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Sette L Dienstag, 28. Dezember 1809.

Wiesbadener Tagblarr» Brorge«-Ausgave, i Blair.

Nr. 60S.

'früher nie geahnten Matz an die Ausbeutung des Erd. balls, an die Unterwerfung der Naturkräfte unter den menschlichen Willen herangetreten ist, und als ob die schwerste Krankheit, die das Volksleben treffen kann, der Krieg, wirklich zur Gesundung desselben dienen könnte! Wenn das wahr wäre, _ dann müßte man ja den Krieg im Namen der Sittlichkeit geradezu fordern. Statt dessen sagt der Herr Gesandte: ,Iedes Volk und jede Regierung hat die Pflicht, das Unglück eines Kriegs zu verhüten." Wieso denn: ivenn der ewige Friede ein Schaden ist, so mutz er doch gebrochen werden: wenn der Krieg zur Gesundung hilft, so muß er doch begonnen und, wenn's nicht anders geht, vom Zaun gebrochen werden! Wir möchten die Herren, die Wer Krieg und Frieden schreiben, wirklich bitten, wenn sie nicht dazu zu bringen sind, die Schriften der Frie­densfreunde zu lesen, doch wenigstens etwas schärfer zu denken: sie würden dann von selbst auf die Wi der- spräche konnnen, in die sie sich verwickeln. In Wahrheit ist es ein einfaches Dilemma: Entweder ist der Krieg ein G l ü ck, dann mutz er herbeigeführt wer­den, oder er ist ein Unglück, dann mutz er be­kämpft werden so gut wie Pest und Cholera; eins der wirksamsten Mittel dafür aber^wäre die Neu­tralisierung der europäischen Grenzen. Solange unsere Diplomaten nicht an diese Aufgabe heranwollen, be­weisen sie nur, daß sie am Atavismus kranken und die Z e i ch e n d c r Z e i t nicht zu deuten wissen.

Politische Übersicht.

Gttglands KsLrrligttng a« dev Kagdadlrah».

Von besonderer politisch-militärischer Seite wird uns geschrieben. Das bisher schmollend beiseite stehende .Vettervolk hat es plötzlich für gut besirnden, alsGe­schäftsfreunde" sich an dem BagdodLcchnunternehmen beteiligen zu wollen, für dessen Fortführung sich bereiis eine aus deutschen, österreichischen, französischen un£> schweizerischen Kapitalisten zusammengesetzte Finanz- gruppe gebildet hatte. Als vor einer Reihe von Jahren die Aufforderung zur Teilnahme nach England von deutscher Seite erging, holten wir uns einen Korb. Wir fühlten aber bald darauf die englischen Intrigen, die, der großen Welt nicht sichtbar, in Konstantmopel gesponnen wurden und die offensichtlich im Streit um Kuweit am Persischen Meerbusen, dem projektierten Endpunkte der Bahn, zutage treten. Dort hatten sich 'unsere Vettern demSultan des Hasenortes" liebevoll genähert und ihn unterihr Protektorat" gestellt, wobei die türkische Souveränität wie auch sonst dort und an geeigneten Orter« Arabiens ignoriert wurde. Der Streit flaute dann ab, und angeblich sollte die Bagdadbahn, der kleinasiatische Dorn im Auge. Englands, dann nach einem südlicher gelegenen Endpunkte geführt _ tveroen. Das Erwachen solidarischer Gefühle bei den Briten, das sich in der Entsendung des bekannten Finanzmannes Sir Cassel nach Berlin äußerte, kann nun auf mehrere Gründe zurückgeführt werden. Einer der wichtigsten dürfte entschieden die Wiede rer st arkung der Türkei fein, die sich vornehmlich in der ausgesproche­nen Wahrung dos jetzigen B e s r tz st a n d e s äußert. Auf dem Wege des Z u f a s s e n s. so sehen die Engländer jetzt ein, ist wenig mehr zu machen. Des- wegen lenken sie ein und luchen auf friedlichem Wege möglichst viel zu erreichen. Wenn die Meldungen iich"bestätigen, was onzunehmen rst. so haben sw ;a be- kanntlich bereits die S ch i s f ah r t s ko n z es 1 r o n auf dem Euphrat und Tigris in der Tasche. Wenn auch diese Flüsse in der heißen Jahreszeit wenig Master führen sollen, so bedeutet doch die Konzessronserterluna immerhin einen Erfolg, der den Engländern, u n g e - hinderten Zutritt in Mesopotamien ver­schafft, und wo sie einmal wirtschaftlich eingedrungen

Zur Amlstxstege in Wissimdru.

