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Nr. 265.

Morgen-Ausgabe, 1. Blatt.

Wirsva-ener TagbiM.

Donnerstag, 1®. Juni 1909.

Seite 5.

sche Sumpfschildkröten (auch Pfauenschlldkröte genannt) tagsüber zur Schau gestellt werden. Das Krokodil ist ern recht ulkiger Geselle. Es liebt die Sonne, und da das Aquarium im Schatten liegt, klettert der lange Kerl oft über das Gitter und spaziert nach der Terrasse des benachbarten Cafes, um sich zu sonnen. Da es ungefährlich ist, haben diese Extratouren zwar nichts auf sich, aber sobald sie ent­deckt werden, wird der Ausreißer schleunigst wieder m das Becken gebracht, was nicht ohne lebhafte Proteste von seiten des nacheinem Platz an der Sonne" strebenden Treres vonstatten geht. ______________ ^ uder s.

_ Zur Frage der Gestaltung von Straßen und Plätzen. Der Leiter des Seminars für Städtebau, der Königl. Gey. Hofbaurat Felix Genzmer (unserer früherer Stadtbau­meister), hat sich über die Gestaltung des Straßen- und des Vlatzraums in den Städten in einem ferner städtebaulichen Vorträge, nach demB. Lok.-Anz.", u. a. folgendes ausge- sührt: Das wichtigste Glied für die Erscheinung des Stra­ßen- und Platzraumes bilden dir Wandungen, d. h. die d.e Grundfläche umsäumenden Bauwerke, insbesondere deren Straßenfronten, architektonische Abschlüsse, Mauern und Garteneinsriedungen. In den Wandungen spielt sich ja auch das ganze reiche Programm der architektonischen Einzel­ausbildung ab. Streng geometrische Platzformen eignen sich nicht sonderlich für unsere bürgerlichen Wohnquarttere. Heutzutage, wo jeder bauen will, wie es ihm paßt hoch, niedrig, breit, schmal, mit oder ohne Giebel, gotisch, barock oder modern, mit flachem oder steilem Dach, offen Mit gro­ßen Schaufenstern durch alle Etagen oder ernst geschlossen mit wenigen breiten Fensterachsen entsteht eine solche Unregelmäßigkeit in der Einzelausbildung, daß hier erne nicht'durchaus gerade Linienführung der Straße Mel vm- teilbafter wirkt. Genzmer kommt zum Schluß zu folgender allgemeinen Maßgabe: Bei der Aufstellung des Straßen­planes, bei der Führung der Fluchtlinien, Anordnung der Gefällsverhältnisse, Einteilung und Ausstattung der Grund­fläche, Straßenbefestigung, Bepflanzung und dergleichen, die keineswegs rein technische Maßnahmen darstellen, sind, um sie gut zu gestalten, künstlerische Erwägungen gerade so er­forderlich wie bei der Gestaltung der Häuser und anderer Bauwerke, der Bemessung ihrer Höhe und ihrer sinnge­mäßen Einfügung in das Stadtbild. Von solchen Er­wägungen geleitet, hat Genzmer schon während ferner hrcsi- gen Wirksamkeit an der Gestaltung von Bebauungsplänen mitgearbeitet.

Die deutsche Lehrerschaft und der Kamps gegen die Schundlttcratur. Es wird uns geschrieben: In Rümmer 10 derFrankfurier Schulzeitung" lese ich unter der vor­stehenden Überschrift, daß die Vereinigten Prüfungsaus­schüsse für Jugendschristen begonnen haben, eine Rerhe von Ig-Pf.-Hcften auszugeben, um der Lehrerschaft und allen, die den Kampf gegen verderbliche Schriften führen wollen, die besten Erzeugnisse unseres Schrifttums an die Hand zu geben. Der Plan an sich wäre gut und das freudige Ein­treten der Lehrer sür eine so hochwichtige Sache zu begrü­ßen, wenn es nicht schon Unternehmungen gäbe, die den . Kampf kraftvoll begonnen und bereits manche Kinderseele andie Quelle zu sittlicher und schönheitsfroher Erhebung' führten. Ich nenne vor allem die Wiesbadener Volksbücher. Seit neun Jahren übt diese prächtige Sammlung, die vomVolksbildungsvcrem" in Wiesbaden herausgegcben wird, ihre segensreiche Kulturmisston aus. Ohne pedantisch aufklärende Schulmeistere:, ohne moralisie­rende Absichtlichkeit, aber auch ohne politische oder religiöse Parteitendenz geht man hier vor; mit ihrem Besten treten auserlesene Geister unserer Nation heraus, um es auch den Ärmsten für wenige Pfennig zugänglich zu machen .-er Erfolg war denn auch geradezu glanzend. Bis letzt f Von den 126 Bändchen der Wiesbadener Volksbücher nahe,:.

