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Me 581.

Morgen-Ausgabe.

2. Blatt.

Der Wann der Diva.

iksbclllenkr Tmliiätt

Dienstag,

14. Dezeusber 1909«

87. Jahrgang.

Heitere Bilder aus der Vergangenheit des Theater­lebens, aus der großen Zeit der ComLdie Frangaise kurz vor Ausbruch der Revolution läßt Georges Claretie in einem Aussatz derDeutschen Revue" auf­steigen, den er einer der berühmtesten Schauspielerinnen ihrer Zeit, deridealen Soubrette" Moliörejcher Stücke, Marie Joly, widmet. Die Schauspielerin, von der Rivarol geschrieben hat:Sie allein läßt mich in Möllere alles

linden, was ich in ihm entdecke, wenn ich ihn lese", deren früher Tod die größte Trauer unter den Zeitgenosse und eine ganze träncnselige Literatur hervorries, war ein echtes Theaterkind. Zuerst sollte sie Tänzerin werden, aber der Schauspieler Prövilleurteilte nach der Grazie ihrer Füße, daß ste Geist besitze", und ließ sie für das Schauspiel aus­bilden, in dem ste bei ihrem Debüt als Dorine imTartuffe" ihre hohe Begabung entfaltete. Ihre Popularität nahm immer mehr zu und bald erschien neben ihr eine andere von ihr unzertrennliche Figur, die durch ihr eigenartiges Be­nehmen nicht minder Aufsehen erregte als die Diva durch ihre Kunst: ihr Gatte.

Der Mann der Mlke. Joly denn ihren Mädchennamen behielt sie bei spielt in der intimen Geschichte der Comsdie Frauyaise neben seiner Gattin eine gewichtige Rolle. Er war der typische eifersüchtige Ehemann, der Lustspiel-Ge- Mahl, der sich direkt aus einer Komödie hinter die Kulissen der Bühne verirrt zu haben schien, der mit seinen tollen Wut­ausbrüchen Gelächter erregte und zuweilen auch ernstere Konflikte entfesselte. Der Stallmeister und ehemalige Ritt- Meister Fouquet-Dulomboy, Ritter des Königlichen Militär­ordens vom heftigen Ludwig, der die Hand der berühmten Schauspielerin erobert hatte, war ein sehr wohlhabender Herr, aber furchtbar j hzornig und eifersüchtig. Als ein Seigneur des Ancien Regime trug er in seinem Degen sein Recht zum Händeln und Übergriffen aller Art, hatte eine wahre Leidenschaft für Duelle, und gab an Rauflust und empfindlichem Ehrgefühl demRitter von der traurigen

Gestalt" nichts nach. Oft hallten die Kulissen der Comsdie von dein Lärm der geräuschvollen Szenen wider, die er seiner Gattin und ihren Verehrern machte. Besonders die Reimschmiede und Federfuchser konnte er nicht leiden. An einem Juliabcnd des Jahres 1786 machten die beiden jungen Dichter Marie-Joseph ChLnier und Lcgouvß Marie Joly in ihrer Loge in der Comsdie den Hof. Der Gatte, der da­bei saß, litt Folterqualen, aber er beherrschte sich. Zwischen den beiden Nebenbuhlern, die sich um den legitimen Rivalen gar nicht kümmern, entsteht ein Streit und sie verlassen auf­geregt die Loge, um im Duell die erhitzten Gemüter abzu­kühlen. Der gutmütige Gatte, der sich zuerst über diesen Streit gefteut, bekommt Angst, daß sich die beiden jungen Herren die Gurgeln abschneiden, läuft ihnen nach und will sie trennen. Aber als ihn Legouvs zurückweist, wird Dulomboy wütend und bearbeitet den armen Dichter mit Stockhieben, Faustschlägen und Fußtriften, bis er bluttiber­strömt lusammenflnkt. Eherner steht ruhig dabei und si ht zu, wie Vr Gatte statt feiner Genugtuung nimmt. Legouvs bleibt st lisßlich bewußtlos und mit geschwollenem Gesicht halbtot aus dem Pflaster liegen, der Exftttmeister kehrt stolz auf seine Heldentat, mit der Seelenruhe und dem guten Gewissen eines Beleidigten, der gerechte Rache genommen, in die Loge seiner Frau zurück. Das Intermezzo kostete ihn nachher 3000 Lire Strafe.

