Leite 4. Freitag, 21* Mai 1909.
rein. Die ganze Wucht der Tonmasscn von Sänger, Kapelle und Orgel vereinigten sich im Dankgebet besonders wirkungsvoll zu einer unvergleichlichen Steigerung. Die Zuhörerschaft spendete reichlichen Beifall. Die Majestäten gaben vielfach das Zeichen zum Applaus. Oberbürgermeister Dr. Adickes brachte, bevor der Hof die Festhalle verließ, ein dreifaches Hoch auf die Majestäten aus, in das alle jubelnd einstimniten.
Nach dem Konzert begab sich der K a i s e r in den Empfangssaal der Festhalle, wo er C e r c l e abhielt. Er nannte die Festhalle einen Staatsbau und unterhielt sich mit Professor Thiersch, dem Erbauer der Halle, über Eisenbetonbau und neue Ranmbildungskonstruktiom.l. Der Kaiser lobte den einfachen Bau der Halle und wird sich noch eingehend über den Bau Vortrag halten lassen. Längere Zeit sprach der Monarch S o l i st e n Adolf Müller. Er gab seiner Freude Ausdruck über die schöne Veranstaltung und meinte, Frankfurt müsse das Zentrum des deutschen Männergesangs werden. Erfreulich sei es auch, daß das Gefühl für das Einfache fortlebt und sich weiter entwickelt habe. Die Kaiserin verweilte unterdessen mit der Prinzessin-Tochter hinter dem Kaiserzelt und unterhielt sich mit den Damen, die ihr vorgestellt waren. Die Abfahrt der hohen Herrschaften nach Wiesbaden erfolgte im Automobil gegen 1l% Uhr. — Der Reichskanzler Fürst Bülow fuhr um 10 Uhr 23 Min. mit dem fahrplanmäßigen Zug nach Berlin.
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wb. Frankfurt a. M., 20. Mai.
Der gestrigen Vorfeier, dem Begrüßungskonzert seitens oer Frankfurter vereinigten Sängervereine, folgte heute das eigentliche Preissingen. Das Kaiserpaar war um 11 Uhr von Wiesbaden abgefahren und traf kurz vor 12 Uhr über die Mainzer Landstraße und den Hohenzollernplatz auf dem Festplatz ein. Wiederum bildete eine dichte Menschenmenge Spalier, die das Kaiserpaar mit lebhaften Zurufen begrüßte. Vorherrschend war die ländliche Bevölkerung, die schon mit den Frühzügen der Mainmetropole zuströmte. Strahlend lachte die Sonne hernieder auf all die frohen Menschenscharen, es war ein richtiges Hohenzollernwetter, das sich am Himmelfahrtstag über die Erde lagerte. Trotzdem es die Sonne schon sehr gut meinte, harrten doch die Menschen stundenlang aus, u.m die kaiserliche Familie begrüßen zu können. Älter ist der Kaiser in den letzten Jahren fast nicht geworden, dagegen ist er von seinem Aufenthalt in Korfu ziemlich von der Sonne verbrannt, und das Gesicht ist auch etwas schmäler geworden. Zum Empfang waren vor der Festhalle anwesend: Oberbürgermeister
Adickes, Polizeipräsident Scherenberg und die sonstigen Honoratioren. Nach ganz kurzem Aufenthalt im Fürstenzimmer begab sich die kaiserliche Familie direkt nach der Hofloge. Bei ihrem Eintritt wurden ihr seitens des zahlreich anwesenden Publikums wieder lebhafte Ovationen bereitet. — Dann begann das Wettsingen der Gruppe 1. Kurz nach Beginn des Konzerts überreichte der Kaiser persönlich dem Oberbürgermeister Adickes den Stern zum Roten Adlerorden 2. Klasse und dem Professor Thiersch den Stern zum Kronenorden 2. Klasse. Der Kaiser folgte den Wettgesängen mit großer Aufmerksamkeit, und zog in den Pausen verschiedene Herren ins Gespräch, so den Generalmusikdirektor Geheimen Hosrat v. Schuch-Dresden, Geh. Rat Dr. Max Friedländer-Berlin u. a. Mit etwas Verspätung erreichte das Wettsingen der Gruppe 1 um 2% Uhr sein Ende, und kurz darauf erfolgte die Abfahrt der kaiserlichen Familie mit Automobil nach dem Untermainkai, wo bei dem Prinzen Friedrich Karl von Hessen das Frühstück eingenommen wurde. Durch die Verspätung am Vormittag konnte auch das für 3 Uhr angesctzte Singen der Gruppe 2 erst um 314 Uhr seinen Anfang nehmen. Bis 5 Uhr wohnte die kaiserliche Familie und das Gefolge dem Preissingen bei und erfolgte alsdann die Rückfahrt nach Wiesbaden. Der Direktor der Maschinenfabrik Ludwigsburg, Wöllinger, hielt auf Wunsch des Kaisers einen Vortrag über dieEisenkonstruktion derFesthalle und des Eisenbetonbaus, wie er auch bei derFesthalle in ausgedehntemMaße zur Verwendung gelangte. An Hand eines kleineren Entwurfs wurden die technischen Fragen eingehend besprochen und der Kaiser stellt« eine Reihe von Fragen an den Vortragenden, die bewiesen, daß er ans diesem Gebiete nicht ganz unbekannt ist. Kurz vor der Abfahrt nach Wiesbaden wurden dem Kaiser noch eine Anzahl Frankfurter Herren vorgestellt, die sich um das Sängersest und den Bau der Festhalle verdient gemacht hatten.
