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Nr. 253.

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FllkSeisAillKkikL m der Drridmd.

Just in demselben Augenblick, wo sich die Vertreter der Reichshauptstadt anschickten. Len Boden der gast­lichen Metropole an der Themse nach einer Woche voll Gastereien und herrlichster Friedensreden zu verlassen, hatte der ebenso kühl alle Umstände in Erwägung ziehende wie wagemutige Erfinder des starren Systems, derGraf der Lüfte" seine unvergleichliche Dauer- und Fernfahrt angetreten. Mag aitd)Zeppelin II" nicht in Berlin zur Enttäuschung aller Spreeathener - gelandet sein, mag auch dieserErsatz Echterdingen" eine kleine Havarie erlitten haben, das Ausland mutz mit Bewunderung, in die sich wohl ein gut Teil Neid mischt, anerkennen, daß Deutschland mit der Entwickelung der Lustkreuzer alle übrigen Nationen geschlagen habe.

Wird nun die lächerliche Gespensterfurcht oob deutschen Luftschiffen bei unseren Vettern jenseits des Kanals wieder erstehen? Man scheint ja in Lon­don vielleicht haben die Reden der Berliner Stadt- Väter doch ein wenig gewirkt, und der gesunde Menschenverstand ist wieder zu Worte gekommen ein bißchen ruhiger geworden zu sein, Euch einer oer gel­ben Großindustriellen der öffentlichen Meinung in England, Lord Northcliffe, der Herausgeber, oer Lon­donerDaily Mail" und Mitbesitzer der^imes , der während der letzten Tage in Berlin.weilte und sichi ctn wenig in deminvasionslüsternen' Deutschland umyehi, hat seinenMail"-Leuten nach London, zugewintt sich etwas weniger nervös über Deutschland zu äußern, und sich bemüht, durch einige Freundlichreiten wr Deutschland etwas Öl ins Feuer zu gießen. Man ya.

F§zM§t?m.

(Nachdruck verboten.)

Stimmen mn drüben.

Von Ernst Frhrn. v. Wolzogen.

Es gibt ein Gebiet, auf dem unsere deutsche Wissen- aft noch weit zurück ist: es ist das weite Gebiet des söge- unten Okkultismus. Das Wort schon weist darauf hm, « liier dunkles, unbekanntes Land vor uns liege. Ave. -n darum sollte echte Wissenschaft sich ein Gewissen dar- s machen, mit Achselzucken sich an diesem Unbekannten rbeizudrücken, denn wenn nur ein einziges von den ve- upteten Püänomenen der Okkultisten, Spiritisten und wre sich sonst'nennen mögen, unbestreitbare Tatsache ist, ,o damit auch für die Wissenschaft die Pflicht gegeben, sich t diesen Dingen ernsthaft zu beschäftigen. Ich gebe gern daß ich selbst für das Treiben der Spiritisten nie viel rig gehabt habe, und daß ich, zumal seitdem ich einst em trügerisches Medium mit entlarven half, mich weder für egende Spieldosen noch Gerstersußtritte noch Gespenster otoaraphien noch für Orakelweisheit mediumaler Strick- umpftanten irgendwie begeistern konnte. Aber rch habe i die schreibende Planchette in Bewegung setzen geholfen d mich überzeugt, daß wenigstens zur Herbeiführung -ses mechanischen Vorganges keinerlei Betrug, keinerlei wußte Nachhilfe nötig sei. Und seit ich in meiner Frau t ungewöhnlich leistungsfähiges Schreibmedium besitze, b» ich reichlich Gelegenheit gehabt, mich mit der selftamcn Ichemung ernsthaft zu beschäftigen und die äußeren Be- agungen so zu gestalten, daß jede Selbsttäuschung absolut ^geschloffen ist.

