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Nr. 472.

e-

Wicsbadene Samstag, 9. Oktober 1909,

Für bi- Ausnahme idäter eingereichter Anzeigen in die nächficricheinend e AnSgade wird keine Gewähr übernommen.

57. Jahrgang.

Kbend-Kusgabe.

J Wkall.

1,

Die Politik der Woche.

Paragraph 1 b soll im Deutschen Reiche fortan lauten: Es wird gefparl! Tie Zeiten, wo wir, wie einst der Preu­ßische Finanzminlsrer Rliquel sich . ausdrückte, heiden­mäßig viel Geld hatten, sind längst vorüber, und die Schuldenlast des Deutschen Reiches ist in so erschrecken­der Weise gewachsen, daß der Fnr-mzrefonn von 1906 die von 1Ltt9 gefolgt ist, und besorgte. Gemüter bereits meinen, es tonnte sich eine von 1810 oder wenigstens 1911 daran anschsteßen. Ta aber nun die Steuccsählg- leit eine Grenze hat,.soll es setzt mit der Sparsamkeit versucht werden. Ser der Aufstellung des ReichsetatZ für 1910, der im wesentlichen fertiggestellt ist imd nun­mehr dein Bundesrat zugehen wird, ist, wie offiziös versichert wird, Lparsamkeit Trumpf gewesen, und das tut jedenfalls not, denn die Volksvertreter dürften sich diesmal den Etat ganz besonders gründlich be­trachten. Wird doch . ohnehin durch die ungedeckten Matrikularumlagen, die Besoldungsaufbesserungen und die Ausfälle in den Reichscinnahmcn, wie mitgeteilt, ein N a ch t r a g s e t a t für 1909 erforderlich,'der das hübsche Sümmchen von einer halben Milliarde Mark umfaßt, die abermals auf Anleihe übernommen wer­den sollen. So haben wir also bereits ein Postskriptum zu der jüngsten Reichsfinanzresorm, während die üblen Wirkungen derselben, wie sie in dem Bicrkrieg, in der Notlage der Tabakindustrie, in dem Streit um die Ab­wälzung der Talonsteuer usw. zutage traten, sich uoch immer in schärfstem Maße geltend machen.

Ein lebhafter Streit hat sich auch, insbesondere in der österreichischen Presse, um die bemerkenswerte Rede entspannen, welche Prinz Ludwig von Bayern bei der Feier der Denkmalsenthüllimg in Helmstabt gehalten hat. Wenn der bayerische Prinz bei dieser Gelegenheit die Deutschen Österreichs ermahnt hat, nichtüber die Grenze zu schielen", da dies Hochverrat sei und eitle Schädigung aller guten staatstreuen Deutschen in Österreich-Ungarn bedeute, so war diese Mahnung, die ia auch der Altreichskanzler Fürst Bismarck gar manches Mal an die Adresse der österreichischen Deutschen ge­richtet hat, gewiß gut gemeint, und es muß eigentlich wunder nehmen, daß die Deutschen in der Donau­monarchie sich davon vielfach sehr empfindlich berührt kästen Im übrigen ist die treue, ^ unveränderliche Freundschckft zwischen Deutschland und Aterrerch-Ungarn a erst dflstr Tage aus Anlatz des ^fahrigen Bestandes des deütsch-österrelchischeu Vündmsies von den Ofsi- ziöstn hüben und drüben mrt gang besonderer^ Wärme und Entschiedenheit betont worden. Und diese Auf- assnng wird von den beiden Nationen um so ruckhalts- o er geteilt, da ja dies Btmdms, .ebenso tote der aus ihm hervorgcgangone Dreibund, leuren des e n siven Charakter und seine Bedeutung fnr die Erhaltung des

Ferülletou.

