Wette 4. DierrÄtag, 1. Februar 1910. WirsimdeNSr Tag^lM. DürrgeEuÄgaüe, 1. Blatt. Nr. 51.
ilisd mrs Blanche de Provence, der graziöse Elfenreigen unseres einheimischen Komponisten N. v. Wilm, besonders aber das dramatisch bewegte Morgengebet der Bestalinnen von Spontini mit zwei Sopransoli, gesungen von Frau Gussy Aloff und Frl. JdelLerger. Zwischen diesen sehr beifällig au-fgenommenen Gesangsnummern ließ sich eine begabte junge Pianistin hören, Frl. Martha Schneider, die Chopin spielte und besonders durch den brillanten und tenrpcramerltvollen Bortrag des „Polnischen Lieds" in Lisztscher Bearbeitung und des Es-Dur-Walzers zu lebhaftem Beifall hinritz. Rach einer warmen, herzlichen Ansprache, die hauptsächlich die Verdienste unseres Kaisers als Friedensfürst würdigte, brachte die Vorsitzende, Frau Krawinkel, das Kaiserhoch aus, das lebhaftes Echo weckte und dem sich bie_ von allen Anwesenden stehend gesungene Nationalhymne anschlotz. Launige Toaste würzten das nun folgende Festmahl, dem sich noch weitere musikalische Vorträge anschlossen, die die frohgestimmte Gesellschaft noch länger zusammenhielt. — Das Maskenkränzchen mit lyrischen und humoristischen Vorträgen findet schon Sonntag, den 6. Februar, in den Klubräumen, Orcmienstraße 16, 1, statt.
— Besitzwechscl. Die Villa Mainzer Stratze 68, Frau Neef Wwe. gehörig, ging durch Kauf in den Be'-! eines auswärtigen Herrn über. Die Vermittlung geschah durch WohnungS- nachweis-Bureau Lion u. Ko.
v Theater, Kunst, Vorträge.
* Biophmi-Theater (Wilhelmstratze 6, Hotel Mono pol).
Der kinematographische Film im Dienste der Kriminalistik Surfte wohl die neueste Verwendung dieser Erfindung bedeuten. In dem packenden Stück „Der Film als Wahrheitsbeweis" wird die Schuldfrage durch vorzüglich erdachte Anivcndung eines im Geheimen arbeitenden Aufnahmeapparates gelost und der Mörder entlarvt. Das lebensvolle Spiel der darstellenden -Künstler erhöht noch den tiefen Eindruck, welchen die packenden .Szenen erzeugen. Das Gleiche gilt von dem „Roman einer Kunstreiterin" mit seiner echten Bajazzostiunnung, den rasch wechselnden Bildern des bewegten Zirkuslebens, mit seiner rasenden Eifersucht und dem zertrümmerten Familienglück. Photographie und künstlerische Wiedergabe sind hier wirklich über alles Lob erhaben. Angenehme Abwechslung bringen die originellen Szenen aus Ofseubachs „Schöne Helene" und das Neueste vorn Neuen aus der Operette „Der Graf von Luxemburg". Professor Heinrich Grünfcld erfreut durch sein entzückend wiedergegebenes Cello-Solo „Schumanns Träumerei" und Hedwig Boltz mit der „Arie der Königin der Nacht" aus Mozarts „Zauberflöte". Freunds der Hühnerzucht machen wir auf interessante Aufnahmen einer Musteranstalt für Geflügelzüchterei aufmerksam. Schliesslich kommt auch der Humor aus- giebig zur Geltung in den beiden Stücken „Freuden der Jagd" und „Lebenselixier". Hier werden alle Register kinemato- araphffcher Technik gezogen, man muß lachen, da gibt es keine Selbstbeherrschung mehr angesichts solcher drolliger Wechselfälle aus dem Gebiet des „Ällzumenschlichen". Der Besuch war wieder enorm, so daß die Plätze bei weitem anL-
reichten und viele umkehren mußten. Das hervorragende Programm wird noch täglich bis Freitag vorgeführt. Jedcr- maNn empfehlen wir aufs wärmste den Besuch des Biophon- Theaters.
