Verlag Langgaffe 25 / 27 .
„TügLl-tt.HlluK".
Echattrr-Halle geöffnet von s Uhr morgen- biZ 8 Uhr abends.
26,000 Abonnenten.
Bezugs-Preis für beide Ausgaben: bOPfg. monatlich durch den Berlaa 07 r «o -
lohn. ^ 2 Mk. 50 Mg. vrerteljahrttch durch alle deutschen Poftaustalte.u auSiZljL^'
Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgegen: tu Wiesbaden^ h;« 0 ! ™
126
IsL] 11 ■ •& u.’£i- D'J '.mH- Viuuj au? ocurimen Pvitanstalten. an?'
Bezugs- Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden b e 1 Dn^ l,t t u r\7
126 Ausgabestellen in allen Tellen der Htadt; in Blebricb: die dortiaen 38 ^wie die
benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblair- Trägergabeffellen und rn den
Anzeigen-Armatzure: ^ür die Slbend-AuSgabe dis 12 Uhr mittags: jür die Morgen-
Nr. 4SI.
Ausgabe bis 3 Uhr nachmittags.
2 Tagcsausglibcik.
F«r«sprecher-Ruf:
„Tagblatt.HauS" Nr. 6650-53.
Don S Uhr morgens Vis 8 Uhr abends. SoniUags von 9—11 Uhr vormittags.
Anzeigcn.Prtis für die Zeile: 15 Mg. für lotale Anzeigen im „ArbeitsinarU" lind „Kleiner Anzeiger" in einheitlicher Satzform; LOPfg. in davon abweichender Satzausführnng, sowie für alle übrigen lolalen Anzeigen; 30 Pfg. für alle auswärtigen Anzeigen; 1 Mk. für lokale Reklamen: 3 Mk. für auswärtige Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung. — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzeil Zwischenräumen entsprechender Rabatt.
Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigelt in die ilächstericheineude Ausgabe wird keine Gewähr übernommen.
Wies bade», Sonntag, 3. Oktober 1909.
57. Jahrgang.
Morgen - Busgabe.
1. Matt.
Deutjch, treu unü penftonslierrchM.
Die Aussprache auf der Wiener Tagung des Ver- eins für Sozialpolitik über die Schäden der Bureau- kratie war sehr heilsam. Die^ Professoren Weber wie Wagner betonten jeder eine Seile, der eine die Nachteile, der andere die Vorteile des Beamtentums. Wagner hatte mehr die Vergangenheit, Weber mehr die Gegenwart vor Augen.
Daß das Beamtentum in früherer Zeit viel für Preußen und Deutschland geleistet hat, ist zweifellos. Zur Zeit Kants und Hegels war jeder Beamte eine Art Philosoph, ein eigner selbständig denkender Kopf. Ter kategorische Imperativ, das strenge Pflichtgefühl saß tief in der Brust jedes Beamten. Im Jahre 48 standen viele Beamten mit an der Spitze der Freiheits- nnd Einheitsbewegung. In den Konfliklssahren, Anfang 6», unterstützte ein großer Teil der Beamten die Opposition. Selbst noch in den 70er Jahren war der Kreisrichter-Liberalismus berühmt.
Das ist heute alles sehr viel anders geworden. Der Fall Schücking hat uns gezeigt,> was jetzt von den Beamten, sogar von den städtischen, verlangt wird. Das Korpsstudententum und der Reserveoffiziersgeist hat die philosophischen Charakterköpfe völlig an die Wand gedrängt. Einen typischen Regierungspräsidenten hat da Schücking vor Gericht geschildert, Herrn v. Tepper- LaSki in Wiesbaden. Der gute Mann hat regelmäßig rn die sich meldenden Regierungsreferendare die Frage gestellt: Sind Sic adlig, Korpsstudent oder Reserveleutnant? Konnte der Gefragte nicht wenigstens einen Punkt bejahen, so antwortete der Präsident: Na, was wollen Sie denn eigentlich?
Don Beamten wird heute in erster Linie Gesinnung verlangt, das heißt konservative Gesinnung, Disziplin gegen oben. Ist man hier willfährig, so wird man befördert, hat keine Schwierigkeiten, bekonnnt manche Pergünstiguna zugewiesen. Im anderen Falle ist der Pfad ziemlich dornig. Man muß dann schon durch ganz besondere Tüchtigkeit hervorragen, mutz als Wissender ben Behörden gefährlich werden können, wenn man etwas erreichen will.