,4 Millionen verkauft worden. Seitdem andere Unter­nehmungen ähnlicher Art nachgefolgt; pe haben in kleinerem Kreise auch segensreich gewirkt; -wer kerne hat wohl a Reichhaltigkeit des Stoffes, an Gediegenheit des ^nhalt wie auch cm Billigkeit den Wiesbadener Volksbüchern gleich- kommen können. Und nun wollen die Vereinigten strm funasausschüffe diesem Unternehmen, das srer von jeder geschäftlichen Nebenabsicht am Gemein­wohl arbeitet, den Boden entziehen. Denn die Wiesbadener Volksbücher haben es bis jetzt auf etwa 30 Bändchen ge­bracht, die von der schulpflichtigen Jugend gelesen werden können, und die neuen Ausgaben der Vereinigten Prüfungs­ausschüsse sind laut Ankündigung des Verlags für me Jugend und die Erwachsenen bestimmt. Die Autoren der ersten neun Bändchen sind außer A. v. Pcrfall m den Wies­badener Volksbüchern vertreten, selbst von den Texten sind zwei (GerstäckcrsSchissszimmermann" und Raabcs Schwarze Galeere") auch in den Wiesbadener Vottv- büchern gedruckt. Die letztgenannte Erzählung kostet bei­spielsweise mit einer Einleitung des Universitatsproscssors Köster-Leipzig bei den Wiesbadener Volksbüchern Io Pf-, in'der deutschen Jugendbüchcrei soll sie 10 Pf. kosten. ,Das Wort vom Getrenntmarschieren und Veretnt- schlagen ist vier nicht anwendbar, denn billige Bücher kann man nur Herstellen, wenn sie in großen Auflagen ge­druckt werden, und cs ist zu bedauern, daß nun weder dre Vereinigten Prüfungsausschüsse noch derWiesbadener Volksbildungsvcrcin" sich diesen Vorteil ausreichend zu­nutze machen können. Auch kostet die Erwerbung der nicht sreien Literatur ein gutes Stück Geld; lesen wir doch in dem erwähnten Aufsatz, daß die Vereinigten Prüfungsausschüsse für 10 000 M. einen genannten Text nicht haben konnten, ^n den Wiesbadener Volksbüchern werden aber mehr als 80 Nicht freie Dichtungen veröffentlicht.

_Transportable Feldküche. Eine transportable Feld­küche die für die Verpflegungsstationen des Sanitäts­dienstes sowie zur Verwendung bei Massenspeisungen be­stimmt 'ist, wurde den Delegierten desVaterländischen Frauenver'eins" gelegentlich der kürzlich in Berlin statt- gefnndenen Hauptversammlung im Garten des Auguste- Viktoria-Krankerchauses in Weißensee vorgeführi. Die transportable Küche ist das Ergebnis eines Ausschreibens, das das preußische Kriegsministcrium erlassen hatte, um einem namentlich im russisch-japanischen Feldzug enchfun- denen Mangel abzuhelfen. Rach dreijährigen Versuchen wurde das Senking-Werk in Hildesheim mit dem Bau be­auftragt. Die Küche ruht auf einem vierrädrigen, von

zwei Pferden gezogenen Wagen, der 200 Liter Essen, sowie

50 Liter Kaffee enthält. Die Speisung der Truppe kann somit an jedem beliebigen Ort erfolgen. Die Kosten stellen sich für jeden Küchenwagen auf 4- bis 4500 M. Das Koch­bassin ist mit Slfüllung versehen, um das Anbrennen und im Winter das Einfrieren zu vermeiden. Der aus einem Stück in Nickel hergestellte Kessel ist gegen jede Oxydation geschützt. Die Speisen bleiben 36 Stunden warm und in bestem Zustand; bei der Vorführung gab es Erbsen und Pökelfleisch. Mit der Vorführung war eine Sanitätsübung der Kolonne Berlirr verbunden.

