Seite 2._Montag, 20, DezenrLcr 1909, TKgdlKtt. Mend-Nusgav-, 1. Blatt. Nr. 3SK.
Reichskanzler to. Bethmann-Hollweg wies auf den hier einzig richtigen Weg hin, nämlich alle Übertreibung bei- 7eite schiebend den inneren Frieden nachhaltig zu befestigen; er werde dem Wunsche der, Elsaß-Lothringer die Erfüllung zeitigen.
* Das preußische Staatsministcrium trat am Samstag zu einer Sitzung zusammen.
* Die wciinarischen Landtagswahlen. Nach dem Ergebnis der Stichwahlen' setzen sich die 23 aus allgemeinen Wahlen hervorgegangenen Abgeordneten wie folgt zusammen: 7 Rechtsstehende, Konservative, Bund der Landwirte und Antisemiten, 9 Liberale, 2 Vertreter der Kompromißparteien, 1 Zentrum und 4 Sozialdemokraten.
* Der mecklenburgische Landtag wurde am Samstag geschlossen.
* Keine Reform des Patcntgcsctzes. Nach den: Fach- l.latt „Tcr Eisenhändler" wird der Staatssekretär des Innern demDrängen auf eine Reform des Patentgesetzes nicht nachgeben, weil er bisher noch wenig in fein neues Amt eingelebt sei, um die gefahrvolle Verantwortung zu übernehmen für ein Gesetz, für dessen Reform so ungeheuer kontrastierende Wünsche von der chemischen Industrie und der mechanischen einschließlich der Beleuchtungsindustrie und von Arbeitgebern und Angestellten geäußert werden.
* Die Kreditbeschaffung für große Städte. In Dresden tagte im Rathaus die vom Deutschen Städte- taa eingesetzte Kommission zur Prüfung der Kreditbeschaffung für große Städte. Es wurden Vorschläge über die Wege zur besten Befriedigung des Kreditbedarfs dieser großen Städte erörtert. Die Verhandlungen waren vertraulich und wurden vom Oberbürger, meister Beutler geleitet.
* Hansabund und Handlungsgehilfen. Die Geschäftsleitung des Dcutschnationalen Handlungsg-ehilfen-Verban- des hat an das Direktorium des Hansabundcs ein Schreiben gerichtet, in dem cs dagegen Verwahrung einlegt, daß ein Mitglied des Direktoriums des Hansabundcs in einer Versammlung mit einer nicht mißzuverstehenden Anspielung auf den Deutschnattonalcn Handlungsgehilserr-Verband die „konscrvativ-antisemittsch-agrarisch geführten Handlungsgehilfen" zum Anschluß an den Hansabund aufgefordert habe. Darauf hat der Ausschuß des Hansabundes geantwortet, der Hansabund befolge absolute Neutralität gegenüber politischen Fragen und politischen Parteien, und cs sei satzungsgemäß ausgeschlossen, daß er in die Selbständigkeit und in den Tätigkeitsbereich von Sondervereinigungen irgendwie eingreisen könnte. Der Ausschuß des Hansabundes hoffe, daß eines seiner Grundprinzipien: der Ausgleich der Gegensätze innerhalb der Erwerbszweige in Handel, Gewerbe und Industrie ebenfalls dem Deutsch- nationalen Handlungsgehilfen-Verbande zustatten komme. Im übrigen wird in dem Antwortschreiben bemerkt, daß der Letter der erwähnten Versammlung den gerügten Ausdruck nicht gehört habe.
* Der Verkehr auf dein Nord-Ostsee-Kanal. Entsprechend der günstigen Errtwicklung des Verkehrs auf dem Nord- Ostsee-Kanal sind in neuerer Zeit auch die finanziellen Resultate des Kanals besser geworden. Die Einnahmen stiegen von 1016 855 M. in 1896 auf 2 174 641 M. in 1800 und 3 195 504 in 1907. In 1908 wurde dann eine etwas geringere Einnahnie, nämlich 2937 073 M.. erzielt. Nach Abzug der Ausgaben ergaben sich in den Jahren 1896 bis 4902 Fehlbeträge von 1,06 Millionen Mark bis herab auf 230 000 M., in den Fahren 1903 bis 1907 dagegen sind, wie folgt, wachsende Überschüsse erzielt worden: 1903: 57 824 M.; 1904: 202 612 M.; 1905 : 310 505 M.: 1906 : 247 982 M.; 1907: 413622 M. Auch das Jahr 1908 brachte trotz höherer Ausgaben und trotz des Rückganges im Kanalverkehr noch einen Betriebsgewinn von 128 965 Ni.
