Verlas Langaafl« 25/27.
OS>a«r-H,ll- B'Sftnfl von 8 llhr morgen« bi« 8 llhr abend«.
27,000 Abonnenten.
«ez»,«-Preis für »rite Du «naben: soPsg. monatlich durch den Verlag Langgafle S7. ohne Bringerlob« 3 Mb M Big. vierieliährllch durch alle deutschen Posiansialtcn, auSichlieUich Bestellgeld. — vrzug«»Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die 4 Zweigstellen, sowie die 138 Ausgabestellen >n allen Teilen der Stadt; in Biebrich: die dortigen sg Ausgabestellen und in den benachbarten Landortcn und im Rheingau die belresscnden Tagdlatt-Träger.
Anzeigen-Amiahme: Für die Abend-Ausgabe bis 13 Uhr mittag«; für die Morgen-Ausgabe bis 8 Uhr nachmittag«.
2 Tagesausgaben.
F«rnsprecher-R„f:
„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53. Lon 8 Uhr morgrns bis 8 Uhr abends. Sonntags von 10—11 Uhr vormittags.
Anzeig en-Preis für die Zeile: 15 Pfg.... in einheitlicher Satzform; 20 Pfg. in davon Anzeigen; 30 Pfg. für alle auswärtigen Ar __ .
Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung.
Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Rabatt.
Für die Aufnahme von Anzeigen an den vorgeschriebenen Tagen wird keine Gewähr übernommen.
Nr. 587.
Wiesbaden, Freitag, 17. Dezember 18VS.
57. Jahrgang.
Morgen- Ausgabe.
_1. Matt. _
v-lkttsche Übersicht.
Mne wissen sch afUiche KrMK der Finanxrefarm.
Der Königsberger Professor vr. A. Hesse veröffentlicht im neuesten Hefte der „Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik" eine ausführliche Untersuchung über die Reichsfinanzgesetze von 1909 und gelangt dabei zu dem Ergebnis, daß die Frage, ob die im Regierungsentwurf angestrebtc ausgleichende Heranziehung des Besitzes durch den Ersatz der abgelehnten Erbschafts- besteuerung erreicht worden sei. verneint werden müsse. Dieses Urteil begründet er u. a. folgendermaßen: Die Ersatzsteuern treffen in der Hauptsache nicht den Besitz, sondern den Verkehr; sie stellen keine allgeinemc und gleichmäßige Vermögensbelastung dar. sondern treffen nur diewnigen Teile, die in bestimmten Ve-> kehrstatsachen hervortreten. Diese werden o h n Rücksicht aus die Leistungsfähigkeit der betroffenen Personen belastet. Und durch die Überwälzung der Steuer wird der Gedanke der Heranziehung des Besitzes teilweise ins Gegenteil verkehrt, wie sich dies am deutlichsten bei der Talonsteuer und dem Effektenstempel gezeigt hat. Tie Belastung ist aber auch insofern nicht gleichmäßig, als das mobile Kapital in weiterem Umfang herangezogen ist als das immobile. Damit wird die Last der neuen Abgaben vorwiegend ausHandel und Industrie gelegt und so von der städtischen Bevölkerung in erster Linie getragen. Auch die für die Besteuerung des I m m o b i l i e n b e s i tz e s gewählte Form verschiebt die Last zuungunsten der Städte. Und öte Belastung der städtischer Bevölkerung wird noch erhöht durch die Wirkung der steuern auf die kommunalen Finanzen, die Aufwendungen für Talonsteuer und Effektenstempel und die Konkurrenz hinsichr- lich der Besteuerung des Grundstücksumsatzes. Tie Vor teile der Erbschaftssteuer in der Gleichmäßigkeit und Allgemeinheit der Belastung, der Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit, der Unmöglrchkert der Abwälzung. der Erschließung neuer, noch noch nicht in Anspruch genommener Mittel werden von den Ersatzsieuern nicht erreicht. Im Anschluß hieran führt Professor Hesse aus, daß nicht nur nicht der Ausgleich gegen die Verbrauchssteuern geschaffen sei, sondern sogar die Last der Verbrauchssteuern durch die Eigenart der Ersatzsteuern noch erhöht wäre: die durch die Auflegung indirekter Steuern ausgelöste Tendenz der Preissteigerung werde d-rch die Verkehrssteuern noch verstärkt. Letztere wirkten als Gewerbesteuern, verteuerten den Kredit, erhöhten somst die Produktionskosten und drängten auf
Fe uillet on.
Aus Kunst und Leben.
