Nr. 580. Nbeud-Musgabe, 1. Blatt. ^iwfeßkllCt Tagblatt« Montag, 13. Dezember 190». Seite B.
Gerichts saaL.
Wiesbadener Strafkammer.
Beleidigung.
Der Schuhmacher M. von hier war am 23. Februar in der Frankenstraße einem Mann beim Wegschaffen einer Kommode behilflich gewesen, als der Hausverwalter sich ein- lnischte und den Weitertransport des Möbelstückes inhibierte. Die Tür wurde verschlossen und als dann ein zufällig des Weges kommender Schutzmann die Partei des Hausverwalters ergriff, soll M. ihn mit recht gemeinen Schimpsworten belegt haben. Auf die Wider M. erhobene Anklage der Beleidigung erließ das Schöffengericht zunächst einen Freispruch. Die Berufungsinstanz erkannte auf 20 M. Geldstrafe.
!I> Zug-Diebe.
VL-l. Frankfurt a. M., 10. Dezember. Drei internationale O-Zug-Diebe (Russen) hatten sich vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten, und zwar der Konfitüren- handler Baruch S ch a p i r o, der Pferdehändler Teosi! S w e r s b u t o w i tz und der Kaufmann Wilhelm J a n k o- w itsch. Die Diebe wurden am 1. Juli von dem Kriminal- Wachtmeister Geinitz auf frischer Tat ertappt und im Hauptbahnhof hicrselbst verhaftet. Der Beamte sah die ungebetenen Gäste mit dem um 439 Uhr nachmittags in Frankfurt fälligen V-Zug Cöln-München ankommen und bemerkte, wie sie sich in den Gängen an die Reisenden herandrängten. Um 456 Uhr fuhr das Trio mit dem Eilzug 3. Klaffe nach Wiesbaden. Geinitz fuhr ihnen nach. Sie verließen einzeln den Bahnsteig, benutzten die Straßenbahn zur Fahrt nach dem Kurhaus, gingen getrennt der Taunusstraße entlang, bogen in die Stiftstratze und trafen sich dann, nachdem sie sich vorsichtig umgeschen hatten. Am folgenden Tag sah Geinitz den Schapiro in der Nikolas- straße wieder und beobachtete, wie er in das Gordon-Hotel ging. Bald erschien er wieder in Begleitung eines Hoteldieners, der einen Koffer trug. Sckmpira stieg in den V-Zug Wiesbaden-Mainz. Er setzte sich mit Jankowitsch zusammen. Im gleichen Abteil nahm auch der Kriminalbeamte Platz. Swersbutowitz setzte sich allein. Als der Zug im Hauptbahnhof Frankfurt einfuhr, stellte sich Swersbutotoitz vor den Eingang eines Coupvs 1. Klasse, wo der Graf Csekernice aus Budapest stand. S. hielt ihm einen Überzieher vor die Brust. Schapiro griff unten durch und stahl die Brieftasche des Grasen. Jankowitsch drängte sich in dem Augenblick vorbei, als wolle er aussteigen. Als der Zug hielt, veranlaßte Geinitz die Festnahme der Gauner. Auf der Wache ließ Schapiro die gestohlene Tasche unter den Tisch fallen. Der Graf, der keine Ahnung davon hatte, daß er bestohlen worden war, bekam die Tasche zurück. Bei den Angeklagten wurden Brieftaschen, Banknoten, Bargeld. Schlipsnadeln u. dergl. m. gefunden. Die polizeilichen Ermittelungen ergaben noch folgende interessante Aufschlüsse über die Tätigkeit des Diebstrios: Am 2. Juli war dem Kaufmann Florian Habernicht aus Cöln auf der Fahrt Aschafsenburg-Cöln kurz vor Wiesbaden die Brieftasche mit Schweizer Geld gestohlen worden. Bei Janko- witsch wurden 350 Frank in Schweizer Münze gefunden. Anfang Juni fuhr der Generaldirektor Rudolf Kronenberg aus Ohligs mit dem V-Zug Von Düsseldorf nach Berlin. Es wurde ibm eine Bnllantvorstecknadel im Werte von 400 M. gestohlen. Er erkannte heute die Angeklagten als die Leute wieder, die sich damals an ihn herandrängten. Am 23. Juni reiste der Assistent Joseph Steystal von Wien nach München. In Linz bestiegen zwei Männer den Zug, die ihm wahrscheinlich beim Aussteigen in München die Brieftasche mit 100 Kronen stahlen. Der Zeuge -erkennt die Anacklagten mit Genauigkeit nicht wieder. Gravierender sind aber die Aussagen des Rentners Ackermann m SLornu, der in der Zeitung die Verhaftung las und nun meldete, daß ihm im Zuge Mailand-Genua 660 Frank und 300 M. abhanden kamen. Der Zeuge sagt: den Gaunern den Diebstahl auf den Kopf zu, denn er -erkennt sie genau wieder. Endlich wurden am 4. Mai -einem Pferdehändler im Wartesaal Schönbrunn 8000 Kronen- entwendet. Auch diese Tat rechnet man auf das Konto des Trios, das wegen der im Ausland begangenen Taten leider hier nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann. Die Angeklagten wurden wegen Bandendiebstahls in drei Fällen zu je 8 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Ein Wüstling.