Wir pflegen folgendermaßen zu verfahren: Auf einen oßen Bogen Papier schreiben wir die Buchstaben des hhabets im Kreise und innerhalb dieses KreiseS die Worte x, Nein und die Zahlen 1 bis 9 und 0 auf. Dann nehmen tt ein möglichst leichtes Glas- ober PorZeüanteiren^ea lntertaffe) und bringen an dessen Rande einen Tintenstrich s Warkiemna an. Das Papier mit dem Alphabet wird

Wiesbaden, Donnerstag, 3. Juni 19«®.

auch jenseits des Kanals durchblicken lassen, daß Frankreich als der allernächste Seenachbar Groß­britanniens und die größte europäische Kolonialmacht neben der britischen, trotz aller derzeitigen Freundschaft und Bundesgenossenschaft eines Tages der unbe­quemste Gegner des britischen Reiches werden und dessen Küsten schlimmer und erfolgreicher bedrohen kann als je Deutschland. Diese versteckte Andeutung des eng­lischen Ministerpräsidenten Asquith namentlich ange­sichts der beabsichtigten Dreadnoughtbauten der franzö­sischen Republik sollte vielleicht den kühler denken- den Teil seiner Landsleute darauf Hinweisen, wie töricht es ist, sich mit Deutschland dauernd zu entfrem­den. Möglicherweise hängen die Betrachtungen, die ein Teil der englischen Presse an die jüngst beim Ban­kett der britischen Handelskammer in Paris gehalte­ne Rede des Barons d'Estournelles de Constant knüpft, mit dieser versteckten Mahnung zusammen. Der sriedenseifrige Baron empfahl eine Entente cordiale zwischen England und Frankreich ans der einen und Deutschland auf der anderen Seite seinen Landsleuten als die Krönung der Bürgschaften für den europäischen Frieden.Daily Graphic" findet nichts Überraschendes in diesem Vorschlag und er fährt fort: Die Generation der Franzosen, die 1870 focht, ist fast erloschen. Die heute noch bestehende Entfremdung ist nur noch eine leere Huldigung an die Geschichte und entschieden nicht wert, um den Preis inter- nationaler Instabilität und übertriebener Rüstungen aufrechterhalten zu werden. Dieses Gefühl wächst täg­lich in Frankreich, und die Rede des Barons d'Estournelles zeigt, daß man nicht mehr sehr weit von der Grenzlinie praktischer Politik entfernt ist. Wir empfehlen diese Tatsache der Erwägung unserer Deut­schenfresser, die so töricht mit der Annahme der Un­möglichkeit einer französisch-deutschen Aussöhnung spekulieren."

Indessen mehr als utopistische Friedenssehn­sucht, mehr als die Besorgnis vor den immer größer werdenden Lasten der K r i e g s r ü st u n g e n mag in London und Paris die Überzeugung, daß der Dreibund gefesteter denn je sei, das Verlangen nach einer friedlichen Verständigung und Annäherung hervorgerufen haben. Noch vor wenigen Tagen wollte man wissen, daß zwischen Ost erreich und I t a l i e n eine ernste Entfremdung eingetreten sei. Für gewisse Leute man kennt sie in Berlin ebenso gut wie in Wien und Rom war es kein erfreuliches Bild, als in diesem Jahre der fchon fo oft krankgesagte und als brüchig verschrieene Dreibund fo fest und vornehm ge­bietend sich bewährte: wie ein Mißklang tönte es in ihre Ohren, als jüngst in Wien die Reden der beiden Kaiser es aller Welt verkündeten, daß in ihrer Ver­einigung nach wie vor auch das apenninifche König­reich mitzählt. Für die Gegner dieser Freundschaft ist

