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Januar.

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Nr. 4L.

Wiesbaden, Donnerstag, L7. Januar 1910.

68. Jahrgang.

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Kaisers Geburtstag.

Wiesbaden, 27. Jamlar.

Der Träger der deutschen Kaiserkrone, in dem wir eile, welcher bürgerlichen Partei wir auch sonst ange- hören mögen, das Symbol von Deutschlands tolitischer Einheit erblicken, vollendet heute, Donnerstag, sein 31. Lebensjahr. Im bunten Schmuck fcet Fahnen prangen die Straßen der Städte, in den schulen feiert die Jugend, und in unzähligen festlichen Veranstaltungen bekunden die Erwachsenen, daß sie, mag sie auch sonst noch so vieles voneinander trennen, loch einig sind in der Feier des nationalen iii e st t a g e s, als den wir den Geburtstag des ersten Mannes in Deutschland anzusehen uns gewöhnt haben. SMefe Mitfeier des Kaisers-Geburtstages durch jung und alt und über die Kreise der Beamten hinaus gilt uns als ein Zeichen gesunden, kräftigen Volkstums, das, unbeirrt durch die sorgenvollen Kämpfe des Tage s, sesthält an dem, worin alle guten Deutschen sich eins fühlen dürfen und eins fühlen sollen, an der nheit der deutschen Stämme und dem sie repräsen- iereilden Kaisertum.

Wenn das deutsche Kaisertum in schwerem Kampfe des deutschen Volkes um seine politische Selbst- l ä n d i g k e i t, um seine Existenz erstanden ist, so hat ieser Karnpf zugleich ein dauerndes, einigendes Band m Volk und Kaisertum geschmiedet. Aus diesen ge- leinsamen Kämpfen ist das Vertrauen hervor- hewachsen, das die deutsche Nation dem durch die ge» sichtliche Entwickelung zur Führung ihres Geschicks gerufenen H o h e n z o l l e r n h a u s e entgegenbringt. Vohl hat es in den nahezu 22 Jahren der Regierungs- ,ett unseres Kaisers nicht an ernsten Kämpfen und anchen Erschütterungen gefehlt, wie sie keiner großen ation, die in kraftvoller Arbeit vorwärts zu schreiten emüht ist, erspart geblieben sind. Wohl sind uns heute roch die schmerzlichen Ereignisse in Erinnerung, die in den trüben Novembertagen des Jahres 1908 das deut­schen Volk bewegten Ereignisse, aus denen doch das L orte Vertrauensverhältnis zwischen Kaiser und Volk ngetrübt hervorging. Wohl waren uns, auch gerade lm vergangenen Lebensjahre des Kaisers, in dem dieser

Feuilleton.

Oie Iagö im Januar.

Mit dem 15. Januar hat die Hasenjagd ihr Ende er- keicht. Die Krummen, die heil in die Schonzeit kamen, atmen aus und freuen sich des jetzt für sie beginnenden Liebessrühlings. Ein von Herzen kommendes Gott sei Dank entringt sich auch der gepreßten Jägcrsecle:Dies­mal hat es noch gut gegangen!" Der eine meint damit, daß I« unangebleit die letzte Treibjagdkampagne überstanden hat: immerhin manchtnal ein rechtes Kunststück. Der andere schickt lein Stoßgebet zum Herrn aus Freude, daß er keinen ange- Pleit hat und nicht mehr schadenersatzpflichtig gemacht werden «amt. Manchem passiert das öfters, und die Pflaster für Jabgeirrte" Schrotkörner, die in der Lust so oft miteinander larambolierten, daß ihre schließliche Richtung ganz unbe­rechenbar ist so versucht wenigstens der auf der Höhe der Zeit und gleichzeitig im Rufe eines gewaltigen Jägers ,vor dem Herrn stehende Rechtsbeistand seinen leichtsinnigen Klienten, der einem Nebenmenschen im Kesseltreiben einen bösen bleiernen Gruß zusandte, heraus zuhau en!, sind heutzutage recht teuer. Die gute alte Zeit, als noch der Mgeslickte Treiber den Silbertaler schmunzelnd einstecktc: ,.Tavor speel eck jeden Dag Hase!", sind vorbei; jetzt droht das Gespenst der lebenslänglichen Rentenzahlung für vcr- tttittbexic Erwerbssähigkeit wegen eines einzigen harmlosen Schrotkorns, das der Sonntagsjäger aus Versehen einem Hellen Treiber dahin appliziert, wo noch viel Platz ist. Der Ärmste kann seitdem beim winterlichen Schafskopf nicht länger wie drei Stunden in einer Tour aus der harten Ofenbank des Dorfwittshauses sitzen und seinen Kon- »atrioten das Geld abnehmen; mithin ist er in seiner Er- wcrbssähigkeit geschädigt und der Unglücksschütze muß Luten; es geht nirgends sonderbarer her wie in der Welt!

