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Nr. 4SI.

Wiesbaden. Donnerstag, IG. September 1909.

57. Jahrgang.

Morgen- Ausgabe.

_ 1. Matt. _

Das DeichslaZspräsidium.

In sehr merkwürdiger Weise bespricht dieKreuz­zeitung" die Präsidentenwahl nach Wiedereröffnung deS pieichstags.

Der Gegenstand ist in den letzten Wochen viel er­örtert ivoröen, Jedermann sieht vder ahnt die große symbolische Bedeutung der Präsidentenwahl. Allgemein war man von der Voraussetzung ausgegan- gen, das Zent r u m werde nach der Zertrümmerung des Blocks seinen Anspruch auf Vertretung im Prä­sidium geltend machen. Auch darin sind die mit parla­mentarischen Verhältnissen Vertrauten einig, das; das Zentrum den konservativen Präsidenten Grafen Stolberg Wiederwahlen und sich selbst mit dem Posten des ersten Vizepräsidenten begnügen wiicde. Unter diesen Voraussetzungen wurde die weitere Frage erörtert, ob die L i b e r a l e n den letzten Posten, den des zweiten Vizepräsidenten, annehmen oder ihren Gegensatz zum neuen Block durch Fernhaltung vom Präsidium zum Ausdruck bringen sollen. Darüber find bekanntlich die Ansichten geteilt wobei freilich zu be­achten ist, daß die Entscheidung natürlich nicht bei der Presse, sondern bei den Parlamentariern liegt.

Sehr seltsam ist nun, was dieKreuzzeitung", das Hanptorgan der konservativen Partei, über die Frage sagt. Sie beginnt mit der überraschenden Enthüllung, datzsich das Herannahen der parlamentarischen Saison bereits auf mancherlei Weise bemerkbar mache". Nun, nahe" ist ein relativer Begriff, und so wollen wir diesen Punkr auf sich beruhen lassen. In der Sache selbst führt das konservative Blatt aus, daß die Libe­ralen eine Torheit begingen, wenn sic sich aus dem Prä­sidium ausschaltcn lieben. Aber mit Überraschung er­kenn^ man bei weiterer Lektüre des Artikels immer deutlicher, dah dieKreuzzeitung" nicht die Fernhal­tung der Liberalen aus einem Präsidium, dessen ersten beiden Ämter von Konservativen und Zentrum besetzt sind, im Auge hat, sondern es so anffatzi, als wollten die Liberalen freiwillig den e r st e n und zweiten Vize- präsidentenposten räunien, die sie bekanntlich mit Mansche und Kämpf jetzt innehabcn, und daß sie ihnen von dieserDummheit" abrat. TieKreuzzeitung" ist für Wiederwahl des alten Präsidiums, also ' ctI die Wahl eines Zentrums mann es ins Präsidium Eine andere Deutung laßt ihr Artikel nicht *u wenn er auch nichts weniger als offen ist. Er ope­riert mit der total falschen Behauptung daß die Umbe- fpfem.i von den Liberalen verlangt werde, während die Liberalen nur in sie willigen weil die Konstellation eine andere geworden ist. llllan höre.

Die groteske Idee, daß die beiden liberalen Vize­präsidenten im Anschluß an. den liberalen Ewdus aus der Finanzkoinmission ihre Ämter aujgebcn lallten . .

hat bereits während der letzten Wochen der vergangenen Reichstagssession in der liberalen Presse gespukt. Jetzt kommen einige liberale Parteistrategen auf diesen Spuk zurück. Sie offenbaren dabei aber eine starke Ver­kennung der Sachlage und gehen wieder nur von rein agitatorischen Gesichtspunkten aus. Es ist eine durch­aus irrtümliche Annahme, daß die Blockmehrheit beim Zusammentritt des Reichstags nach den Neuwahlen die Absicht gehabt hätte, nur aus sich heraus alle drei Prä­sidenten zu stellen, also das Zentrum von vornherein auszuschalten. Vielmehr hat das Zentrum, indem es den Anspruch auf den ersten Präsidentensitz erhob- (?) und die Vizepräsidentschaft ausdrücklich ablehnte, erst die Möglichkeit eines Blockpräsidiums gegeben ... Die Liberalen werden es sich also reiflich überlegen müssen, ob sie den Ratschlägen ihrer Presse folgen sollen." Völlig klar und folgerichtig sind diese Sätze nicht. Wenn gesagt wird, das; die alte Blockmehrheit dem Zentrum einen Vizepräsidenten sitz zugestehen ivollte, und wenn diese Absicht gebilligt wird, so kann man logisch folgern, daß diese Parteien auf deren Zusammenschluß zu einem Block es ja nicht ankommt auch das nächste Mal dem Zentrum einen Vizepräsidentenplatz einräu- inen müßten. Wenn das 1907 sachlich berechtigt war, so ist es diesmal mindestens nicht weniger sachlich be­rechtigt. Soviel ist aber immerhin klar, daß dieKreuz- Zeitung" das alte Präsidium wiedergewählt sehen möchte, obgleich das Zureden in diesem Sinne mit mancherlei Unliebenswürdigkeiten an die Adresse der liberalen Fraktionen gespickt ist.

