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Nr. 245.

Wiesbaden, Freitag, 28. Mai ISvS.

57. Jahrgang.

Morgen - Ausgabe.

_ 1. Wlatt.

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Wiesbadener Tasblalt"

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im N«rlasTagblatt!,aus" Lanssasiv A?« iu den Zweigstellen dee Ztadt, in den Ausgabestellen der Ktadt und Nachbarorte, Md bei sämtlichen deutschen Keichspostanstattrn.

Was foll fuftlipan Jepelm G. m. v. % mit Dem oom DeutfUjeit Kolke aufgebrachten CBelDc machen?

Aus Konstanz erhalten mehrere norddeutsche Blätter folgende beachtenswerte Zuschrift:

Die Frage mag sehr überflüssig klingen, da die Antwort darauf doch lauten müßte: Luftschiffe bauen für das Deutsche Reich, Das war der Gedanke des Volkes, als es sich nach der Katastrophe bei Echterdingen spontan zu der Millionenfpende aufraffte. Und wie hat die Millionenfpende dem Auslande imponiert! Das Volk wußte den Wert der Zeppelin-Luftschiffe zu schätzen und das Ausland sah dem großen Beginnen mit neidischen Augen zu. Damals wurde das Wort ge­prägt: Unsere Zukunft liegt in der Lust! Gras Zeppelin hat von der 6-Millionen-Spende keinen Pfennig in seine Privatschalulle wandern lassen und bezieht auch bis heute aus der Spende keinen Pfennig! die Millionen sind so angelegt, daß das ganze deutsche Volk Eigentümer der ganzen Luftschiffbau-Firma an- Bodensee ist und der Graf nur Verwalter. Das soll einmal an dieser Stelle ganz besonders herdorgehoüen werden. Nach Fertigstellung der Hallen und des Fabrikgebäudes kann die Fabrikation der Lnftkrenzer beginnen: etwa 8 nioderne Luftkreuzer können all­jährlich gebaut werden, und schon nach zwei Jahren verfügten wir über eine Luftflotte, die so leicht von keinem anderen Lande mehr eingeholt werden könnte. Erwähnt sei hierbei, daß ein modernes Luftschiff etwa 20- bis Mmal weniger kostet als. ein Mariniertes Kriegsschiff. Unsere Zukunft liegt in der Luft! Das Wort läßt sich leicht beweisen!

Aber wie verhält sich das Kriegsministerium dem Ankauf Zeppelinscher Luftschiffe gegenüber? Ab­lehnend! Und motiviert seinen Standpunkt damit, daß auch an Großschen und Parsevalschen Luftschiffen nur zwei an gekauft seien. Tatsächlich soll aber auf eine entsprechende Anfrage vom Kriegsministerium an die Direktion des Zeppelin- (des National-) Unter­nehmens der Bescheid gekommen sein, daß an den Bau weiterer Zeppelin-Luftkreuzer nicht gedacht werden könne! Mit solch dürren Worten kündigt man dem deutschen Volke die Abnahme weiterer Zeppelinscher Luftschiffe! Was soll aus dem Unternehmen in Fried­richshafen werden? Kaufmännisch gerechnet müßte die Zeppelin-Gesellschaft dazu übergehen, Luftschiffe an das Ausland zu liefern, denn dadurch, daß das Kriegsministerium ein weiteres Einstellen Zeppelin­scher Luftschiffe ablehnt, ist der Einführung derselben ein gut Stück Boden genommen und auch eine schlechte Empfehlung mit aus den Weg gegeben, wodurch das Absatzgebiet wesentlich verschlechtert ist. Erlahmt auf Grund dieserEmpfehlungen" der Bau, dann liegen die Millionen des deutschen Volkes in Friedrichshafen brach und wir müssen zusehen, wie das Ausland uns überholt. Das Ausland verlangt tatsächlich hartnäckig Zeppelinsche Luftschiffe zu kaufen, wie eine ganze Reihe Anfragen, die in Friedrichshasen aus so ziemlich allen Kulturländern schon eingelaufen sind, beweisen. Diese Lieferungen aber will die Zeppelin-Gesellschaft nicht aussühren; alle diese Anfragen kommen von Privatge­sellschaften oder Personen, aber man vermutet und tzas wohl mit Recht als deren wirkliche Absender fremde Staaten und beantwortet die Anfragen ab­lehnend.

