Seite 2. Momag, «7. September 1909* (ißgliSött. _ Tldend-Ansgabc, 1. Blatt. Nr. 459.
Deutsches Reich.
* Hof- und Personal-Nachrichten. Die Krankheit des früheren bayerischen Staatsminifters Grafen Hohentihak hat sich derart verschlimmert, idatz man t»as Schlimmste ve- sürchtst
* Der Urlaub des Reichskanzlers. Ter Kanzler wird bis in das erste Drittel des Oktober im Hochgebirge bleiben. Ob er die ganze Zeit Jagdgast des Prinzregenten von Bayern sein wird, steht noch uicE»t fest. Herr v. Bethmann-Hollwcg beabsichtigte ursprünglich, bereits am 27. September von seiner märkischen Besitzung Hohenfinow definitiv in das Berliner Rcichs- kanzlerpalais überzusiedeln, da er aber bisher . noch keinen einzigen freien Tag hatte, ist es deni Einfluß feiner Familie und seiner dienstlichen Umgebung zu danken, daß er sich doch ttoch zu kurzem Urlaub entschloß.
* Bülows Rücktritt und die Novemberkrisis. Die »Kölnische Zeitung" bespricht in einen:' anscheinend inspirierten Berliner Artikel den Kampf um die Gründe, die den Fürsten Bülow zum Rücktritt bewogen haben sollen und sagt, solche Erörterungen seien um so übe r- flüssiger, als über die Stellung des Kaisers zum Fürsten B ü l o w nach den Novembertagen ganz bestimmte amtliche Erklär u n gen ergangen seien, an denei: gerade die Konservativen nach ihrer sonstigen Haltung am wenigsten rütteln und deuteln sollten. Am Schluß heißt es: „Es ist eigentlich unverständlich, daß eii: so ernst zu nehmendes Blatt wie die „Kreuzzeitung", nachden: sie sich eben noch gegen die Erörterung der inneren Stellung des Kaisers zu seinem intimsten Berater ausgesprochen hat, setzt auf Grund der auf Herrn Martin zurückzuführenden Artikel der „Mecklenburgischen Warte" und der „Märkischen Volks- zeitung" eine W i e d e r a u s r o l l u n g des „Daily Telegraph "-Interview vom November verlangt und ent die Regierung die Forderuitg stellt, daß sie dazu eingehend Stellung nehmen soll. Was soll dabei herauskommen? Die Ereignisse vom November sind ja wohl nach keiner Seite eine freundliche Erinnerung und man sollte froh sein, daß man sie als abgetan betrachten kann. Bei der ganzen Frage, ob die Konservativen, die den Fürsten Bülow tatsächlich gestürzt haben, ihn nicht haben stürzen wollen, könnt cs im Grttnde doch nur auf kleinliche Silbenstecherei heraus, mittels deren man der konservativen Partei aus einer u n b c q u e m eI Lage iheraushelfen will."
* Die staatsbürgerlichen Rechte der Beamten. Welche
Schwierigkeiten den Beamten bei Ausübung ihrer staatsbürgerlichen Rechte immer und immer wieder in den Weg gelegt werden, zeigt folgender Fall, der uns ans Leipzig berichtet wird: Der Liberale Verein zu Leipzig (Freisinnige Vereinigung) hatte sich der preußischen Eisenbahnbeamten zu Wahren, die durch eine durchaus ungerecht Verkürzung ihres Wohnungsgeldes in schwere Bedrängnis geraten waren, angenommen und ihre Wünsche in: preußischen Abgeordnetenhause vertreten lasien. In mehreren 'Versammlungen gewann der Liberale Verein Fühlung mit 'den Beamten, so das; gegen hundert ihren Anschluß au die Freisinnige Vereinigung erklärten. Das entschlossene Vorgehen der Wahrener Beamten erregte das Mißfallen ihres Vorgesetzten, des Herrn Oberbahnhofsvorstehers Lewien, und dieser verbot darun: seinen Untergebenen die Teilnahme an den Versammlungen des Liberalen Vereins. Der Vorstand des Liberalen Vereins zu Leipzig wandte sich darauf beschwcrdcführend an den preußischen Eisenbahnminister Herrn v. Breitenbach und verlangte die sofortige Aufhebung des Verbotes. Vor einiger Zeit ist nun dem Liberalen Verein durch die Königl. Eiscnbahndirektion Halle folgender Bescheid zugegangcn: „Aus die an den Herrn
