a*jtlsen-S!nB«l)Bie: Für di- Abend-Slurg-b- bi» 13 Uhr mittag»: für di- Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr nachmittag».
■■ »". . .. . .
Für die Aufn-lme von Anzeigen an den vorgeschriebenen Tagen wird keine Gewähr übernommen.
Verla« «anagafle 25,27.
„Lagbtatt-HailS". ftWn Ha», »finiwt »an 8 Uhr bt» 8 Uhr abend».
2
TagesallsgMrl.
27,000 Abonnellten.
Sernsprecher-Rttfr
^Tagbiart-HauS" Rr. LÜÜ0-«. »an S Uhr morgen» bi» 8 Uhr abend». Sonntag» von 10—11 Uhr vormittag».
w«.ssa xsbbw :ta,vae a>SSs
unb in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger.
"zeigen; SU Psg. für alle auswärtigen Anzeigen Reklamen. Ganze, Halde, drittel und viertel Seiten, Bei Iviederholter Aufnahme unverätlderter Anzeigen '
Nr. 57.
Wiesbaden, Freitag, 4. Februar 191«*,
58. Jahrgang.
Morgen - Kurgabe.
- 1. Matt.
Komische Uverftchr.
V-r der Kiiftung des Schleiers.
Unmittelbar vor der Einbringung der preußischen Wahlresormvorlage hat es wenig Wert, sicb darüber »u unterhalten, w i e sie Wohl aussehen wird Das kann aber gesagt werden, daß, wenn sie wirklich, wie offiziöse federn vermelden, die direkte Wahl bringt, dann die D r e l k l a s s e n - E i n t e i I u n g in der bisherigen Art auch nicht aufrecht zu erhalten ist. Tenn diese ist mit dem indirekten System untrennbar verbunden. Die direkte Wahl bedingt vielmehr (da ja doch von der gleichen Wahlberechtigung leider feiste Rede sein wird) die Schaffung irgend eines Plural- tvahlsystems oder aber^die Übertragung des Kommunal- wahlreclits auf die Staatswahlen derart, daß jede Klasse für sich einen Abgeordneten wählt. Tiefe letztere Art aber würde umfangreiche Umkrempelunqen der Wahlkreise nötig machen und auch der Sozialdemokratie weit mehr Wahlerfolge bringen, als die Regierung und vor allem die herrschenden Konservativen ihr je werden zugestehen wollen. Es wird also wohl eine Art Pluralwahlrecht herauskommen Aber inwieweit dieses den Wünschen der Rationalliberalen entspricht, den bisher einzigen Befürwortern dieses Systems, bleibe dahingestellt. Tie geheime Wahl wird nicht offeriert werden, und es ist ja schon ein großer Streit zwischen dem Freiherrn v. Zedlitz und dem Zentrum darüber entstanden, ob das letztere das Verlangen nach der geheimen Wahl jesuitisch dazu ausnuhen will, um das seinen Bundesgenossen, den Konservativen, so lästige Gesetz überhaupt zu Fall zu bringen. Dieser Streit läßt uns sehr kühl. Wir sehen hinsichtlich des Zustandekommens irgend einer Reform, die auch nur halbwegs diesen Namen verdient, überhaupt sehr p e s s i m i sti s ch in die Zukunft, da wir der Negierung nicht die Energie zutrauen, eine vernünftige Änderung gegenüber Abgeordnetenhaus und Herrenhaus durchzudrücken. Dem Zentrum trauen wir unsererseits nicht über den Weg. Das Vertrauen zu seinem guten Willen._ etwas wirklich Zeitge- w ä ß e s zu schaffen, ist infolge seines zweideutigen Lerhaltens in den .Fahren vorher verloren gegangen nür ein ungerechtes System, das an die Stelle des bisherigen ungerechten Systems treten sollte, werden alle wirklich liberal Denkenden kaum irgend ein Jn- reresse haben. Für Herrn b. Bethmann-Hollweg ' ist jedenfalls aber jetzt die Zeit der Zurückhaltung und der Schonung vorbei. Er spielt um den höchsten Einsatz — um seine Kanzlerschaft!
Eine Abfertigung des Finanxministers.
