Verlag Lan-aakl« *5/27.
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57 , Jahrgang.
Morgen- Ausgabe.
1. Matt. _
Kelrrls Kriet.
Warum sollte Haußmanir von Bebels Antwort io sebr enttäuscht sein, wie es die Oberflächlichkeit oder die Besorgnis der Gegner border Richtungen allzu schnell de- bauvtetS Was kann Haußmann von Bebel erwartet baben? ' Doch nicht, daß der sozialdemokratische Führer im Namen seiner Partei erklären werde, er und alle Ge- nassen würden ihre Grundsätze ilnd ihre Taktik sogleich revidieren und sich wohl gar als. extremer Flügel des bürgerlichen Radikalismus etablieren. Mit keinem Worte war ein Ansinnen an Bebel gestellt, das auch nur von weitem derartige letzte Wünsche enthielte, sondern was verlangt worden war, das ist eigentlich nur, daß ein Ende gemacht werden möge mit ebenso gedankenlosen wie wahrheitswidrigen Schjmpsorgien, mit denen die Sozialdemokratie die bürgerliche Linke zu überfallen beliebt daß ferner der tatsächlichen Anpassung der sozial- demokratischen Politik an die real gegebenen Verhält- njss» auch ein entsprechender Ansdruck durch eine verwilderte Agitatioiisform verliehen werden möge, wie das w revisionistische Flüge! verständigerweise im Grunde genommen schon tut. Auf die gemeinsamen Gegner sowohl des Liberalismus wie der Sozialdemokratie wies Haußmann hin, und er gab zu erwägen, ob sich nicht gemeinsame Richtlinien für den Kampf gegen Agrarkonservativismus und Klerikalismus aufsiellcn lassen könnten. So fragen wir denn wiederholt, warum die Antwort Bebels eine Enttäuschung für den bürgerlich- demokratischen Briefschreiber sein soll?. Ta niemand vorausgesetzt hatte, daß Bebel aufhören werde, marxistischer Sozialist zu sein, so konnte sich seineAntWort nlir mit der Frage der politischen Taktik beschäftigen. In dieser Beziehung aber hat er manches gesagt, was sich im Munde eines so strammen Parteimannes entgegenkommend genug ausnimmt, was ein Liebknecht beispielsweise (wir meinen, den alten Liebknecht) oder auch ein Kautsky nicht so leicht sich abgerungcn haben würde, was auch Bebel in jüngeren Jahren schwerlich erklärt hätte Wir finden es immerhin bedeutsani, daß der wüaldemokratische Führer schrieb: Was wir erstreben.
In nicht von heute ans morgen durchsetzbar. &trmar. rchi eren in Etappen. Jeder Fortschritt auf ■ „„«h rincm Gebiete führt uns näher ans Ziel. Damit E° "!!„ w anrHif-ritt aus allen Gebieten
wir
-1?" wir denFortschritt aus .
