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Für dir Aufnahme später eingereichter Anz«ig«» in dir nächsterschrinenbe Ausgabe wirb keine Gewähr übernommen.

Nr. 455.

Wiesbaden, Donnerstag, 80. September 1909.

57. Jahrgang.

Morgen - Kusgabe.

1. Matt.

Mirü die Negierung sprechen?

Man mutz wohl oder übel zugeben (und es ist besser, oas zu tun. als es zu unterlassen), daß die konservative Taktik, die Aufmerksamkeit von der jetzigen üblen Lage der Partei aus die Novemberkrise abzulenken, einen gewissen Erfolg bereits für sich beanspruchen kann. Denn von den Ereignissen des vorigen Herbstes und Winters wird gegenwärtig allein noch gesprochen, und das politische Interesse der Öffentlichkeit hat somit von dieser Seite her plötzlich einen bestimmenden Inhalt bekommen, während es bis vor kurzem noch mit berech­tigter Stärke an den Fragen haftete, die durch die Blockkrise und ihre Folgen aufgeworfen wurden. Man hört nicht , öon konservativen Versammlungen, in denen gegen die Parteileitung und gegen die Hehde- brandsche Taktik bei der Finanzreform Front gemacht würde; man prt,_ wie gesagt, nur noch vomTaiiy- Telegraph"-Jntervicw und von dem angeblichen Doppel- spietz das Fürst Bulow damals getrieben haben soll. Und das ist denn Wohl als ein Erfolg der gegnerischen Strategie zu bezeichnen. Damit wird aber auch um so deutlicher, wie tief die konservativen Führer die Schwierigkeiten der Lage empfanden, wie sie bis zu dieser Wendung war. Denn lediglich um diesen Schwierigkeiten zu begegnen, wurde der geschickte Vor­stoß unternommen, zu dessen Durchführung zunächst die leichte Kavallerie einiger kleinerer Blätter benutzt wurde, bis nach erfolgter Aufklärung des Terrains das schwere Geschütz derKrcuzzeitung" seine Wirkung tun konnte. Tiefem Treiben kann nur auf eine einzige entscheidende Weise_ entgegengetreten werden, nämlich, indem die konservative Legende durch eine am II i ch e Darstellung zerstört wird. Was Fürst Bülow zur Sache zu sagen hat, das hat er vor einigen Tagen durch die R. G. K." sagen lassen. Der Hergang war dort gegen­über der Darstellung in derMecklenb. Warte", in der Mark. Volksztg." und in derKreuzzeitung" genau so geschildert, wie ihn die Öffentlichkeit aus den be­treffenden amtlichen und halbamtlichen Kundgebungen oom November 1606 bereits kennt. Die Darstellung in der genannten Korrespondenz macht es indessen nicht be­stimmt erkennbar, daß sie vom Fürsten Bulow persönlich gegeben oder approbiert worden ist, und auch wenn das etwa gefdfjcfjeit wäre, so würde derartigen Erklärungen dm offizielle Autorität fehlen. Denn Fürst Bulow ist Privatmann, und die Gegner^ konnten überdies ein- wenden, daß er Partei in der Lüche A. Alm wird die Regierung sprechen müssen, also wird Herr v Bethmann- Hollweq mindestens dreN. 3- / 1 ct( ^ cmd) den

.Reichsanzeiger" bemühen müssen. Welche Folgen für die Beurteilung der Novemberereignis,e sich ergeben würden, wenn das unterbliebe, wollen wir an diesem Punkte nicht ausführen. Wir mochten vielmehr darauf

Fe uillet on.

Entdecker, denen nicht geglaubt wurde.

Von H. Singer.

Cook sowohl wie Peary haben sich die Anzweiflungen ihrer Erfolge gefallen lassen müssen, und, das Mißtrauen ist auch jetzt noch nicht überall zerstreut. Sie mögen sich damit trösten, daß schon viele Entdecker vor chmn dieselbe bittere Erfahrung gemacht haben. Freilich, mancher lxrd.enstvolle Reisende hat erst sehr spät seine Rechtfertigung gesunden oder sie gar nicht mehr erlebt. Daheim ist man m» Zweifeln, Argwohn und dem Vorwurf gänzlicher Ungmubwurdigkeit oft recht schnell bei der Hand gewesen, und nicht immer waren dieStubengelehrten" die schlimmsten Zw erster, zaudern Leute, die als Forschungsrcisende selber Großes und über­raschendes vollstihrt hatten. Veranlaßt wurden Mißtrauen und Unglauben entweder durch eine Leistung, die man sich viel schwerer gedacht hatte, als sie schließlich wirklich g Cs , wesen war, oder durch Einzelheiten ln den Berichten, die angesichts der bisherigen Kenntnis zu wunderbar erschienen, oder durch Ungeschicklichkeiten eines Reisenden in der Form feiner Berichterstattung, oder endlich , durch eine gering­schätzige Meinung von den Fähigkeiten eines Entdeckers oder Beobachters. Einige Beispiele mögen das erläritern.

