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Verlag Langgaffe 25/27.

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Nr. 513.

Wiesbaden, Mittwoch, 3. November 1Ö09.

87. Jahrgang.

Morgen - Ausgabe.

1. gSCaft. _

Abrssmien.

Mit dem seit Monaten schwerkranken und bereits einigemale totgesagten Negus Menelik scheint es, wie wir schon mitteilten, jetzt tatsächlich zu Ende zu gehen, ein neuer Schlaganfall soll ihn derart schwer getroffen haben, daß der designierte Thronfolger zum Nachfolger gesalbt und vereidigt wurde, während der V i z e k ö n i g Tassama als Vormund und Reichsverweser bestallt wurde. Menelik war ein tatkräftiger Herrscher, der es verstanden hat, das von inneren Bürgerkriegen durch­wühlte Land zu einigen und bei aller Selbständigkeit der einzelnen Vizekönige doch die Zügel straff zu führen und das Land einer gedeihlichen Entwickelung entgegenzuführen. Es ist ja wohl noch erinnerlich, wie die Italiener sich bei den Grenzstreitigkeiten in Mafsaua blutige Köpfe holten, als man Abessinien den Krieg erklärt hatte. So gefestigt . die Herrschaft Meneliks selbst war. so bestand doch eine schwere Gefahr für den weiteren Zusammenhalt des abessinischen Reiches bei seinem eventuellen Tode, denn die Regelung der Thron- folgefrage ist in Ländern derartigen Schlages meist eine recht schwierige Sache, bei der es nicht ohne leb­hafte Differenzen und vielfach auch nicht ohne Blut­vergießen abgeht. Die Gemahlin Meneliks, die Kaiserin Taitu, eine herrschsüchtige und reaktionär gesinnte Frau, suchte die Nominierung des jetzigen Thronfolgers Lidi Jcassa mit allen Mitteln zu Hintertreiben, weil sie einen anderen dafür in Aussicht genommen hatte, durch den der Fortbestand ihres Einfluß gesichert ge- ivesen wäre. Sie ist aber zum Glück nicht durchgedrun- ßert, der Einfluß Tassamas überflog, und das ist ein erfreuliches Ergebnis, denn der Genannte ist ein auf­geklärter Mann, der die wirtschaftliche Er­schließung Abessiniens anstrebt, und dabei viel für Deutschland übrig hat. Er verfügt, allen Meldungen nach, auch über eine tüchtige Portion Energie, die von großer Wichtigkeit ist, weil andernfalls die Möglichkeit nicht ausgeschlossen wäre, daß der eine oder andere Vizekönig sich doch selbständig zu machen trachten würde, trotz der großen Vorrechte, welche die Vizekönige schon jetzt genießen. Die Gefahr eines Bürgerkrieges ist da­durch in weitere Ferne gerückt und au öen Fortschritten des Landes kann tatkräftig weiter gearbeitet weiden.

Man weiß, daß die Europamächte schon seit langem ihr Augenmerk auf Abessinien gerichtet baden, insbe­sondere sind es England und Frant reich, und auch Rußland suchte durch eine etwas abenteuerlich ge­färbte Gesandtschaft dort an Terram zu gewinnen. Zwischen Frankreich und England ist es um Abesstmen schon zu recht lebhaften Auseinandersetzungen gekommen.

Feuilleton.

(Nachdruck verboten.)

Hubertustag.

Von Ernst Schlotfeldt.

Der Namenstag des Heiligen Hubertus, des be­kanntesten Kalenderheiligen uW s-chutzpatrons_ der Jäger und der Jagd, ist ein Feiertag im Leben wdes Jägers. Mag er auch Tags zuvor, am Allerseelentage, in tiefer Trauer am Grabe eines seiner Lieben ge­standen haben; wen nicht die zwingendsten Grunde zu Hause halten, den zieht es doch am 3 -. vcobembev un­widerstehlich hinaus, sei es, um auf, sicherem Hunter dem Geläuf der den Keiler jagendem vielköpfigen Meute zu folgen, oder im Kreise froher Weidgenosien, wie es in vielen Gegenden der Brauch, den Fasttag durch das erste Wald- und ein anschließendes Schusseltreiben wür­

dig zu begehen.