Die öffentliche Kunstpflege in Wiesbaden hat sich nie­mals einer besonderen Fürsprache und noch viel weniger einer eifrigen und fördernden Unterstützung durch die Be­hörden zu erfreuen gehabt. Es ist allen erinnerlich, wie fett Jahrzehnten der Kamps geführt wird um eine würdige Stätte für die Unterbringung unserer Bildersammlungen und sonstigen Kunstschätze, ohne daß die Erörterung irgend ein Ergebnis gezeitigt hätte. Ein Menschenalter fast ver­ging, ehe die städtische Verwaltung sich endlich aufrasfte, den Stadtverordneter ein Projett vorzulegen, das den Bau eurer Bildergalerie zum Gegenstand hat. Indessen sieben stw unsere Bilderschätzc und sonstigen Sammlungen von Kunst­werken derart gehäuft, daß die überwiegende Mehrheit in den bisherigen Räumen nicht untergebracht, wertvolle Schenkungen nicht angenommen werden konnten, weil kern Platz war, sie zu beherbergen und damit die Absicht der edlen Geber zu verwirklichen. Es ist angesichts dieser Zu­stande kein Wunder, daß über die Errichtung einer Gemälde­galerie in der Stadtverordnetenversammlung keine Mer- rmngSverschiedenhert herrscht. Die Notwendigkeit ist von allen Mitgliedern der Körperschaft anerkannt worden, und rmr hinsichtlich des Bauplatzes und der Baugestaltung scheinen Gegensä'lichkeiten vorzuwalten. Aber darüber wird voraussichtlich ein Übereinkommen erzielt werden, so daß die wirklich kaum mehr hmauszuschiebende Errichtung einer städtischen Kunsthall- noch im nächsten Jahr in An­griff genommen werden könnte vorausgesetzt, daß dre Planbearbeitung nicht allzu viel Zeit in Anspruch nimmt.

Da nun einmal die Kunstpflege in den Vordergrund kommunaler Jnteressenbetättgung gerückt ist, ist cs vielleicht mcht unangebracht, von dem talsächlichenErgebuis dev ersten großzügigen Kunstausstellung zu sprechen, die Wies­baden je gehabt hat, und die Dmrk ihrer Anlage und Be­schickung einen Ruf gewann, der nicht zum wenigsten unserer -Stadt zugute gekommen ist und ihr künstlerisches Ansehen in einer Weise gehoben hat, daß zwischen diesem ideellen Effekt und den tatsächlichen Verhältnissen ein kleines Miß­verhältnis entstanden ist. das zu beseitigen wahrhaftig eine Ehrensache für Wiesbaden und seine reichen Bewohner fein c'Mte, Diesex, großtz moralische Erfolg ist allein nur Len

