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Vertag Laaggaffe 25/27.

„Tas>>lalt-Ha»S".

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2 TligeSlrusgabkN.

F«r«sp»echer-Rufr

„Lagblatt-H-us" Nr. S6Ü0-53. Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Sonntags bon S—14 Uhr vormittags.

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Nr. 341.

Wiesbaden, Samstag, 20. November 1SGS.

57. Jahrgang.

Morgen - Ausgabe.

_ 1. Matt.

Mas bringt der FandtüZ?

Im allgemeinen hört man übereinstimmend in den Ministerien, daß auf das fette Arbeitspensum der vori­gen Landtagssession ein an Quantität mageres folgen soll. In der zweiten Hälfte des Januar werden sich die Landboten zu löblichem Tun versammeln. Minister, Räte und Abgeordnete werden froh fein, daß sie die Be­soldungsfrage und die Regelung der Steuern nicht vor, sondern hinter sich haben, denn das war ein hartes Stück Arbeit. In der nächsten Tagung wünscht man mehr Ruhe, und soweit mau die Sachlage bis jetzt über­sehen kann, hat man „ruhestörende" Gesetze, die auch politisch erneut Zwietracht säen können, zurückgestellt. Zu diesen gehört vor allem der Entwurf über die F e u e r b e st a t tu n g, über den zwar weiter zwischen dem Ministerium des Innern und des Kultus verhan­delt wird, doch mit der bestimmten Absicht, ihn in der nächsten Session nicht vorzulegen. Wahrscheinlich würde er einen herben Zankapfel zwischen Konser­vativen, Zentrum und der Linken abgeben, die Natio­nalliberalen mit eingerechnet. Ta die neue Reichstags­majorität auch nicht gereizt werden soll, wird das Ge­setz eben nicht fertig. Ähnliches gilt vom F i d ei­komm iß g e s e tz, und auch der umfangreiche Entwurf eines neuen Wassergesetzes, das schon solange beraten wird, sowie das F i s ch e r e i g e s e tz werden nicht eingebracht werden. Diesem Minus an gesetz­geberischen Arbeiten steht aber ein Problem gegenüber, das von höchster politischer Bedeutung ist und an Wichtigkeit sicher alle Parlamentsvorlagen — auch die des Reichstags — weit übertrifft: die preußische Wahlreform. Sicherem Vernehmen nach sind bon zuständigen Dezernenten bereits Vorschläge ausgearbeitet worden, über die man sich zunächst in Schweigen hüllt. Ob der preußische Ministerpräsident den Schleier lüften, ob er sogar eine Vorlage einbrrngen oder nur bestätigen wird, daß die Wahlreform „im s^Iuß" sei steht bis letzt dahin. Tie Stellung der Par­teien zu dieser Frage ist ja bekannt. Die Konservativen haben bereits deutlich zu erkennen gegeben, daß sie rhr Vertrauen zu dem Kanzler nach dessen Stellungnahme

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Leigte bereits die gepanzerte Fau,t wahrend die Linke, einschließlich der N atrona lliberalen und des Zentrums, eine Wahlrechtsanderung stur- misch fordern. Auch die Freikonservativen wollen eine Reform. Man kann gespannt sein, wre dre Truge ver­laufen werden und wie der Reichskanzler als preußischer Ministerpräsident abschneidet. Es gÄ Stimmen, die ihm hierbei in Gedanken bereits den Leichenstein setzen!

FemlletE.

(Nachdruck verboten.)

Vogel ln Eis und ZchRse«

Bon A. v. Falke-Harttung.

Ms Maler Herbst die Bäume mit buntfarbenem Laube schmückte, da zogen die meisten unserer gefiederten Sänger fort, dem warrnen Süden entgegen Nur wenige bflcüu zurück bst uns zu überwintern. Aber dennoch herricht rn Wald und 5 ein reges Treiben? d-nn Not und Frost be- sream Scheu und Ungeselligkeit, welche sonst den kleinen ge­fiederten Waldbewohnern eigen sind. In kleinen Kolonien

und Naürungs-Erwerbsgenossenschaften finden sich nament­lich die Körnerfresser zusammen. Gemeinsam gehen sie auf £ Suche nach Le? Schlupfwinkeln und ertragreichen ©G&tPtPlt

Wit Vorliebe schlagen sw ihr Quartier in Parks und Porten auf, wo mitleidige Menschen Futter streuen, oder suchen auch dte Wege ab, aus denen WN emrge .rornlem und Brosamen zu liegen pflegen. Zutraulich kommm ^ dann, wenn die grimme Kälte gar zu sehr droh-, zu den Wohnungen der sonst so gefürchteten Menschen geflogen und picken bittend an die beschlagenen Fensterscheiben.