* Beckersches Konservatorium. Die musikalische Abend
unterhaltung des Beckerschen Konservatoriums für Musik fand am Samstagabend im „Wartburg"-Saale statt. Sämtliche Borträge zeichneten sich durch gutes Gelingen aus. Das Programm war künstlerisch zusammengestellt und brachte, Kompositionen von Mozart, Gluck, Händel, MoszkowSki, Raff. Chopin und R. Wagner. Als gediegene Klavierspielerinnen sind hervorzuheben: Fräulein M. Racky, welche Moszkowskis Konzert- Walzer. op. 84. mit vorzüglich ausgebildeter Technik und höchst lebendigem Musikempfinden künstlerisch zur Ausführung brachte. Ferner Fräulein F. Autor: „Ritt der Walküre" von Wagner- Lausig, Fräulein I. Luria: Cachoncha-Caprice von Raff,
Fräulein H. Blättner: Marzurka, op. 83, von Chopin, Fräulein K. Racky: Polka de la Reine von Raff, Fräulein Em. Papcke: Intermezzo von Aletter, Fräulein R. Blättner: Polonäse, an. 86, von Chopin, welche sich sämtlich mit gutem Geschick ihrer meist schwierigen Aufgaben erledigten. Auch das vortreffliche Zufammsnspiel des Konservatoriums-Orchesters: Largo von Händel und zwei Konzert-Ouverturen, sind lobend zu ertvähnen.
* Königliche Schauspiele. „Der schlechte Ruf", Pers- lustspiel von Oskar Blumenthal, geht gleichzeitig mit Leo Blechs Oper „Versiegelt" und dem Balboschen Ballett „Winterzcit" heute zum erstenmal in Szene. Die Hauptrollen sind mit den Herren Tauber. Weinig, Schwab und Herrmann, den Damen Doppelbauer, Blcibtreu und Gauby besetzt. Das Stück wird von Regisseur Dr. Oberländer tu Szene gesetzt. Die erste Aufführung findet im Abonnement 8 statt.
* W.ex ist der Stenographie zu Dank verpflichtet? über dieses Thema hält in der Stenographieschule (Gewerbesclwl- gebäude) Dienstag, den 1. Februar (abends 8 Uhr anfangend), Herr H. Paul einen Vortrag. Gäste haben freien Zutritt.
* Eduard Engel in der Literarischen Gesellschaft. Am Donnerstag, den 3. Februar, abends 8 Uhr, hält Professor 'Dm Eduard Engel in der Literarischen Gesellschaft (Wartburg) den fünften dieswinterlichen Vortrag über „Die Verfasserschaft der Dramen Shakespeares". In dem berühmten Literarhistoriker. der soeben erst wieder ein großartig angelegtes und kritisch durchgeführtes literarisches Produkt: „Goethe, der Mann und das Werk" veröffentlicht hat, treffen wir einen alten Bekannten an. der von seinem vor einigen Jahren gehaltenen Vortrag noch in guter Erinnerung steht. Seine Vortragsweise ist fesselnd; seine Themata weiß er auf wissenschaftlicher Grundlage durchaus für den Gebildeten allgemein verständlich zu Le» .bandeln. Das bevorstehende Vortragsthema selbst ist für jedermann interessant. Bekanntlich haben Bormann. Bleibtreu und andere dem „Großen William" die Urheberschaft seiner klassischen, die Bretter beherrschenden Stücke abgesprochen: cs ist eine ganze Reihe von Kontroversen vorhanden, so daß mancher schließlich ratlos dasteht und keine Deutung zu finden weiß. Um so größer wird die Erwartung sein, wie der Redner, der ja auch in der englischen Literaturgeschichte seinen Mann stellt, die Sache behandeln wird. Alle Freunde der Literatur und besonders Shakespeares, sind zu dem Abend eingeladen. Karten für Nichtmitglieder in den in der Anzeige genannten Buchhandlungen und abends an der Kasse.
