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Sir. 303. Morgen-Ausgabe, 1* Blatt.

mit seiner Familie entzogen wird, hat man ihm eine be­scheidene bürgerliche Fünf-Zimmer-Wohnung im Bundes­hause, Dessauer Straße 6, eingeräumt.

NPT. über die Erfahrungen mit den Kurzstunden an üen höheren Lehranstalten schreibt man uns von unterrichte­ter Seite: Seit einem Jahr werden an einem Gymnasium in Berlin und gleichzeitig an verschiedenen westpreußischcn höheren Schulen Versuche mit Lehrstunden von 45 Minuten Dauer gemacht. Nach den bisherigen Ergebnissen scheint sich die Einrichtung durchaus zu bewähren, da der geringe Zeitverlust durch größere Frische bei Lehrern und Schülern vollkommen ausgeglichen wird. Auch wissenschaftliche Untersuchungen haben eine steigende Abspannung in der letzten Viertelstunde infolge Abnahme der geistigen Frische überzeugend nachgewicsen. Die Einrichtung ist besonders für Schulen von Bedeutung, bei denen kein Nachmittags­unterricht stattfindet, weil die Verkürzung ermöglicht, in fünf Vormittagsstunden 6 Lehrstunden abzuhalten. Es kom­men daher in erster Linie die Schulen der Großstädte mlt ihren erheblichen Entfernungen in Frage. Daß cs zu einer allgemeinen Einführung der Kurzstunden für alle höheren Schulen kommen wird, ist nicht anzunchmen. In den Kre:- fen der Pädagogen hält man eine mäßige Steigerung der häuslichen Arbeiten als Folge der Kurzstunden für unvcr- meidlich.

* Das Wunder von Vierzehnheiligen. In dem berühm­ten fränkischen Wallfahrtsorte Vierzehnheiligen bet Staffel­stein ist nach denL. N. N." einer Wallfahrerin vom Eichs­felde, der im November vorigen Jahres infolge Kindbett- pebers die Sprache entfallen >var, nach einem inbrünstigem Gebete am Gnadenaltar die Sprache wiedergekommen. Der Vorfall, der wohl auf eine Autosuggestion zurückzuführen ist, wurde natürlich sofort in der Sakristei zu Protokoll ge­klommen und von den Zeugen unterschriftlich bestätigt. In Lourdes werden sie Augen machen über die Konkurrenz, die ihnen im Frankenlaude erwächst, denn natürlich wird man jetzt dort sofort einen Wunderort etablieren.

* Eine neue polnische Gründung. Eine polnische Zünd­holzfabrik wird als Gesellschaft m. b. H. in Kurnik bei Posen errichtet. Das Grundkapital beträgt 160 000 M.

NPT. Ein Zugang von 5 Millionen Personen zur Kranken­versicherung. Von unterrichteter Seite schreibt man uns: Die Ausdehnung der Krankenversicherung durch die Reichs- versicherungsorldnung auf weitere Personenkreise erfüllt seit Jahren vom Reichstag beschlossene Wünsche und ist wohl auf allen Seiten zustimmend ausgenommen worden. Wird doch hiermit zugleich das wichtige Ziel erreicht, daß die Personen- rreise für die Krankenversicherung und für die Jnvaliden- sowie die Hinterbliebenenversichernng nahezu gleichgestellt werden. Bestritten ist nur die Frage, wie groß die Zahl der Personen ist, die neu in die Krankenversicherung einbezogen werden. Die Schätzungen schwanken hier zwischen 3 und 8 Millionen Personen. Es handelt sich hierbei hauptsächlich um land- und forstwirtschaftliche Arbeiter, um Dienstboten, um Gelegenheitsarbeiter, um Wandergewerbetreibende, um Hausgewerbetreibende und einige kleinere Grupven, die Gehilfen und Lehrlinge in Apotheken, Bühnen- und Orchester- mitglisder. Von diesen Personengruppen sind aber bisher schon erhebliche Teile in einzelnen deutschen Bundesstaaten durch Landesgesetz oder in einigen Gemeinden durch Orts- statut gegen Krankheit versichert. Nach einer ans Grund der Berufsstatistik vom Jahre 1907 angestellten Berechnung, wobei die bereits nach LandeSaeseh oder Ortsstatut Versicherten außer Ansatz geblieben sind, konimen neu in die Kranken­versicherung an land- urtd forstwirtschaftlichen Arbeitern 2 986 000, an Dienstboten 1 105 000, an unständigen Arbeitern 356 000, an Wandergewerbetreibenden 40 000, an Haus­gewerbetreibenden usw. 295 000, an sonstigen kleineren Gruppen 259 000, das sind insgesamt 5 041 000 Personen. Zurzeit sind einschließlich der rund 800 000 Mitglieder von knappschaftlichen Krankenkassen 12 942 000 Personen gegen Krankheit versichert. Wird die Reichsversicherungsordnung Gesetz, so steigt diese Zahl auf 17 983 000 Personen, also um beinahe 40 Proz, Ende 1885, also nach Einführung der Krankenversicherung, gehörten ihr 4 665 000 Versicherte _ an. Auch nach dieser Richtung hin bedeutet die Reichsversiche- rungsor'dnung einen sehr erheblichen sozialen Fortschritt.

