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Wiesbaden, Mittwoch, 27. Oktober IVOS.
87. Jahrgang.
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Das ©racöius der silTlschen fanölaosinalilen.
Aus dem Königreich Sachsen erhalten wir folgende wertere Betrachtungen und Mitteilungen über die dortigen Landtagswahlen:
Das Wahlergebnis war für alle eine Überraschung, am meisten wohl für die Träger des Erfolges, die National liberalen und die Sozialdemokraten. Niemand hat diesen Ausgang vorausgesehen. Auch ganz nüchterne Beurteiler der sächsischen Verhältnisse fürchteten eine neue Befestigung der konservativen Herrschaft durch das Pturatwahlrecht, das an Stelle des alten Dreiklassenwahlrechts als ein neuer konservativer Mechanismus ausgeklügelt worden war.
Am offensichtlichsten ist die Niederlage der sächsischen M i t t e l st a n d s v e r e i n i g u n g. Gestützt von den Koiliervatweii, wollte sie sich im neuen Landtage ats wrrtstvaftüch^ Vereinigung , auftun. Es ist ein großes „ 2t. ' ^Sachsen vor dieser Neugründung bewahrt geblieben ist. neben den Agrarkonservativen wäre sie
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aeiüonVn C m it t g fuv leben gesunden Fortschritt
m-n s^, Äte ^ o bie Mittelstandsvereini
gung au^ ihrer Niederlage die Lehre und läßt davon ab.
vach harlainentarischeli Erfvlgen zu ringen. Sie sollte sich auf ihre eigensten Aufgaben besinnen, die ihr unsere wirtschaftliche Entwicklung zuweist: Förderung des
handwerkerlichen und gewerblichen Mittelstandes durch Ausbau des G e n o s s e n s ch a fts - Wesens und tüchtige Fachbildung. Im günstigsten Falle können die Konservativen im ganzen 36 von 91 Sitzen erobern. Wahrscheinlich aber'werden sie einige noch an andere Parteien verlieren.
Entscheidend auf das Wahlresultat wirkte der Ausgang der R e i ch s f i n a n z r e f o r m. Die Steuermacherei des schwarz-blauen Blocks führte die verbitterte Masse des Volkes der Sozialdemokratie 2 ,, werden noch einige Mandate in der Stichwahl zufallen. Das. Bürgertum sammelte sich unter der Fahne
Femüetorr.
(Naffidruck verboten.)
5lM MeNSNsmuö.
(Ein Besuch im Bienenmuseum von Thekla.)
Von Heinrich Greter.
Ein Museum ganz eigener und auch wohl einziger Art in Denlsch.and, oejjün kleiner bescheidener Bestand als An- schauungs und Gcbrauchsmat rial zu den vornehmsten Insekten, den Bienen, in Beziehung siebt und über deren Leben, Staat, Wesen und Zucht v.el Belehrendes bietet, lockte mich zu einem Besuch. Die Räume des Museums, zwei Stuben von mäßiger Größe, befinden sich unt.n in einem allen Giebelhause, das als Hauptgebäude eines kleinen Gutes an einer Dorsstraße in Thekla bei Leipzig sehr hübsch liegt, wenn auch w.nig günstig für d n Fremden Der Vorsteher d s Bicnenmuseums. Polter, ein freundlicher Mann und erfahrener Bienenzüchter, führte mir Stück für Stück den Besitz des Museums vor, erklärte den Gebrauch der zur Zucht erforderlichen praktischen Gegenständ- und ,r zahlte daneben vieles von Bedeutung ans d m Leben und Staat der - Bienen. So wurde mir gezeigt, wie aus zwei Teilen Kristallzucker und einem Teil Wasi r das Wint rfulter für die Bienen hergestellt wird; ich lernte den Gebrauch der verschieden n Futterapparate verstehen,' Rauchapparate darunter selbstfunktionierende, die dazu dienen, die Bienen beim Arbeiten am Stand von sich fern zu halten, waren zu sehen; Waben Verschiedener Größe und Art. natürliche Äff PU neu (weißgelblich gefärbt), zum anderen Tell/" (hell- bis dnnkelbrauni. wurden als Bauten von höchster Zwickmapigkert bewundert. Ich nahm nacheinander eunge in die Hand zunächst eine natürliche, das heißt eine solche, zu de- die Menen das Material, das Wachs selbst gelicseA haben dann eine künstliche, für die der Züchter das Material rn Form einer etwa ?tr>ci m.- s. • an4-„, .