Gehen Wir von der Polarzone aus. Nachdem die Russen sich in Sibirien festgesetzt hatten, fühlten dre Zaren bald das Bedürfnis, über die Gestalt der Nordkülte Asiens und über die Frage der Trennung dieses Erdteils von Amerika Klar­heit zu gewinnen. Im Verlauf der zahlreichen, mit autzer- ordeirtlichcm Mut und unter furchtbaren Entbehrungen durchgeführten Reisen wurde 1742 von Tscheljuskin die nach ihm benannte Nordfpitze Asiens erreicht. Aber dieses Ver­dienst ist in Zweifel gezogen worden. Karl Ernst v. Baer schrieb hundert Nähre nach der girttocfuniL sicherlich sei jenes

Hinweisen, baß die. Wirkung eines weiteren Schweigens der Regierung schon in der einen Beziehung erheblich wäre, daß die Befreiung der Konservativen von den Verlegenheiten, in die sic sich durch dieKampfgemeinfchast mit dem Zentrum und den Polen gebracht hatten, eine gewisse Fessel für den neuen Reichskanzler zu bedeuten hätte. Solange sich die . Rechte gegen die wachsenden Zersetzungserscheinungen im eigenen Lager zu wahren und zu wehren hatte, so lange fehlte der Partei die Kraft, mit der sie sonst in Glimpf und Schimpf, fordernd und trotzig, mit positivem Wollen wie mit störrischer Verneinung der Regierung gegenüdertreten konnte. Man hat kein Recht zu der Annahme, daß Herrn v. Bcth- mann-Hollweg eine erhebliche Schwächung der Rechten ein erstrebenswertes Ziel dünkt, indessen würde ihm ein Zustand der Partei, wie er sich seit dem Juli bis vor kurzem üarbot, seine Aufgabe vermutlich erleichtert haben, wobei wir voraussetzen, daß er es nicht als feine Ausgabe ansieht. Mandatar der konservativen Partei­leitung zu sein, Rehabilitiert sich also die Partei, wozu sie jetzt nicht wirkungslose Anstrengungen macht, so müssen, um das zu wiederholen, die Folgen auch für das Verhältnis der Partei zur Regicruna und mehr noch fiir das Verhältnis der Regierung zu ihr beträcht­lich sein. Man sieht, es liegt viel daran, das; der neue Reichskanzler den Deckel vom Korbe des Geheimnisses lüftet.

Politische Übersicht.

Aus -rm Walflstpris A!key-M»gen

sind von einem nationalliberalen Vertrauensmann einem Freisinnigen gegenüber ganz inieressante Dinge ausgeplaudert worden. Darnach ist dieFraktions- losigkeit" des früheren, inzwischen verstorbenen Reichs- tagsabgeordneten Keller nicht ganz freiwillig ge- iiw'fen. Um die stimmen des Zentrums zu erhalten, gab Keller der Zentrumslsitüng lange vor der Wahl einige schriftliche Versprechungen, die in einem Flugblatt öffentlich bekannt gegeben wurden. Diese Versprechungen waren aber derart, daß sie direkt gegen das natioriallibcrale Parteiprogramm ver­stießen. Tie Berliner Parteileitung der National- liberalen soll infolgedessen Herrn Keller bedeutet haben, daß er, falls er diese Versprechungen geben würde, keine Aufnahme in die nationalliberale Neichs- tagsfraktron finden könne, Diese Absage soll die Ur- fache gewesen sein, weshalb sich Keller alssrakiions- los" bezerchnete. Das gleiche Schicksal wäre nach der Aussage. des nationalliberalen Gewährsmannes im Falle ferner Wahl Herrn,Dr. Becker- Sprendlingen (dem Gegenkandidaten Korells bei der Ersatzwahl) widerfahren, wenn er dem Zentrum antinationallibe­rale schriftliche Versprechungen gegeben hätte. Er habe es aber auf Wrnk von oben wohlweislich nicht getan. Deshalb der R u ckz ug des Zetrnms v o r d e r H a u p t w a h l und dre Niederlage Nr. Beckers. Das

