Seite L. Sonntag, 25* Juli 1909*
Mit dem bekannten Jesuiten Heinrich Pesch ausein- Mder, der gefordert hatte, die Gewerkschaften sollten entweder konfessionell katholisch seien oder zum wenigsten das „positive" Christentum ausdrücklich zu ihrer Grundlage machen. Herr Giesberts konnte gar nicht begreifen, daß „dieser Herr" eine solche Forderung erhebe. Aber Nichtbegreifen ist kein Argument. Wenn die katholischen Gewerkvereinler (die etwa neun Zehntel chusmachen) nicht das „positive" oder orthodoxe Christentum zum Attribut der Vereinigung machen, sondern jedem einzelnen seine Auffassung des Christentums lassen wollen, so ist damit im Grunde schon zugestanden, daß es auf das Dogma, auf Len Katechismus, nicht ankommt, und die Konsequenz ist: kirchliche Neutralität der Gewerkschaften. Diese haben die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine auf ihre Fahne geschrieben, und so würde man zuletzt bei diesen anlangen. Statt dessen gab man den Hirsch-Dunckerschen den Rat, als Fazit einer längeren Kommissionsberatung über das _ künftige Verhältnis, sich aufzulösen und in die „christlichen" Organisationen einzutreten, ein Scherz, der, wie man sieht, das gerade Gegenteil des logisch Folgerichtigen ausdrückt.
Deutsches Reich.
* Der neue Chef der Reichskanzlei. Wie verlautet, hat der Unterstaatssekretär im Staatsmimsterium, von Günther, die Übernahme des Postens als Chef der Reichskanzlei a b g e l e h n t. Es soll jetzt der Direktor im Rcichsamt des Innern, v. Joncquitzres, für diesen Posten in Frage kommen.
* Für die Abtrennung der Medizinalabteilung. Anläßlich des Wechsels im Kultusministerium tritt die „Deutsche medizinische Wochenschrift" in längeren Ausführungen für die Abtrennung der Medizinalabteilung vom Kultusministerium ein. Es heißt darin it. a.: „Wir haben wiederholt die Notwendigkeit, das Kultusministerium vom Medizinalwesen zu entlasten, betont und uns Lahm ausgesprochen, daß die von manchen Seiten befürwortete Angliederung der Medizinalabteilung an das Ministerium des Innern die Verhältnisse in keiner Weise bessern würde. Wir treten deshalb dafür ein, der Medizinalabteilung eine s elbst- ständige Stellung zu geben mit einem Minister oder doch wenigstens einem Präsidenten an der Spitze. Daß eine Änderung der Verhältnisse über kurz oder lang eintrcten wird, halten wir für unausbleiblich. Wenn der neue Kultusminister sich seines Amts mit der gleichen Gewissenhastigkeit und dem gleichen Eifer wie sein Vorgänger anneh- inen will, so wird er sich von der Unmöglichkeit, die gewaltigen Aufgaben seines Geschäftsbereichs zu beherrschen, bald überzeugen.
* Die Memoiren des Fürsten Eulenburg. Aus Kreisen, die mit Licbenberg in Fühlung stehen, wird der „Berliner Volksztg." mitgeteilt, daß sich der Gesundheitszustand des Fürsten Eulenburg in der letzten Zeit sehr gebessert hat. ES wird in diesen Kreisen angenommen, daß der Fürst seine schmerzfreien Stunden dazu benütze, Begebenheiten, die sich in seiner amtlichen Stellung abgespielt haben, niederzuschreiben. Diese Memoiren dürften vor dem Ableben des Verfassers erscheinen.
* „Wo stecken unsere Milliarden im Auslande?" Bei Erörterung dieser Frage legt Graf Schlieffen im „März" dar, wie es ihm nicht möglich gewesen ist, bei unseren Behörden neues Material über diese Frage zu erhalten, und macht dabei folgende nicht unberechtigte Ausführungen: „An einer Stelle erhielt ich schließlich den guten Rat, doch einmal die — englischen Statistiken und Konsularberichte durchzuschen, da diese die besten universellen Daten enthielten. Sollte diese Mitteilung nicht geeignet sein, unseren nationalen Stolz aufs empfindlichste zu verletzen? Sind unsere Beamten wirklich unfähig, das zu
Workins ging fort, aber am nächsten Tage erschien er wieder zur selben Stunde in der Schriftleitung des „New Gerald".