__ Frankfurt a. M., 11. Dezember. Der verheiratete Kaufmann I. Damm in Hanau hatte sich Jahre hindurch m s^ner noch schulpflichtigen Schwägerin vergangen. Die Hanauer Strafkammer verurteilte ihn nach mehrstündiger nichtöffentlicher Verhandlung zu einem Jahr 6 Monaten Zuchthaus. Der Staatsanwalt hatte drei Jahre Zuchthaus
»cantrag. ^in Kurpfuscher vor Gericht.
R Bingen, 11. Dezember. Einer jener „Heilkundigen", oie unter dem Namen „Knochenflicker" ihr Wesen treiben stand vor den Schranken des hiesigen Gerichts. Der heilkundige Roth aus Gaualgesheim, der unlängst wegen Knrvfuschcrei vor der Mainzer Straflanuner zu hoher Geldstrafe verurteilt wurde, hatte einem 75jährigen Winzer namens Zahn aus Steeg, der sich bei einem Sturz den Oberarm aus der Pfanne gerenkt hatte, auf Sehnenvc-rzerrung behandelt, derart, daß der Patient heute den Arm nicht mehr benutzm kann und nach dem Gutachten der drer Sachverständig zu 60 Prozent arbettsunfahrg rst. Der Amtsanwalt beantragte angesichts der Gemeingefahrlichkeil solcher Kurpfuscher 2 Monate Gefängnis, das Gericht ließ ihn aber nochmals mtt 200 M. Geldstrafe durchkommcn.
Ein Bigamist.
Coblenz 12- Dezember. Vor der hiesigen Strafkammer batte sich der aus dem Zuchthaus zu Diez vor- aefüme Installateur Joseph ©tuet wegen Bigamie, ©et rugs und Urkundenfälschung zu verantworten. Der Angeklagte, der Frau und Kinder in Cöln sitzen ließ. Hatto sich hier unter dem Namen eines Eisenbahnassiitentcn
mtt einem Dienstmädchen verheiratet, dessen Ersparnisse von 1000 M er nach der Hochzeit in leichter Gesellschaft verjubelte. ' Als das Geld der Betrogenen zur Neige ging, sing er ein Verhältnis mit einem anderen Mädchen an, dem er ebenfalls die Ehe versprach. Seine Absicht, auch aus diesem Verbältnis Kapital zu schlagen, mißlang. Der Mißvrauw
den der Angeklagte mit der Uniform eines Eisenbahnbeamten trieb, führte schließlich zu seiner Verhaftung. Die zweite Ehe des G. ist. inzwischen als nichtig erklärt worden. Der Angeklagte wurde unter Einrechnung der Zuchthausstrafe, die er eben abfltzt, zu einer Gesamtstrafe von 8 Jahren Zuchthaus und 750 M. Geldstrafe verutteilt.
Rekrutenschindcr.
hd. Düsseldorf, 12. Dezember. Das Kriegsgericht hat 6 Soldaten des 16. Infanterie-Regiments wegen Mißhandlung von Rekruten zu 2 bis 4 Monaten Gefängnis verutteilt.
Der Mordvrozeß Breuer.
Trier, 13. Dezember. (Eigener Drahtbericht.) Der für heute angefetzte Prozeß gegen den Rennfahrer Breuer wurde auf morgen verschöben, da der wichtigste Zeuge fehlte. Man hofft, daß dieser morgen zur Stelle fein wird.
