Seite »♦ Dienstag, IO, August 1909.
Andererseits die Gefahr eines Verbrechens, das ein oder zwei hirnverbrannte Anarchisten zu begehen sich anschicken könnten, niemals als unbedingt ausgeschlossen zu erachten.
Die KreLasragr vor der Entscheidung.
Trotz der äußersten Zuspitzung der türkisch-griechischen Beziehungen, wie sie durch das türkische Ultimatum in Athen geschaffen worden ist, braucht man Wohl, nachdein nicht nur die vier an der Kreta - Frage direkt beteiligten Schutzmächte, sondern auch die beiden mitteleuropäischen Zentralmächte, Österreich und Deutschland, in beiden Hauptstädten entschieden zur Mäßigung geraten haben, die Hoffnung noch nicht auf. zugeben, daß es gelingen wird, den Frieden zu erhalten. Die soeben bekannt gegebene Antwort der griechischen Regierung (siehe Letzte Nachrichten) zeugt jedenfalls von Entgegenkommen. Über die Schritte der Mächte, die das Ziel hatten, den Kriegsausbruch zu verhindern, liegen folgende Meldungen vor:
Die Schutzmächte.
Die Botschafter der Schutzmächte hielten eine Beratung ab; sie hatten sodann sämtlich Unterredungen mit dem griechischen Gesandien. Gestern haben die Botschafter der Schutzmächte auf der Pforte gleichlautende Erklärungen abgegeben. Alle diplomatischen Beziehungen zielen darauf hin, sowohl Griechenland wie die Türkei vor der Ergreifung extremer Maßregeln zu warnen und einen Konflikt zu verhüten. — Unterrichtete türkische Kreise rechnen mit der Möglichkeit, daß, falls die Antwort der griechischen Regierung auf die letzten Vorstellungen der Pforte nicht besriedigend sein sollte, die Pforte von den Schutzmächten volle Handlungsfreiheit verlangen Und Kreta besetzen lassen werde. Die Besetzungsexpedition soll von Smyrna erfolgen, wohin seit zwei Tagen Zahlreiche Truppentransporte unterwegs sind; auch die Flotte ist entgegen anderen Meldungen vor Smyrna vereinigt. Nach Meldungen, die der Pforte zugegangen sind, ist seit Sonntag keine griechische Flagge mehr aus Kreta sichtbar.
Die Haltung Deutschlands
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Obgleich Deutschland an der kretischen Frage nicht unmittelbar interessiert ist, vielmehr die Zuständigkeit der Schutzmächte für die Regelung der Angelegenheit anerkannt ist, hat die kaiserliche Regierung doch im allgemeinen Friedensinteresse wie bisher so auch jetzt in Konstantinopel, ebenso auch in Athen, freundlich zur Mäßigung geraten.
Ein Berliner Telegramm der „Köln. Ztg." bezeichnet die Auslassungen des „Temps", die Berliner Negierung mißbillige die Haltung der Türkei, als falsch. Deutschland riet in Konstaniinopel und Athen an, eine friedliche Politik zu befolgen, darüber hinaus ging man nicht; namentlich fei es falsch, wenn von einem gemeinsamen Schritte Deutschlands mit den Schutzmächten die Rede ist. Ein solches gemeinsames Vorgehen sei nicht erfolgt und auch nicht beabsichtigt. Deutschland, wie man hinzufügen dürfe, und auch Österreich-Ungarn Würden aus eigener Veranlassung stet" alles tun, um der 'Sache des Friedens zu dienen.
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Die Auffassung der Pforte.
Nachmittags sind die Botschafter der Schutzmächte auf der Pforte erschienen. Sie gaben gleichlautende Erklärungen bezüglich der Kreiafrage ab. Der Kernpunkt der Erklärungen besteht in dem etncuten Hinweis darauf, daß die endgültige Regelung der Krctafrage Sache der Schutz- Mächte sei, die diese Aufgabe auf Wunsch der Pforte selbst übernommen hätten. Die Ausfassung der Pforte in dieser Frage erhellt ans folgenden Darlegungen des G r o ß - wcsirs gegenüber Journalisten: Die Schutzmächte hätten bei der Räumung der Insel den Geist der dortigen Bevölkerung außer acht gelassen; es sei vorauszusehcn gewesen,
Aus Kunst und Leben.
