Äette -1* Mtttlvoch, 29* Dezember 1909*
eist« Festrede, die Dr. Ilgen gelegentlich der Feier von , Schillers 150. Geburtstag am 10. November d, I. in der McKinley-Hochschule in St. Louis hielt. Hoffentlich ist dem wackeren Streiter für das Deutschtum in Amerika ein voller Erfolg beschieden.
— Trotz der ungünstigen Geschäftslage ist, Wie wir zuverlässig hören, zurzeit bei uns der Zuzug, wenn nicht im allgemeinen so doch derjenige wohlhabender Leute, die ja nicht nur in Wiesbaden, sondern im allgemeinen den finanziell arg bedrängten Städten am willkommensten sind, ein zufriedenstellender.
— Der Christbaum ist in den meisten Familien noch anzutreffen als frohe Erinnerung an das liebliche Weih- rmchtssest. Sein Dust erfiillt unsere Wohnräume und läßt ihn uns als angenehmen Hausgenossen erscheinen, dem wir gerne noch ein kurzes Gastrecht gewähren. Wer länger als bis Neujahr wird es mit dieser Freundschaft in den meisten Fällen wohl kaum dauern. Am Neujahrstag hat in den meisten Fällen sein Stündlein geschlagen. Die Nadeln fallen ab und die sonst so gern' gesehene Tanne macht sich dadurch lästig. Die schöne Berziermrg wird von ihr genommen mtd fein säuberlich aufbewahrt bis zur nächsten Weihnacht, sie selbst aber wandert als willkommener Brennstoff um barmherzig in den Ofen. Schade! Denn nicht allein, daß wir mit einem gewissen Bedauern diesen Zerstörungsakt vor sich gehen sehen, sondern auch der Umstand, daß dieser Baum einem nützlichen Zweck noch dienen könnte, läßt uns fein vorzeitiges Ende beklagen. Der Weihnachtsbaum könnte nämlich während des ganzen Winters unseren Vögeln eine gern ausgesuchte Futterstätte bieten. Man lasse warmes, mit Sämereien, Fleischstückchen und Weißbrot vermischtes Fett (Talg) auf die Zweige träufeln. So kann der Baum ans dem Ballon, im Garten oder an anderer Passender Stelle ausgestellt werden. Er stellt dann die willkommenste Gabe für die hungernden Vögel dar, die sich bald daran gewöhnen. hier ihr Futter zu suchen. Später, wenn er seinen -Zweck erfüllt hat und trocken geworden ist, läßt er sich immer noch als Feuerungsmaterial verwenden.
— Einjährigenberechtigung. Wir machen daraus aufmerksam, daß junge Leute, welche im Lause des Jahres, fei es durch Schulbesuch oder aus andere Weise die Qualifikation zum einjährig-freiwilligen Militärdienst erlangt staben, bei Gefahr des Verlustes ihrer Berechiigung, bis spätestens zum 1. Februar n. I. die Erteilung des Berechtigungsscheins nachzusuchen haben. Im übrigen ist im Verlag von H. Staadt eine von Obersekretär Bierbrauer verfaßte Broschüre erschienen und zu billigem Preis erhältlich, welche in allen einschlägigen Fragen Aufschluß gibt.
— Die ungünstige wirtschaftliche Konjunktur. Zu der von uns im gestrigen Morgenblatt unter dieser Spitzmarke gebrachten Liste der von der hiesigen Armenverwaltung gesuchten Personen, die sich der Fürsorge für hilfsbedürftige Angehörige entzogen haben, und -unter denen sich u. a. auch ein Feuerwehrmann befindet, wird uns von interessierter Seite mitgeteilt, daß es sich hierbei nicht um einen Wiesbadener, sondern um einen früher bei der Feuerwehr in> Riga (Rußland) angestellten Feuerwehrmann handelt.
— Der Wasserstau!, des Rheins ist seit einigen Tagen ganz bedeutend gestiegen. Während vor 8 Tagen am Mainzer Pegel ein Wasserstand von 0,80 Meter toat, stand das Wasser gestern bereits auf 2,24 Meter. — In Biebrich steigt der Rhein langsam höher. Heute mittag 2 Uhr stand der Pegel auf 2,89 Meter. Das Wasser ist bisher noch nirgends übergeireten.
— Schneebericht. Die uns übermittelten Drahtnachrichten aus Taunus, Westerwald, Vogelsberg, Rhön, Schwarzwald und Spessart melden nur Tauwetter und Regensälle; die Berge find schneefrei.