77111 Deshalb werden wir auch^sede ehrlich-liberale
^°^,n'^dle'die"Dertreter des Bürgertums au'den
stellen, unterstützen. Das haben wir
er getan u
mir und sicher aaa, 0 f t in die Lage kommen,
genehm fern, wen rfl erliÄen Parieren unterstützen
die Forderungen ^ die Z n s a g e, msi
^ ^Liberalismus zusammengehen zu wollen, wo es die
Asber gewl^und" worden wir ferner tun. und es wird md Ücker auch allen wemen Partergenosten nur an-
Niederwerfung eines gemeinsamen Feindes gilt. In diesen Sätzen steckt die Wiederholung der auf dem Leipziger Parteitage abgegebenen programmatischen Erklärung daß die bürgerliche Leute ber den Wahlen kräftig unterstützt werden soll, wenn die Wage zwischen einem liberalen Kandidaten hier und einenr konservativen oder klerikalen Kandidaten dort etwa gleich steht. Niemand hat mehr als dies verlangen können und wirklich verlangt, aber was Bebel bietet, ist auch gar nicht so wenig llns will es scheinen, als ob sich seit Leipzig der Ton der führenden sozialdemokratischen Presse be- rcits merklich zu mildern begonnen habe, beit radikalen Flügel mit eingeschlossen. Mag die Sozialdemokratie nur ruhig den Kampf auch gegen den Liberalismus führen, wo sie nicht zu befürchten braucht, daß die R e. aktion der triumphierende Tritte sein wird. Der Liberalismus seinerseits macht es ja auch nicht anders gegenüber der Sozialdemokratie, nur daß er sich dabei ebenfalls stets bewußt wird bleiben müssen, daß die Grenze dort gegeben ist, wo die Bekämpfung der Sozialdemokratie zum Vorteil von Konservativismus und Zentrum ansschlagen müßte. Unbeschadet dieses, schon durch seinen wirtschastspolitischen Gegensatz dauernd begründeten Zwiespalts zwischen Liberalismus und Sozialdemokratie gibt es aber Gebiete genug, wo die Taktik eine gelegentliche Gemeinschaft rechtfertigt. Das war schon bisher so, das wird jetzt, nachdem Haußmann und Bebel sich so freimütig ausgesprochen haben, erst recht der Fall sein, und in diesem Sinne wird der Brief Bebels doch nicht ohne Folgen sein.
JSrnijÜofn* Nerkrhrslorlschritt.
Auf dem Gebiete der Funkeutelegraphie regt cs sich überall. An der Spitze solcher neuen Initiative marschiert die g r och britannische R e g r e r u n g, deren Verhandlungen mit Marconi wegen Übernahme in den S taatSbetrieb (der Post) von sechs großen Küstenstationcn deni Abschluß nahe sind. Hand in Hand mit diesem staatlichen Interesse auch für die kommerzielle Verwendung der drahtlosen Telegraphie geht der zuerst von den „Times" propagierte Plan, das Greater Britain mit einem 27-maschigen Netz von Marconi-Niesenstationen zu überziehen und eine drahtlose Kabelrate bau einem Penny pro Wort für den Verkehr von Mutterland und Kolonien einzufübren. selbständig ist in den englischen Kolonien jetzt der Kongreß südafrikanischer Handels- kaminern vorgegangen und hat, nach dem spurlosen Verschwinden des Pasiagnerdampfers „Waratah", der zwischen dem 26. xmd Juli ans der Fahrt von Darben nach Kapstadt,muergegangen ist, energisch die Forderung gestellt daß alte nach Südafrika verkehrenden Linien zur Einrichtung von drahtloser Seenotprophh- laxe gezwungen werden sollen. . In Durban und in Smionstown werden auch bereits i gebaut.
feste Landstationen
Im kleinen hat den gleichen englischen Plan aus- giebraster Funkcnberbindung — und zwar au^schlreßstch
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iellschakt für drahtlose Telegraphie m. b. H- "ußer China, das ebenfalls ein Staatsmonopol anstrebt, ue Republik Argentinien ausgenommen und ist da be? ihren radwielegraphischen Betrieb aus rm ganzen 44 Plätze auszudehnen, so daß bis zur Zentenarfeier des Jahres 1310 die Hauptstadt Buenos Aires rn engstem Kontakt mit den Kordillerenstaaten, Tucuman und Salto, sowie mit dem südlichen Patagonien und Feuer- land bis zur Insel Angio Nuevo gebracht fern Wird, ^n diesem von Regierung und KongrH bereits ^enehn g- ten Projekt sind hauptsächlich die Wunsche btj ©aTU)eI§ berücksichtigt worden; in zweiter Linie erst kamen ltiare- gische Rücksichten irr Frage. Diele der argentinischen Funkenstationen dienen mit ihren Masten und L>tein- bauten zu gleicher Zeit auch als Leuchttürme.
