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Nr. 374.
Abcnd-Ausgttbe, 1. Blatt.
""t > dem anderen Geleise sich befand. Daß gerade im Mittags- aachc. qkxhr zwischen Mainz-Wiesbaden und umgekehrt unbedingt großen» töfeerc Pünktlichkeit herrschen muh, beweist dieser Vorfall, ar De^ .. gher leider durchaus nicht zu den seltenen Ereignissen -ten M
EntlccM ^ Walhalla-Theater. Die gestrige Operetten-Vor-j rze Ze>b Uung war trotz der den Theatern so außerordentlich un- et, wo-- Innigen hohen Temperatur sehr gut besucht — das Haus Ce der d , r j ai - t ausverkauft — und das hatte neben dem neueinte dag-» ddierten beliebten „Prinzpapa" unserer heimischen iondcl, i U^en W. Jacoby und Heinz Lewin das Benefiz des md Ha«! »pellmeisters Marco G r o ß k o p f bewirkt. Eine Fülle cgen Het ^ Blumen und sonstigen Angebinden, die einen großen Uhr » lief) ganz bedeckten, gaben Zeugnis von den Sympathien ;en Br»° nb der Wertschätzung, deren der Benefiziat sich hier in ,er Tw» mxm Kreisen zu erfreuen hat. Die Vorstellung selbst s Ballo cincn sehr flotten Verlauf; das Publikum zeigte sich r DaB txerordentlich befriedigt und applaudierte auch dem in Schol hgen Komponisten, als dieser auf die Bühne geholt de besÄ itzrde, sehr lebhaft. Von den Darstellern siel Heinz Moos °!t hier, der als „Pinto" gastierte, angenehm auf. Er screr B drdc, als er sein mit witzigen politischen und lokalen Nutz , sei»! Gelungen gewürztes Eouplet sang, mehrfach hervorge- -tag scib lfen. ., ,
iberbie^ — Turn- und Jugendspiele in den Volksschulen. Zur Art.-W sseren Ausbildung und Pflege der Turn- und Jugend- GrünB iele sind von der Regierung Rektor Hardt in Griesheim rung ;« ll Lehrer P h i l i p p i hier zu S P i e l r e v i s o r e n er- ents-Ä« >mr worden.
er Oss>!' _ Die Bierpreiserhöhung, die auf dem Lande bereits
TeilnM tzgelreten, hat dort eine scharfe Bewegung hervorgerusen. fahre 1* sonders in den kleineren Gemeinden werden B i e r - ochwerib t e i f S inszeniert, so besagen Nachrichten aus Straßebers- Wter °Ul Niederscheld, Niederneisen, daß die Wirtschaften fast zugc, u» ^ stehen. In Herborn mußten bereits die B i c r p r e i s c ! SjähnS ftu n;t c r g c f e $ t werden, in Eibelshausen hat der orjährigl dazu geführt, daß die Wirte wieder Vs Liter zu tage. ( 3/ io Liter zu 10 Pf. abgeben. Allenthalben steigt
verehr!» !t verbrauch von Apfelwein.
täglich s _ Die Frage der etwaigen Abtrennung des Kreises
e erheb- ^ar von der Rheinprovinz und seine Zuteilung zum csierunasbezirk Wiesbaden, über die schon wiederholt st Bicbrii verhandelt wurde, stand vor einigen Tagen auf der
Altertum ^xsordnung der Wetzlarer Stadtverordneten-Versamm- Mittiv»! ^ ~ Bürgermeister v. Zen gen teilte mit, daß der An- t und ö ^ er Stadt an den Kreis wegen eines Zuschusses zur af den i i. 5 ür beitwng einer Denkschrift vom Kreisausschutz ab - der sid bcschieden worden sei. Letzterer habe beschlossen,
en BeW ^läufig davon abzusehen, zu dieser Frage Stellung zu r Spendt^ lange nicht Klarheit darüber herrsche, ob die in en. Vorbereitung befindliche Reform der inneren Vcrwal
rtiggestcl,>,g die Abtrennung in ihr Programm aufnehme. Di- rz sind i sgrer Stadtväter beschlossen daher, allein in dieser nderungl iäv vorzugchcn und bewilligten einstimmig die Mittel es duä Ausarbeitung einer Denkschrift, in der die verwaltungs- dort b» «.rischen und wirtschaftlichen Vorteile endgültig erörtert : 56 $8 -iden sollen.