Bei dem Preissingen selbst herrschte am Vormittag in der Gruppe 1, wie überhaupt bei dem ganzen Wettstreit, das Rheinland vor. Von sechs Vereinen, die zur Konkurrenz antraten, waren nicht weniger als 5 aus dem Rheinland, während der sechste die Pforzheimer „Freundschaft" war. Sie hatte sich neben dem Pflichtchor „Die Märzluft" von Angerer auserwählt, und man muß anerkennen, daß der Dirigent Musikdirektor Hermann Sonnet viel Fleiß auf die Einübungen des Chors verwendet hat, der dank dem vorzüglichen Stimmaterial und dem willigen Eingehen der Sänger auf die Intentionen des Dirigenten in mustergültiger Weise zum Vortrag gebracht wurden. Die schärfste Konkurrenz machen sich die rheinländischen Vereine gegenseitig selbst. Nicht nur, daß die Vereine über eine sehr große Zahl von Sängern und ein ausgesuchtes Stimmmaterial verfügen, stehen ihnen auch eine Reihe von erstklassigen Dirigenten zur Seite, und gerade bei dem von allen Vereinen zu singenden Preischor konnte man so recht die Individualität der einzelnen Dirigenten, ihrer Auffassung der Komposition nach verschiedenen Gesichtspunkten so richtig beobachten und die Wirkungen nach verschiedenen Richtungen hin beu teilen. Zusammenfassend muß man aber sagen, daß die Ausführung, mag sie nun nach der einen oder anderen Seite Hü erfolgt sein, durchweg eine sehr gute war. Man braucht den Preisric.tern nicht vorzugreifen, wenn man sagt, daß die rheinländiichcn Vereine bei der Preisverteilung ein gewichtiges Wort mitzureden haben. Am Nachmittag traten 8 Vereine zum Singen an. Neben drei rheinländischen waren dabei zwei Vereine aus Karlsruhe und je einer aus Erfurt, Wiesbaden und Offenbach. Mit einer verhältnismäßig geringen Sängerzahl trat die „Concordia"-Karlsruhe in den Wettstreit, und zwar mit 133 Mann. Der Dirigent Theodor Gerlach, der Direktor der Musilbildungsanstalt, versteht es aber, aus seinen Sän
Miesbademsr TaMarr«,
gern etwas herauszuholen, was sich besonders bei dem selbstgewählten Chor „Die neue Wacht", eine Komposition des Dirigenten, zur Genüge erwies. Da auch die einzelnen Stimmen sehr gut vertreten waren, kann man das Ganze als eine völlig abgerundete Leistung bezeichnen. Neben der „Concordia" war die „Liederhalle"-Karlsruhe in der zweiten Gruppe vertreten. Auch sic leistete unter der Regie des Hosorganisten Ludwig Baumann sehr Gutes.
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sh. Von anderer Seite wird uns über den gestrigen Tag noch geschrieben: Und nun kam die Überraschung des Tages: Die Bonner „Liedertafel", die zum erstenmal den Preischor vollständig exakt und dabei mit einer geradezu phänomenalen Wirkung zu Gehör brachte. Es war ein Vergnügen, die Chöre zu verfolgen, wie sie mit Eleganz und verblüffender Leichtigkeit selbst die schwierigsten Stellen bewältigte. Ein Beisallsorkan setzte ein, und glückstrahlend erhob sich der in der Kaiserloge befindliche Prinz Oskar aus Bonn mit seiner vor ihm placierten Schwester der Prinzessin Viktoria Luise, den Bonnern durch Händeklatschen zu danken. Er winkte auch dem im Hintergrund stehenden Kaiser zu, hervorzntreten. Dieser war aber gerade in ein Gespräch mit Hülsen verwickelt, und so begannen die Bonner, nachdem einigermaßen Ruhe eingctre- ten war, mit ihren: Wahlchor, Brambachs „Sonnenaufgang". Auch dieser gelang ihnen so verzüglich, daß nicht weniger als drei Hervorrufe des Dirigenten erfolgten, eine Huldigung, wie sie selbst den Kölnern nicht zuteil geworden war. Inzwischen drängte man den Kaiser zur Rückfahrt nach Wiesbaden.
