- beseitigt. Ganz könne sie in den Personen­zügen aber noch nicht entbehrt werden, und eine, Ein­schränkung in den Eilzügen und Schnellzügen sei, wie die Verhältnisse nun einmal liegen, nicht angängig. Es müßte also jetzt eine Reihe von Abteilen 1. Klasse zeitweise leer mitgefahren werden. Das sei un - wirtschaftlich. Selbstverständlich würde die preußi­sche Eisenbahnverwaltnng, wenn eine He r a b s e tz,u n g der Fahrpreise der 1. Klasse in Frage konnnen sollte, sich vorher mit den übrigen deutschen Negierungen in Beziehung setzen.

Deutsches Deich.

* Die große Wahlrechtskundgebung im Zirkus Busch. Zur Teilnahme an der Kundgebung gegen die preußische Wahlrechtsvorlage am ,27. Februar ttu Zirkus Busch ergeht nunmelir eine Einladung, die. u. a. folgende Namen aufweist: Professor Br. Anschütz, Paul Cassierer, Lovis Corinth, Geh. Regierungsrat Professor Br. Tuncker, Rektor der Handelshochschule, Pfarrer- Falk, Pfarrer Francke, Br. Ludwig Fulda, Professor Br. Iastrow, Stadtältester Kaempf, Professor Br Landau, Professor Br. v. Liszt, Professor Paul Meyec- beim, James Simon. Professor Max Slevogt, Friedrich Spielhagen, Iustizrat Stranz, Professor Br. W. Traube, Geh. Medizinalrat Professor Br. Waldeyer.

* Verstaatlichung des Kali-Bergbaus? Der Reichs­tags-Kommission zur Beratung des Kali-Gesetz-Ent- wurfs hat die s o z i a l d e m o k r a t i s ch e Partei fol­genden Antrag eingebracht:Tie Kommission wolle beschließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, den vorliegenden Gesetzentwurf zurückzuziehen und an dessen Stelle dem Reichstag einen Gesetzentwurf vorzu- legen, durch den Bestimmungen dahin getroffen werden daß das Reich die innerhalb der Reichsgrenzen gelege­nen Kali-Bergwerke und die mit denselben zusammen­hängenden Fabriken in eigene Regie übernimmt, sowie ferner die Förderung und den Vertrieb von Kali­salzen als Monopol unter möglichst weitgehender Kontrolle des Reichstags ausübt." Im Falle der Ablehnung des vorstehenden Antrags wolle die Kommission beschließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, den vorliegenden Gesetzentwurf zurückzu­ziehen und an dessen Stelle dem, Reichstag einen Gesetz-

>Mtwurf vorzulegen zur Durchführung eines Ein- und Verkaufsmonopols des Deutschen Reichs für, alle iw 8 3 des vorgelegten Entwurfs genatmten Kalisalze.

* Ein scharfes Urteil über den Reichskanzler. Ein

außergewöhnlich scharfes Urteil derKöln. Volksztg." über den Reichskanzler liest sich wie ein beabsichtigtes Gegenstück zu der letzten Vertrauenskundgebung des konservativen Hauptorgans. Hat dieKreuzztg." so­eben erklärt, daß Herr v. Bethmann-Hollweg nach^ der sozialdemokratischen Wahlrechtsinterpellation die Sym­pathien der Konservativen nun vollkornmen auf seirrcr Seite habe, so schreibt das führende Zentrumsblatt u. a. wörtlich:Seine ganze Amtsführung läßt das Be­

streben erkennen, nach Bureaukratenart ^en Gehorsam möglichst zu erzwingen.... Ter Reichskanzler ist gewiß ein vorzüglicher Bureaukrat, aber er ist anscheinend zu sehr Bureaukrat, um ausreichend staatsmännisch und diplo­matisch zu sein. Er hält zuviel vom Befehlen, und weiß nicht, daß man das Volk durch , allerhand schlaue Tricks viel leichter leiten und zu freiwilliger Ge­folgschaft veranlassen kann."