> famose, zwischen der natioualliberalen und der ultra­montanen Wahlkreisleitung später getroffene Abkom­men, wonach das Zentrum, zum Tanke für den 1909 bei der Stichwahl verübten Verrat der Natioualliberalen, im Jahre 1912 auf eine Kandidatur verzichtet und schon im ersten Wablgang für deir Nationalliberalen eintritt, durfte ebenfalls, wie der nationalliberale Vertrauens- inann auf das bestimmteste erklärte, weder die Billi­gung des nationalliberalen Landesausschusses noch die der Zentralleituna der natioualliberalen Partei _ in Berlin finden, im Gegenteil, daS Abkommen wird nicht nur außerhalb des Wahlkreises Alzey-Bingen, sondern auch innerhalb desselben von der nationalliberalen Bürgerschaft anfS entschiedenste verurteilt. Gin auf Grund dieses Abkommens zur Bekämpfung der frei­sinnigen Volkspartci gewählter nationalliberaler Kan­didat wurde n i c nt a I § Aufnahme in der natro- aalliberalen Reichstagsfraktion finden, nicht einmal als Hospitant.

Es wäre dies sehr wünschenswert, wenn auch eigent­lich selbstverständlich. Der Skandal von Alzey-Bingen, die ultramontan-nationalliberale Verbrüderung bei der Stichwahl, kann unmöglich eine Fortsetzung finden, wenn der jetzt schon so schwer um seine Existenz kämp­fende hessische Nationallibcralismirs nicht ganz in Atome zerfallen soll.

l-ernnnkirge Worte eines Geistlichen «ver die Tr»»m«ng non Kirche und Schule.

In Meiningen ist, wie wir schon nreldeten. von der Landessynode die Durchführung der Trennung von Schule und Kirche bestätigt worden. Tamil ist wenig­stens in einem einzelnen Bundesstaate ein Schrilt getan worden, der hoffentlich auch in anderen Bundesstaaten allmählich Nachahmung findet. Aus den Debatten, die diesem Beschluß vorausgingen, heben wir die sehr be­achtenswerten Ausführungen des Qberhofpredigers l>. Graue hervor. Er sagte:Unsere Schule sei zwar keine reine Staatsschnlc. Aber der Staat sei auch kein atheistischer Staat, denn er lasse in seinen Schulen Reti- gionZunterricht erteilen, In Frankreich habe man nur Moralunterricht. Es sei eine Freude, in einem Staat :nit religiös-ethischeii Schulen zu wohneii. Die Kirche brauche da nicht mehr isoliert zu leben, wo der Staat Religionsunterricht erteilen läßt. Religion sei Volks fache. Ter Staat brauche zu einer großen Aufgabe große Freiheit. Auch der Lehrer st and sehne sich nach Selbständigkeit, er wünsche den Pfarrer als Freund, nicht als Herrn. Die Schule sei gar nicht die Tochter der Kirche, w c n i g st e n s sei sic erwachsen. Ter Religions­unterricht sei christlich-evangelisch zu gestalten. Leider hätten die Geistlichen noch dogmatische Verpflichtungen nötig. Diese solle man aber nicht auch noch den Lehrern auf- zwingen w o l l e n. Das Christentum sei nicht nur da zu sehen, wo Geistliche seien. Der dogmatische Unter­richt werde schwerlich für die Dauer aufrecht zu erhalten sein. Die Bibel sei nicht lutherisch und nicht katholisch.

Vorgebirge me um,egelt worden, und er glaube auch daß es zu Lande niemals erreicht worden sei. Tscheljuskin habe Wohl, um dieser so entsetzlich strapazenreichen Versuche end­lich überhoben zu werden, nch zu der unbegründeten Be­hauptung -entschlossen, er habe das Nordende Asiens gesehen und sich überzeugt, Sibirien fct_ gegen Norden überall vom Meere umgrenzt. Dieser Zweifel hatte Nahrung gcstmden in dem dürftigen Umfange der uns überlieferten Reisebe­richte Tscheljuskins. Erst Rordenskröld hat 1378 während seiner Vegafahrt den endgültigen Beweis erbracht, daß Tscheljuslin durchaus bei der Wahrheit geblitbeu ist; er fand daß die aus Tscheljuskin beruhende Zeichnung der Karte des Kapes genau der Wirklichkeit entsprach.