sich selber mehr als zuvor und das kann nur ein Vorteil sein, denn der Träger der Krone soll über den Parteien stehen von einem persönlichen Eingreifen in das Getriebe unserer inneren Politik ferngehalten hat wohl waren uns also auch im vergangenen Jahre schwere politische Erschütterungen beschieden, die mit dem von vielen beklagten Rücktritt des bewährten ersten Ratgebers der Krone endeten, aber gerade in allen diesen Irrungen und Wirrungen hat es sich ,aufs neue erwiesen, daß das Vertrauensverhältnis zwischen dem deutschen Kaiser und dem deutschen Volke unberührt bleibt vom Streit des Tages, weil es begründet ist aüf der gemeinsamen Arbeit am Wohle unseres deutschen Vaterlandes.

Tie Anerkennung seines ernsthaften Strebens in, der Erfüllung der verantwortungsvollen Pflichten seines hohen Amtes wird dem Kaiser kein gerecht denkender Mann versagen. Als das schönste Ruhmesblatt in dem Kranze des Herrschers aber möchten wir das ansehen, daß sein vornehmstes Streben während der ganzen Zeit seiner Regierung stets darauf gerichtet war, dem Deut­schen Reiche den goldenen Frieden zu erhalten und, soweit es in seinen Kräften stand, auch zur Erhaltung des Weltfriedens beizutragen. Gerade die Ge­schichte der jüngsten Zeit hat wirksame. Beweise , für dies erfolgreiche Bemühen unseres Kaisers in dieser Hinsicht gebracht, den die treue Anhänglichkeit, am Dreibund, die in den Balkanwirren des vorigen Jahres den wichtigsten Faktor des Weltfriedens bildete, nicht gehindert hat, eine Besserung der Beziehungen zu Frankreich und vor allem zu England schon zu einer Zeit anzustreben, wo dies Bemühen noch vielfach auf ungerechte Verkennung gestoßen war. ,

So möge denn, das ist der Wunsch, in dem alle natio­nal denkenden Deutschen sich heute vereinigen, eine lange und gesegnete Regierung dem Kaiser auch in Zu­kunft vergönnen, getragen vom Vertrauen des Volkes, wie Kaiser Wilhelm I. es am Tage der Kaiserkrönung für sich und seine Nachkommen erflebt hat.allzeit ein Mehrer des Reiches zu sein in den Werken des F r t e- d e n s, auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung"!

Deutsches Deich.

* Eine Rede des bayerischen Thronfolgers über die Schisfahrtsabgaben. In der Hauptversammlung der Sektion München des Bayerischen Vereins zur Hebung der Fluß- und Kanalschiffahtt Bayerns, die am 25. d. M. statt- fand, wurde auch die Frage der Erhebung von Schiffahrts­abgaben besprochen. Dabei hielt Prinz Ludwig von Bayern eine Rede, in der er u. a. sagte: Man brauche die Wasserstraßen nicht zu dem Zweck, um den Verkehr zu unter­binden, sondern um ihn zu fördern. Es sei dringend er­wünscht, daß so vorgegaugen werde, daß sich die dissen- trevendcn Staaten nicht mit Recht beschwert fiihlten; da kann man aber helfen. Wir sind in Bayern in einer verschieden­artigen Lage. Das rechtsrheinische Bayern ist in hohem

Am Schluß der Trcibjagdzeit hält man unwillkürlich Rückschau und zieht die Bilanz. Sie ist nicht immer eine reine Freud-, nicht etwa in bezug ans die eigenen, dabei er­zielten Strecken. Schnßneid ist nicht, wie ihn interessierte Sophistikcr hinstellcn wollen, Ausfluß von berechtigtem Egoismus, sondern eine der unangenehmsten Eigenschaften, deren Konsequenzen einfach unberechenbar sind. Manche scheinbar fürs Leben berechnete Freundschaft ist darüber ge­stolpert. Der bleibt also bei der Abrechnung außer Betracht, auch etwaige Schrotkörner, wenn sie nicht gar zu grob kamen, aber was nian sonst erlebt hat, bleibt länger unvergessen.