sind, da. gehen sie auch nicht hinaus. Nehmen sie nun finanziell an der Weiterführung der Bagdadbahn bis zur Endstation am Persischen Meerbusen teil, so v e r- st ä r k t dies ihren Einfluß unzweifelhaft und sie wer­den dieses Eintreten in das Unternehmen schon auszu- nntzen wissen. Bekannt ist außerdem, daß sie nach dem Willtocksschen Projekt eine großartige Bewässe­rung Mesopotamiens planen, das wieder die K o r n k a m m e r Kleinasiens" werden soll. Alles das beweist das rege Interesse Old Albions. An­scheinend ist auch die neuerdings geplante A b ä n d c - rung bei: Bagdadbahn bis Adana, die setzt über Jenid'ze auf der bereits vorhandenen Linie iiber Mer- sina nach Adana führen soll, ihr Werk, denn Mersina liegt am Meere und gegebenenfalls demnach, worauf wir Var geraumer Zeit schon hinwiesen, unter den Ge- schützen einer englischen Flotte, w:e der projektierte End­punkt der Bahn am Persischen Meerbusen. Strategisch bedeutet dies viel, denn durch Besetzung oder Beherr­schung dieser Häsen kann der Transport unterbunden werden, was im Kriegsfälle von größter Wichtigkeit werden kann. Die Bedeutung der Bagdadbahn wtrd überhaupt m ihrer ganzen Wichtigkeit klar, wenn man bedenkt, daß sie den f ch n e l l st e n und direktesten Weg zwischen Europa und Indien bietet: sw ist also kulturell wie militärisch gleich wichtig, zumal der neue Verkehrsweg nicht nur erheblich kürzer, sondern auch viel billiger ist als die Route durch den Suez­kanal. der England zum Herrn hat. Außerdem wll gleichzeitig eine Telegraphenlinie längs _ der Bahn laufen, die Indien mit Europa in der Fortsetzung durch ein Kabel verbindet, was der englisch-indischen Tele graphenlinie über Teheran-Odessa-Berlm-Emden er­hebliche Konkurrenz machen sollte. Aus allem sieht man, wie erheblich die Engländer hier interessiert sind. Sie erstreben seit langem tatsächlich einProtek­tors t" über Arabien und Mesopotamien, und dem­entsprechend muß ihnen jede Verbindung dieser Lander mit der Türkei (nach Arabien führt die Mekka^Bahn) unsympathisch sein. Gleichzeitig kann ihnen ein gi­lt acf) eu des Istam, das hierdurch gefördert wird, nur schaden. Weltpolitisch und strategisch behaupten sie Indien. Ägypten und Südpersien. Was Wunder, wenn sie sich im Anschluß hieran weiter ausbreiten wollen und aus Abrundung ihrer Herrschaft bedacht sind. Vielleichr haben sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn in Indien gärt es bedenklich, Persien ist ihnen noch nicht sicher, und die neue Türkei ist anscheinend auf dem Posten. Aber die britische Weltpolitik hat schon viel Schwierigkeiten überwunden. Deshalb müssen wir vor allein darauf bedacht sein, nicht üb er vorteilt zu werden. Der ausschlaggebende Einfluß auf das Bagdadunternehmen inutz und darf uns unter keinen Umständen genommen worden. Er mutzte auch gewahrt bleiben, wenn die Engländer entsprechend dem Aufkauf der Suezkanalaktien die Bagdadbahn finanziell sich in die Hände spielen wollen!

Zum KupitrL: Aste» gegen Gurspa.

§. Paris. 24. Dezember.

Der russisch-japanische Krieg hat belanntlich die unan- g,nehme Folge gehabt, das Selbstbewußtsein der Asiaten ungeheuerlich "anschwellen zu lassen, und ein gut Teil der Schwierigketten, mit denen England setzt in seinen mdischcn Besitzungen zu kämpfen hat, geht auf dieses mehr Physische Moment zurück Den anderen Ländern, welche in Ostasien Kolonien haben, geht es aber ganz ähnlich, und der Bericht Messimhs über das französische Kolonialbndget, der jetzt zur Verteilung gekommen ist, enthält in dieser Hinsicht recht interessante Mitteilungen. Während nämlich das französische Kolornsationswerk in Madagaskar, am Kongo und in West- afrika nach Mcssimds Ansicht so erfolgreich gewesen ist, daß nur noch Probleme minderen Ranges zu lösen sind (andere Leute werden wohl z. B. bez. der Eingeborenenfrage am Kongo anderer Ansicht sein! Die Red.),macht Indo-China

Männern zu verdanken, die es unternommen hatten, der Wiesbadener Ausstellung 1909 eine Kunstausstellung anzu- gliedern.

Der Besuch der Kunsthalle war, wie den jetzt abge­schlossenen Arbeiten zu entnehmen ist, ein sehr reger, doch läßt er sich im einzelnen nicht feststellen in Anbetracht der unzählbaren Abomrentenfrequenz. Immerhin wurden außer den 15660 Abonnements und etwa 4600 Kollettivheften noch 31759 Mark für Tageskarten gelöst und über 3060 Stück des mit reichem Bilderschmuck versehenen Kataloges verkauft. Von den insgesamt tausend Ausstellungswerken in der Kunsthalle im Gesamtwette von etwa 1500 000 Mark wur­den 58 Gemälde, 16 plasttsche, 28 graphische und 83 kunst­gewerbliche Arbeiten für ungefähr 100 000 Mark vettauft, ein Ergebnis, wie es in solchem Umfange in Wiesbaden noch niemals erzielt worden ist.

Dieser Abschluß hat allerdings zwei Seiten, eine e r - freulichc insofern als neben einer Anzahl Arbeiten hiesiger Künstler eine Reihe ganz hervorragender und kost­barer Meisterwerke Käufer fasibett, und eine bedauer­liche, weil an dem Verkaufsresultat eine kaum nennenswerte Zahl hiesiger Kunstfreunde beteiligt ist.

