J*r. 443 ,
Morgen-Nus gäbe, 1* Blarr.
Wiesvadener Ta§v 1 aN.
alleiniger Erbe sein. Möglicherweise Hai sie aber noch weitere uneheliche Kinder. Wer weiß etwas? — Gesuche werden in Erbschaftssachen: 544. Briefträger Karl Heinrich Gläser oder Gläßcr, 1850 in Hohndorf bei^ Zschopau ge- baren. — 545. Zimmer mann Karl Friedrich Folder, 1832 in Dittmannsdorf bei Zschopau geboren. — 546. Weber Karl Gottlieb Richter, 29. September 1855 in Haydn bei Dübeln geboren. — 547. Clemens Artur v. Ja ge mann, 22. Mai 1845 in Raschan geboren. — 548. Julius Otto Weidmann, im Februar 1860 in Chemnitz geboren. — 549. Schlosser Ernst Licbor Bo chm an n, 14. November 1833 in Stollberg eboren.
— Ein Volksmittel gegen Nasenbluten. In verschiedenen Gegenden dienen kalte Umschläge auf den Nacken als Volksmlttel gegen Nasenbluten, ohne daß bisher seitens der medizinischen Wissenschaft ein hänsiger Gebrauch von diesem Verfahren, die Blutung zu stillen, gemacht worden wäre. Professor Juras aus Lemberg lenkt nun iu der „Münchener medizinischen Wochenschrift" die Aufmerksamkeit ans dies einfache Hausmittel und beschreibt einen Fall hartnäckigen Nasenblutens, in dem es eigentlich ganz allein wirksame Hilfe zu bringen vermochte. Der Patient war ein 60- jähriger Mann mit Merkmalen einer Neigung zum Schlagfluß, der plötzlich, ohne vorher an Blutungen oder Wallungen nach dem Kopfe gelitten zu haben, von unstillbarem Nasenbluten befallen wurde, so daß er sich veranlaßt sah, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es gelang anfänglich, durch Einlegen von Eisenchloridwatte Hilfe zu schaffen, die jedoch nicht anhielt. Wohl aber erwies sich das von einem einfachen Bediensteten empfohlene Auflegen eines in Elswasser getränkten Handtuchs aus den Nacken als wirksam. Der hcrbeigerufcne Arzt nahm anfänglich davon keine Notiz und versuchte eine Reihe stillender Mittel, die jedoch nur vorübergehenden Erfolg hatten, ivährend die Kälieein- wirkung auf den Racken sich bei den durch acht Tage stets wiederkchrenden Anfällen als das weitaus sicherste Mittel erwies. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Kälteanwen- duug im Genick die Nasenschlcimhaut zu beeinflussen vermag, indem sie eine Zusammenziehung der Blutgefäße Hervorrust. In Galizien ist diese Behandlungsart im Volk in einer ganz besonderen Form gebräuchlich. Man legt dort dem von Nasenbluten Befallenen einen Bund kalter Schlüssel auf den Nacken, was stets den gewünschten Erfolg haben soll.
—. Von einer Droschke überfahren wurde gestern vormittag 11 Uhr in der Orantenstraße ein Kriegshund. Derselbe kam aus einer Torsahrt direkt gegen den Wagen gelaufen, dessen Räder ihm über die Vorderbeine gingen. Das wertvolle Tier wird wahrscheinlich getötet werden Küssen. __
Geschäftliche Mitteilungen.