Matthias Erzberger im Urteil seiner eigenen Partei­genossen. Wir veröffentlichten in der Donnerstags-Abend- Ausgabe unter dieser Rubrik eine Erklärung, die der Abg. Erzberger am Mittwoch in der Budgetkommission abgegeben hat. Es ist recht interessant, zu sehen, wie sich dieKöln. Volkszeitung" zu dieser Erklärung stellt. Sie schreibt: Sollte Herr Erzberger mit dem in seiner Erklärung ent­haltenen Ausfall dieKöln. Volkszeitung" treffen wollen,

tragödie, und da gehörte eine mannhafte, lachende Sieger­gestalt hin, denn die Konvention hat durchaus nicht immer Unrecht. An der Gretchentragödie wäre Goethe unzufrieden geworden. Gleichen gab Frl. Heims (die Helena des Sommernachtstraums, die Amalie der Räuber). Fräulein Heims spielt sehr klug und gut, für ihr Kostüm und ihre Haartracht war Erler verantwortlich. Um ein blondes Gleichen streite ich mich nicht, einem so kräftigen, großen, herben und wissend aussehenden Gleichen wäre aber des Liedes Ende wohl, des Anfangs Kindersinn kaum zuzu­trauen. Paul Wegeners Mephisto war eine gute Leistung, die Dämonie indessen, die er in seinem wunder­vollen Franz Moor herausbrachte, ließ er kaum ahnen. Zu dem schauspielerisch Glücklichsten und Hastenden gehörten hinter den Faustmonologen die Wagnerszenen (Viktor Arnold), Momente aus Auerbachskeller (D i e g e l - mann, Hart au), die urkomische Frau Marthe von Emilie Kurz (schlichtes Haar, ohne Haube, merkwürdig die Wirkung erhöhend), und, jawohl Großmanns Geschicklichkeit als Hexe.

Hinter Shakespeare drein siel das Bühnenftemde, kurz Undramatische unserer heiligsten, deutschesten Dichtung fast grob auf, um so mehr wieder verblüffte die gewaltige ele­mentare Bühnenkraft und Sicherheit des leidenschaftlichen jungen Schiller. Mir schien er, wie ich ihn gestern sah und verstand, zum ersten Male allem Werdenden bei uns näher als der junge Goethe, noch mehr Blut von unserem Blut, noch mehr Nerven von Miseren Nerven, nicht nur weil er litt und mitlitt und nie ganz heiter werden konnte. Doch das ist ein anderes Kapitel.

Der Räubernraler war Professor Emil Orlik. Er­innern wird sich immer jeder an das freilich einzig schöne erste und grause vorletzte Bild: Das Zimmer vor der Ahnengalerie mit dem Flurdurchblick und den die Augen anstrengenden, aber großartig wirksam erdachten Lichtver­teilungen. Allen Malern wäre der Anblick zu gönnen. Auch xrtreut die Kneipe der Libertiner. Schließlich ist die An-