Trauria hat ein verdienter Arnbienforscher, A. v. Wrede, die Skepsis seiner Zciigcnosscu büßen müssen, v. Wrede, ein aus Westfalen gebürtiger griechischer Offizier, durch- ivänderte in einer Verkleidung, die ihm die Beobachtung oft erschwerte ein noch heute zu den unzugänglichsten Teilen der Erde mblendeS Gebiet, das Hinterland von Hadramut in Sübarabien, etwa bis zum 16. Brcitegrad iiordwartZ. und wünschte dann seine AnfzeichiiungM zu veröffentlicheit. Aber die Gelehrten, denen er Einsicht rn sein Manuskript

«M «WeK de, M u! ul*

sogar Alciander von Humboldt eiklarte ihu für einen Auf­schneider. Leider kam v. -Zrede in London auch seine Karte abhanden. Enttäuscht wandertc er dann nach Amerika aus> und dort ist cr gestorben, ohne ferne Rechtfertigung erlebt zu haben Seine Relsebcschrewung veröffentlichte erst 18"0 Freiherr v. Maltzan. ^Der Gothaer Geograph August Petermann, der das Originalmanuskrtpt kannte, versichert, es seidas reichhaltigste und sorgfältigste Jtincrar, welchks ein Reisender mit möglichstem Fleiß zustande bringen kann/ Der Vorwurf der Unglaubwürdigkeit gegen v. Wrede gründete sich hauptsächlich auf seiner Angabe, es sei ihm sein Senkblei mit der Meßschnur im Sande des Bahr Safi wie im Wasser bersunkeir. Ähnliche Bcobachtunaen bat man

aber seitdem in anderen Flugsandgebicten gemacht, so daß für die Annahme, v. Wrede habe ausgeschnitten, kein Grund vorliegt.

Auch Stanleh ist den Zweifeln der englischen Geo­graphen nicht weniger ausgcsctzt gewesen, als die Nachricht kain, er habe den verschollenen Livingstone gefunden (187t). Stanley hatte im Auftrag desNew York Herald" seine Reise tu aller Stille und nüt damals ungewohnter Schnellig- keik durchgcführt, und seine Meldung von dem Zusammen­treffen mit Livingstone, um den man sich tu England wenig gekümmert hatte, wirkte dott beschämend. So war man denn aus gekränkter Eitelkeit schnell bereit, Stanleh zuur smarten" Aufschneider zu stempeln; cs bedürfe desharten Kopfes" eines Engländers, um einen solchen Erfolg tu Afrika zu erzielen, einem Amerikaner sei das nicht gegeben Allein es brach sich doch bald eine ruhigere und gerechtere Auffassung Bahn, und so wurde Stanley auch tu Gnalmth die verdiente Anerkennung zuteil. ^ngrauv

Trübe Erfahrungen mit englischen Geographen haben ferner die Emdccker und der erste Erforscher scharo, des großen Schneeberges unserer^ Tf* Nischen Kolonie, machen müssen 4* deutsch^

Rebmann entdeckte den Bera 1 ^ 8 ^ oeut;chc Mlsjwnar

richten über sein D°rhm4n4n 4t 4'"" bl f r * ^ «üfte zu Ohren (lcfomm E schon vorher an der

E-.r^medcrG tüatcn - Rebmann erschien aus n ckt^die se n ^"er auffallend weißen Wolke be-

Ä'wurde mir?b»?r" ?"°leiter alsKälte" bczcichnete. anderes sein l!! ,? 1 klar als gewiß, daß das nichts aI - Schnee", berichtete Rebmann weiter, ttveiten Reffn blüit verstärlte sich ihm noch auf einer

,werwn Reste nach dem Berge. Auch RebmannZ Kollege ttraps hatte 1849 Gelegenheit, den Kilimandscharo und seine Schneeioppe zu sehen. Diese Entdeckung erregte den zor« nigen Unglauben des englischen Geographen D. Cooleh, eines sehr gelehrten und auch recht verdienten Mannes, und > viele stießen in dasselbe Horn. Rebmann so erklärte