Minister der öffentlichen Arbeiten gerichtete, an uns zur Er- ledigung abgegebene Eingabe erwidern wir ergebenst, daß es selbstverständlich der Staatseisenbahnverwaltung fern-
liegt, die Beteiligung ihrer Beamten an politischen Vereinen, soweit sie nicht staatsfeindliche Ziele verfolgen, irgendwie zu verhindern. Es wird :mr verlangt, daß sie dabei diejenigen Grenzen nicht außer acht lassen, die sich aus ihrer amtlichen Stellung ergeben. Der Ober- bahnhofsvorstchcr Lewien glaubte die Wahrnehmung gemacht zu haben, daß diese Grenze in einzelnen Fällen nicht beachtet worden sei, und er Hai lediglich aus diesem Grunde den Beamten die Beteiligung an den Vcrcinsvcrsammlungen untersagt. Wenn ihm dabei auch eine Einwirkung auf die politische Betätigung der Beamten serngelegen hat, so war er gleichwohl zu einem solchen Vorgehen nicht befugt. Wir haben deshalb Veranlassung genommen;, ihm entsprechende Eröffnung zu machen und die Zurücknahme des Verbotes anzuordnen." Die berühmte „Grenze", von der hier gesprochen wird, ist ein Kautschuk-Ding allergefährlichster Art. Die freie politische Betätigung der Beamten ist ein Staatsbürger-Recht, das niemals generell eingeschränkt werden darf. Wir nehmen an, daß der Leipziger Oberbahn- hossvorsteher sich seine Nase merkt, obwohl wir von dem Bescheid der Eisenbahndirektion inhaltlich nicht voll befriedigt sind.
X Kauflcule in die. Parlamente! Gegenüber dem unberechtigten Übergewicht des grotzagrarischen Ele- ments in unseren Volksvertretungen endlich auch für eine genügende Vertretung des Gewerbes, des Handels und der Industrie in den gesetzgebenden Körperschaften zu sorgen, ist eine so offenbare Notwendigkeit, daß sich ihr eigentlich niemand verschließen kann. Es ist darum begreiflich, daß dieser Überzeugung jetzt auch ein angesehener Vertreter des Kaufmannsstandcs in der Z entrums p ar t e i, der Abgeordnete Cahensly, Ausdruck gegeben hat. Er führte (nach dem Bericht der „Germania") aus dem Vertretertag des Verbandes der Windthorstbünde Deutschlands aus: „Was die Parlamente anlange, so müsse im Interesse des Mittelstandes dafür gesorgt werden, daß bei den Wahlen mehr Vertreter des Kausmannsstandes in die Parlamente entsandt werden. Wäre der Kaufmanns st and dort bisher schon besser vertreten gewesen, so würde es heute keinen Hansa- Bund geben." Diese Ausführungen, die, wie der Berichterstatter der „Germania" hinzufügt, stürmischen Beifall fanden, zeigen gleich denen, die der bekannte Zentrumsabgcord- nete Müller-Fulda vor kurzem in der „Cöln. Volksztg." veröffentlicht hat, daß die sachliche Berechtigung der vom Hansa-Bunde vertretenen Forderungen allmählich auch in den Kreisen, die ihm unsprünglich zweisclhaft gegenüberstanden, anerkannt wird.
□ Mitwirkung des Handwerks im Hansa-Bunde. Gegenüber den Versuchen einzelner in: Dienste des Bundes der Landwirte arbeitender Persönlichkeiten, den Mittelstand gegen den Hansa-Bund einzunehmen, muß immer wieder aus die Tatsache hingewiesen werden, daß ihm die Handwerker nicht nur allcrwärts als Mitglieder beitreten, sondern auch durchweg in der Leitung des Gesamtbundes, der Provinzialverbände und der einzelnen Ortsgruppen den ihnen gebührenden Platz einnehmen. So sind jetzt in den Vorstand der Provinzialgruppe Ostpreußens nicht weniger als elf Handwcrksobcrmeister cingetreten. Den Vorstand der Ortsgruppe Düsseldorf bilden ein Vertreter der Industrie, ein Vertreter des Bankgewerbes, ein Vertreter des Warenhandcls, ein Vertreter des Gehiksellstandes, ein Vertreter der freien Berufe und zwei Vertreter des Handwerks. In derselben Weise wird überall verfahren, und cs zeigt sich sonach, daß die Stellungnahme einiger kleiner mittelständischer Vereine gegen den Hansa-Bund nur papierne Bedeutung hat.
