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ÄS Nr. 375.

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Morgen - Kusgabe

1. Mkcrtt.

Konlervutive MilteLstündsPülLtik.

In der konservativen Partei führen nur die Junker üs große Wort. Die Angehörigen des Mittelstandes, ie unüberlegt genug sind, sich den Konservativen anzu- hließen, haben den Mund zu halten. Wagen sie ein- tei, ein Wörtchen zu sagen, so fällt die Junkerpresse. <te wir es in den letzten Wochen viel gesehen haben, .fti wildem Geschimpfe über sie her. Der Junkerstand ht ja im geschichtlichen und wirtschaftlichen Gegensatz ln Bürger- und Bauernstände, a u s d e 1 s c n K osten t leben will. Der Bauer war bis im 19. Jahrhundert

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* «rj Leibeigener des Junkers, und der Bürger wurde, 'ojs «lange es ging, von den Raubrittern nach Möglichkeit d"." ÄH kbrandschatzt.

« s ' d Ta ein Junker wie früher, so auch in alle Zukunft, n k^j 4 ' fei dasgewöhnliche Volk", über Bürger, Bauer und uqust eii dndwerker herrschen will, so liegt es in seinem Jn- sVampss hrei'e, das Volk in möglichster Dummheit zu erhalten; ' »°)er seine Bildungsscheu und daher das Bestreben, Volksschulen unter der Herrschaft der Kirche

erhalten.

Wegen der Wahlen aber umschmeichelt der Junker Bauern und Bürger, um sie sich als Stimmvieh zu alten, während er sie im Innersten verachtet. Er er daher dem bäuerlichen und bürgerlichen Mfttel- Dd vor, daß dessen Interessen bei ihm am besten ver­beten sind, daß die konservative Agrarpolitik, d. h. die Schutzzollpolitik, ebensogut im Interesse des Bauern $ s m dem des Großgrundbesitzers liegt, was natürlich * si>: der Fall ist. Das sehen nun auch die Bauern ein, in Scharen den Bund der Landwirt» verlassen.

Um sich einen Teil des städtischen Mittelstandes Stimmvieh zu erhalten, nrachen die Junker auch in Ittelstandspolitik. Nicht als ob ihnen das wirkliche bK des städtischen Mittelstandes irgendwie am Her- i täae, das ist ihnen ganz Wurst; im Gegenteil, der ker hat genau wie früher ein Interesse daran, daß Bauernstand und auch der städtische Mittelstand

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itr zu kräftig und üppig ivird, damit er der Herrschaft E Junkers nicht allmählich entwächst. Darum wird Junker eine solche Mittelstandspolitik, die dem dtelstand w i r k I i ch auf die Beine hilft und ihn «sich stärkt und kräftigt, wie sie die Liberalen Een und betreiben, nie befürworten, sondern viel­er solche Mittel, die den Mittelstand, insbesondere t Handwerker, s ch wache n. Die ersteren Mittel, die i Mittelstand, besonders den Handwerker, wirklich tken würden, das sind die Mittel der Selbsthilfe, r die die Liberalen stets eingetreten sind. Man denke Schulze-Delitzsch, den Vater des Genossenschafts- Lns, einen Führer der Liberalen; man denke an die Äderung des gewerblichen Bild ungs wese ns, besondere des F o r t b i l d u n g s s ch u l w e s e n s ,

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Feuilleton.

Das Gold in alter Zeit-

Von E. Zeller.

Lange schon bevor infolge der fortschreitenden Kultur Leränderten Verlehrsverhältnisse gewisse Wertmesser für zum Leben der Menschen notwendigen Erzeugnisse und Hier bedingten, diente das Gold, das man aus seiner vtlen Tiefe ans Tageslicht förderte und durch seine Bernde, feurige Sonnenglut die Sinne der Menschen um- itfie, in glänzedem Vereine mit vielfarbigen funkelnden Ästeinen nicht allein als Schmuck des menschlichen 'Vers, sondern auch als willkommenes Material zur Her- lang von Gefäßen und Hausrat allerlei Art. Man hatte k bald die trefflichen Eigenschaften dieses Metalls er- vit; man bewunderte die Pracht und die Dauer seines tz keinen Rost getrübten Glanzes, sowie die Weichheit l Geschmeidigkeit seines Gefüges, Vorzüge, die es t allen anderen Metallen zur Verarbeitung zu Schmuck- ' n und Gerätschaften in der mannigfaltigsten Gestalt ge- !t machten.