O Ein fliegender Mensch vor 40V Jahren. In diesen Tagen, da die Pioniere der Luftschiffahrt und der Flugtechnik von Triumph zu Triumph schreiten, mag eines kühnen italienischen Mechanikers gedacht werden, der bereits vor mehr als vier Jahrhunderten in der Stille an der Lösung des Problems arbeitete, das die Brüder Wright und Blüriot der Lösung nahegebracht haben: im Jahre 1494 überraschte Giovan Battista Danti die Bevölkerung Perugias durch einen Flug von 800 Meier, den er in einer Höhe von 30 Meter über dem Erdboden aussührte und der ihn von einem Turm über den mit festesfrohen Menschen erfüllten Platz zu dem flachen Dach eines Hauses führte. Es war in den Festtagen, die anläßlich der Heirat einer Tochter des angesehenen Bürgers Rodolfo Baglioni mit dem berühmten Condottieri Bartolomco di Alviano die schaulustige Bevölkerung Perugias mit Feierfreude erfüllte, da Danti seinen ersten öffentlichen Flug wagte. Ein zeitgenössischer Historiker, Cesare Alessi, hat als Kind den Flug mitangesehen und erzählt, daß Danti vorher im geheimen zahlreiche Versuche unternommen hat, ehe er mit seiner Erfindung vor das Publikuni trat. Mit einem vertrauten Freunde eilte er zur Nachtzeit hinaus, um über dem Wasser seine Maschine zu erproben. Dann, am Tage der Hochzeit, überflog er mit seiner Flugmaschme die Piazza San Lorenzo in dem Augenblick, da der feierliche Hochzeitszug den Platz passierte. Alte Chroniken erzählen, daß ein grelles scharfes Pfeifen von der Maschine ausging und das Volk mit Grauen und Verwunderung erfüllte. Er mußte dann wegen eines Defekts den Flug unterbrechen; alle Zeitgenossen, die den Apparat und seinen Mechanismus sahen, finden keine Grenze für ihre Bewunderung. Welcher Art diese Flugmaschine gewesen sein mag, hat Professor Oskar Scalvanti tu einer fesselnden Studie untersucht. „Man muß im Auge behalten, daß Danti ein außerordentlich geschickter Mechaniker war, und daß seine Flugexpcrtmente ihn sehr lange beschäftigt haben. Rach Alessi konstruierte er zwei große Flügel, die im Verhältnis zu seinem Körper abgemessen waren. Es handelte sich also nicht um einen einfachen Fallschirm, sondern um Mei flügelartige Apparaie,
Wiesbaorner Gagvrarr.
daß türkische Rechte verletzt würden. Dies sei durch die Hissung der griechischen Flagge geschehen. Die Pforte sei nunmehr entschlossen, die türkischen Rechte selbst zu verteidigen. Für die Türkei sei die Lösung der Kretaftage nur annehmbar durch die Verleihung der Autonomie unter einem Gouverneur, der ottomani scher Untertan sein müsse. Ebenso müßten alle anderen Beamten der Insel Ottomanen sein. Unruhen unter der Bevölkerung der Insel seien vorauszusehen, doch könne dies die Türkei nicht zurückhalten. Zwei Divisionen würden genügen, die Ruhe auf der Insel wiederherzustellen. Jedenfalls sei die Türkei entschlossen, zur Verteidigung ihrer Rechte vor keinem Mittel zurückzuschrecken.
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Der antigricchische Boykott.
Die Zunft der Barkenführer in Konstantinopel gibt bekannt, daß in acht Tagen der Boykott sämtlicher griechischer Schiffe beginnen wird; auch Meldungen aus der Provinz besagen, daß der Boykott gegen die griechischen Waren größeren Umfang angenommen hat.
Paris, 10. August. Einem Privattelegramm des „Echo de Paris" aus Konstantinopel zufolge ist der antigriechische Boykott gestern in B i g h a, ferner in Monastir und Adrianopel verkündet worden: es ist wahrscheinlich, daß er allgemein werden wird.
Die Stimmung in Kanea.
Die „Agence Havas" meldet aus Kanea: Die Nach
richt, daß die Schutzmächte die Niederholung der griechischen Flagge verlangten, Hai in Kanea große Erregung her- vorgerufcn. Weitere Forderungen der Mächte an die griechische Regierung dürften ernste Unruhen zur Folge haben, die eine sofortige Verstärkung der vor Kanea ankernden Kreuzer nötig machen würden.