Wir wollen auf die überaus lobenden Worte des Prinzen Heinrich, des Kronprinzen, des Kaisers in diesem Zusammenhangs nicht eingehen, aber sie können nur die Verwunderung darüber verstärken, daß der Bau weiterer Zeppelinscher Luftschiffe nicht geplant sein soll. Es ist schwer begreiflich! Und auch sonst wird das Zeppelinsche Unternehmen eigenartigbevorzugt"! An den Kaisermanövern soll das Reichsluftschiff nicht teilnehmen, da man in Berlin der Ansicht ist,über die Leistungsfähigkeit der Z-Luftschiffe vollständig orientiert zu sein." (?) Tie Zeppelin-Gesellschaft

muß aus ihre Kosten mit einem Aufwande von über 75 000 M. eine Halle bauen, um das vom Reich noch bestellte Luftschiff Z 2 in der Reichshalle fertig machen zu können. Die Bevorzuguna Lex viereckigen Hallen,

entgegen den Empfehlungen des Grafen Zeppelin für runde Hallen und setzt endlich die zurzeit durch die Presse gehenden Meldungen des Hallenbaues des Herzogs von Koburg-Gotha, welcher eigentlich für Zeppelin-Schiffe gebaut war, aber auf Empfehlungen von Berliner Sachverständigen für Groß- und Parse­valschiffe geändert wurde, ist auch ein merkwürdiger Beweis von Rücksichtnahme auf Zeppelin. Dieser letzte Fall mag zudem noch der unüberlegteste gewesen sein, weil bei Sturm in einer Zeppelin-Halle zwei und mehr der genannten kleinen Luftschiffe Unterkunft finden können in einer kleinen Halle, wie sie jetzt gebaut wird, aber nur ein kleines Luftschiff: ein großes Z-Luftschiff natürlich gar nicht. _

Aber nicht nur durch Taten, auch durch Schriften wird das Z-Luftschiff fortwährend in den Hintergrund gestellt. In einem Aufsatz, betiteltDie Motorlust­schisfahrt im Jahre 1908" schreibt Major v. Parseval über die große Fahrt des bei Echterdingen verunglück­ten Luftschiffes: Im Grunde war ja die Fahrt ein Mißerfolg, denn das Luftschiff hat die Dauerfahrt, für welche es gebaut war, nicht ausführen können (stimmt! denn es verbrannte infolge höherer Kräfte) und nach etlichen Lobesabschnitten auf das Grotzsche und Parse- valsche System endigt der Auffatz wie folgt:

Was die Verwendungsweise der Luftschiffe anlangt, so beanspruchtZeppelin" den Ehrennamen eines strategischen Luftschiffes. Dazu muß er aber längere als eintägige Fahrten zeigen, denn ganz- oder halo- tägige Fahrten machen, das können die kleineren auch. Trotzdem ist das Luftschiff aus die kürzeren Fahrten hin abgenommen worden, wohl vorwiegend aus poli­tischen und persönlichen Gründen, vielleicht will, auch die Militärbehörde die gründliche Erprobung selbst vornehmen: da darf man sich im neuen Jahre aus interessante Ereignisse gefaßt machen."

Diese paar Worte sagten Ende 1908 schon voraus, was jetzt eingetroffen ist. Man erinnert sich jetzt der Mißstimmungen zwischen Graf Zeppelin und dem Kriegsminister v. Einem, man erinnert sich des Kon­fliktes zwischen Gras Zeppelin und Major Groß inan erinnert sich aber auch, daß bei Sturm weder der Groß- noch der Parseval-Ballon seine Halle ver­lassen hat, ohne Schaden zu nehmen.