Allen voran sind natürlich die Sperlinge die,mehr als zutraulich, geradezu zudringlich geworden Mv Sie machen sich nichts daraus, in Ställe und Scheuern hmemzu,flegen wo sich ihnen reichlicher Tisch bretet. Doch unter den Fenstergüsten finden sich häufig schongefiederte ein, Ammern, Hänflinge, Zaunkönige und noch andere mehr. Amseln und Schwarzdrosseln trippeln in den Vorgartm Umher und sitzen des Nachts dicht aneinander geschrmeg. m d'-chtem Strauchwerk.

Schlechter als die Körnerfreffer sind die Insektenfresser daran. Wenn ein Frostmantel die Baumrinden umspannt, ergeht es ihnen gar schlecht. Vergebens versuchen die zier­lichen Merken mit ihren Scknäbelchen die Kruste zu durch-

Da man voraussichtlich den Landtag nur bis Ostern beisammen halten wird, ist auf eine umfangreiche Vor. läge kaum zu rechnen.

Jedenfalls wird ein Kanipf um das Wahlrecht, wenn nicht alles trügt, auch entbrennen, wenn keine Vorlage gemacht wird. Eine andere Frage, die brennend ist. betrifft die Steuerreform. die rm sogenannten Mantelgesetz zu den Besoldungsvorlagen vorgesehen ist. Da es sich zu bestätigen scheint, daß die in diesem Jahre bewilligten Mehreinnahmen durch Steuern zur dauern­den Deckung der Mehrausgaben aus dem B e s o l - dungsgesetz nicht, ausreichen, so ist es wohl mög­lich, daß neue Einnahmequellen in irgend einer Form erschlossen werden müssen. Welcher Art diese sind, darüber ist bis jetzt noch nichts zu erfahren. Jedenfalls ist anzunehmen, daß der neue preußische Etat einen nicht unbeträchtlichen Fehlbetrag aufweisen wtrd, wenn nicht Deckung geschafft wird. Die Aussichten sind also in dieser Beziehung wieder wenig rosig. Im übrigen wird der Etat den Aauptberatungsgegenstand bilden, der möglichst wirklich einmal bis zu Ostern fertig gestellt werden soll. Von sonstigen kleineren Vorlagen ist noch zu erwähnen ein Wegegesetz für Ost­preußen, eine Landgemeindeordnungsnovelle für die Rheinprovinz, ein Gesetz sür den Schutz prähistori- s ch e r Ausgrabungen und Denkmäler usw. Ob in der Ostmarkenpolitik das Verbot der Privatpar­ze l l i e r n n g an das Parlament gelangen wird, steht vorläufig noch dahin. Ter Entwurf ist im wesentlichen fertig, aber das Staatsministerium hat sich noch nicht über die Fassung des Inhalts und seine Einbringung schlüssig gemacht. Hiernach würden die Wahlreform, eventuell neue Einnahmequellen und die Etatsberatung

xm Vordergrund stehen.

der parlamentarischen Tätigkeit

Pie UeMlschM des KMMgWfs!n Frankreich.

Paris, 18. November.

Ter Kampf des katholischen Klerus gegen die staat­lichen Schulen nimmt immer größeren Umfang an, und man sieht bereits deutlich, daß auf diesem Terrain ein entscheidendes Treffen zwischen Ultra­montanismus und Freidenkertum stattfinden soll. Tie Vorschriften des Episkopats an die gläubigen Eltern, die in dem vielbesprochenen „Pastoralschreiben" enthal­ten waren, haben bereits ihre praktische Durchführung in zahlreichen Pfarreien gefunden. Aus allen Ecken Frankreichs kommt das Echo nach Paris, daß der kleine K l er u s gegen die D o r f s ch u l e und den Lehrer mobilmacht. Die Pfarrer erklären den Eltern, sie würden sich weigern, den Kindern die Kommunion 'i>enn diese weiter trt der Schule nach näher bezeichnten Geschichts- und naturwissenschaftlichen B'üchern unternd)tei lvürden. Hendaye nahe bei

brechen und zu den zwischen der R-mde verborgenen In selten und Käfern zu gelangen. Da trippeln sie denn durch das raschelnde Laub und werfen die Blätter um, ob sich unter ihnen etwas findet.