57. Jahrgang.

seit jeher' das F l a u m a ch e n eine Übung ihrer Tak­tik und so tauchte kurz nach den Wiener Kaisertagen das Gerücht auf, Österreich-Ungarn habe die Beteili­gung an den 1911 zu Turin und Rom stattfindenden Ausstellungen rundweg abgelehnt. Diese Ausstellun­gen haben einen besonderen Charakter; sie werden zur Feier der vor vierzig Jahren erfolgten Bildung des italienischen Einheitsstaates veranstaltet und sollen ein Bild der schönen italienischen Kultur- und Kunst­entwicklung in diesen vier Jahrzehnten geben. Würdq heute ein Österreicher die Teilnahme an einer nieder- ländischen Jubelfeier ablehnen, weil habsburgische Generale gegen jenes Volk zu Felde zogen? Aber: jenes Gerücht war nur ein Gerücht und noch dazu ern böswillig erfundenes. Als man es aufflattern ließ, da war von Italien aus weder Programm noch Ein­ladung zu den Ausstellungen ergangen. Nur ganz un­verbindliche Vorbesprechungen waren bereits vor Jahresfrist erfolgt und da hatte man in Wien und Budapest auf eine gewisse Ausstellungsmüdrgkeit hm- gewiesen. Doch wo herrscht diese nicht? Bald nach Empfang der offiziellen Einladung haben sich die aus- wartigen Minister Österreichs und Ungarns beeilt, zft versichern, daß sie nach Kräften eine Beschickung , der Ausstellungen befürworten werden. Und bei der tiber- wiegenden Mehrheit der Bevölkerung der habsburgi-. scheu Monarchie werden sie verständnisvolles Entgegen­kommen finden. i

So ist die neueste Intrige gegen den Dreibund ver- eitelt, bevor sie sich recht entfalten konnte. Sie wird aber vielleicht das Gegenteil von dem bewirken, was sie eigentlich sollte, anstatt einer Entfremdung Österreichs und Italiens wird sie deren weitere An­näherung durch friedlichen Wettstreit auf aeMoem und wirtschaftlichem Gebiets herbeiführen.

SgMlpslilrsche Umschau.

Anfang Juni.

Der Reichstag ist in die sehr ausgedehnten Pfingst- ferien gegangen, aber die unerledigte Reichsfinanz­reform beschäftigt weiter die öffentliche Erörterung. Der ganze Jammer unserer Partei- und In­te re s s e n p o l i t i k gelangt in dieser Finanzreform zum Ausdruck. Was eigentlich werden soll, weiß nach monatelangen Beratungen auch heute noch kein Mensch. Manche Politiker fürchten oder hoffen, daß Fürst v. Bülow als letztes Mittel den Reichstag auflosen wrrd. und wir wissen, daß einzelne Parteileitungen an^ tote Organisationen im Reich den Rat erteilt haben, sich auf Neuwahlen vorzubereiten.

Die langen Verhandlungen über die _ Reichssteuer- pläne haben andere gesetzgeberische Arbeiten stark in den Hintergrund gedrängt. Auch die Um g e st a l -

auf einer glatten Tischplatte ausgebreitet und am besten mit Reißzwecken darauf befestigt. Dann wird das Tcllerchen durch Anhauchen etwas erwärmt und umgestülpt auf das Papier gelegt. Das Medium und eine beliebige andere Perfon, die Fragen zu Men beabsichtigt, legen ganz leicht die Fingerspitzen je einer Hand darauf und warten in Ge­mütsruhe das weitere ab. Sind die Herrschaften von da drüben gut aufgelegt, so dauert es nicht lange, und das Tellerchen beginnt sich erst träge, dann immer eifriger hin und her, gradlinig oder im Bogen zu bewegen, und der schwarze Strich macht bei den Buchstaben, die er bezeichnen will, einen Moment Salt. Natürlich darf man die Äußerun­gen dieser fremden Kraft nicht durch Entgegenstemmen hin­dern; also nicht etwa das ganze Gewicht des Armes aus seine Finaerspitzen wirken lassen, sondern man muß die Finger nur ganz lose auslegen und -§n »rm möglichst leicht im Handgelenk spielen lassen. Es schadet auch nicht, wenn man den Ellbogen zuweilen ausstutzt, um sich em wcmg auszuruhen, denn der Arm ermüdet leicht, wenn man ihn längere Zeit in der Schwebe zu halten gezwungen ist. Wollte man versuchen, die Markierung des Tellerchens auf oewissc Buchstaben nach eigenem Willen Zu len.en, fo wi.o die Lende Kraft stark ist. de« den » stand spüren und der bucystamereude Zeller wird seinen Unwillen durch Hin- und Herfahren zu erkennen geben und alsbald seine Tätigkeit gekrankt einstellen.