„Mister Theodor, nehmen wir die Aktenstücks heraus. Ich habe auch die noch fehlende Schrift gebracht."
Ter Schriftleiter ging mit schlecht verhüllter Erregung zum Schrein und öffnete die schweren Türen. Er öffnete das Abteil, schaute hinein und schrie - auf: „Das Kuvert ist verschwunden." Im leeren Abteil fand sich nur ein kleiner Hausen schwarzer Papierasche vor.
„Mo sind meine Akten?" schrie Workius.
„Ter Teufel mag mich holen, wenn ich sie angerührt habe", stammelte der Schriftleiter totenbleich.
„Wer hat die Dokumente verbrannt? Denn daß sie verbrannt sind, das ist sicher. Ta ist die Asche und da ist eine Klammer, mit der die Akten zusammengehalten waren."
„Ich schwöre Ihnen, daß ich die Sache nicht verstehe. Gestern habe ich vor Ihren Augen den Schrein versperrt und seither habe ich ihn nicht geöffnet. Er ist nicht angekohlt, äußerlich sieht man keine Spur von einem gewalttätigen Eingriff und meine Papiere sind unver- sehrt
„Nur meine Akten sind verbrannt. Sonderbar . . . Wir werden schon auf die Spur kommen, wenn nicht ich. so die Polizei."
istne grandiose polizeiliche Untersuchung war die Folge der Anzeige. Workius gab nur an, es seien wichtige Dokuments gewesen, aber Theodor ließ verlauten, daß es Schriften waren, die die Regierung schwer kompromittieren. Die amerikanischen Blätter benützten die Gelegenheit und der Zeitungskrieg brach aus. „Wo ist die Panama?" war der Schlachtruf. Die Reporter bestürmten Workins, er möge verraten, welcher Minister der Panamist sei und wo der Hund begraben liege. Volksversammlungen forderten, daß Workins die schlauen Minister entlarve. Am fünften Tage fingen die Leitartikler an, in verschiedener, aber entschiedener Richtung Anspielungen zu machen und beinahe jedes Blatt klopfte anderwärts an. Die Samtfauteuils schwankten, der Präsident der Republik war schrecklich erbittert. Es dauerte wochenlang, bis sich die, öffentliche MemunL wieder beruhiatL
Wiesbadener
leisten, was ihre englischen, amerikanischen und japanischen Kollegen in mustergültiger Weise .schaffen? Von den 13 250 Millionen Mark ausländischer Emissionen an der Berliner Börse in den letzten vier Jahren entfielen allein 2887 MillionenMark auf amerikanische Eisenbahnen. Mithin haben unsere deutschen Spargelder ganz erheblich dazu beigetragen, den industriellen Aufschwung der Yankees zu unterstützen. Auch 1903/04 wurden unserer Volkswirtschaft auf dem gleichen Wege 846,5 Millionen entzogen; insgesamt also nahezu vier Milliarden innerhalb sechs Jahre! Ähnlich, wie sich der deutsche Besitz an ausländischen Effekten seit 1904 gesteigert hat, dürften auch kommerzielle und industrielle Unternehmungen im Auslände große Summen deutscher Privatgelder absorbiert haben. Wie viel wird bei uns noch mit Mystik umgeben und trägt den Aufdruck „Streng vertraulich", „Nicht für die Presse bestimmt", dessen Verbreitung durch die Blätter wohltuende Aufklärung schaffen und den deuffchen Bürger, besonders den mittleren und kleinen Fabrikanten, vor Ausbeutung schützen könnte. Wann endlich wird man bei uns mit der offiziellen und offiziösen Geheimniskrämerei brechen, die einen ganz bedenklichen Umfang angenommen hat und nur geeignet ist, Mißtrauen zu erwecken?"