In Wiesbaden, der eleganten Villenstadt, der Stadt der vielen Millionäre, eine solche Verkaufsgelegenheit unbenutzt vorübergehcn zu lassen, das bedeutet einen großen Mangel an Kunstsinn und an Verständnis für das immer noch wahre WortdHlssss oblige". Selbst der Versuch, den ^ der Naffauische Kunstverein" und der Vorstand des hiesigen Museums mit einer öffentlichen Sammlung zum Ankauf von Kunstwerken aus dieser Ausstellung gemacht haben, ist mit einer Summe von wenigen tausend Mark verhältnis­mäßig kläglich ausgefallen.

So war der Erfolg dieser Ausstellung hauptsächlich vom Fremdenvublikum, und besonders von denjenigen aus- wärtigen Kunstliebhabern und Museen abhängig, deren Be­teiligung an den Ankäufen zumeist der persönlichen Be­ziehungen des ausgezeichneten Geschäftsführers der Kunst- Halle zu dercken ist. Daß unter den hier herrschenden Ver­hältnissen auch die hiesige Künstlerschaft zu leiden Hai, ist ein nicht zu leugnendes Faktum, das gleichzeitig den Mangel an Unterstützung erklärlich macht, gegen welchen die hiesigen

zurzeit eine Kttsis durch". In Tonkin hat es nicht ganz

unbedenkliche Unruhen gegeben, und auch das in allen chine­sischen Gewässern so bekannte Piratentum zeigt sich wieder; vor allem aber sind unverkennbare Anzeichen dafür vorhan­den, daß die innerliche, noch nicht nach außen durchbrechende Feindseligkeit der Eingeborenen gegen die fran­zösische Herrschaft in ständigem Wachsen begriffen ist. Der Geheimbund in Tonkin z. B., der junge Anamtten zur Erziehung nach Japan schickt und durchaus antisranzösische Tendenzen zeigt, den man bereits unterdrückt zu haben glaubte, lebt und wühlt lustig weiter. Die Hauptgründe für diese Haltung der Anamiten habe ich ja bereits ein­gangs angedeutet, dazu kommt nach Messtmys eigenen An­gaben noch die allzu schwere Steuerbelastung, die sehr un­geschickt verteilt ist. Ein Fattor aber, den man bei ernenn so alten Kolonialland nicht vermuten würde und der nicht unterschätzt werden darf, ist die geradezu unglaubliche Un­kenntnis der Landessprache selbst in höheren Beamtenkreisen. Messimy br-ngt dafür einige Beispiele bei, die klassisch sind; So erschien z. B. in einem Eingeborcncnblatte ei« Artikel mit der gewiß harmlosen Überschrift:Georgien

oder Ratschläge zum Ackerbau", der nichts minder enthielt als die offene Aufforderung zur Revolte gegen die Fran­zosen. Und das hatten die Beamten nicht bemerkt! Aber damit nicht genug: als der Generalgonverneur seine letzte Proklamation erließ, da ändetten die Übersetzer den Sinn dieses Dokumentes in der skandalösesten Weise ab, ohne daß es einer der leitenden Persönlichkeiten auffiel. Kurz, es gätt in Indo-China zieinlich bedenklich; daß Japan schon lange nach Tonkin schielt, ist bekannt und man wird also daraus gefaßt sein müssen, dott Wer kurz oder lang einmal Überraschungen zu erleben.

Deutsches Reich.

