Verlag Langgaffe 25/87*
„Tagdlatt-Haus".
Schalter-Halle geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends.
26,000 Abonnenten*
Benins-Preis für beide Ausgaben: so Psg, monatlich durch den Verlag Lanqgaffe 27, ohne Bringerlolm äE so Pfg. vierteljährlich durch alle deutichen Pvstanstalten, ausschließlich Bestellgeld — Beruas - Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die s Zweigstellen, sowie die ül Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt; in Biebrich: die dortigen S6 Ausgabestellen und in den benachbarte» Landorteu und im Rheingau die betreffenden -ragdlalt-Träger,
Anzeigen- Annahme: Für die Abend-Ausgabe bis 12 Uhr mittags; für die Morgen-Ausgabe bis S Uhr nachmittags.
2 Tagesausgabcii.
Fernsprecher-Ruf r
„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53. Don 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Sonntags von 9—11 Uhr vormittags.
------— .— " — " . . 1
«j. s,: r o c jf C - 15 Pfg. für lokale Anzeigen im „ArbeitSmarkt" und „Kleiner Anzeiger" AnzclgcN'Prers für dre J5 • vw ^ abweichender Satzausführuna, sowie für alle übrigen lokalen in cluheitlicher Satzsorm 2 » ^g IN oavon^ ^ Mk. )üc lokale Reklamen; 2 Mk, für auswärtige
Anzeige»; ^o Psg. sur alle a> ri ,^ Seiten, dnrchlausend, nach besonderer Berechnung, —
oi-^?meNerdiUter^Austiahme ^unveränderter Ai.zetg-i, in lurzei, Zivi,chei,räumen entiprechender Rabatt,
Für die Aufnahme später eingereichte-Anzeigen in die nächster,ch-inende Ausgabe wird kein-Gewähr übernommen.
Nr. 419.
Wiesbaden, Donnerstag, D. September 1»«».
S7. Jahrgang
Morgen - Ausgabe.
I, gsrali._
Politische Übersicht.
Friedrich Naumann über seine Fahrt mit Zeppelin.
Der Reichstagsabgeordnete I>. Naumann war be- kanntlich bei der Zeppelinfahrt in Friedrichshafen als Teilnehmer bei dem ersten Aufstieg mit dabei. Bei dem Parteisommerfest, das tags darauf für seinen Wahlkreis Heilbronn in Lauffen a. N. stattfand, gab Naumann eine feine, humorvolle und geistreiche Schilderung dieses feines Aufstiegs und der Eindrücke, die ihn dabei beseelt haben. Daß er dabei politische Rnck- iind Ausblicke mii hineinverflocht, ist bei Naumanns rednerischer Eigenart fast selbstverständlich. Er führte
"'Das Schiff hob sich und wir hatten nicht das Ge- °übl' daß es sich hob. Wir hatten das Gefühl, das; die i „sp/it sich senkten, denn die andern wurden immer niedriger und kleiner. Und schließlich lagen da unten die Bäume und Hauser und auch das Schloß und alles miteinander lag endlich immer weiter unten. Man sckiautc in einer geradezu erhabenen Ruhe herab: So sahen wir die Welt mal von oben, wie man sie auch kaum von einem hohen Berg sieht und auch nicht von einem Kirchturm. Man sieht die Bäume von oben, wie sie gleichsam auf ihren: Schatten ruhen, man sieht die Sonne, wie sie Kreise da unten zeichnet. Man sieht weiter die Häuser und ein Gewimmel von Menschen und alle Straßen ziehen sich klar hin. Allmählich schaut man dann von den Alpen herüber bis weit ins wärt- temborgische Land hinein. Und es scheint einen: so natürlich, als müßte das immer so gewesen sein, gerade so natürlich, wie Graf Zeppelin seine Erklärung, hsg er uns gab, ansing mit den Worten: „Meine Herren e § i st j a alles ganz einfach !" Eine Sache, cm w sich so viele Leute vorher ihr Gehirn zerbrochen Naben eine Sache, bei der so und so viele Leute ihr rnme? Vermögen zugesetzt haben, glückt dann einem begabten Menschen Und dieser sagt: Es ist ja alles <5 . ^ mr'rnnnrhmn hrm hnv : .. v" - "
allein es gedorr jener a a ij t unu a usoauernbe Charakter dazu, ber nt ferner We.se sich irre machen tät-f d-.rch die Mrtzgeschlckc, und es gehört dazu, daß til S6ri« SÄE S°r°d° I- Mit «w, „m in di- ZL dieses Zeppelin hincuizupassin. Dre Motore waren allmählich durcki Autömobrl und andere Dinge bis ans dm Grad der Vollendung gekommen daß man sie nun
•IrVr uf,r .11 verändern brauchte. Das Ali, m; n:cht mehr sehr zu neru : u m : -
nium war von den >-N - ^aß das ganze
Gerüst aus Alummnm: gebaut werden konnte.