Urteil im Prozeß Grosser.
Leipzig, 12. Dezember. Das Urteil im Prozeß gegen den Kaufmann Grosser aus Sieglitz wegen des Attentats im Rerchs- gericht, bei der der Kanzleirat Straßburg erschossen und Retchs- gerichtspräsident Männer schwer verletzt wurde, wurde noch gestern in später Abendstunde gefällt. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Gesamtstrafe von 10 Jahren Gefangms und 5 Jahren Ehrverlust, unter Anrechnung von 8 Monaten der Untersuchungshaft. Das Gericht nahm als strafmildernd an die verzweifelte Lage und die große Aufregung des Angeklagten. — Vor der Urteilsverkündung kam es zu mehrfachen Zwischenfällen. Ein Zeuge wurde von einem schweren Krampfanfall betroffen. Einen weiteren Zwischenfall verursachte Frau Grosser, die in großer Bewegung durch den Korridor lief und laut erzählte, sie fei auf Anordnung des Vorsitzenden bis aufs Hemd nach Waffen untersucht worden.
Der politische Prozess Friedjung.
wb. Wien, 11. Dezember. In der fortgesetzten Verhandlung des Prozesses Friedjung sagte heute der als Zeuge vernommene Statthaltereisckretär a. D. Freiherr Chlumetzky unter Eid aus, daß während seiner eigenen Dienstzeit als Konzipist bei einer politischen Behörde Supilo, der damals eine Serbien feindliche Haltung bekundet habe, eben mit Rücksicht auf diese politische Haltung 200 Kronen von privater österreichischer Seite erhalten und daß feines Wissens Supilo auch von einem Vertranten des Ministers Kallay Geld angenonnnen habe. Supilo erklätte unter Ehrenwort, er habe in feinem ganzen Leben von niemand einen Kreuzer weder für seine eigene Politik noch für deren Änderung angenommen. Der Präsident forderte darauf den Zeugen Chlumetzky auf, die Person zu nennen, von der Supilo Geld erhalten habe. Chlumetzky antwortete: Ich selbst habe eS ihm in Ragusa gegeben. (Große Bewegung.) Auf Befragen erklätte Chlumetzkp, eine Personenverwechflung sei absolut ausgeschlossen. Der hierauf vernommene Zeuge Hrotka, Chefredakteur des Agramer Blattes „Ustavnost", sagte aus, er habe von dem ehemaligen Gouverneur von Fiume, Ladislaus Szapary, erfahren, daß Supilo sich stets bei Szapary Weisungen für feine politischen Artikel ein- gehölt und hierfür jedesmal 10 Kronen erhalten habe. Supilo erklärte, er habe mit Szapary niemals gesprochen.
Verurteilung eines Spions.
,.,i. Paris, 12. Dezember. Unter Ausschluß der Lffentt lichkeit wurde gestern der frühere Dragoner Andran wegen Spionage zugunsten Deutschlands zu 3 Monaten Gefängnis verutteilt. Er hatte ein Reglement für die Mitrail- leuse und einige andere ihni anvertraute Dokuntente an deutsche Agenten verkaufen wollen.
Idstein, 10. Dezember. Das hiesige Schöffengericht verurteilte den Metzger A. H. jun. von Walsdorf, der einem Landwirt aus Wüstems weißmachte, das Fleisch eines notgeschlachteten Schweines trage den Freibankstempel, während es vom Usinger, Kreisarzt als vollwertig bezeichnet war, wegen Betrugs zu. einer Geldstrafe von 16-0 M. Der Bauer war durch die falsche Vorspiegelung des Metzgers um die Hälfte des Wertes des notgeschlachteten Tieres geprellt worden.
hd Cöln, 12. Dezember. Im Anschluß an den Beleidigungsprozeß gegen zwei Redakteure, denen der Wahrheitsbeweis dafür gelungen war, daß Wachtposten vom 53. "Infanterie-Regiment gegen Trinkgelder Schaulustige zur Besichtigung des Zeppelin-Ballons zugelassen hatten, werden sich nunmehr die betreffenden Soldaten vor dem Kriegsgericht wegen Annahme von Geldgeschenken zu verantworten haben.