Ter Hubertuskultus stammt aus Frankreichs Dort wurde von alters her der 3. November durch glänzende Parforcejagden gefeiert. Getagt wurden dabei nur starke Hirsche. Die deutsche Art, den Hrrsch mit Hilfe des Leithundes beim Pirschen mit, Armbrust bezw. Kugelbüchse zu erlegen, verachteten die Jäger jenseits der Vogesen als nicht ritterlich, wie sie noch heute die deutsche Pirsch auf den Edelhirsch, bei uns als Meister­stück des hirschgerechten Jägers angesehen, alsv e r - abscheuungswürdigen Mord", assassin dötestablc so, zu lesen in der Jagdzeitung des Monsieur Bellecroix bezeichnen! Der alte französische Brauch ist auch nach Deutschland verpflanzt und wo irgend angängig,, wird der Hubertustag durch eine Parforcejagd gefeiert. Fehlt es an einer Meute, so muß dieSchnitzeljagd", die, von englischen Offizieren während der Belagerung von Sebastovol erfunden, um

die politische Arbeit zu befähigen, damit sie innerhalb ihrer politischen Parteien die Forderungen oder Wünsche der Beamten mit Erfolg zu vertreten imstande sind. Die Idee reiner Beamtenkandidaturen ist endgültig fallen gelassen. Auch die Beamien-Wahlvereine, die sich in den Beamten­kreisen nur geteilten Beifalls erfreuen, dürften durch die Gründung des Bundes überflüssig werden. Wie wir er­fahren, ist die Form eines wirtschaftspolitischen Bundes deshalb gewählt worden, weil sie am wenigsten eine behördliche Einmischung zuläßt. Es würde einer Ver­fassungsänderung bedürfen, wenn man gegen einen der­artigen Bund einschreiten wollte. Im übrigen kann man der Gründung immer neuer Jnteressenbünde, die den poli­tischen Parieren ins Konzept fahren, mit gemischten Ge­fühlen gegenüberstehen und Wird doch, was den Groß­grundbesitzern, Industriellen und Bauern recht ist, auch den Beamten gegenüber billig finden müssen.

Sprachenparagraph und Seelsorge.

Der Sprachenparagraph des Reichsvereinsgesetzes wird jetzt sogar auf das Gebiet der Seelsorge ausgedehnt. So ist in Essen eine von dem katholischen Geistlichen Bertyn ver­anstaltete Zusammenkunft polnischer Reservisten aufgelöst worden, weil Herr Bertyn sich dem Verlangen, die beabsich­tigte religiös-moralische Ansprache in deutscher Sprache zu halten, nicht fügte. Bertyn ist katholischer Geistlicher deutscher Nationalität, und hat auf Wunsch der kirchlichen Behörde das Polnische erlernt, um die Polen in Essen zu pastorieren. Daß zur seclsorgerischen Behandlung der Polen deutsche Geistliche ernannt werden, bedeutet ein Ent­gegenkommen an die Regierung. Eine Agitation nationaler Arr ist in solchem Fall natürlich ausgeschlossen. Die Polizei- Verwaltung hatte die Kenntnis von der Zusammenkunft durch eine Anzeige imWiarus polski erlangt. Sie stellt sich auf: den Standpunkt, daß die Versammlung einepoli­tische" hätte werden können. Das hätte indes doch abge,- wartet werden müssen.

JerrLsch * a,rds MarinepolMK.

Vizeadmiral z. D. V a I o i S beginnt im November- Heft derDeutschen Stundschau" mit der Veröffentlichung eines Essays über die Marinepolitik der Großmächte. Von besonderem Interesse find darin die Ausführungen, die sich auf die Natur unserer Marinepolitik gegenüber Groß­britannien und auf deutsche Kritiker unserer Kriegsschiffsbauten beziehen. In ersterer Hinsicht geht Vize­admiral Valors von der Tatsache aus, daß England das einzige Land der Erde sei, welches jedem einzelnen Gegner gegenüber die Seeherrschast behaupten könne und für abseh­bare Zeiten behaupten werde. Deutschlands Flotte habe die Bestimmung, im Frieden unseren Handel über See zu schützen, zu fördern und die Verbindung mit den Kolonien zu unterhalten. Im Kriege müsse die Flotte außerdem die gegnerischen Seestreitkräfte Niederhalten und dem Feinde möglichst viel Abbruch tun. Allen anderen Seemächten gegenüber England ausgenommen könnten wir dies bereits durchführen oder würden es nach der Erledigung.

die Langeweile zu kürzen, im Laufe der Zeit auch in deutschen Garnisonen Eingang fand, als Notbehelf für eine wirkliche Parforcejagd herhalten.