Es waren vornehmlich die Völker Asiens, die sich unter Einflüssen einer üppigen Natur und eines den Körper Klaffenden Klimas dem überschwänglichsten Luxus er- fen, und dieser ward namentlich durch die betriebsamen spionier und Phönizier genährt, welche, selbst an achtliebe und viele künstliche Bedürfnisse gewöhnt, den «tischen Völkern nicht nur die eigenen Erzeugnisse ihrer ^entwickelten Kunst und Industrie übermittelten, sondern !ch durch ihre weitverzweigten Handelsverbindungen aus Vien Ländern die kostbarsten Luxusgel enstände hcrbei- Wen. Gold und Goldsand holten die Babylonier aus -dien, welches das eigentliche Eldorado des Altertums

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Wiesbaden, Samstag, 14. Angust 1JJC9.

für bas bie Herreu Agrarier nie etwas übrig gehabt haben. Man denke weiter an die t e ch n i s ch e Ge­werbeförderung, die jetzt von den Handwerks- und Gewerbekammern mit Hilfe des Landesgewerbeamtes energisch betrieben wird. Derartige wirkliche positive Mi ttelstandspolitik, die das Bürgertum star­ken und hochheben würde, ist nicht nach dem Sinne und dem Geschmacks der Agrarier, Wohl aber die beschrän­kenden, die Konkurrenz unterbindenden Mittel, wie der allgemeine Befähigungsnachweis, das Zunft­wesen und dergl. mehr. Denn wie Österreich mit seiner zünftlerischen Gewerbepolitik den klaren Beweis er­bracht hat, wird das aufstrebende Handwerkertum durch den Befähigungsnachweis und das Zunftwesen in seiner Entwicklung gehemmt und geschwächt. Diese Mittel fördern das Handwerk nicht, sondern schädigen es. Darum treten die Junker dafür ein. Die intelligenten und führenden Kreise der Handwerker haben das auch schon längst erkannt und daher im Jahre 1906 auf dem Handwerks- und Gewerbetage zu Cöln die Einführung des allgemeinen Befähigungsnachweises abgelehnt

Daß die agrar i s ch e Hochschutzzollpolitik die Handwerker durch die enormen P r e i s st e i g e r u n - gen der Lebensmittel und Rohstoffe stark schädigt, wird von den meisten Handwerkskammern bereits zu- gcstanden und ist auch aus dem letzten Handwerks- und Gewerbekammertag zu Breslau 1A)8 bei der Beratung des Antrags auf Aufhebung der billigen Ausfuhr­tarife für Getreide deutlich zum Ausdruck gelangt. Die Agrarier bewilligen dem gewerblichen Mittelstände alles unbesehen, was ihm nicht wirklich nutzen kann und was nicht aus Kosten der Agrarier geschieht, wozu sie selbst nichts beizutragen haben. Wenn sie selbst Labei in ihre Tasche greifen müßten, dann würde Bruder- Handwerker schon lange betteln rönnen, ehe er etwas bekäme.

Die ganzeMittclstandsfreundlichkeit" der Konser­vativen ist eben nur Heuchelei.

WUtrsche Mersicht»

Aus dem füddsrrtschsrr Zentimm.

Während die norddeutschen Zentrumsführer ihre ganze Logik aufbieten, um ihre Ilmfälle vor den Wählern zu rechtfertigen, betreiben süddeutsche Organe dasselbe Geschäft mit Humor und List. Da ist z. B. derTauber- und Frankenbote", der die Reichsfinanz­reform in Gesprächen am Biertisch verarbeitet. Teil­nehmer am Gespräch sind Fritz, Willi, Bastian, Karl, Sepp und Michel. Nachdem sie die Sache von ver­schiedenen Seiten erörtert haben, bemerkt Karl:Wir brauchen nicht mehr viel darüber zu reden! Wie ich gelesen habe, ist eine bedeutende Rede vom Zentrums­führer Geisil. Rat Wacker im Truck erschienen, ebenso eine genaue Darstellung der Finanzrefarm von Mit­gliedern der Zentrumsfraktion und noch ein Flugblaii vom katholischen Volksverein. Du, Richard, gehe

