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Dienstag, 38. Dezember 1909.

WresÄrrirerrrr G«gM«tL»

Morgen-NnSgabe, 1. Blatt.

Nr. 603.

früher nie geahnten Maß an die Ausbeutung des Erd- ^üls. an die Unterwerfung der Naturkräfte unter den Menschlichen Willen herangetreten ist, und als ob die Schwerste Krankheit, die das Volksleben treffen kann, der Krieg. wirklich zur Gesundung desselben dienen könnte! Wenn das wahr wäre, dann müßte Man fa den Krieg im Namen der Sittlichkeit geradezu fordern. Statt dessen sagt der Herr Gesandte: ,Jedes Volk und jede Regierung hat die Pflicht, das Unglück Lines Kriegs zu verhüten." Wieso denn; wenn der Ävige Friede ein Schaden ist, so muß er doch gebrochen werden: wenn der Krieg zur Gesundung Hilst, so muß kr doch begonnen und. wenn's nicht anders geht, vom Zaun gebrochen werden! Wir möchten die Herren, die Liber Krieg und Frieden schreiben, wirklich bitten, wenn sie nicht dazu zu bringen sind, die Schriften der Frie­densfreunde zu lesen, doch wenigstens etwas schärfer zu denken; sie würden dann von selbst aus die Wi der- Sprüche kommen, in die sie sich verwickeln. In Wahrheit ist es ein einfaches Dilemma: Entweder ist der Krieg ein G l ü ck, dann muß er herbeigesührt wer­den, oder er ist ein U n g l ü ck, dann muß er be­kämpft werden so gut wie Pest und Cholera: eins der wirksamsten Mittel dafür aber wäre die Neü- tralisierung der europäischen Grenzen. Solange unsere Diplomaten nicht an diese Ausgabe heranwollen, be- weisen sie nur, daß sie am Atavismus kranken und die Zeichen der Zeit nicht zu deuten wissen.

UoLMsche Merstchr.

Englands KeteMgung esn dev Kagdaddahn.

Von besonderer politisch-militärischer Seite wird uns geschrieben. Das bisher schmollend beiseite stehende Vettervolk hat es plötzlich für gut befunden, alsGe­schäftsfreunde" sich an dem Bagdadbahnunternehmen beteiligen zu ivollen, für dessen Fortführung sich bereits eine aus deutschen, österreichischen, französischen und schweizerischen Kapitalisten zusammengesetzte Finanz­gruppe gebildet hatte. Als vor einer Reihe von Jahren die Aufforderung zur Teilnahme nach England von deutscher Serte erging, holten wir uns einen Kor d. Wir fühlten aber bald darauf die englischen Intrigen, die, der großen Welt nicht sichtbar, in Konstantinopel gesponnen wurden und die offensichtlich im Streit um Kuweit am Persischen Meerbusen, dem projektierten .Endpunkte der Bahn, zutage treten. Dort hatten sich unsere Vettern demSultan des Hafenortes" liebevoll genähert und ihn unterihr Protektorat" gestellt, wobei die türkische Souveränität wie auch sonst dort und an geeigneten Orten Arabiens ignoriert wurde. Der Streit flaute dann ab, und angeblich sollte die Bagdadbahn, der kleinasiatische Torn im Auge Englands, dann nach einem südlicher gelegenen Endpunkte geführt _ werden. Das Erwachen solidarischer Gefühle bei den Briten, das sich in der Entsendung des bekannten FinanzmanneZ Sir Cassel nach Berlin äußerte, kann nun aus mehrere Gründe zurückgeführt werden. Einer der wichtigsten dürfte entschieden die W i e d e r e r st a r k u n g der Türkei sein, die sich vornehmlich in der ausgesproche­nen Wahrung des jetzigen Besitz st and es äußert. Auf dem Wege des Zusassens, so sehen die Engländer setzt ein, ist wenig mehr zu machen., Des­wegen lenken sie ein und suchen auf friedlichem Wege möglichst viel zu erreichen. Wenn die Meldungen sich bestätigen, was anzunehmen ist, so haben sie sa be ­kanntlich bereits die Schifsahrtskonzessron aus dem Euphrat und Tigris in der Tasche. Wenn auch diese Flüsse in der heißen Jahreszeit wenig Wasser führen sollen, so bedeutet doch die Konzessionserteilunq immerhin einen Erfolg, der den Engländern unge­hinderten Zutritt in Mesopotamien ver­schafft, und wo sie einmal wirtschaftlich eingedrungen