— Zum Selbstmord eines städtische« Arbeiters (siehe Nr. 604 des „Tagblatts") schreibt uns die Gemeinsame Ortskrankenkaffe: Wir bitten Sie, die in der gestrigen Abendnummer gebrachte Notiz, betreffend den Selbstmord des 66jährigen Taglöhners Nikolaus Oesterle, wie folgt richtigzustellen: Der Verstorbene erkrankte am 11. d. M. und wurde sür die Dauer der ihm vom behandelnden Arzt bescheinigten Erwerbsunfähigkeit (18. d. M.) aus der Kasse unterstützt. Vom 19. d. M. ab waren die Verpflichtungen der Kaffe zu Ende. Während dieser Unterstützungszeit wurde Patient bei dreimaligem Besuch durch den Krankenkontrolleur nur ein einziges Mal nicht zu Hause angetroffen, und zwar am 15. d. M., nachmittags 12Y 2 ; Uhr. Diesen Verstoß gegen die Vorschriften sür erkrankte Mitglieder büßte er mit 1 M. Geldstrafe, welche ihm bei der letzten Krankengeldzahlung, am 18. d. M., in Wzug gebracht wurde.
— Von der Lokomotive überfahren. Die Putzfrau Schirgel, die bei der hiesigen Eisenbahnverwaltung' angestellt ist, wollte sich gestern abend gegen 7 Uhr von der Befehlsstelle des Wiesbadener Bahnhofs, wo sie beschäftigt ist, nach dem Hauptbahnhof begeben. Sie hat dabei jedenfalls in unachtsamer Weise die Gleise überschritten und wurde von der Lokomotive einer Rangierabteilun-g, deren -Herannahen sie nicht bemerkte, angesahren. Der bedauernswerten Frau wurde dabei der linke Fuß abgefahren, der 'Unterleib gedrückt und am linken Auge eine große Riß- -wnnde beigebracht. In hoffnungslosem Zustand wurde sie von der Sanitätswache nach Anlegung eines Noiverbandes nach dem städtischen Krankenhause verbracht, wo sich ihr befinden bis heute mittag noch nicht gebessert hatte.
— Einem Schwindler fiel in Mainz eine ältere Dame zum Opfer. In der Wohnung derselben erschien ein stempln Mann, der sich als Kriminalbeamter ausgab und die 'Dame beschuldigte, in einem Bäckerladen ein falsches Markstück ausgegeben zu haben. Er ließ sich von der -Frau ihr sämtliches Bargeld, etwa 400 M., vorzeigen, um die einzelnen Stücke auf ihre Echtheit zu prüfen. Während sich die Dame hierbei auf einen Augenblick ins Nebenzimmer -begab, verschivand der Betrüger unter Mitnahme des ganzen Geldes. Es ist nicht ausgeschlossen, daß derselbe Schwindel auch anderwärts versucht wird. Wenn er auch so plump angelegt ist, daß man bei einiger Vorsicht nicht darauf her- einsallen wird, sei doch aus den Gauner aufmerksam gemacht. aJ ■
— Unfall ans der Rollschuhbahn. Auf der Bahn des hiesigen Rollschuhpalaftes kam gestern nachmittag ein fturges Wädchcr; so unglücklich zu Fall, daß es.mtt.dem
Wiesbadener TagblatI»
Kopf schwer aus den Boden auffchlug und sich eine Gehirnerschütterung zuzog. Es wurde von der herbeigerusenen Scmitätswachc nach dem Vaulinenstift verbraucht. Wir berichten diese Tatsache lediglich wie jeden anderen Unfall, ohne damit den vielen neuen, durch die Weihnachtsrollschuhe gewonnenen Jüngern des Rollschuhsports den Mut zur wetteren Ausübung nehmen zu wollen. Eine gewisse Gefahr birgt wohl jeder körperliche Sport in sich, nur kann diese bei vernünftiger Betätigung aus ein Mindestmaß herabgesetzt werden.
— Eine gemeine Tat, offenbar ein Racheakt, wurde dieser Tage in der Kolonie Waldstraße verübt. Einem dort stationierten Beamten wurde aus dessen Hühnerhof nächtlicherweile acht Hühnern der Kops wbgeschmtten, merkwürdigerweise jedoch ließ man die Tiere am Platze liegen, wo sie der Eigentümer am anderen Morgen fand. Von den Übeltätern hat man bis jetzt noch keine Spur.