Wenn das deutsche Beamtentum noch einen Ruf hat in der Welt tvegen feiner Ehrlichkeit und^Unbestechlich- keit, so verkennt man doch nirgends die Schäden. Ter deutsche Beamte will über den Bürgern stehen, eine Herrschaft über das Volk" ausüben. Er maßt sich an, gegenüber dem Bürgertum den Staatsgedanken zu verkörpern. Schon der einfachste Unteroffizier glaubt, weil er, wie er sagt, des Königs Rock trägt, einen kleinen Strahl des königlichen Gottesgnadentums auf feinem
Nock glänzen zu sehen. Im Heer kann er das zwar nur den Rekruten gegenüber betätigen, aber als Schutzmann will er dann durch Schneid seine Wurde bewähren, wenigstens bei denen, die es sich gefallen lassen. Zahllose Gerichtsverhandlungen haben gezeigt, was ein Beamter, der etwas auf seinen Eid nimmt, gegenüber den freien Bürgern ausrichtet.
Leider ist auch der Bürger_ viel zu sehr von dem Beamtengeist angesteckt. Auch ihm ist die Pensionsberechtigung ein Ideal. Er verheiratet seine Tochter am liebsten an einen Beamten, denn da bildet der Trauschein gleich eine Art Versorgung bis an den Grabesrand. Auch der technische und der kaufmännische Angestellte sind viel zu sehr darauf erpicht, Beamtencharakter, eine sichere, lebenslängliche Versorgung zu bekommen. So viel Angenehmes diese auch hat, eine gewisse Pomadigkeit ist sehr häufig damit verbunden. Ter Beamte erschlafft zu leicht, denn das Gehalt geht fa fort, die höhere Gehaltsstufe wird erklommen, die Pensionsfähigkeit kommt, gleichviel was der Mann auch leistet.
In anderen Ländern sind nicht einmal die StaatZ- und Gemeindebeamten pensionsberechtigt. Amerika kennt diese Einrichtung gar nicht. In der Schweiz werden die Beamten aus immer iiur auf bestimmte Zeit gewählt. In England ist das ebenfalls bei den meisten Beamtenklassen, ebenso in Italien der Fall. Wenn man niit den Beamten in jenen Ländern spricht, so verstehen sie in der Regel gar nicht, wie man Personen in jungen Jahren schon lebenslänglich anstellen kann.
Prof. Redlich in Wien, der auch auf dem Kongreß sprach, zeigte sich ziemlich zufrieden mit der österreichischen Burcaukratie. Er gab uns Preußen auch einen guten Rat. Er sagte: Ändert euer Wahlrecht, daß das Abgeordnetenhaus etwas aufgefrischt wird. Dann habt ihr die Möglichkeit, die Beamtenhierarchie etwas mehr nach demokratischen Gesichtspunkten zu beaufsichtigen dann werbet ihr Herren der Beamten werden.
CS ist schlimm, daß es schon soweit gekommen ist daß Ausländer uns sagen müssen, was wir tun sollen. Jedenfalls hat der Mann recht. Reform des preußischen Wahlrechts, das ist in jeder Hinsicht die wichtigste politische Aufgabe.
S«s KultmlmstgchM in tat Jettraispttlf.
In der Zentrumspresse und in Zentrumsversamm, lungen wird nach wie vor stets das drohende Gespenst eines Kulturkampfes eifrig propagiert. Das System des Preußischen Staates ist es, das wir anklagen, heißt es da immer. Der Staat möchte die katholische Kirche unterdrücken und protestantisieren. Wäre die Zen- trumspartei nicht da, so würde man über die katholische Kirche von neuem herfalleu und sie unterdrücken Nur solange das Zentrum seine Machtstellung behaupte, sei
Fettilleion.
(Nachdruck Verbote».)
Das Adoptivkind.
Von Francois Coppäc.
Seit mehr als zwanzig Jahren schon schrieb Jean Vignol für einige Pariser Bolksblatter Feuillcton- romane, in denen es sich nach dem üblichen Rezept um Mord,, Kindesraub und Erbschleicherei handelte, und die nicht schlechter und nicht besser waren als all dieMuster dieser Gattung, die Schauergeschichten von Jules Mary und Henry Demesse. Man konnte behaupten, daß Jean Vignol sein Metier vortrefflich beherrsche, und falls der geneigte Leser einmal — wovor ihn übrigens eiii gütiges Schicksal bewahren wolle — krank werden sollte und die Langeweile einer Rekonvaleszenz durch irgend eine drainatische Lektüre zu verkürzen wünschte, so würden ihm Bignols „Mysterien von Msiinlmontant" gewiß einige Stunden angenehmen Gruselns bereiten. Aber dessenilugcachtet konnte es unser Poet nie zu etwas Rechtem bringen, hatte stets Mühe, ein neues Werk anzubringen und führte eine mehr ..als kümmerliche Existenz, Bon Hause aus kein Glückskind, war er dazu schüchtern und bescheiden, völlig unfähig, jene Ellenbogentaktik nachzuahmen, der zufolge man heute nach „amerikanischer Mode" auck in der Literatur seinen Wen macht.