sind, da gehen sie auch nicht hinaus. Nehmen sie nun finanziell an der Wetterführung der Bagdadbahn bis zur Endstation am Persischen Meerbusen teil, so v e r- stärkt dies ihren Einfluß unzweifelhaft und sie wer­den dieses Eintreten in das Unternehmen schon auszu­nutzen wissen. Bekannt ist außerdem, daß sie nach dem Will: ocksschen Prosekt eine großartige Bewässe­rung Mesopotamiens planen, das wieder die Kornkammer Kleinasiens" werden soll. Alles das betveist das rege Interesse Old Albions. An­scheinend ist auch die neuerdings geplante Abände­rung der Bagdadbahn bis Adana, die jetzt über Jenidze auf der bereits vorhandenen Linie über Mer- sina nach Adana führen soll, ihr Werk, denn Mersina liegt am Meere und gegebenenfalls demnach, woran: wir vor geraumer Zeit schon hinwiesen, unter, den Ge­schützen einer englischen Flotte, wie der projektierte End­punkt der Bahn am Persischen Meerbusen, strategisch bedeutet dies viel, denn durch Besetzung oder Beherr­schung dieser Häfen kann der Transport unterbunden werden, was im Kriegsfalls von größter Wichtigkeit werden kann. Tie Bedeutung der Bagdadbahn wird überhaupt in ihrer ganzen Wichtigkeit klar, wenn man bedenkt, daß sie den schnellsten und direktesten Weg zwischen Europa und Indien bietet: sie ist also kulturell wie militärisch gleich wichtig, zumal der neue Verkehrsweg nicht nur erheblich kürzer, sondern auch viel billiger ist als die Route durch den Suez­kanal. der England zum Herrn hat. Außerdem soll gleichzeitig eine Telegraphenlinie längs der Bahn laufen, die Indien mit Europa in der Fortsetzung durch ein Kabel verbindet, was der englisch-indischen Tele­graphenlinie über Teheran-Odessa-Berlrn-Emden er­hebliche Konkurrenz machen sollte. _ Aus allem siebt man, wie erheblich die Engländer hier interessiert sind. Sie erstreben seit langem tatsächlich einProtek­torat" über Arabien und Mesopotamien, und ^dem­entsprechend muß ihnen jede Verbindung dieser. Länder mit der Türkei (nach Arabien führt die Mekka-Bahn) unsympathisch sein. Gleichzeitig kann ihnen ein Er- wachen des Islam, das hierdurch gefördert wird, nur schaden. Weltpolitisch und strategisch behaupten sie Indien. Ägypten und Südpersien. Was Wunder, wenn sie sich im Anschluß hieran weiter ausbreiten wollen und auf Abrundung ihrer Herrschaft bedacht sind. Vielleicht haben sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn tu Indien gärt es bedenklich, Persien ist ihnen noch nicht sicher, und die neue Türkei ist anscheinend auf dein Posten. Aber die britische Weltpolitik hat schon viel Schwierigkeiten überwunden. Deshalb müsset: wir vor allem daraus bedacht sein, nicht übervorteilt zu werden. Ter ausschlaggebende Einfluß auf das Bagdadunternehmen muß und darf uns unter keinen Umständen genommen werden. Er müßte auch gewahrt bleiben, wenn die Engländer entsprechend dem Aufkauf der Su e z k a n a l a k t i e n die Bagdadbahn finanziell sich in die Hände spielen wollen!

Z«m Kapitel: Aste« gegen Gnvopa.

s. Paris, 24. Dezember.

Der russisch-japanische Krieg hat bekanntlich die unan­genehme Folge gehabt, das Selbstbcwußtsein der Asiaten ungeheuerlich anschwellen ztt lassen, und ein gut Teil der Schwierigkeiten, mit denen England jetzt in seinen indischen Besitzungen zu kämpfen hat, geht aus dieses mehr physische Moment zurück. Den anderen Ländern, welche in Ostasien Kolonien haben, geht es aber ganz ähnlich, und der Bericht Messimys über das französische Kolonialbudget, der jetzt zur Verteilung gekommerr ist, enthält in dieser Hinsicht recht interessante Mitteilungcn. Während nämlich das französische Kolonisationswerk in Madagaskar, am Kongo und in West- asrika nach Messimys Ansicht so erfolgreich gewesen ist, daß nur noch Probleme minderen Ranges zu lösen sind (andere Leute werden wohl z. B. bez. der Eingeborenenfrage am Kongo anderer Ansicht sein! Die Red.),macht Indo-China

Zur Kunstpflege in Wiesbaden.

