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Skr. 473.

WiesdKde», Dienstag, 12. Oktober IvvN.

ür die Anfnahme shäi-r eingeretchtcr Anzeigen in dre nächsterscheineude Ausgabe wird lein e Gewähr übernommen.

87. Jahrgang.

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Morgen - Kusgabe.

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Germanische NerKrüderung?

Anläßlich der Hudson-Feier in New Aork haben zahlreiche Bankette stattgesunden, bei denen es natürlich nicht au Trinksprüchen gefehlt hat, und merkwürdig, während unsere hohen Offiziere und Beamten in Deutschland, wenn sie wirklich einmal in die Lage kom- meu. eine Rede zu halten, sich meist recht knapp fassen, scheinen sie völlig andere Menschen geworden zu sein, sobald sie der Atlantische Ozean von der Heimat trennt. Man hat früher nie etwas davon gehört, daß der Groß­admiral v. Köster, dessen Verdienste um die deutsche Kriegsmarine hoch anerkannt find, ein glänzender Red­ner gewesen wäre, und liehe da. als Vertreter desKaiserZ zu der Ziem Aorrer^>zubetseier entsandt, war er uner- »nüdlich in seinen Trinkjprüchen, überall wo etwas los war, war er zur stelle und verfehlte nicht, durch gute Neben die Amerikaner zu erfreuen und bei ihnen Sym­pathie für Deutschland zu erwecken. Fast jeden Tag wußte das Kabel von einer neuen Rede Kösters zu be­richten. und man muß zugeben, daß der Genannte sich auch aus diesem Felde gar trefflich bewährt, denn die Amerikaner sind voll freudiger Anerkennung Deutsch­lands und seines trefflichen Vertreters. Es wäre dringeiid zu wünschen, daß diese Stimmung nicht mit dem Festesjubel verrauschen möchte und daß dieses Mo­ment aus den Feiern sich für die Dauer in die Herzen der Amerikaner eiuprägt und daß man es sich immer wieder vor Augen führt. Hat dies doch selbst ein bisher deutschfresserischer Admiral wie Herr Evans einge- scheu. welcher erklärte, er habe früher immer in Deutsch- land einen Feind_ der nordamerikanischen Union ge- jshön, nunmehr sei er aber anderer Überzeugung gewor­den und stehe nicht an, nach den gesehenen Proben die hohe Tüchtigkeit der deutschen Marine auzuer- fennett.

-Zu einer ganz besonderen Kundgebung gestaltete sich aber das Festbankett, das von den Deutschen New Docks veranstaltet wurde und dem erfreulicherweise Mich Ver­treter der anderen zur Feier erschienenen Geschwader beiwohnten. Es ist begreiflich, daß in deii bei dieser Gelegenheit gehaltenen Festreden vornehmlich Deutsch­lands und seines Kaisers gedacht wurde, aber immerhin ist eS charakteristisch, in welcher Form dies geschah. Der New Iorker Bürgermeister hielt eure zündende Rede auf die F r i e d e n s l i e b e deS deutschen Kaisers, wo­bei er hinzufügte. daß Großadmiral v. Köster die Her­zen der New Yorker im Sturme- erobert habe, eine Er­klärung die angesichts der übrigen Flottenchefs doppelt ins Gewicht fällt, selbst wenn man den Ort der An- spräche berücksichtigt, und nun kam eure seltsame Szene, welche verdient, lange festgehalten zu werden. Groß-