Was aber den eigentlichen^Gedaen ansmacht, das ist, daß er sagt, kleine Ballons können :ucht^ fri cgcn , sondern sie nlusse:: vonE^^^^^^^^Gsonstbe-
Frmlleton»
Kus pearys Leben.
3 ,i.i, sotfise« -»» m i-mmü, d'» -
onndernswerter Zähigleck und erstaunlicher Lelstungs- ,ch dem hohen Ziel ringt,dase:,>einen soeben crnge- .n Depeschen zufolge, ertewjt Jat. * ^teriienbanner ,rdvol aufzupflanzen. Zehnnml yai er, wenn man Polarreisen abrechnet, nnt Exped,Nonen den Bor- m Nordpol gewagt, und wenn .hm auch erst «uf der
die Eroberung des Poles Semng. ,o hat er doch >n vorher großartige geographrsche Resultate erlangt, inland entdeckt und damrt dre nördliche Begrenzung meneises nachgewiescn und erst tue Gewißheit für elnatur Grönlands erbracht. Reiche geographische iturwisscnschastlichc Ernzelresultate wurden durch
isen gewonnen. Den Anstoß z s: er Lebensarbeit :r zu Anfang der achtzigerv?ahre des.neunzehnten Werts durch einige Micher über das Binneneis von ld, durch die seine Phantasie erregt und^ ferne eigene hmungslust erweckt wurde. Schon im Sommer 1886 sin er mit Maigaard eine Rekognoszrerungsreise
önland mit einfachster ülu^ustimg und geringem rfwand, und übcrtras a>: Schnclligkcit des Fort- s (in 23 Tagen 160 Kilometer mW m der erreichten e seine Vorgänger, ,91 begann er dann
ntliche Erforschung Grönland, und trat im Früh- ? begleitet von dem Norweger Astrup, seine erste schlitlensahrt an, auf der er das Aushören des im
kommen wir nie etwas, was t r a g f ä h i g ist. Mir haben de^ (ütcijert Mitarbeiter noch gestern gesagt, wenn r e r a n 1 e ? u n g e n gibt, so gehen sie nicht auf ^erkleinei.ung an8, sonbern ans ^ergröster^lng. Und es kann sein, unsere Kinder sehen einmal noch ganZ andere ^liesentiere ba oben, herun^schwiinnien Da ich nun einmal drese Dinge mit der PEk vergleiche, so mochte :ch sagen:DiekleinenBallons sind dre Parteien, wo immer nur 16 Leute d r i n s in d. Die sind nicht die endgültige Lösung dm von, sondern er müssen schlrestlrch größere Fahrzeuge kommen, denn nur mit denen wird man auch eine wirkliche Beherrschung der Lust ausüben können.
Heute nun rauscht und schwimmt dieses große Gefahr: durch die Lust dahin und die Menschen überlegen sich: Wozu wird man denn es nun einmal gebrauchen nachdem es schließlich da ist? Man wird es gebrauchen sicherlich zu militärischen Zwecken, zur Rekognoszierung. Aber da wir hoffen, daß der Krieg in der Zukunft sich immer weiter h i n a u s s ch i e b t, so wäre das ein trauriger Gedanke, wenn wir meinen wollteip diese ganze neue Erfindung sei nur für militari- s ch e Zwecke da. Wir werden sicher annehmen können, daß in der Zukunft sich auch der Weg finden wird, un: den größeren M e n s ch h e i t s a u f g a b e n, sei es in der W i s s e n s ch a f t, sei es beim Transpor:, gerecht zu werden. Das ist ungefähr die Grenze» an der man auf diesem Gebiete jetzt steht, ratend und suchend in die Zukunft hinein. Der Apparat ist da. Er wird von Jahr zu Jahr etwas anders anssehen und die Menschen werden sich an ihn gewöhnen, wie sie sich an die Eisenbahn gewöhnt haben. Denn als die erste Eisenbahn kam, da fragte man auch: Wozu soll man denn eigentlich diese merkwürdigen Dinge verwenden? Sc viel'Leute reisen ja gar nicht! Ich weiß, als da mgl?. Friedrich List, der Württemberger, seine denkwürdigen Untersuchungen über die deutschen Eisenbahnen schrieb, als die Leipzig-Dresdener Eisenbahn, als erste größere, gebaut wurde, da schien es unerhört zu denken, es könnten eininal in einer Woche tausend Menschen zwischen Dresden und Leipzig verkehren. Hat man eben einmal eine so große neue Einrichtung, 'dann findet sich bald Gelegenheit, wo sie eingreifen kann.