* Ein Dementi. In einem Artikel der „Rhein.-Wcfls. Zig." wird behauptet, daß zwischen den: Staatssekretär des Reichskolonialamts Dcrnburg und dem Untcrstaatssckretär De. v. Lindequist ein Gegensatz bestehe, daß der Staatssekretär Dernburg aus seinem Amte scheiden und an seine Stelle der Unterstaatssckretär im Auswärtigen Stcinrich treten solle, daß ferner der Unterstaatssekretär v. Lindequist
Aus Kunst und Leben.
Residenz-Theater.
Samstag, den 25. September: „Der fesche Rudi". Schwank in 4 Akten von Alexander Engel und Julius H o r st. Spielleitung: Ernst Bertram.
Engel und Horst haben ein Vergehen auf ihr literarisches Konto geladen; sie wollen uns eine Posse als Schwank anschwärzen, ohne zu überlegen, daß sie damit zu einer falschen Einschätzung verführen, die ihnen selber nur nachteilig werden kann Denn als Schwank ist das neueste Produkt ibrer aemcim'amen Geistesarbeit sehr harmlos, als Posse EM°» s chli-dUch «ch passieren wem,
man ein Anae zudrückt. Etliche, an sich keineswegs achon- derliche Vorgänge, sind mit Hilfe einer nicht immer humo- ristiicki wirkenden Situationskomik unter Verwendung bewährter Possenmätzchen zu einem Vierakterzusammenge^aut der durch Verkettung burlesker Emfalle ersetzt, was :hm an
^ ^Rudolf Pimpsinger — dieser in Österreich, ach so, es ist notwendig, zu sagen, daß dieses Stück in einer klemen oper- reichischen Provinzstadt spielt, also dieser :m Nachbarrerch alltägliche Name ist h i e r das komischste an d-esem ^tuck war 30 Jahre im Steueramt ehrsamer Rendant, Zureaukrat und Hypochonder ist er ein Menschenalier nicht avanciert und wird auch übergangen, als der Posten des .nntsvor- standes neu besetzt wird. Diesmal mit einem hrnausproie- gicrten Baron Traunstein aus der Reichshauptstadt, der in dieses Provinznesi vor einer Heirat mit einer nach seiner Meinung lomtetzlichcn Hopfenstange flüchtet. Traunstein ist Lebemann, und uw dem neuen Amtsvorstand zu imponieren, seinem Hausdrachen einen Gefallen zu tun, den Amtskollcgen — einer schmierigen Strebergescllschaft — einen Possen zu spielen, verwandelt sich die jämmerliche Bureaukratensecle tu einen Modegeck und Schürzenjäger, in einen modernen 'Casanova, wie er selber sagt. Der neue Amtsvorstand schließt sich diesem vermeintlichen, wenn auch untergebenen Sinnes genossen begeistert an, und daraus ergeben sich nun die Vorgänge, die das Publikum vier Akte hindurch zum Teil amüsieren, zuin Teil ein wenig langweilen, bis zum Schluß sich alles ii: Wohlgefallen auflöst, der Baron seine Hopfenstange heiratet, die in Wahrheit ein allerliebstes Mädel ist. der Herr Pimvfinaer Amtsvorsiand und seine er
wachsene Tochter glückliche Gattin eines trottelhaften Geometers wird.
Dieser, wie man sieht, nicht besonders geistreiche Stoff, ist mit einer vornehmlich in den packenden Aktschlüssen zum Ausgleich kommenden Bühnenroutine und jener Dialog- flnssigkeit geschrieben, die ihr Vorbild in den französischen Schwänken sucht, ohne ihm nahe zu kommen. Ernst Bertram hat sich die Mühe gegeben, durch eine sorgfältige und ins einzelne gehende Inszenierung ans dem Stück heraus- zuholen, was heranszuholen war, und die vortrefflichen Künstler des Theaters trugen es ans, ihren Schultern zu einem Erfolg, der ihm noch einige Wiederholungen sichert. Tautz glänzte wieder in der Rolle des Traunstein als assessoraler Lebemann, T ach au er schuf mit seinem Pimpsinger eine humorvolle Charaktertype, Feistman- t e l brachte einen Kanzleidiener aus die Buhne, der in seiner humoristischen Verschlagenheit wie aus dem Leben gegriffen wirkte. Als Geometer Schulze stattete Winter seine Rolle mit der gut beobachteten komischen Schüchternheit eines Diurnisten aus. Die Damenrollen dieses Stückes traten weniger hervor. Resolut war Rosel van Born als Pimpfillgers Frau, Elisabeth Mädlinger zeigte als ihre Tochter, daß sie aus dem gleichen Hvlz geschnitzt wäre wie die Mutter, und Stella Richter erfreute das ansver- kaufte Haus wieder durch ihre elegante Juterpretations- und Darstellungskunst. Die anderen Herrschaften gaben sich in den unbedeutenderen Rollen die redlichste und wohlgelungene Mühe, den Absichten der Verfasser gerecht zu^ werden.