Als im Abgeordnetenhause bei der Etatsberatung die Frage der Untereinschätzungen berührt wurde, erhol? sich der Finauzminister zu einer Rede, an der die Konservativen ihre Freude haben konnten. Man kennt die, zuerst von Hans Telbrück unternommenen, dann von anderen Kritikern fortgesetzten Untersuchungen darüber, ob die Ergebnisse der Steuerveranlagung in Preußen mit dem Betrage an Einkommen und Vermögen übereinstimmen. wie er sich durch eingehende statistische Nachforschungen annähernd feststellen läßt. Aus diesen. Untersuchungen ergab sich mit unerbittlicher Bestimmtheit, daß die Unterveranlagungen horrend sind. Während die Gesamtveranlagung noch nicht 92 Milliarden ergibt, beträgt das steuerpflichtige mobile Kapital allein wenigstens 77 Milliarden, von denen nur etwas über die Hälfte, ungefähr, 49 Milliarden, tatsächlich versteuert wird. Die Riesensumme von 60—'70 Milliarden entzieht sich in Preußen alljährlich der Steuer, und das bedeutet, daß dem Staate .Jahr für Jahr, gering gerechnet, 120 Millionen an Ein- jf o m m e n st e u e r vorenthalten werden. Jede Finanz- not wäre beseitigt, wenn wirklich eine gerechte Veranlagung zur Einkommen- und zur Vermögenssteuer stattfände. Was aber tut Herr v. Rheinbaben im Abgeordnetenhause? Er spricht nicht anders, als wenn im Grunde genommen alles in Lester Ordnung sei, und zum Beweise dafür legt er in aller Breite fcn\ daß dieser oder jener Fall angeblicher Steuerhinterziehung, den man nachgeprüft habe, als gänzlich unbegründet erwiesen worden sei. Aber was beweisen überhaupt die Einzelfälle? Was sind sie gegen die hundertfach im letzten Jal)re vorgeführten Zeugnisse von Sachkennern? Professor Delbrück hat zehnmal recht, wenn er auf die seltsame Rede des Finanzministers setzt in den „Preußischen Jahrbüchern" erwidert: „Sind die allermindestens 120 Millionen Mark, LP dom Staat Preußen jährlich Lurch Unterveranlagung entgehen, zu widerlegen oder nicht? Sie sind nicht zu widerlegen, sonst wäre es längst geschehen: wozu sind die Vortragenden Räte, die Assessoren, die Statistiker denn da? Und selbst wenn sie widerlegt und die Summe auf die Hälfte reduziert würde, was wäre damit geändert? Der Finanzminister steht 1a auch selber auf dem Standpunkt, daß wir dem Ziel einer besseren Veranlagung „noch nicht nahe gekommen" sind. Wie ist es denn aber möglich, daß dieselbe Rede ausklingt, als ab alles in O r d - nung wäre? Leben wir in Preußen oder leben wir in Rußland?" Solche scharfe Frage also muß sich Herr v. Rheinbaben von Professor Delbrück gefallen lassen, und wir sehen nicht, wie er sie befriedigend beantworten könnte, denn er hat sich zur Genugtuung der Konservativen festgelegt, während es ihm, dem doch die Pflege der Finanzen anvertraut ist, besser angestanden hätte, wenn er auch seinerseits durch
einen kräftigen Appell das Ge w i s s e n der Steuer- » a h l e_r geschärft und seinen Behörden die unnach-- 1 i ch t r g st e Strenge öffentlich anbefohlen haben wurde. Der Augenblick wäre um so günstiger gewesen, als gerade jetzt die neuen Steuerdeklarationen eingelaufen sind und geprüft werden. Gerade diesen Augenblick benutzt Herr v. Rheinbaben dazu, uns freund- lichst zu beruhigen und die Vorstellung zu erwecken. daß es gar nicht so nötig sei, sich anzustrengen. Es ist ein kräftiges Wort, das Telbrück gebraucht aber es läßt sich verstehen, wenn er ausruft: „Tiefem Ministerium keine neuen Steuern, bis die alten Steuern in Ordnung gebracht sind und in Preußen, was im Gesetz steht, auch Wirklichkeit geworden ist!"
Deutsches Deich.
§ Die Kongokonserenz in Brüssel. Dem Vernehmen nach wird die Dauer der deutscheugtt sch. kougolesische,i Konferenz zur Regelung der bekannten Grenzstreitigkeiten im Sultanat Ruanda., die am 8. d. M. in Brüssel zusammcntritt, etwa vier bis sechs Wochen betragen. Als Delegierte werden von deutscher Seite der Geheime Ober-Regierungsrat Ebermaier, Vortragender Rat im ReichSkolonialamt, und der Referent für geographische und Grenzsragen Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Freiherr v. Danckelman und außerdem wahrscheinlich auch der zurzett auf Urlaub befindliche Gouverneur v: Rechenberg tellnehmen.