Und wenn wir vorwärts gekommen sind zum Austausch der Völker, zum Austausch der Waren und der Arbeit untereinander, so ist das eine große ge schlcht- l i ch e A r b e i t der große,: Bewegung, die wir Liberalismus nennen. Denn, meine lieben Freunde, Liberalismus ist keineswegs bloß, daß etliche Wahlkreise erobert werden und etliche Parteien auf die Berne gestellt werden, sondern Liberalismus ist die große Bewegung des Fortschritts, öic in den letzten hundert Jahren aus einen: alten Volk ein neues geinacht hat. Liberalismus ist jene große Bewegung, mit der die Befreiung der Bauern erkämpft wurde, d:e weiter ging zur Freizügigkeit, die zur modernen Ge- werbeentwicklung geführt hat und die nun heute rmmer weiter drängt, so daß das Schiff des Grasen Zcppelrn
Rückgang begriffenen Inlandeises fcststcllte. Pcary brach sich gleich zu Anfang das rechte Bein dicht unter dem Kme, und legte die 21ÜO Kilometer zu Schlitten zurück, ohne völlige Beweglichkeit des Beins wieder erreicht zu haben. Seine mutige Frau, die ihn auf dieser Reise begleitet und gepflegt hatte, verließ ihn auch 1893 nicht, als er zu neuen Forschungen in Nordgrönland ausbrach; im Winterquartier der Bowdoin-Bai gebar sie ihm eine Tochter. Dann trat Peary mit acht Leuten, zwölf Schlitten und 92 Hunden seine zweite Reise an, aus der er wegen furchtbarer Schnecstünnc und grimmiger Kälte, bei mangelnder Ausrüstung und Er- kraiikung der meisten Mitglieder nicht recht vorwärts kam. Während die Expedition selbst nach Hause zurückkehrte, überwinterte Peary mit zwei Genossen noch einmal in der Arktis und unternahm 1895 eine neue, von unsäglichen Entbehrungen und unglaublichen Anstrengungen erfüllte Reise mit 49 Hunden, von denen er nur einen zurückbrachtc; Schlitten hatte er überhaupt nicht mehr, als er völlig entkräftet in Bowdoin-Bai anlangte. Aus den beiden nächsten Expeditionen gelang es ihm, einen riesigen 800 3cirincr schweren Meteorstein von Kap York heimzubringen. Auf der sechsten Expedition kam Peary mit seinem bewährten schwarzen Diener^ Matt Henson und seinen Eskimos nach ausgedehnten Schlittcnrcisen an das Standquartier, von dem 1883 Grcely zu seinem Todeszuge ins ewige Eis ausgebrochen war, und rettete die Resultate dieser Expedition, Er selbst verlor bei einem furchtbaren Schneesturm den Weg. irrte zwei Tage lang umher und ersror sich dabei die Füße, so daß ihm sieben Zehen abgenommen werden mußten. Trotzdem blieb er in der Artik und wagte 1899 kaum wicder- hergestellt, eine neue Schlittenreise an der Grönländischen Westküste entlang, auf der er die Nordspitze der gewaltigen Insel erreichte und so die Küstenverhältnisse Grönlands genau feststcllte. Nene Vorstöße im Fahre 1901 blieben ergebnislos, und so brach denn im Frühling 1902 Peary zu
iomrsaaen ein letzter Ausläufer ist von einer großen Entwicklung der Technik, des Gewerbes, des Geistes und der menschlichen Auffassung, d:e se:t hundert Jahren gegen die alte Zeit als Fortschritt gekommen ist."
Uom Disffplittffrvcrfayfen gegen Geistliche.