Dieser Standpunkt des konservativen HanptorganS wird vielfach Verwunderung erregen. Zunächst ist fetzt anzunehmen, daß die Zentrnmsvresfe sich mit den Aus­führungen des konservativen Blattes eifrig und ein­gehend beschäftigen wird. Tie Zentrumsblätter haben das Wort!

Deutsches Weich.

# KommiffionSberatungen über daS Feuerbcstattungs- gcsetz. Kürzlich wurde gemeldet, daß dos Fenerbestattnngs- gesctz zurückgezogen sei und vorläufig keine Aussicht bestände, daß der Landtag sich mit einem solchen Entwurf beschäftigen werde. An unterrichteter Stelle wird uns mitgeteilt, das, von einer Zurückziehung dieses Gesetzentwurfes keine Rede sein kann. Die bisherigen Kommissionsberatungen haben infolge der jedesmal beschlossenen Abänderungen die Auf­stellung von mehreren Entwürfen notwendig gemacht Diese Beratungen haben bis jetzt ihren Abschluß noch nicht ge­sunden. Sie sollen von neuem zwischen den beteiligten Ministerien in Fluß kommen, sobald der neue Kultus­minister, der in einigen Tagen vom Urlaub zurttckerwartct Wird, die Drenstgeschaftc wieder übernommen hat.

X Mittelstand und Hansabund. Wie wir hören, fand neuerdings unter dem Vorsitz des Herrn Ehrcnobermcisters Nicht, des lünftigen Präsidenten des Hansabundes, eine Besprechung führender Kreise des Mittelstandes statt, welche, abgesehen von den Wünschen des Mittelstandes aii

das positive Programm des Hansabundes, die Frage der praktischen Förderung der Bestrebungen des Mittelstandes durch den Hansabund zum Gegenstand hatte. Es handelte sich besonders um Feststellungen, auf welche Werse dem Mittelstände in seinem wirtschaftlichen Kanrpse mit Hufe des Hausabundes Erleichterungen geschossen werden können. Bei dieser Gelegenheit wurde mit Genugtuung festgcstcllt, daß inaßgebcnde Kreise deS Mittelstandes im Präsidium, Direktorium und Gesamtausschuß des Bundes vertreten sind. Die Teilnehmer der Besprechung fanden sich durch deren Ergebnis in der Überzeugung bestärkt, daß der Mittel» stand von einem Zusammenarbeiten seiner berufenen Ver­tretungen >uit dem Hansabund nur Vorteile zu erwarten hat.