* über ein neues Desinfektionsmittel berichtet Dr. Ried e rstab t , Hamburg, in den ..Monatsblättern für öffentliche GefunÄheitsPflege" wie folgt: Die Erkenntnis, daß jedermann an jedem Orte durch epidemische Krankheiten bedroht flt, hat allmählich das Interesse des großen Publn kums wachgerufen. Können die Krankheitserreger doch
1,U - E Änswachsen sporadischer Fälle zn
flC&ietet and, einem Umsichgreifen tot.UiLei.cni>er weu*>n, in den meisten Fällen Halt. Aus böruiL der LebensDedmgangen der ansteckenden Krankbmten hat die Wissenschaft Anrordeonngen ansstellen können, weichen die zu mnpiehlenDen DesinfeMonsstpfte entsprechen sollen. Es befindet sich eine ganze Anzolhl von Desinfektionsmitteln im Handel, jedoch blieben immer berechtigte Ansprüche unerfüllt Von einem allgemein gebrauchten Präparate muß verlangt werden, daß es auch die Fähigkeit besitzt, üble Gerüche ,7, ch-sj-itiaen. Wohlverstanden beseitigen, nicht nur mit starkem'Etgengeruch die Stinkstoffe übcedecken. Ein Mittel, welches die gestellten Anwrdernngen in höherem Maße erfüllt als andere Fabrikate, tsi das von der Firma Gebr. Hehl n Ko Marlottenburg, hergestcllie A u t o m o r s. Dieser Stofs welcher gewöhnlich in Ipraz. Losung angewandt wich, mischt sich mit Wasser vollkommen, auch tritt vollftäiünge Lösung in desodorisierenden Stoffen cm. Es erreicht dadurch eine intensivere Wirkung als diesenegen Präparate, welche sich wenig oder gar nicht mit Wasser mischen. Die Iproz. Lösung des Wutomors tötete die Keime von Bac. pyocyar/eus, Streptococc. pyogen., Staphvlolocc, pyogen-, aur,, Bactcr. coli commune, Bac. chol. galliiv tn wenigen Minuten vollständig ab. Die gleichen Erfolge erzielte auch Herr Dr. Steinhaus vom hygientsch-lxlkterwlogifchen Institut «der Stadt Dortmund mit folgenden Bakterien: Bac. cssol. assatle.. Back. ckipüt.. Bart, typbi, Bac. nntbrac. Das genannte Fabrikat desodorisiert vollkommen und erzeugt eine reine angenehme Su'fi in Zimmern, welche mit automorShaltigem Wasser aufgewischi sind. Weiter besitzt es vorzügliche Gegenwirkungen, indem es durch stete Anwendung die Füegenplage vermindert oder befeitigt: es ist überhaupt der entschiedenste Feind allen Ungeziefers im Hause und auf der Haut der Tiere. Dazu ist das Präparat handlich im Gebrauch und im Verhältnis zu seinen Leistungen preiAvert. Automors wird daher zweifellos bald allgemein als eine Notwendigkeit anerkannt werden.
* Infolge der Zllnbhvlzsteuer wird außer dem Feuerzeug auch noch ein anderer „Feuerspender" vieAelcht wi^er seinen Einzug bei uns halten — der FidibnS. Dieses aus einem der Länge nach harmonikaformtg zusammenae- falteten Papierstreifen bestehende Gebranchsstiick fehlte früher m keinem Hause und gehörte zu den unentbehrlichen Tischgeräten. Die Fssdibusfe. die hauptsächlich auch zum Anzünder! der Tabakspfeifen un>o Zigarren dienten, wurden in oft sehr oieganten becherartigen Gefäßen auf den Tisch gestellt. Beim Tabak ist man freilich nicht so günstig daran wie bei den Zündhölzern. Hier muß man entweder den Rauchgenuß oinfchränken oder die durch Steuer verursachten höhereu Preise bezahlen, während mau z. B. für Bier in febst zubereiteter Lunonade i,Zitrone, Wasser unid Zuckers und für die auweren,teuer,gewordenen Getränke in Kathreiners Walzrasfee einen billigen uütd guten Ersatz findet.
Aus dem Landkreis Wiesdade».
F. Erben heim, 21 September. Am SamStag sprang der Wsckhrme TMoihner Gun sch von einem in Fahrt beflnd- Ilchen Wagen, kam zu Fall und geriet unter die Räder. Außer e-nem Olberarmlbruch trug er noch sonstige kleinere Ber-
W^NLtNchergeLr?^' ^te Kreuz-Hospital nach
+ Bierstabt, 20 Septemver. Die G em ei nd ev e r - t T J 1 1 ? ' c ^ e tn .letzten Sitzung die den beiden Ge- mnsidchs^nrmen M^ge°p«tn:ende Vergütung auf je IM M.