* Nntionalliberalismus und Bund der Landwirte. In eigenartigem Widerspruch zu der Tatsache, daß es immer noch nationalliberale Parlamentarier gibt, die sich als Mitglieder des Bundes der Landwirte bekennen, steht die Entschließung, die soeben, am 1. Februar, in Aurich nach einem Vortrag Dr. Diedr. Hahns von den mit der Ausführung des Bündleragitators nicht einverstandenen anwesenden Nationalliberalen auf Veranlassung des national- liberalen Parteisekretärs De. Hugo gefaßt wurde. Die Entschließung lautet-: „Die heute in Zieglers Saal zahlreich versammelten Ostsricsen aus allen Kreisen Ostfrieslands erkennen nach Anhörung des Reichstagsabgeordneten Diederich Hahn die Agitation des Bmrdes der Landwirte nicht rrur als eine nationale Gefahr fiir das deutsche Vaterland, sondern auch besonders für das freie, den Einflüssen des Junkertums und des Klerikalismus unzugängliche Ostfriesland, die nur geeignet ist, Zwist und Klassenhaß in die Bevölkerung zu tragen."
* Die Privatbeamten-Verficherung. Zu der Vorlage eines Gesetzentwurfes über die Pensions- und Hinter- blirbenenverstcherung der Privaiangestelltcn wird der „Tgl. Rdsch." geschrieben: „Die Organisationen von Handel und Industrie und die Vertretungen der Landwirtschaft haben sich fast ausnahmslos fiir eine reichsgesetzliche Regelung der Privatbeamten-Versicherung ausgesprochen und damit bekundet, daß Handel, Industrie und Landwirtschaft bereit
Fe uillet on.
Aas dm MSaitzcarr «hesler- md Majidledka.
München, 31. Januar.
Eine bemerkenswerte Erscheinung in unserer an literarischen Neuheiten ungewöhnlich armen Theater-Saison ist ur nachhaltige Einfluß, den das K ünstlerth eater der Ausstellung 1908 auf die Münchener Jnszenierungskunst aus- teübt hat. Nicht etwa nur an den Hostheatcrir, in deren besitz die Gesamteinrichtung der Reliesbühne iwergegangen ü: gelernt haben alle Münchener Theaterleitnugen einiges rvou und wissen es gelegentlich zu nützen. Den größten Dort all ziehen die Klassikeraufführungen aus den gemachten Erfahrungen. Die Reliesbühne kommt der Einrichtung der llteren Shakcspearebühne am ungezwungensten nahe und --stattet, besonders wenn der Spielleiter nicht Sflave einer arren Stilhrrschaft ist, einen häufigen Szenenwechsel bei Vermeidung größerer Pausen mtt dem Aufbau wirkungs- - oller Dekorationen in Einklang zu bringen. Am schönsten ?at sich das im K ö n i g l i ch e n R e s i d e n z t h e a i e r bei -er ungekürzten Aufsührung von Shakespeares Lust- nel „Der Widerspenstigen Zähmung" mit Vorab Nachspiel in Dr. Kilians Bearbeitung gezeigt. Diese rlufsührung, die uns das bisher auf den deutschen Bühnen mmer nur als Fragment vorgesührte übermütige Stück jetzt endlich in unverstümmelter Shakespearcsorm zeigst trug den Charakter eines spriidelnd lustigen Fastnachtsspiels ohne
den meisten Shakespeareverehrern zu wett gehenden Derbheiten der Reinhardtschen Bearbeitung.
Indem man das Vorspiel des Stückes mitgibt und ein >.esem entsprechendes Nachspiel hinzusügt, kommt der wahre "barakter der Komödie, die min wieder zu dem gemacht ist, -oas sie ursprünglich war: ein Spiel im Spiel, erst wieder wm Ausdruck. Das Werk wird damit dem modernen Empfinden näher gebracht, während die AuMhrung des aus '-m«n Rahmen gerissenen Jmprovistonsspieles einer reisenden Truppe als Werk für sich ein ästhetisches Unbehagen ßervornllen mußte. Dr. Kilian bat seiner Bearbeitung die
vortreffliche Baudissinsche Übersetzung zugrunde gelegt. Für das verloren gegangene Original des Nachspiels hat man eines hinzugedichtet, das nur ein paar zwischen dem aus dem Schlaf erwachenden Trunkenbold Kesselflicker Schlau und der Heidekrugwirtin gewechselte Worte enthält und, ohne der Wirkung des Ganzen Gewalt anzutun, seinem Zwecke ausreichend eiitspricht. „Der Widerspenstigen Zähmung" in der jetzigen Form verspricht das Kassenstück dieses Winters für das Residenztheater zu werden, und ebenso ist Shakespeare auch im Kgl. Hof- und Nationaltheater vorderhand der zugkräftigste Dichter, dessen „Julius Cäsar" unter der Leitung unseres ebenso rührigen wie begabten Regisseurs Dr. Kilian eine in jeder Beziehung preiswürdige Auferstehung erlebte.
