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W-rldurger ^TagblatN »erden, ein in der und in W lusgchängt'

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Wiesbaden, Sonntag, 18. Juli 1909.

57. Jahrgang.

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Wiesbadener Tagbiatt"

hcilüse ftze.

ISisranrtfe «der die -

l^Ur ja kein parlamentarisches System! So rufen l^ächter scheinbar geheiligter altpreußischer Tradi- dst. die Hüter eines schädlichen Scheinkonstiiutro

rnwus. Und diese Wächter und Hüter tun beküm- ob der Wandlung der Tinge, die es dem Fürsten ivst, verwehrten, im Amte zu bleiben, nachdem der ^rzblaue Block gesiegt hatte. Dieselben Konser­ven, die den Fürsten Bülow gestürzt haben, ver- sich dagegen, daß ein Zwang auf den Kaiser C^übt worden sein könnte, und zwar in der Rich-

woroen fein ronnie, uno zwar in ver dtili)- N' daß er auch gegen seinen Wunsch und seinen

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sn ^ en vierten Kanzler entlassen sollte und mußte (7 Verwahrung ist natürlich nur eine Redensart.

die Konservativen haben ja gerade das getan, wo- l fie behaupten, daß gerade ihre Partei dergleichen tun werde. 9hm ist es sehr hübsch zu sehen, Oe sich in diesem Zirkel ganz nach der Methode tüürfien Bismarck bewegen, der ebenfalls Zeit seines laut und lebhaft bekannte, es dürfe durchaus !f.;, parlamentarisch-konstitutionelles System platz­en, und der gleichwohl und selbstverständlicherwerse tr- >f?ozn war er ^ja der scharfsinnige Realpolitiker .«^.parlamentarischen Gedanken als Grundlage jeder jÄEven Politik willig anerkannte. Lehrreich in drcser ^j)^Ung ist eine Rede, die der damalige Graf Bismarck lllz^hr» 1868 im preußischen Abgeordnctenhause hielt, tzwch die ersten Anzeichen einer stärkeren Spannung ihm und den Konservativen bemerkbar mach- Ter Anlaß, der konservative Widerspruch , gegen tz^orlage, betreffend den hannoverschen, Provmzml- ^ ^ kann uns heute nur noch historisch interessieren.

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> gebracht^

3- K-'VL

Feniüstorr.

(Na-tdniü verboten.)

Einige Tränen«

Von Hermann Bang (Kopenhagen).

Autorisierte Übersetzung von Julia Koppel.

war in einer belgischen Stadt und es war Abend. ^ saßen auf der Mole. Die Sonne war bereits

it^egcmgen, und das Meer schließ Der enöloie !>< Eon desselben vermischte sich mit dem Himmel , »wer endlosen Linie von Grau. ^

Jber Rauch unserer Zigaretten^ löste sich ,u

stßa- Hi-!. otClllü.) -O Ly ilLCltCl L * | r i i.-,»

>is ^ Ringen auf, die wir mit den Augen verfolg.en.

i le derschmanden.

C n h Brouard rauchte nicht.

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seinem Korbstuhl zurückgelehnt, betrachtete e. 'iK .^ex mit seinen seltsamen und toten Augen, me L^gene Macht über Frauen zu haben pflegen.

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' ps^hano Rosetti wendete ihm sein Römergestast K ° sagte plötzlich:Woran denkst du, Henri?

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«ri Brouard antwortete, indem )^steer blickte:

er

unbeweglich

UE) denke an einige Tränen."

,Zbhano wollte lachen und tat es nicht.

. wer hat sie vergossen?"

Legat, der Maler, der rittlings auf einem hurest faß, sagte: ,

^hrscheinlich eine Frau, dre er verlassen hat

wandte".Henri Brouard seinen Kopf, während

..Sr»: ^ise sagte:

i h eine Frau, die mich verließ."

?t3 während er die Rubinkette seines Handgelenkes i durch die Finger seiner rechten Hand gler.en '.tagte - -

er: s

^ eine Geschichte wie tausend andere, uno

Seicht sie keiner anderen." vc)bie", bas Stephano, und man konnte ihm an»

aber was Bismarck den Konservativen in der Debatte sagte, das bleibt grundlegend, und gerade heute wird man es mit besonderem Interesse lesen. Der leitende Staatsmann also erklärte:Es ist eine konstitutionelle Regierung nicht möglich, wenn die Regierung nicht auf eine der größeren Parteien mit voller Sicherheit zählen kann, auch in solchen Einzelheiten, die der Par­tei vielleicht nicht durchweg gefallen wenn nicht diese Partei das Fazit ihrer Rechnung dahin zieht: wir

gehen im großen und ganzen mit der Regierung; wir finden zwar, daß sie ab und zu eine Torheit begeht, aber bisher doch noch weniger Torheiten brachte als an­nehmbare Maßregeln; um deswillen wollen wir ihr die Einzelheiten zugute halten. Hat eine Regierung nicht wenigstens eine Partei im Lande, die auf ihre Auf­fassungen und Richtungen in dieser Art eingeht, dann ist ihr das konstitutionelle Regiment unmöglich, dann muß sie gegen die Konstitution manövrieren und pak- tisieren; sie muß sich eine Majorität künstlich schaffen oder vorübergehend zu erwerben suchen. Sie verfällt dann in die Schwäche der Koalitionsministerien, und ihre Politik gerät in Fluktuationen, die für das Staats­wesen und namentlich für das konservative Prinzip von höchst nachteiliger Wirkung sind."