dicken Wachsscheibe, die in ihren Größcnvcrbältnisten del
£?JÄ KW fiJt» % ff:
der Nationalliberalen, es wollte gegen die Ablehnung der E r b s ch a s t s st e u e r protestieren. Dabei war es ihm gleichgültig, daß die sächsischen Konservativen für die Erbschaftssteuer eingetreten waren. Das Bürgertum kümmerte es aber auch nicht, daß die Nationalliberalen in Sachsen unter konservativer Führung fast alle Gesetze mitgeniacht haben, daß sie mit den Konservativen zusammen das Pluralwahlrecht geschaffen und an dem sächsischen Volke ebenso unrecht wie die Konservativen gehandelt haben.
Unter diesen Verhältnissen sich zwischen Nationalliberalen und Sozialdemokratie zu behaupten, war für die Freisinnigen eine sehr schwere Aufgabe. Tie Wiederwahl der drei bisherigen Vertreter der freisinnigen Volkspartei, Günther, Bär und Roch, ist gesichert, in vier anderen Wahlkreisen steht die Volkspartei in ebenfalls aussichtsreicher Stichwahl.
Weniger gut hat die freisinnige Vereinigung abgeschnitten, die bisher im sächsischen Landtage noch keinen Vertreter hatte.
Es ist dringend davor zu warnen, das Ergebnis der sächsischen Landtagswahlen allzu optimistisch z« beurteilen. Tie konservative Mehrheit ist zwar beseitigt, aber jeder Fortschritt wird in der Hauptsache davon ab- hängen, ob die Nationalliberalcn gewillt sind, eine wirklich l i b c r al e Politik durchzuführen, und ob die Sozialdemokraten auch im sächsischen Landtage Agitationsreden halten oder reell Mitarbeiten wollen. Die Freisinnigen werden es gewiß nicht an sich fehlen lassen.
Politisch? Übersicht.
Ci»» Schlag ins Wasser.
, bei Eröffnung der Genssraksynode
hat be r ^rafibcnt ties Oberkrrchenrotes bie tmereffartfe aber für ihn, für seine Behörde und für die hochwürdige Generalsynode tief schmerzliche Mitteilung geinacht, daß ‘ 5er ,^/hvrgegangenen außerordentlichen @enc= ralsynode beschlossene Gesetz über die Pfarrer- k 6 L c ! u ** 9 " rcht. erlassen werden könne.
---as Gesetz hat in weiten kirchlichen Kreisen große Erregung verursacht, weil es tief in die Rechte bisher zur Pfarrbesetzung Berufener, insbesondere der wahl- berechtrgten Gemeinden, eingriff. Man hat sich oamal-, nicht um die dagegen gemachten Einwendungen
unberücksichtigt gelassenes Cr- dwLustiminung der Rheinischen und der
»inriS's!! 1 ^node, ist durch eifriges Bemühen des des Oberkirchenrates erreicht. Und nun
i» „rr ^berkirchenrates erreicht. Und nun ist doch alles ganz u in s 0 n st gewesen.