Utt., dal _ fc-jit „Zeppelin" en miniature, immerhin aber 3 bis •cVin. tu< Ptict lang, schwebte gestern nachmittag sehr hoch über ei GegS ^ Uukamm". Am Hinteren Ende drehte sich eine Flügel- hr 6 M> ^ 2 le und auch die Gondel war sichtbar. Ob das an langer Min. M c 'j ne festgehaltene Lustschiffchen zum Zeitvertreib oder zu n 8 i!> -nschaftlichen Experimenten diente, konnten wir nicht sest- 59 M ^en.
vcr nc» ^ Automobilunsall. Ein Automobil aus W i e s - >. Mab , 5en noelches Arnsberg als Reiseziel hatte, erlitt dieser ormittaj ■ al h öem sogenannten „Großhans" zwischen Allendors >'.47 ^'^^'Bromskirchen einen starken Unfall. Infolge heftiger SieSbad« ^erüng überschlug sich das Fahrzeug in einer der scharfen cke in de' r -.,l. crl so baß es quer über die Straße zu liegen kam; von Wic^ e, drei Insassen wurde einer d'c hohe Böschung hinunter gen bull k^leudert, die übrigen gerieten unter das Auto. Während Vermch^^.^^ Leute von Allendors mit dem Ausrichten beschäf- warcn, begaben sich die am stärksten Verletzten, zwei der, im Wagen in Behandlung des Hallenberger Arztes. ; Automobil setzte später seine Reise fort.
Betrüger. Auf die Leichtgläubigkeit seiner Mit-
onen,
12 «P st ja P ährt, nd zw»' n Reist ngen dft s Reist a habe» cht reck»
l kann« mack» ahrplaw- Nig w*
Anderu^ ten. S 4. Kl« in MaM
tf Rebe» ^ n scheint ein angeblicher Angestellter einer bekannten u stznkfurter Hoch- und Tiefbaufirma zu spekulieren. Der- » lU'öe erteilt größere Aufträge für die Firma, um am Schluß -iw eines Auftrags sich ein Darlehen, im vorliegenden Fall, M. geben zu lassen. Der Trick at einer ^'»nr Schwindler sei hiermit gewarnt
' ' hx« _Das vermißte Kind, die dreijährige Lina S ch e p P e,
m ' Uramstraße 27, ist wiedergesunden. Es war von einer
sie MM* siinilie, die Mitleid mit ihm hatte, über Nacht in Vcr-
äncn der »ahrung genommen und gestern, als seine Eltern ausfindig rwaltu»« !-macht, diesen wieder zugesührt worden.
der Zpec _Diebstähle sind gegenwärtig anscheinend mehr denn
eise möi> > 5U verzeichnen. So wurde z. B. in einem Hause der Aeisenaustraße eine schwere Messtngkugcl der Gleitstangen d->n unt A Treppenhaus gestohlen, zum vierten Mal merkwürdiger- Pünktli* »eise. — In einem Keller eines Hauses der Uorkstraße
en übst» "urde der Verschlag abgerissen und an einem wertvollen
ahrc» st ^ das Vorder- und Hinterrad ausgeschraubt; den Rah- wicici: "enbau des Rades ließ der Dieb stehen, Wohl infolge einer nf 5* noiung. — Auch die Klagen über O b st d i e b st ä h l e n scknck "ehren sich. Wurde doch unter anderem fast die ganze ist knak» strikosencrnte eines Gartens an der Schönen Aussicht ge- cschiedcst >°hlen. — Gestohlen wurde ferner am 25. Juli, abends r bercw '^en 9 Uhr, ans der Torsahrt Bülowstraße 11 ein zwei^ lzua vr« 'Origer Fcderhandwagen. Der Eigentümer Franz Gieske, -wis-pc» ^ülowstratze 11, hat auf die Ermittelung des Täters eine en kan» ^lohnung von 10 M. ausgcsetzt.