* Ein neuer Protest der Bergleute gegen den Zwangs- arbeitsnachweis. In Schonnebeck bei Essen protestiert« eine Massenversammlung von Bergarbeitern gegen die Antwort der Regierung auf die Interpellation wegen des Arbeitsnachweises des Zechenbesitzerverbandes.
* Zur Färbung der Gerste mit Eastn. Magen und Darm des Schweines, welches acht Tage mit dem bekannten Misterfolge mit Eosingerste gefuttert worden ist, sind tierärztlich
die den schlicht vornehmen Zuschaucrraum füllende festliche Menge den Spender des neuentstandenen Baues mit einem vom Oberbürgermeister ausgebrachten Hoch begeistert begrüßte. Dann rollte der Vorhang mit seinem gemalten .Musen- und Dichtervolk, ein königliches Geschenk des Maler-Dichters Artur Fitger (ft), empor. Kein Weihespiel, keine verkleidete Muse, keine üblichen Versprechungen an das Publikum. Die Meininger Kunst sprang gleich medias res mit jenem Werke, in dem sich rhr lebendiges
in raeaia-s res mu. j^**v**«. -w Kunstprinzip mit am glänzendsten betätigen konnte, mit „Wallensteins Lager", genau in der Aufmachung wre ernst, da die Meininger damit auf großen Wanderfahrten rhr Feld eroberten. Wunderbare, Brücknersche Dekoraironen, diese Zeltstadt im Walde, echte Requisiten, die malerischen, zeit- echten Kostüme nach den Figurinen des Herzogs. Aber nun das ungeheure Leben in diesen Massen von.Soldaken und Troß, diese ungekünstelte Wahrheit; ein Gewühl, toller wie ein Ameisenhaufen, und doch traten die handelnden und redenden Personen klar und plastisch hervor, und die vollendete Regie bändigte das Tohuwabohu des LagerlebenS. Der Eindruck des Ganzen war wahrhaft sugaestiv und bedeutet einen neuen Triumph zu den alten Triumphen. Erste Künstler wirkten in der Komparserie mit, und es gab keine tote Stelle in diesem Harmonischen Zusammenwirken aller Künste, die für das Theater nur in Betracht kommen können. Der fürstliche Mäcen hatte nichts gespart, um auch das Drnm und Dran in jeder Hinsicht zur Wirkung zu bringen. Die Ausstattung soll an die 150 000 Mark gekostet haben. Die 80 steingeschmückten Knöpfe, die Tertzkys Gewand schmückten, erforderten allein 250 M., und jede Feldbindc Wallensteins und seiner Truppensührer mag an die 100 M. gekostet haben. Gewiß, das ist nicht das Wesentliche, aber es spricht für den hohen Opfersinn, der der Kunst entgegengebracht wird.
Nach „Wallensteins Lager": „Cercle" im Fopcr, wobei man wieder Gelegenheit - hatte, sich an der Frische des Herzogs und seiner Gemahlin, die sich besonders mit ihren einstigen Kollegen und Kolleginnen eifrig unterhielt, zu überzeugen. Darm folgten 4 Akte der „Piccolomini".
untersucht worden. Nach der „Neuen Pol. Korr." hat sich ein Sachverständiger über die Angelegenheit folgendermaßen geäußert: Das betreffende Schwein kann in den acht Tagen höchstens 30 Kilogramm Gerstenschrot gefressen haben. Zur Färbung dieser Gerste sind etwa 1,2 Gramm Eosin verbraucht, welche in etwa 60 Gramm Wasser verdünnt find.. Dieses Quantum — etwa ein halbes Weinglas voll Flüssigkeit — kann jeder Mensch und jedes Tier auf einmal trinken, ohne Schaden zu nehmen. In Zuckerwaren und Früchten genießen sesbst Kinder den Farbstoff täglich. Seit fast drei Monaten ist die Färbung von Gerste an den Rheinstationen, in Emden, im Osten usw. ausgeführt. Allein im Rheinland und in Westfalen sind.bis jetzt etwa zwei Millionen Zentner gefärbter Gerste verfüttert worden. Das ist eine Menge, welche zur Mästung , von 300 000 bis 400 000 Schweinen ausreicht, welche größtenteils wohl schon geschlachtet sind. Trotzdem hat sich nirgends eine schädliche Wirkung der Färbung bemerkbar gemacht. Im Gegenteil sind Stimmen in der Rhoingegend laut geworden, wonach die gefärbte Gerste der nichtgefärbten vorgezogen wird, weil ersterc eine schwereres Naturalgewicht und höheren Nährwert hat. Auch die Behauptung, daß durch die Fütterung mit eosingefärbter Gerste das Fleisch des gefütterten Viehs sich rot färbt, mutz überraschen, weil jeder Laie weiß, daß die Farbe des Futters nicht den geringsten Einfluß auf die Farbe des sich bildenden Fleisches hat.