Einige wenige Insekten sind auch noch im Schnee zu finden. So die Schneeflöhe, die in großen Mengen auf treten. An wärmeren Mntertagen Hüpfen Taufende der winzigen Tierchen über die weißen Schneeflächen. Sie ge hören zu der Gattung der Springschwänze und bewegen sich fort, indem sie eine am Hinterleib bescstigte Gabel gegen den Boden schlagen, wodurch sie hoch und weiter geschnellt werden. Als Unterschlupf dient ihnen das modernde Laub.

Ab und zu finden sich auch Exemplare einer flügellosen Fliegenart im Freien. Es ist dre Chionea, im Volksmund ...Spinnenfliege" genannt, nicht weil sie wie ihre bsilügelten Gattungsgenoffen von Spinnen gefressen wird, sondern weil sie rnit ihren behaarten großen Beinen einer Spinne ähnelt.

Einen besonderen Leckerbissen für die Insektenfresser bedeutet eine Schneckenart, die ebenfalls den Winter über munter bleibt und die konkurrenzlose Zeit dazu benutzt, andere schlafende Schnecken zu. verspeisen.

Der ums Dasern Nimmt eben rm Wrnter, da die

Natur mit ilncn Gaben geizt, viel krassere Formen an, als in den andren Jahreszeiten. Nun stürzen sich außer Habicht, Sperber und Häher auch Raben Dohlen und Krähen aus die kleineren Vögel, deren im Wmter über 70 Prozent diesen Feinden und Frost und Hunger erflogen.

B's in die Wohnungen hrnern verfolgen die Raub­vögel ihre Beute. Hunger und Jagdgirr ertöten jede Furcht. Auch der Katze ist es nun leichter gemacht, ab und zu einen der fliegenden Leckerbissen zu erhaschen, und selbst Menschen sind oft brutal genug, die Not der armen Vöglein sich zu nutze zu machen, indem sie die frierenden, hungernden Der­lei,r anlock-n und gefangen nehmen.

Schule uiid Tierschutzvereine sind bestrebt, die Not der Vögel im Winter zu lindern. Es find in dieser Hinsicht auch schon recht schöne Resultate erzielt worden; aber cs geschieht doch noch viel zu wenig, trotzdem es so einfach ist, den Baumgästen, die im Sommer durch ihren frischen Ge­sang und ihr munteres Treiben uns entzücken, zu helfen-

spanischen Grenze wurde auf Anweisung des Bischofs von Bayonne sogar den Müttern der die Volks­schule besuchenden Kindern die Absolution verweigert: sie antworteten, wie schon mitgeteilt, in einer nicht ganz frommen Weise: Als die Pfarrer ihren Rundgang zup Erhebung des Kirchenbeitrags machten, mußten sie hören: „Keine Absolution! Kein Geld!" Aber in

anderen Gegenden riefen die Drohungen des Klerus große Aufregung hervor; in Burgvillain (Departement Saöne-et-Loire) verlangten die katholischen Familien­väter vom Präfekten die Abberufung des Lehrers, „da- mit die Ruhe wieder in die von der religiösen Frage schon so sehr gestörte Gemeinde einkehre". In Curtil im selben Departement erklärten sechs Schülerinnen der Mädchenschule, auf Anweisung ihrer Mütter würden sie nicht mehr am Geschichtsunterricht teilnehmend weil das Lehrbuch vom Herrn Bischof verdammt wor­den sei. Der Direktor entließ die Kinder auf drei Tage, und der Schulrat wird darüber beraten, ob man die Kinder nicht zur Strafe einen Monat aus der Schul« verbannen soll. In Notre-Dame-l'Osier (Tep. Jsäre)! verlangten die Eltern vom Lehrer, er möge nur vom Bischof gutgeheißene Büchen verwenden. An ande^ ren Orten v e r b r a nn t e n die Pfarrer auf öffent­lichem Platze feierlichst die von den Schulkindern natürlich mit Ergötzen herbeigetragenen Bücher. Von der Kanzel herab verlesen die Pfarrer Rundschreiben ihrer Bischöfe, die Eltern hätten die Pflicht, so schnell wie möglich ihre Kinder aus jenen Schulen herauszu­nehmen, wo verbotene Lehrbücher angewandt würden. Das Rundschreiben im Jsäre-Tepartement enthält folgende Stellen: „Die Bischöfe erinnern di«