In den Vereinigten Staaten , haben die sechs verschiedenen drahtlosen Gesellschaften, deren Systeme vielfach starke Anlehnung an die deutschen Erfindungen des Grafen Arco und Professor Slaby zeigen, nach einer offiziellen Statistik des Vorjahres 122 Turmstationen errichtet und 1907 bereits 163167 Depeschen befördert. Die amerikanische Flotte besaß am Ende des gleichen fiskalischen Jahres 44 Küsten- stationen und 73 Stationen auf Schiffen, Ter im De- zcmber zusammentretende Kongreß wird sich mit einer Gesetzesvorlage beschäftigen, wonach jedes Schiff, das mit mehr als 60 Passagieren amerikanische Häfen be- ! rührt, funkentechnische Einrichtungen führen muh.
! Dieser in der Union dadurch zu erwartenden steigenden Beschäftigung der einschlägigen Industrie stehen, trotz der geistigen Führung Deutschlands auf diesem Gebiete, leider nicht die gleichen Aussichten für unsere drahtlosen Fabriken entgegen. Heer und Marine sind hier bislang ziemlich die alleinigen Auftraggeber, während die Privatinteressen — neben den Reedern vor allen: die T r a n s p o r t-Versicherungsge- s e l l s ch a f t e n — sich auffällig zurückhasten oder sich durch langfristige Verträge an die englische Marconi- gesellschasten gebunden haben. Trotz des von Hamburger, Breiuer, Düsseldorfer und Mannheimer Asse- kurandeuren mit starker Betonung der nationalen Seite bezeugten Interesses hat sich der vom 8. bis 14. September in Baden-Baden abgehaltene Internationale Kongreß der Seeversicherungis- gesellschaften nicht dazu entschließen können, den von deni Präsidenten der Norddeutschen VersicherriNgs- gesellschaft in Hamburg, Albert Duncker, gestellten Antrag wegen einer Prämienreduktion für mit drahtlosen Apparaten ausgerüstete Schisse überhaupt zu dis- lutieren. Erst einem Druck der Schifsseigentümer wollen sich die Ristkoträger durch Herabsetzung der Ber- sicherungsraten fügen. Wie sehr die See-Assekuranz- gesellschaften durch ihre schroff ablehnende Haltung sich selbst schaden, geht u. a. aus einem Vortrag des Direktors der Berliner Sternivarte Hr. Archenhold über die
FeniUrto».
(Nachdruil bcrüotfn.)
Die andere Seile der Lrdr.
Bon Claudr Farrcre.
Autorisiert- «be-l-«»"- »" «E A„°».
, Vw sinkende Sonne laßt Blut aus den
-echs Uhr. ^le ^ ^ g^hg Wasser rst mit kleinen, Fluß herabtropfcn, Gegen den flammenden
purpurnen Augen ^ dunkeln Pagoden das
Abendhrmmel neh krümmer an.
Aussehen verste ncrtc Jonken fliegen vorüber,
sampans BarnbuSsegeln. gleich den Flügeln
mit rhren geflochten Schorns-ernc von Frachtschiffen
uberziehen^den^roten und blauen Himmel mit einem
Städte, die zu einer emzigen, , gehören Und örer D.^ßen, Ou - ^schang n„ Osten
' Han-Keon nn Norden türinen
sich an den beiden uwißufern^u^ rhre Häuser.