Die alten Inder selbst, das männliche Geschlecht sowohl als das weibliche, hatten eine große Vorliebe für das glänzende Gold, das sie zu allerhand netten Schmuckgcgen- ständen zu verarbeiten verstanden. 11m die Knöchel der Füße und Arme legten sie kostbare goldene Spangen, die nicht selten mit funkelnden Edelsteinen und helltönenden Glöckchen, an derem lustigem Geklingel sie sich ergötzten, versehen waren. Der Ringschmuck scheint sogar eine indische Erfindung zu sein, der seiner ursprünglichen Be­stimmung nach nichts weiter als ein Mittel zur Erhaltung zarter schlanker Finger sein sollte. Noch jetzt sehen die Hindus eine kleine schlanke Hand als eine Bedingung jeder Schönheit an. Den Hals schmückten sie mit goldenen Ketten und goldenen Schlangen, die als Amulette galten, und aus goldene Ohren- und Nasenringe legten sie großen Wort. An dem Gürtel, der das Gewand zufammenhiclt, hingen nicht selten goldene Glöckchen, die beim Gehen und beim Tanze erklangen.

Die Babylonier waren es auch hauptsächlich, welche dem Luxus der Perser, wodurch dieselben in der Folge so berüchtigt wurden, mächtigen Vorschub leisteten. Man mutz erstaunen über den die Sitten verderbenden Überfluß an Vorräten und kostbaren Produkten aus allen Teilen der Monarchie, der sich am persischen Hofe angesammelt, über die Massen von Gold und Silber, welche emgeschmolzen und in Barren aufbewahrt wurden, von denen der König je nach dem Bedarf etwas abschlagen ließ. Nach Herodot sollen jährlich in den königlichen Schatz, der ausschließlich für den persönlichen Gebrauch des Königs bestimmt war, an ungemünztem Gold und Silber 14 500 Talente^ oder 60 Millionen Mark unseres Geldes geflossen sein. Die Ge­schenke. welche der König an seine Günstlinge austeilte, bestanden nicht in gemünztem Golde, sondern in Gold­barren und goldenem Geräte oder in kostbaren Ehren­kleidern. welche die Kunst der Babvlonier mit Goldfäden durchw-rkt Hatte. Wenn auch dw Nachrichten des Curtius

87. Jahrgang.

morgen, hinein zum Herrn Pfarrer und sage ihm, cp möge diese Schriften bestellen und unter die Leute ver­breiten. Wenn du die Sache geschickt (siel) anbringst, dann bezahlt er alle drei Sendungen, meinst nicht auch?" DerTauber- und Frankenbote" bersteht's. Wie er die Freigebigkeit der Geistlichen und die Schlauheit dep Dorfbauern, die sich diese Freigebigkeit zunutze machen, mit einem einzigen Strich zu zeichnen versteht! Ob die bäuerlichen Leser die Absicht wirklich nicht merfen?. Dann wäre ihr Portrait dennoch nicht richtig.

Tslephourlcho UitLeUrurgerr Heins Dsprschsn.

Von einem pensionierten Offizier wird uns ge­schrieben: Zu Ihrem Artikel in Nr. 368 Ihrer Zeitung Telephonische Mitteilungen ke i n e De­pesche n", der mich interessierte, da ich seit beinahe Jahresfrist Postfach studiere, gestatte ich mir, einige sachliche Bemerkungen zu machen:

Wenn man dem § 363 des RSiGB. den § 8 des Telegraphengesetzes vom 6. April 1892 gegenüberstellt, kann gar kein Zweifel darüber sein, daß das Fernge­spräch eine telegraphische Mitteilung ist. Der 8 8 des Telegraphengesetzes sagt:Das Telegraphenge- heimnis ist unverletzlich .... Dasselbe erstreckt sich auch darauf, ob und zwischen welchen Personen tele­graphische Mitteilungen stattgefunden haben."