Wohlverstanden, er hatte als Schriftsteller nicht mit der Favrikation von Räubergeschichten begonnen, und zuunterst. in feiner Schreibtischlade verwahrte er das Manuskript seiner zwei Jugendwerke, geschrieben zu einer Zeit, da er noch all sein Haar und einen großen Enthusiasmus für seine Kunst besaß. Jetzt allerdings hatte er jede Hoffnung aufgeqeben, für diese Sachen einen Verleger zu finden. Es war eine Gedichtsammlung „Gifte lumen", in deren einzelnen Strophen sich der Poet bitter über die Untreue einer jungen Person
weiblichen Geschlechtes beklagw, der er den romantischen Namen Jragoletta gegeben und sie mit allen berühmten Liebcsheldinnen verglichen hatte, von der grauen Vorzeit an bis aus unsere Lage, wogegen die also An- gesungene in Wirklichkeit Agatha geheißen hatte und Lausmädchen bei einer Modistin war. Das andere Manuskript trug den schauerlichen Titel „Die Würger" und war ein mittelalterliches Ritterdrama in fünf Auf- Zügen voll endloser, flammender Tiraden, Zweikämpfe und Morde. Aber da dergleichen Poesie niemals ihren Manu nährt und es vor allem hieß, da oben inBelleville, fünf Stockwerke hoch, mit seiner gichtkranken Mutter zu leben, hatte sich Jean Vignol resolut auf das Metier eines populären Erzählers geworfen, mit derselben Resignation mit der etwa ein verunglückter Maler Photograph wird. Daß der Erfolg sich nur sehr^ lang- fam einstellte, war zum großen ^.eil seine eigene schuld, denn es fehlte ihm die Überzeugung, seine Phantasie, gebilde, diese verstoßenen Marquisen und angeblichen Edelleute blutig ernst zu nehmen um dadurch den naiven Leser Hinzureißen, und der Direktor des,,Petit Parisien" sagte ihm auch rund heraus. „.Rein lieber man fühlt, daß Sie an Ihre Geschichten iE nicht glauben!" Man zahlte ihm deshalb auch nicht mehr als zwei Sous für die Zeile, und der bravo Jean schwitzte Blut und Wasser, um nur ja recht haprstraubende, atem- beklemmende Verwicklungen für seine Helden zu er- finden.
Solange seine Mutter lebte, hatte Jean Vignol, das Muster eines aufopferndes Lohucs, all diese Widerwärtigkeiten seiner Existenz geduldig in den Kauf ge, nommcn. Aber feit Len drei Zähren, da er allein lebte, ohne Verwandte und Freunde, langioeilte er sich in seiner Mansardenwohnung zum Sterben. Er war nun 47 Jahre alt, mager und klein, mit einem wirren Vollbart und einer großen Glatze, einer Sokratesnafe und gutmi'ftigen, schüchternen Augen. Seine Gesundheit war keine feste, und seines schwachen Magens wegen batte er selbst auf feine einzige Tröstung, das Rauchen,
eine hinreichende Gewähr für den Schutz der katholischen Kirche und der Religionsfreiheit der Katholiken vorhanden.
Solche Anschauungen sind infolge der ständigen Agi. tation des Zentrums auch bereits den breiten Massen das katholischen Volkes in Fleisch und Blut überge- gangen. Um so mehr ist es daher eine Pflicht aller, denen der konfessionelle Friede unseres Volkes am Herzen liegt, der obigen Entstellung, die immer wieder von neuem Mißtrauen sät und der Anbahnung gegen» fettigen Vertrauens unter den Konfessionen entgegenwirkt, entgegenzutreten. Wäre die Regierung und der nichrkathotifche Volksteil der Bevölkerung wirklich, wie me Zentrumspresse vorgibt, kulturkämpiorisch gesinnt, 1? Konnte das Zentrum £>en Ausbruch eines neuen Kulturkampfes, wenn schließlich nur der Machtfaktor zu enftcheiüeu hätte, niemals verhindern, da eS ja nur ein Fünftel der Gefamtbevölkerung vertritt. Das Zentrum Nt allein niemals in der Lage, seine Forderungen zum «chutze der katholischen Kirche durchzusetzen. Es ist vielmehr stets aus die verständnisvolle Mitwirkung bürgerlicher Parteien angewiesen. Nun haben selbst hohe kirchliche Autoritäten, wie Papst Leo XIII., Pius X. Kardinal Fischer und andere sich sehr befriedigend über die Lage der katholischen Kirche in Deutscb- laud ausgesprochen, ein Beweis, daß die Negierung und der Nichtkatholische Volksteil auch der katholischen Kirche den ihr gebührenden Schutz und die erforderliche Frei- Heft nicht versagen. Das geschieht aber aus freier Ent. ichlrestung und dem verständigen Gerechtigkeitsgefühl, daß dic^ verschiedenen Religionsgemeinschaften in unserem Staate als gleichberechtigt gelten müssen. Um so bedauerlicher ist es daher, daß das Zentrum fortgesetzt in der gewissenlosesten Weise Regierung und Parteien als Kulturkämpfer verdächtigt, die nur der Macht des Zentrums gehorchend sich von der katholischen Kirche fernhielten, die aber, sobald sie die genügende Macht in Händen Hätten, von neuem über die katholische Kirche herfallen würden. So wird den ^arholrken emgeredct, daß ohne das Zentrum die katho. lische Religion :n Gefahr schwebe.