Das Korn blüht. Das warme Metier hat die Blüte des Kornes beschleunigt. Leider ist jedoch aus Mangel an Feuchtigkeit die Frucht sehr klein geblieben.

Heuernie. Teilweise beginnen die Landwirte schon mit der Heuernie. Dieselbe fällt in diesem Jahre sehr ge­ring aus; aus trockenen Wiesen verlohnt es sich gar nicht, zu mähen. Viele Landwirte beeilen sich mit der Heuernte, weil sie denken, daß bei einireiendem Regen dann wenig­stens der zweite Schnitt besser wird.

Warnung vor dem Genuß von Eis! Sehr oft kann man die Beobachtung machen, daß Kinder den Eiswagen nachlausen und ein Stückchen Eis zu erhaschen suchen. Kann der Genuß dieses natürlichen Eises an sich schon der Ge­sundheit schädlich sein, so ist dies jetzt bei der heißen Witte­rung noch um so mehr der Fall. In der Tai sind in letzter Zeit wieder mehrfach Erkrankungen vorgekommen, welche auf den Genuß solchen Eises zurückzuführen sind. Die Eltern und Lehrer werden deshalb gut tun, die Kinder da­vor zu warnen.

Einbrecher statteten in der Nacht vom Montag zum Dienstag den Kellern des Hauses Westendstraße 26 einen Besuch ab. Nachdem die Diebe sechs Gelasse teils mittels Nachschlüssel geöffnet, teils gewaltsam erbrochen hatten, wühlten sie alles durch und stahlen verschiedene Flaschen mit Kognak und Wein. In der gleichen Nacht wurden in dem Hause Westendstraße 3 eine Anzahl dem Konsumverein für Wiesbaden und Umgegend gehörige leere Kisten ge­stohlen.

Ein Waldbrand ist gestern nachmittag um 3 Uhr hin­ter derFischzucht" bei derRentmauer" ausgebrochen, der größere Ausdehnung annahm und zu dessen Löschung die Feuerwehr längere Zeit in Anspruch genommen war.

Konzerte. Heute Donnerstag, «den 10. Juni (Fron­leichnam), findet ab 6 Uhr abends ran Cafe Orient Unter den Eichen, Konzert, ausgeführt von Karl v. Blaues Künstler-Ensemble, statt, das jeden Dienstag unld Donners­tag, nachmittags a!b Uhr, daselbst konzertiert. Das Ensemble hat sich bereits so beliebt zu machen gewußt, daß die Konzerte stets stark besucht werden. Für Donnerstag hat Herr Kapellmeister v. Blanc wieder ein gewähltes Pro­gramm aufgestellt uNd ist ein Besuch in dem schön gelegenen Cafe Orient sehr zu empfehlen, zumal auch der Besitzer Herr Ferd. Schüler nur Gutes liefert.

Musikwoche imFriedrichshos". Herr Marahrens, der rührige Restaurateur desFriedrichshos", veranstaltet während der kommenden Woche täglich abends auserwählte Konzerte, ausgesührt von fremden und hiesigen Militär­kapellen. Das Programm sür die ganze Woche findet der Leser ausführlich im Inseratenteil. Hervorheben wollen wir besonders, daß am Freitag, den 11. Juni, abends, seitens der 80er Kapelle das neueZeppelin-Potpourri" zu Gehör ge­bracht wird. Am Dienstag, den 15. Juni, kommt das Schuli­sche Quartett zu Wort. Herr Marahrens setzt alles daran, seinen Gästen Amüsement zu bieten; das Restaurant erfreut sich fortgesetzt steigender Beliebtheit, davon zeugt der starke Besuch.

Reue Mausefalle. Herr Aug. Tresbach, Westend- straße 32 hier, hat eine Mausefalle konstruiert, deren Haupt­wert in einem selbsttätigen Verschluß des Laufganges be­steht, der es dem einmal gefangenen Tiere unmöglich macht, wieder zu entschlüpfen. Der Preis der neuen Falle stellt sich bedeutend billiger als der der bisher im Handel befindlichen Fallen.