admiral v. Köster gedachte des englischen Admirals S e y m o u r. den er mit Stolz den Freund der deutschen Marine nannte, und dieser revanchierte sich mit den bemerkenswerten Worten, daß freundschaftlicher Wett­bewerb nicht Feindschaft und daß die Freundschaft zwischen den Deutschen und Engländern immerdar sorl- bestehen möge. Nachdem noch der Vertreter Österreichs auf die glänz'endbewährte deutsche Bundestreue fein Glas geleert hatte, betonte noch zum -Schluß dev frühere New Yorker Bürgermeister Lov. daß. wenn Deutsch­land und England und Sraett k a Frieden hiel­ten und die übrigen Staaten im Interesse des Friedens beeinflußten, der Weltfriede gesichert sei. Tatsächlich würde eine derartige Verbrüderung der germani­schen Volksstämme einer ganzen Welt den Frieden diktieren können, leider sieht aber dre Wirklichkeit anders aus, und gerade England ist es. welches in dem deut­schen Detter einen gefährlichen Rivalen erblickt, den man unter Umständen Niederhalten müsse. Auch in den Vereinigten Staaten will man trotz des großen Pro­zentsatzes von Staatsbürgern deutscher Abstammung im allgemeinen von Deutschland nicht allzuviel wissen, und eine Verständigung auf wirtschaftlichem Gebiete wird angesichts der zum Teil widersprechenden Interessen vielleicht noch geraume Zeit auf sich warten lassen. So wäre es also immerhin noch gänzlich verfehlt, aus den schönen Trinksprüchen eine baldige Wendung der Tinge zu erhoffen, aber es wäre zu wünschen, daß sie als eine dringliche Mahnung in den Herzen aller genannten Nationen haften bleiben und daß man schließlich doch einmal zu der richtigen Würdigung einer Harmonie zwischen Deutschland. England und den Vereinigten Staaten von Nordamerika käme.

WWW IWMMung in fmikreitk

Je mehr der französische Patriotismus zur Erkennt, nis gelangt, daß die Wehrverhältnisfö der Republik in­folge der schwachen Zunahme der Bevölkerung und anderer Tatsachen sich stetig verschlechtern desto eifrtger sucht er in seiner Bedrängnis nach Mitteln, den drohenden Niedergang aufzuhalten. Die Regierung hat daher den gesetzgebenden Körperschaften einen Ge- setzentwurf unterbreitet, der die gesetzlich zu organi- Nerende tn 1 1 1 1 a r-i f * e Jugenderziehung betrifft. In dieser Vorlage wird die Erziehung nach den Vorschriften eines gymnastischen Handbuches be­trieben. das fnr diese Zwecke besonders ausgearbeitet worden ist. Auch das schießen mit Gewehr und Ge­schütz es wird al,o jenseits der Vogesen in Zukunft auch fugen d l r ch e A r t i l l e r i st e n geben soll praktisch und theoretisch gelehrt werden. Ebenso wer­den der Jugend die Elemente der Topographie und des Karienlesens beigebracht. Weiter sind auch noch Marsch Übungen vorgeschn, und für die Vorbe­reitungzum Dienst oer berittenen Truppen" gibt eS

oar Reit unterricht und Unterweisung in der Hippologie und Pferdepflege. Wichtig ist ferner dre porgefehene Bestimmung, du^ die militärische erziehung bei allen öffentlichen Lstaatsschulen. wo .Schülergesellschaften" gebildet werden, gepflegt wird. Außerdem sind besonders voni Kriegsministerrum zu gründende Gesellschaften und andere, die den gesetzlichen Vorschriften entsprechen, in. Aussicht genommen. Alle diese letztgenannten patriotischen Vereinigungen setzen sich aus jungen Leuten, die noch nicht gedient haben, aus Mannschaften der Reserve und Territorialarmee und Leuten, die bereits aus der Territorialarmee aus- gcschiedeu sind, zusammen. Wie ernst man es mit die­sen Organisationen nimmt, geht daraus hervor, daß die Gesellschaften in technischer Beziehung jedesmal, deni General unterstellt werden sollen, der die re­gionale Subdivision des Bezirks befehligt, innerhalb dessen die Vereinigungen ihren Sitz haben. Aus Wunsch soll diesen auch ein Offizier als technischer Beirat . ge­stellt werden, und bestimmte Revisionen sind ebenfalls in Aussicht gestellt. Mit diesen Bestimmungen würde man aber natürlich nur eine ideale Förderung der Jugenderziehung erreichen. Deshalb mußte man weitergehen und hat daher auch praktische Bei­hilfe zugefagt. Man stellt ihnen Personal, Material und weist ihnen Übungsplätze zu. Das Personal wird dem Heere entnommen, und zwar nach Möglichkeit dem Beurlaubtenstande. Die Schießwasfen werden den Ge­sellschaften leihweise verabfolgt. Auch können Gewehre des Armee-Modells gegen Erstattung des Selbstkosien- prcises bezogen werden, und sogar die Munition soll entsprechend der im Budget vorgesehenen Summe innerhalb gewisser Grenzen umsonst "geliefert werden. Man rechnet auf junge Leute unter 17 Jahren zwanzig Patronen, wahrend die übrigen Mitglieder der Gesell­schaften je vierzig Patronen jährlichumsonst" der- schießen dürfen. Die Artilleriegesellschafteu sollen 160 Geschosse kostenlos verfeuern, während die Scheiben von den Truppen gegen Vergütung gestellt werden. Wie man jedoch aus den Munitionsbestimmungen ersieht beruht vieles ans halben Maßregeln. Was sollen * 83* einem jugendlichen Schützen 20 Patronen? Anderer­seits wieder sicht unzweifelhaft fest, daß die Verleihung von Diplomen an junge Leute, die die spätere Prüfung durch eine Kommission für militärische Brauchbarkeit bestanden haben, und andere Anerkennung seitens der Bchorden ihren Reiz ausüben werden. Die Ansichten über , die Nützlichkeit solcher Vorbereitungen, die viel­fach in Spielereien ausarten können, und viel Zeit be­anspruchen, die besser verwendet werden könnte, sind ge­teilt. (Bei uns sind die Erfahrungen mit der Jugend- Wehr nicht die besten.) Man wird gespannt sein können, welche Resultate man in Frankreich erzielt. Für uns können ivir nur wünschen, daß man zunächst alle körperlichen Übungen reglementiert und obligatorische Fortbildungsschulen, verbunden mit Leibesübungen, im ganzen Reiche einführen möge! ix