— Weihnachtsfeier im Kindergarten. Montag, den 27. Dezember, nachmittags 4 Uhr, fand im großen Saale,des Evangelischen Vereinshauses in der Platter Straße die alljährliche Weihnachtsfeier des Kindergartens aus der Steingasse 9, dessen Leiterinnen Fräulein Lorch und Fräulein Neumann sind, statt. ES war eine in jeder Beziehung schöne Weihnachtsfeier. War man schon beim Eintreten in den Saal überrascht durch die zwei prächtig geschmückten Tafeln, von denen die eine wirklich mühevoll und schön gearbeitete Sachen, welche die kleinen Hände den lieben Angehörigen gearbeitet hatten, enthielt, so war die andere Tafel ein wahres Kunstwerk von Spielzeug, auf dem jedes Auge mit Freuden ruhte. Und, nun die Kinder selbst: wie brav hatten sie gelernt und entzückten alt und jung mit ihren lieblichen, echt kindlichen Vorträgen, waren es doch nur alles Kinder unter sechs Jahren. Ein Chor von Schulkindern unter Leitung des Fräuleins , Henzeroth und Oraelüegleiiung mit Glockenklona erhöhten die schöne Feier, welche mit einer herzlichen Ansprache des Herrn, Pfarrers Schüßler und unter dem gemeinsamen Gesänge ..Stille Nacht, heilige Nacht" schloß. Der bis auf den letzten Platz gefüllte große Saal war der schönste Beweis für die freundlichen Shm- vathien, deren sich dieser Kindergarten erfreut. Am Ausgang war jedem Gelegenheit gegeben, auch für die armen Heiden im fernen Sudan etwaK zü tun, worauf ein kleines Mädchen in einem niedlichen, sehr gut gesvrochenen Gedicht hingewiesen hatte. Wir wollen hoffen und wünschen, daß auch diese Sammlung einen guten Abschluß gefunden hat.
Theater, Kunst, Vorträge.
* Residenz-Theater. Am Freitag (Silvester) findet eine Wiederholung des mit so vielem Beifall gegebenen Stückes ..Der kleine König" und des humorvollen Einakters „Die Medaille" von Ludwig Thoma statt. Den Abend eröffnet wie schon seit Jahren ein Silvester-Prolog aus der Feder von Julius Rosenthal, gesprochen von Rud. Miltner-Schönau als Nachtwächter. Zur Eröffnung des neuen Jahres gelangt am, Samstagabend zum erstenmal „Ein Skandal in Monte Carlo" von Sacha Guitrh, deutsch von - Max Schoenau, ein amüsantes Lustspiel, dessen Handlung sich auf einem originellen Irrtum aufbaut, und das in Berlin in den Kammerspielen dank der Flottheit seines Dialogs sehr gefallen hat. Die Hauptrollen sind besetzt mit,den Damen Wagner, Schenk, Porst, Mödlinger und den Herren Bertram, Tautz und Dachauer, der auch die Spielleitung hat. Am Neujahrstagnachmittag wird das ergreifende Schauspiel „Revolutionshochzeit" zu halben Preisen gegeben. «Sonntagabend wird Skowronneks famoser neuer Schwank „Hohe Politik" wiederholt und Sonntagnachmittag geht auf Wunsch auswärtiger Theaterbesucher „Hamlet" zu halben Preisen in Szene, in der Einrichtung für die Reformbühne. In beiden Abendvorstellungen, am Neujahrstag sowohl wie am Sonntag, wird der Silvester-Prolog von Jul. Rosenthal nochmals gesprochen.
* Bolkstheatcr. Wir möchten nochmals kurz auf die am Donnerstag stattfindende Wiederholung von „Rosenmontag" Hinweisen. Für das lachlustige Publikum wird die am Silvester zur Aufführung gelangende Ritterkomödie „Der geschundene Raubritter" geeignet sein. Der Samstagabend bringt eine Wiederholung des „Herrgottschnitzer von Amnrergcm" und am Sonntag kommt nach langer Pause neu einstudiert „Trilbh" zur Aufführung. Die Titelrolle spielt Fräulein Damson. den Svengali der neuengagierte erste Liebhaber Hans Schmiedel.
* Walhalla-Theater. Nur noch bis 31. d. M.. also die drei letzten Aufführungen der mit großem Beifall aufgenommenen Komödie „Der Leuchtturm von Sandy-Bay" in 4 Akten. Freitag, den 31. Dezember, große Silvester-Fest- und Abschiedsvorstellung des Dezember-Programms, für welche Vorstellung der Vorverkauf bereits eröffnet ist. Samstag, Neujahr 1910. Premiere des vollständig neuen puren Spezialitätenprogramms mit den größten Attraktionen der Jetztzeit. Darunter: Dompteur Alfred Schneider mit seinen 22 dressierten Prachtlöwen, vorgeführt in eigens dazu erbautem Zentralkäfig, über die anderen Attraktionen des neuen Programms werden wir noch näher berichten.