* Mette Guilberts Standrede gegen Amerika. Aus ew Bork wird berichtet: Mette Guilbert ist am Samstag- iend nach einer glänzend gelungenen Gastspielreise in merika Wieder nach Europa abgefahren. Ihre Börse ist tt amerikanisch-:« Dollars und ihr Tagebuch mit bitter- itischen Bemerkungen gefüllt. Bevor sie aber die Vertäten Staaten verließ, hat sie ihrem übervollen Herzen nst gemacht und den aufhorchenden Interviewern mitge- ilt daß dieses ganz- blühende reiche Amerika mit seinen > Millionen Emwohnern und seinen wundervollen Hilss- rellen mm größten Terl „Bluff" ist. daß der Dollar und 7 Reklame alles bedeuten. Die volle Schale ihres Zorns Mittete die berühmte Diseuse über die Impresarios und ournaliiten aus, über die Unsachlichkeit aller Berichter- tttuna Mary Garden kommt her und man spricht nicht m ihrem" Gesang und ihrem Spiel, sondern erzählt des anaen und Breiten von ihren 25 Hüten. Man stellt das ewicht von Slezak fest, anstatt von seiner Stimme zu reden, ine Journalistin dringt bei mrr in New York ein und mrrt mich Süßes", obwohl ich sie niemals vorher gesehen ibe" Mine Mette schlägt dabei indigniert aus den Tisch rd fährt sott- Wenn ich ihr sage, daß >ch solche Bcrtrau- chkett nicht liebe, dann sagt sie. sie könne mich berühmt acken Mich I Die ich seit 20 Jahren für meinen Ruhm 'arbeitet habe. Ihr Ruhm ist „Bluff" und der ganze Lärm - den Zeitunaen — das ist Amerika. In London sind die arietös und ihr Publikum die besten der Welt. Hier ist les so ganz anders. Ich sagte einmal zu einem amerika- schen Theatermanager: „Warum erziehen Sie nicht ,ehr ubli'um durch künstlerische Plakate, durch ästhetisch schone -enerren und Inszenierung?" Er lachte laut auf und sagte: ; ist mcht mein Geschäft, das Publikum zu erziehen, mderu ihm G-ld abzunehmen, und wenn ich genug habe, nm g-he ich fort und lebe in Europa." Alles ist Geschäft i Amerika. Kleine Jungen von 6 Jahren verkaufen in
Preiserhöhungen hin. Für die volkswirtschaftliche Entwicklung ergäben sich aus den neuen Steuern teilweise ungünstige Aussichten. Auch die Ergiebigkeit der Ersatzsieuern sei weniger sicher. Die Grundsätze der modernen Finanzwissenschaft wären nicht ausschlaggebend gewesen. „Es sind", so schreibt Professor Hesse zusammenfassend, „die Fragen finanzieller und wirtschaftlicher Zweckmäßigkeit zurückgetreten hinter Jnteressengesichtspunkten und politischen Machtfrage n."
Gm englisches Ueisil über die Möglichkeit eines deutsch-englischen Krieges.
Ter bekannte englische Großkaufmann und SportS- mann Thomas Lipton hat kürzlich^ bei einem Besuch in Ehicago Gelegenheit genommen, den Beunruhigungen in den Vereinigten Staaten und in Kanada über die Möglichkeit eines deutsch-englischen Krieges in sehr energischer Weise entgegenzutreten. Sir Thomas Lipton führte etwa folgendes aus: Das ganze Gerede von einer ernsten Gefahr für einen Krieg zwischen beiden Ländern ist nichts weiter als eine Dummheit. Abge sehen von der Diplomatie beider Länder, weiß ich über die deutsch-englischen Beziehungen soviel wie irgend ein anderer, und ich kann versichern, sie sind bce veilen, vre es geben kann. Es gibt keine Kriegsgefahr und es hat keine gegeben. Die Ge g n e r s ch a s t. liegt allein aus dem Gebiet des Handels. Und es ist richtig, daß eine Rivalität zwischen England und Deutschland besteht. Tenn wenn zwei große Nationen, die mehr fabrizieren, als sie selbst verbrauchen, mit diesem Überschuß auf dem Weltmarkt auftreten, so muß eine gewisse Gegnerschaft entstehen. Wenn man aber sagen wollte, daß hieraus ein Krieg entstehen müßte, so wäre das gerade so töricht, als wenn dieLeiter zweier großer Unternehmungen ihren Wettbewerb mit den Fäusten auskämpsen wollten. Das Gefühl derjenigen Kreise in England, die wirklich von Bedeutung sind, ist Deutschland