— Umfangreichen Diebstählen ist man in einer Metz- Serei im westlichen Stadtteil auf die Spur gekommen. Eine daselbst üedienstete Verkäuferin, die das uneingeschränkteste vertrauen ihrer Herrschaft besaß, Hai dieses in schnödester ^eise mißbraucht, indem sie der Kasse tägl-ch größere Belage entnahm. Durch einen zufällig aufgefundcncn Brief, aus dem hervorging, daß die ungetreue Angestellte schon seit ilahren ihren Angehörigen größere Geldbeträge sandte, schöpfte man Verdacht und fand diesen bei einer Durchsuchung ihrer Requisiten bestätigt. Ans den verschiedensten Behältnissen wurden über 1000 M. gefunden, darunter allein 60 neue Talcrstücke. Durch Nichtregistrieren
Wiesbadener Tagblatt._
und sonstige Manipulationen hatte es die Diebin verstanden,
den Geschäftsinhaber zu täuschen. Wie hoch sich die veruntreuten Summen im ganzen belaufen, muß noch die Untersuchung ergeben, in die die Eltern des Mädchens hineingezogen sind. Die Diebin wurde in Haft genommen.
— Diebstahl in der Ausstellung. In der K u n st h a l l e der Ausstellung wurde entweder am Samstagnachmittag oder Sonntagvormittag ein Holzschnitt, zwei Libellen darstellend, Größe 16 X 18 Zentimeter, in gelbem Rahmen gestohlen. Von dem Dieb fehlt noch jede Spur.
— Ruhestörung. Heute um Mitternacht wurden die Bewohner der Eleonorenstraße durch markerschütternde Hilferufe auf unliebsame Weise im Schlaf gestört. Die Ursache war, daß ein Mann seine Frau fortgesetzt in der rohesten Weise mißhandelte. Die Ruhestörung dauerte über eine Stunde.
— Kleine Notizen. In -der Ha ck e rbräu-B u-d e nur den, Deutschen Schützenfest in Hamburg wurden innerhalb 14 Tagen 1500 Hektoliter Hackcvbräu verschantt. — Von heute ab ist in dem Schaufenster der .Herren GÄr. Dorn er, Mauritiusstvaße 4, eine hübsche Zusammenstellung der Preise des Männerquartetts „S ü n g e r l u st" hier ausgestellt. Dre Zusammenstellung ist ausgesührt von Herrn LergoDer Mahr. __
Theater, Kunst, Vorträge.
* Volkstheater. (Sp i ei planst Sonntag, den 15.. Shtg.,
nachmittags 4 Uhr: „Der Hüttenbesitzer". Abends 8.15 Uhr: „Die Waise aus Lowood". Montag, den 16.: „Ein glücklicher Familienvater". Dienstag, den 17.: „Der Postillon von
Almenruh". Mittwoch, den 18.: „Der Pari,er Taugemcht» . Donnerstag, den 19.: „Das Versprechen hinterm. Herd . „Er ist nicht eifersüchtig". Freitag, den 20.: „Liebe Onkel .
Samstag, den 21.: „Der Trompeter von Sakkingen .
* Spiclplan dcS Frankfurter Schauspielhauses für die Zeit vom 15. bis 22. August. Sonntan, den 15. August: „Die Journalisten". Montag, den 16.: „Der Raub „der Sabinerinnen". ' Dienstag, den 17.: „Die Journalisten . Mittwoch, den 18 : „Familien-Jdyll". „Liebelei". DonneEaM den 19.: „Maria Magdalene". Freitag, den 20.: „Wohltätige Frauen". Samstag, den 21.: „Fami.lren-J.dyll . „Liebelei . Sonntag, den 22.: „Die Journalisten".