w b. Hcilbronn, 10. Dezember. Das Schwurgericht verhandelte in den letzten fünf Tagen gegen den früheren Schutzmann Janns, der angellagt war, als Milchkontrolleur die von ihm untersuchte Milch durch Wasserzusatz qefälscht und in den daraus entspringenden Gerichtsverhandlungen Meineide geleistet zu haben. Janns bezoä für die Milchkontrolle der von ihm zur Anzeige ge- brächten Fälle Diäten und wurde in elf Fällen für schul- dia erkannt, die Milch durch Wasserzusatz gefälscht zu haben und in den daraus entspringenden Gerichtsverhandlungen, die zur Verurteilung führten, in neun Fällen einen Meideid aeleistet zu haben. Der Staatsanwalt beantragte eine Zuchthausstrafe von 15 Jahren, das Gericht erkannte auf 10 Jahre Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Veröffentlichung des Urteils. _ ___
Apart.
Das Sechstage-Rennen
i j Paris, 13. Dezember. Das New Iorker Sechs- .. swomteit wurde von Rütt-CIark gewonnen. Ri'.tt stammt bekanntlich aus Deutschland.
* a>ai> Bei einer in Marxhei m abgehaltenen Treib- ^ fernen 24 Hasen, 1 Fasan. 1 Fuchs und 2 Raubvogel zur Strecke- Rehe wurden geschont.
Vermischtes.
* Unwetter in Frankreich. In Südfrankreich. bas der Sturm großen Schaden angcrichtet. In Aurillac liegt der Schnee einen halben Meter hoch. In Lioran erreicht die Schneedecke sogar eine Höhe von Ws Meter. Die Erdarbeiter der ganzen Umgegend sind herangw ronen worden. um die dringenosren Ausräumung-^
arbeiten zur Herstellung von Wegen durch den Schnee vorzunehmen, auch Truppen beteiligten sich an diesen Arbeiten. In der Gegend von Mural sind die Bahnstrecken gänzlich verweht, so daß der Bahnverkehr einige Tage unterbrochen sein wird. Tie Reisenden müssen auf Umwegen über Clermont und Flours reisen. Oberhalb Mande Parade wurde ein Personenzug vom Sturm überrascht und konnte weder vorwärts noch rückwärts. Tie Passagiere fliichteteit in die Wagen erster Klasse und erwarteten Hilfe. Mit derselben Strenge wütet der Sturm auch im Departement Averyon, in den oberen Pyrenäen und in den Gebirgsgegenden der Ga- ronne. Die Kälte ist sehr empfindlich. Wie aus Cerbdre berichtet wird, wütet ein heftiger Nordsturm in Roussilon und in Katalonien. Zahlreiche Personenunfälle werden gemeldet. Auch in Marseille liefen Meldungen über den Schneesturm ein. Tie Arbeiten im Hafen werden hierdurch sehr erschwert. Biele Dampfer sind überfällig.
Zwei entsetzliche Mordtaten. Eine furchtbare Bluttat wurde in Marseille verübt. Ein Weinhändler tötete infolge eines durch Geldangelegenheiten hervorgerufenen Familienzwistes seine Mutter und seine Frau durch Revolverschüsie. Ter Mörder begab sich alsdann, mit einem Rasiermesser bewaffnet, in das Schlafzimmer seiner Kinder und schnitt dreien derselben im Alter von 3, 6 und 7 Jahren den Hals durch. Tie älteste, achtjährige Tochter flüchtete, wurde jedoch durch einen Revolverfchüß' ihres Vaters schwer verletzt. Der Mörder beging alsdann Selbstmord, indem er sich eine Kugel in den Kopf sagte. — Ein anderer vierfacher Mord wird ans Aurerres gemeldet. Zwei Bauernknechte, die auf einem Pachthofe des Schlosses Jülly seit Ostern angestellt waren, ermordeten ihren Brotherrn, dessen Frau und zwei Knechte: die Mörder flohen alsdann. Eine fünfte Person, welche zu Hilfe eilen wollte, wurde von den Mördern niedergeschlagen und für tot liegen gelassen. Die Person erholte, sich alsdann und konnte die Mörder angcben. Es sind zwei Schweizer im Alter von 16 und 19 Jahren. Sie hatteit den Pächter unter dem Vorwände, daß ein Stier erkrankt sei, ans der Wohnung gelockt und als dieser mit seiner Frau den Stall betrat, getötet. Tie beiden Mörder sind in einem in der Nähe von Jully gelegenen Gehölz, das umstellt war, ergriffen worden.