* Galerie Banger (Luisenstraße 9). Statt der ange
kündigten Jagd - Ausstellung, deren Eröffnung erst am 15. Januar stattfinden kann, wird vom 1. bis 14. Januar 1910 im Oberlichtsaal (Luisenstraße 8) eine umfangreiche Sammlung: 1. Faksimiles nach Handzeichnugen alter Meister,
2. Entwürfe vom Architekten Kurt Hoppe-Wiesbaden, zur Ausstellung gelangen. Der Oberlichtsaal bleibt Freitagnachmittag wegen Neuarrangements geschlossen; die Eröffnung der neuen Ausstellung erfolgt Samstag, den 1. Januar, vormittags 11 Uhr.
* Der „Damen-Kluü, E. V.", Oranienstraße 15,1 ladet zur
Feier seines 10jährigen Stiftungsfestes am 3. Januar 1910, abends 2 Uhr, ein. Prolog: Gedichtet von Frl. F. Rohrbeck, gesprochen von Frl. E. Dudenhöffer: Gesang: Frau Professor Schlar-Brodmann, Kgl. Hofopernfängerin; Geige: Herr
Konzertmeister Kaufmann.
Arrs der Umgebung.
— Frankfurt a. M., 23. Dezember. Das Hotel Drexel hier veranstaltete am 24. Dezember, abends, nicht nur eine Weihnachtsüescherung, sondern auch einen Ball für seine Angestellten: dem Einvernehmen zwischen der Direktion und dem Personale stellte diese Veranstaltung natürlich das beste Zeugnis aus.
1. Mainz, 29. Dezenrber. (Eigener Drahtbericht.) Das Auswärtige Amt hat auf eine Eingabe der hiesigen Handelskammer die telegraphische Mitteilung hierher gelangen lassen, daß die Bezettelungspflicht für Weine, die in die Vereinigten Staaten von Nordamerika einge- führt werden, bis auf weiteres keine Anwendung finden soll.
Sport.
Das Berliner Sechstage-Rermen. hd. Berlin, 29. Dezember. Der Schluß des ersten Tages und der Beginn der zweiten Nacht brachte im Sechstage- Rennen keinerlei Aufregung. Nach der 24. Stunde hatte die aus den 8 Mannschaften bestehende Spitzengruppe 741,5 Kilometer zurückgelegt. In der 25. Stunde gab Meyer auf und bald darauf schied auch Rettich aus dem Rennen. Ihre Partner, Bettinger und Schipke, bildeten eine neue Mannschaft, die mit vier Runden Verlust Wetter am Rennen teil- uahm. Es wurden 26,4 Kttometer in der Stunde zurückgelegt, in der 26. Sttmde 29,1, so daß um Mitternacht die Gesamtleistung 797 Kilometer betrug
Mbcnv-TlnSgäbe, 1- matt, Nr. 506*
NerMifchtrs.
Unwetter-Nachrichten.
hd. Brüssel, 28. Dezember. Die Überschwemmung«, ta» folge der letzten Regengüsse dauern noch fort, und zwar be= sonders in Flandern. Der Denderfluß hat große überschwemmt. Stellenweise stehen die Wege 20 Zerrttnretz^ unter Wasser. Mehrere Gebäude drohen einzustürzen.
Iid. Madrid, 28. Dezember. Infolge der letzten Reg-en- güsse hat in der Ortschaft Wana ein Erdrutsch stattgeftmd»?^ wobei mehrere Häuser zertrümmert worden sind. SUiji Personen sind ums Leben getommen.
hd. Madrid, 28. Dezember. Fortgesetzt laufen Neue Hiobsposten aus dem Überschwemmungsgebiet ein. Bet Barco Valdcorras in der Provinz Orense tötete ein herab» stürzender Felsblock 27 Personen. An der Küste von Galtcte» sind Hunderte von Fischerbooten untergegangen.
litt. New York, 28. Dezember. Ein Fünfmaster ist auf der Höhe von Boston gestrandet. 12 Mann der Besatzung sind umgekommen.
M. New Dorf, 29. Dezember. Der durch Schneesturm der letzten Tage in New Z)ork und Um. gegend angerichtete Schaden soll sich auf über fünf Millionen belaufen. Vor allen Dingen hat hjx Schiffahrt sehr gelitten. Zahlreiche kleine Schiffe ffud auf den Strand geworfen worden. Der reguläre Ts esc. graphen- und Telephondienst ist unterbrochen.
Kleine Ctzrnrrik.