Die Nuren öe§ Äskulap.

die Geheimnisse

SÄS?«« 8ti«

boigenommen wurden

und

die von der von

die Ch. Daufresnc

der alten athenischen Eawadias in einem

».. V. -Evidaums, seine Priester und

mi " s'S .Ä»»'»«?_«.<

Kuren" zu hat. Äskulap,

der Sohn

des Apollo und der Nymphe

nur. r-wimap. vu. fccr burd) feine Kunst Pluto

»-sh».'» d«ch einen

Ut

ganz

(Cf ., , L . ^ als Gott der Heilkunst

Blch getötet wurde, war

Griechenland verehrt. = hi

Eine der Hauptkultstatten, » ' . " ben und

Kranken in hellen Hausen von Ep id au rus, das rm S. °^äter wt^a !> seine höchste Blütezeit erlebte. ^ rritiaitifaf mtt

Schätzen überreich gefüllte Tempel von si.P -a-Mchen Piraten ausgeraubt, unter dem Kaiser .l - hergestcllt

und später völlig zerstört und vermchtet M h n

Ausgrabungen einen Abglanz von ^ -orrrlichleit

des ÄSkulapheiligtnms wtcder ha Crdeit Stellvertreter des heilenden Gottes auf Erden waren feine Priester, die nach ihren Perrichrungen verschiedene Grade ernnahtnew; die Obersten waren me ^ mger, denen deS Gottes aesnndmachende Kraft we'wr revte; dann kanten Hüter des Feuers und zuletzt tote AW

fnem merkwürdigen Auktionsinvenwr, oas _ b lc gcschäfts-

^undigen Priester bei einer Versteigerung herstger Tempcl- ^räte aufstelltcn, können wir uns ewiges aus der wunder- stckien Einrichtung dieses Leiliawms rckonltruleren.

Li.'

öfter-

Weltfriedens erst neuerdings wieder bei dem reichisch-ungarischen Balkankonflikt bewährt hat.

In unverändertem Beharrungszustande befindet sich dagegen der durch die Demission des ungarischen Mrnisterpräsidenten Wekerle zunr Ausbruch gekommene Konflikt zwischen den beidcir Rerchshälften, zwischen deren Interessen sich noch immer kein Ausgleich ermög­lichen will. Die weitgehenden ^ Forderungen der magyarischen llnabhängigkeitspariei, die Kossuth dem Kaiser Franz Joseph übermittelt hatte, sind von der Krone mit Entschiedenheit zurückgewiesen worden, und alle Kompromißversuche sind bisher gescheitert, so daß die notwendig gewordene Neubildung des ungarischen Kabinetts noch 'immer ein ungelöstes Rätsel darstellt. Diese österreichisch-ungarische Krisis wird aber^noch da­durch verschärft, daß auch die Versuche des Kabinetts Biencrth, die parlamentarische Maschine in Österreich wieder in Gang zu bringen und zwischen den Deutschen und den Tschechen, die nicht minder begehrlich sind als die Magyaren, eine Verständigung anzubahnen, bisher erfolglos geüliebeit sind.

Etwas friedlicher klingen dagegen in den letzten Tagen die Meldungen vom Kriegsschauplatz des eng­lisch e it Budgetstreiies. der sich allgemach zu einer regelrechten Kampagne zwischen Oberhaus und Unter­haus, zwischen Konservativen und Liberalen ausge­wachsen hat. Tic Anzeichen mehren sich jetzt aber, baß auch diese Suppe nicht so beiß gegessen werden wird wie sie gekocht wurde, und der'Aussehen erregende Vcr- mittlungsversuch, den König Eduard unternommen hat indem er den Premierminister Asguith zu sich beschicd, läßt erkennen, daß weder das liberale Kabinett noch die konservativen Lords Neigung haben, die Dinge ans die Spitze zu treiben. So verstärken sich die Aussichten auf eine schiedlich-iriedliche Beilegung des BudgetlriegeS, der zurzeit das politische Leben im Britenreiche be­herrscht.

J-r unerfrcnkichom Gegensatz hierzu ist der Klanc, der FriedenSschalmeien vom Riff, der den Spaniern so angenehm in die Ohren drang, bereits wieder dem rauhen Ton der Kriegsdrommeten gewichen. Es hat sich schnell gezeigt, daß die Spanier ' zu früh gesichelt hatten, als sie ihren Sieg am Gurngubcrg für das E n de des marokkanischen Feldzugs ausgabcu, und der uneu?ältliche General Marina hat bereits neue Truppcusendnngen nach Mesilla für dringend erforder­lich erklärt. Buttt Unglück für die abenteuerlustigen Spanier^ werden letzt allgemach auch die Franzosen mißtrauisch, da sie von dem Vorgehen der Spanier eine B^eintr'ächtiyung ovor ^ar Schmälerung ihrer Fnter" esscnsphäre befürchten. Der frühere Befehlshaber des französischen OkkupattonskorpS von Casablanca, der be­kannte General d Amade hat bereits Alarm geblasen, indem er seinen Landsleuten ein marokkanisches Faschoda an die Wand malte. Freilich ist recht schnell von ihm die französische Regierung abgerückt. Die spanische Regierung hat sich ^ zär einer amtlichen Er-

fernerhin im Rahmen der Algeciras-Aktc halten werde, aber es wird Sache der interessierten Mächte sein, zu denen ja auch Deutschland gehört, dafür zu sorgen, daß diese Versicherung nicht bloß in den Akten steht.