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Israelitischer Gottesdienst. Israelitische Kultus- gemeinde. (Synagoge Michelsberg.) Gottesdienst in der Hauptsynagoge: Freitag: Jugendgottesdienst mit Predigt 7 Uhr. Sabbat: morgens 8.30 Uhr, nachmittags 3 Uhr, abends 9.35 Uhr. Wochentage: morgens 6.30 Uhr, nach­mittags 7.30 Uhr. Die Gemerndebibliothek ist geöffnet: Sonntag von 10 bis 10%' Uhr.

Alt-Israelitische Kn I t u sgemeinde. (Haupt­synagoge: Fricdrichstraße Lob Freitag: abends 7y 2 Uhr,

Sabbat: morgens 6% Uhr, Muffaph 944 Uhr, Jugendgottes­dienst 3% Uhr, nachmittags 4 Uhr, abends 9.35 Uhr. Wochen­tage: morgens Uhr, abends Uhr.

Theater. Kunst. Vorträge.

* Bolkstheatcr. Heute nachmittag gelangt dieWaise aus Lowood" zur Darstellung und abendsWie man's nimmt". Ganz besonderes Interesse gibt sich für Freitag kund für die hochintereßan-e KomödieTrilby". Herr Direktor Wikhelmy setzt das Stuck , selbst in Szene; die Hauptrollen sind besetzt mit Fraulein Lenard, sowie den Herren Neeb, Huppel, Römer, Heinrichs, Rhode und Direktor Wilhelmh. Das Lustspiel brachte anderwärts ausverkaufte Häuser und steht auch hier ein zahlreicher Besuch zu er­warten. Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Samstcig- nachmittaq findet eine Kindervorstellung statt und der Abend bringt eine Wiederholung vonWai;e aus _owoo.d".

Vereins-Nachrichten.

* Das TrompeterkorpsUrania" veranstaltet am Donne-swa -Nronkeichnamstag), nachmittags 4 Uhr, im

Waldhün sacken " ein groß es Sommerfest. Das gesamte Korps kwizertiert unter persönlicherLeitung seines Dirigenten Herrn E Leinze im Garten, »vahrend un reservierten Saale von 5 ab »eianzt wird. Für die Kinder gibt es Unter- haltun^alle^Art- m findet eine Fähnchen-Polonäse statt, bei der jedes Kind ein Fähnchen gratis erhalt, l * w» ;>« l h en e r Kar n ev al -Ges e lischest". Die Ge'stll cbast veranstaltet Sonntag, den 18. Juni, von nachrwttaas 3 Uhr ab, ein großes Volksfest, verbunden mit närrischem^Jahmnarkt, in sämtlichen Lokalitäten der Wen Mdolfsböbe" -Besitzer Joh. Pauly). Im Garten Konzertiert Äe Welle de? Wiesbadener Musikvereins m,t einem twer- ans ftirmnriifnrfi aowablten Programm. Nutzer ernem aMx- platz für jung und^ alt sirvdVolksüelustigungen undKrnderspmle aller Art mit großer Preisverteilung vorgesehen. Eine Hauptanziehungsfrast durste die Ausstellung fnt Handwerk und Gewerbe ufw. ausnben. Im Saale orotzes 2 -anzver- gnüqen mit humoristischen Aufführungen unter Mitwirkung sämtliche? Kräfte des Vereins., Eintritt fnr Saal und Garten zusammen nur 10 Pz. a Person, Kind er frei. Bei ungünstiger Witterung nur tm Saale.

* Der Bäckergehilfenverein Biebrich am A ü o t n" maäst am Sonntag, den 13. ^um, einen ^lu§ftug nach derFmÄrichshalle" Wiesbaden. W-inz-r Straße 116. Daselbst findet von 4 Uhr ab ber gut besetztem Orchester Tanz­belustigung statt.

Nus dem Landkrsis Wiesdadeu.

Biebrich, 8. Juni. Der Vorstand des Verschöne- rnngsvereins beschloß in seiner gestrigeit Versamm­lung, zu den Kosten des Altertumsmuseums in der Moosburg 100 M. beizutragen. Ferner wurde beschlossen, zu der von: Wiesbadener Verschönerungsverein angeregten Schaffung eines bequemen, schattigen Fußweges durch den Wald von Station Chausseehaus nach Georgenborn nach Möglichkeit beizutragen.