Recht fr» vechn«s und NerrvaMmg.
Zu der Frage der zu großen Jugendlichkeit der Richter und Rechtsanwälte macht der „Reichsbote" folgende Bemerkungen: Daß nur erfahrene und ältere Richter zum Urteilsspruche gelangen sollen, ist sicher ein erstrebenswertes Ziel. Wie soll sich aber dies verwirklichen? Oder würde etwa die Berufsfreudigkeit gestärkt und gehoben, wenn Juristen, die Tüchtiges geleistet und bereits einen praktischen Blick gezeigt haben, noch im Alter von 30 oder 40 Jahren mit mechanischer Schreibarbeit beschäftigt werden? Eine Ausbildungsperiode soll jeder Jurist, der von der Universität kommt, erhalten, auch keine allzu kurze; aber eine der- arttg lange, um alle Fälle des Lebens und des weitgestalteten Verkehrs umfassend und eingehend- kennen und beherrschen zu lernen, das zu verlangen ist heutzutage ein Unding.
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Der Thronwechsel in Belgien.
Brüssel, 19. Dezember. Samstag wurde die Leiche König Leopolds vom Palmenpavillon des Schlosses Lacken nach dem Stadtschloß in Brüssel übergesührt. Fackeln tragende Soldaten geleiteten den achtspänmgen Leichenwagen, dem Prinz- Albert und die hohen Staatswürdenträger folgten. Eine große Menschen- merrgc bildete cntblößicn Hauptes Spalier. Unter dem Donner der Kanonen erreichte der Zug um oy 2 Uhr das Schloß. Unteroffiziere trugen den Sarg in einen schwarz ausgeschlagenen Saal im ersten Stock, wo die sterbliche Hülle des Königs bis zur Beisetzung verbleibt.
hd. Brüssel, 18. Dezember. Ein Hirtenbrief ordnet an, daß für den verstorbenen König Seelenmessen zu lesen seien. Der Erzbischof von Mecheln, Kardinal Mercier, wird namens des belgischen Klerus die Grabrede halten.
hd. Paris, 18. Dezember, über den Vermögensnachlaß des verstorbenen Königs zirkulieren verschiedene Gerüchte. Während der „Figaro" von einem großen Vermögen spricht, das Leopold hinterlassen haben soll, erfährt ein Korrespondent des „Echo de Paris", daß der König, der vor 6 Jahren noch ein Vermögen von 150 Millionen besaß, solche Verluste erlitten habe, daß. sein Vermögen aus 40 bis 45 Millionen zurückgegangen sei.
Eine Erklärung des neuen Königs.
hd. Paris, 18. Dezember. König Albert soll, dem Drängen der Pressevertreter nachgebend, folgende Erklärung abgegeben haben: „Ich bin augenblicklich nur der Erbprinz. Die Regierung übt die interimistische Gewalt aus. Ich bin vor der Hand nur ein einfacher belgischer Untertan. Morgen werde ich König sein. Ich kann daher nicht sprechen. Ms einfacher Bürger kommt cs auf meine Ansicht wenig an, und als künftiger König kommt es mir nicht zu, eine Zukunft festzulegen, die für eine verantwortliche Regierung von Wichtigkeit ist.
Das Beileidstelegramm d-s deutschen Kaisers.
hd. Berlin, 18. Dezember. Das Telegramm des deutschen Kaisers hat folgenden Wortlaut: „Von dem Unglück,
Werander Otto von Hamburg mit seinen großen äußeren Mitteln spielte den Wallenstein. Amanda Lindner, Ehenmitglied der Meininger Bühne, die Gräfin Dertzkh. Otto Osmarr als Bnttler. Adolf Link als Jsolani, Fuchs als Oktavio. Herr N achbaur als Max und Frl. p W a g n e r als voetische Thekla, das waren einige besonders markante Gestalten aus dieser Aufführung, auf die w'.r hier nicht näher emgehen können; das ist mehr interne, Meininger Sache. Die Tatsache genügt, . daß das neue Heim der Meininger Kunst von den „Meiningern" so eknge- weiht wurde, wie es ihrer ruhmreichen Tradition entspricht. Mögen sie ihres neuen, schönen Tempels, vom Herzog nach der Giebelinschrift dem Volke zur Freude und Erbauung geweiht, recht froh werden. Die Einweihungsfeier bedeutet eines der wichtigsten Daten in der Theatergeschichte unserer Zeit. '' Sch. v. B.