Die Nutzanwendung auf die Gegenwart bietet sich, wenn auch naturgemäß durch veränderte Verhältnisse mannigfach modifiziert, sogleich dar: Was Bismarck im Jahre 1868 von den Konservativen verlangte, das for­derte einundvierzig Jahre später auch Fürst Bülow von ihnen. Was sie dem ersten Reichskanzler mit Hangen und Würgen schließlich doch noch gewährt hatten, das haben sie dem vierten Kanzler versagt, und darum mußte er gehen. So ist schließlich alles fatal klar und man soll uns mit dem Gerede verschonen, als könne bei uns das parlamentarische System niemals gedeihen. Wohl ist es verkümmert, aber es ist doch da, nur daß man keine Genuatuung über die Form seiner Existenz empfinden kann, eben weil diese ganz in der Verküm­merung steckt. Und noch in einem zweiten Punkte mag eine Bismarcksche Reminiszenz heute mit Stutzen zu lesen sein. Warum empfindet die Öffentlichkeit gerade den Zustand, daß eine hauptsächlich auf das nordöst­liche Deutschland beschränkte Partei das Reichsschiff in ihren Kurs hineinzwingen will, als einen immanenten Widerspruch mit den Grundbedingungen des nationalen Lebens? Wir wollen hören, wie Fürst Bismarck dar­über geurteilt hat. Er erzählt in seinenGedanken und Erinnerungen", wie er in den siebziger Jahren Herrn v. Bennigsen das Ministerium des Innern an- geboten habe. Er sagte dem nationalliberalen Führer, die konservative Partei habe die geographische Aus­dehnung, deren sie in der heutigen Bevölkerung fähig sei, erreicht und trage nicht das Wachstum in sich, um

zu einer nationalen Majorität zu werden. Ihr natur- geschichtliches Vorkommen, ihr Standort sei beschränkt

in unseren neuen Provinzen; im Hessen und Süden von Deutschland habe sie nicht dieselben Unterlagen wie in Altpreußen. Eine wichtige Ausführung! Ties war vor dreißig Jahren schon so, dies ist heute erst recht derFall. DerKonservativismus ist eine ostelbischeBlüte, und sie würde überhaupt nicht gedeihen, wenn nicht die überlieferte Verbindung mit dem spezifisch preußischen Wesen in Heer und Beamtentum mitwirkte. Diese Partei, die schon Fürst Bismarck in den siebziger Jahren für ungeeignet zur Basis einer nationalen Polrtrk hielt, sie also erdreistet sich jetzt, der deutschen Natron die Richtung anweisen zu wollem Aber da sie diesen Willen aus eigener Kraft niemals durchsetzen könnte, ist sie unweigerlich auf das Zentrum angewiesen, und darum bleibt es eine leere Phrase, wenn dre Konser­vativen versichern, sie würden sich dem Zentrum gegen­über stets die Freiheit der Entschließung wahren, und sie dächten namentlich nicht daran, sich in eme Ab­hängigkeit vom Zentrum zu begeben. Schon indem sie ihren Herrschaftsanspruch geltend machen, sind sie mrtten drin in dieser Abhängigkeit. Tie erste Gerge wird immer das Zentrum spielen, die zwerte wrrd von rhm klug und großmütig den Konservativen^ zugestanoen. Nichts ärgert die Rechte an Bülows jüngster Kund­gebung so sehr, als daß er diesen Sachverhalt mrt ironischer Schärfe' dargelegt hat. . Ihr Ärger anbeh nichts daran, daß der Sachverhalt wirklich so ist, wie ihn der scheidende Kanzler geschildert hat.

Die neuen WöhnungSZeldMlchiiffe

für die Rclchsbeamten und Offiziere in Wiesbaden und Umgebung und die Differenzen in der Ortsklaffcneinteilung zwischen dem Reiche und Preußen.

Eine Stunde bevor der Reichstag in diesem Jahre ge­schlossen wurde, nahm er bekanntlich mit 317 Stimmen die neue Besoldnngsordnung an. Noch in elfter Stunde hatte die größte Gefahr bestanden, daß die Befoldungsaufbefle- rung unserer Offiziere und Reichsbeamten, an der seit drei Vierteljahren gearbeitet war, doch noch scheiterte. Nun ist sie unter Dach und Fach. Aber schon ist der Keim zu neuen Konflikten gegeben. Slbgesehen davon, daß vor allem die Einteilung der Orte für die Bemessung der Wohnungsgcld- mschüsse viele berechtigte Wünsche unbefriedigt ließ, ist auch für etwa 100 Orte der unleidliche Umstand eingeireien, daß die preußischen Staatsbeamten in einer anderen Ortsklasse rangieren als die Reichsbeamten.