Mit besonderem Glanz wurde der, Hubertustag am Hofe des sonst so svarsamen Königs Friedrich Wilhelm I von Preußen gefeiert. Seine Passion war so groß' daß er die hundert Parforcehunde der Meute alle ein- äelu beim Namen kannte. Um die großen Kosten des Unterhalts derFagd-Egmpage' etwas wieder einzu- orrngen, erfand der König als guter Rechenmeister ein drastisches Mittel: Wenn rer den großen Saujagden manchmal Hunderte von sauen an einem Tage erlegt Maren, so mußten die Juden in Berlin das etwa nicht unterzubringende Wild zwangsweise übernehmen und nach einer hohen Taxe bezahlen, und wenn der König nachher hörte, daß strenggläubige Juden die Sauen als nicht koscher an die Armen verschenkt hatten, so freute er sich doppelt ob des guten Geschäftes.

Das Unglücksjahr 1806 lreß die Parforcejagden wnb mit innert btc bcrfc^minbcn.

Erst unter der Regierung dos alten Kaisers Wilhelm wurde sie durch den Prinzen Karl wieder eingeführt. Wie die Paraden des Gardekorps aus dem Tempel­hofer Felde war lange Zabre die Hubertusjagd im Grunewald für jeden echten Berliner ein Volksfest, bei dem er nicht fehlen durfte. Zu pausenden strömten die Leute hinaus, oft so zahlreich, daß durch sie die Jagd ganz vereitelt wurde, trotz der vielen Gendarmen, die vergeblich Raum zu schaffen luchten. Schließlich nahinen die Übergriffe des süßen Pöbels derart zu, daß ans Be­fehl des fetzigen Kaisers die Hubertusjagden nur noch im Gelände des Truppenübungsplatzes Töberitz ge­ritten werden.

Über dcii Ursprung der Hubertuslegende und den Heiligen selbst gibt cs verschiedene Lesarten. Nach der einen wäre St. Hubertus, der eigentlich Hngbert hieß, um das Jahr 656 als Sahn des fränkischen Herzogs Bertrand von Aquitanien auf einem Kastell in der

Gascogne geboren. Er trat in die Dienste des mächti­gen Herzogs Pipin von Heristal und wurde von ihm znm Pfalzgrafen ernannt. Tie Jagd war seine Leidenschaft und Hauptbeschäftigung, und wochenlang blieb er von Hoi und Gattin fern, um nur zu tagen, bis er ein Abenteuer erlebte, infolgedessen er der Jagd ent­sagte. Alte Biographen erzählen den Vorgang also: Im Frühjahr des Jahres 685 war er mit einigen Weid­genossen von Amberloup (im heutigen Belgien) in die Ardennen zur Jagd geritten. Tie Karwoche hielt ihn nicht zurück, und selbst am Karfreitagmorgen war er binausgezogen zunl Jagen. Aber der grotze^llrwald der Ardennen schien heute wie ausgestorben. Ltunbenkang hatte man gejagt, als der Pfalzgraf endlich einen un­gewöhnlich starken weißen Hirsch erblickte. Bei der Ver­folgung wendet sich der Hirsch plötzlich um, und der Jäger sieht zwischen den Geweihstangen des Hirsches ein Kruzifix. Hubert stürzt besinnungslos vom Pferde, und die Hunde weichen mit eingekniffenen Ruten angstvoll vor dem Hirsche zurück, öo wird er von seinen Jagdgefährten gefunden. Wieder zu sich ge­kommen läßt er alle Jäger die Jagd abbrechen und reitet still nach Heristal zurück. Seine Jaadleidenickmtt ist verflogen, und als ihm auch seine Gattin durch den Tod entrissen wird, verschwindet er vom Hofe Pipins