Irgendwelche mysteriöse Jnszenesetzung dmcch Ver­dunkelung, Schweigen der Zuschauer und dergleichen sit zum Gelingen des Versuches durcyaus nicht nötig. ch -- Tagesstunde dürfte daram wenig Einfluß haben^ Einzig eine gewisse Sammlung, eme ruhige Gemutsstimmung der Aussührendcn sind von Wichtigkeit. Und dies ist wohl der Grund, weshalb in den Abend- und Nachtstunden und be­sonders in Abwesenheit schwatzender Zuschauer vte Re­sultate am besten zu sein Pflegen. Der »buche aufgeklärte Zweifler mit dem wissenschaftlichen Anhauch Pflegt mit d-.r Erklärung bei der Hand zu sein, daß das Unteroewußuern des Mediums dieses Zusaunnenstellen von Buchstaben zu mehr oder minder sinnreichen Sätzen, dieses vernünftige Beantworten laut gestellter Fragen bewerkstellige,

Meine Frau pflegt in Gegenwart Fremder sich vor Be­ginn des Experiments die Augen fest verbinden und dis Fragen, die getan werden sollen, nicht sagen zu lassen. Es genügt vollkommen, wenn der Fragende seine Finger mit aus d»n ^ell-r hält. Mediumale Eigenschaften braucht er nicht zu haben. Er braucht auch keinem anderen Menschen teine beabsichtigten Fragen zu verraten. Er mutz nur selbst seine Gedanken darauf konzentrieren, dann buchstabiert ihm der Teller eine Antwort zusammen, von der meine Frau selbstverständlich nicht die geringste Ahnung haben kann. So hat zum Beispiel Var kurzem ein berühmter Maler in Berlin mit ihr experimentiert und dabei die Frage gestellt, aus welchen Gründen einer seiner Freunde sich Wohl seinerzeit das Leben genommen habe. Der Teller schrieb den Namen eines ehemaligen Ministers und die Stadt Halle an der Saale, und es stellte sich heraus, daß aus Veranlassung jenes Ministers der betreffende Herr nach Halle gefahren war, und daß durch die Erlebnisse dort tatsächlich die große Erschütterung hervorgerufen wurde, die ihn zum «Selbstmord trieb. Meine Frau wußte weder von jenem Minister noch von dem Selbstmörder irgend etwas Besonderes. Sie hatte nur von mir gelegentlich einmal den Namen gehört. Wo bleibt da da? Unterbcwußtsein des Mediums? Nein, das ist eine ganz leere Redensart. Es kann vielmehr nicht der geringste Zweifel bestehen, daß eine außerhalb der Erpen- mentierenden vorhandene Intelligenz imstande sein muß, bewußt auf die Muskeln der Experimentierenden mit einer Kraft zu wirken, die das Tellerchen oder was man sonst für ein Instrument verwenden mag, in der Richtung schiebt, die jene Intelligenz ihm anwcist.

Unsere Versuche scheinen mn: als weitere Tatsache fest- zustellen, daß jene Intelligenz durchaus nach menschlichen Maßen zugeschnitten sein muß, und endlich, daß die geistigen Qualitäten des Mediums bestimmend sind für die Qualität der durch dieses herbeigezogenen außerirdischen Intelligenz. Ich habe hier das Wort außerirdisch hingeschrieben, aber nur, weil ich kein sichereres weiß, und ich niuß jedermann gestatten, ein großes Fragezeichen dahinter zu machen. Dis Spirits (wir wollen den beliebten Ausdruck der Spiritisten der Bequemlichkeit halber adoptieren) behaupten allerdings