* Frankfurter Stadttbeater. (SpieIpIa n.) Opern
haus. Dienstag, den 1. Februar: „Die Hugenotten". Mittwoch, den 2.: „Die geschiedene Frau". Donnerstag, den 8.: „Tannhäuser". Freitag, den 4.: Geschlossen. Samstag, den 5.: „Lobeianz". Sonntag, den 6., nachmittags %A Uhr: „Der Zigeunerbaron". Abends 7 Uhr: „Margarete". Montag, den 7,: „Der Waffenschmied". Dienstag, den 8.: „Die geschiedene Frau". Mittwoch, den 9.: „Die Afrikanerin". — S cba n - svielhaus. Dienstag, den 1. Februar: „Die Braut von Messina". Mittwoch, den 2.: „Wenn der junge Wem blüht". Donnerstag, den 3.: „Tantris der Narr". Freitag, den 4.: „Der dunkle Punkt". Samstag, den 6., zum erstenmal: „Die Revolutionshochzeit". Schauspiel in 3 Aufzügen von Sopbus Michaelis. Sonntag, den 6.. nachmittags Ztzö Uhr: „Im
weißen Rößl". Abends 7 Uhr: „Die Revolutionshochzeit".
Montag, den 7.: „Das Konzert". Dienstag, den 8.: Bei uns da drüben". Mittwoch, den 9., nachmittags 2% Uhr: „Wilhelm Tell". Abends 7 Uhr: „Die Revolutionshochzeii".
Vereins-Nachrichten.
* Auf den am 5. Februar im Saale des „Kath. Vereins- Hauses", Dotzheimer Strasse 24, stattfindenden Maskenball des „Scharrscheu Männerchors" sei nochmals Hingeiviesen.
* Der Maskenball des Männergesangvereins „U n i o n" findet am Fastnacht-Sonntag, den 6. Februar er., abends $ Uhr in sämtlichen Räumen der Turnhalle .Hellmundstraße 25 statt'
Vereins-Versammlungen.
* Der „Zweigverein des Mitteldeutschen Vereins reisender selb st. Handelsleute und
Gewerbetreibender" (Sitz Frankfurt a M.) hat sich am 28. d. M. im Lokale „Zur Altstadt", Neugasse 22, gegründet. Die Mitglieder schloffen sich dem Frankfurter Verein alle an und sind schon im Besitze ihres Mitgliedbuches und des Vereinsabzeichens. Es kam zwar zu lebhaften Aussprachen, aber der Anschluss an Frankfurt entsprach einem allgemeinen Wunsche. Weiter wurde beschlossen, darauf hinzuwirkeu, daß Kindern unter 14 Jahren das Hausierwesen verboten wird. Ebenso den Ausländern, weil dadurch das Hausiergewerbe schwer geschädigt sei.__
Vereins-Feste.
(Sufnataie frei bis zu 20 Seilen.)
* Die „Städtische Beamten-Vereinigung W i e s b a d c n" feierw am 22. v. M. im Saale des Männer- turnverckins. Platter Strasse 16, den Geburtsrag des Kaisers durch einen auf das schönste und würdigste verlaufenen Familienabend. Der auf das prächtigste geschmückte Saal erregte allgemein Bewunderung. Die vom 1. Vorsitzenden gehaltene Festrede gipfelte in dem Dank an Magistrat und Stadtverordneten-Kollegium für die Gehaltsaufbesserung der städtischen Beamten und klang mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser aus. Die reichhaltige Portragsfolge brachte den Mitwirkenden lebhaften Beifall. Rach einer kleinen Geschenk- Verlosung trat man zum Tanze an, welcher bis zum frühen Morgen dauerte. ________..
Arrs dem Landkreis WiesdaÄrll.
• Ä Schiersiein, 28. Januar. Der „Katholische K i r ch e n ch o r" wählte in seiner Generalversammlung zum 1. Vorsitzenden Lehrer Hartmann, zum 2. Vorsitzenden Joievh Sattler, zum 1., bezw. 2. Schriftführer Aug. Weiß und Rich. Steinheimer, zum Kassierer K. Hober, sowie ausserdem sechs Beisitzer resp. Beisitzerinnen. — Der „Evangelische Kirchengesangverein" nahm in seiner Generalversammlung seine Vorstandswahl ebenfalls wie folgt vor: 1. Vorsitzender Fritz Reich, 2. Vorsitzender Wilh. Mehling, Schriftführer W. Springer, Kassierer Heinr. Maulhardt, Inventar- Verwalter W. Mehling. sowie fünf Beisitzer resp. Beisitzerinnen. — Am 11. Februar kommt hier das Gasthaus „Zum deutschen Hof", ein bekanntes, von auswärts viel besuchtes Vergnügungslokal, zur Versteigerung.