Die öffentliche Kunstpflege in Wiesbaden hat sich nie­mals einer besonderen Fürsprache und noch viel weniger !eincr eifrigen und fördernden Unterstützung durch die Be­hörden zu erfreuen gehabt. Es ist allen erinnerlich, wie seit Jahrzehnten der Kampf geführt wird um eine würdige Stätte für die Unterbringung unserer Bildersammlungen und sonstigen Kunstschätze, ohne daß die Erörterung irgend ein Ergebnis gezeitigt hätte. Ein Mcnschenalter fast der- frhtg. ehe die städtische Verwaltung sich endlrch ausrafste, den Stadtverordneten ein Projekt vorzulegen, das den Bau einer Bildergalerie zum Gegenstand hat. indessen haben sich unsere Bilderschätze und sonstigen Sammlungen von Kunst­werken derart gehäuft, daß die überwicgende Jfeyrheit in den bisherigen Räumen nicht untergebracht, wertvolle Schenkungen nicht angenommen werden konnteu.wen rem Platz war, sie zu beherbergen und damit die Absicht ver edlen Geber zu verwirklichen. Es ist angesichts die?er Zu­stände kein Wunder, daß über die Errichtung einer Gemälde­galerie in der Stadtverordnetenversammlung keine Mei­nungsverschiedenheit herrscht. Die Notwendigkeit ist von Men Mitgliedern der Körperschaft anerkannt worden, und nur hinsichtlich des Bauplatzes und der Baugestaltung scheinen Gegensätzlichkeiten vorzuwalten. Aber darüber wird voraussichtlich ein Übereinkommen erzielt werden, fo haß die wirklich kaum mehr hinauszuschiebende Errichtung .einer städtischen Kunsthalle noch im nächsten Jahr in An­griff genommen werden könnte vorausgesetzt, daß die Wlanbearbeitung nicht allzu viel Zeit in Anspruch nimmt,

Da nun einmal die Kunstpflege in den Vordergrund kommunaler Jrüeressenbetätigung gerückt ist, ist es vielleicht picht unangebracht, von dem tatsächlichenErgebnis dev e r st e n großzügigen Kunstausstellung zu sprechen, die Wies­paden je gehabt hat, und die Dank ihrer Anlage und Be­schickung einen Ruf gewann, der nicht zum wenigsten unserer Stadt zugute gekommen ist und ihr künstlerisches Ansehen sn einer Weise gehoben hat, daß zwischen diesem ideellen Effekt und den tatsächlichen Verhältnissen ein kleines Miß­verhältnis entstanden ist, das zu beseitigen wahrhaftig eine Ehrensache für Wiesbaden und seine reichen Bewohner sein Müßte. Dieser.große moralische Erjola ift allein nur den

Männern zu verdanken, die es unternommen hatten, der Wiesbadener Ausstellung IM eine Kunstausstellung anzn- gliedern. , . ,

Der Besuch der Kunsthalle war, wie den letzt abge­schlossenen Arbeiten zu entnehmen ist, ein sehr reger, doch läßt er sich im einzelnen nicht feststellen in Anbetracht der unzählbaren Abomtentenfrequenz. Immerhin wurden außer den 15 000 Abonnements und etwa 4000 Kollektivhcften noch 31759 Mark für Tageskarten gelöst und über 3000 Stück des mit reichem Bilderschmuck versehenen Kataloges verkauft. Von den insgesamt tausend Ausstellungswerken in der Kunsthalle im Gesamtwerte von etwa 1500 000 Mark wur­den 58 Gemälde, 16 plastische, 28 graphische und 83 kunst­gewerbliche Arbeiten für ungefähr 100 000 Mark verkauft, ein Ergebnis, wie es in solchem Umfange in Wiesbaden nochniemals erzielt worden ist.

Dieser Abschluß hat allerdings zwei Seiten, eine e r - sreuliche insofern als neben einer Anzahl uroeften hiesiger Künstler eine Reihe ganz hervorragender und kost­barer Meisterwerke Käufer fanden, und eine bedauer­liche, weil an dem Verkaussresultat eine kaum nennenswerte Zahl hiesiger Kunstfreunde beteiligt ift.