Aus dem Landkreis Wiesbaden.
ch. Biebrich, 12. August. Das Volksfest oder auch „Kerb", welches seit einigen Jahren an Stelle der beiden anfnnas Juli und September stattfindcnden Markttage e,n- aesetzt wurde, wird diesmal aus dem Platz zwischen Volkshein, und Realschul-Neubau abgehalten. In den letzten Jahren hatte die Veranstaltung durch den beschränkten Rann,, der ihr in der Jahnstraße zugcwiesen wurde, sehr zu leiden, und die große Masse des Publikums zog cs deshalb vor, von dem Gedränge fernzubleiben. Die interessierten Erwerbsstände sind stets bestrebt, das Fest zu erweitern, und hoffen nun auf dem neuen Platz mehr Zuspruch zu erhalten. Im nördlichen Stadtteil wird beabsichtigt, an den Tagen, an welchen das Volksfest stattfindet, besondere Veranstaltungen mit Umz-qg usw. zu arrangieren. — Am nächsten Dienstag, den 17. August, wird unsere Stadt durch den Stab und die reitende Abteilung des Feldartillcrie- Regiments Nr. 8 Einquartierung erhalten.
a. Nordenstadt. 12. August. Unserem Herrn Bürgermeister Schleicher ist es gelungen, den Besitzer des Automobils. das am 2. August in der Nähe unseres Ortes einen Erntewagen über den Hausen rannte, in der Person eines Barons aus Paris zu ermitteln
NKssnittsÄze NttÄllitlzken.
m. RüdeLheim a. Rh.. 12. Llugust. Die 3. Kompagnie des Telegraph cn-Bataillotts Nr. 3, insgesamt etwa 120 ' Mann, wird mit der gesamten Dataillonskapelle morgen — Freitag — mit der Bahn hier- herkommen, um dem Nationaldenkmal auf dem Niederwald einen Besuch abzustatten. Aach Besichtigung des Denkmals wird der Weg nach Aßmannshausen gehen, wo um 6 Uhr abends die Abfahrt auf einem Dampfer nach Coblenz erfolgt. Es muß als äußerst lobenswert bezeichnet sverdcn, daß ans diese Weise auch den „gemeinen Soldaten" die Möglichkeit gegeben wird, das Rheintal in. seinem schönsten Teil und besonders das Niederwalddenkmal kennen zu lernen. Es wäre zu wünschen, daß auch bei anderen Regimentern diese schöne Einrichtung eifrige Nachahmung finden würde.
X Diez, 13. Auaklst. Heute morgen verließ unter Bataillon untere Stadt, um ans dem Truppenübungsplatz Elsenborn qrösieren Übungen beizuwohncn, woran sich am 4. September di« Manöver schließen.
-r. Oberscheld, 12. August. Sämtliche beim Bahnbau beschäftigten Arbeiter r u s s i s ch - p o l n i s ch e r Smats- zuaehörigkeit haben unlängst den A u s w e i s u n a s b e f c h l erhalten und müssen bis zum 14. d. M. abgereist sein.
Aus der- Umgebung.
# Mainz, 12. August. Architekt Baudrcchsler, der zur Leitung des Theatern m b a tt e § gewonnen worden war, ist schon vor Beginn des Baues wieder abge- reist, über diese plötzliche Abreise durchschwirren allerlei Gerüchte die Stadt. U. a. wird erzählt, Baudrechsler habe sich geweigert, nach den Plänen von Gelius den Bau zu leiten. Man wird auf die Erklärungen von beiden Seiten warten müssen, bevor man sich ein Urteil bilden kann. Keinenfalls traqcn alle diese „Affären", die mit dem Theaterumbau verknüpft sind, dazu bei. das ohnedies unbe liebte Projekt der Bevölkerung sympathischer zu machen.