Königliche Schauspiele.
Samstaa, den 13. Dezember: Zum ersten Male:
"Der Fiedelhans" oder „Fm Zauber des Märchenwaldes". Weihnachtsmärchenspiel mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Wilhelm El ob e s. Musik von Richard Henrion.
Das Märchen ist schön. Tcr Waldgeist Heirokelbokel hat die Stadt verzaubert, in welcher der König Gutedel residiert und ein schild-bürgerlicher Magistrat mit dem zipperlein- geplagten Stadtschreiber Gänsekiel das städtische Regiment führt. Heirokelbokel hat auch des Königs Töchterlein aus der Wiege heraus entführt, und seitdem spukt es in der Stadt am hellichten Tag und mehr noch in der Nacht. Sitzen die Staatsherren und Bürger beim Frühschöpplein unter den Linden, dann treiben des Waldgeistes Kobolde ihr neckisches Wesen mit ihnen, sogar der grüne Esel über dem Wirtshausschild wackelt mit seinen langen Ohren. Nachts streuen die Wichtelmännchen, die zu nichts Gutem mehr tauchen, Erbsen und Niespulver auf die Fliesen des Königsschlosses, daß es ein klägliches Hinsallen und Hizza-Hazza des Ministers und Hofmarschalls Knickebein und Hasenfuß gibt. Kurzum, es ist eine schlimme Geschichte, die man aber vom
das die königliche Familie und die belgische Nation betroffen hat, bin ich tief betrübt. Ich bitte Eure Majestät, meine aufrichtige Beileidsbezeigung anzunehmen, wie gleichzeitig meine besten Wünsche für eine glückliche und gedeihliche Regierung Eurer Majestät. Die Kaiserin übermittelt gleich mir Eurer Majestät und Ihrer Majestät der Königin den Ausdruck ihres Mitgefühls."
wb. Berlin, 18. Dezember. Das „Armee- und Verordnungsblatt" veröffentlicht eine Allerhöchste Kabinettsorder, betreffend die Anlegung von Trauer zu Ehren des verstorbenen Königs der Belgier, in welcher bestimmt wird, daß die Offiziere des kurmärkischen Dragoner-Regiments Nr, 14, dessen Chef der Verewigte war, auf 14 Tage Trauer anlegen, außerdem hat eine Abordnung des Regiments, bestehend aus dem Regimentskommandeur, einem Rittmeister und einem Leutnant, an den Beisetzungsfeierlichkeiten teilzunehmen.
Ein Interview mit Di-. Dcpage.
Dr. Depagc, der den König operierte, erklärte in einem Interview, daß der König an einer Herzkrankheit gelitten habe. Als man ihm, Dr. Depage, am Dienstagmorgen vor der Operatton den König in der Narkose vorführte, habe er eine schnelle Auskultation vollzogen. Es war das erste Mal, so erklärte Dr. Depage, daß ich den König krank vor mir hatte. Ich vernahm bei Beobachtung der Herztätigkeit ein eigentümliches Röcheln, über dessen Natur ich als Arzt keinen Zweifel hatte. Ich richtete mich erschreckt auf und beobachtete den Leibarzt Dr. Thiriar. Dieser las aus meinen Augen, was in mir vorging. Er ergriff meinen Arm und sagte mir, der König hat eine Herzkrankheit; außer dem Baron Gossinet und mir weiß niemand davon und niemand darf es effahren. Nach dieser Erklärung schritt ich zur Operatton. Dies erklärt den Grund, weshalb die Ärzte Bulletins nur über die Operation und ihre Folgen verbreiteten. Wir wollten und durften nichts über die Herzkrankheit sagen. Der König hätte ebensogut vor einem Jahr und noch längerer Zeit sterben köimen. Ms Dr. Thiriar die Herzkrankheit feststellte, glaubte er, es für seine Pflicht zu halten, dem Baron Goffinet hiervon Mii- teilung machen zu müssen, weil ein plötzlicher Tod des Königs immerhin im Bereich der Möglichkeit lag. Ms unmittelbare Ursache der totalen Venenverstopfung erklärt Dr. Dcpage, es sei sehr wohl möglich, daß ein wiederholtes starkes Niesen, welches sich eine Viertelstunde vor dem Tode einstellte, den Tod des Königs herbeigesührt hat.