Feuilleton.

Mjz. die Tiere nach Hause finden.

Seit langem beschäftigt Naturgeschichte die Frage, ob die Tiere einen besonderen «tun haben, der ste befähigt, ihren Wea nach Hause zu finden. Die Taffache, daß Tiere aus wLn Emfernungen nach ihrem Ausgangspunkt zurück- kehren, ist ja durch viele Beispiele erwiesen aber das wissenschaftliche Problem liegt darin, ob der ->eg. den sie zurücklegen ihnen vorher bekannt llui muß. Zu diesem Thema nimmt der Professor fiir vergleichende und experi­mentelle Psychologie an der. Johns-HopkmS-Universität, John B. Waffen, in einem Aufsatz von »Haipeis Magazine« Stellung und teilt dabei überraschende Resultate mit, die er bei seinen g°n neuartigen Experimenten gewonnen hat.

Unter den Zieren, dmen em besonderer Hermatssinn ungeschrieben wird, zeichnen.sich vor allem d-e Vogel aus, dw in einem glücklichen Heim lcbcn, und daher ängstlich darauf bedacht sind zu ihrem Rest, ihren^;ungcn. oder ihren ^irrn zurückzukehren. Alle Wandervogel wie die Wander­brossel. die Wildaänse, Blaukehlchen usw müssen einen solchen Instinkt besitzen Doch sind bis jetzt die hauptsäch­lichsten Experimente mit Brieftauben gemacht worden, die im Krieg,'im Sport und in der Wissenschaft vielfach Ver­wendung gefunden haben. Ein. anderer Vogel, f?lch ausgeprägten Heimatsinstinkt besitzt, ist der große Fregattvogel, der wahrscheinlich vvn gewissen ozeanischen Stammen jahrhundertelang aberbringen von Bot- tchastcn benutzt wurde Dieser sehr si"rle und hoch fliegende der zudem tagelang ohne Rahrun«t »leiben kann, ist Lv 3 ' die weitesten Strecken über den Ozean zurückzulegen, - den Säugetieren gibt cs einige gutbeglaubigte b« ^5" Hund- und Katzen aus Etttsermmgen von 3 bis Meilen nach Hause zuruckgekehrt sind.

Zwei ^dvßc französische Naturforscher Fahre erzählt von erwachsenen männlichen Katzen, die nach einem drei

Meilen entfernten Haus m eine ihnen völlig fremde Nach­barschaft gebracht wurden, und nachdem sie zwei Wochen auf das beste verpflegt worden waren, ßoch unverzüglich und in möglichst gradcr vuuc flach ihrem früheren Heim zurückkehrten, als man sie frei ließ. .Das eine Tier durch­schwamm einen Fluß, obwohl es bei einem geringen,Um­weg eine Brücke hätte benutzen können. Nächst den Vögeln hat man am ausgesprochensten bei. den Insekten eine be­stimmte Fähigkeit des Nam-Hause-Findcns beobachtet. Die Ameise »riecht sich wahrscheinlich nach ihrem Nest zurück«, denn sie kann rings itu Kreise herum weite Wanderungen nach Nahrung unternehmen und wird doch dann auf unge­fähr demselben Wege stets wieder tmdj dem Nest zurück finden Bienen und Wespen können jedoch die Spuren ihres Hinweaes nicht veffolgcu und .ehren dennoch aus einer Ent- kernuna von 3 bis 6 englischen Meilen nach ihrem Stock 9 -r-dock' ist es wahrscheinlich, datz die Biene mir ans -w^Niätuna wieder nach Hanse findet, in der zu fliegen - i ür cm täglichen Honigsammeln gewohnt hatte.