Weiter heißt es in demselben Paragraphen:Tie technischen Einrichtungen für den Fernsprechbetrieb sind mit Rücksicht aus die Eigentümlichkeit derT e l e- gram m Übermittelung" stets derart zu treffeu> daß die in den Fernsprecher gesprochenen Worte von Unbefugten nicht gehört werden können."

Ferner heißt es sowohl im Telegraphen- als auch im Telegraphenwegegesetz:Unter Telegraphen­

anlagen (bezw. -linien) sind die Fernsprechanlagen (bezw. -linien) mit begriffen."

Im Betriebsdienst wird ein großer Teil der Durch- gangstelegramme von und nach solchen Orten, die nur; eine Fernsprcchstelle haben, durch die Fernsprechleitun­gen gegeben. Auch die Teilnehmerleitungen werden so­wohl für das Ausgeben als auch für das Zusprechen angekommener Telegramms benutzt. Hieraus geht klar hervor, daß das Telegraphengeheimnis sich nicht nur aus die Telegramme, sondern auch aus die Fern« gespräche bezieht.

Hat nun das Reichsstrafgesetzbuch eine andere Aus-, legung zugelassen, so ist dies im Interesse des Publi­kums, welches den staatlichen Verkehrsanstalten sein volles Vertrauen schenken soll und auf die Verschwiegen­heit der Staatsbeamten baut, zu bedauern, und es ist nur zu wünschen, daß bei einer Revision des RStrGB. der Wortlaut des betreffenden Paragraphen geändert werde.

Das Reichspostamt, die Ober-Postdirektionen und dia Verkehrsanstalten aber sind nicht im Zweifel über die Bedeutung des Telegraphengeheimnisses, unbeschadet desllrleils des Reichsgerichtes, und werden das Brief.

über die üppige Pracht, die am Hoslager des König Darius Codomannus herrschte, übertrieben und etwas romanhaft erscheinen mögen, so entsprechen sie doch den Sitten des Morgenlandes und dem Luxus der persischen Könige. Im Zuge gegen Alexander von Mazedonien prangte die zehn­tausend Mann starke unsterbliche Schar mit Halsketten von reinem Golde und golddurchwirkten prächtigen Kleidern, an deren weiten Ärmeln kostbare Edelsteine schimmerten. Den Wagen, auf welchem Darius selbst in seiner Majestät thronte, stützten zu beiden Seiten Götterstatuen von lau­terem Golde, und in der Mitte der mit Edelsteinen besetzten Deichsel standen zwei goldene Bildsäulen, jede eine Elle hoch, welche den Krieg und den Frieden darstellten, und über beiden breitete ein Adler, gefertigt aus demselben Metalle, seine Fittige. Als Bedeckung folgten dem könig­lichen Wagen zehntausend Reiter, deren Spieße mit Silber überzogen und an der Spitze mit Gold beschlagen waren. Sechshundert Biaulesrl und dreihundert Kamele waren mit den Kostbarkeiten und Schätzen des Königs belastet. All dieser goldene Prunk ward eine Beute des Mazedoniers, der unaushaltsani vordranq und sich bald der eigentlichen Hauptstadt des persischen Reiches, Persepolis, bemächtigte. Hier fanden die plündernden Soldaten Alexanders Überfluß an allem, was der Luxus nur erfinden konnte, kostbares Hausgerät, purpurne und golddurchwirkte babylonische Ge­wänder, die ein Schriftsteller mit dem goldgeringelten, in farbigem Glanze strahlenden Schweife des Pfauen ver­gleicht, und Haufen von Gold und Silber. Die Schätze des königlichen Palastes behielt Alexander für sich. Die hier aufgehäuslen Alassen an Gold und Silber allein wurden auf 120 000 Talente (ungefähr 360 Millionen Mark) ge­schätzt. 3ygo Kamele und eine große Menge Maultiere waren nötig, um sie fortzuschafsen.

Ein wegen seines Goldreichtums von allen alten Ge­schichtschreibern gerühmtes Land war auch Lydien. Die Schilderungen, die von dem Wohlstände des lvdischen