Er wollte aber noch seine Wiesbadener, den unter Leitung von Professor Mannstaedt stehenden „Wiesbadener Männergejang-Verein" hören, und ließ daher die Kaiserin mit der Prinzessin vorauffahren. Den Preischor sangen die Wiesbadener denn auch recht brav, bis auf die schwierigen Tenorpartien. Ein kleines Kabinettstück war aber ihr Vortrag des „Belsazar" von Neumann, dem vorerwähnten Dirigenten aus Barmen. Brausender Beifall belohnte auch sie. Auch die dann folgende Kreuznacher „Liedertafel" endete mit Preis- und Wahlchor sehr gut, so daß der reiche Beifall, der den Vorträgen folgte, wohlverdient erschien. Am besten gelang ihnen der „Jäger aus Kurpfalz" in der Othogravenschen Bearbeitung. Nach dem Umfall der Karlsruher „Concordia" war es dann geradezu eine Überraschung, als die Karlsruher „L i e d e r h a l l e" nunmehr auftrat und den Preischor in einer großartigen Weise zum Vortrag brachte. Sie hatten denselben brillant durch- und ausgearbcitet, und wiesen in der Besetzung der Tenor- und Batzpartien auch ein vorzügliches Material ans. Sie kamen zum Schluß deshalb auch in große Stimmung. Sie ernteten ebenfalls lebhaften Beifall, obwohl sie schließlich einen ganzen Ton hinaufgezogen hatten.
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Frankfurt, 21. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Der Kaiser und die Kaiserin trafen heute vormittag im Automobil von Wiesbaden kommend in der Fe st Halle ein und wohnten mit der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen dem Wettsingen der dritten Gruppe bis zum Schluffe bei. Um 1214 Uhr folgten die Majestäten einer Einladung des kommandierenden Generals vonEichhorn zum Frühstück. An demselben nahmen außerdem teil Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, der Oberbürgermeister und der Polizeipräsident von Frankfurt a. M.» sowie mehrere höhere Militärs und das beiderseitige Gefolge des Kaiserpaars. Die Kaiserin macht heute nachmittag einen Ausflug nach Homburg. Am Wettstreit in der dritten Gruppe beteiligten sich heute morgen: der Gesangverein Coblenz, der Quartcttverein „Colombey"-Elberseld, der Männergesangverein Gelsenkirchen, „Frohstnn"-Mühlheim a. d. Ruhr, „Einigkeit"-Bochum, Kruppscher Männergesangverein „Ge- meinwohl"-Essen.
ARS Stadt ttttfe Land.
Wiesbadener Nachrichten.
Wiesbaden, 21. Mai.
Kaisertage.
Das Kaiserpaar kehrte mit dem Prinzen Oskar und der Prinzessin Viktoria Luise am Mittwochabend kurz nach 11 Uhr von Frankfurt a. M. hierher zurück. Die Fahrzeit zwischen hier und Frankfurt, zirka 8 Wegstunden, beträgt 40 bis 45 Minuten. Alsbald nach der Ankunft im Schlosse trat das Kaiserpaar auf den Balkon — der Prinz und die Prinzessin blieben an der Tür stehen — und dankten für die lebhafte Ovation der zahlreichen Menschenmenge, die vor dem Schlosse stand, in der huldvollsten Weise. — Eine liebliche Szene spielte sich am Mittwochnachmittag bei der Ankunft des Prinzen Oskar ab; die Prinzessin hatte dessen Anfahrt bemerkt, eilte ihm bis in die Torfahrt des Kavalierhauses entgegen und begrüßte ihn in der herzlichsten Art.
