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Wiesbaum iaplatt

_a^.«AiC< ov ^ derleg 2953. Rcd-ktio« 6:

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Nr. 27».

Wiesbaden, Samstag, LN. Juni LVVS.

■,iÄ'

57. Jahrgang,

Morgen»Ausgabe.

1. Matt.

Kresühruugrn.

O. W. Berlin, 17. Juni.

Dis Wege der deutschen Diplomatie sind wunder- bnr und bei längerer Beobachtung will es oft schei­nen, als ob sie einem Ziele entgegenführten, das dem eigentlich gewollten diametral entgegenliegt. so geht K. B. augenblicklich 'die Strömung in den offiziellen Kreisen dahin, die Gegensätze zwischen E n g - land und Deutschland zu mildern; das Be­streben ist gewiß rsht löblich, schade nur, daß dre Mittel, mit denen gearbeitet wird, geeigneter ftno, das Gegenteil zu erreichen. Bekanntlich _ benutzt unsere Regierung zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung Kanäle von dreierlei Natur: die offizre^e Presse

.(Reichsanzeiger), die offiziöse (Norddeutsche Allge­meine Zeitung, Cölnische Zeitung, usw), und schließ­lich die kryptooffiziöse, unter der ein inBerlrn bekanntes byzantinisches Blatt Wohl die erste Stelle ernnrmmt. diesem leistet sich nun ein Herr, dessen Name ungenannt bleiben möge, einen Londoner Brief über „England, toch es ist", der infolge des ganzen Inhalts nur »u ge° eignet scheint, diesseits des Kanals bte öffentliche Mm- nung zu täuschen und jenseits den an. sich schon recht übermütigen Engländern weiter den Nacken zu steifen.

Das ganze Machwerk ist tu seiner inneren UnU)af)t= Hastigkeit so charakteristisch, daß man emzetne stellen

wörtlich wiedergeben muß.' So beginnt der Schreiber z. B.: „Vor kurzer Zeit hatte ich die Ehre, oen be­kannten Besitzer des englischen Blattes „Daily Matt und Hauptaktionär der „Times" kennen zu lernen. Worin für einen Deutscher, „die Ehre" liegt, einen Mann kennen zu lernen, dem aus dem Erwerb von Zeitungen als Geschäft kein Vorwurf zu machen ist, wobl aber daraus, daß er seine Rente durch, dre Wütesten Hetzereien gegen uns zu steigern sucht einen Mann, der sich nicht scheut, rn Berlin das Gegenteil von dem zu sagen was „ferne Hetzblatter täalicb verkünden — das wird wohl ewig das Geyerm-

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fetten bervorqehoben seren. Ter Autor, oer von seinem Englisch behauptet, es sei st gut, daß man daraus keinesfalls ferne deutsche Abkunft erkennen n°mt di° da auü, in B°rlm udl« gr°b°n Reklameblätter der Zeitungen i» 0 *®*® 0 “?" 11l J? ' "" Wort das weder em Engländer noch em Franzose verstehen kann. Denn das, was der Deutsche (warum, habe ich allerdings nie ergründen können!) mrt mnem Fremdworte „Hautgout" nennt, bezeichnet der Fran­zose als „faisande", der Engländer als „high Unt> tote er zu seinen Kenntnissen, über Engl^d und lische Denkart — in erner einzigen Woche notaveu«