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Tie Streitkräste der beiden Gegner.
Dem militärischen Kräfteverhältnis der beiden Länder nach ist die Lage für Griechenland durchaus nicht günstig. Der Friedensstand des Heeres in Griechenland ist 22 000 Mann, in der europäischen Türkei etwa 120 000 Mann, die Kriegsstärke Griechenlands inr Höchstfälle 70 000 Mann, der Türkei 350 000 Mann; hierzu treten an weiterem kriegsverwendbaren Menschenmaterial in Griechenland etwa 50 000 Mann, in der Türkei etwa 150 000 Mann. Jedoch nicht nur der Zahl nach, sondern auch hinsichtlich der Beschaffenheit ist das türkische Heer durch die deutsche Schulung dem griechischen, das seit dem für Griechenland unglücklich verlaufenen Kriege von 1397 keine großen Fortschritte gemacht hat, überlegen. Zur See aber vermag Griechenland überhaupt keine ernsthaft in Frage kommen den Streitkräste in den Kampf zu schicken. Es besitzt kein einziges großes Schiff und außer einigen Torpedoboots- zerstörcrn auch keine Einheit, die nicht vor dem Jahre 1890 vorhanden gewesen wäre. Drei Tunnschisfe („Psara", „Hydra" und „Spotsai" zu 4885 Tonnen mit drei schweren Geschützen), dann der alte Kreuzer „Miculis" (1770 Tonnen und vier 17-Zentimeter-Geschütze) bilden den ganzen brauchbaren Kern des operativen Geschwaders, dem nur eine aus acht neuen und zwölf alten Torpedobooten bestehende Flottille als kleinere Kampfeinheiten zugezählt werden können. Die Türkei ist daher auch zur See dem Königreich überlegen. Die türkische Flotte besteht aus den zwar alten, aber 1906 rekonstruierten Schlachtschiffen „Mossnhje", „Os- manije", „Afizije", „Feht i-Bnlend", „Assar-i-Tcwfik" und zwei weiteren Einheiten, die zusammen drei schwere, 42 mittlere und zirka 120 kleinkalibrige Geschütze führen; außerdem sind aktionsfähig sechs moderne Zerstörer und fünfzehn schnellaufende Torpedoboote.
Deutsches Reich.
* Hof- und Personal-Nachrichten. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Der Reichskanzler v. Asthma n n - H o i I tp e g wurde vom Kaiser zum Vortrag empfangen.
die nicht durch die Arme bewegt wurden und die menschliche Muskelkraft hätte dazu nicht ausgereicht; sie waren mit einem besonderen Mechanismus ausgerüstet." In der Familie Danti war die Ausübung mechanischer Kunst und das Studium der Mathematik Tradition. Alle Einzelheiten weisen darauf hin, daß Danti einen Apparat ersonnen hatte, der, mechanisch bewegt, ihn ohne Gefahr eine Zeit lang in der Luft erhalten konnte. Als er wegen eines Defekts in seiner Flugmaschine vorzeitig den Flug unterbrechen mußte, konnte er so sanft und ruhig landen, daß er keinerlei Verletzungen erlitt. Danti wurde berühmt und viel gefeiert, seine Mitbürger gaben ihm den Beinamen Dädalos; er begleitete später Baglioni auf seinem Feldzug in der Lombardei und starb, ein Vierzigjähriger, infolge der Strapazen des Feldzuges, denen seine Natur nicht gewachsen war.