* Nationallib eralen, die cs mit dem Bunde der Land­

wirte trotz derrüden" Angriffe gegen die national- liberale Partei auch heute noch halten, gibt die Nationallib. Corresp." den Laufpaß. Das offizielle Organ der Nationalliberalen erklärt, daß so­langeTalente" wie Diederich Hahn an der Spitze des Bundes stehen, in ihm für einen Nationalliberalen kein Hüsung" sein kann. TieNationallib. Corr." schreibt ferner wörtlich: WennAltliberale"

darüber anders denken und unter dem Patronat des Herrn Hahn sich zu einer Gruppe oder einem Griipp- chen zusammenzutun wünschen, so muß ihnen das natürlich unbenommen bleiben, wie es selbstverständ­lich keinem Menschen verwehrt werden kann, sich drs Gesellschaft zu suchen, die für ihn paßt.

* Zur Stichwahl in Mülheim-Wipperfürth. Die christlich-soziale Partei beschloß, bei der Stichwahl am Samstag für den Zentrums kandidateu, Ober­landesgerichtsrat Marx einzutreten. Die national- liberale Parteileitung ist sich über ihre Haltung nocki nicht schlüssig geworden, voraussichtlich^ dürfte sie Stimmfreiheit proklamieren. Auf alle Fälle ist aber mit der Wahl des Zentrumskandidaten bestimmt zu rechnen.

* Über die bundesstaatliche Postkoufcrenz, die kürz­lich in Berlin stattgefunden hat, erfährt dasB. T.", daß man zwar der Wiedereinführung des Anrunfts- stempels auf Wertsendungen und Eilbriefen allgemein zugestimmt habe, daß jedoch an eine Wiedereinführung des Ankunftsstempels bei gewöhnlichen Briefen nicht zu denken sei.

* Der frühere Reichstagsabgcordnete Schack sollte nach einer Meldung eines Berliner Blattes in die Irrenanstalt Friedrichsberg gebracht worden sein. Hier­zu teilt der jetzige Vorsteher des Deutschnationälen Handlungsgehrllen-Vereins folgendes mit: Herr Schack befindet sich seit Ende 1909 als Privatpatient in Be­handlung von Professor L-eiffert und Br. Warncke in Berlin und Professor Weigand, Direktor der Irren-

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Feuilleton.

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km MermsW mit Ichanues Schilling,

Schöpfer des Niederwald-Denkmals, über den Platz des ^geplanten Bismarck-Nationatdcnkmals bei Bingerbrück lane bet bekannte Bismarck-Dichter Max Bewer. Er ^zähtt darüber u. a. im Tage:

Bei dem herrlichen Aroma alten Rheintrnnks stieg wie selbst auch die Rüdesheimer Landschaft vor unseren Blick, ^ ich fragte nun:

Was sagen Sie denn dazu, daß man nun gegenüber auf Bingerbrücker Höhen ein Bismarck-Denkmal erbauen teig?;*

Darüber schweige ich!" war die Antwort.Denn ich «Rn ja nicht wissen, was man dort errichten wird!"

Aber ist es Ihnen willkommen, daß man es gerade J i G:hin bauen will; fürchten Sie nicht, daß Ihr Werk durch zweites leiden muß, zumal man ihm größere Dimen- als dem Ihrigen geben wird, dessen Voranschlag ans Ocoo M. berechnet war, während man jetzt genau das doppelte, 1809000 M., in Anschlag bringt?"

Ich schweige ganz dazu", wiederholte Schilling resig-

.Aber einen wüßte ich", fuhr ich fort,der vielleicht 1 <TfcPr i-'-de diese Gegenüberstellung auf das lebhafteste fördern

iS i j' ^e." . . .

Und wer?" rief er anfhorchend.

Der alte Kaiser Wilhelm", antivort'Lte ich,der zu - .onachien 1883, als Ihr Denkmal enthüllt war, seinem Kanzler eine Nachbildung Ihres Wetzkes verehrte mit .au, aaL' eigenhändigen Anschrift:Der Schlußstein Ihrer Poli- > 6oa':f rt eine Feier, die hauptsächlich Ihnen galt und der Sie lf., Est« nicht beiwohnen konnten. Wilhelm."

-- Elbsa^ .. Da wurde es warm in dem alten Meisterherzen.Ja, f-, feil»! schade", ries er. .daß Bismarck der EntüMuua damals rrni, » -iJ eatis. -f

i tat

nicht beiwohnte; allgemein wurde es bedauert, daß gerade er nicht erschien"

Und nun soll er im ewigen Bilde Ihrem Werke gerade gegenüberstehen. Ist das nicht ein schöner, genugtuender Gedanke?" fragte ich.

Darüber könnte ich mich ja selbst nur freuen", erwiderte Schilling.