ei. Hochheim, 30. Januar. Am 2. Februar hält der 13. landwirtschaftliche B e z i r k s 8 c r e r n in wem Gasthause „Zur Rose" eine Versammlung ab, in welcher außer einer Besprechung über Kunstdüngung und Felddüngungsversuche ein Bortrag des Herrn Kreisobstbaulehrers Bickel- Wiesbaden über: „Schädlingsbekämpfung unter besonderer Berücksichtigung der neueren Feinde des Beerenobstes" gehalten wird. — In der letzten Stadtverordneten-Versamm- l u n g fand die Einführung und Verpflichtung der nengewühlten Stadtverordneten statt. Zum Stadtverordnetenvorsteher wurden Herr Kommerzienrat Hummel und als dessen Stellvertreter Herr Weingutsbesther C. Lembach wiedcrgewählt. Die Stelle des Schriftführers übernimmt Herr Gerichtssekretär Dienstbach und die des Stellvertreters Herr Weinhändler I. B. Siegfried. Für das Krüppelheim in Wiesbaden bewilligten die Stadtverordneten einen jährlichen Beitrag von 10 M.
Nassau» sche Nachrichten.
r. Kiedrich, 31. Januar. Nach langer Krankheit ist Bürgermeister a. D. Franz B i b o von hier im 80. Lebensjahre gestorben.
u. Griesheim, 31. Januar. An Stelle des nach Berlin übergesiedelten Generaldirektors Prof. Lepsius ist die wissenschaftliche Leitung der chemischen Fabrik „Elektron" dem Oe. Ehckemerer von hier übertragen worden. — Ende letzter Woche geriet der Arbeiter Gröber aus Sossenheim in eine Transmission der Fabrik „Elektron", wobei er sofort getötet wurde.
— Oberursel, 31. Januar. Die Stadtverordneten beschlossen, nachdem der Minister sich gegen die geplante Errichtung einer Oberrealschule ausgesprochen hat, weil er ein Bedürfnis dazu nicht als vorhanden ansieht, eine Deputation nach Berlin zu senden, die beim Minister vorstellig werden soll. _
Ans der Umgebung.
Fremdensitzung des Mainzer Karnevalvereins.
— Mainz, 31. Januar. Die dreimal heilige Faßnacht gehört zur Konfession, ist eine erbliche Belastung des echten Meenzers. Um 3 Uhr war die Stadthalle gestern gestoppt voll, um 4 Uhr noch voller und um 5 Uhr konnten weder Obst noch Südfrüchte auf den Boden fallen, denn 10 060 Männlein und Weiblein aus, wie ein Redner bemerkt haben wollte, Darmstadt, Kostheim, Athen, Rom, Frankfurt, Stock- holni und Wiesbaden füllten die Halle. Die Galerien zeigten sich in fünffacher Reihe besetzt. Auch die städtischen, staatlichen und militärischen Spitzen waren anwesend und wurden bei Erscheinen lebhaft beklatscht, nur unser Oberbürgermeister fehlte diesmal wieder und mußte deshalb wieder die Zielscheibe von allerhand faulen und minder faulen Witzen werden. Nach seinem Kontrakt mit der Stadt, meinte einer der Herren, könne man ihn ja nicht zwingen. Das vielbekrittclte Rauchverbot war nur für die Dummen, die sich uzen stießen, die anderen, so namentlich die Herren vom Komitee, rauchten wie die Mainzer Dampfbahn, wenn sic über die Bleich fährt. Das Festspiel Wasserburgs. das die Herren Narrhallesen zuerst unter sich ausprobiert hatten, wurde nun den Gästen und den Damen vorgeführt, und erntete reichen Beifall. Präsident Reen meinte in seiner Begrüßungsansprache, die Fremden, die in die umliegenden Bäder kämen, seien oft nicht ganz gesund und müssen allerhand Wasser trinken, die Fremden aber, die hierher in unsere Sitzung kommen, sind kerngesund und vertragen auch andere Säfte. Der Sekretär W e i ß meinte, er, als .Kanzler des Karnevals, müsse redde, er könnte es nicht machen wie andere Kanzler, die sich ausschweigen. „Welches ist der Ort, wo Mensch und Vieh friedlich zusammen hausten, bis der Herr sie daraus vertreibt?" fragte