I 4 n w ä ^®il e rI,die eine Bszustshebamme storebst ahle sind jetzt an der Taaes- orbnurea. So wurden einem hiesigen Landwirt am Donners-
Dntriki Quantitäten Äpfel aus dem
^ L^^Eeten Preis-Wett ge h en
inutbc I. ^enf-er erster m 75 Minuten 10 Sduttiöen, L.
Misstnaer zweiter in 89 Minuten 05 Sekundeii, W. Morgenstern dritter und Menges vierter. Die Sieger ertzlötten Lorbeerk'-ärize, Diplome und Ehrenpreise. Die beiden ersten legten die 15 Kilometer lsimge Strecke zum größten Teil barfuß zurück.
B. Rmirbach. 21. September. Wie alljährlich, so ve-vau- staltel auch in diesem Jahre der Schützenverein Ramliach auf seinem Scheibenstand, Distrikt „Im Setzen", ein P r ee s - schießen mit anschließender Preisberteilung. — Der Fürsorgezögling Johannes Beller ist wieder am vergangenen Freitag fernem Lehrmeister W. Zerbe 5r zugedrocht worden. Beller bat sich während dieser Zeit in ^-ramsurt am Main bei Verwandten aufgehalten.
Nnjsauische Nachrichten.
\i. Ans Nassau, 21. September. Ist Nr. 439 des „Wiesbadener TaMatts" finden wir einen Aufsatz über „Unter- irdische Flüsse in DeutsLsiand", in dem wir unser berühmtes nastauisches Gewässer, den Erdbach irn Dillkreise, vermissen. Dieser w-erlwnrü>iye Bach versinkt bei dem Dorfe Breitscheid zwischen .Kaüisteiuselseu in den Untergrund und tritt bei dem Dorfe Erdpach, im sogenannten „Wassestloch". wieder zutage- Der unterirdische Lauf hat eine Länge von 2 Kilometern und auf der Strecke ein Gefälle von 100 Metern. Durch Versuche mit Häcksel, F-edern und Färb- stoffen, -die man dem Wasser vor Eintrilt in die Erde mikpab, hat man festgestellt, daß die Stoffe 5 Stunden Zeit gebrauchen, bis sie bei Erdbach austreten. Man schließt daraus, daß bas Wasser im Erdinneru große llmüvsge macht, bis es sein Ziel erreicht.
R. Langenschwalüach. 21. September. Vom schönsten Herbstwerter beg-ünstigt. faiid heute die Bezirkstier- s cha u der Kreise Unter- und Oüertaunus und St. Goarshausen statt. Da nur das Lahnvickh prämiiert wunde, sowie Pfende und Sck)weinc, war dte Beteiligung keine bosonders gute.
R. Langenschwalbach, 22. September. Gestern stiach- mittag herrschte bei Verteilung der Preise auf dem Festplatz ein reges Leben und Treiben. Die Ausstellung von Hühnern. Enten und Tauben war sehr reichhaltig. Bon Hühnern waren namentlich das naffauische Mast- und Legeihühn starke vertreten, bann Wtzandottes, Orpingtons, -gelbe Italiener, Minorkas, Andalusier, Hamburger Göldspreukcl-SstAberlack uird Zwerghsthner. An Tauben waren wathre Prachtexemplare von Perrücken- und Brieftauben, Kröpfer und Mövcheu ausgestellt.
r. Winket, 21. September. Die hiesige Familie M. Wieg er wunde heute in tiefe Tvauer versetzt. Die Eltern waren ihrer Arbeit nachgegangen, ein Kind von 3 Jahren allein zuvücklassend. Als der Ältere Bruder aus der Schule zurückkehrte, bot sich ihm ein entsetzlicher Anblick. Im Bett lag die vollständig verkohlte Leiche des Meinen. Aus noch unaufgeklärte Weise waren die Kleider in Brand geraten und das arme Kind eines guaitvollen Todes gestortben.