Eine ganze Familie ertrunken. Auf dem Eis dss^KalL^u- sces bei Menstein brach am ersten Feiertag ein schUir«,, ein, in dem sich der Besitzer Katannek, dessen Eheftau und zwei Kinder befanden; alle sind ertrunken. Die Leichen der Kinder sind geborgen. Erst gestern wurde das Derschrsftr. den der Familie bemerkt.
Aus Liebe zur Kunst gestohlen? Der in Dresden bet* hastete russische Kunstmaler Modrow will kein gemeiner Spitzbube sein, sondern er gibt an, aus Liebe zur Kunst gestohlen zu haben, um sich an den Kunstgegenständen z« erfreuen. Dem steht jedoch entgegen, daß er bereits einig, der gestohlenen Gegenstände verkauft haben soll. Die Dresdener Polizei läßt jetzt an in- und ausländischen Museen nachsoffchen, ob etwa Kunstgegenstände gestohlen sind.
Verdorbenes Fleisch. In Horst bei Essen erkrankten nach dem Genuß von Fleisch, das aus dem Wochemnarkt gekauft war, eine ganze Bergmamrssannlie unter schweren Bev- giftungscffcheinungen.
Die Wiener Giftmordaffäre. Der Vater des Sst^v. reichischen Oberleutnants Hosrichter starb im vorigen JaH« plötzlich in Warmbrunn, wo er zur Kur weilte, rchne daß irgendwelcher Verdacht geschöpft wurde. Jetzt werden nachträglich Ermittelungen über die näheren Umstände beS Todes vorgenommen.
IetzLe Nachrichten.
Der angebliche Zusammenstoß zwischen deutschen Soldaten.
M. Paris, 29. Dezember. Der Straßburger Korre, spondent des „Matin" berichtet noch zu seiner Meldung über den Zusammenstoß der Mannschaften zweier Forts, daß die Beteiligten vor das Kriegsgericht gestellt werden. Die Verhandlung dürfte indes unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfinden.
Die neue französische Spionageasfüre. hd. Paris, 29. Dezember. Aus Epinal meldet de, „Matin", daß der unter Spionageverdacht verhaftete Deutsche sich die verschiedensten Namen beilegt. Bald behauptet er, Hirschwetter zu heißen und aus Belgier zu stammen, dann nennt er sich wieder Müller.
Eine spanische Ministerkrisis in Sicht, hck. London, 29. Dezember. „Daily Telegraph- meldet aus Madrid, daß_ dort eine Ministerkrisis utt. mittelbar oedorsteht. Die Beziehungen zwischen der liberalen Partei und verschiedenen Ministern sind fefw gespannt, so daß Morel nichts anderes übrig bleiben wird, als sein Kabinett zu rekonstruieren.
Tie Invaliden des Rifskrieges.
HZ. Madrid, 29. Dezember. Die Studenten Haches cm den König eine Petition gerichtet mit der Bitte, die aus Melrlla zurückkehrenden Soldaten ein Sang, torium errichten zu lassen, da von den 20 000 Mann die zurückkehren mindestens 4000 schwindsüchtig sind. — Der aus dem Riff zurückkehrende General Marina ist hier eingetroffen und wird ständige» Aufenthalt in Madrid nehmen.
Eine Airslandsreise des türkischen Thronfolgers, lick. Paris, 29. Dezember. Nach einer Meldung „Journal" aus Konstantinopel unternimmt der türki. sche Thronfolgen im Frühjahr inkognito eine Reise nach England und Frankreich. Der Prinz wird zuerst nach London fahren, wo er längeren Aufenthalt nehmen wird und dann nach Paris. Er wird in Begleitung eines oder mehrerer hervorragender Mitglieder frj? jungtürkischen Partei reisen.
Tie Demission des türkischen Großwesirs. Konstantinopel, 28. Dezember. Wie verlautet, fw der Sultan die Demission Hussein Hilmis ang^ nommen.
Das Eisenbahnunglück in Böhmen, fick. Prag, 29. Dezember. Der Bahnhofs-Assister-. Zeis, der wegen der Eisenbahn-Katastrophe bei Uhersx^ verhaftet wurde, ist gestern aus der Haft entlast»^ worden, nachdem er ehrenwörtlich versprochen hatp^ daß er sich von der Station nicht entfernen werde, cj e -* kehrte darauf zu seiner Familie zurück. Er leidet dem Frühjahr au einer schweren Nerv e n «Sratif heit. Ein Bahnarzt hatte damals konstatiert, ihn die Folgen der Krankheit zur Ausübung des & B kchrsdienstes unfähig machten. Zeis suchte dar^^,." .seine Enthebung vom BerkehrsdivM
