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Nr. 4 «r
Wiesbaden, Freitag, IS. Oktober 1 S 09 .
tiie nächsterscheinende Ausgabe wird leine GewLhr Übernommen.
87 . Jahrgang.
Morgen - Busgabe.
1. Matt. _
Koester und Seymour.
Fürst Bismarck hat einmal ungefähr gesagt, daß er neu Engländer für einen wahren „©entlema n" im Umgang halte, daß man aber in der Politik auf der Hut sein müsse vor ihnen. Tie Liebenswürdigkeiten, die zwischen unserem Großadmiral v. Koester und dem englischen Admiral Setzmour in New Zork anläßlich eines Diners nach der Hudson-Feier ausgeiauscht wurden, geben Veranlassung, an den Ausspruch des großen Kanzlers zu erinnern, der sich aus die Psychologie der Völker und ihrer Vertreter meisterhaft verstand. Die beiden Vertreter der verwandten Völker standen sich eben als „Gentlemen" gegenüber, persönlich bekannt und befreundet. Deshalb kann in dem Geständnis des englischen Admirals, das nach den Berichten die Anwesenden so begeisterte, daß sie in Hurrarufe ausbrachen, unseres Erachtens etwas ganz Besonderes wollt nicht erblickt werden. Im wesentlichen war es eine Erwiderung der Freundlichkeiten, die Exzellenz von Koester zuerst dem englischen Seeoffizier hatte zukom- men lassen. Allerdings mag das ostentative Händeschütteln beider Seeoffiziers (über den Tisch hinweg) einen besonderen Eindruck gemacht haben auf die Tafelrunde, die vielleicht eine derartige Gefühlsaufwallung nicht erwartet hatte. Im Verfolg seiner weiteren Rede brachte dann Admiral Seymour noch vor, daß „die Engländer die Geschicklichkeit und den Eifer bewunderten, mit welchem „drüben" Schisse gebaut werden. Eine solche Konkurrenz „brauch c" keine feindseligen Gefühle zu erwecken, ebenso wenig wie die Konkurrenz aus dem Gebiete des Handels es verlange". Das sind alles sehr angenehme Worte — — bei einem Essen, die in anderer Form vielleicht schon hundertmal gc-- sallen sind. Auch die Anerkennung, die Seymour dem ehemaligen Kapitän v. Koester beim Chinafeldzuge zu- kommen ließ, wo er ihn so loyal unterstützt habe, wie wenn er ein „britischer Offizier gewesen wäre", war gewiß erfreulich zu böreu und klang gut.
Auf den gegenseitigen Besuchsreisen hat man sich noch liebenswürdigere Sachen gesagt, man hat sich auch oc-leneutlich verbrüdert, und fast konnte man manchmal in eine Morgenröte der Vetternliebe glauben. Wenn ober ein schmaler Purpursaum am Horizont sichtbar werden wollte, dann eilten flugs die Wolken daher, um j£ e „ verdecken. Und diesmal war cs mcht anders. Lnn man die Stimmen der englischen Presse betraÄ- K, Ti n man sich des Gefühls Nicht erwehren, baß hr die auf neut?alem Boden „in Amerika stattge- babte Bankettszene direkt u n e r w u nicht kam Ledigst ch der wgi v Telegraph" bringt e,ne ausführliche
großen Blätter ,einer nur tui z Erwi-ynuag tun.