Prinzessin Luise.
hd. Brüssel, 19, Dezember. Die Prinzessin Luise wird, wie es Heißt, auf dem Bahnhofe von Schärbcck obsteigcn, von wo sic sich direkt nach dem Pavillon Belvedere im Laekener Schloß begeben wird. Prinz Albert hat den Wunsch der Prinzessin Luise nach einer Aussöhnung mit den Mitgliedern der königlichen Familie wohlwollend ausgenommen. Dieser Entschluß des Prinzen hat bei der Bevölkerung den besten Eindruck gemacht. Der Anwalt der Prinzessin, Jaspa, ist nach Eöln gereist und hat in den Hauptbanken eventuelle Depots beschlagnahmen lassen, welche ans den Namen des Königs oder der Baronin Vaughan dort liegen. Er hat auch den Testamentsvollstrecker beauftragt, keinerlei Papiere des Verstorbenen zu zerstören.
hä. Brüssel, 20. Dezember. Es verlautet Hier, Prinzessin Luise Habe das Schloß Balmcourt bei Paris, das Besitztum der Baronin Vaughan, versiegeln lassen. Die Baronin hatte bis gestern nachmittag noch nicht die Villa Vandemborne verlassen, an der sie bekanntlich kein Eigentum hat, sondern wo sie nur als Gast des Königs weilt. Sie wird jedoch, bevor die Prinzessin Luise eintrifft, die Villa verlassen. Die Hofverwaltung hat gestern bereits nach Paris die dringende Order gegeben, daß alle Automobile König Leopolds sofort nach Brüssel zir schicken sind, um einer Beschlagnahme durch die Gläubiger der Prinzessin zuvor zu kommen.
hd. Eöln, 20. Dezember. Prinzessin Luise von Koburg ist gestern nachmittag mit größerer Begleitung hier eingetroffen und hat im Dom-Hotel Wohnung genommen. Die Prinzessin verbleibt vorläufig hier. Sie konferierte gestern längere Zeit mit ihrem Rechtsbeistand. Heute wird ein Vertreter der Prinzessin in Brüssel eintrcssen.
Zuschauerraum des Theaters aus recht lustig findet. Es gilt, den Zaubcrbann, der über der Stadt und dem Lande ruht, zu brechen; dazu ist allerdings keiner geeigneter als der fidele, leichtsinnige Spielmann Fiedelhans, der just zur rechten Stunde erscheint. Wie cs in Märchen immer ist: wer des Königs Töchterlein befreit, soll selber König werden. So auch hier. Der alte König versprichbs dem wagemutigen Sänger; die als schwarze Liese verkleidete Tannenfee zaubert dem König und dem Spielmann in einem flüchtigen lebenden Bilde die Prinzeß Wunderhold in ihrer jungfräulichen Schönheit vor, und keiner zweifelt mehr daran, daß dem Fiedelhans gelingt, was Rittern und Edelleuten mißlungen ist. In der Walpurgisnacht geistert es im Walde; der Stadtschreiber Gänsekiel, der ein wirkungsvolles LiebeS- tränklein brauen will, fällt in die Hände der Elfen und Kobolde, der Spielmann aber spielt ihnen zum Tanze auf. er spielt sie samt dem grimmigen Heirokelbokel in Schlaf und öffnet mit der Springwurzel, die ihm des Osterhasen Jüngster gebracht, den Felsen, hinter dem Prinzeß Wunder- hold gefangen gehalten wird. Er Lesrett das Königskind und der König hält Wort: er gibt dem Spielmann seine Tochter. Mit einer wirkungsvollen Weihnachtsapotheos« schließt das schöne Märchen. Für die Jüngsten ist das Spiel nicht, obwohl auch die viel von dem finden, was Kinder in erster Linie in Märchen suchen: lustige Streichs, Feen, Elfen und Kobolde, und vor allein sprechende Tiere. Der in schöne Verse gebrachte und an hübschen poetischen Bildern reiche Text erfordert schon ein reiferes Verständnis; der „Fiedelhans" ist ein Weihnachtsmärchenspiel, das den Kindern Vergnügen bereiten und von Erwachsenen mit Vergnügen genossen werden wird. Die Zuschauer, große wie kleine, geizten denn auch mit ihrem Beifall nicht; der Verfasser wurde nach dem ersten und zweiten Akt verschiedene Male gerufen und mit Lorbcerkränzen und Blumen äußerst splendid bedacht.
Gespielt wurde vorzüglich. Den Fiedelhans gab Herr Herrmann frisch und fröhlich, die paar hübschen Lieder sang er leck vom Herzen weg. Herr Andriano war ein