R. Bingen, 12. August. Ein tragikomischer Vorfall wird hier zurzeit viel belacht. Zwischen der ultra montanen „Mittelrh. Volks-Zeitung" und der liberalen „R h c i n - u n d N a h e - Z e i t n n g" schwebt ein heftiger Z e i i u n g s k r i e g, weil das letztere Blatt „gewagt" hatte, ein Eingesandt aufzunehmen, welches der Vor wundcrung darüber Ausdruck gab, daß das Priesterhcim auf dem Rochusberg eine Wirtschaftskonzcssion erworben, also Wirtschaft auf geheiligtem Boden treibe. Jn^ Bingen gibt es nun nichts Besseres, um jemand einen Strick zu drehen, als daß man ihm „Katholikenseindlichkeit" vor wirft und das geschah denn in der Preßfehde gegenüber der Rh. und N.-Ztg," in aller Form, trotzdem nicht der Glaube, sondern die Wirtschaftskonzesston angegriffen war Wenn es nach den Artikeln der „M. V.-Ztg." gcqangeu bätte lein katholischer Mann mcbr die „Nh. und R.-Ztg."
-Freitag, 13. August 1909. _Seite 5.
halten dürfen. Für die Donnerstagsnummer war nun der
„Mittelrheinischen" das Papier ausgegangcn, „freundschaftlich" wandte sie sich an die „katholikenfeindliche" „Rh.- und N.-Z1g." um Aushilfe, die auch trotz alledem mit einem Ballen Zeitungspapier gewährt wurde, und — auf ihrem eigenen Papier bekommt am selben Tag die „Rh.- und N.-Ztg." in den schwärzesten Farben die M e i nu n g gesagt, daß es nur so seine Art hat. Gewiß ein seltener Fall im Zeitnngswesen.
Hanau, 13. August. (Eigener Drahtbericht.1 Der T c r r a s s e n b a u u n t e r n e h m e r I)r. Dozzo stürzte von einem Fabrikneubau und st a r b an den erbaltcnen Verletzungen.
Kport.
sr. Kanalschwimmer. Die glänzende Leistung des Kapo iäns M. Wenn, der am 24. und 25. August 1875 den Kanal von Dover nach Calais in 21 Stunden 45 Min. durchquerte, ist seitdem das unerreichte Vorbild aller Dauerschwimmer gewesen. Alljährlich wurden viele Versuche unternommen, gegenwärtig erst wieder von W o l s f e und S t e a r n e, aber keinem ist das kühne Wagnis wieder geglückt. Auch H o l b e i n mußte seinen achten Versuch am Mittwoch, nachdem er 13 Meilen zurückgelegt hatte, wegen Erschöpfung ausgeben. Die beste Leistung vollbrachte Holbein im Jahre 1902, wo er 22 Stunden 21 Min. im Wasser blieb, dann aber nur 3/j Meilen von der englischen Küste entfernt aufgeben mußte, da ihn die Kräfte verließen. Nicht weniger als 15mal versuchte Burgeß die Kanaldurchquerung und llmal Wolffe. Von den übrigen bekannten Schwimmern starteten Holmes 4mal und je einmal Johnson, Paulus, Madm. I s a c e s c u und die Australierin Miß Keller- mann. In den letzten 27 Jahren haben sich im ganzen 22 Schwimmer an diesen Versuchen beteiligt.
Gerichts saal.
Wiesbadener Strafkammer.
Der Alkohol und das Messer.