* Die Anti-Duell-Liga setzt einen Preis von 1000 Kronen aus für die beste Abhandlung über die Frage: „Welches sind die Ideen, nach welchen die Jugend im anti- duellistischen Sinn erzogen werden könnte?" Die Arbeiten müssen bis spätestens 31. Dezember 1909 bei dem internationalen Zentralbureau in Ofenpest eingereicht werden in. versiegeltem, mit Kennwort versehenem Kuvert. Jede gewünschte Auskunft gibt der Schriftführer der Deutschen Anti-Duell-Liga, Herr Moritz Schmits in Cöln. Die diesjährige Generalversammlung der Deutschen Anti-Duell-Liga findet Sonntag, den 31. Oktober, in Würzburg statt.
* Die Straßenbahnen Deutschlands stellen augenblicklich in 237 selbständigen Unternehmungen und bei einem Bahnnetz von 3850 Kilometer Streckenlänge ein Anlagekapital von rund 920 Millionen Mark dar. Nach der Zeitschrift des Bayerischen Revisionsvereins dienen 151 der Bahnen nur zur Personen-, 4 nur zur Güterbeförderung und die übrigen beiden Zwecken. 189 Bahnen wurden mit elektrischem Strom, 13 mit Dampf, 8 mit Drahtseilen, 22 mit Pferden betrieben. Die gesamten Betriebseinnahmen des letzten Jahres zählten 198,57, die Betriebsausgaben 126,57 Millionen, so daß ein Reingewinn von 72 Millionen absiel.
* Wandererfürsorge in der Provinz Hessen. Der Kommunallandtag des Regierungsbezirks Cassel hat im vorigen Jahre das Wandererarbeits statten ge setz angenommen, und damit war die Provinz Hessen die erste, die eine gesetzliche Regelung der Wandererfürsorge durchführte. Es ist nun in Aussicht genommen, neben der in Cassel bereits bestehenden auch Wandererarbeitsstätten in Bebra, Fulda, Hanau, Marburg und Rinteln einzurichten; außerdem sollen noch in Grebenstein, Karlshosen, Niederhone, Obersuhl, Schlüchtern, Gelnhausen und Fronhausen sogenannte Eingangs st ationen errichtet werden, von denen aus die Wanderer jeweilig mit der Bahn zur nächsten Arbeitsstätte gebracht werden. Der Eisenbahnminister hat die Beförderung für 1 Pf. pro Kilometer genehmigt. Ziel der Bestrebungen ist, Stadt und Land immer mehr von der Plage der Wanderbettelei zu befreien. Die Papiere der Wanderer gehen mit der Post zur nächsten Wandererarbeitsstätte voraus, so daß der Wanderer gezwungen ist, ihnen zu folgen.
* Die Hoffnung der Jesuiten. Die Jesuiten wittern Morgenluft. Wie der „Augsb. Abendztg." aus Klerikcr- kreisen geschrieben wird, gibt man sich in den streng katholischen Kreisen des bayerischen Adels wie auch in einzelnen klerikalen Zirkeln der Erwartung hin, daß jetzt der geeignete Moment sei zur Aushebung des § 1 des Jesuitengesetzes, nachdem das Zentrum im Reichstag wieder die Oberhand gewonnen und sich als ausschlaggebende Macht
III.
In dem vornehmsten Hotel von Venedig saß Wor- kins und Maud beisammen. Sie waren schon vorher- ratet und so reich, daß sie auch noch die Moskitostiche mit Champagner kurierten.
„Du Tom", sagte die junge Frau, „du hast dich gewiß eines großen Gaunerstreiches schuldig gemacht, daß du so viel Geld hast. Verrate mir die Spitzbüberei, die dir so viel Geld eingetragen hat."
Workins lächelte. „Nun, meine Akten . . . Als es bekannt wurde, ich habe von einer Panama Kenntnis, ließ nnch jeder Minister im geheimen rufen und ich schleppte das Geld in hellen Haufen von ihnen heim. Als Gegendienst verlangten sie nur Diskretion von mir und daß ich sofort abreise."
„Du, Tom", sagte sie schmeichelnd, „nrir kannst du sagen, wer der Panamist war. Lieber Tom, sag's mir."
„Der Panamist, liebes Kind, war ich. In dem Kuvert waren nur alte Zeitungspapiere und ein Phosphorpräparat, das ineine Akten in Flammen steckte, als es im Schrein trocken wurde."
Tie schöne Frau lachte herzlich. „Du lieber Gauner . . ."