Ein maskierter Räuber in einem Eiscnbahnzug Samstagabend 9 Uhr wurde im Eilzug Nr. 9 kurz vor dem Bahnhof Beuthen bei dem Stellwerk 1 eine im Einzelabteil zweiter Klasse alleinreisenüc Dame von einem schwächlichen Mann, der eine Eisenbahnermütze und Maske trug, überfallen, mit einen: Revolver be- drobt und beraubt. Anscheinend ist der Mann, der sich im Zuge befand, aus der Toilette in eilt Abteil zweiter Klasse eingedrungen. Tnrch das Ziehen der Notleine brachte er den Eilzug zum Stehen und verschwand im Dunkeln. Seine Spur wurde sofort mit Polizeihunden ausgenommen. Entwendet wurde eine l-8wärze Damcn- tasche mit 300 Mark in amerikanischem Gelde, eine sehr wertvolle Damentrosche mit fünf großen Steinen und ein Gepäckschein Hamburg-Kattowitz. Man vermutet, daß der Täter die gleiche Person ist, die am 4. Dezember im gleichen Eilzug bei einem kurzen Aufenthalt in Königshütte ebenfalls eine Damenhandtaschc entwendet hat. Der Revolver, der gefunden wurde, enthielt noch eine Patrone, während drei abgeschossen waren.
Panik in einem Zirkus In Petersburg spielte sich int Zirkus Ciniselli beim Auftreten des Dompteurs Richard Sawade mit einer Gruppe von Raubtieren aus Hagenbecks Tierpark ein aufregender Vorfall ab. Eilte Togge berührte beim Sprunge über einen Tiger dessen Rücken, worauf der Tiger sich mit einem furchtbaren Wutgeheul auf die Togge warf und seine Zähe tief in den Hals des Hundes eingrub. Sawade brachte den Tiger durch mehrere wuchtige Schläge mit einer Eisen- stangc dazu, die Dogge freizugeben. Dann aber wandte sich der Tiger mit Gebrüll gegen seinen Bändiger. Bei den Zuschauern brach eine Panik . aus und mehrere Personen fielen in Ohnmacht. Die Menge drängte sich nach dem Ausgange, während Sawade, ohne die Geistesgegenwart zu verlieren, vor den Tiger trat und zwei blinde Schüsse in den Rachen hineinfeuerte, wodurch der Tiger gebändigt wurde und den Befehlen Sawades folgte.
Kleine Ghesnik.
Lady Churchill verschwunden. In London erregt das Verschwinden der 42 Jahre alten, durch ihre Schönheit bekannte Lady Churchill _ großes Aufsehen: Lcwy Churchill soll gaitz unter spiritistischem Einfluß gestanden haben.
Die Traucrfeier für die Opfer der Hamburger Explosionskatastrophc. Samstagmittag fand int Hafen- krankenhanse zir Hamburg eine Trauerfeier für die Opfer der Katastrophe in den Gaswerken statt. Außer deit Angehörigen waren auch Mitglieder der Deputation für das Beleuchtungswesen mit ihrem Präsidenten Senator strack zugegen. Hauptpastor Rohde hielt dtc Trauerrede. Von einer ungeheurcit Menschenmenge, begleitet, bewegte sich der- Zug mit zwölf Leichenwagen an der Spitze unter Glockengeläute zum Ohlsdorfer Friedhof, wo die Beisetzung in einem gemeinsamen Grabe erfolgte.
Entsetzliche Eifersuchtsszenen. Die infolge Eifersucht plötzlich irrsinnig gewordene Frau eines Hausierers in Budapest begoß ihre,: schlafendeit Mann ' mit Benzin und setzte ihn dann in Braltd, worauf die Frau flüch- tete. — In Mezoehegyes wurde der 22jährigen Bäuerin Mohacsi, der schönsten Frau des Dorfes, von ihrem wütenden Ehemann, der darüber erbost war, daß die Frau auf einer Hochzeit getanzt hatte, während er selbst als Taglöhner arbeiten mußte, mit einer Hacke beide Brüste abgehackt.
Zwei Beamte von einem Wilderer erschossen. Als der Flurhüter Uhler und der Gendarmeriewachtmeister Jäger zu. Mülheim a. Rh. nachts einen Wilddieb, der tags vorher beim Wildern den Flurhüter schon durch einen Streifschuß verletzt hatte, in dessen Wohnung per-