Eltern, daß es ihr Recht und ihre Pflicht ist, ihre Kinder aus der L a i r.n s ch u l e herauszunehmen, und das so schnell wie möglich, am besten schon morgen. Es wird den Eltern von den Bischöfen, den einzigen tu- dieser Angelegenheit autorisierten Richtern, streng verboten, die Kinder in die Knabenschule von Oster zu schicken, bis das jetzige Geschichtsbuch zurück­gezogen wird. Diese Erklärung legt den Eltern eine Pflicht auf, die zu übertreten eine schwere Verfehlung wäre; es wäre uns nicht erlaubt, ihnen die Absolution zu geben. Tie Kinder aber würden nicht die Erst- kommunion erhalten. In solchen Dingen kann es kein« halben Maßregeln geben. Man ist Katholik oder ist eS nicht. Die Wahl steht frei; wenn man aber gewählt hat, muß man auch seine Pflichten mit seiner Über­zeugung in Übereinstimmung dringen."

Die Prozesse der Lehrerföderation gegen die einzelnen Bischöfe wegen der im Pastoralbrief gegen die staatliche Lehrerschaft enthaltenen Beleidigun­gen haben begonnen, so in Rodez gegen den Bischof de Ligonnes, der nicht zur Verhandlung erschien. In Lyon trat eine Versammlung des Episkopats des süd­östlichen Frankreichs unter dem Vorsitz des Kardinals

Zusammengeschichtete Reiser in Hof und Garten bilden einen willkommenen Unterschlupf und Schutz gegen die cälte. Körner, Grütze und Weizenkrume auf ein von Schnee gesäubertes Plätzchen oder die FensterbäMe gelegt, brechen die Lchrecken des Hungers. Will man ein übriges tun, so werfe .man Krautreste und nicht ganz abgeschabte .Knochen weiter yinaus aufs Feld, ben Krähen und Raben zum Fräße. Manchem der kleinen Vögel ist damit das Leben gerettet.

Sehr wenig bekannt ist, daß eine Vogelart im Winter brütet. Der Kreuzschnabel nämlich. Nicht achtend der Kälte und des Schnees baut er an geschützter^ Stelle rm Wipfel der Nadelbäume sein Rest und zieht seine abge­härteten Jungen groß. Der Kreuzschnabel ist also ein rceyte«

Wintervogel. _, , . .

Der Kalte angepaßt hat sich auch der Schneefmk, de-, cn

„o® winsia s'Strauchwerk wächst. In denselben Gegenden lebt das Schneehuhn, das im Spätherbst gleich den Eis­bären nsw. eine ioeiße Färbung anmmmt, um Nach­stellungen leichter zu entgehen. Um Nahrung zu finden, aräbt e.£ sich tvdlc Gänge m den Schnee.

Von den Insekten ist es wiederum ern Floh, der in der Gletscherwelt sein Dasein auf wundersame Weise fristet. Er friert in das Eis ein, hüpft jedoch, sobald das starre Wasser schmilzt, munter umher, friert wieder ein und so wiederholt sich das Spiel im Kreislauf.

Die Beobachtung dieses Insektes und vielleicht auch anderer Lebewesen mögen Aristoteles zu der irrigen An­nahme verleitet haben, daß auch ein Teil der Vögel ein- friert, um bei wärmerer Witterung zu neuem Leben zu er­wachen. Jedenfalls hat er diese Ansicht ernsthaft berichtet. Da-z sie derzeit geglaubt wurde, kann bei der damaligen Unkenntnis in naturwissenschaftlichen Dingen nicht weiter wundernehmen. Unfaßlich ist nur, wie eine im Jahre 1808, sage und schreibe im 19. Jahrhundert, herausgegebene! Naturgeschichte von Helmuth ebenfalls die Mär von den im Winter erstarrenden, im Frühjahr wieder auflebenden Vögeln ihren Lesern auftischt.