äataa.sministerium veriveigert seine Zustrm- mung zum Gesetze, die der Generalsynodal-Ordnung
nach erforderlich ist. Und zwar aus einem Grunde, der, wie auch der Präsident des Oberkirchenrates nicht be- stneiten konnte, zutreffend und, was noch schlimmer, nicht zu beseitigen ist. Das Gesetz hat einen unheilbaren juristischen Fehler. Eine Anzahl wichtiger Bestimmungen enthalten Einschränkungen des P a t r 0 n a t s r e ch t e 3. Diese waren höchst unbillig, weil Rechte genommen wurden, ohne die ihnen entsprechenden Verpflichtungen zu ermäßigen, aber sie konnten auch überhaupt nicht durch Kirchen- gesetz, sondern nur durch ^oiaatsgesetz vorgenom- men werden. Und was das Schlimmste ist, dieser Fehler kann auch dadurch nicht beseitigt werden, daß die ohnehin für ein solches unbilliges Gesetz schwerlich zu erreichende Zustimmung des Landtages eingeholt Ware, denn durch Artikel 17 der preußischen Verfassung ist bestimmt: „daß über das Kirchenpatronat und die Bedingungen, unter welchen dasselbe aufgehoben werden kann, ein besonderes Gesetz ergehen kann."
Das bedeutet, daß das Patronatswesen nur durch ein umfassendes Gesetz im g a n z e n geordnet werden soll, daß also nicht einzelne Änderungen getroffen werden können. Die in dem Kirchengesetz enthaltenen Änderungen können also überhaupt nicht Gegenstand eurer Einzelgesetzgebung sein. Die hochwürdigen Mitglieder des Oberkirchenrates und die Generalsynode haben nicht an die Verfassung gedacht. Ganz natürlich, sic ist »a bald 60 Jahre alt und so lange ist die Neuordnung des Patronatswesens vergessen gewesen — wie so vieles andere, was den Preußen durch die Verfassung zngesagt worden ist. Nun ist sie doch einmal lebendig geworden und verhindert großes Unrecht.
Der Präsident des Oberkirchenrats weiß, wie er erklärte, noch nicht, was in dieser Sachlage geschehen soll. Er behält sich weitere Mitteilung vor. Sie wird nur darin bestehen könneu, daß das Gesetz als interessante Ruine dem M n “u m des Oberkirchen r a t 8 ernverleibt fet und daß man sich überlegen werde, ivie man auf anderen Wegen den Zweck erreichen könne, den Kirchenbchorden größere Besetzungsrechte zu gewinnen.^_Ser Ruhm der Juristen des Oberkirchenrats
ln der Syiloüe wird durch diesen Ausgang einer mir bielem Pathos betriebenen Aktion nicht gerade erhöht werden.
ImrgksnservutiVe.
Das Verhalten der Konservativen bei der Reichsfinanzreform hat bekanntlich viele Mitglieder der Par-^ tei und gewiß nicht die schlechtesten zum Austritt der. aylaßt. Andererseits sind manche mit jenem Verhalten nicht Einverstandene gewillt, innerhalb der Partei andere Grundsätze als die von den parlamentarischen Vertretern befolgten zur Geltung zu bringen. In einer Versammlung des Bürgervereins „Herold" zu Berlin
weißlichen Ton, die künstliche einen gelblichen: mit dem Gebrauch verwischt sich jedoch der Unterschied.
Eü> ist nun wunderbar, wie die B^ene die Technik des Bauens auch bei der künstlichen Wabe aus das genau stc befolgt. Aus der Wachsplatte, die dem Bienenvolk zum Ausbauen hingehängt wird, sind beiderseitig durch Prepung die s^chs.ckigen Randungen der Zellen ganz leicht vorgezeichnet, so daß in dieser Zeichnung gleichsam die Fas,ade der Wabe angedeutet und erkennbar ist. Die Bienen (selbstverständlich nur die Arbeiterinn n) kommen nun in Massen aus der Platte zusammen und beginnen, indem sie d-.e Linien der Zeichnung verfolgen, die Zellen auszuz chen d. h. die Wände zu errichten, welche die einzelnen Zell.-n- räume bilden und d m ganzen Bau eine so einzig sihöne sauber g ordn tc Einteilung geben. Diese Einteilung muß man immer wieder aufs neue bewundern. Lange hielt ich eine Wabe von vorzüglicher Arbeit in der Hand; die Art und Weise, die Feinheit des Gepaltens, wie sie sich im einzelnen an der Auswölbung der Zelle, an den zarten durchscheinen-
.. — S* O ,.ff c-nhi Z i, »notfev am S/w cvrr.
rund
y-onn oer feiten rumi y>e, »u sondern eher harmonisch reizvoll.
