Einzelbild herunterladen
 

T

Wiksbsdkilkr Ts

Verlag Langgaffe 25/27«

Tagülatt-Haus".

Schalter-Halle geöffnet von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends.

26,000 Momenten.

Bezugs-Preis für beide Ausgaben: 50 Psg. monatlich durch den Verlag Lanagasie 27, offne Brinaer- ioff». 2 9Xt. 50 Psg. viertcyahrlich durch alle deutschen Postanstalten, ausschließlich Bestellgeld, Bezugs .Bestellungen nehmen autzcrdcm entgegen: in Wiesbaden die 4 Zweigstellen, sowie die

4L« Ausgabestelle» in allen Teilen der Stadt; ,» Biebrich: die dortigen 33 Ausgabestelle» und in den benachbarten Landorten und im Rhcingau die betreffenden Tagblatt-Träger

Anzeige».Anna!,me: Für die Abend-Ausgabe bis 12 Uhr mittags; für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr nachmittags,

2 Tagcslliisgüicn.

Frrnsprecher-Ruf: Tagblatt-Haus" Nr. 6850-53. Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Sonntags von 911 Uhr vormittags.

hi , 2-i,c- 15 Pfg, für totale Anzeigen imArieitsmarlt" undKleiner Anzeiger"

eu beiMcker Saff örn» M Psg! in davon abweichender Sal>aus,ührung, sowie für alle übrigen lokalen » iÄ,,V m sS: 5 («V in? ausmärtiaen Anzeigen: 1 Wk, für totale ÄeNamen; 2 Mk. für auswärtige R Name e'E 'halb? drstwt und viertel Seite,,, dulchlausend nach besonderer Berechnung - Bei wstderholte? Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwchenraumen entlprechender Rabatt,

Nr. 485.

Wiesbaden, Sonntag, 17. Oktober 1ÄVK.

Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen in die nächsterscheinende Ausgabe wird keine Gewahr übernommen.

57. Jahrgang.

Morgen - Ausgabe.

1. Malt.

Ern Wendepunkt in der Türkei.

Ein namhafter Politiker sendet uns folgende Aus­führungen aus K o n st a n t i n o p e l:

Solange die jungt ürki) ü)'e Regierung am Ruder ist, hat man das Empfinden, es werde aut Goldenen Horn keine Realpolitik mehr, sondern die ausgesprochenste Gefühlspolitik getrieben. Les aniis de nos ennemis sont uos ennemis. Die Deutschen waren Abd ul Hamids Freunde ein Dik­tum, das trotz tausendfacher Widerlegung noch tmuter unerschütterlich ist also können wir mit ihnen keine Geschäfte machen, geschweige denn, ihnen politisch nähertreten." Das war ein Gedanke, den man von sonst ganz verständigen Türken oft genug hören konnte. Wer den begeisterten Empfang des neuen engli­schen Botschafters im vorigen Jahre mitangesehen hat, wer täglich die Tiraden lesen mutz, mit denen die Westmächte, als die Wiegen und Quetzen aller Völker- freihcit und allen Völkerglückes in osmanischen Blättern gefeiert werden, und dabei das Unglück hat, derreak­tionärsten aller Nationen" anzugehören, der konnte nur an seine Brust schlagen und seufzen: Gott fei mir Sünder gnädig.

Nun möchte man seinen Augen nicht trauen, wenn man in der Kenntnis dieser Stimmung in etncm führenden Jungtürkenblatt, demJournal de Satoniane" folgende Sätze liest:

Früher oder später wird auch die. Türkei sich ge­zwungen sehen, sich einer der beiden Bündnis- gruppen anzuschlietzen, die setzt Europa zwischen sich tctten. Ihr Interesse wird sie bei der Wahl der Grrrppe leiten, der sie sich anschließt . . . Unter den Mächten nun, die immer die größte Sympathie für die Türkei QGäCtiJt haben, unb bas ZU bcfonbers? ftittfcbcn Seiten, nimmt Deutschland den er st e n Rang ein. Es könnte uns vielleicht entgegengehalten werden, daß diese Sympathie nicht ganz uneigennützig war. Aber jedermann weiß, daß die Gefühle in der Politik keine Rolle spielen. Geschäft bleibt Geschäft. Zwar ist nicht zu leugnen, daß die Art und Weise, wie früher Kon­zessionen vergeben wurden, zu verhängnisvollen Miß­bräuchen Veranlassung gab. Aber die Deutschen toaren nicht die einzigen Günstlinge des früheren Sultans. Eines ist sicher, nämlich daß Deutschland in bewunderns­werter Weise dazu ausgerüstet ist, unserem Lande in seinem wirtschaftlichen Aufschwünge zu helfen . . Tie wirtschaftlichen Interessen werden einen wohltätigen Einfluß auf die allgemeinen Beziehungen der Türkei zu Deutschland haben, und die Türke: würde gegebenenfalls, ohne daß sie sich in ihrer.Wurde etwas zu vergeben brauchte, eine starke stütze für ihre auswärtige Politik in Deutschland finden. .