,ie sich b« ch ^ ^ch der Mensch einen solchen

^ a - o oder bcsesscn hat. Man weist, dost besonders i?. ^ Vomitive Menschen aus ivciteu Entfernungen zu Wilde und P Lehren können, durch ein Gebiet, das ste ihrem ^.ag>. i Man muß annchmeu, daß solche Mn beten Sinne durch den beständigen Verkehr mit wntur a-schafft sind, ganz geringfügige Merkzeichen, wie ^ « das Moos an den Bäumen, als Führer benutzen.

datz d» Mensch in unbekannter Gegend durch einen " ^'firrcten Heimatssinn sich zurecht finde, ist Nicht anzu- cfimeti " Ein strikter Beweis für das Vorhandensein eines solchen Hsiminsiinktcs ist aiich bei den Brieftauben noch nicht erbracht worden; vielmehr werden diese Tiere durch ein besonderes Training dazu angehalten, sehr weite Lustgcbieie leimen zu lernen, und in ihnen finden sie sich vcrnlöge ihrer außerordentlichen Scharf- tmd Weitsichtigkeit zurecht.

Professor Watson hat daher bei seinen Experimenten von Brieftauben völlig abgesehen und zwei Arten tropischer Vögel benutzt, um bei ihnen die Existenz eines besonderen

Heimsinns« nachzuweisen. Auf einer kleinen Sandinsel der Tortagas-Grnppe im Golf von Mexiko, Bird Kch. haben zwei Mövenartcn. die dumme und die Ruh-Seeschwalbe, die in ihrer Größe von den Brieftauben nicht sehr verschieden sind, ihr Sommerheim aufgcschlagen. Wahrend sie in den Herbst- und Winiermonatcn über den tropischen Gewässern deS Karibischen Meers schwärmen, erscheinen ste in den ersten Tagen des Mai zu A- bis 30V00 auf Bird Key, bauen dort ihre Nester und legen ihre Eier. Von hier aus gehen sie nicht weiter ruf die Nahrungssuche als höchstens 15 bis 18 englische Meilen nördlich, so dast das Land über diese Grenze hinaus den Vögeln völlig unbekanntes Gebiet ist. Nach dem Legen der Eier sind die Tiere sehr zutraulich und lassen sich leicht fangen. Der Gelehrte bezeichnete nun solche gefangenen Vögel mit breiten Strichen in verschiedenen Ölfarben, so das; er sie deutlich unterscheiden konnte Am Nest wurde die Zeit, an der der Vogel iveggeflogcn, aufqe- zclchnct. Bogelpaac die in einer Entfernung W ^0 ? G und 180 eng Ui len Meilen ausgcfchickt wurden lehrten

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lassen wurden. Am 21 Funi um iJl W ? t * että ^ge tcscicfmcteu Vogel in' ihren l U I ben

Vögel tu ihren Nestern innen der anderen drei N»ii^ wV Gefährten zuaeleat ^ hatten sich unterdessen ncr

also ihr Heim befttzt flukälli^r^?renden Vögel fände

später beobachten v/f, Zufällig konnte Watson wenige Ta; erschienen nml ' dB>,anch ein dritter Vogel bei seinem Ne eZ fft anrnn ^gleich daraus vertrieben wurde, uv

pekclnn ii«^ ^' ^ie beiden anderen Vögel zurül

iräai i>- ihnen zurttckgelegte Entfernung b

wakirsck^'^t-ir^ltlime 85g Meilen; doch werden die Vög 'peinlich den 1080 Meilen langen Weg an der Küf genommen haben, da sie nachts nicht fliegen, nick !^umnnen, noch auf dem Wasser nihen; zu dieser Sirec ^was weniger als 6 Tage. Zweifellos habc mcie - £tere m einer völlia unbekannten Gegend ihren We