— gekommen ist, das ist auch zu merkwürdig, um es nicht mit seinen eigenen Worten wiederzugeben. Er meint da: ' „Es bedurfte für mich nicht der ganzen Woche, die ich hier bin, um einzusehen, daß wir zu Hause den Menschen im Engländer tatsächlich nicht kennen . . . Man wird mir erwidern, Laß ich rn einer Woche keine großen psychologischen Studien ge­macht haben kann. Ich möchte darauf antworten, daß man in einer Woche mit den mir durch Lord Norty- cliffes Güte zur Verfügung stehenden Mitteln , und einem guten Willen so viel beobachten kann wre rn einem Jahre!" Das Kompliment, das der Herr hier seiner eigenen Beobachtung macyt, kann ruhig uner- örtert bleiben, bezeichnend aber ist es, mrt welcher — Naivität er den Kanal zugesteht, durch den ihm seine Kenntnisse zugeflossen sind. Lord North clrfse und die „Daily Mail" als Gewährsmänner, das konnte komisch wirken, wenn es nicht so bedauerlich ware.„Vaß der Schreiber dem großen Verständnis der Engländer für äußere Politik ein Loblied singt, kann unter sol­chen Umständen nicht verwundern, denn es ist der größte nur erdenkbare Unsinn. Es gibt n.amlrch un große-. Ganzen kein Volk, das, trotz aller -sattelfestig- keit in der inneren Politik von Außenpolitik und Völkern so wenig eine Ahnung hatte wie dre Eng­länder, die infolgedessen auch ihrer Presse dao, wav diese ihnen vorzuerzählen fürgut findet blind, glau­ben. Und schon darin liegt dre Gefahr, denn dre also beeinflußte öffentliche Meinung ist es docy schließlich, die politisch den Ausschlag gibt. Solche niedereren wre jene, die ich eben zerpfliickte, tonnen deshalb viel zu viel Unheil stiften, als daß man sie unwider,prochen in die Welt gehen lassen dürfte!

Iü§ Echo der LiLlowrrdr.

Verhältnismäßig milde gestimmt ist der Artikel der „Kreuzzeitung"

-u der im Vordergrund des Interesses stehenden vor­gestrigen Rede des Reichskanzlers. Er schildert dre Rede" des Kanzlers als eine gleichmäßig Lob imb Tadel auf alle Parteien verteilende Auseinandersetzung, dält sich mit besonderem Behagen bei dem gegen die Libe­ralen gerichteten Satz auf und meint bezüglich der Kon- servairven: „Auch ihnen Uiurde tuti freigiebiger Hano liebenswürdiges Lob und darauf ebenfalls in liebenswürdi­gem Ton Tadel gespendet." Zum Schluß versichert sie, Fürst Biflow könne sicher sein, daß auf der Rechien remes- falls der Wunsch besteht, daß er sich genötigt sehen nrocyte,

von feinem Amt zurück zutreten.

„Der Reichskanzler hat erklärt, daß er sich Nicht ent­schließen werde, dem Bnndesrat Stenern zu emv,ehlen, dre Handel und Verkehr erschweren und die wirtschaftliche Lage verschlechtern. Er hat betont, daß die notwendige Summe vo:, 500 Millionen Mark aufgebracht werden müsse. Diese Ziele der Reichsfinanzreform können und werden erreicht werden Die Konservativen insonderheit werden es sich angelegen sein lassen, nach Kräften hierbei mitzuwirken, und

Irmlleton.

Das Tl,enter in 100 Iahrenw

Von Dt. Max Burckhard.

Also", sagte ich, indem ich noch einmal den länglichen Metallkasten aufmerksam betrachtete, der, aus vier «reder Rädern vor mir stand, „also, es ,st alles rn Ordnung.

„Alles", erwiderte mein Neste, der mrt ernster Mrene

neben mir stand. . ^ u

„Und wir haben hoffentlich nichts vergeben - . -

"Den^Stiftbrief habe ich heute morgen selbst noch einmal gena'u^durchMdiert; ich glaube wirklich, Z st keim Möglich­keit übersehen, mit der man überhaupt ^^"en •«

Teufel Teufel!" Mein Rene kratzte sich naachmklich am Kov In dem Stiftbrief fleckt meine emzrge Sorge.

Md- dich dL ganz. S.--ä «»--»» d-- U-I-ndz, den du dir da nimmst, zusammenkracht . . .

„Ra. dann kommt eben ein anderer Staat nach ihm! „Ist das so ansgemacht? Und wer weiß, ob der sich um Stiftungen und derlei Dinge kümmert.