Das sind Worte, die an sich schon wegen ihrer Neu­heit zu denken geben. Es wäre eine der öffentlichen Meinung gegenüber in der Türkei nicht gerade häufige Kühn h e i t, den Anschauungen der großen Masse so

FemUetorr.

(RackidruS verboten.)

entgegenzutreten, wenn nicht das Barometer für Deutschland in den maßgebenden jungtürkischen Kreisen stiege. Und daß gerade dasJournal de Salonique" diesen Wetterumschlag zuerst anzeigt, könnte eine optimistische Auffassung der wirtschaftlichen und poli­tischen Beziehungen zwischen dem verjüngten Osmanen- reiche und Deutschland für die nächste Zukunft erheb­lich stützen. Aber man hüte sich vor zu weit, gehenden Hoffnungen in dieser Richtung! Die Türkei ist noch in höherem Grade das Land der unbegrenzten Mög- lichkeiten als Ainerika. Und wichtiger als für die Vor­hersage der zukünftigen Beziehungen zwischen Türken und Deutschen scheint jener Artikel als Anzeichen eines Frontwechsels in anderer Richtung, nämlich in der politischen Methode überhaupt. Einer der schärfsten und klarsten Köpfen unter unseren britischen Vettern, David Hume, hat einmal gesagt:Die Natur ist immer stärker als das Prinzip." Man könnte diese Worte mit einer kleinen Änderung auf die osmanische Politik anwenden:Ter Vorteil eines Landes ist

schließlich doch stärker als die schönsten Prinzipien, als Sympathien und Antipathien." Und datz dies jetzt wirklich den klugen und fähigen Lenkern des türkischen Staatsschiffes zum Bewußtsein gekommen zu fein scheint, ist für uns die Hauptsache. Wenn dem so ist, dann können der deutsche Handel und die deutsche In­dustrie ihre Stunde ruhig abwarten. Und die nie­mals ganz verlorenen Sympathien werden sich dann auch von selber wieder einstellen: dafür sorgt schon die auch Unter den schwierigsten Verhältnissen nicht rastende stille Kulturarbeit unserer deutschen Landsleute im Lande des -Halbmonds. txn.

Deutsches Deich.

* Die Aufgaben des neuen Schatzsekrelärs. Man schreibt derWeser-Zeitung": Ein neuer Geist scheint in das

Reichsschatzamt eingezogen zu sein. Freilich muß dem neu n H-rrn dort ein Gruseln gekommen fc in, als er sich die Posten auf beiden Seiten der Gewinn- und Verlustrechnung des Reiches ansah. Mit der letzten Reichssinanzreform sind wir nämlich noch, lange, nicht aus den Schwierigkeiten heraus. Es geht da im Reiche genau so, wie w rm man in einer verkrachten Privatwirtschaft Ordnung schaffen will. Je weiter man hineinleuchtet, um ko mehr unbezahlte Rech imngen entdeckt man. Hunderte von Millionen Rückstand, sollen in den Reichsfinanz n bestehen und allein aus dem Rcchnungsj hr 1908/09 ist ein Defizit von 226 Millionen Mark zu decken. Dabei ist hei den kommenden Etats mit einer ganzen Anzahl Ausgabeerhöhungen zu rechnen, welche auf Gesetz beruhen, also erfüllt werden müssen Der nette Reichsschatzsekretär ist offenbar mit dem festen Willen in sein Amt eingetreten, die einmal begonnene Ordnung der Reichsfinanzcn völlig durchzuführen; und wenn man der schicdcnen Äußerungen in der Ossentlich'eit glauben darf geht er mit durchgreifender Energie zu Werke. Allen neuen Forderungen stellt er anscheinend ein unbarmherziges Nein entgegen, und die Abstrich/ an den Etats Hegeln nur so. Bleibt der neue Reichsschatzsekretär fest, dann wird ihm das ganze Land begeistert zustimmen. Damit ihm aber in der Fülle seiner Arbeit nichts entgeht, wollen wir ihm noch ein

Aas Ende der Flitterwochen.

Von Leorrorc Nicsten-Deiters.