so weisen wir ihn mit aller Errtschiedenheit zurück. Wir haben Herrn Erzberger persönlich geschont/ soweit der ob­jektive Tatbestand und das Interesse der Partei dieses zu­ließen. Der Artikel imTag" aber war, gelinde gesagt, so maßlos ungeschickt, und das Verhalten des Herrn E. in den Kommissionsvorbesprechungen ließ solche Deutungen zu, daß er nicht bloß den Unwillen seiner Kollegen und die Entrüstung der Beamten wachrief, sondern auch eine Zurückweisung in der Parteipresse im Interesse der Partei geradezu herausforderte. Man hätte vom Abg. Erzberger deshalb eine andere Erklärung mit weniger Sclüst- b e w u ß t s e i n, etwa mit der Feststellung erwarten sollen, daß sein Artikel imTag" mißverstanden, daß seine Absicht in den Kommissionen falsch gedeutet worden sei, daß er nichts gesagt und nichts getan habe, was als Umsall hätte ausgelegt werden können. Diese Erklärung vermissen wir noch. Sie abzugeben hätte ihm auch die jetzt so peinlich gewahrte Schweigepflicht nicht verboten und die Öffentlich­keit hätte mehr davon gehabt. Es sei nochmals festgestellt: Wenn Herr Erzberger umgefallen ist, was wir bisher zu­gunsten seiner Person und seines politischen Renommees für falsch zu halten geneigt waren, wenn er vielleicht sogar der Regierung Zusagen oder Andeutungen über das Ver­halten der Zentrumsfraktion gegeben haben sollte, so trägt er dafür ganz allein die Verantwortung. Seine übrigen Fraktionskollegen in der Kommission haben keinen Umfall mitgemacht. Die Fraktion hat in keiner Weise Erzbergers Vorgehen etwa ermutigt oder veranlaßt. Maßgebende Stellen der Fraktion hatten vorher so wenig Kenntnis davon wie seine eigenen Fraktionskollegen aus der Kommission. Die Fraktion hätte auch gar keinen Grund, sich in diesem Falle mit Herrn Erzberger zu identifizieren. Wo und wann haben denn die verbündeten Regierungen ihr Unannehmbar ausgesprochen? Hat dem: der Bundesrat überhaupt schon einen Beschluß darüber gefaßt? Abgeord­nete, die es wissen müßten b^en ^----ntnis davon. In einer Sache aber, die man selber als eifrigster Verse-" geführt, von einem angeblichen Unannehmbar der Regierung das Prüvenire zu spielen, gilt weder als ein Zeichen poli­tischen Ern st es noch politischer Klugheit."

Maßlos ungeschickt", zu vielSelbstbewußtsein", weder politischer Ernst", nochpolitische Klugheit", das ist eigentlich deutlich genug.

Ans land.

Piistlcrnd.

Die Cholera in Rußland.

In Petersburg sind seit Mittwoch 94 Personen an der Cholera erkrankt, 29 Personen sind gestorben. Die Gesamt­zahl der Erkrankten beträgt 607. In Archangelsk sind fünf Cholerafälle festgestellt worden.

Durch bakteriologische Untersuchung wurde auch in Riga an einem Petersburger Schaffner der erste Cholera- sall konstatiert. Die umfassendsten Maßnahmen wurden ge­trosten, um einer Einschleppung der Epidemie zu begegnen.

Fvirwttrrrch.

Marinefragen in der Kammer.

In der Kammer erklärte der Radikale Chaumet, die Marine verdiene nicht alle Vorwürfe, die jetzt gegen sie er­hoben werden. Auch in der englischen Marine sei gelegent­lich Ähnliches wie jetzt bet der französischen vorgekommen, aber man hüte sich, die englische Industrie zu diskreditieren. Der Redner, der Berichterstatter für die Marinevorlagen war, erklärte, die Hauptsache des mangelhaften Zustandes der Marine sei, daß man eine billige Marine nur zu Defensivzwecken haben schaffen wollen, die aber dock eine Milliarde gekostet habe, die er als fortgeworfenes Geld bezeichnen müsse. Zum Schluß forderte der Redner, daß man die Marine in Ruhe arbeiten lassen solle, ohne sie durch fortwährende Enqueten zu quälen.

s

Der Verein der Postleute in Paris erläßt einen dringenden Aufruf, seiner Sammlung für die 800 straf­weise entlassenen Kameraden zu Hilfe zu kommen, da sie nur 49 000 Fr. aufgebracht haben, während 100 000 Frank nötig gewesen wären.

ordnung der handelnden Personen auf der Bühne, nament­lich die grandiose Bewegung der Räubermassen von Szene zu Szene hoch zu loben, aber wie weit Orlik oder Rein­hardt daran Anteil hat, das weis; ich nicht.