Am gestrigen Himmelfahrtstage besuchte das Kaiserpaar mit dem Prinzen und der Prinzessin, sowie dem gesamten Gefolge den Militärgottesdienst um 3 Uhr 40 Minuten in der Marktkirche. Dabei hielt an Stelle des zum Militäroberpfarrer in Münster ernannten bisherigen Divisionspfarrers Franke der von Coblenz hierher versetzte Divisionspfarrer Ferling seine erste Predigt. Der Gottesdienst wurde durch die Mitwirkung der 80er Regimentsmusik und des Soldaten-Sängerchors verherrlicht. Wie bei dem Gange zur Kirche, so benahm sich auch bei der Rückkehr des Kaiserpaares zum Schlosse das Publikum musterhaft; es trug der Situation durchaus Rechnung und störte die feiertägliche Stimmung nicht durch Hochrufe, sondern beschränkte sich darauf, seine Huldigung durch Winken mit Tüchern und Hutabnehmen darzubringen. Bei dem Kirchgänge lenkte Prinz Oskar die besondere Aufmerksamkeit auf sich; er ist, wie seine älteren Brüder, eine stattliche Erscheinung und jetzt schon größer als der Kaiser, neben dem er herging. — Zehn Minuten nach 11 Uhr fuhren der Kaiser und die Kaiserin mit dem Prinzen und der Prinzessin im Automobil nach Frankfurt, wo um 12 Uhr das Wettsingen begann. Die Kaiserin und die Prinzessin kehrten um 146 Uhr bereits, der Kaiser und Prinz Oskar um 7 'ihr hierher zurück. Zu der Abendtafel im Schlosse war
Abend-Ausgabe, 1. Blatt. Nr. 234.
die Für st in zu Wied geladen, die um 8 Uhr mit der Kaiserin und der Prinzessin noch eine Spazierfahrt durch | das Nerotal in den Wald unternahm, während der Kaiser J> kurz nachher mit dem Prinzen zum Hoftheater fuhr, wo die Oper „Don Juan" mit d'Andrade als Gast gekürzt gegeben wurde. In der Erholungspause zog der Kaiser zunächst den württembergischen Hofmarschall Gras Lentruru- Ertingen in ein längeres Gespräch und unterhielt sich dann längere Zeit sehr angeregt mit dem französischen Legationsrat Kahn, einer im diplomatischen Dienst sehr angesehenen Persönlichkeit. Der Kaiser sprach dann noch den deutschen Botschafter in Paris Fürsten Radolin und Gemahlin und ließ sich dann deren Sohn Graf Radolin und dessen Gemahlin vorstellen. Schließlich sprach der Kaiser noch Regierungspräsident Dr. v. Meister und den Mainzer Oberbürgermeister Dr. Göttelmann an. Die Veranstaltung nahm einen sehr befriedigenden Verlaus und der Kaiser äußerte sich dem Träger der Titelrolle Francesco d'Andrade gegenüber, den er am Schluffe zu sich beschick, und in ein längeres Gespräch zog, sehr anerkennend. Kurz nach 10 Uhr fuhr der Kaiser zum Schlosse zurück und bald erschien er wieder auf dem Balkon, um für die Huldigung der wegen des Feiertags besonders zahlreichen Menge in der verbindlichsten Weise zu danken. Er schien sehr erfreut von der treuen Anhänglichkeit der Wiesbadener und winkte wiederholt mit der Hand.
Heute morgen ritt der Kaiser bereits um 714 Uhr! mit Gefolge über den Michelsbcrg und die Emser Straße! in den Wald, bei diesem Wetter, heller Sonnenschein und frische reine Luft, ein großer Genuß, den der Kaiser denn auch voll auskostete, denn er kehrte erst gegen 9 Uhr durch das Nerotal in das Schloß zurück. In der Elisabethenstrahe trat eine arme Frau aus den Reihen des Publikums und hielt dem zunächst an ihr vorüberrertenden Flügeladjutanten Frhr. I v. Holzing eine Bittschrift entgegen, die dieser bereitwilligst annahm. Die Frau entfernte sich dann rasch durch die Müllerstraße; sie mochte Angst haben von der Polizei angehalten zu werden. In der Burgstraße überreichte ein Wiesbadener Kind, die Tochter des Herrn Landgerichtsdirektors Gri mm, dem Kaiser einen prächtigen Strauß von Rosen und Flieder, den der Monarch sichtlich erfreut mit freund- I lichem Dank entgegennahm. Das Publikum scheint durch die Mahnung bei der Überreichung von Blumen Vorsicht walten zu lassen, diese zu weit zu treiben und aus Angst, vielleicht gar mit der Polizei in Konflikt geraten zu können, davon ganz absehen zu wollen. Das wäre durchaus verkehrt und es muß ganz unzutreffende Vorstellungen er-' wecken, wenn diese schöne Huldigung, eine Spezialität der Gartenstadt Wiesbaden, unterbliebe. Der Kaiser liebt die Blumen und nimmt sie, wie wir bestimmt versichern können, gern entgegen. Wer ihm in dieser sinnigen Weise huldigen will, der wird wohl dazu morgen früh bei den: Ausritt des Kaisers noch Gelegenheit haben.