In Wiesbaden, der eleganten Villenstadt, der Stadt der vielen Millionäre, eine solche Verkaufsgelegenhcit unbenutzt vorübergehen zu lassen, das bedeutet einen großen Mangel an Kunstsinn und an Verständnis für das immer noch wahre WortNoblesse oblige". Selbst der Versuch, den der Rafsauische Kunstverein" und der Vorstand des hiesigen Museums mit einer öffentlichen Sammlung zum Ankauf von Kunstwerken aus dieser Ausstellung gemacht haben, ist mit einer Summe von wenigen tausend Mark verhältnis­mäßig kläglich ausgefallen.

So war der Erfolg dieser Ausstellung hauptsächlich vom Fremdenpublikum, und besonders von denjenigen aus­wärtigen Kunstliebhabern und Museen abhängig, deren Be­teiligung an den Ankäufen zumeist der persönlichen Be- ziehungeu des ausgezeichneten Geschäftsführers der Kunst­halle zu denken ist. Daß unter den hier herrschenden Ver­hältnissen auch die hiesige Künstlerschaft zu leiden hat, ist ein nicht zu leugnendes Faktum, das gleichzeitig den Mangel an Unterstützung erklärlich macht, gegen welchen die hiesigen

zurzeit eine Krisis durch". In Tonkin hat es nicht ganz unbedenkliche Unruhen gegeben, und auch das in allen chine­sischen Gewässern so bekannte Piratentum zeigt sich wieder; vor Mem aber sind unverkennbare Anzeichen dafür vorhan­den, daß die innerliche, noch nicht nach außen durchbrechende Feindseligkeit der Eingeborenen gegen die fran­zösische Herrschaft inständigem Wachsen begriffen ist. Der Geheimbund in Tonkin z. B., der junge Anamiien zur Erziehung nach Japan schickt und durchaus antiftanzösische Tendenzen zeigt, den man bereits unterdrückt zu haben glaubte, lebt und wühlt lustig weiter. Die Hauptgründe für diese Haltung der Anamiten habe ich ja bereits ein­gangs angedeutet, dazu kommt nach Messimys eigenen An­gaben noch die allzu schwere Steuerbelastung, die sehr un­geschickt verteilt ist. Ein Faktor aber, den mau bei einem so alten Kolonialland nicht vermuten würde und der nicht unterschätzt werden darf, ist die geradezu unglaubliche Un­kenntnis der Landessprache selbst in höheren Beamtenkreisen. Messimy bringt dafür einige Beispiele bei, die klassisch sind: So erschien z. B. in einem Eingeborenenblatte ein Artikel mit der gewiß harmlosen Überschrift:Georgica

oder Ratschläge zum Ackerbau", der nichts minder enthielt als die offene Aufforderung zur Revolte gegen die Fran­zosen. Und das hatten die Beamten nicht bemerkt! Aber danrit nicht genug: als der Generalgouverneur seine letzte Proklamation erließ, da änderten die Übersetzer den Sinn dieses Dokumentes in der skandalösesten Weise ab, ohne das cs einer der leitenden Persönlichkeiten ausfiel. Kurz, el gärt in Indo-China ziemlich bedenklich; daß Japan schon lange nach Tonkin schielt, ist bekannt und man wird alsc daraus gefaßt sein müssen, dort iiber kurz oder lang einmal Überraschungen zu erleben.

Deutsches Reich.

CK. Land- und Stadtbevölkerung in Deutschland wäh­rend des letzten Menschenalters. Deuffchland hat in den letzten 30 Jahren in zunehmendem Maße das Gepräge eines Industriestaates angenommen und das eines Agrar­staates verloren. Diese Tatsache kommt in der Erscheinung zum Ausdruck, daß der Prozentsatz der städtischen Bevölke­rung stetig steigt, während der der ländlichen abnimmt. Im Jahre 1870 hatte Deuffchland rund 41 Millionen Ein­wohner; von diesen wohnten ans dem Lande 26(4 Millionen oder 63,9 Prozent, dagegen in den Städten» einschließlich der Landstädte bis zu 2000 Einwohner hcmnter, nur 14% Millionen oder 36,1 Prozent. Die Landbevölkerung ist nun ans diesem Stande bis 1890 etwa stehen geblieben und hat seitdem ein langsames Sinken gezeigt, so daß die letzte Volkszählung von 1905 nur noch einen Bestand von 25822481 Einwohnern ergab: von nahezu % war die Landbevölkerung aus weniger als die Halste, genau 42,58 Prozent, herabgegangen. In dem gleichen Zeitraum hatte stch die Stadtbevölkerung mehr als verdoppelt; sie betrug 1905 : 34 818 797, d. h. während sie vor 35 Jahren hinter der Bevölkerung des flachen Landes um 11(4 Millionen zurück­geblieben war, libertvaf sie diese fetzt um 9 Millionen, und