d Land- und StadtbevMerung in Deutschland wäh­rend des letzten Menschenalters. Deutschland hat in den letzten 30 Jahren in zunehmendem Matze das Gepräge eines Industriestaates angenommen und das eines Agrar­staates verloren. Diese Tatsache kommt in der Erscheinung zum Ausdruck, daß der Prozentsatz der städtischen Bevölke­rung stetig steigt, während der der ländlichen abnimmt. Im Jahve 1870 hatte Deutschland rund 41 Millionen Ein­wohner; von diesen wohnten auf dem Lande 26% Millionen oder 63,9 Prozent, dagegen in den Städten, einschließlich der Landstädte bis zu 2000 Einwohner herunter, nur 14 % Millionen oder 36,1 Prozent. Die Landbevölkerung ist nun auf diesem Stande bis 1890 etwa stehen geblieben und hat seitdem ein langsames Sinken gezeigt, so daß die letzte Volkszählung von 1805 nur noch einen Bestand von 25822 481 Einwohnern ergab: von nahezu % war die Landbevölkerung auf weniger als die Hälfte, genau 42 , 5 g Prozent, hcrabgcgangen. In dem gleichen Zeitraum hatte sich die StadtbevMerung mehr als verdoppelt; sie Betrug 1905: 34818797, d. h. während sie vor 35 Jahren hinter der Bevölkerung des flachen Landes uni 11% Mllionen zurück- geblieben war, übettraf sie diese jetzt um 9 Millionen, und das Wachstum der städtischen Bevölkerung schreitet uoch vorwärts. An diesem Fortschritt haben die Großstädte W it mehr als 100 000 Einwohnern den größten Anteil. Igäh. rend sie im Jahve 1871 von der GesamtLevölkernng Deutsch, lands erst 4,8 Prozent beherbergten, hatte sich diese Zahl bis zum Jahre 1899 schon auf 12,1 gehoben, und nach vor Zählung von 1905 waren von 100 Einwohnern des Dem- scheu Reiches fast 19 Bewohner einer Großstadt, d. h. der Anteil hat sich beinahe vervierfacht, während er in den Mittelstädten mit 20- bis 100000 Einwohnern nur von 7,2 auf 12,89 gestiegen ist. d. h. sich noch nicht einmal verdoppelt, in den kleinen Städten (5- bis 20 000 Einwohner) nur die mäßige Steigerung von 11,2 auf 18,74 erfahren hat und in den Landstädten sogar von 12,4 auf 11,81 herabgegaugen ist. Von den 42,58 Prozent der Bevölkerung, die 1905 auf dem stachen Lande wohnte, gehörten 1,4 Prozent Gemeinden mit weniger als 100 Einwohnern, 17 solchen mit 100 bis

Kunstvereine, die Kunstausstellungen dieser Gesellschaften und der Kunsthandlungen zu kämpfen haben. Deshalb wäre es vielleicht auch wünschenswert gewesen, mcht nur die Kunfthalle in irgend einer Form erhalten zu sehen, sondern auch alle die Kräfte, di- sich in der Hoffnung vereinigt hatten, den Kunstsinn der hiesigen Bewohnerschaft zu heben und die Beziehungen der letzteren zu Kunst und Künstlern ans ein Niveau zu bringen, wie es sich für eine Stadt von der Größe Wiesbadens mit einer Kolonie so vieler Reicher geziernt. Da das nicht möglich schien, sollte man nicht zögern einen neuen Sammel- und Mittelpuntt für alle jene Bestrebungen zu schaffen, die darauf hinausgehen, die Kunst volkstüm­lich zu machen und damit ein Stück soziales Programm erfüllen. Dauernde Kunst-Veranstaltungen wie jene des Sommers, besonders wenn sie unter städtischer oder Shxr- regle ständen, würden am Ende doch auf das künstlerische Ge­wissen und auf das, für allen sonstigen Luxus gern bereite Kapital anregend wirken und schließlich Wiesbaden in die Lage bringen, sich neben dem Rufe eines an Natarr» schönheiten und großzügigen Einrichtungen reichen Bad». Platzes den Ehrentitel einer Kunststadt zu ver­dienen. _ __ -s.

Aus Kunst und Leben.

* Australiens neue Hauptstadt. Der australische Senat hat sich, wie schon mitgeteilt, endlich entschlossen, wohin die neue Hauptstadt der Föderation verlegt werden soll. Gin kleiner Ott von nur etwa 3000 Einwohnern mit dem Merk, würdigen Namen Yaß-Canberra wird diese Ehre haben. In der Hauptsache verdankt der Ott seine Erwäh­lung seiner geographischen Lage und endet die a l t e R i p ^ lität zwischen Melbourne und Sydney, oder vielmehr zwischen Vittotta und Neu-Südwales. Aaß-Canberra i» ein Kompromiß, da es etwa 200 Meilen südwestlich Sydney, wohl aber innerhaw der Grenzen von Neu-Sh^ Wales liegt. Ähnlich wie in W a s h i n g t 0 n wird auch bic nähere Umgebung der neuen australischen. Hauptstadt u einem besonderen Distrikt, zu einemFede^ai territory" ernannt werden. Es wird jetzt schon damit gönnen, die Gummibäume zu fällen, Straßen anzulegen u , wV Häuser zu errichten.