Und min las ich dem blinden Bildner den herrlich be­scheidenen Brief vor, den der alte Kaiser bald nach der Ent­hüll,,.ng am 4. Oktober 1883 an Bismarck richtete und also lautet:Ihren so lieben Brief, in welchem Sie mir leider, wcnn auch nicht unerwartet, ihr Ausbleiben von der Fest­lichkeit der Enthüllung des Denkmals aufdem Niederwald anzeigten, konnte mich nur schmerzlich berühren, noch mehr aber ist dies der Fall nach dem Gelingen dieser Feier. Die­selbe ist eine der gelungensten, die ich je erlebt, durch An­ordnung, Durchführung. Grandiosität des Denkmals an sich, der unerwarteten Aufklärung des Wetters und vor allem durch die Gefühle, die namentlich die durchdrangen, die tätigen Anteil an den Kämpfen und Erfolgen nahmen, denen das Gebilde geweihct ist? Zu diesen gehörten nun haupt­sächlich Sie als Herbeiführer dieser mächtigen Ereignisse und Letter derselben zum grandiosen Frieden. Ihnen hierfür öffentlich von Neuem meinen Tank und meine Anerkennung auszusprechen, wäre meinem Herzen ein dankbares Bedürf­nis gewesen! Es sollte nicht sein, aber gedacht ist Ihrer vielfach geworden!"

Ja", rief Schilling,gedacht haben alle seiner;" und nun schilderte er mir mit einer fabelhaften Kraft des Gc- dächtnifles die ganze Feier; wie laut und mmmlich der da­mals 86jährige Kaiser seine Rede hielt, wie aus Versehen die Kanonen zu früh in seine Tlnsprache vom anderen User donnerten, er sich aber nicht beirren ließ und fest seine Worte zu Ende sprach, wie plötzlich dann aus Reaenschleierwolrcn die goldene Flut der Sonne brach und der Kronprinz Fried­rich? ergriffen von dem historischen und himmlischen Schau- ü>ieü. seinem greisen Vater, umringt von den geeinten deut­

schen Fürsten, die Hand küßte und in allen Herzen nur das Bedauern erwachte, daß allein der wahre Schöpfer dieses Denkmals, Bismarck, wie ein kranker Löwe in Einsamkeit an diesem Großtage deutscher Heldengeschichte fehlte! . . .

Und wenn sich in dieser historischen Erinnerung", griff ich in seine plastischen Rückblicke ein,die beiden Denkiuäler einst gegenüverstehen, so wird keins durch das andere leiden; sie werden vielmehr beide durch einen inneren Korrtakt ge­winnen und einehistorische Ecke" am Rhein bilden, zu der Millionen in dem schönen Gedalcken wallfahrten werden, daß nun doch hier die Rcichsschöpsung >uld der Reichsschöpjer bei­sammen stehen, wie es einst der alte dankbare Kaiser Wilhelm vergebens gewünscht hat!"

Ja", ries Schilling und stieß mit dem grünen Römer herzlich mit mir an,wcnn das möglich ist, dann glaube ich auch noch an die Erfüllung meines allerletzten Herzens­wunsches!"

Und der ist?"

Daß man nlir noch die Freitreppe bewilligt, die meinem Denkmal die von Anfang an geplante und künstlerisch ab­solut notwendige Perspektive gibt! Jetzt hat man zu meinem Denkmal nur einen seewärtigen Zutritt, während die von der Stirnseite aufführend gedachte Freitreppe dem Beschauer eine ganz andere, unvergleichlich bessere Vorderallsicht über das ganze Denkmal gewähren wird. Die Pläne für sie, die von dem hochverdienten, leider inzwischen verstorbenen Dres­dener Architekten Professor Weißbach herrühren, wurden da­mals allgemein gebilligt, leider aber wegen Mangels der gar nicht so sehr hohen Geldmittel nicht ausgeführt. Es ist der Schmerz meines Lebens, daß die Ausführung unterblieb. Aber sie kann nachgeholt werdm, denn die Pläne sind noch wohlerhalten in meinem Besitz!"

Der alte Meister ließ sie nun herbeiholen, und ich über­zeugte mich, wie außerordentlich stark die Wirkung des Germaniadetckmals auf dem Niederwald durch sie gehoben werden könnte. Sollten die Sammlungen für das BiSmarrk- Dentmal einen Uberschuß ergeben, io sollte aus ihm ein Be-