Tom blieb ernst. „Ich wußte nichts", sagte er, „und wie erschrocken waren alle. O! Wie viele Panama- geschichtcn müssen sich da wirklich Anträgen. Wenn ich nur eine einzige kennen würde, hätte ich Geld wie Mist . .
lind er blickte sehnsuchtsvoll in der Richtung des Dorados. — _
Aus Kunst und Leben.
Liliencron als Soldat.
„Warum läßt man mich ans dem Schlachtfeld alleine liegen?" Das waren Detlev von Liliencrons letzte Worte im Fiebertranm ans dem Totenbette. Die mühsam vom Körper sich losringendc Seele flatterte noch einmal mit sinkendem Flügelschlage um die Stätten von Kampf und Sieg, um die Ruhmestaten der Jugend, die sich so tief in des Dichters Geist eingegraben hatten. Wenige Wochen vorher hatte er noch mit Frau und Kindern das Schlachtfeld von Mars la Tour besucht und ihnen die Stelle gezeigt, La er verwundet niedergesunken. Soldat ist er mit Leib
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gezeigt hat. Zur näheren Beleuchtung dieser Jesuitensehnsucht wird beigesügt, daß bereits eine größere Zahl von Jesuiten in München seit längerer Zeit setzhast geworden ist. Dank der Unterstützung bestimmter adeliger Damen und deren Freundinnen halten Jesuiten seit langem religiöse Vorträge in einer bekannten Kapelle, die der vornehmen Welt zur Befriedigung ihrer Andacht dient. Außerdem sind gerade in München verschiedene Mittelschulen, wie das Wilhelms-Gymnasium, das Wittelsbacher-Ghrn- nasium, mit Religionslehrern besetzt, die ihre Studien in Innsbruck gemacht haben. Auch der Direftor des Frei- - singer Klerikalscminars ist ein Jesuitenzögling. Endlich muß noch der Umstand erwähnt werden, daß heute in der theologischen Disziplin fast nur solche Lehrbücher benützt werden, die von Jesuiten versaßt sind. Auch der neue Einheitskatechismus für Bayern hat einen Jesuiten zum Verfasser. Das Blatt fügt hinzu, daß glücklicherweise die Wahrscheinlichkeit der Rückkehr des Jesuitenordens nicht so nahe liege wie die Möglichkeit des Antrages, den das Zentrum in aller Stille vorbereitet habe.
* Klassenjustiz in der Sozialdemokratie. Unter diesen»
Titel hat der sozialistische Diskutierklub „Solidarität" zu Pankow eine Broschüre herausgegeben, die eine akten- mäßige Schilderung des Konflikts zwischen dem Pankower Wahlverein und dem Niederbarnimer Kreisvorstand, resp. dem Reichstagsabg. Stadthagen enthält. Im Vorwort der Broschüre heißt es u. a., daß nach den bisherigen Erfahrungen die Herausgabe dieser Broschüre vom „Vorw." usw. wiederum als Verrat an der Arbeitersache usw. bezeichnet werden würde. „Uns lassen", so schreiben die Herausgeber, „solche Kraftausdrücke gewiß recht kalt, da wir an die E ntrü st ungs Heucheleien von jener Seite gewöhnt sind. Wir sprechen nicht zu denen, die uns mit brutaler Macht niedergezwungen haben. Wir wenden uns an die organisierte Arbeiterschaft, um ihr die unglaublichen Praktiken derjenigen Parteifunktionäre vor Augen zu führen, welche dauernd das Vertrauen der Arbeiterschaft verlangen und aus dasselbe pochen. Weil wir der Überzeugung sind, daß Leute dieses Schlages die Arbeiterschaft nie der Freiheit entgegenführen werden, deswegen halten wir es für unsere Pflicht, nicht ruhig beiseite zu treten, sondern, da uns ein anderer Weg ja nicht offen steht, dieses Material der breiten Öffentlichkeit zu übergeben."
* Die königlich württembergische Sozialdemokratie.
Wie bereits gemeldet, haben sämtliche württembergische Minister und Mitglieder des Landtages dem Grafen Zeppelin in Friedrichshasen einen Besuch abgestattet.