DO. Die mecklenburgischen Rittergutsbesitzer zeichnen sich durch interessante Inserate aus. Wie erinnerlich sein dürfte, suchte kürzlich ein Landherr einen Depuiattnecht und einen Lehrer in einem Aiemzuge. Ein anderer verheißt seinem Lehrer guten Nebenverdienstdurch Hilfeleistungen bei Jagddiensten", also eine Art Trctberposten. Man er­staunt, wenn mal, steht, wie diese feudalen Herren Hungcr- löhne auspreisen, als waren ste Ministergehälter, und mau wird vor Erstaunen den Kops schütteln, wenn inan sich die Lehrerwohiwngen einmal ansteht, die alsgut" bezeichnet werden. Derartige Sachen sind uns schon etwas Alltäg­liches und Unauffälliges. Das Allettollste ist, daß das Gesctzgcberrecht in Mecklenburg käitsiich ist. Und die Ritter genieren stch nicht, ostenSitz und Stimme im Landtag" auszubieten. So schreibt man derMecklenb. Zig.":Hier in Hamburg berührt es mich als geborenen Mecklenburger imunr beschämend und direkt demütigend, wenn in den Zeitungenmecklenburgische Riitergiiter mit Wahlberech­tigung zum Landtag" wie Helgoländer Hummer und Lübecker Spargel (sehr delikat) seilgeboten werden." Ver­fasser gibt aus einer einzigen Nummer eines Hamburger Blattes folgende Beispiele an:Rittergut in Mecklenburg, mit Sitz und Stimme im Landtag, tzütz Morgen Marsch­weiden, am Hause neue Gebäude, gute Jagd, mit komplettem lebendem und totem Inventar, für 190 060 M. bei ZOOM M. Anzahlung zu verkaufen."Ritierschafttiches Gut in Mecklenburg, mit Stimme ans dem Landtag, 356 Morgen groß, größtenteils Fettweiden und Wiesen, neue schöne Ge­bäude, in etwa 2 Stunden von Hamburg zu erreichen, ftir 206 000 M. zu verkaufen. Hypothek oder kleines Hans wird evtl, in Zahlung genommen." Wenn Friedrich Wilhelm Schulze oder Gottfried Lebrecht Müller aus Berlin das Rentnerspiclcn satt haben, können ste getrost nach Mecklen­burg wandern. Sie werden daun Ritter und Parlamen­tarier zugleich, leibhaftige Abgeordnete, M. d. L. Und wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand!

* Parteitag und Theater. Aus Leipzig wird uns ge­schrieben: DaS hiesigeArbeiicrblldungsiustitut", eine

sozialdemokratische Nebenstelle, bestimmt für gewisse Tage die Stücke, die am Staditheater zur Aufführung kommen. Diese Vorstellungen sind nur für sozialdemokratische Ar­beiter, die Stücke werden aber aus dem allgemeinen Spiel­plan deS Theaters ausgewählt. Die Einrichtung hat ledig­lich den Zweck, die Arbeiter vom bürgerlichen Publikum abznfon-dern. Die sozialdeinokrattschen Theatervorstellungen reihen sich den sozialdemokratischen Turn-, Gesang-,

Feuilleton.

(Nachdruck verdaten.)

Heufieber und MsenleUirri.

Von Sanitätsrat Dr. Bresgen.

Die angebliche Unheilbarkeit des Heufiebers ist eine nicht nur aus inneren Gründen von altersher überkommene, sondern eine auch trotz sottgeschrlttcncn Wissens und

Könnens aus Bequemlichkeitsrücksichten unserer ewig hasten­den Zeit jung erhaltene Sage: Das Heufieber mochte man gar zu gerne missen, aber Zeit auswendcn, um von Grund ms sein Auftreten zu verhindern, Zeit aufwenden, um seiner Hauptursachc ledig zu werden, nein dazu hat man keine Zeit! Wohl aber hat man Zeit, um zahrlich für Wochen und Monate einehcusiederfteie" Gegend aufzusuchen! Und dazu hat man sogar Jahr für Jahr ohne Einschränkung Zeit! .

Seit vielen Jahren muß ich meiner Erfahrung nach den Standpunkt vertreten, daß das Heusieber lmrklich heilbar sei, tticfjt Mojj für die fo&. heufteökrfreien Monate, sondern gerade auch für die Zeit der Gras-, Getreide- und Pslanzen- Blüte überhaupt. Aber die Bedingungen, die ich stellen muß, sind unbequem, weil ste etwas mehr verlangen, alS stch während der Heusieberzcii einfach etwa nach Helgoland oder ähnlichen Orten zurückzuziehen und wieder nichts für die kranke Nase zu tun!

Das Heufieber kommt ausnahmslos nur bei N a s e n k r a u k e.n v o r. Freilich bekommt nicht jeder Rasenkranke Heufieber das gleiche ^Verhältnis ivie cs auch für das sog. nervöse Asthma gilt. Die besondere Neigung, an Heufieber zu erkranken, ist aber nicht das Wichtigste im Krantheitsbilde; vielmehr ist dies allein in

Erkrankung der Nasenschleimhaut zu suchen; denn mit Gelundmackmna dicker verschwindet auch jene Neigung

Gerade weil ich dies seit iangen Jahren immer wieder er­kennen mußte, habe ich stets ats erstes Erfordernis zur Be­seitigung des Hcufiebers eine ordnungsmäßig durchgeführte Nasenbehandlung bezeichnet und zwar während der heufteberfreien Zeit!