klärnng veranlaßt gesehen, daß sie ihre Aktion auch ^ und dann

Politische Kbrrstcht.

Wie mied das Reichstagspeiistdi«m chusfehcn?

L. Berlin, 8. Oktober.

In gemessenen Zwischenräumen tritt die Frage nach der Zusammensetzung des künftigen Reichstags. Präsidiums in den Vordergrund. Je näher der Termin für den Wiederzusammentritt des Reichstags rückt, desto mehr Aktualität gewinnt naturgemäß diese Frage. Den Parteien des Antiblocks ist sie begreiflicherweise etwas unangenehm: liberalerseitZ dagegen hat man keine Ver­anlassung, den Gegnern rmch dieser Richtung hin das Leben leicht zu machen, und so wird es immer schon ganz nützlich sein, ^ic Konservativen und das Zentrum ge­legentlich zu fragen, wie sie sich diese nicht unwichtige Sache eigentlich denken, und welche Zusammensetzung das Neichstagspräfidium nach ihrer, in diesem Falle höchst maßgeblichen Meinung haben soll. Die Aus­flüchte, mit denen bis dahin besonders von den Konser- vativen bei jeder Antwort aus die Frage entgegnet wor­den ist, zeigen ein hohes Maß von Verlegenheit, In der Tat wird es für die Konservativen eine schwierige Aufgabe sein, sich dein Zwange der geänderten Verhält­nisse so zu entziehen, daß sie dabei keinen Schaden leiden, oder aber sich so zu fügen, daß sie sich mit guter Manier aus der Klemme heranswinden können. Zunächst ist eins gewiß: das Präsidium kann nicht dasselbe wie in der abgelanfenen Session sein. Tie Freisinnigen wer­den ausscheiden, und fraglich könnte es höchstens bleiben, ob die Nationalliberalen Luft haben mögen, wieder einen der beiden Vizepräsidenten zu stellen. Matr Hai in der letzten Zeit mancherlei Bemühungen der Konser­vativen beobachten können, mit denen versucht werden sollte, die Brücke zu den Nationaltiberalen erneut zu schlagen. Auf diese Versuche bat der Abgeordnete Basser- mann die unzweideutige Antwort, erteilt, und zwar im ablehnendem Sinne. Damit brauchte allerdings noch nicht gesagt zu sein, daß unter allen Umständen ein Platz im Vorstände der Volksvertretung verschmäht werden müßte, aber die Wahrscheinlichkeit, daß es ge­schieht, düiflt uns für jetzt mindestens fo groß, wenn nicht größer als die entgegengesetzte. Schott ans dem natürlichen Wunsche heraus, daß die Umrißlinicn der neuen politischen Lage vor jeder V e r d u n k e l u n g be­wahrt bleiben mögen, muß cs auch den Nationallibe­ralen willkommen sein, wenn das Reichstagsprösidium von den Parteien gestellt wird, die im Juli die Führung der politischen Geschäfte in die Hand genommen hatten. Wo.ruin also sollten wir nicht ein Präsidium bekommen, worin neben einem konservativen Präsidenten, also wieder dem Grafen Stolbcrg, ein Zentrumsmitglied

etwa

:o wurden in dem Tempel eine große Anzahl Hunde und Schlangen gehalten. Den Hunden schrieb man die Fähigkeit zu, eine feine Wttterung für die Gesundheit der Luft und des Trimwassers in Brunnen zu haben, Epidemien vorauszufühlen und * heilkräftige Pflanzen aufzuspüren. Die Schlangen waren die eigentlichen Symbole' des Äskulap­kultes die Sinnbilder des Gottes selbst. Diese heiligen, manisch wirkenden Tiere, denen die Giftzähne entfernt worden waren, wurden von den Kranken angevetet, denn üo Maren im Besitz der Geheimnisse und der zauberhaften r - 1uie der Gr-tt erfunden, um die Menschen von

mebrcche» ä» erlösen. In Gestalt einer solchen hetligen allen Gebrechen » ^ & ^ pju( , r natcH flM i tftaUc

^cmpcls^l,.-. oir j, rm Unrast eines römischen ubergefuhrt, wa-

etn Mitglied

der Rosormpartci säße?