Solange im Winter offenes Wetter ist, fallen die Wild­enten in großen Flügen, manchmal zu Hunderten, ja Tauj en­den, ans Seen, auch periodischen großen Wasserstellen, wie überschwemmten Wiesen, ferner auch einzelne aus Bächen, kleinen Flüssen, Gräben, Kanälen, überhaupt solchen Wasser­straßen aus, die benachbarte Seen oder Teiche mit einander verbinden. Hier, entweder im Wasser selbst oder am Ufer, zunreist auf einem Ständer, und mit dem Kops, unter den Flügeln, wollen sie den Tag über ruhen. Ans den aus­gedehnten Gewässern fallen sie vor allem auch deshalb ein. weil sie hier am wenigsten gefährdet sind, höchstens durch die großen gefiederten Räuber. Naht sich am offenen Ufer ein Mensch, so fliegt die ganze Gesellschaft hoch in die Lüste, um außer dem Bereich jeder Gefahr wieder cinzufallen. Um die Nahrungsaufnahme ist es aber auf diesen offenen Ge­wässern meist schlecht bestellt. Wohl schnattern die Wild­enten im seichten Uferwasser gelegentlich nach Fischbrut oder VegeiabUien, aber wo ein ganzer Flug am User cinfällt, um hier zu fischen, zieht sich die Brut sehr bald in die Tiefe zurück. Je größer nun das Nahrungsbedürsnis der Enten ist, desto mehr »vollen sie cs zur Nachtzeit anderweit befrie­digen. Zu diesem Zwecke trennen sich nach Sonnenunter­gang runder ersten Dämmerung die großen Flüge; einzeln, paarweise oder in kleinen Trupps fallen sie nun auf kleinen flachen Feldteichen. Torfstichen, warmen Quellen vstt

Grade interessiert, daß die Wainkanalisation zustande! kommt; das linksrheinische Bayern aber steht aus einem ganz anderen Standpunkt. Von seinem Gesichtsstandpunkt aus mit Recht. Es sagt sich: Wir haben die Wasserstraßen schon; wir wollen möglichst ohne jede Abgaben den Verkehr mit der See behalten. Denselben Standpunkt nehmen Baden, Sachsen und Hessen ein. Gegen diese Staaten wollen wir nicht arbeiten; wir wünschen, daß auch diese Staaten Vorteil haben. Wir in Bayern wollen nicht, daß wir in Aschaffenburg enden; die Württemberg-er nicht in Heilbronn. Wenn der Rhein bis zum Bodensee schiff­bar gemacht wird, so hat gerade der südliche Teil Badens sehr großen Vorteil von der Rheinschiffahtt, den er jetzt nicht hat. Wenn in Sachsen die Saale und die Elster aus­gebaut werden, so ist Leipzig angeschloffen; das ist gewiß von großer Bedeutung. Ähnlich steht es mit Hessen; wenn die Lahn kanalisiert wird. Es sollen durch die Interessen­gemeinschaft alle großen Stromgebiete samt ihren Neben­flüssen an das große Schiffahrtsnetz allnrählich angeschloffen werden Wir tun den ersten Schritt. Es ist dringend zu wünschen, daß auf diesen Schritt andere folgen. Trachten wir, das große Werk möglichst schnell auszuführen, und zwar so, daß nicht eine Uneinigkeit zwischen den deutschen Staaten entsteht, sondern daß diese Staaten,, wenn sie auch momentan glauben, daß sie geschädigt wer-- dew in Zukunft doch Vorteile daraus erwarten können. Die Versammlung nahm schließlich eine Resolution cm, in der es heißt:

Die Versammlung erblickt in der baldigen Erledigung des vorliegenden Gesetzentwurfs unter der Voraussetzung seiner Ergänzung durch Bestimmungen, welche ernste Bedenken zu beseitigen geeignet sind, eine kräftige Förderung der In­teressen der bayerifchenBinneyschiffahrt. da von ihr die K a n a l i-> siernng des Mains bis Aschaffenburg abhangt. Der Ausbau dieser Strecke ist aber als der Anfang aller weiteren Kanalbauten in Bayern und als die unerläßliche Voraussetzung für die Ausführung der größeren Hrojekte zu betrachten. Die Versammlung erwartet von den durch dis, Schiffahrtsabgaben aufzubringenden Mitteln, für deren sach­gemäße Verwendung die im Entwurf vorgesehenen Zweckber- bände Gewähr leisten, eine wesentliche Förderung der baye-- rischen Kanalproiekte, deren baldige Durchführung für die weitere wirtschaftliche Entwicklung unseres engeren Vaterlandes eine dringende Notwendigkeit ist."

* Zur Abwehr der Schiffahrtsabgaben ist die Elb - schisfahrtsakte ein treffliches Hilfsmittel. Die Elb->, schiffahrtsakte kann als internationaler Vertrag nur abge­ändert werden mit Zustimmung aller daran beteiligten Staaten. Dazu gehört auch Österreich. Nun wird aber ou§ Prag gemeldet: Der österreichische Handelsminister erklärte der Handelskammer, Österreichs ablehnende Haltung gegen­über deutschen Schiffahrtsabgaben bleibe unverändert.

* Vereinfachung der Rechnungsprüfung. Denr Bundes-. rat ging der Entwurf eines Gesetzes über die Kontrolle des Reichshaushattes zu; es handelt sich um Vereinfachungen aus dem Gebiete der Rechnungsprüfungen.

* Eine Zusatzvereinbarung zur Berner Urheberrechts- Übereinkunft vom 13. November 1908 wird Gegenstand eines neuen Entwurfes sein, der im Februar an den Reichstag gelangen wird. Der Entwurf regelt die Bestimmungen über die Schutzfrist von Musikwerken neu und bestimmt, daß der Urheber eines Werkes der Tonkunst, wenn er einem anderen

Vrunnenkresse, mit Vorliebe auch auf Gräben mit den warmen Abwässern der Zuckerfabriken und überall da ein. wo sie glauben, Nahrung zu siuden. Hat man im Revier ein stehendes Gewässer, Flüßchen oder Bach, dessen Rand mit einzelnen, Mast tragendm Eichen bestanden ist, so kann man sicher sein, daß die Enten hier einsallen, um nach deir auf dem Grunde liegenden Eicheln zu gründeln. Ebenso gehen sie im Spätsommer nach dem reffen Erlensamen.

Jede Art des Jagvbetriebes bietet gar viel des Inter­essanten, sei es im Walde der Pirschgang aus den roten Bock oder sei es, daß wir im Felde dem zuverlässigen Vor­stehhunde folgen, der in den Rüben- und Kartoffelbretten nach Hühnern und Fasanen sucht, überall tretet! dem aus- merffamen Beschauer neue und interessante Momente vor Augen. Doch übt kaum eine zweite Jagd einen solchen Reiz aus wie die auf Wassergeflügel. Am interessantesten ist sie zwar im Herbst, aber auch im Winter bietet die Entenjagd immer neue Momente. Nur ist dabei zu berücksichtigen, daß die Weidgerechtigkeit aufhört mit dem Eintritt der Not, also des Zeitpunktes, mit welchem die Enten abzukommen beginnen.' Die Winterjagd bei Schnee und erheblicher Kacke bedingt die List und Erfahrung des Jägers lange nicht in dem Maße, well in den Zeiten der Not die Enten von ihrer sonstigen Scheu und Vorsicht viel oblegen.

In den alten und älteren Jagdlehrbüchern finden sich verschiedene Anweisungen, wie man sich unter Zuhilfenahme von Blendmitteln den Enten im Herbst und Winter aus offenem Wasser schußmäßig nähern könne. Sie gehören in die Rumpelkammer des weidmännischen Rüstzeuges. Wer denkt heute noch an ein Anschleichen mit dem eigens dazu dressiertenSchießpserdc", hinter demWisch", einem aus Strauchwerk gefertigten Schirm, den der Jäger vor sich hertrug, oder demSchild", einer gemalten Kuh?

Sehr ergiebig kann aber im Winter die Entenjagd wer­den, indem man sich dort anstcllt, wo Enten regelmäßig ziehen oder einsallen. Beide Jagdarien bieten bei Frost,