Der Heufieber-Kranke pstegt zur Heusieberzeit ärttlichen Rat zu suchen wenn er es überhaupt noch tut! während er zu anderer Zett angeblich ganz gesund

, wie bei

' ^och das letztere verhalt sich bei ihm genau so fn an Dauerschwellung der Nasenschleimhaut Er-

) °IL Auch sie' erklären m der großen Mehrzahl, daß sie, abgesehen von Schnupfen-Anfällen stets genügend freie Nase bekennen sie aber ohne weiteres, daß sie beun Schlafen Märchen, beim Bergsteigen durch den Mund

tmi flH-lhor' kommen nun solchelluflimmigkciten" ? Ein- Woher, IC T dab die sog. Dauerfchwcllung der Nascn-

mal ist zu de am ' chronischer Nasenkatarrh, als

schleimhaut, « ^schnei wird, ganz allmählich, lvenn Stockschnupfen schubweise verschlimmert,

auch durch PW , » werden die Atmungswege der Nascn-

sich einstcllt. ^ mehr und mehr verengert; mau ge-

^^1/a^alko langsam tm Laufe Von Jahren an de» allcr- wühnt stw an jverdenden Nascnlustweg, hat also nicht dings st"tg, - dom wirklich vorhandenen Grade der

das Erde diese dagegen Plötzlich entstehen, wie es

Beengung- » erhöhte»! Matze beim frischen Schnupfen gc- lo würde niemand das Vorhandensein der Be- ' ^versehen, weil es unmöglich ist, an solch hohe Grade ff,lotzNch sich zu gewöhnen.

" ' «j e nun jeder, nach Überwindung eines frischen Schnupfens, selbst im Besitze einer hochgradigen Dmwr- schwellnng der Nascnschleimhant dennoch diese im Vergleiche -« den Beschwerden des crstcren als keine Erkrankung am siebt so geht's auch den Heufieber Kranken vor und nach ihren Anfällen: ste werden sich angesichts der überitandcnen

qualvollen Leiden ihres Dauerfchnupsms kaum oder gar nicht bewußt, freuen sich vielmehr, nun wiedergesund" zu sein bis zum nächsten Jahre! Darum kommen ste auch immer erst, wenn die Anfälle anftrctcn oder kurz vorher, um sie vielleicht zu verhindern oder zu mildern! Das letztere kann man aber nur immer für kurze Zeit durch die bekannten neueren Mittel und selbst diese bereiten nicht selten Ent­täuschung. Das erster« kann nur gelingen, wenn der Kranke sich einer örtlichen Behandlung der Dauerschwcllung der Nasenschleimhaut in der Weife unterzieht, daß, ohne die Funktiousfähigkeit der Nasenhöhle irgendwie zu schädigen, doch eine dauernde, Tag und Nacht gleichbleibende Frei­legung des Nascnluftwcges erzielt wird.

Bei diesen Vorschlägen nun ist mir von Heufiebcrlranken mit dem Rechte der Laien eingeworfen worden, daß die Nase cs nicht allein sei. ne das Heufieber in den Körper lassen die Augen seien mindestens ebenso sehr beteiligt Das ist ganz richtig, jedoch nur infolge der Dauerschwelluna'der Nascnschleunhaut: Die zahlreichen Bindehautentzündungen sind ungefähr gerade so zahlreich wie die frischen und Dauer Entzündungen, der Nasenschleimhaut, heilen auch nie aus.

Daumkckwnllnn b l clUgt l'nd. Es besteht also bei der 1 er Rasenschleimhaut Heufieber-Krankcr ^ ^ Cltte entzündliche Reizung der Lidbindc- yam, aus der das Heusiebergift natürlich eine wirkungsvolle Ablagerungsftätte findet. Es wäre ja ivirklich zu merk- daß nach Heilung der Dauerschwellung der Nascn- Ichleimhaut das Heusiebergift ans dieser seiner Wirksamkeit embüßt, während es auf der Lidbindehaut so lange noch zu wirken vermag, als diese noch nicht vollständig wieder gesund ist; das letztere tritt aber nicht sofort nach Heilung der Nase ein, sondern manchmal sogar erst, nachdem als- bann noch die üblichen Augenmittel augewendei worden sind. Beobachten wir die gleichen llmsiände doch auch an anderen Körperteilen, so beispielsweise bei den durch Nasen- verschwelluna cnlstchenden Reizungen in Mund, Rachen und