Biebrich, 9. Juni. Zu der Revolver-Affaire berichtet dieTagespost" noch: Die beiden Tater wurden heute ins Untersuchungsgefängnis nach Wiesbaden cinge- liefert. Da der Revolvetheld unter den unglaublichsten Aus­flüchten trotz des geradezu erdrückenden Beweismaterials die Tat fortgesetzt leugnet, so macht sich die Vernehmung eines großen Zeugenapparates nötig.

a. Erbenheim, 8. Juni. Wie unser Lokalblatt rnitteikt, wird der früher hier wohnhaft gewesene Soldat Ernst Grasmuck vom 87. Infanterie-Regiment seit letzten Sonntag vermißt. Da G. in der Trunkenheit sein Seitengewehr verlor, nimmt man an, daß ihn Furcht vor Strafe zum Durchbrenno- veranlaßt hat.

M-rssnnische Machrichterr.

Langenschwalbach, 8. Juni. Die Galerie Banger Wiesbaden wird auf Einladung der Königlichen Badsverwal» tung ab Anfang Juni eine K u n st a u s st e l l u n g in der ersten Etage des hiesigen Königlichen Moorbadehauses (Park­straße) eröffnen. Vorerst ist eine Ausstellung schottischer Kunstwerke vorgesehen, denen sich Gemälde erster deutscher Künstler anschließen werden. Neben Gemälden und plasti­schen Kunstwerken werden auch aparte kunstgewerbliche Ar­beiten in diesem neuen künstlerischen Unternehmen zu fin­den sein.

R. Langenschwalbach, 9. Juni. Für die im Lause des Monats Juli stattfindende Festwoche sind annähernd 6000 M. verfügbar. Wie wir hören, sind außer Golf- und Tennispreisspielen mehrere Militärkonzerte, eine Wagen­fahrt, Waldfest, italienische Nacht, Feuerwerk und ein Ball im Kursval geplant. Die Leitung hat Herr Landrat von Trotha übernommen und Herr Or. Stern wird ihm sekun­dieren. Man sieht, es ist jedem Geschmack Rechnung getragen unld der Berkshrsverein gibt sich ersichtlich Mühe, das Kur­leben in neue Bahnen zu leiten und unseren Gästen soviel Abwechselung wie möglich zu bieten. Der Zugang a n Fremden ist ein recht guter und haben wir das erste Tausend bereits überschritten, damit ein Mehr gegen das Vorjahr von annähernd SOO Personen. Die Anzahl der Moorbäder hat sich gegen voriges Jahr ebenfalls erhöht. Am Sonntag waren zwei Professoren aus Jena, I)r. Frey und Dr. Kionke, mit 24 Studenten der Medizin hier und musterten die hiesigen mustergültigen Anstalten für Moor­bäder. Die Herren sprachen sich sehr lobend aus und be­wunderten die schöne Lage unseres Kurortes. Der Ver- kehrsberein plant für die nächste Zeit eine Wagenfahrt nach Schlangenbad, eine solche nach Laufenselden und dem Römerkastell und ein Burgfest in der Ruine Hohenstein. ,

Aus der Umgebung.

_ 77 M?inz, 8. Juni. Das großzügige Projekt einer elektrischen Nb e r l a nd z e n t r a I e sür ganz Rhernhessen ist nunmehr gesichert, nachdem zwischen den, Kreisamtern Worms, Oppenheim, der Kultnrinfpektion Mainz und der Rheinischen Schuckert-Gesellschaft, sowie den Siemens-Echuckertwerken ein Vertrag abgeschlossen wurde, wonach insgesamt ca. 100 Ortschaften einen Verband zur Er­richtung eines Gruppenelektrizitätswerkes bilden. Die Zentrale kommt zwischen Osthofen und Rhein-Dürkheim.

88. Vraunfels, 8. Juni. Ein junges Mädchen von hier hat sich in selbstmövderifcher Wsicht mit Petroleum begossen und angezünidet. Die Verletzungen sind lebens­gefährlich.

Spsrt.

* Fußball. Am verflossenen Sonntag standen sich der Wiesbadener Fußballklub Phönix 1909 1. Wiesbadener Fußballklub Union 1906 1. im Retourspiel gegenüber.

Phönix Mannschaft spielte vor Halbzeit sehr überlegen, aber nach der Panse hatte ihre Verteidigung sich den anhaltenden Angriffen der Stürmer Unions zu erwehren. Resultat 4:1 (4:0). Am 1. Pfingsttage spielte Phönix 2. gegen Wies­badener Union 2. mit dem Resultat 5:2 für Phönix.