Sie waren nun seit zwölf Wochen verheiratet und er kotinte mit ehrlichem Herzen sagen, daß er noch nie in seinem Leben so glücklich gewesen war. Er hatte alles, was ein Mensch sich vernünftigerweise wünschen kann: er war in behaglichen Verhältnissen, er hatte einen Beruf, den er liebte, er hatte ein gemütliches Heim und er hatte eine Perle von einer Frau.

Und doch wünschte er sich etwas, sehnte er sich nach etwas --

Er wünschte sich etwas, dessen er sich selber schämte. Er wies den Wunsch mit Nachdruck ab, er kam beharr­lich wieder. Es war gar fein Zweifel: wenn er seine Frau fragte, so würde sie ihn auslachen und ihm Zu­reden, aber das war es eben: er wollte seine Frau nicht fragen, er wollte ihr das nicht eingestehen, nein, nein, das ging nicht!

Die Sache war die: um die Zeit, da er sich verloben wollte, und noch mehr um die Zeit, da er verlobt war. uar er in einem Stadium gewesen, in das gewisse Junggesellen zu gewissen Zeiten kommen. Er' fand damals, daß cs nichts Gräßlicheres neben könnte, als mit einem Trupp anderer Jtinggcsellen um einen Wir!- schaftstttch herumzusitzen und stumpfsinnig Bier zu trrnken, er fand die alten Freunde entsetzlich öde. fand ihre Redeweise unangenehm, ihre Witze zotig: fand,

wenn sie von beruflichen Sachen redeten, daß sie ent­

setzlich fachsimpelten, fatrd es ekelhaft, sie über Weiber sprechen zu hören, kurz, er fand, daß er in einem tiefen öden Sumpf krabbelte und daß für ihn die Er­lösung einzig in derreinen Höhenluft" zu finden war. in der Gesellschaft einer lieben, klugen, fröhlichen Frau,

seiner Frau. ^ . - '

Er hatte diesen Gedanken semer Braut m allen möglichen Tonarten wiederholt, er hatte nndankbarcl- w^ise seitte Junggesellengewohnheiten und -genossen sehr schlecht gemacht, er hatte gesagt, so etwas wäre ent­fach blödsinnig. Er hatte den aewohntm Krms ge- miphptt in hpr Erwartung der wunderbaren Zeit, du

vor ihm lag. Und dann war '"«chn,u?l"wi-°-r fk

M toi f SPÄn &S ' Snb nun hat! reiner gar nicht hatte yamu

o* * BteSüS!« selber kam nun allmählich wieder in sein altes Fahxwasser und fing an mncrstch zu-uqeben daß ein Mensch in den Flitterwochen doch ein anderes Wesen ist als sonst, aber seme Frau war und blieb dieselbe. Nie ein lautes, unfreundliches Wort, nie eine Laune, eine böse Miene. Nicht/daß sie duck- mäuserig gewesen wäre, gar nicht. Aoer soviel Güte, gleichbleibende Fröhlichkeit, denn auch in einem jungen Haushalt gibt's doch mal was, worüber man sich "ärgert.. soviel Zartgefühl waren ihm fast un­heimlich. Cr freute sich darüber: es war, als ob das, was bei -ihm nur der Zauber der jungen Liebe fertig gebracht hatte, bei seiner kleinen, süßen Frau einfach Natur wäre, als ob sie nie anders hätte sein können. Er sagte sich, daß. er seine Frau dafür anbeten müßte

und doch kam dieser fatale, ganz und gar undank- ! bare Wunsch aus!

Gebiet zeigen, wo er dem Reiche und dem Volke ungezählte Millionen unnötiger Ausgaben ersparen kann. Wir meinen den Entwurf der Reichsverstcherungs-Ordnung. Möge sich Herr Wermuth mal in einer stillen Stunde in diesen Ent­wurf verliefen, möge er einmal gründlich Rüchprache mit den Interessenten halten, soweit er das noch nicht getan Hai. Er wird staunen über die Ausgaben, die der Entwurf vor­schlägt. Reich, Staaten, Gemeinden, Industries Haredel, Handwerk, Landwirtschaft, alle werden ihm dankbar fern, wenn er sie vor diesen Ausgaben bewahrt. Er wird da­bei auch die Unterstützung des neuen Reichskanzlers haben, der ja selbst vor kurzem vor einer neuen Vermehrung der Beamtcnstcllcn gewarnt hat.