Times" das bekannteHctzorgan, geben eineSchilderung nach ihrer Art Sic fanden, datz nur t e r l w e i s e Bei. all ertönte- an W r d e r f p r u ch .soll .es auch n ch t
aeseült haben Das Blatt steht mit.seiner Auffassung aber ganz allein da, so daß den Berichten der übrigen Tageszeitungen, namentlich auch der amerrkaurschen, wolst Glauben geschenkt werden kann Es mag nun dahingestellt bleiben, ob Adnnral «eymour den drrek- mn Auftrag von seiner Regierung hatte sich so zu geben, wie er es tat. Jedenfalls wird er nicht gegen ihre Ab- sichteii aehandelt haben, auch wenn er kerne Mipron rn we e n Sinne erhalten hatte. Aber hierauf kommt es SS( m all Sf ?o( » m d°- KtiiiMc» «ic, die mehr oder minder die Volkicktiinmung zur ^Geltung bringt ^ic englische Regieruirg hat gar kern Interesse daran' o f f i z i e l l' gute Beziehungen zur deutschen Regierung zn verleugnen. König Eduard hat mehrfach bei entsprechenden Gelegenheiten gezeigt, daß er seinem kaiserlichen Neffen persönlich anders gegennbertritt als vor Jahren, wo eine offenbare Gchstimmung ob- waltete. Zille diese Beobachtungen schasreii aber die bekannte Rivalität zwischen beiden Kationen nicht aus der Welt, die auf englischer Seite in Wirklichkeit schwer empfunden wind und den Keim zn allerhand^ Unter-- stellungen der deutschen Politik gelegt hat. So ist cs aeblieben und wird fernerhin wohl noch bleiben, trotz aller gelegentlichen Reden hervorragender Persönlichkeiten aus beiden Seiten. Wir tun am besten daran, des Ausspruches des Fürsten Bismarck zu gedenken und nach wie vor aus der Hut Zu sein.
Die
Die Zehrer-Gci!a!tsl»rcmsc.
Aus Lchrerkreisen wird uns geschrieben:
Zu diesein Artikel in illr. -139 des „Wiesbadener Tagebkatt" sei noch folgendes bemerkt: Schon längst
war einem Teil der Lehrerschaft bekannt, bezw. es wurde davon gesprochen, daß ein Geheimerlaß ergangen sei, wonach die Ortszulagen ein bestimmtes Matz nicht überschreiten sollen, und zwar soll, wie es heißt, als Höchstmaß an Oriszulagen zehn Prozent des Gehalts gewährt werden dürfe n. In Städten, die seither schon ein höheres Gehalt zahlten, wäre dieser Erlaß sa von geringer Bedeutung., da in sehr vielen Fällen durch dieie zehn Prozent Erhöhung der höchste Satz erreicht werden k ö n n t e. Anders in den Vororten und kleinen Städten, denen das Recht zur Gewährung von Ortszulagen zufteht. Es ^öre damit, wenn sich die Sache wirklich so verhält, .durch diesen Erlaß ein Riegel borge- schoben, damit die Vororte usw. nicht zu nahe an die Großstädte tu bezug mst die Höhe des Gehalts hcran- kommen können. Es geschah dies Wohl, um den Abstand zwischen Vorort- .nnd Landlehrern nicht zu groß Werden zu lassen. Dafür wird ^ aber desto größer zwischen jenen und den Großstadtlehrern. Es bewahr
heitet sich auch hier wieder das schon öfters Gejagte, daß von den drei Lehrerkategorten: Großstadt- Vorort- (bezw. Kleinstadt-) und Landlehrer die imitiere Art als Stiefkinder behandelt worden sind. Und trotzdem wären ganz sicher sowohl die Großstadt- als auch die Vorortlehrer von Herzen zufrieden, wenn ne auch nur
kämen d h, wenn es m dem Gehemrerlaß, falb er wirklich bestehen sollte, nicht heißen wurde, es dürfen, sondern es müssen in den. in betracht, kommenden Ge- meinden bte Ortszulagen in dieser Hohe gewahi tver^ den. Vorausgesetzt ist dabei selbstredend, daß die chtadte den seither gezahlten, auch über den Normalsatz hinaus- gehenden Gehalt auch in Zukunft weiter zalsten und davon die zehn Prozent berechnet würden. Die worort- lehrer blieben dann immer noch ein gutes stuck hinter ihren Kollegen in der Großstadt zurück, obwohc sie ber anerkannter wirtschaftlicher Einheit doch streng genommen diesen gleich sein müßten, aber sie. ständen dann doch wenigstens in der Mitte zwischen diesen und den Landlehrern, während sie setzt zu einem großen Teile noch unter den letzteren rangieren. So aber, bei freiem Willen der Gemeinden, kann es Vorkommen, daß die Stadt die Zulagen gewährt, der mit ihr zusammenge- baute Vorort aber nicht und es könnte der Unterschied im Gehalte in diesem Falle bei Lehrern mit gleichem Dienstalter bis zu 900 M. im Höchstsatz pro Jahr be- tragen. Es iväre dann schliinmer als. vorher, der Gleichstellung, auch wenigstens der annähernden, die doch durch das Gesetz erreicht werden soll, zum Hohne. Und in bezug auf die bekannte „wirtschaftliche Einheit" haben die Lehrer nach dem Antragstellen der Regierung, dem endgültigen Entscheid des Provinzialschulrats und den bis setzt gemachten Erfahrungen nur geringe Hoffnung. Aus jeden Fall herrscht in der Ausführung des Besoldungsgesetzes, namentlich in bezug auf Gewährung von Ortszulagen, noch sehr viel Unklarheit.