'Wir bringen nachstehend eine Gegenüberstellung der neuen Wohnungsgeldzuschüsse der preußischen Staatsbe­amten und der Reichsbeamten und Offiziere. Hierfür kommen noch folgende Gesichtspunkte in Betracht:

1. Die Orisklasseneinteilung für Preußen soll bereits am 1. April 1911, die für das Reich erst am 1. April 1918 neu revidiert werden. Für das Reich ist der Bundesrat er­

sehen, daß er Henris Geschichte bereits genoß wie eine Erzählung in einer römischen Barbierstube.

Henri Brouard betrachtete wieder das Meer und sagte:

leer.

Wenn man sie erzählt, wird sie gleichgültig und

Dann fuhr er aber fort:

Wie ist es nur möglich, daß Frauen, die wir lahre-

lang mit unserem Gehirn und rmferem Herzen geliebt haben, spurlos aus unserer Erinnerung und unserem Herzen verschwinden, während die anderen, die flüch­tigen und die flüchtenden,, für immer in unserem Ge­dächtnis haften bleiben?"

Stephano war ernst geworden.

Wer weiß! Vielleicht, weil wrr bisweilen am Weg­saum des Lebens einer Frau begegnen, dre uns ihr Herz in einer goldenen Schale veicht.

Das könnte ein hübsches Bild werden , sagte Jules Legat, der immer bemalte Leinwand vor Augen sah.

Henri Brouard aber sagte, und sein Gesicht war noch bleicher geworden:

Du hast recht, Stephano, du sprichst wahr.

Und wie jemand, der nicht schweigen kann, weil sein Gemüt wie ein übervoller Becher ist, fuhr er fort:

Sie brachte mir ihr Herz, ich werde nie ihre Tränen vergessen. Es war vor fünfzehn Zähren, und ich war dreißig Jahre alt und noch arm so arm rote jemand, der tausend Frank rm Monat hat und der sich jedes Jahr vom Januar bis Juni fünfmal am ^age umziehen, dreimal am Tage mit einer Droschke fahren muß um sich in den Hausern seiner reichen Freume zu zeigen, und der des Abends auf der hintersten Reihe ihrer Loge zu sitzen hat, einen -stock mrt Goldknopf zwischen den Knien und den Zylinder unterm ^tn.ch

So arm ivar ich damals . . . rm Mar, alv ich sie zum erstenmal sah. Wißt ihr, cs gibt keinen Ort m der ganzen Welt, den ich so sehr liebe wie dre Champs Elvsses: die Stühle dicht neben der Einfahrt. Wah­

rend man dort auf seinem Eisenstuhl sitzt, sieht man Paris direkt iu§ Herz hinein. Ich weiß nicht, wie es sein kann, aber alles, was die Menschen verbergen, wenn sie sich unter den strahlenden Lichtkronen be­gegnen, das erzählen und verraten sie sorglos und ge­dankenlos unter den Kastanien und in der freien Luft. Ihr Gruß, ihr Lächeln, ihr suchender Blrck während sie vorbeifahren, liest man das Leben der Herren wie der Damen ebenso deutlich wie dre Worte eines Romans, der aufgeschlagen auf unseren Knien liegt.

Sie aber grüßte niemand und wurde von niemand

"Wann ich sie zum erstenmal sah? Weiß ich's selbst? Vielleicht war sie hundertmal in ihrem Wagen an mir vorbeigefahren ohne daß ich just ihr besondere Auf­merksamkeit geschenkt hätte. Seit dem Tage aber, an dem ich siegesehen" hatte, sah ich sie jeden Tag. Ge­nau zur selben Minute kam sie in ihrem dunkelgepol­sterten Wagen vorbei, mit dem ungewöhnlich dicken Kutscher und dem Diener, dessen Gesicht so unbeweg­lich war wie eine Kamee.

Sie saß etwas zu tief in ihre Wagenecke gedrückt^ die Hände inr Schoß gefaltet. Ich sah sie nie eine Be- wegung machen und ihre Augen hatten immer den­selben Ausdruck. Sie waretr nicht müde und sie waren nicht traurig. Sie sahen nur gar nicht. Diesen Augen sie waren blau war es längst klar geworden, daß es auf dieser schönen Erde nur herzlich wenig zu sehen gibt.

Sie hatte schwarzes Haar, obglerch dre Modefarbe Rot war. Sie war allein, obglerch dre Mode zwei Windhunde vorschrieb, die auf^denr Rücksitz des Wagens unbeweglich jeder nach einer, Serie starrten. Sie war dunkel gekleidet ein wenig englisch die Taoes- farbe war Trap. Ich habe nie eine Frau gesehen, deren Antlitz so bleich war.

Wie geht es zu, daß unsere Gedanken ein Antlitz umkreisen, eine Gestalt, ein Paar Augen, die man kaum gesehen hat? Schließlich konnte ich an nichts