h. Frankfurter Schauspielhaus. Man schreibt uns unterm 26. September: Das drciaktige Lustspiel „Rur ein
Traum" von Lothar Schmidt, das gestern Ztwr erstenmal gegeben wurde, ist in seiner Handlung eine Ehebrnch- sache, die französische Erfindung mit deutscher Gründlichkeit atmet. Nach einem ersten Mt, der in seiner brutal-sinnlichen Handgreiflichkeit einen großen Teil der Hörer verschnupfte, folgen zwei recht lustig und bühnenwirksam gearbeitete Schlußakte, die eine gewisse Lebensdauer der Novität gewährleisten. Besonderes Interesse hatte die Aufführung, Weil in der führenden Hauptrolle die Münchener Hcfschauspielerin Fräulein Maja R e u b k e ihr hiesiges Engagement antrat. Die Dame hatte seinerzeit als „Luise Mllerin" und als „Gleichen" hier gastiert — mit bcmerkens-
im diplomatischen Dienst Verwendung finden und seinerseits durch den Gouverneur von Dcutsch-Ostafrika Freiherrn v. Rechenberg ersetzt werden solle. Die „Nordd. Allg. Ztg." ist ermächtigt, alle diese Angaben in das Reich der Fabel zu verweisen.
* Der Landespartcitag der NationaNibcralen Hessens war gestern in Tarmstadt zusammen getreten, um über die Frage zu verhandeln, ob die aus Anlaß der Abstimmung für die E r b a n f a l l st e u e r aus der Rerchstagssraktion ausgeschiedenen Abgeordneten Gras Or i o l a und Freiherr v. Hehl noch Mitglieder der nationalliberalen Partei seien. Die Versammlung der. lief äußerst stürmisch. Schließlich wurde eine Resolution gefaßt, in welcher der Landesparteitag davon Kenntnis nimmt, daß gleichzeitig mit dem Austritt aus der Fraktion die genannten Abgeordneten ihre Ämter in der nationalliberalen Fraktionen niedergelegt haben.
* Ein Lustvcrkchrsgesetz in Sicht? Die Minister v. Breitenbach und Sydow besuchten am Dienstag die „Jla" in Frankfurt. Auf die Begrüßung durch den Präsidenten sagte der elftere, nach Anerkennung des Gebotenen aus der Ausstellung: Er danke für die ihm durch die Ausstellung gegebene Anregung, die von besonderem Interesse in diesem Augenblick sei, wo das Reich vor wichtigen gesetzgeberischen Ausgaben auf dem Gebiete der Luftschisfahrt stehe.
* Generalversammlung des Evangelischen Bundes in Mannheim. Am Samstag, am Haupttagc der Gene- ralversammlung des Evangelischen Bundes, fanden in fünf Kirchen zugleich zahlreich besuchte Festgottes- d i e n st e statt, zu denen auch viele Besucher aus den Orten der Umgebung sich eingefunden hatten. Im Anschluß daran tagte die Hauptversammlung im Musensaale des Rosengartens, in der (Dr. O t t o M a y e r, Professor des Staatsrechts an der Universität Leipzig, den Hauptvortrag der ganzen Tagung hielt. Der Redner beantwortete darin die Frage des Themas: ^„Jst eine Änderung des Verhältnisses zwischen dem Staat und der Kirche anzustrcbcn?" für die evangelische Kirche im ganzen in verneinendem Sinne. — Tie Generalversammlung erreichte gestern nachmittag ihren Höhepunkt in volkstümlichen Versammlungen, die in den Festsälen des Rosengarten abgehalten und von vielen Tausenden aus Mannheim und der Umgebung der Stadt besucht waren. In dem Nibelungensaal sprach Universilätsprofessor Dr. Baumgarten-Kiel über das Thema: „Ein starker Protestantismus ■— der Hort echter Freiheit", während Stadtpsarrer Pw. Weidbrecht Wimpfen ihn als „Bürgen wahrer Freiheit" rühmte. In einer gleichzeitig im Musensaal stattfindenden Versammlung hielten D. Diehl-Dortmund und P. Storch-Magdeburg Ansprachen.