,r. Johannisberg, 21. September. Ein in der hiesigen Maschinenfabrik beschäftigter Dreher, Herr Fritz Faust, hat ein BiD gemalt, welches die Seeprcvigt darstellt. DaS- ssllbe hat eine Größe von 2.40 Meter X 1.60 Meter und enthalt curid 40 Figuren. Herr Faust hat schon in jungen Jahren besonderes Talent zur M-ateret gezeigt.
in. RtldesheiM a. Rh., 22. September. Von hier aus unternahmen heule der Verkehrsminister BrettenLach und der Handelsminitter Delbrück mit dem staatlichen Wafserbau- dampser „Preußen" eine Rh e i n fachr t. Die Herren rühren um 9lb Uhr in Niideshcim ab, zunächst nach Cobilerxz, wo sie das neue Gebäude, welches das Oberprasidium der Rhemprovinz aufnohmen soll, besichtigen.
u. Vom Main, 21. September. Das Äpfel ge schüft kommt allmähMch in Fluß. Die Händler und Dbstzüchier fordern wrs Dtatler, lieferbar bis ä. Otiober. 1t !Vt, 50 Pst, nod) Jem 5. Oktober 13 SK. Angesichts der reichen Äpfel- ernte n»0 das hohe Preise, Die rr&cr sicher noch gedrückt wer- Sen, sobald Znstntzrcn aus pellt Ausland einiresifeit. F-n SfFrSf? 1 Allere legten die Äpfelmeinwirte 9.50 M. an And er- prima Obst. Die Ztveischen, die hier meist 8^MarstE^^ werden müssen, gölten zurzeit im Zentner noch
de 22. September. Aus das Preisausschreibeit
Ra uTäSl . Erlangung von Entwürfen für einen ^ s n e u b a u Und bis utzt über 800 Bauzeichnungen WrkK n-H D-e evanaelstsche Gemeinde hebt' in diLm j und die katholische 25 Proz. Kirchensteuer.- tdSher,' 4 von r <tt,^ 6 1 ^ .hnuert hier noch an. Einzelne Wirte saften n<lnä eingestellt: in anderen Wirt-
betn m mäßigen Grenzen. Um so mehr
bereits . Mchprochen. Einzelne Wirte haben
zu sÄn pflegte os 'n sonstigen Fähren nicht der Fall
m,„s ,: 2 ' 2 ' September. Die hiesige evangelische Gemeinde beabichngt, eine neue Kirch e zr erbauen Zsi d-ewm Zweck sind nach und nach 30 000 M. angesammelt worden Auch ist es der Gemeinde gelungen, tiule? die drei „gcmetnsame LiebcSwerk" des Gustav- Adolwereins ausgenommen zu werben Die Kosten WM Baues sind auf 75 000 Pst veranschlagt. ^ ^
—.Limburg, 21 September. Heute ist B i s ch o f W i 11 i äbgererst. um eine Zeitlang außerhalb der Diözese zu seiner Erholung zu verwerlen. 1 u
Aus der Umgebung.
- Gusint-Sburg, 21. September. In der verflossenen Woche wurden wiederum ca. HX) A rv e rter von der Abteilung Brücken- und Hochbau von der hiesigen Brückenbau- gesellschaft von Kramer m Klett wegeir A r b e i t 5 m angeIs entlassen. In der Abteilung der Kesselschmiede fanden keine Arbeiterenilassungen statt, dagegen arbeiten diese nur noch 5 Tage in der Woche, ;o daß am Samstag die Arbeit ruht.
eie. Bromskirchci! bei Battenberg, 21. September. In dem etwa 10 Kilometer von hier entfernten Orte Langetviese sink) letzte Woche Zwei palle der spinalen Kinderlähmung festgestellt worden, Die Kreisbehörden tresfen alle Vorsichtsmaßregeln, um einem Ausbreiten der verderblichen Kindert rankheit vorzubeugen.
— Giesien 21 September. Die Bluttat gegen den Sc!Wffiel' DebuZ vom 116. Infanterie-Regiment, melche wir vorgestern aus Montabaur meldeten, stellt sich «!§ Mrsidn-rlnm dar Debus, der Nt Großteilen IN Quartier
trM ottzwischen 11 und 1.2 Uhr düse hst^ne Wirtschaft. Er hatte kaum die «craße betreten, lewit e.ne Wrrricoap. dtesierstich n bie Herzgegend erhielt.