Der Sieg dieser Premiere hatte jedenfalls mit dem Künstlertheater nichts zu tun, Schiller und für ihn Rein­hardt und seine Schauspieler standen einfach auf besonders exponiertem Grund und gewannen ihre Schlacht trotzdem, allen Guten in der Truppe unendlich weit voran Paul Wegener, Franz Moor. Diese befremdende Charakteristik als zänkischer Affe in der ersten Szene schien uns Übertreibung, wir konnten nicht ahnen, welche Offenbarungen an entsetzlicher Steigerung wir erleben wür­den. Es war ein stürmender Weg in schwindelnde Höhen. Unrecht, daß so viel Können in der tragischsten Stunde in August Momber ein solch unzulänglicher Pfarrer, ein solch richtiger Theaterpfarrer gegenübergestellt wurde. Von. welcher Wirkung wären Schlichtheit und Tiefe an Stelle des hohlen Pathos gewesen gerade diesem geifernden, gift- spritzenden, schreckenstollen Franz gegenüber. Von dem Pfarrer in dieser Szene verlangt man Männlichkeit, und Männlichkeit liegt nicht im Pathos, sondern in der Nüchtern­heit. Den Karl gab Oskar Beregi, er blieb hinter Wegener zurück. Vielleicht brauchen wir einem durchaus modernen" Franz gegenüber einen modernisierten Karl, der nicht die Übertreibungen der frühen Schillerzeit noch be­sonders unterstreicht, sondern sie uns vergessen zu machen sticht. Die Räuber (Spiegelberg, Moissi) waren samt und sonders vorzüglich, am allerbesten wohl vor ihrem Zug in die Böhmischen Wälder. Etwas zu viel an Getobe und Gepfeife wurde von ihnen ln Erstürmung des Schlosses geleistet. Darin liegt für jede künftige Vorstellung eine Ge­fahr, wie bei der Turmszene das höchste Grausen und die Lächerlichkeit nur durch ein Haar getrennt sind, und unter den Umständen müssen die schlafenden Räuber jedenfalls anders plaziert werden doch das sind Kleinigkeiten.

Hans Grimm.

Samstag, Juli 1909._ Seite 3.

England.

Aus den Verhandlungen vor dem Polizcirichter Nutzen, der das Gerichtsverfahren aus den 9. Juli vertagte, schließt man, daß die wegen Widersetzlichkeit verhafteten 116 Suftra- getten straflos ausgehen werden, da die angeklagten Frauen von der Polizei verhindert wurden, das gesetzlich verbürgte Recht auszullben, durch einen Minister eine Bittschrift au den König etnznreichen.

Serble».

Die Gegensätze, die seit längerer Zeit zwischen der» Prinzen Georg und mehreren Verschwörern bestehen, haben sich seit der Pensionierung des Majors Okanovitsch noch mehr verschärft. Wie verlautet, dringen die Verschwörer zur Vermeidung ernsterer Konflikte daraus, daß Prinz Georg sich ins Ausland begibt. Dem stehen jedoch die finan­ziellen Schwierigkeiten des Prinzen Georg im Wege, der bekanntlich keine Apanage bezieht und demnach nicht in der Lage ist, seine ziemlich beträchtlichen Schulden zu tilgen. Seitens des Kriegsministers sollen Vorkehrungen getroffen worden sein, um einem ernsteren Konflikt zwischen dem Prinzen und seinen Gegnern vorzubeugen. Der pensionierte Major Okanovitsch kündigt in einem serbischen Blatte das Erscheinen einer Broschüre an, deren erstes Kapitel lauten werde:'Der gewesene Kronprinz und ich." Der Autor erklärt, daß er alle Einzelheiten seines Konfliktes da liegen werde.

Griechsi»'mrd.

Die türkischen Meldungen von griechischen Rüstungen und Freischarenbildungen werden in Athen wiederholt in der formellsten Weise in Abrede gestellt. Griechenland und seine Regierung seien absolut friedlich gesinnt

Türke!.

Die Pforte hat die Botschafter der Schutzmächte wisset lassen, wenn die griechischen Banden, die zurzeit in großem Maßstabe gebildet würden, die Grenze überschritten, wür­den sie von türkischer Seite über die Grenze hinaus ver­folgt werden. Rach den Konsularberichten herrscht aus Kreta Ruhe.