Auftrag .ändert v.

Epidaurns nach Rom bringen sollte, tmd von unschätzbarem Wert waren

Gesandten w-sl-n, der im 3- Jahrhundert v. Ch^cine solche Schlange aus

Kranke nach ihrer

Leili'gtume aufstelltcn. Ärmere Pilger dankten durchs daß sie einen Tempel durch Reliefs oder oersch'önen ließen. Auf den Opfertafeln, die anr ^«rtteüellt wurden, waren vielfach Augen dargestellt, Altäre >. 01 - ffirfnfitcH

Gabe,

... reiche

Weihg tief uns Mi

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Malereien^ ^ wurden, lr

durch die der Opsemde sich gegen die Gefahren ^ Blicks schützte. DieKonsultationen", die der ,'ttcilic. erfolgten hauptsächlich während des Schlafes, übernatürliche Macht die Patienten in dem Tempel- e , übcckam. Ans verschiedenen Stelen, deren Inschriften r . erhalten sind, können wir die Einzelheiten der Kuren -flennen, denen die Besucher des Tempels unterworfen wurden. Bevor der Pilger den Tempel betrat, wurde er xiner gründlichen körperlichen Reinigung unterzogen; auf Waschungen folgten Massage, Einreibungen und Rauche- rultg. So witrdc eine Prophylaxe gegen ansteckende Krank­heiten durchgesührt. Dann muhte sich der Patient einem längeren Fasten unterwerfen und fein Geist wurde durch

Gebete und Zeremonien in einen Zustand versetzt, der ihn einer starken Suggestion zugänglich machte.

Sicherlich ist vielfach bei diesen Heilungen jenes Phänomen verwendet worden, das wir heute Hypno­tismus nennen. Waren alle vorbereitenden Riten voll­zogen, dantl wurde der Kranke abends dcnt magischen Tempelschlaf überlassen, und in seinem erregten Gehirn entstanden nun die Träume und Visionen, die ihm die Priester nachher deuteten. Aus der Zahl dieser Träume wurden zunächst die unwichtigen ausgeschieden und auS denen, die der Traumdcuter für ensicheidcnd hielt, Art und Hcilweise der Krankheit verkündet. Doch überließon die klugen Priester die Entscheidung häufig nicht den zufälligen Trauniphanlomen, sc Wern sie erschienen selbst dem Kranken int ruhigen Morgen; chlummcr unter der Gestalt des Gottes der von seiner Gattin Telcsphorc oder seiner Tochter Hvaicia begleitet war. Sie näherten sich dem Schlummornv-i, berührten ihn und sprachen zu ihm. so daß er in der sckfla ' Len"lE^^n° d°s Gemüts den Gott vor'Km

'^'Erdige,!SP rech st u n d e n" wurden und Rezepte vcrordltct, in deren

Dio wiü'tie-ck \v tne tc ^ c Erfahrung gesammelt Arzneien waren Schierling, Wer- gemilcht, ein Purgativ au» getrockneten anderetr Ingredienzien, Samen von

dem Kraulen Heilmittel Anwendung die Priester hatten. wut mit

Pstrienm?/" ^»greorcnzren, samt

Stta 3 ^^olauch. Honig, das Blut des weißen

wurw,', .n. a. Sogar chirurgische Operationen

en ,m hypnotischen Schlummer vorgenommen. So ist ff,L cr Stele von Epidaurus der Fall eines gewissen .ausgezeichnet, dem der Gott eine Lanzenspitze, die 1 sechs Jahre in der Backe gehabt hatte, herauszog. Jedcn- taüt- waren dic^ Priester des Äskulap keine bloßen Charla- sondern ttc hatten durch Erfahrung sich zahlreiche Krasie der Natur nutzbar gemacht, die sie nun mit mehr oder weniger Erfolg zur Heilung der Kranken «»wendeten.