gegenüber freundlich. Ich darf dies behaup tat, weil ich in engster Fühlung zu diesen Kreisen stehe. Bon den ersten Männern des Handels und von hoher, Beamten, deren Anschauungen Bedeutung haben, höre ich nur das eine, daß die britische Regierung die Freundschaft Deutschlands nicht verloren hat und auch nicht Gefahr läuft, sie zu verlieren. Das Gerede über einen Krieg hat seinen Ursprung in der Tatsache, daß beide Nationen ihre Flotte vermehren. Es ist aber ab- solut nichts Merkwürdiges daran, wenn Deutschland seine Florte verstärkt; denn bis in die letzten Jahre hinein war seine Marine zu schwach für seine Handelsbeziehungen. Und wer kann stw überhaupt einer Zeit erinnern, wo in England keine Schisse gebaut wurden? Schauspiele wie „Eines En.; länders Heim" haben ihren Eindruck auf die öfsent liche Meinung in England gemacht und in gewissen
den Straßen Zeitungen und müssen in Bureaus arbeiten. Alles wird nach dem Dollar gemessen. Ich nehme eine Zeitung zur Hand. Da! „Das 40 000 Dollar-Feuer in Chicago", die „eine Million-Dollar-Qver in Boston"; man steht sich einen „2000 Dollar-Schauspieler" an, und nennt eine reiche Witwe eine „Fünf MMonen-Dollar-Braut". In Amerika kann man's zu nichts bringen, wenn man höflich ist. Wenn nran gefällig ist, denkt alle Welt, man wolle ihr Geld. Oh, warum seid ihr so schmutzig? Warum verehrt ihr den Dollar sosehr? Heut, wie ich auf m inen Dampfer komme, lese ich, daß Caruso und andere große Künstler singen werden. Es ist eine Matinee, und sie ist angeze'gt als „Bargain Matinee". Denken Sie: solch eine Geschäftsankündigung für die Oper!" Als der Interviewer Amerika mit den Tollheiten der Jugend entschuldigen will, widerspricht Mette heftig: „Jugend! Jugend! Immer die Jugend. Aber sie wird nicht alles erklären. Ein kluger Mann hat von Amerika gesagt, daß die Jugendlichkeit des Landes eine seiner ältesten Traditionen ist. Nein, mein H rr, Sie sind nicht mehr jugendlich, Sie sind alt genug, um es besser zu wissen . .
tz. Die „weiße Dame" im Schloß König Eduards. In der Familiengeschichte des englischen Königshauses ist wiederholt die Rede von dem Erscheinen einer „weißen Frau", die mehrere Male im Schlosse Balmoral, der ehemaligen schottischen Sommerresidenz der Königin Viktoria, gesehen worden sein soll. Balmoral-Castle liegt in einem einsamen Bergtale der Grafschaft Aberdeen und ging aus dem Besitz des Grafen von Fife im Jahre 1848 an den Prinzen Albert, den Onkel König Eduards, über. Schon damals erzählte man sich, daß in den Gängen des Schlosses eine Tochter des ursprünglichen Erbauers, Clam Farqharson, als Gespenst erscheine. Die Chronik berichtete, daß diese Tochter, namens Isabel, seinerzeit von ihrem Bruder ermordet worden sei, und zwar habe sie dieser durch Gstt beseitigt, so daß ihr Tod ungerächt blieb. Seinerzeit, als das Schloß in den Besitz der königlichen Familie überging, wurde sogar die Historie über die „weiße Frau" ausdrücklich im Verkaufsvertrage in einer Klausel erwähnt, allein man legte natürlich diesem Punkte keine besondere Bedeutung bei, das Zeitalter war
Kreisen einen Ansall von Hysterie in den Ansichten über Deutschland erzeugt. Aber cs ist absolut kein Anlaß zur Aufregung, und wenn das englische Volk seine Gedanken aus einen anderen wichtigen Gegenstand richten wollte, so wird die Furcht vor Deutschland und das Kriegsgerede sehr schnell vergessen sein."
Es ist erfreulich, daß diese besonnenen Ausführungen eines Engländers in hoher gesellschaftlicher Stellung sowohl in der Union wie auch in Kanada weitgehende Beachtung in der Presse gefunden haben. Die hieran geknüpften Kommentare beweisen, daß frühere Versuche. Deutschlands Politik zu verdächtigen dort keineswegs ernst genommen sind.
Serbische GMricre untere stch.
IN. Stockholm, 14. Dezenrber.