Merrolrlro.

Die zurzeit noch aus ca. 120 Mann bestehende spanische Garnison in Tanger soll nun auch zurückgezogen werden Es sollen nur noch ein Offizier und 28 Mann hier ver­bleiben. Die Mannschaften werden auf dem spanischen KriegsschiffApostol" nach Ceuta eingeschifft

Nereirrigte Stands«.

Gegen die American Sugar Refining Company und sechs Direktoren der Gesellschaft ist vom obersten Gerichts­hof der Vereinigten Staaten die Klage wegen gemein­samen Versuchs zur Unterbindung des Handels erhoben worden.

Ein Telegramm derNew Dork Tribüne" aus Washing­ton besagt, das Staatsdepartement kündige an, daß binnen kurzem den amerikanischen Bankiers ein Viertel der chinesischen Eisenbahnanleihe überlassen werden soll. Die britische Botschaft gab Staatssekretär Knox die Versiche­rung, daß England hiergegen nichts einzuwenden habe.

Der New Aorker Polizeipräsident Ringham, unter dessen Regime die Mißstände in der New Uorker Poli­zeiverwaltung den bekannten Umfang angenommen haben, wurde gestem seines Postens entsetzt

Aus Stadt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

Wiesbaden, 3. Juli.

Julius Schröder ch. Der Zentralvorstand des Gewerbevereins für Nassau" widmet in seinenMit­teilungen" seinem Mitglied und Ehrenmitglied des Ver­eins, dem am 17. Juni verstorbenen Fabrikanten Julius Schröder in Oberlahnstein, einen warmen Nachruf, worin es u. a. heißt:Wir betrauern in dem Entschlafenen einen lieben Kollegen, einen treuen Mitarbeiter, der ein Menschenalter hindurch mit rastlosem Eifer für die Inter­essen des Gewerbevereins erfolgreich gewirkt hat. Dem Zentralvorstand gehörte er seit 1874 an; seit 1876 leitete er den Lokalgewerbeverein in Oberlahnstein und seit 1895 war er Vertreter des Gewerbevereins für Nassau im Bezirks­eisenbahnrat. In allen diesen Beziehungen zu dem Ver­ein offenbarte sich der innerste Grundzug seines Wesens: treue, unermüdliche und selbstlose Wirksamkeit zum Wöhle weiter Kreise. Die edlen Charaktereigenschaften des Ent­schlafenen und seine persönliche Liebenswürdigkeit ließen ihn uns allen als einen treuen Freund erscheinen. Seine Verdienste um den Verein sichern ihm bei den Vereinsge"- nossen ein dankbares Andenken; sein Name und Bild wird in unseren Herzen fortleben für alle Zeiten!"

Das Wetter bessert sich, wie es scheint. Wenigstens ist das Barometer im Steigen und bereits über dasVer­änderlich" hinausgekommen. Das Thermometer, vor- gestern noch zu mancher Tageszeit unter 10 Grad, zeigte gestern bis 18 Grad. Hoffentlich ist es mit dem Besserwerder ernst, geregnet hat es nun vorläufig wohl genug.

Verfügung der Eisenbahnverwaltung an die Bahn­hofswirtschaften. Die Eisenbahnverwaltung hat kürzlich eine Verfügung an die Bahnhofswirtschaften ergehen lassen, die, wie uns mitget-'lt wird, besonders für die unbemittelten Schichten des Reiftpublikums von Bedeutung ist. Danach soll seitens der Wirtschaften in der wärmeren Jahreszeit ausgiebig dafür Sorge getragen werden, daß frisches Trinkwasser zum sofortigen Genuß in Gläsern usw für die Reisenden in den Zügen bereitgehalten wird. Reben den sonstigen Erfrischungen, die feilgeboten werden, sollen vor allem Selters- und anderes Mineralwasser sowie srftches Obst verabreicht werden.

DerAllgemeine Deutsche Musiker-Verband" hat eine Petition beim Reichstag eingereicht, worin gefordert wird, daß den Militärmusikern das außerdienst­liche gewerbliche Musizieren gänzlich untersagt werde. Die Militärmusiker haben dagegen in einer Eingabe an die Petttionskommissi"n geltend gemacht, daß das Bedürftkis