A Rudern aus dein Rhein. Ein Wiesbadener Ruderer erklärt in der Sonntagsnummer, die durchaus sachgemäßen Ausführungen des E.,,H.-Ernsenders in Nr. 256 desWies­badener Tagblatts" über den Rheinschiffahrtsverkehr nicht glauben und die Rheinschiffahrts-Polizeiverordnung einseitig nicht befolgen zu können. Das sind allerdings so schlagende Avgmnente des Mangels an Einsicht, ans einem ge­schehenen Unglück eine Lehre ziehen zu können, daß sich weitere Worte dazu erübrigen. Sodann teilt der Wies­badener Ruderer einige Vorschriften mit, die von seiten de:: Rudervereine zur Ausschließung von Unglücksfällen erlasseic sind. Danach soll eine ins Wasser gefallene Mannschaft unter allen Umständen bei ihrem Boot bleiben.. Ganz unlogisch ist dann doch auch das Verlangen, daß der längst vorbeigeftrhrene Dampfer Rettungsringe auswersen sollte, denn solche fallen niemand von seM unter die Arme. Näher liegt dagegen die Frage, warum die verunglückten Ruderer leibst keine Rottunosgeräte im Boot hatten? Zu Rettungsringen ist in einem schmalen, niedrigen Sportruderboot zwar kein Platz. Aber ein Kork- oder Kapockkissen auf dem Stcuersitz tut die­selben Dienste und eins bis zwei ioeitere sind in jedem mehr­sitzigen Boot außerdem noch zu verstauen. Bei jeder größeren Tour aus dem Rhein, zu der ohnedies die allermeisten Sport­ruderboote infolge ihrer ungenügenden Stabilität und ge. ringen Freiborbhöhe untauglich sind, sollten solche zur Boots» ausrüstung gehören. Bei den Ruderern ist so etwas jedoch nicht Mode und ob beieinigen" Vereinen eine solche Vor­schrift oesteht, darüber schweigt sich unser Propaganda machender Ruderer aus. Wenn man aber von Drttten^ ver­langt, daß sie zu unserer eigenen Rettung einen umsang- reichen Rettungsapparat in Tätigkeit setzen sollen, so darf man,gerechterweise ihnen nicht fluchen, wenn dieser un­glücklicherweise versagt und man selbst leichtsinnigerweise oder in Unkenntnis der Gefahr, in die man sich begibt, unter­lassen hat, aus eigene leichtmöaliche Rettung bedacht zu sein. Ganz oberflächlich deutet der Ruderer des weiteren noch an, daßdie Ruderboote derartig eingerichtet und (durch Luft­kasten usw.), daß das vollgei'chlagene Boot noch dre ganze Mannschaft trägt". Worin diese usw. Einrichtung bostsht, Nt nicht gesagt. Tatsächlich aber wird alißer den Lustkasten eine weitere Sicherheitsmaßrcgcl beim Bau von ^portruder- booten zu übungs- und Rennzwecken nichr gvtrofien. Auch der Schutz der Lustkasten ist in sehr vielen g-allen nur ein eingebildeter, denn allerme:stens bfftehen sie nur in erner Abschottung der be!d->n Enden de» Bootes, das mit dünnem Schirtinqstoff überspannt ist, der durch -sirnisanstrich Wasser, dicht gemacht ist. Bei zunehmendem Alter wird dieser uD-r. zug brüchig wie Glas, hält bei vollge;chlagenem Boot den vermehrten Druck häufig nickst mebr aus und ein Nadelstich genügt schon, um den ganzen Kafteil undicht zu machen. Daß solch gebrechliches Material noiolut untauglich ist, bei der großen Ausdehnung der Gewaßer des Rheins, die durch den großen Dampferverkehr stark bewegt werden, zu ausgedehnten Touren zu dienen und «am ausreichende, Sicherheit zu bieten, darüber täuscht auch das glücklicherweise nur seltene Eintreten eines Unglücksfalles hinweg. Tritt aber em solcher ein, so sind meistens, wie es auch kürzlich als seMtverständ- lich angenommen wurde, dritte die Retter. Zu den Unfall­verhütungsmaßnahmen der Vereine sollte deshalb das Verbot .für ihre Mitglieder gehören. Renn- .und ÜbunaSboote zu

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