D r Tä 'r mu^üu ieinen Mann gewartet und die Tat msiwm ^nterlntincn Überfalls verübt haben. Der , Manu, ^ ffilpS gewesen sem ioll, verschwand in dem
, f ’ n Wirtschaft sich befindet und in welchem
chw der ^rsi dringend verdächtige Mann fern Quartier, hat. Dieser h^ißl Kreuz und ist von Niedercvlesibach göburtig. if. rKnf mied erholt gedroht, die er abgehe, einem andern Vor- adetzten etwas anzutun. und erstach den Debus irrtüm- licb Es wird behauptet, Debus sei seinen Verletzungen erlegen. Der Musketier Kreuz wurde heute vormittag zu seiner Vernehmung nach Darmstadt übergeführt.
Sport.
* Fußball. Am vergangenen Sonntag spickte die erste Mannschaft des Sportklubs Wiesbaden 1908 gegen die erste Dtannsckiaft des F-utzballklubS Alemannta-Hochheim aus dem hiesigen Exerzierplatz. Trotz ungünitche-r Witterung und sehr
Donnerstag, 23. September 1SMJ9. ©eite 5*. *
feuchtem Boden gewann der SportA-ub WieAbadcn mit 6 : 0 Toren. Bei HwÜbzeit stand das Spiel 4:0 zugunsten des SportÄuIbs Wiesbaden 1908.
* Da§ Rennen „Rund um Wiesbaden" ist für säintibiche Wmaieurstalhrer oslsen. Sollte eine größere Anzahl Fahrer sich zu dieser Fahrt melden, so bcwbsichiigt der „RaüsporiNub'si die Fahrt nächstes Jahr um 100 Kilometer zu verlängern.
Grrrchlssaat.
Ein llrosirr Bestechungsprozetz.
Cöln, 22. Septcnrber. Vor der hiesigen Siraflanuner begann gestern in außerordentlicher Sitzung ein großer Be- stechungsprozeß, für den zwei Tage vorgesehen sind. Es sind 70 Zeugen geladen. Zu verantworten haben sich der Rechtskonsulent Rosenbaum, ein Gcrichtsdtener, ein Kanzlergehilfe, ein Krimrnatschutzmann und ein Schutzmann. Der vielfach vorbestrafte Hauptangeklagte Rosenbaum ist beschrrl- digt, in acht Fallen die Mitangeklagten Beamten bestochen und in mehreren Fällen Geldbeträge in Höhe von 3000 M. unterschlagen Zu haben. Die Beamten sollen sich in ihrer Eigenschaft als Beamte für Harrdlungcn, die eine Verletzung ihrer Dienstpflicht enthalten, Geld und andere Vorteile verschafft haben.
Ein Don Juan.
Elberfeld, 22. September. Fünf Bräute hatte sich hier der Dekorateur Lrirgenberg angcschafft, aber jede glaubte, ihn für sich allein Zu besitzen. Die Frauen vertrauten ihm ihre ganzen Ersparnisse in Beträgen bis zu 500 M., sowie auch ihre Wäsche, die sie sich im Laufe der Jahre angeschasst hatten, rückhaltZlos an. Er lebte von den ihm an- vertrariten Geldern herrlich und in Freuden, machte von dem Geld der einen Liebsten der anderen auch wohl kleine Geschenke und versetzte schließlich auch noch die Aussteuer- gegenstände. Darnach versuchte er sich in KautionZschwinde- leien, und endlich ging er seiner Kostwirtin mit dem schuldigen Kostgeld durch. Da er schon mehrfach wegen Betrugs bestraft ist, verurteilte die Strastammcr ihn dieser Tage zu 2 Jahren Gefängnis.
Der Steinheil-Prozess.
re. Paris, 22. September. Wie verlautet, ist nunmehr der Termin für den Prozeß gegen die des Doppelmords an- geklagte Witwe Steinheil festgesetzt worden: die Verhandlungen werden am 3. November vor dem Pariser Schwurgericht beginnen.