„Das wird schließlich jeder Staat." Ä(( -

„Und das hältst du wirklich für ganz ausgesch.ossen es könnte aus einmal das ganze Strftungsvermogen flöten gehen? Und ist kein Geld mehr da. ,o kümmert pw natür­lich kein Mensch mehr um deine irdischen Reste.

„Na. die Jahre, die du selber lebst, doch natürlich

du. .

-n Deutickie Illustrierte Zeitung" (VevlagSanstalt

Buntdruck? f “T fc Berlin SW 68) die ^feer^rm überreichen sonstigen Inhalt erne schon durch e crg e ,ü der Mitarbeiter Aufsehen erregende Artikelserie Dre El in U>0 Jahren" veröffentlicht,, stellt uns aus dreier ob gen^en von

Dr. Max Burckhard verrakten Artikel rm AushanLeooaen

Sur Verfügung.

sie hoffen und erwarten, daß eine starke Mehrheit für dit Verabschiedung der Reform sich schließlich noch z u s a m« mensinden wird." i

Wesentlich ungünstiger urteilt die

„Konservative Korrespondenz".

Sie schreibt: Für die konservative Partei sind weder durch die Veröffentlichung der Ersatzsteuervorschläge der Verbün­deten Regierungen, noch durch die vorgestrigen Erklärungen vom Regierungstisch die schweren sachlichen Bedenken aus dem Wege geräumt worden, die sic gegen eine Ausdehnung der Erbschaftsbesteuerung auf Kinder und Ehe­gatten hat und stets haben wird.

Zum E i n l e n k e n redete seinen konservativen Freun­den, wie in den letzten Wochen schon wiederholt, wieder zu „Der Reichsbote".

Ihm-entnehmen wir: „Die Konservativen würden sich sehr im Licht stehen, wenn sie nicht schon nach dem gestrigen Tag in einer Richtung klar sehen möchten und den Mut der Wahrheit gegen sich selbst haben wollten, zuzugeben, daß sie mit sogenannter Konsequenz in der Frage der Erbansallsteuer nichts mehr besser, wohl aber vieles, um nicht zu sagen, alles, nur schlechter machen können. Und an spaterer Stelle sagt das Blatt: „Daß es ein Kin­derspiel für die vereinigten Gegner der Konservativen sein würde, sie jetzt mit Hilfe der populären Strö­mung, die für die Erbschaftssteuer ist, zu werfen, das kann der Blinde mit dem Stock fühlen. Aber auch darüber können sich die Konservativen nicht einen Augenblick täuschen, wel­chen u n b e r e ch e n b a r e n Schaden sie dem Vaterland durch ein Festhaltmwollen an ihrer Opposition zusügen würden. Wenn sie jetzt durch ihren Widerspruch gegen die Erbansallsteuer das Zustandekommen der Reichsfinanz- resorm verhindern, rufen sie eine Verstärkung des Radikalismus hervor, der mit seiner Forderung einer radikalen Erb- und Vennögenssteuer ebenso durch zu­dringen in die Lage versetzt wird, wie mit seinen Anträgen auf Übertragung des Reichstagswahlrechts aus Preußen. Auf Jahre und Jahrzehnte hinaus bringen sie nicht nur sich selbst, sondern auch die Entwicklung in Preußen und im Reich zurück. Heißt das konservative Politik treiben?"

Das Organ der Wirtschaftlichen Vereinigung,

„Das Reich",

ist auf Kampf gestimmt. Es schreibt: „Die Lag- ist er tu ft er denn je. Der Aufmarsch ist so gut wie vollzogen. Eine Kraftprobe wird die Entscheidung bringen. Wer wagte es, im Getöse des Ringens den Ausgang zu prophezeien."

Die sreflonservative

„Post"

kann im Gegenteil noch nicht siudrn, daß eine Entscheid ring getroffen sei. Die

„Germania",

das Berliner Zeutrumsblatt, belfert über die gegen ihre Partei gerichteten Ausführungen folgendermaßen: „Statt der erwarteten großen Rede ergab sich als Ergebnis oer Ausführungen des Reichskanzlers eine große Enttäuschung. Zum größten Teil setzte sich die Rede aus denselben Gedmr- kenaänqen zusammen, die während der Blockära vom Für­sten Btilow wiederholt vorgebracht worden sind. Ein

„Ich natürlich — aber die paar Jahre!"