Ein Dorn im Auge war ihm auch der Dichter und spätere Revolutionsheld Fabre d'Eglantine, der Mllr. Joly huldigte. Als seine Frau in einem Stück Fabres die Haupt­rolle spielte, beschloß er sich zu rächen. Bei der Premiere nahm er inmitten seiner Freunde im Parkett Platz, angetan mit einer grauweißen Kapotte und mit einem großen Hut mit schwarzer Kokarde. Kaum war der Vorhang aufge­zogen, so begann er zu schreien:Das ist abgeschmackt! Das ist schlecht!" und verlangte, von den Seinen unterstützt, daß ein anderes Stück gespielt wurde. Da erscheint Marie Joly auf der Bühne. Der Gatte springt auf. schwenkt seinen großen Hut und ruft:Sehr ihr? Sie verhilft allen Stticken zum Erfolg, aber dieses kann sie nicht durchbringen!" Großer Tumult im Saal.Wer ist denn der große Kerl?"

lacht man.Wie, das wissen Sie nicht? Das ist doch der Mann. Der Mann der Marie Joly!" Man will 'hn hin- auswerfcn. Dulomboy schleudert Beleidigungen unter das Publikum und fordert alle Welt heraus. Der Vorhang muß heruntergelassen werden; das Stück ist aus, bevor es be­gonnen. Der Exrittmeister aber stürzt wutschäumend auf die Straße, packt alle, die nicht seiner Meinung sind, beim Kragen und fordert sie zum Duell:Sie werden mir alle Genugtuung geben, alle! Ich bin Offizier!" . . . Dieser eifersüchtige Raufbold wurde nach dem Tode seiner Frau zum sentimentalen Verherrlichcr ihrer Tugend und Schön­heit und ließ in weichlichen Versen, in rührseligen Dekla­mationen seinen Schmerz über den Verlust der Heißgeliebten austönen.

Spart.

* Fußball in Wiesbaden. Man schreibt uns:Sportman* is to be gentleman"; diese Worte kamen mir m den ©um, als ich in" den Spielberichten des biestgen Sportvereins immer häufiger las: so und soviel Ersatz war erforderttch. Ob­wohl ich mich erst seit 1 Jahr für den hiesigen Klub interessiere, so scheint mir doch, daß die erwähnten Vorkommnisse sich all­jährlich mitten in der Saison wiederholen zum Schaden des Klubs und der Spieler. Würde m England eme Association- Vereinigung (Amateur oder Professional) derartige, häufige Manipulationen vor dem Publikum wagen, so wäre em Boy­kott die sichere Folge, und die betr, Spieler waren an den Pranger gestellt, denn kein Verein wurde mehr die als »sport­lich unreif" (crossed out") Bezeichnten m ihren Rechen mlfneümen. Die Pflichten, die der Spieler durch ferne Mit­gliedschaft annimmt, muß er alsEhrensache behandeln und diesen nach bester Möglichkeit Nachkommen. Viele englische Sportbücher, u. ct.: The Association F. C. Players honours and duties" by E. S. Williams, handeln ausgiebig über dieses Thema und verdienen weiteste Verbreitung. Eine durchgreifende Besserung, sowohl in technischer .Hinsicht wie auch in der Er­ziehungsportlich Denkender", wäre meines Erachtens,zu er­zielen, wenn ein guter englischer Trainer den Mannschaften engagiert würde, denn erst wenn die Devise:_Einer für alle und alle für einen" Eingang gefunden hat, wird der dauernde Erfolg nicht ausbleiben. E. Mc. I.

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