Der Arbeiter Paul Hendler von Leipzig arvettete anfangs Juli in Höchst. Am Sonntag, den 4. Juli, morgens, war er von der Nachtschicht gekommen. Statt sich aber zu Hause schlafen zu legen, begab er sich nach Sindlingen zur Kirchweih, besuchte eine Wirtschaft nach der anderen und kam auch in die Wirtschaft „Zur Mainlust", wo eben eine Tanzlustbarkeit stattfand. Ziemlich stark angetrunken, wie er um diese Zeit schon war, geriet er bald mit anderen in Differenzen, und nachdenr er renommiert hatte: „Heute springen noch einige über die Klinge", versetzte er tatsächlich drei jungen Leuten, welche ihn an die Luft gesetzt hatten, oder von denen er wenigstens annahm, daß sie dabei behilflich gewesen, Messerstiche in die Arme, Beine, wohin er eben kam. Einer der Verletzten hatte an die vier Wochen an seiner Verletzung zu kurieren. Alsbald nach seiner Heldentat machte Hendler sich aus dem Staub. Zunächst lenkte er seine Schritte dem Bahnhof zu. An den diensttuenden Stationsbeamten richtete er das Ersuchen, telegraphisch die Höchster Polizei zu avertieren, daß er Leute gestochen habe, und daß man ihn an Ort und Stelle verhaften möge. Dazu aber war anfänglich der Beamte nicht zu bringen, zumal H. augenscheinlich unter dem Bann der spiritus vini stand, und auch bei dem Gendarm, zu dem er endlich geleitet wurde, hielt es schwer, ihn von der Richtigkeit seiner Selbsi- denunziation zu überzeugen. Seit dem Tattag sitzt H. hinter Schloß und Riegel. Heute gibt er alles, was ihm die Anklage vorwirft, als möglich zu, bestimmt will er nichts mehr wissen. Er habe, versichert er, die Sindlinger Kirchweih nicht nngefeiert vorübcrgehen lassen wollen; nur deshalb sei er gleich von der Arbeit in die Kneipe gegangen. Gegessen habe er nichts, deshalb hätten die Spirituosen ganz besonders in seinem Schädel rumort. Heute erhält er neun Monate Gefängnis, aus die die Untersuchungshaft mit einem Monat in Aufrechnung kommt.
Defraudant.
h. Mannheim, 12. August. Das hiesige Schöffengericht verurteilte heute den Geschäftsführer des Hafen- arbeitcrverbandes Karl Grafing er, der aus der Gewerkschastskasse 1200 M. veruntreut hatte, zu 5lH Monaten Gefängnis.
X ^iez 11- August. Musketier Hirth vom hiesigen Bataillon, der kürzlich dic „Köpenickiade" im Nachbarort Birlenbach ausführte und seinem „Gastgeber" damit lohnte, daß er ihlr bestahl, wurde vom Kriegsgericht mit 1 Jahr und 3 Monaten Gefängnis bestraft. Außerdem wlirde er in dic 2. Klasse des Soldatenstandes versetzt.
Kleine (Clftmnlt.
Vatermörder. Der Steinhauer Lchdcr in Trier wurde von seinem Sohn im Verlaus eines Streites durch einen Tritt aus den Unterleib getötet. Der Sohn wurde verhaftet.
Hinrichtung. Die Gebrüder Paprotnv wurden wegen Lustinords an der Schneiderin Jasknlla zum Tode verurteilt. Gestern früh fand die Hinrichtung in Ratibor durch den Scharsrichter Schwietz in Breslau statt.
Durch dic Explosion einer Petroleumkannc sind in dem Dorfe Warnau bei Havelberg die Ehefrau des Fleischer- meisiers August Bctzin und deren 12 jährige Tochter verbrannt. Das Kind ist an den erlittenen Verletzungen gestorben, während die Frau in hoffnungslosem Zustand darniederliegt.
Aufsehenerregende Verhaftung. Großes Aufsehen erregt in Bartenstein (Ostpr.) dic Verhaftung des stellvertretenden Stadtverordnctcnvorstehers und Hauptmanns der Reserve, Justizrats v Schimmelpfennig, wegen Verdachts, bedeutende Summen unterschlagen zu haben. Seine Verhaftung erfolgte aus dem Postamt, als er seine Postsachen abholen wollte. Nachdem man ihm einen Revolver, eine größere Summe Geldes und einen Auslandspaß abgenommen hatte, wurde er in das Untersuchungsgefängnis gebracht. Von an-