Im Verlaufe dieses Besuches wurden die Abgeordneten, unter denen sich auch die sozialdemokratischen Abgeordneten befanden, von König Wilhelm von Württemberg aus dem Schloß Friedrichshasen empfangen. Wie dem „Berl. Tgbl." aus Stuttgart gemeldet wird, wurde es bei dem Empfang in Schloß Friedrichshafen viel bemerkt, daß der König die vier Sozialdemokraten mit einem Händedruck begrüßte und sie auch in ein Gespräch zog. Bisher taten im Deutschen Reich dergleichen nur Groß herzöge.
Der „Vorwärts" wird aber nun wohl wieder Skandal machen über die wenig zielbewußten Genossen, die sich nicht entrüstet abwandten, als ein leibhaftiger König sie be- grüßte.
gjcir rrpd Flotte.
Bei einer Eskadronsschwimmübung ertrunken. Der Chevauxleger Neumaier vom Chevauxleger-Regiment in Augsburg ist bei einer Eskadronsschwimmübung in der Schmutter, der Trompeterunterofstzier Rank vom 4. Feldartillerie-Regiment bei einer Kahnpartie im Tegernsee ertrunken.
Dentfche Kolonie».
Eilzüge in Südwestafrika. Die Staatsbahnverwaltung hat zur Erleichterung des Personenverkehrs, vornehmlich im
und Seele gewesen, und dem Kriegerhandwerk hat sein Leben und Lieben gehört, lange bevor er zum Dichter wurde. Daß ihm heißes kampflustiges Blut von den Ahnen her in den Adern rollte, war sein Stolz; unter abenteuersuchenden Wikingern und ritterlichen Normannen suchte er seine Vorfahren. Auch hat er in kurzem Lebensabriß nicht vergessen zu erwähnen, daß sein Großvater mütterlicherseits, der General von Harren, auf Amerikas jungfräulichem Kultur- bodenals wackerer Streiter gesochten und einer der letzten innigeren Freunde des großen Washington war.
Früh ward er zum Jäger; mit Hund und Gewehr allein durch Haide, Wald und Busch zu streifen, war ihm schon in den Schülertagen, wo ihm die Mathematik „die schwersten Zeiten des Daseins verursachte", liebste Erholung. Und da regte sich auch mit zwingender Stärke die Sehnsucht nach einem frisch fröhlichen Reiterleben, wenngleich er später um des leidigen Geldes willen Infanterist werden mußte. „Ich wollte von Kindheit an Soldat werden. In Dänemark war dies zu jener Zeit als Schleswig-Holsteiner nicht möglich. Ich ging deshalb nach Preußen. Während meiner attiven Soldatenzeit hatte ich das Glück, viel hin- und hergeworfen zu werden. Ich besuchte sieben Provtnzm und siebzehn Garrrisonen. Dadurch lernte ich Land und Leute kennen, 1864 bis 1865 war ich am Schlüsse der letzten Erhebung jg Polen." Ein heller Schein der Erinnerung fiel von diesen jungen Tagen frischen Wagemutes und ersten starken Erlebens aus sein ganzes Leben, aus sein ganzes Dichten. „O, du Lentnantszeit! Mit deiner fröhlichen Frische, mit deiner Schneidigkeit, mit den vielen herrlichen Freunden und Kameraden, mit allen deinen Rosentagen; mit deinem bis aufs schärfste herangenommenen Pflichtgefühl, mit deiner strengen Selbstzucht."
1862 war er als Avantageur in das westfälische Füsilier, regiment Nr. 37 eingetreten; im Mai 1866 rückte der bei de« ersten Kompagnie des ersten Bataillons stehende Sekonde- leutnant von Liliencron mit dem Regiment aus und überschritt, in das donnernde Hurra der Kameraden froh einstimmend, die österreichische Grenze. In dem blutig heißen Tressen bei Nachod empfing er seine Feuertaufe, und zwar sollte es ihm gleich beim ersten Kampfe beschieden sein, als wahrer Held zum Siege beizutragen. Das Halbbataillon von Winterseld, zu dem er gehörte, stand bei Nachod und am folgenden Tage bei Skalitz im heftigsten Kugelregen an erster Stelle. Die Geschichte des 37. Regiments berichtet von dem tollkühnen Schützenangriff des Leutnants von Lilien»