Dis lirben NertzLudeien.
s. Paris, 13. Oktober.
Dis Umwälzungen in Persien haben den Handel des Landes natürlich einigermaßen ungünstcg beeinflußt und da der französische Import noch dort früher. eine gewisse Bedeutung hatte, beschäftigt man sich in Paris ziemlich eingehend mit den neu geschaffenen Verhältnissen. Bezeichnenderweise ist cs allerdings nickt die politische Presse der Hauptstadt, die in ihrer Mehrzahl dem Bündnis mit Rußland und der Entente mit England Lobeshymnen singt, wenn üc diese Fragen erörtert, sondern hauptsächlich die Fach- und Handelspresse, die sich von Politischen Rücksichten weniger gebunden fühlt. Man hat da in letzter Zeit mehrfach Klagen darüber finden können, wie Rußland und England den Handel in Persien für sich zu monopolisieren strebten, wie Frankreich zurückgedrängt werde, welche Mittel anzuwenden seien, um den: eni- gegenzuarbeiten u. a. im Einer der Artikel schließt ' mit dem bezeichnenden Satze: „Auch wir haben einen
Feuilleton.
Monot«, feine «MM uni
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(Schluß.)
, . . , wurde es ein belicbtcs Bad, was
Auch ber den RE Kaiserin 1352 zu danken war.
^em Bciuche der «H ^onat Juni hier mit zwei ewlbe weilte dam Hofsiaat. Unter dem Nanren einem gd. ^wohnte sie das jetzige
SLÄS SKSff °°"g-n (läl«UM«n, |.»ic
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f.lai'ictm wurde von dm Dc-
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ntöliaen^ oaiferS Alexander II. und dessen
Bruders wurde in Este ein Schweizerhaus gebaut, das noch heute den Or! z ert Von demselben genwßt man eine ent- rückend schöne Aussicht in das Neudorser Tal auf die Mühlen zu Füßen auf die üPPtgen W.esengrunde, auf die waldigen Berge auf das herrlich gelegene Rauenthal und weit hinaus über de , Rhein auf eme Hochebene und ans in blauen Fernen v?rkcbwi,nmende Bergkontouren. Für die Romantik^orch ein klarer Waldbach, der in unmittel- barer Riihe mit munierrM Gebrause das Rad der '^chweizermühle" treibt Der braune Firnisanstrich des holzwcrkes, dw arüiwemalten Fenster mu den rot- und ^tüarierten Vmhänaen geben dem Schweizerhaus ein ^^Udlich-zwrlrck.?^^^ Es ist in ganz korrektem Stil
ebam und ausgcstait t. Das Weit vorspringende, ehedem nit Steinen beschwerte Dach. . die breiten Fenster, die Balustraden vor demselben, die fliegende Treppe nebst Ilwn das Schnitzwert, die innere Einrichtung von poliertem Eichenholz vom Stuhl bcs zum Ofenstms, vom Schemel bis mr Bettstelle: Alles ist charakteristisch. Nichts ist vergessen 1 TOi ,\ r fiwgcnden Eile bei der Erbauung des Hauses. — Front unter deu> Dache sind folgende naive Spmche angebracht! die noch heute manchen ergötzen:
^„8 LäuÄenl ist erbaut ,m Mai Än^lmhuiwcrt funrsTg zwo-.
Ach.Zcynqu , ^ bauen toten,
sii„ famsn dort aus Wiesbaden. a , H uns Mi cs W e ier,
S war kur..H>ck> und Breiter.