* Zur Frage der liberalen Einigung äußert sich der Abgeordnete Mülle rEvl einingen in einer Zuschrift an denFrank. Kurier" wie folgt:Ich habe seit dem Jahre 1898, also lange vor der Heilbronner Resolution, in Wort und Schrift den Gedanken einerliberalen Gemein- bürgschast" und in erster Linie den Gedanken des links- liberalen Zusammenarbeitens in und außerhalb des Parla- ments vertreten zu einer Zeit, als es viel gefährlicher und unpopulärer in Parteikrcisen war als heute, für solche Gedanken offen mit seiner Person einzutreten. Mein ver­ehrter Fremtd Funk-Frankfurt war damals fast der einzige parlamentarische Kampfgenosse! Ich bin aus meiner Kennt- nis der Dinge froh, daß wir heute so weit sind, und warne davor, bei jeder Gelegenheit aus Liebe für die Sache die Schwierigkeiten zu unterschätzen und zu glau­ben, daß einige Dutzend Resolutionen und gutgemeinte Zeitungsartikel uns über diese Schwierigkeiten auch nur irgendwie hmwcghclfen können. Bei der bevorstehenden Verschmelzung steht für die linksliberalen Parteien, vor allem für die Freisinnige Volkspartei, im Falle des Miß. tinaens alles aus dem Spiel. Was heutzutage vonEuu- auna des Liberalismus" redet und dafür lärmende Propa­ganda macht, möge Herr Professor v. Liszt an unseren baye­rischen Zuständen sehen! Solche Erfahrungen machen bei der größten Liebe zur Sache, die ich für mich in Anspruch nehme, vorsichtig und vielleicht übcrniäßig bedächtig. So wie ich denken wohl meine sämtlichen näheren baye­rischen Parteigenossen. Mein verehrter Freund Dr. Günther weiß ein Liedchen mitzusingen! Ich verweise auf die Reso­lution des uordbaycrischen Delegiertentages vom 3. Oktober l I. Und wir Haben s vorläufig allein praktisch probiert! Vir wollen schnlichst die Einigung aber nur unter Vor­aussetzungen, die die Haltbarkeit der neuen Gründung absolut gewährleisten. Zum Va llauguo-Spielen habe ich keine Lust; die Verantwortung ist mir zu groß. Das war nein Standpimkt, und das bleibt er!"

* Die russische Presse und die deutsch-russischen Be­ziehungen. Der Petersburger Korrespondent derKöln, ata macht auf die bedeutende Schwenkung der dortigen Presse seit der Beilegung des Zwischenfalles von Chardin aufmerksam, und speziell auf die Ausführungen der bisher deutschfeindlichenBirschewija Wjedomosti, die auf geimch- ttae Vorgänge in der Politik Rußlands hindcutcten. Da- Blatt erklärt, die bisherigen freundschaftlichen Beziehun- gen zwischen Rußland und Deutschland müßten von beiden Teilen hochgehaltcn werden, denn sie sind im gleichen Maße für die beiden Nachbarrciche nötig. Deutschland könne nur, wenn es mit Rußland Freundschaft unterhalt, ruhig scine k o l o n i a l e W e l t p o l i t i k wcitersühren, und nur wenn

Er säiH selbst sehr schlecht; aber er hätte ans ein- mal gern mal wieder einen Abend mrt den anderen >,er lebt Er hätte gern einmal wieder in Manner- acsellschaft Männerunterhaltung gehört. Meinetwegen auch eine Zote. Aber mal was Derbes,, Kräftiges. Er wvßtt seine Frau Ware die Letzte gewesen, die chm das mißgönnt hätte:, aber Konnte er ihr mit w etwas kommen nach all seinen Tiraden von .pohenluft nnd verächtliche-- Reden über lue blödsinnige Gesellschaft, ohne sich unsterblich vor ihr zu blamieren? Nein, nein. Nag ging nicht, ganz uns gar nicht. Er hatte sich das ruu ein gebrockt, und der Mensch muß konsequent sein.

Aber' er wäre doch ei: mal gern gegangen. Wie machten es andere, wenn sie nicht wollten, daß iht-e Frauen wüßten, wohin sie gingen? sie sagten, sie hätten eine Sitzung oder eine Besprechung. Er wies diesen Gedanken mit Entrüstung ab. Wie kann man nur!

Aber eines Morgens traf er einen Couleurbruder, und bei Tisch sagte er fast unbewußt:sag'. Kleines, ich habe heute abend eine Besprechung mit einigen Herren vonl Untcrstützungsverein", setzte er unsicher hinzu.

Recht!" sagte sie.Wann willst du essen? Vorher oder nachher?"

Um sieben", sagte er. Und zögernde denn es war die erste Unwahrheit, die er ihr sagte:Es konnte lern, daß wir nachher ein Glas Wein zusammentrrnken, man kann sich da schlecht drücken, du warnest ja nick).,

nicht wahr?" r .. .... r . ~ .

Sie dachte, er zögere, weil es ihm leid täte, sie aller» zu wissen, und sagte besonders zärtlich:Na. oenn amu- sier' dich mal, Schatz."