* Die Internationale Secrechtskonfcrenz in Bremer beendete die Beratungen. Samstaigmittag begaben sich di« Mitglieder der Konferenz aus die Einladung des Novd- doutschen Lloyd im Sonderzug' nach Bremerhaven zur Besichtigung des Schnelldampfers „Kronprinzessin CecMe". Im Namen -des N-ovdid-sutschen Lloyd hieß der Präsident des Aussichtsrats, Plate, -die Tei-Inehiner will-kornimen. Sit längerer Neide führte der Generalsekretär des Comite maritime inr«r- natlonale, Or. Franck-Anttverpen, aus, daß der Norddeutsche Lloyd nicht zum -wenigsten dazu beigetragen hätte, die Beziehungen zwischen den Völkern enger zu gestalten, und gedachte mit warmen Worten des verstorbenen Generaldirektors Or. Wiegand. Der Vertreter Japans, Süket-aide Ita, dankte für die frsunld'liche Ausnahme der Stadt Bremen. Der Sekretär der Londoner HandelÄkammer, Mr. Tomratin. machte sich zum Dolmetsch der Gefühle aller Kaufleute Großbritanniens, die von freundschaftlicher Gesinnung Deutschland gegenüber beseelt feien. Wenn man in einigen englischen Blättern das Gegenteil lese, so solle man dem keinen Glauben schenken. Englands Gefühle Deutschland gegenüber seien herzliche und niemand denke an Eifersüchteleien zwischen den Leiden Völkern. Im Anschluß daran betonte Direktor Heinölen, daß der Norddeutsche Älohd den gespendeten Dank nicht akzeptieren könne, im Gegenteil als Reederei sei er der internationalen Seerechtskonferenz zum Dank verpflichtet dafür, daß sie es unternommen habe, -ihr Können und Wissen den wichtigsten Fragen zu widmen, an
wertem Erfolg — und war daraus engagiert worden. Gestern spielte sie nun eine ausgesprochene moderne Salonheldin. Also, sie betätigte sich in einem ganz anderen Rollenfach. Was sie nun eigentlich in Zukunft hier spielen soll, darüber weiß wohl nur die Intendanz Auskunft zu geben. Tatsache ist, daß Fräulein Reubke gestern neben sehr gut gelungenen Momenten auch noch Unfertiges bot. Unser Publikum nahm die sympathische Darstellerin recht freundlich auf. Im allgemeinen fand die Novität nur nach dem zweiten Akt wirklich warmen Beifall.
CK. Das Geheimnis der „Strads". Wie aus London berichtet wird, behauptet ein junger englischer Forscher, AgUo Dibdin, das Geheimnis gefunden zu haben, das die Stradivarius-Geigen zu den vollkommensten aller Instrumente gemacht hat. „Seit acht Jahren", so erklärte er, „habe ich Experimente angestellt über die Schwingungsstärke verschiedener Substanzen. Dabei^ erhielt ich mit schwingenden Platten so gleichmäßige Schwingungen, daß ich auf den Gedanken kam, dieselben Versuche an Violinen anzustellen. So glaube ich gefunden zu haben, auf welche Art die Geigenbauer von Crcmona die Schwingungsfähig- keiten ihrer Instrumente verbesserten. Ich bin der Meinung, daß das vollkommene Material für eine Violine eine völlig gleiche Dichtigkeit in allen Teilen und eine sehr hohe Elastizität haben muß. Jede Geige kann zu einem wohlklingenderen Instrument gemacht werden, wenn ibr Holz homogen gemacht wird. Natürlich glaube ich nicht, eine gewöhnliche wohlfeile Geige in ein Instrument von der Güte einer „Strad" verwandeln zu können, wohl aber bin ich überzeugt, jeder Violine einen in hohem Maße verbesserten Ton verleihen zu können. Die Härte und geringe Kraft des Tones in modernen Instrumenten können durch den Prozeß dem ich sie unterwerfe, vollständig beseitigt werden."
* Der Kampf um den Nordpol. Aus New Vor! wird der „Franks. Ztg." gekabelt: Harry Whitney erklärte,
Cook habe ihn: gewisse Effekten, darunter auch Papiere, zur Aufbewahrung gegeben. Whitney kennt den Inhalt nicht; er sandte die Sachen und Papiere nach Kopenhagen. Whitney glaubt, Cook habe den Nordpool erreicht; er sah indessen keine Beweise. — Andere New Yorker Meldungen besagen: Professor M a ch i l l a n, der Begleiter P e a r y s. hat die Entdeckung gemacht, daß sich am Nordpol interessante Überreste von Tropenkultur befinden