Was um ltc tl „ t
Ärgste ist groß -genug dies Häusekem.
. .rfi.snrfi die Kaiserin-Literatur jener Tage nicht Damtt ch ,eoa - ^umination am ersten Abend nach russischen Kaiserin laS man aus mehreren dem Einzug de Verse, von denen „Ter
erschöpft.
Transparenten ."drastisches Blatt ans jener Zeit, sagt, cs Wanderer . ein vem^ ^ - ---»>>
derliches Aussehen.
die mkmMüäxz vom 12. und 14. d. M.
und fünfsühigen Jamben und seien "^^.^Hiißige zu lesen gewesen. Selbst zu einem Trochäen an ) ^.-,^^ttnswerien Gedichte, das in dem er- gröherem '^iblaii zur „Rassauischcn Allgem. Zeitung: wähnten .. vom 13 _ Fuin 1852 zu finden, hat die An- „Dcr -o früheren Lehrer Eulberg, späteren
^Hausbesitzer, begeistert, und wir bedauern nur, cs au Ä-r Stelle nicht reproduzieren zu können.
^ ^ ^as Jahr 1852 brachte jedoch mit der Kasterm von ^wt7-nd nicht bloß einen ungewöhnlichen Glanz für Äanaenbad, wie er gewiß seit der Kurfürstmzcii" nicht “1 „Xficn worden war, sondern auch manche Verbesterung. Win besiebter Ausflug der Kaiserin war das Ehausseehaus Aschen Georgenborn und Wiesbaden. Es fehlte jedoch die nbaullee von Schlangenbad nach Wiesbaden, und der halS- brechend« Weg doribin machte baldigst nachher der neuen
Chaussee nach Wiesbaden Platz. Auch kam bald als weitere Folge dieses hohen Besuches das Bad bei der russischen Aristokratie in Aufnahme. Schon gleich nach der Abreifo der Kaiserin stellte sich eine Menge von Russen ein, um die Zimm r zu schen, worin diese gewohnt hatte, und man erzählt, daß sie sich mit einer gewissen Gier jede Kleinigkeit, die mitzunehnien gestattet war, zum Andenken an die Kaiserin aneigneten. Manches verbrauchte Briefkouvert wurde gegen hohes Trinkgeld an russische Verehrer d r Kaiserin abgegeben, und wie man erzählt, durch neue ersetzt, die denselben Zweck später erfüllen mutzten.
Im Jahre 1857 wurde der „Nassauer Hof" nach einem vom Baurai Götz entworfenen Plane gänzlich mngebaut, und ein eleganter Speisesaal darin errichtet, und im unter,n Teile des Tales entstanden endlich nicht nur mehrere zur Aufnahme der Gäste veüimmte schöne Privathänser, sondern auch eine Kolonie kleb erer freundlicher Häuser für die Lrts- einwohner, deren größerer Teil früher in dem sogenannten Pavillon und einigen anderen, setzt entfernten alleren fiskalischen Gebäuden Wohnung hatte. Man kann das jetzige Schlangenbad mit seinen Straßen und Gassen fast ganz als eine Schöpfung der 1850er und folgenden Jahre beirachien und wan es insbesondere der 5pausverwallcr Riehl der bxo neuen Bauten förderte. '
en ließ sich in Schlangenbad ein zweiter
Arzt. Herr Itt-. Baumann, später König!. Sanitätsrat, nieder, besten tätig s Eintreten ssir das Wohl Schlangenbads jeder- mann daselbst zu würdigen weiß. Er, wie auch die nachher votthm gelangten Ärzte, Sanitätsrat Du Wolf und Hofrat De. Großmann, sind durch verschiedene Schriften in deutscher wre auch fremder Sprache für das Gedeihen des Badeortes eisrig besorgt gewesen.
Als 1866 der Ort an Preußen überging, wurde auch das schon vorher begonnene „Untere Kurhaus" vollendet und dadurch dem Orte eine neue Zierde, geradezu ein Mnsterbau zugeführt.
Grotzes Verdienst erwarb sich um de» Badeort der HauS-
