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Nr. 25©.
Kbend -Ausgabe.
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Der K«Ws» öle Reltzs-isizresn».
Die „Norddeutsche Allgemeine" zur Lage.
Die „Nordd. Allg. Zig." bringt in ihrer Wocheuruud- schau eine eingehende Erörterung der durch die heute abgeschlossenen Arbeiten der Finanzkommission des Reichstags geschaffenen Lage, bedauert, daß sich, die Rationallibera- lcn, Freisinnigen und Sozialdemokraten veranlaßt sahen, den letzten wichtigen Verhandlungen der Kommission fern zubleiben, und sagt: im Interesse unseres gesamten politischen Lebens sei es dringend zu wünschen, daß das entstandene Zerwürfnis zwischen den Parteien, die grundsätzlich zur Durchsetzung der Reform mitzuwirkcn bereit sind, üeigelcgt werde, bevor die Verhandlungen im Plenum beginnen. Alsdann geht sie auf das finanzielle Erträgnis der gefaßten Beschlüsse für die Reichskasse ein, schreibt u. a.: Seitens der Verbündeten Regierungen ist von vornherein mit größtem Nachdruck betont worden, daß die Finanzreform 500 Millionen tatsächlicher Mehreinnahmen bringen müsse. Das Deutsche Reich hat schon eine Reihe von Finanzaktionen erlebt, die eine Finanzreform um deswillen nicht wurden, weil die Einnahmen schließlich nicht in Wirklichkeit, sondern nur auf dem Papier bewilligt wurden. Es muß ängstlich Sorge getragen werden, daß es nicht wieder zu solchem Ausgang des Reformwerk e s kommt. Betrachtet man die Erträge rm einzelnen, so ist es bedauerlich, daß aus den drer g r o ß e n Steuerobjekten : B i e r, B r a n n t w e i n und Taba t ,,6 et weitem nicht die Summen gewonnen sind, die von den Verbündeten Regierungen unter Beifall weiter Volks, chrchten angesordert wurden. Hinsichtlich der übrigen indirekten Steuern, so heißt es weiter, habe sich das Bild in de^ zweiten Lesung gegenüber den Beschlüssen der erste» Lesung wesentlich verschoben. Gegen den Ausfall der Wem- und Jnseratensteuer sei auf Initiative der Kommission
Feuilleton.
Mssbaösner Naturtheater.
„Die Maiöraut."
gin Weihespiel in 3 Handlungen von Ernst v. W o l z o g e n.
Musik von Artur R o t h e r.
Zeit: Ende des 7. Jahrhunderts, da jenseits des Rheins das Christentum schon zur Herrschaft gelangte, die Germanen diesseits des Rheines aber noch treu dem sinnigen und tiefen Raturkultus und dem Götterglauben ihrer Väter anhingen. — Ort: Romantische Felsgegmd rm
Taunusgebirac. — Szene: Eine gewaltige, baumumkranzre Felsenwand, an der eine in den Stein gehauene Treppe zum Wälde emporführt. Links vom Zuschauer eine scyrls- aedeckte, aus Tamienruudholz erbaute Tempelbutie mir einer offenen Vorhalle, davor Steintisch und Dank, rn de: Mitte der mir einzelnen Bäumen und von Haidekrant bewachsenen Szene ein steinerner Opferaltar. Ein Maientag, der Tag des Frühlingsfestes, an dem in poetischer Handlung die Vermählung des Gottes Freyer, dargestellt vom besten Und schönsten jugendlichen Helden des Stammes, mit der Göttin Gerda oder Holda, verkörpert durch die keusche, all- verehrte Hagadise, eine Priesterin, vor allem Volke stattfinden soll. Das Symbolische der weihevollen Handlung setzt sich nach altem Brauche insofern in Wahrheit um, als die Vereinigung des Stammeshelden mit der Priesterin für kurze Zeit tatsächlich geschieht, wonach dann das dieser Verbindung der beiden schönsten und gefeiertesten jungen Menschen, dieser idealen „Zuchtwahl" entsprießende Kind zeitlebens als Göttersprößling verehrt wird.