Ein vom Oberkirchenrat veröffentlichter Gesetzent- Wurf über das Disziplinarverfahren muß manche Be- denken erregen. Schon seit den: Jahre 1876 :st durch den § 7 der Generalsynodalordnung eux Krrchengesetz zur Regelung der kirchlichen L e h r t r e r h e: t m Aussicht gestellt. Wir haben dies Gesetz noch immer mcht. Der neue Entwurf greift dagegen rn ^dre Lehrfreryert ein, indem er das neu einznsetzende spruchkollegrum über alle Lehrfragen endgültig entscheiden iaht und unter Lehrangelegenheiten versteht: sowohl eigenu.cye Irrlehre (im Sinne des Kirheng?>etzes von: „e. ,aut 1886) wie auch Einsprüche aus der Gememoe gegen die Lehre eines gewählten Pfarrers und Anfechtung der Berufung eines sonst Anstellungsfähigen oder der Ge- ergnctheit eines Fremden für den Dienst in der preußischen Landeskirche wegen mangelnder ilbere:nst::n- mung mit dem Bekenntnis. Der Kundige erkennt so- fort, daß diese Bestimmungen der Reihenfolge nach passen auf die Fälle Weingart, Götz, Römer und Cäsar, -'tunwelß die evangelische Kirche aber nichts von eurem unfehlbaren Organ zur Entscheidung von Glaubens- wahrherten, und schon 1875 erklärte der Präsident^ des v • Dr * Herrn amt: „V erbindliche Beschlüsse über die Glaubenswahrheiten könnten nur durchwein Organ ausgesprochen werden, welches für sich E ^nsattlbrlttät in Anspruch zu nehmen be- rechtrgt :st. Ern solches Organ kennt die evangelische Kirche mcht und kann sie nicht kennen." Das Preußische Landrecht kennt auch kerne Amtentsctzung wegen Jrr- lehre- Vor mehr als hundert Jahren gab es Juristen und Theologen, die srerhertlrcher dachte:: als viele ihrer ^utrgen Berufsgenossen Sie stellten die Macht des Gewissens höher als eine in Poraaravben ae- brachte Lehrnorm. Allein den: Gcwisson^de^Nwrrers ttett * ütaMon, tateta ?fte? iSÄS
Zeugung von der Unrrchiigkeit der fflnmwlS SMisionSportci fein Amt
!?>* S-ndr-chMf-'GeiMchen^r 'fefotttuw
ihrer Gesinnung. Dre Einsübrnne, ist - - .
wegen Lehrabweichung ohne ei'io Belliinm^ Verfahrens
freiheit (wie sie im § 7 der G o^Eunmnng der Lehr- aeseben iitl mnü die N,.s^„"^ralsynodalordnung,vor.
gesehen ist) muß die Auffassung^'näbelea^ T-V
daß cs eme Lehrfreiheit überhaupt nickt aeb»
Reform des Disziplinarverfahrens ÄÄ ^
beisckst ferner eine" gleichzeitig R7f7r>n^d?/"BeR!erde- rechts rn Lehrangelegenhciten schwcride eines einzelnen, vielleicht'uniwodu meindemitglieds als Gemeindeangelegenhoit
,mi 0 steift .auwife« Me 9?S 6 Im
Wuirschc eines einzelnen ein, obaleiw di»
Ansichten ihres Pfarrers teilt Beschwerden 010
dann verfolgt werden, wenn sie ^Sn fZ S?rf r Anzahl Gemeindemitglieder vorgebeacht und mit'Ä
einem achten Vorstoß nach dem Pol auf hÜÜT”
Aufbietung aller Kräfte vordranq. Als aber schlieMi ^ '1' 84° 17' N. die Hunde nicht mehr zu »clitmÄ, Ct mußte der Rückmarsch angctrcten werden,' der sich durcv häufigen Nebel und die beständigen Schneespalte nod ll fährlicher gestaltete als der Vormarsch, Vier Jahre bmt- so der kühne Forscher im ewigen Eis verbracht, und scban brach er im Sommer 1905 mit seiner neuen Expedition auf und begann nach einer Überwinterung an der Nordküste Grönlands 1906 mit dem altbewährten Matt Henson die Schlittenreise zum Pol. Ein unabsehbar langer' Spalt im Eis nmßte nach sechStägi? m Warten auf einer Brücke von Jungeis überschritten w .oen, die beim Überschreiten entsetzlich hin- und herschwankte. Durch einen schweren Sturm wurden sie 70 englische Meilen nach Osten qetriebini er langten aber dabei die höchste Breite von 87« ? \ ä
bic letzten 322 Kilometer zum Pol konnten nicht nirücka7wm
Skelett abgeinagert^now i^esenheit gelangte Peary, zum einer ÄTÄ ^ ] cmcm Standquartier zurück Nach iabrt nocki w J un 9 unternahm Peary noch eine Schlitten- n - iSrff '!'’', bct bct ein «och unbekannter Teil des reb^. Ä^n Polararchipels gesichtet wurde. Ans seiner zcymen Reise hat er nun endlich das ersehnte Ziel erreicht.
Im ewigen Eise.
Pearhs Begeisterung für seine große Aufgabe, der Reiz oer neben so vielen Gefahren so viele Wunder bergenden Zauberwelt der Arktik leuchten durch die Schilderungen, me er von seinen Reisen entworfen. In seinem großen Reiscwerk „Nordwärts über das große Eis" erzählt er von den Eindrücken einer Wanderung in diesen großen grönländischen Wüsten von Eis und Schnee. „Kann sich wohl einer meiner Leser vorstellett, wie es ist, wenn man Tag Mid Wochen buchstäblich durch das Nichts schreitet? Gibt