Beim weiteren Durchgehen des Mnsenmsbestandcs zeigte mir mein Führer ein sogenanntes Weisel-Versand- iüpchen, das zum Transport einer Königin dient. Dieses Kästchen ist ein winzig kleiner Drahtkäfig, mit ein oder zwei Räumeik, oft auch mit Futterhehälrer versehen. Wird nun eine Königin zu einem Bienenvolk ans eine weitere Reise geschickt, so erhält sic, da sic sich nicht selbst ernähren kann, einige Arbeitsbienen zur Beglciischast, die während der Reise für die Erhaltung ihres Lebens Sorge zu tragen
an seinem Bienenstände beim Hause Gelegenheit geben.» Mit diesem Anliegen kam ich gerade zur günstigen Zeit, denn es sollten bei einigen Bienenvölkern zur Feststellung der Eierlage Untersuchungen vorgeuommen werden. Aus dem Dtuseum heraus wurde ich nun in eine einfach einge-- nchtete Stube g. führt, wo ein alter Mann von über siebzig Zähren beim Kasseetrinken am Tische saß. Er wurde mir vordem Vorsteher des Bienenmuseums als ein alter Bienenmeister vorgestellt. Ich erkannte gleich, daß dieser Mann ein Original war, eine Zelebritäk, von dem man vielerlei Wertvolles und Seltsames erfahren könne. Man nötigte mich, für einige Augenblicke im Sopha Platz zu nehmen, vis das Kasseetrinken beendet sei. Ich fragte den Alten, ob es denn wahr sei, daß die Bienen kraft eines angeborenen Instinktes Menschen voneinander unterscheiden können, und- ob sie dem Züchter als einem alten Bekannten mit mehr Zutrauen entgcgenkomnnn als dem Fr>nrden.^ „Glauben Sie das doch nicht", antwortete der Alte, „das ist ein Märchen, wie es ähnlich tausend andere gibt, die man sich einbildet." „Es heißt aber doch", benurtte ich, „daß die Biene Menschen am. Schweiß sozusagen erkennt und —" „Unsinn", fiel hj^ der Alte fast h ftig ein, „das ist alles nichts als Unsinn. Die Diene sticht, wcnn's ihr gefällt, den einen wie den anderen Und der, welcher stark schwitzt, wird am ehesten oestochen' Im Grunde aber tut kemc Biene irgend einem Mensch-» was, wenn sie nicht gereizt wird." Also lan» n . fl werden?" fragte ich weiter. ..Rn» hau*. -P öereizh
erwiderte der Alte. „Wer, ob Menick ' y öa » <
nicht gereizt werden?" Daraus wurde ^ f'*'*’ *°- wrte schluß, am Bienenstand praltisch mm mc,U : m ® nt= ich «Tfitdt nicirt!» Mtzuarbelten, verständigt;
haben.
Nachdem ich dann noch die verschiedenen Bisnenarten (hübsch in Glaskasten geordnett, die den Bienen verwandten Insekten, die Bienenfeinde, teils Vögel, teils Insekten, weiter auch die Faulbrnt (die ärgste Krankheit unter den Bienen) an einer Wabe veranschaulicht und einen künstlich zusammengesetzten Bienenschwarm (Traube) gesehen hatte, bat ich meinen Führer, er möchte mir doch zur praktischen Tätigkeit
ich erhielt meine Ausrüstung . .'" n ~ T
Räücherpfeife in Brand,
unr steckte man durch den Schleier
nalm?^lcrrsall^Hi'^und und zündete sic an, der Vorsteher Nügm gleichfalls eme Zigarre und so gingen wir drei
rauchend an die Arbeit.
Nachmittag, und die Bienen schwärm- ten lebhaft. Mit Vergnügen sgh ich sie in Massen vor dem Stand durcheinander schießen, schwirren, zucken, sich kreuzen in gerader Linie, immer flink und beweglich. Ununterbrochen flogen die einen von den Fluglüchcrir der Balten auL