8. SAÄ «rn/"üsi? t«M mit tan

Hirsw das heutige Kloster Andain in den Ardennen er selbst aber fuhrt als Einsiedler im Walde ern Büßer-

ir^ Cn nUrrorf ^-lvgt Jahre im Gebet und Fasten. Dann Pilgert er zu nach Rom, und der Papst

J ernennt den büßenden Pfalzgrafen zum Nachfolger des ermordeten Bischofs Lambert von Mastricht. Als solcher begründete er u. a. die heutige, wegen ihrer Waffenindustrie berühmt gewordene Stadt Lüttich und wirkte lange Jahre hindurch in segens­reicher Tätigkeit, namentlich durch Bekehrung vieler Ureinwohner der Ardennen zum Christentum.

Der Name St. Hubert findet sich in Frankreich und

speziell, sind es Bahnprojekte, die den Gegenstand des Haders bilden. Aber auch politischen Einfluß hat man zu gewinnen gesucht, aber Menelik war ein sehr schlauer Herr, der sich von niemand einseitig ins Schlepptau nehmen ließ, sondern da Anschluß suchte, wo er seinen Vorteil fand und je nach dem ihm geboten wurde, stand er bald auf der einen, bald auf der anderen Seite. Neuerdings scheint es, als ob auch Deutschland in Abessinien an Terrain gewonnen habe, dank der ruhig aber zielbewußt dort arbeitenden deutschen Gesandt­schaft. Natürlich kann es sich für uns nur um wirt­schaftliche Vorteile handeln, irgend einen politischen Einfluß gewinnen zu wollen, liegt uns fern, es hätte wohl auch absolut keinen Zweck, sondern könnte uns höchstens Reibungen mit Franzosen und Engländern einbringen. Sind diese doch ohnehin schon mißtrauisch genug gegen uns und wittern hinter der deutschen Kon­kurrenz alle möglichen abenteuerlustigen Pläne. Bringt es doch beispielsweise sogar ein sonst ernstes englisches Blatt fertig, den jüngsten Putsch in Griechenland in Verbindung mit Deutschland zu bringen, indem man kühn behauptet, die Militärliga handle im Einver­ständnis mit den maßgebenden Stellen, welche wünsch­ten, daß nach Verdrängung des Königs Georg Prinz Christoph unter Regentschaft der Kronprinzessin, einer Schwester des deutschen Kaisers, die Regierung übernehme, ein U n s i n n, der trotzdem in England und vielleicht auch anderwärts ein gläubiges Leser­publikum findet. Man wird gut tun. die weitere Ent­wickelung der Dinge in Abessinien mit Aufmerksamkeit zu verfolgen und es ist leicht möglich, daß es dabei nicht ganz so glatt vonstatten geht, vielleicht weniger aus internen Angelegenheiten als vielleicht infolge des Strebens der Mächte, sich in Abessinien gegenseitig den Rang abzulaufen.

UolMsche Mevstcht.

Der Lnnd dev FeMelswrterr.

ll. B e r l i n, 1. Novemtber.

Am Sonntag ist in Berlin ein Bund- der Festbefoldeten gegründet worden, _ eine wirtschaftspolitische Organisation ,der Beamten, die in gleicher Linie steht oder stehen will mir dem Bund der Landwirte und dem Hansabund. Es handelt sich darum, die Beamten (Reichs-, Staats-, Gemeinde-, Privatbeamte) zusammenzuschließen. Die Vor­bereitungen waren in der Stille getroffen worden; Be­sprechungen in den meisten größeren Städten hatten ein Ergebnis gehabt, das die Einheitlichkeit des Vorgehens ver- bürgte.^ So kann man denn mit der fertigen Tatsache vor die Öffentlichkeit treten. An der Spitze des Bundesaus­schusses steht u. a. und vorläufig Chefredakteur I. Coböken. Die neue Organisation sieht, neben der unmittelbaren Ver­tretung der Beamteninteressen, eine ihrer Hauptaufgaben darin, die Mitglieder politisch zu schulen und sie für