ein Prinz ssNarr Wasserburg) seinen Hofmeister (Narr H i l g e). Antwort: „Der Meenzer Schlacht- und Viehhof!" Der Ur- narr Fürst stellte die Behauptung auf, um Zündhölzer zu sparen, steckten die Bauern ihre Häuser nicht mehr an, und wenn heute ein Leutnant seine Monatsgage vertrunken habe, sei er immer noch nüchtern! Aach der Einrenkung der Finanzreform sei Bülow nach Rom geflüchtet und hätte her- übrrgerufcn: „Bei Eich ist mer's setz zu derer." Die Narren Schollmayer und Hettergott wundern sich, daß sie noch keine Beamte an der Stadt sind. „Wann de kö Me-en- zer wärst", sagte der eine, „dann wärst de schon äner!" Der Bicking, der das Räucherfaß geholt, muß natürlich viel herhalten, ein Raubfisch und ein schlechter Vergolder, der alles versilbert. Die Mitglieder des Mainzer Stadttheaters SchlottHauer und Fräulein David gaben einige Meenzer Couplets zum besten. Die urgelungenen Lieder haben die Narren Huy, Korn, Dremmel und Elz zu Verfassern. Der letzte Tag des Januar hatte schon längst, längst begonnen, als die Meenzer mit ihren Gästen der gut °
Stnbb den Rücken wandten. Am Rosenmontag sehen wir uns wieder!
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= Marburg, 31. Januar. JnstitutSdiener Wutzeln Kröger, ein alter Mann, wurde, als er abends ans seiner im pharmakologischen Institut belesenen Wohnung kam uni) über die Strasse nach dem Steinweg zu gehen wollte. von eincui mit zwei Pferden bespannten und durch die «stadt rasenden Schlitten umgerissen, mitgeschleift und so schwer verletzt, dass er unter den Händen der Stratzenpassanten, die sich seiner annahmen, seinen Geist aufgab.
* Mainz, 31. Januar. Rheinpegel: 2 m 12 cm gegen 2 m 26 cm am gestrigen Vormittag.
Gerichts sarri.
Wiesbadener Strafkammer.
Die Suggestion des Titels.
Die Trtelsucht ist heute groß. Die „Frau Sekretär". „Frau Rat" sind an der Tagesordnung, und je geringer die Stellung ist, die jemand einninunt, um so fester klammert er sich an die Kennzeichnung derselben, besonders im gesellschaftlichen Verkehr. Daß das nicht immer ganz ungefährlich ist, zeigte uns eine Verhandlung vor der Strafkammer. Der Schlosser Karl E. hat früher in der Nähe von Mainz Funktionen als Lokomotivführer auf einer Privatbahn versehen. Später gelang es ihm, eine Stellung als Schlosser in Frankfurt bei der Staatsbahn zu finden, er sah sich zeitweilig genöftgt, nicht ganz unerhebliche Kredite bei Lieferanten und Handwerkern in Anspruch zu nehmen, und als er die Leute nicht bezahlte, wurde ihm daraus ein Strick gedreht, daß er sich Lokomotivführer, angeblich in einigen Fällen sogar Königlicher Lokomotivführer genannt bade. Man will ihm den verlangten Kredit rmr gewährt haben, weil er direkt als Lokomotivführer ausgetreten sei, resp. weil er, indem er sich diesen Titel beigelcgt, den Glauben erweckt habe, Lokomotivführer bei der Staatsbahn und deshalb erheblich kreditfähig zu sein. Der Mann sowohl wie auch seine Frau behaupteten, voll berechtigt zu sein, sich Lokomotivführer resp. „Frau Lokomotivführer" zu nennen, nur durch die gleichzeitige Erkrankung von drei Kindern seien sie außerstand gekommen, die Schulden zu bezablen, sic hätten nicht nur manifestieren müssen, sondern infolge der wider sie erstatteten Strafanzeigen mich die Stelle bei der Eisenbahnverwaltung in Frankfurt eingebüßt. Do? Gericht erließ, so nahe auch die Amrahme liege, daß sic sieb den Titel lediglich beigelcgt halten, um kreditfähiger zu erscheinen, mangels Beweises wider beide Angeklagten einer Freispruch.
„Maggi".