„Dann ist das Interesse der Wissenschaft da an memem

E^^Weißt du, das Interesse für das Geld ist doch viel u

Nun und auch daran kann es nie fehlen. Darum Hab­ich außer allen möglichen Wertpapieren und hypothekarischen Sicherstellungen in den drei größten Banken Gold erlegt."

Gerade das Gold ist aber völlig wertlos, sobald der nächste hergelaufene Kerl unter besonderen Druck- und Temveratur - V-rhältmssen, eventuell mrt Zuhilfenahme f,3 S, em»n»ti»n Gold -u- Pm, »Ws»

E'3P,S7LL»«ch»D»,..»-a» -Mi man sich scbtt-ß ich bei allem im vorhinein abfrnden. Es könnte j7au?Lr Mond oder irgmd ein anderes kosmisches Ge­bilde auf einmal in die Erde hmeinsaüen.

Aewiß^aber w^deinem Falle ist cs bei mir noch lange

nicht &ö£ j,. Denn wenn deine Stiftung erlischt

und die künstliche Erstarrung, dre wir durch dre Kalte he vorruien werden. Hort dann ebenso langsam auz, wre s,e

?mtk Antttten wird. Die Blutzirkulation von

neuem, ich schlage die Augen auf, und der Unterschied ,st

***** Daß'du allein in dem unheimlichen Raum wach wirst, in dem dick, wenn du deine hundert Jahre Erstarrung glua- lich durchgemacht hättest, das ganze Stistungspersonal und vielleicht Kaiser und Papst oder doch Vertreter aller Hoch- , schulen freundlich lächelnd begrüßen würden . ..

„Lauter Kerle, die ich nicht kenne."

und daß du", fuhr unbeirrt rnern Neffe fort, „wenn dein Geld beim Teufel ist, eben ohne einen Knopf Geld dasitzest oder zunächst daliegst."

Die Hauptsache ist, daß ich einen ziveiten Schlüssel im Sack" habe und hinauskann. Ich werde halt darm arbeiten und mir ein Geld verdienen."

„Das wird dann wohl nicht so leicht sein. Denn zunächst wirst du all die neuen Dinge zu lernen haben, die nran wird nässen und können müssen, um überhaupt ein nützliches, ja ein mögliches Glied der Gesellschaft zu sein."

„Ich lasse mich, wenn alle Stricke reißen, einfach unrs Geld anschauerr. Einen Impresario wird es doch geben, der mich per Luftballon, oder wenn dieses Verkehrsmittel schon wieder veraltet ist, sonstwie in den X Weltteilen und den umliegenden Ortschaften herumführt. Das muß ja allein ein Heidengeld tragen, einen Menschen herzeigen, der sich vor hundert Jahren hat einschläsern lassen, um den Rest des Lebens in Raten abzudienen, und der nun als lebendiger Berichterstatter einer entschwundenen Z-rt herumgeht.

„Bist du sicher, daß dir das nicht andere schon werden

nachgemacht haben?" . ^ .

„Wenn sie nicht die von mir eriomrenen Maßregeln ge­troffen haben, platzen ihnen schonbeim Erstarren cm Paar Gefäße und sie werden dann höchstens wach, damit sie sofort der Schlag trifft, der sie eigentlich schon damals vor hundert Jahren hätte treffen sollen." ^ r , ,

„Auf alle diese Dinge, dre du ;a gewiß sehr sinnreich, ansgedacht hast, kann im Lause der Zeit auch ein anderer

Soll er Aber ich habe noch als Student Richard Wagner einmal am Bahnhose empfangen, kann von meinen Begegnungen mit Ibsen erzählen, habe mit Artur Schnitzler eine Zeitlang in einem Hause gewohnt und-"

„Nun, mir kann es ja recht sein. Mich geht ja das eigentlich 'alles gar nichts an, und wir haben es auck rum