Dem Kriegsministerium steht natürlich allein zu, darüber zu entscheiden, was zu .Kriegszwecken ange­schasst und eingeführt wird und was nicht. Das Kriegsministerium hat aber zweifellos auch die Pflicht, alle - nicht nur auf diesem Gebiete für militärische ZweÄi brauchbare Neuerungen zu prüfen, gründlich zu prüfen. Im Interesse des Reiches liegt cs, mili­tärisch das private Werk des Grafen Zeppelin genau auszuproben und fortzusetzen denn die zu ^ diesem Zweck vom Reich zur Verfügung gestellten Gelder sind nicht mir dazu zur Verfügung gestellt, halbstarre und unstarre (Großsche und Parsevalsche) Militär-Ballons zu erbauen und auszuprobieren, sondern sind über­haupt für die Motor-Lustschisfahrt bestimmt, und da­zu gehört nach dem heutigen Stand der Sache, vor allem auch, das Zeppelinsche Luftschiff auszuprobieren und durch Versuche das zu verbessern, was nach den Resul­taten verbesserungsbedürftig erscheint. Mit dem ein- fachen Ablehnen des Systems (wie früher!) kommt man durch die eintretenden Zeitverluste immer weiter vom Ziel. Leider aber dürfte zurzeit eine gründliche Prü­fung und ein ernstliches Suchen nach Verbesserungen am Zeppelinschcn Luftschiff durch die bestehenden Gegensätze kaum je stattsinden.

Nicht' unerwähnt sei, daß die umfangreichen und rationellen, aber auch teueren Einrichtungen auf dem Lustschiffer-Areal nur wegen dev großen in sichere Aussicht gestellten Aufträge des Reiches geschaffen

^Um'nun als Luftschiffe bauende Firma sortbestehen m können ohne dem Ausland Luftschiffe liefern zu rnüffen fördert die Zeppelin-Gesellschaft die Gründung der Deutschen Lustschrsfährts-Aktrengesellschaft nach Kräften, um Absatz für die gebauten Luftschiffe im Inland zu haben und natürlich um weiter zil bauen, um Halle und Areal, Einrichtungen und Maschinen, vor allem aber, um die sachkundigen und erprobten Kräfte weiterbeschäftigcii zu koniien. .

Damit das Reich wenigstens noch einigermaßen inte'-essiert ist, hat die Direktion der Luftschiffbau Zeppelin G. m. b. H. um eine jährliche Subvention von 100 000 M. gebeten, wofür sich als Gegenleistung die Gesellschaft verpflichtet, die Luftschiffe und Hallen zur Verfügung des Reiches zu halten. Diele Schisse werden natürlich immer in Betrieb sein. Dem Reich werdeii durch diesen Vorschlag direkte große Ausgaben erspart, obgleich Militärkommandos an den vor» bandenen zwei Rsichsluftschiffen fortgesetzt ausgebildet werden können. Tiefer Vorschlag der Direktion stt cm so billiger, daß er ohne weiteres angenommen wer- den sollte; die Bewilligung der Summe ist auch in Aussicht gestellt und bildet dann einen Ausweg aus

der heiklen Situation. Sollte der Vorschlag aber ab­gelehnt werden, dann fragt man sich von neuem: Was soll Luftschiffbau Zeppelin G. m. b. H. mit dein vom deutschen Volke aufgebrachten Gelds machen? Übex die Bewilligung der Subvention von 100 000 M. ent­scheidet wohl der Reichstag. Die Abgeordneten, welche am 5. Juni in großer Anzahl in Friedrichs- Hafen erwartet werden, können sich dann an Ort und Stelle unter Führung des Grafen Zeppelin überzeugen, daß das Opfer, welches gebracht werden muß, klein ist im Verhältnis zu dem unbezahlbaren Wert der jahre­langen Arbeit, welche Graf Zeppelin in uneigennütziger Weise geleistet hat, um unser Vaterland an die Spitze der Lustschiffahrt treibenden Nationen zu bringen.

Man bewillige diese Subvention der Gesellschaft des Grasen Zeppelin nicht wieder aus persönlichen Gründen das wäre eine Beleidigung nicht nur für Zeppelin, es wäre eine Beleidigung der ganzen Nation, welche die Sache des Grafen zu der ihrigen ge­macht hat.

Hin und her zur Keichsfinnnzreform.

Eine öffentliche Kundgebung von Handel. Industrie und Bankwesen zur Neichsfinanzresorm.