,., Dicser fortgesetzte Mißbrauch der Religion zu poli- üstlMi Parteizwecken inuß schließlich zu einer schweren Schädigung der katholischen Kirche und der katholischen Staatsbürger fuhren, denn durch solche Verdächtigungen werden das Mißtrauen und die Vorurteile der Kou- fesswneii gegeneinander und damir die koiifefsionellen Gegensätze immer mehr verschärft. Wenn man sicht, m welch gcwissenloior Weife die Zentrumspresse in den letzten fahren unter Mißbrauch der Religion gegen die Regierung und die nichtkatholische Bevölkerung Miß- ftMen sat und Verdächtigungen ausslreut, so kann man ach mcht darüber verwundern, daß die Abneigung gegen aas Zentrum auf allen Seiten immer größer wird. Damit aber wächst die Gefahr, daß die überwältigende
verzichten müssen. Er war daher in einer recht trüb- seligen Stimmung, als er eines Winterabends langsam zu seiner Wohnung Herausstieg.
„Welches Metier, du lieber Gott!" seufzte er. „Ta finden sie jetzt in der Redaktion, daß mein letzter Sen- sationsroman „Mazäs und Kompagnie" an aufregenden Mordtaten arm sei. Es wird nichts anderes ^ übrig bleiben, als meinen Helden „Bouffe-toujours", der sich im achten Kapitel vom Eiffelturm heravstürzte, wieder auflchcn zu lassen und ihm noch ein halbes Dutzend armer Opfer ans Messer zu liefern. Und dann bin ich noch nicht sicher, ob man mich endlich auf vier Sous die Zeile erhöht — ah, welches HandwerkI"
In seiner Wohnstube eingetreten, warteten seiner andere Unannehmlichkeiten. Als er mit einem wehmütigen Blick ans das Waidgestell, wo seine Pfefteu verstaubt thronten, sich stim m Ofen zuwandte fand er Mg Koksfeuer vollständig erloschen vor. Er fchwämst seine Hände wie ein Kohlenträger, ehe er den Otm wiederum in Gang gesetzt halte- seine fimnh. J ~] en der Aufwärterin des Morgens chftch? ö* .*T 0011 den. er mußte einen neuen Docht einnL ^^^^' wahrte sodann, daß er keine Sirei^um^ ^ r. lmö 9 e * „Savristi!" ™ ®. trctd tö?lser jnefo besaß.
„Und ich
i\ii i jCgcui ei‘ nrmi W* r
must mindestens bis nach
meinen Roman umzuarbeiten a V-—» —-
Stockwerke auf* und abkstn»' lä> wiederum fünf
Ta will ich doch lieber ü£ \ n . Icme *L Asthma?
. üei der Nachbarin anklopfen."
Näberin de^u ^ m ^ Mutter Mattlsieu, eine alte \ eu —ochter mi CiinfviWf .w+m-r-mv, ^..
Lie den Kleins x - im gestorben war unt
sÄfSe Q ü £'J er lunf Monate zählte, bei dei besaß und die n iCnn der ein braves 4?er;
bet ibt einaeitp/I P S T r öcr kannte, war öftere
, e S-* ten und hatte nie versäumt, ihr ein Funftra tkstuck zuzustecken für den Kleinen.
L "~ u l cn ftbend, Mutter Matthieu! Geben Sie mir doch einige Streichhölzchen -
Aber er blieb bestürzt auf der Schwelle stehen. Die alte Frau, beim Scheine ern.es Talglichtes, kniete auf