Jüngst hat man hier Gelegenheit gehabt, sich mal davon zu überzeugen, daß sich seit König Alexanders „Tode" im serbischen Ofsizierkorps noch nichts gebessert hat. Der Fall ist von allgemeinem Interesse und sei deshalb kurz wiedergegeben: Vor etwa drei-
viertel Jahren erging von seiten der serbischen Heeresleitung an das schwedische Kriegsministerium die Anfrage, ob schwedische Munitionsfabriken imstande seien, einen größeren Auftrag auf rauchschwachcs Pulver in kürzester Frist zur Ausführung zu bringen. Es sei eigentlich für eine deutsche Spezialfirma bestimmt gewesen, man habe sich aber wegen der gespannten politischen Lage entschlossen, die Lieferung in einem Kleinstaats ausführen zu lassen. Die Fragestellerin wurde an die südschwedische Munitionsfabrik von Landskrone verwiesen, die sich auch zur prompten Erledigung bereit erklärte. Eine Kommission aus 4 Offizieren unter Führung des Obersten Raskowitsch, wurde nach Schweden entsandt. Inzwischen hatte sich am Politischen Horizont eine Veränderung vollzogen und die serbischen Offiziere ermangelten nicht, von diesem Stimmungswechsel Kenntnis zu geben, weil es ja nun nicht allzu schwer ins Gewicht fallen würde, wenn eine etwas geringere Qualität gewählt würde. Die Fabrik mißverstand diesen Wink. Nun wurde man deutlicher und erklärte rund heraus, daß bei der Abnahme des restlichen Quantums Schwierigkeiten gemacht werden würden, falls die Lieferantin sich nicht mit den Kontrolleuren in angemessener Form „verständige". Die abermalige Ablehnung der Fabrik hatte zur Folge, daß die 4 beigeordneten Offiziere eine förmliche Verschwörung anzettelten, die wider Erwarten bei dem Obersten aber kein Gehör fand. Der sogar drohte, die ganze Angelegenheit telegraphisch nach RÄgrad zu melden. Das nahmen die edlen Krieger zum Anlaß, bei nächster Gelegenheit in der Munitionsfabrik über ibn herzufallen und ihn zu lynche n. doch wurde das Schlimmste von Angestellten der Fabrik noch in letzter Minute verhindert. Die Geschäftsleitung
bereits zu aufgeklärt, um noch ernsthaft an Gespenster und Geistercrscheinungm zu glauben. Jahrelang hörte man auch von der „weißen Frau" nichts, und nur im Dorfe, welches in der Nähe von Schloß Balmoral liegt, sowie unter der Dienerschaft lebte die Sage fort. Die Königin selbst und der Prinzgemahl hatten sie längst vergessen. Es war im Jahre 1850 , in welchem bekanntlicherweise auch im Berliner Schlosse, das gleichfalls über eine „weiße Frau" verfügt, diese erschienen sein soll und darob viel Aufregung herrschte, weil sich die Sache nicht erklären ließ. Damals meldete man plötzlich der Königin, die eben im Begriffe war, von London nach Balmoral zu reisen, daß sie dies um Himmels willen nicht tun solle, da das Schloßgespenst stch gezeigt habe. Aber die Königin ließ stch nicht im geringsten abhalten und glaubte nicht an die Erzählungen. Und nun ist, wie man der „Inf." ans London meldet, abermals die bestimmte M ldung ausgetaucht, daß die „weiße Frau" des schott'schen Schlosses, deren Erscheinen jedesmal mit schweren Unglücks- fällen für den Besitzer des Schlosses verknüpft gewesen sein soll, wieder aufgetaucht sei. König Eduard, dem man gleichfalls darüber berichtete, ist nicht im geringsten abergläubisch, all in c-s heißt, daß der König Befehl gegeben habe, der Sache genaucstens nachzugehen, um endlich aufzuklären, welche Bewandtnis es m t der Geistererscheinung hat. Der
Pförtner des Schlosses berichtet, daß ihm die „wcißc Frau" um 11 Uhr nachts in einem der Gänge erschienen fei, und schwört, seine Beobachtung könne unmöglich ans einem' Irrtum beruhen. Nach einer Mimite sei die Erscheinung per- schwundm gewesen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß ein böser Unfug gttricben wurde.
* Was ein Meteorstein enthält. Die Meteorsteine oder im allgemeinen Meteorite, fälschlich auch Meteore genannt, bestehen am häufigsten zum größten Teil aus Eisen, andere wiederum mehr aus steinartigen Massen. Bei der genaueren Untersuchung dieser Himmelskörper hat sich aber eine große Zahl von Stoffen darin vorgefunden. Aus dem Umstand, daß sich unter diesen bisher noch niemals ein auf der Erde selbst nicht vorhandener Stoff gezeigt hat, ist der wichtige Schluß gezogen worden, daß innerhalb des Sonnensystems eine weitgehende, wenn nicht vollkommen stoffliche