Der Taa dieses großen Weihefestes erwacht. In der Ferne aus dem Wälde ein Jägerchor. Aus der Tempelbütte-treten Wolfbrand, ein junger, zur Darstellung des
Wiesbaden, Dienstag, L. Jnni LVSS«
eine Erhöhung des Kaffee- und Teezolls eingesührt. Während diese Vorschläge der Kommission im Bereiche des Möglichen lägen, seien daneben noch zwei andere Projekte, M ü h l e n u m s a tz st e u e r rmd K o h l e n a u s - fuhr zoll, vorgeschlagen und angenommen worden, die jedenfalls in dieser Form nicht Gesetz werden könnten. Sie gehörten nicht ins Finanzgesetz, sondern seien ganz überwiegend wirtschaftspolitische Maßnahmen. Lasse man diese beiden Vorschläge aus der Ertragsberechnung aus, so ergebe sich für die indirekten Steuern, aus denen die Verbündeten Regierungen 380 Millionen hätten ziehen wollen, nur 320 Millionen Mark. Während so aus Gebiete der indirekten Steuern eine immerhin brauchbare Grundlage für die Durchsetzung der Finanzreform geschaffen sei, sei aus dem Gebiet der Besitzsteuern
solches Ergebnis nicht zu verzeichnen. Gegen die von der Kommission bestätigten Beschlüsse auf Einführung der sogenannten K o t i e r u n g s st e u e r, sowie der Reichs- Umsatzsteuer von Grundstücken und der Reichswertzuwachs- steuer beständen so starke Bedenken, daß es nicht anzunehmen sei, sie werden Gesetz werden. Die Verbündeten Regierungen seien in Verfolg ihres Programms der Finanzreform nach wie vor der Meinung, daß die Besteuerung der Erbschaften die geeignetste Besitzabgabe sei, die für das Reich in Frage komme. Zu der in einem Teil der Presse über
die Haltung des Reichskanzlers in diesen Fragen geäußerten Anschauungen sagt die „Nordd. Mg. Ztg.", diese seien gänzlich unbegründet, und fährt dann fort: Der Reichskanzler war in den letzten Wochen fortgesetzt mit den Verhandlungen über die Finanzreform beschäftigt. Er ließ nichts Anversucht, um eine Einigung zwischen der Rechten und Linken herbeizusühren. Auch die Vorgänge in der Kommission, die er aufs lebhafteste bedauert, können ihn keineswegs zu einer Änderung seiner ganzen bisherigen Haltung bewegen. Der Reichskanzler wird, wie wir hören, die nächste Gelegenheit im Reichstag benutzen, um seine Stellung vor dem Lande klarz ulegen. Alsdann rekapituliert die „Nordd. Allg. Ztg." ausführlich die parla-, mentarische Arbeit des Herrenhauses und des Abgeordnetenhauses.
=3:
Der Antrag Richthofen und der Bodenkredit.