Zu früher Stunde bereits, um 7 Uhr, ist heute Prinz Oskar im Automobil nach Bonn gefahren, um dott eine Vorlesung zu hören — er soll eben möglichst wenig versäumen in seinem Studium. Mit dem Prinzen fuhr die Prinzessin Viktoria Luise nach Bonn und kehrt mit diesem gegen Abend hierher zurück. — In sechs Automobilen fuhr das Kaiserpaar mit Gefolge um 9D Uhr wieder nach Frankfurt a. M.; im ersten Wagen saßen bei dem Kaiser- ! paar Fürst und Fürstin Radolin. Vor der Abfahrt hatte die Kaiserin Frau Prinzessin Elisabeth zu Schannr- burg-Lippe im Schlosse empfangen. — Die Kaiserin wird nicht dem ganzen Wettsingen beiwohnen, sondern heute nachmittag einen Ausslug nach Homburg unternehmen, o.
Walhalla-Theater.
Die Operette „Ein Herb st Manöver" von Bakontz und Bodanzkh (Musik von K.-llmänn), die gestern abend zum erstenmal vom Renen Operetten-Theatcr aufgeführt wurde, gehört zu denen, in denen viel passiert und doch eigentlich nichts passiert. In bunter Folge reiht sich Bild an Bild, und wenn der Vorhang sich zum letztenmal senkt, fragt man sich dennoch, was denn eigentlich losgewescn ist. Der Kern der Handlung — wenn von einer solchen überhaupt geredet werden kann — ist offenbar folgender: Oberleutnant v. Lörenty wird im Herbstmanöver mit seinen Kameraden zusammen im Schloß seiner Väter einguartiert, das ihm der Mann seiner Jugendliebe abgcnommen hat und in dem nun eben diese Jugendliebe als Baronin Risft und liebedurstige hübsche junge Witwe haust. Der Oberleutnant schwört, keinen Fuß über die Schwelle des Hauses zu setzen, obwohl ihn die Baronin in einer melodramischen Mondscheinszene mit Tränen darum bittet. Komme er aber doch in das Hans, dann werde er darin wahnsinnig tanzen und trinken „wie ein Bürstenbinder". Die Gelegenheit hierzu gibt sich. Erfolg: ein Haufen Dienstvergehen, polterndes Eingreifen eines ungarisch fluchenden Feld- marschalleutnants, Pater peccavi hier, Pater peccavi dort, und zum Schluß: ein Paar, das sich gefunden hat, und eins, das sich finden wird, wenn cs „trocken hinter den Ohre« ist". Denn außer der Baronin, dem Oberleutnant, dem Feldmarschalleutnant, wimmelt noch ein ganzes Häuflein Leute in dem Stück herum, die auch etwas zu sagen und teilweise sogar etwas zu tun haben, wie z. B. der Kadett Wallerstein, der zwei Akte hindurch „sein Säbelchen" sucht, oder der Zugführer Tun, der am Wachtfeuer seinen Leuten Märchen erzählt, dis sie unisono schnarchen, oder der selbst unserer aufgeklärten Zeit in ungarischen Siebenmeilenstiefeln voranseilende Backfisch Treszka des Feldmarschalp leutnants, der sich dem Oberleutnant feilbietet wie eine Ware. Es ist unmöglich, aus das Drum und Dran dieser Operette näher einzugehen, obwohl es die Hauptsache ist, denn es bliebe herzlich wenig übrig, wollte man das Beiwerk einigermaßen wegrasieren. Trotz alledem: das Herbstmanöver hat eine ganze Anzahl recht hübscher Partien; es bietet vor allem den Darstellern der Hauptrollen, deren es mehr als ein halbes Dutzend hat, reichlich Gelegenheit zur Entfaltung ihrer Talente. Da ist zuerst Fräulein G r o tz - köpf als Baronin Risa. Eine temperamentvolle Künstlerin mit reichen Stimmitteln, von denen sie namentlich in der großen Mondscheinszene des ersten Aktes und der Fenster-Arie des zweiten Aktes ausgiebig Gebrauch machen konnte. Auch im Spiel zeigt die Künstlerin bemerkenswertes Talent, das noch Besseres erwarten läßt. Jedenfalls war sie Herrn Rosen, der den Hitz- und Trotzkopf von