Die Maggi-Gesellschaft hält allcrwärts Ageir- ten, deren Obliegenheit auch darin besteht, dann und wann in den Geschäften ihres Bezirks zu kontrollieren, ob nicht Leuten, die Maggi verlangen, Fabrikate der Konkurrenz cmsgesolgt werden. Zu diesem Zweck wurde auch eines Tages eine Frau zu dem Händler Richard F. in Kemel geschickt. F. bediente sie selbst. Er goß ans einer großen Maggiflasche eine Flüssigkeit in das mitgebrachte Gesäß, und als diese Flüssigkeit näher untersucht wurde, ergab sich, daß es „Knorr-Sos" sei, eine Mixtur, welche die große Flasche zu 4 M. verkauft wird, während Maggi auf 8,80 Nt. zu stchen kommt. Nachdem Vergleichsverhandlungen mit der Maggi-Eesellschast an der hohen Forderung der letzt, ,cn (150 M.) gescheitert sind, stand F. gestern unter der Anklage des Vergehens wider das Musterschutzgesetz vor Gericht. Das Urteil nahm ihn in 150 M. Geldstrafe und sprach außerdem der Maggi-Gesellschaft die Befugnis d-er Publikation des entscheidenden Urtcilstcnors im „Wiesbadener Tagblett" und „Materialist" zu.
Die „Schwarze Hand".
wb. Toledo (Ohio), 29. Januar. Der am 9. Juni ip-z in Marion (Ohio) verhaftete italienische Obsthändler Seil- vatore Lima, das Haupt der Baude „Schwarze Hand", wurde zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt. Zehn andere Mitylic der der Bande erhielten Strafen von zwei bis zu z:hn Jahren.__
Sport.
* 1. Internationales Bobrennrn Davos. Im Sierf Bobrennen um den Preis von „Alt Frh Rbätien" wurde Erster, der Bob „Oueen of Hearts" mit Miß Lester am Steuer .-rid Herrn Wagner an der Bremse, in der Zeit van 4 Min. 15% Sek. Zweiter „Le Lutin", 4:17%, Dritter „Torpedo II".
* Allgemeine Radfahrer - Union. Der König p 0! , Württemberg hat für den Anfang August in Heilbrcnn- stattfindenden Kongreß der Allgemeinen Radfahrer-U-.-.wn, dessen Protektorat er übernommen hat, einen Ehrenpreis
fH ritte Chrom
Die Jagd nach Cook. Heidelberg war in den leinen vierzehn Tagen von Zeitungskorrespondenten aus Y.-r ganzen Welt überschwemmt. Alle suchten den Dr. (\ _ v « In den letzten Tagen war nun auch der Vertreter einer New Yorker Zeitung dort, um an. der Cook-Jagd sich beteiligen. Er hielt sich mehrere Tage in Eberbach auf, U!a ; das Sanatorium Rockenau mit Argusaugen zu bewacven. Seine Versuche, als Patient in die Anstalt anfgeuonnneu zu werden, oder in der Verkleidung eines Metzgerburs.-!-eu sich Einlaß zu verschaffen, sind an der Wachsamkeit des Personals gescheitert. Er selbst umgab die Anstalt mit pnct Detektiven und gibt als das Resultat seiner Beobachtung an, daß Cook bis Freitag sich unter den: Namen . , oder Günther in der Anstalt ausgehalten habe. Frofta.-' abend soll seine Abreise mit dem Schnellzug Hcidels-r- Würzburg erfolgt sein.
Entsetzliche Familientragödie. In der Sommerfrjs-..- Ferdinandstal im Jsergebirge erschlug der Gastwirt BerY mann offenbar in einem Anfall von Geistesstörung se:r^ beiden Kinder mit Beilhieben, verwundete sein:: Frau sch>Y: und verletzte sich selbst durch Öffnung der Pulsadern. "'
Opfer der Berge. Im Patznauntal hat eine Lawine mehrere Häuser wegyerissen. — Am Lamarsee stürzte ^ Gemsjäger im Schneesturm ab und fand den Tod.
Im Wahnsinn. Der in der Bahnstraße in Steasi- wohnende Zimmermann Bäthke versuchte in einem ‘aiY-i- von Irrsinn sein 3jäbriges Töchterchen zu erhängen, bombardierte die mit Gewalt in die Wobnuna ein-dringen'^ den Polizeibeamten mit Preßkohlen und verletzte ein-"
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