Man schreibt uns: Ob die Urheber dieses von einer konservativ-klerikalen Mehrheit der Finanzkommission des Reichstags befürworteten Antrags sich, wie über so vieles, auch darüber im unklaren gewesen sind, was für eine Verteuerung des B o d e n k r e d i t s ein diesem Antrag entsprechendes Gesetz zur Folge haben müßte? Für 4Prozentige Pfandbriefe, Kommunalobligationcn und Kleinbahnobligationen würde bei einem derzeitigen Kursstand von 100 Prozent der Zinsertrag dann nur noch 3,90 Prozent, ihr Kurs also — um 3 Prozent niedriger — nur noch 97 Prozent betragen. Allein der Obligationenumlau? unserer Hypothekenbanken, welcher am 31. Dezember 1908 9627 Millionen Mark betrug, würde hiernach mit einer Jahres st euer von 9 627 000 M. gebüßt werden. Es
Freyer bestimmter Edeling, und Jngigerd, die schöne Hagt- dise, hervor. Ihre Herzen haben sich längst in Liebe gefunden; die jungen feurigen Menschen haben sich einander hingegeben, che ihnen die religiöse Sitte, ehe ihnen daS Weihespiel des Tages die Bereinigung zur seligsten Pflicht gemacht hätte. Sie sind nun im Sinne der Volksanschauung in schwere Sündenschuld verfallen. Wolfbrand sucht die Zagende Geliebte zu beruhigen und entfernt sich dann, bamit sein nächtlicher Aufenthalt bei der Priesterin nicht entdeckt werde, über die Felsent'reppe in den Wald. Aber Haidrun, eine junge Frenn die ein verstiegenes Ziegenlämmchen gesucht hat, und die ihn heimlich liebt, begegnet ihm. Me Eifersüchtige ist empört, daß er ihr Nicht, wre früher wohl,
tückischen, einst aus Wolsbran _
ling Ribbald erfährt, daß er fett Tagen feem Feinde nach,p-re und dessen Liebesfrevel mit der Miestenn entdeckt habe. Die wilde haidrun verspricht sich ihm, der sie s-lt langem vergeblich begehrt, wenn er heute bei dem Fege o fenü-ck) das schwere Vergehen des Paares vor allem Volke kund
ist denn in dieser bedeutungsvollen und spannkräf-- tigen Einleitung der Grund zu einer starken H-and.ung ge- leat. Sie wird umrankt von sinnigen Nebenvorgangen, wie die Vorbereitungen zur Feier durch geschmückte Kmoci- scharen und die Helferinnen der Priesterin, ore Hellrgtums- maiden, sowie durch festliche Chöre. Auch taucht aus stmzem Rosse, begleitet von semem auf einem Eselem reitenden Schildknappen Swemmerling, ein fremder Ritter, Ortmt, auf, der sich als Sohn des Rauarafen Jvar. als Bruoer oer Priesterin erweist. Vor vielen Jahren ist er als Herzog der überzähligen Jungmannschaft des Stammes ins Frau.en- land gezogen, hat sich ruhmvoll ein neues Dasein geschaffen und eine Familie begründet. Doch, als er heimgekehrt aus Streit und Sieg, da sind sein geliebtes Weib und seine
57, Jahrgang.
liegt auf der Hand, daß hieraus eine erhebliche Verteuerung des Bodenkredits und dementsprechend der Wohnungen sich ergeben würde.
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Konferenzen beim Reichskanzler.
Wie verlautet, hatte Fürst Bülow am Samstagvormittag vertrauliche Besprechungen mit seinen Räten. Zu ihnen fei auch Geheimrat H a m m a n n zugezogen worden, der bekanntlich zurzeit die Geschäfte abgegeben hat. Mau vermutet, daß die Konferenzen sich auf die vielen Vorgänge in der Finanzkommission bezogen haben.
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Die SamStagnachmittagsitzung de? Rumps-Kommission.