das Wachstum der städtischen Bevölkerung schreitet noch vorwärts. An diesem Fortschritt haben die Großstädte mit mehr als 100 000 Einwohnern den größten Anteil. Wäh­rend sie im Fahre 1871 von der Gesamtbevölkerung Deutsch­lands efft 4,8 Prozent beherbergten, hatte sich diese Zahl bis zum Jahre 1890 schon auf 12,1 gehoben, und nach der Zählung von 1905 waren von 100 Einwohnern des Deut­schen Reiches fast 19 Bewohner einer Großstadt, d. h. der Anteil hat sich beinahe vervierfacht, während er in den Mittelstädten mit 20- bis 100 000 Einwohnern nur von 7,2 auf 12,89 gestiegen ist, d. h. sich noch nicht einmal verdoppelt, in den kleinen Städten (5- bis 20 000 Einwohner) nur die mäßige Steigerung von 11,2 aus 13,74 effahren hat und in den Landstädten sogar von 12,4 aus 11,81 herabgegangen ist Von den 42,58 Prozent der Bevölkerung, die 1905 aus dem flachen Lande wohnte, gehörten 1,4 Prozent Gemelnven mit weniger als 100 Einwohnern, 17 solchen mit 100 bis

Kunstvereine, die Kunstausstellungen dieser Gesellschaften und der Kunsthandlungen zu kämpfen haben. Deshalb wäre es vielleicht auch wünschenswert gewesen, nicht nur die Kunsthalle in irgend einer Form erhalten zu sehen, sondern auch Me die Kräfte, die sich in der Hoffnung vereinigt hatten, den Kunstsinn der hiesigen Bewohnerschaft zu heben und die Beziehungen der letzteren zu Kunst und Künstlern auf ein Niveau zu bringen, wie es sich für eine Stadt von der Größe Wiesbadens mit einer Kolonie so vieler Reicher geziemt. Da das nicht möglich schien, sollte man nicht zögern einen neuen Sammel- und Mittelpuntt für alle jene Bestrebungen zu schaffen, die darauf hinausgehen, die Kunst volkstüm­lich zu machen und damit ein Stück soziales Programm erfüllen. Dauernde Kunst-Veranstaltungen wie jene des Sommers, besonders wenn sie unter städtischer oder Kur- regie ständen, würden am Ende doch aus das künstlerische Ge­wissen und auf das, für allen sonfttgen Luxus gern bereite Kapital anregend wirken und schließlich Wiesbaden in die Lage bringen, sich neben dem Rufe eines an Natur- schönheiten und großzügigen Einrichtungen reichen Bade- platzes den Ehrentitel einer Kunststadt zu ver­dienen. _______ " s -

Aus Kunst und Leben.

* Australiens neue Hauptstadt. Der australische Senat hat sich, wie schon nütgeteilt, endlich entschlossen, wohin die neue Hauptstadt der Föderation verlegt werden soll. Ein kleiner Ort von nur etwa 3000 Einwohnern mit dem merk­würdigen Namen Yatz-Canberra wird diese Ehre haben. In der Hauptsache verdankt der Ort seine Erwäh­lung seiner geographischen Lage und endet die alte Riva. 1 i t'ä t zwischen Melbourne und Sydney, oder vielmehr zwischen Viktoria und Neu-Südwales. Faß-Canberra ist ein Kompromiß, da es etwa 200 Meilen südwestlich von Sydney, wohl aber innerhalb der Grenzen von Neu-Süd- wales liegt. Ähnlich wie in Washington wird auch die nähere Umgebung der neuen australischen Hauptstadt zu einem besonderen Distrikt, zu einemFederal territory" ernannt werden. Es wird jetzt schon damit be­gonnen, die Gummibäume zu fällen. Straßen anzulegen und Häuser zu errichten.