* Das Abschiesscn wildernder Hunde. Eine für Jäger und Hundebesttzer interessante Entscheidung fällte die Göttinger Straskammcr. Ein Forstlehrling aus Löwenhagen hatte einen schottischen Schäferhund im Werte voir 100 M., den er im Felde auf der Verfolgung dreier Rehe betraf, niedergeschossen. Das Schöffengericht Munden sprach ihn von der Anklage der Sachbeschädigung frei, die Staatsanwaltschaft aber legte Berufung ein, weil nach der Hannoverschen Jagdordnung nur lvildemdc Jagdhunde, Windhunde, Bracken und Schweißhunde getötet werden dürfen. Die Straflammer erkannte die Berechtigung dieses Einwands an, da ein Schäferhund nicht als Bracke angesehen werden könne, gelangte aber trotzdem zur Freisprechung auf Grund des § 228 des Bürgerlichen Gesetzbuches : „Wer eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, um eine durch sie drohende Gefahr abzuwenden, handelt nicht widerrechtlich, wenn der Schaden nicht außer Verhältnis zu der Gefahr steht." Dieser Satz finde auch Anwendung auf Jagdsachen. Der verfolgende Hund war eine drohende Gefahr für die unter dem Forstschutz stcheudell Rehe und der letzteren Werk erheblich genug. Wenn aber die RechtS- widrigkcit ausgeschlossen sei, liege auch keine strafbare Sachbeschädigung vor.
Nrrttliftjftes.
* Bom Friedhof der Namenlosen. Nachdem im Laufe der vergangenen Woche auf Zeche Radbod vier einzelne Leichen geborgen worden waren, von denen eine an der vorhandenen Grubenlampe erkannt werden konnte, wurden am Freitag weitere neun Leichen (im ganzen bis jetzt 80) zutage gefördert, die sämtlich unkenntlich sind. Ihre Becrdigring erfolgte auf dem Zechensriedhof in Hövel. — Man hat jetzt mir der Sümpfung der 3. Sohle begonnen, ivo die Mehrzahl der Toten liegt. Im Schacht 2 tvurde der Fördcrkoib, welcher am 13. November vorigen Jahres bei den Rettungsarbeiten zwischen der 2. und 3. Sohle fest geklemmt worden war, in dieser Woche demontiert. Nach Wiederherstellung der 2 . Sohle wird man nunmehr in der Lage sein, die Kohlenförderung ans dieser Sohle in vollem Umfang tviedcr aufzunehmen.
* Eine Tötung durch Nmarum. Ein ungewöhnlicher Fall bei dein die Kriminalpolizei noch nicht lveitz, ob es sich um einen unglücklichen Zufall oder um einen .beabsichtigten Mord handelt, hat sich jüngst, wie uns aus Brüssel geschrieben wird, iu Lüttich zuge- tragen. Der Vorfall erscheint dadurch noch interessan- ter daß das Werkzeug, durch das die Tötung erfolgte, Radium war. Bor weniger Tagen wurde nämlich die Leiche eines Rentiers ^um ans Pailiu in feiner Woh- nung aufgefunden. Pailiu, der feit längerer Zeit leidend war, lebte ziemlich zurückgezogen, so datz es nicht auffiel als er einige Tage seine Wohnung nicht verließ. Lchueßuch aber wurden die Hausgenossen bip sorgt und brachen in sein Heim ein, um seinen Tod fr ,rt l^ r l , CI y n . Können. Die Leichenbeschauer konnten zunächst leine Todesursache konstatieren und nahmen an, daß Pamn einem Schlaganfall erlegen sei. Verdächtig erschien ihnen lediglich eine sehr starke Erkrankung der Kopfhaut, die zum Teil sehr stark gerötet war, zum Teil bereits vollständig fehlte. Ein Arzt, der den Rentner zu Lebzeiten gekannt und behandelt hatte, konstatierte, daß diese merkwürdige Erscheinung erst in den letzten Wochen vor seinem Tode eingetreten sein müßte, da er vordem den Patienten behandelte und nichts Verdächtiges bemerkt hatte. Die Annahme eines Fachmannes, daß die Kopshauterkrankung von Radinm- bestrahlung herrühren müßte, führte zu einer eingehenden Untersuchung und einem Verhör des Haus-