In der Nachmittagssitzung der Finanzkommission wurde — wieder ohne Teilnahme der Abgeordneten der Linken — zunächst das vom Vormittag, wie schon drahtlich gemeldet, in zweiter Lesung erledigte Finanzgesetz zur dritten Lesung gestellt und gemäß den Beschlüssen zweiter Lesung angenommen. Sodann standen
die Besitzstcuerantröge der Konservativen zur Verhandlung, der Antrag Richthofen, betreffend die K o t i e r un g s st e u e r, die Umsatz- und Wertzuwachs- fieuer apf Immobilien. Zunächst die Kotierungssteuer. Hierzu nahm zu Beginn der Beratung der Schatzsekretär Sydow das Wort. Dieser Antrag bedeute eine partielle Vermögenssteuer. Sie sei ungerecht, weil sie auch das mit Schulden behaftete Vermögen treffe. Es handle sich um einen nicht geringen Zuschlag zu den Landessteuern. Die Bedenken würden durch einen Antrag, den Müller- Fulda (Zentr.) emgebracht hat, und wonach bei Wertpapieren, die für ein Steuerjahr keine Zinsen oder Dividenden gezahlt HKen, der Stempel für das unmittelbar folgende StGerjahr nicht Erhoben wird, nicht beseitigt. Der Norddeutsche Lloyd würde neben einem kolossalen Verlust in diesem Jahre noch 330 009 M. Steuer zahlen müssen. Das ausländische Kapital würde von unseren Börsen verdrängt werden. Es würde
ein großer Schaden für die deutsche Landwirtschaft entstehen. Die Pfandb riefin st itute würden die Belastung von sich abschieben und die Bautätigkeit würde erschwert werden. In Frankreich habe sich die Kotierungs- steuer schlecht bewährt. Mit dem Ausbau der Einkommensteuer soll sie in Frankreich ganz aufgehoben werden. Wenn wir die Börse störten, würden wir die Volkswirtschaft schwer schädigen, insbesondere die G e l d b e s o r g un g im Kriegsfall unterbinden. Der Schatzsekretär schloß seine Ausführungen mit der Erklärung: Ich bin der Überzeugung, daß die Verbündeten Regierungen dem Vorschlag nicht zustimmen können.
Ein Vertreter des preußischen Handelsministeriums fügte diesen Erklärungen hinzu: Alle Schaden, die der Börse durch das Gesetz von 1896 zugefügt worden sind, wären nur
ein Kinderspiel gegen das, was wir der Börse zusügen würden, wenn dieser Antrag Gesetz würde.
Abg. Gras Westarp (kons.): Für die Ausdehnung der Erbschastssteuer wird im Reichstag keine Mehr-
Kinder zum Christentum beredet worden. Ehe die Gattin den Heimkehrenden küßt, soll er das Kruzifix küffen, und die eigenen Kinder verspotten ihn als Heiden. Da erschlägt er, der dein Väterglauben Treue gelobt, den Pfaffen, der ihm diesen schändlichen Zwist während seines Fernseins listig ins Haus und Eheglück gebracht, und mußte nun als Gebannter die Laude durchirren, bis er den Weg in die Heimat fand. Ortnits Erzählung atmet germanische Treue au Scholle und Väterglauben und heldenhaften Zorn gegen das unsriedliche Christentum, das den Treuen selber friedlos gemacht hat. Wuchtige Worte findet er gegen die unduldsamen Verkündiger des neuen Glaubens, und wie Schwerterhiebc klingt es, wenn er seine Erzählung anhebt:
„Roms schwarze Raben flattern rheinhinab,
Und wo sie nisten, bebt Vernichtung an." ....
Und;
..Erkenntnisfrohen Geistes freier Mut.
Der edlen Schönheit heit'rer Siegeslauf,
Der starken Kraft selbstsich'rer Eisenschritr Heißt ihnen Sünde. . . ...
Ein Siechentrost nur ist ihr Paradies,
Ein Krüppelheim des Leibes und der Seelen."
Nach so dramatischer Exposition nimmt die Handlung in energischem Fortschreiten einen packenden, spannenden Verlauf. Als beim Feste, nachdem Wolfbrand und Jngigerd auf dem vom Goldeber Gullinbursti gezogenen Wagen als Gott und Göttin ihren Einzug gehalten, am Altäre durch den Raugrafen, den Vater der Hagadise, symbolisch zusammengegeben werden sollen,. tritt, von der eifersüchtigen Haidrun weiter gehetzt, der Heimtücker Ribbald aus und beschuldigt, wohl die stärkste dramatische Szene des Stückes, das Paar sträflicher Beziehung und somit der Unwürdigkerr, Eltern eines künftigen jungen Helden oder einer Priesterin zu werden. Weinend sinkt die Schuldige zusammen. Da aber zeiht der angcklagte Edeling den Ankläger der Lüge.