Der Zentralverband des Deutschen Bank- und Bankier­gewerbes und der Zentralverband Deutscher Industrieller versenden folgende gemeinsame Einladung:

Wie bekannt, hat eine aus Konservativen und Zentrum zusammengesetzte Mehrheit der Finanzkommiflion des Reichstags diejenigen Steuern abgelehnt, welche, wie die Nachlaßsteuer, von allen besitzenden Klaffen und daher auch von ihren eigenen Kreisen mitzntragen sein würden.

Zur Ausfüllung der von ihnen auf diese Weise selbst geschaffenen Lücke haben diese Parteien an gleicher Stelle die Annahme einer Reihe in ihren Voraussetzungen wie in ihren Folgen gleich bedenklicher Steuerprojekte durchgesetzt, welche ausschließlich Handel, Industrie, Börse und Bank­wesen in einer alle Grenzen überschreitenden Weise belasten und geeignet, vielleicht auch dazu bestimmt sind, die heutige wirtschaftliche Machtstellung dieser Stände niederzuwerfen. Der Verlust, der hierdurch zugleich der Macht, dem Ansehen und dem finanziellen Kredit des Reiches zugesügt wird, bleibt bei diesen Steuerprojekten gänzlich außer Betracht.

Angesichts der gemeinsamen Gefahr hat der Zentral- verband des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes zu­sammen mit dem Zentralverband Deutscher Industrieller beschlossen, eine große A b w c h r v e r s a m m l u n g aus Samstag, den 12. Juni d, I., nachmittags 4 Uhr,. nach Berlin im Saale der Philharmonie, Bernburger Straße 22s, einzuberusen, um Stellung zur Reichsfmanzresorm zu nehmen.

Zugleich soll aber in dieser Versammlung eine für die Dauer berechnete Jntcressengemeinschast der privaten Ver­tretungen von Deutschlands Industrie, Handel und Bank­wesen für besttmmte Zwecke (Abwehr gegnerischer Schritte und Vorlagen und gemeinsames Vorgehen bei den Wahlen), im übrigen unter vollständiger Wahrung der Selbständigkeit der einzelnen Verbände und Vereine, in die Wege geleitet werden. Die Herren Vertreter der einzelnen Verbände und Vereine werden daher ersucht, sich mit den erforderlichen Vollmachten versehen zu wollen.

Neben nichtamtlichen werden auch amtliche Vertretungen und ebenso auch sonstige Angehörige von Handel, Bank- wesen und Industrie zu dieser Versammlung eingeladcn werden.

Mit Rücksicht auf den Ernst der Lage hat jeder Berufs- genoffe im eigenen und im Standesinteresse die dringende Pflicht, auf dieser Tagung zu erscheinen und eine macht­volle Kundgebung herbeiführen zu Helsen. Hierdurch dürste es allen, welche es angeht, klar werden, daß Deutschlands Industrie, Handel und Bankgewerbe am Ende ihrer aus viele und harte Proben gestellten Geduld angelanat und nicht länger gewillt sind, einer Gesetzgebung zum Opfer zu dienen, welche von einseitiger wirtschaftlicher Jnteresten- Politik und von dem Ringen der Parteien nach politischer Machtstellung sogar jetzt beherrscht wird, wo ausschließlich allgemeine nationale Interessen iw Vordergrund stehen sollten.

Aus dm Namen lautende Eintrittskarten werden dm Mitgliedern der Unterzeichneten Verbände und den sonst zur Teilnahme aufgesorderten Vertretern von Korporationen und Vereinen, sowie Angehörigen der beteiligten Berufs- zweige auf Ersuchen in den Bureaus der Unterzeichneten Zentralverbände in Berlin NW. 7. Dorotheenstraße 3, 2, oder w 35. Karlsbad 4a, ausgehändigt werden. Hoch­achtungsvoll der /Vorstand des Zentralverbandes des Deutschen Bank- sind Bankiergewerbes (E. V.): vr. Rießer, Vorsitzender; das Direktorium des Zentralverbandes Deut­scher Industrieller zur Förderung und Wahrung nationaler Arbeit: Noetaer, Vorsitzender.

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Eine Äußerung des Gehcinuats Witting.

Geheimrat Witztiug erklärte dem Berliner Korrespon­denten derNeuen Freien Presse": Das Finanzdrama ist

aus seinem Höhepunkt.angelangt. Die Vorlagen der Regie«