I). Amerikanische Arztercklame. Die Kunst der Reklame, die in Amerika so wunderliche Blüten treibt, hat auch den Ärztestand in seinen Bannkreis gezogen. In einer New Uorkcr Apotheke findet man z. B. die große Anzeige: „Heilung, völlige Heilung von Lungenschwindsucht in 12 Tagen ohne Behinderung des Berufes. 20 000 Heilungen erzielt. Völlige Desinfektion der Lunge. Einzigartiges System, persönliche Methode von Dr. Sown." In der Auslage der Apotheken sieht man dann ein Dutzend Terrakottasiguren, die die Erfolge der Wunderkur veranschaulichen, man sieht den bis zum Skelett abgemagerten Kraulen und dann die Phasen seiner Genesung; die letzte Figur ist ein kraftstrotzender athletischer Körper. Und Dr. Sown, so berichtet der Korrespondent des „Messaggero", macht glänzende Geschäfte. Seine Methode ist relativ einfach. Unter den vielen Heilbedürftigen, die die Kunst des wortgewaltigen Mediziners in Anspruch nehmen, werden die wirklich Schioindsüchtigen zunächst auf einige Wochen in ein besonderes Sanatorium des Dottors geschickt, unter dem Vorwand, daß sie zu spät dm Lungmdoktor ausgesucht haben. Ader das ist mir ein kleiner Bruchteil der Patienten, etwa nur ein Zehntel. Die m eilten Klienten find Ncurasthmiker und Hypochonder, die sich einbilden, schwindsüchtig zu sein. Diese nimmt Dr. Sown in seinem prachtvollen Hause persönlich in Behandlung. Die Speztalknr msbt »«Hfl Umstände, Die. SÄ win -s«chtttarrke«" werden
Abend-Ausgabe, 1. Matt. Nr. 368
Prinz Oskar von Preußen, Oberleutnant iur 1. Garde-Regiment zu Fuß, tritt mit dem 1. Oktober d. I, wieder zum Dienst beim genannten Regiment ein.
Der -bekannte Großindustrielle Kommerzienrat Albert Oetker in Krefeld ist im Alter von 70 Jahren gestorben.
* Die Rede des Kaisers in Cleve. Bei der gestrigen 300-Jahrfeier in Cleve antwortete der Kaiser auf die Begrüßungsansprache des Landrats Eich u. a.: „Es ist mir und meiner Gemahlin ein Herzensbedürfnis, für die Einladung zur heutigen Feier der 300jährigen Zugehörigkeit des Herzogtums Cleve zu Brandenburg-Preußen zu danken und ihr Folge zu leisten. Aufs freudigste bewegt durch den herrlichen Empfang, der uns bereitet ist, spreche ich Ihnen in meinem und meiner Gemahlin, der Kaiserin Namen meinen herzlichen Dank aus, insbesondere auch für die Begrüßungsworte. Die Geschichte der Clever Lande lassen mich wirklich das göttliche Walten erkennen." Der Kaiser gab dann einen Rückblick auf die Geschichte seiner Vorfahren, wobei er des Herzogs Sigismund gedachre, dann Wilhelms III., des Herzogs von Cleve-Berg und -Jülich, der insbesondere bemüht war, einer Zersplitterung seiner Lande vorzubeugen, und dem er außer dem Besitz der Clever Lande auch den Namen Wilhelm verdanke, den nach ihm zuerst sein Enkel, der erste Kurfürst Friedrich Wilhelm geführt habe. Weiter bezog sich der Kaiser auf Johann Sigismund, der schließlich alle Hindernisse, vre dem Antritt des Erbes entgegen standen, überwand. Dann erwähnte er noch die Vorfahren, die öfter auf der Schwanen- bürg in Cleve geweilt und die Clever Lande gern besucht haben, z. B. Friedrich der Große. Die Bevölkerung Cleves hat ihrer Liebe und Treue dadurch selbst ein Denk- mal gesetzt, daß sie im Andenken an die Vergangenheit das Standbild des Großen Kurfürsten errichtete, und er hoffe auch ferner, die Clever zu seinen preußischen Untertanen zählen zu dürfen, und in dieser Zuversicht ergreife er den Becher und ttinke den rheinischen Wein auf das Wohl des Herzogtums Cleve." Darauf stimmten die Männerchöre das Lied „Der Rhein" an. Der Kaiser ließ die Hülle fallen und das Kaiserpaar besichlkgre das Denkmal. Nach Besichtigung der Schwanenburg erfolgte später die Rückfahrt zum Bahnhof und die Weiter- sahrt nach Schloß Mittnachten.
* DaS Kaiserpaar in De Steeg. Der kaiserliche Sonder- zug kam gestern mit 30 Minuten Verspätung um 2 Uhr
Min. in De Steeg am Das Kaiserpaar wurde vorn Grafen und der Gräfin von Bentinck, dem Bürgermeister Brandt und dem Gemeindesekretär empfangen. Die jüngste Tochter des Grafen überreichte der Kaiserin einen Blumenstrauß. Am Schlosse wurde das Kaiferpaar von Verwandten des Grafen empfangen. Die königliche Kapelle der Grenadiere aus Haag spielte „Heil dir im Siegerkranz". Am Abend fand Galatafel statt.