Was an Novitäten in dieser Saison bis jetzt am Münchener Theaterhrmmel aufgegangen ist, kann nicht auf langdauerndes Leben rechnen. Björnstjerne Björnsons letzte dramatische Schöpfung, das dreiaWge Lustspiel „Wenn der junge Wein blüht", hatte seinen rein äußerlichen Erfolg im Münchener Schauspielhaus. Trotz Björnsons entrüsteteni Einspruch gegen eine Auffassung seines Werkes als Posse entfernte sich die hiesige Darstellung nicht mehr sehr weit vom Possensviel und wurde auch von der Zuhörerschaft nicht anders ausgenommen.
Der Versuch unserer vornehmsten literarischen Gesellschaft^ des „Neuen Vereins", mit einer einmaligen Aufführung von Art stop Hanes politisch-satirischer Komödie „D i e F r ö s ch e" im Münchener Schauspillhaus durch eifrige Mitglieder des Darmstädter Hofthcatcrs und einer Anzahl gutwilliger, aber mäßig talentierter Mitglieder einer Münchener Theaterschule Interesse für die unserer heutigen Zeit ganz unverständliche Dichtung von Anno 405 v. Ehr. zu erwecken, ist gänzlich fehlqeschlagen. Nicht nur wegm der mangelhaften schauspielerischen Wiedergabe, sondern wegen der absoluten Unbrauchbarkett des Stückes, dessen Hervorholuug allein zum Zwecke einer Pnmaneraufführung, b i der sich die Mitspieler wenigstens gut zu unterhalten pflegen, entschuldbar ist. Der „Reue Verein", dessen Wciterexistenz erst kürzlich durch' eine ziemlich hohe Zwangsumlage, die martche seiner Mitglieder zum
Austritt veranlaßt hat, ermöglicht wurde, sollte seine Mittel lieber dazu anwenden, wie das früher bet ihm Brauch war, den Werten junger dramatischer Talente den Weg auf die Bühne zu ebnen, anstatt sich mit Ausgrabungen abzugeben, deren Erfolglosigkeit jedem Eiustchtigen von vornherein klar sein mußte.
Die Karnevalszett, die ja in München viel intensiver irnd eindringender als anderwärts das öffentliche Leben beeinflußt, läßt auch das Interesse für Musik etwas zurücktreten und die Flut der künstlerischen Genüsse ein wenig allst au eu. In dem Kgl. Hof -und Nationaltheater hatten wir nur eine Premiere und diese ist für die meisten Städte keine Neuheit mehr. Giacomo Puccinis „Madame Butterfly" hat lange Zeit gebraucht, um über unsere Bretter zu gehen; dafür haben wir freilich eine geradezu musterMttge Wiedergabe. Hermine Bosetti gestaltet die Tragödie der verlassenen Geisha erschütternd und singt sie hinreißend schön Für die Szene hatte der Kunstmaler Starke starke farbenfreudige Entwürfe geschaffen. Das erfte. Bühnenbild erschien in strengster Stilisierung in der Art eineS japanischen Holzschnittes.
Im Konzertsaale stehen die von Ferdimnrd Löwe geleiteten Abende des K onz ertv erei n s und die der musikalischen Akademie unter Felix Mottl an erster Stelle des öffentlichen Interesses. In den Konzetten Löwes hörten wir jüngst einige Neuheiten aus dem Kreise der Münchener Koinponiftengrupve, so Karl Bleyles „Gnomenianz" und Kloses „Elfenreigen", Totidichtungeu von vornehmer Technik und anmutiger Erfindung. — Hans PfiHner besitzt in München eine starke Gemeinde. Seinen Kompositionen widmete jüngst das „Siebenquartett" unter Mitwirkung des Komponisten und des Sängers Ludwig Heß einen Abend, der von neuem die Empfindungs-- riefe dieses Spätromaniikers zu großer Wirkung brachte. Auch Hoflapellmeifttr Prill bot jüngst ini Volkssinsonie- kouzert ein bedeutendes Stück Pfitznerscher Kunst, seine rassige Ouvertüre zu Heinrich von Kleists „Käthchen von Heilbronn".
Das Tonkünstler-Orchester, das mittlerweile eine sehr ehrenvoll verlaufene Konzertreise nach Monte Carlo