als Loridon zusanimenf Han-Yong im. Westen, n ^ im&
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idlosc
Dächer gibt es da zwei
den bmoen v ill Pr' ltk fonbe Hauier fotoTit hVr
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lbend nachdem Die
in der Mitte dos Flusses gut v . ^ ^ t^, schiff, ge- Winne im Sampan das Ufer, , , rch in den intt
Schmutz und Kot gepflolterten .-traßen. oeh^ bis zu dein
blauen Hanse, das ich gekauft habe ^ und schließe mich dari" ein um hier zu wachen, Ui träumen, zu schlafen, _f,i chinesischer Kleidung, m fenem aus Pfeffer, Rosmarin und Fäulnis gemilchten Geruch, — mit einem chinesischen Diener und einer chinesischen Dienerin, — um mein Gehirn mrt chinesischen Bildern anzufüllen, —
tn «eit siebm^Wochen tue ich dieses. Und ich babe noch . öUI in versäumt,
kerne einzige N« idl ^
Iti
violette Farüenton dort hinten, rin
vcc-
n ^natürlich werde ich cs auch heute nicht tun. Ich
werde hinArn, gleichviel^was geschoben mag^ Sofortl
Sobald der eckigen Pagoden herum
Westen, um
abend beun- jemand
ichwunden f ^ hgt mir jedoch heute ^rgend gemacht. Ir gen!
ruhigende , r vorsichtiger, sehr gut unterrichteter ein sehr mier- spricht von Aufruhr in der
Jesi'.itcn-Msi' ^ Lärm verbreitet sich, Metzeleien sollen Stadt Tumpl Natürlich die Niedermctzelung ^ von beabsichtigl w . ^ „^cht soll sie vorgesehen sein.
Europaarn^ii ^ Md wer kann sich dessen Tn „ur irgend etwas hienieden vorauszusehen?
rühmeri, hjngehcn. Ich werde bestimmt hir>-
grh^ ' Mtz. Da bin ich nun in meinem blauen Hanse, tzzlü ich den Fluh durchquert, die Stadt durch- Äu, - ohne jedes Hindernis.
wg bin ich in meinem blauen Hause! Ick habe mich si,ick meinen Matten ausgestreckt, in dem einzigen Zun- nn-r das die gan^e erste Etage des elenden Häuschens einnimmt. Eineni schiefen, niedrigen, mit Backstein belegten und Kalk beworfenen Zimmer. Meine drei Fenster sieben offen, — in die schwarze Nacht hinaus. Meine Veranda, unter den arünen Ziegeln des umge
bogenen Daches, schwebt über der gcheimnisvollen Straße.
Mein Kopf ruht auf einen! ledernen Luftkissen. Meine linke Hand umklammert das Bambusrohr einer Opiumpfeife, denn ich rauche. Ich rauche, um diese chinesische Empfindung all den anderen chinesischen Eindrücken, die ich von der Wohnung, der Straße, der Stadt, dem Flusse, dem Geruch der Lust, der Farbe des Himmels, der Art der Nacht empfange, hinzuzufügen. Und ich vergesse nach und nach den Makel meiner westlichen Abstaminung, und ich vergesse die bleiche Färbung meiner Haut.
Der an meinem 5topfendö hockende Diener knetet und walkt die köstliche Spezerei auf dem von der Lampe erwärmten Pfesic köpf. Und ich freue mich, wenn ich das ziepende Geräusch des gcschniolzenen Opiums welches siedet, höre. Tie Dienerin hat sich zu ineinen nutzen niedergckaucrt, sieht wir in die Augen uns d-" «ml meiner Stauen. Ä w
SSe f “»,Ttw '° wrtertäSn S
a:f!cücn M sehen •- fei es, um meine Stirn mit ihrem Slmetl! 1 ™ Cr meme Sll5pen ihrem Munde
ftIIc l cib r c gute Diener und ich biir ihnen " ?^D,Hccr, Er hat sich an einem sehr kalten Tage i‘ f o/uß geworfen, um meinen bei einem Windstoß oavLngeflogencn Hut wieder herauszufischen. Sie ist, pu J C '^ T etrte ansteckende Fieberkrankheit hatte, eine ganze w,oche lang nicht vom Kopfende meines Bettes gewichen und keine Krankenschwester hätte mich besser, als sie, vttegen können.
Sie heißt Tsi und er Kao. Sie ist dreizehn, er vier- Üßhn Fahre alt. Sie sind, glaube ich, Geschwister oder Liebende. Ich habe sie beide demselben alten, wie eine trockene Zitrone verwelkten Banditen am gllücken Tage