* Ein Besuch deö Reichskanzlers in Rom. Aus Rom wird gemeldet, daß Reichskanzler von BethmanmHollweg seinen Besuch gegen Ende Oktober machen und sowohl isti Quirinal als im Vatikan empfangen werden wird.
□ Aus Herrn Kractkcs Reich. Der Staatssekretär des Rerchspostamts führt ein gar sttenges Regiment. Das ist ihm im Reichstag oft genug zum Vorwurf gemacht worden. Auch im „Falle Zollitsch" ging die Postbehörde ausfallend scharf ins Zeug. Bekanntlich handelt es sich um die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen den Vorsitzenden des Verbandes mittlerer Reichspost- und Telegraphen- beamten Zollitsch, der sich als mitverantwortlich für den Inhalt der Vcrbandszeitschrift gegen den ß 10 des Reichsbeamtengesetzes vergangen haben soll. Die „Berliner Be° amlenzeitung" bemerkt dazu: „Die Postbehörde scheint sich mit der Einleitung des Disziplinarverfahrens eine unan- genehme Suppe cingebrockt zu haben. Fast sieht es ans als wäre man mit den Erhebungen auf einen toten Strang gelangt und suche nach einem Ausweg, um sich möglichst vorteilhaft aus der Affäre zu ziehen. Das Verbandsorgan soll in mehreren Attikeln Beamtenverhctzung betrieben und Reichs- und Staaisregicrnng verunglinrpst haben. Es ist nicht ganz leicht, den verschlungenen Pfaden bis zu den
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täglich 30 bis 40 Minuten in ein Kabinett gesperrt, in dein Tausende von Glühlampen brennen, während sie zu gleicher Zeit Sauerstoff einatmcn. Nach % Stunden kann der Patient nach Hause gehen. Aber das Kabinett ist so geschickt aufgemacht, daß es die nervösen Leidenden suggestiv beeinflußt. Viele genesen wirklich, andere glauben zu genesen; ein großer Teil kommt später regelmäßig zurück, unr die lAägige Kur zu wiederholen, die Dr. Sown inzwischen zum Millionär gemacht hat. Aber er ist nicht der einzige Mediziner, der sich zugleich als Künstler der Reklame bewährt. Da. gibt es die „neue Chirurgie ohne Blut"; es wird angekündigi, daß Blinddarmoperationen ohne Schnitt ausgesühri werden. Und ein schönes Plakat zeigt ein ansehnliches anmutiges Fräulein, das im Reise- anzug eine Treppe hcrunterschrettet und in der Hand eine kleine Flasche trägt. Darunter steht die Erklärung: „Eine junge Kranke, die ihren Blinddarm in der Hand hält und die am Tage der Operation wieder nach Hause geht." Aber den Rekord ärztlicher Reklame hat doch Professor. Athing aus Rochester aufgestellt: er kündigt an, daß er' selbst auf Entfernungen von Tausenden von Meilen kranke Männer und Frauen heilt. Und es fehlt nicht an gläubigen, die diesem tüchtigen Vertreter der Heilkunst sofott schreiben und ihre Leiden anverirauen.
Literatur und Theater.
Hermann Bahr arbeitet gegenwärtig an einer aktuellen Burleske mit Gesang „Die Reise nach Eipeldauen", die er dem Direktor Gabor Steiner für das Theater und VarieiS Ronacher in Wien zu überlassen sich verpflichtet hat.
Pietro Mascagni, der die Generaldirektion der Oper am römischen Costanzi-Theater übernimmt, komponiert ein musikalisches Drama von Luigi Jllica, dessen Titel „I s a b e a u" heißt.
Wissenschaft und Technik.
Die zweite internationale Leprakon. ferenz tritt am 16. bis 19. August dieses Jahres z„ Bergen zusammen, nachdem die erste derartige Konferenz vor 12 Jahren in Berlin getagt hat. Nur Lepraforscher nehmen an ihr teil, so aus Deutschland Robert Koch und Kirchner.
