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Nr. 221,

Morgen - Ausgabe.

1. Matt.

Mecklenburg und der Mchslug.

Ein halbes Jahr ist vergangen, seit ebenso wie einst im Mai" des Jahres 1908 abermals der Versuch gemacht wurde, mit Hilfe des außerordentlichen Land­tages der beiden Grotzherzogtümer in Mecklenburg Zustände herzustellen, wie sie den konstitutionellen Einrichtungen nicht nur in Deutschlands sondern, nach­dem setzt die Verfassung in der Türkei sichergestellt ist, auch denen in ganz Europa entsprechen. Jener Versuch scheiterte bekanntlich; Ende Oktober v. I. wurden die getreuen 'stände" der beiden Mecklenburg unverrich­tetersache nach Hause geschickt, und von der großen Versassungsaktion blieb nichts übrig als die großherzog­liche Kundgebung, welche die Überzeugung zum Aus­druck brachte,daß die Durchführung der Verfassungs­reform, inbesondere die Beteiligung weiterer Bevölke­rungskreise an der Landesvertretung für das Wohl des Landes ein unabweisbares Bedürfnis ist, und daß die Hierüber eingeleiteten Verhandlungen ungeachtet des ablehnenden Verhaltens der Ritterschaft fortgesetzt Vierden müssen, bis sie zu einem dem Lande dienlichen Ergebnis geführt haben".

Die Aussichten für ein solchesden: Lande dien­liches Ergebnis" sind jedoch geringer denn je, und loenn die beiden mecklenburgischen Regierungen Ende Oktober v. I. bei der Schließung des außerordentlichen Landtages ankündigten, daß die Entscheidung über die zu treffenden Maßnahmen Vorbehalten bleiben müssen, so hat man bis jetzt vergeblich aus derartige Maßnah­men gewartet, obwohl in Massenpetitionen aus dem Lande immer dringender das Verlangen nach der Europaisierung Mecklenburgs zum Ausdruck gebracht worden ist. Da nun von Mecklenburg selbst anschei­nend eine ernsthafte Verfassungsresorm nicht zu erwar­ten ist denn der Versuch mit einem dritten außer­ordentlichen Landtag verspricht schwerlich bessere Er­folge so ist es mit Befriedigung zu begrüßen, daß fetzt ein erneuter Versuch gemacht worden ist, das Deutsche Reich zugunsten der beiden verfassungslosen mecklenburgischen Großherzogtümer zu mobilisieren.

Die soeben im Reichstage eingebrachte national­liberal-freisinnige Interpellation zur mecklenburgi­schen Verfassungsfrage stellt durchaus keinen neuen Schritt der Volksvertretung dar, sondern sie fällt unter den juristischen Begriff derfortgesetzten Hand­lung". Solange der Deutsche Reichstag besteht, näm­lich zuerst im Jahre 1871, dann 1873, 1871, 1893, 1905 und zuletzt im vorigen Jahre, ist iinmer wieder der Versuch gemacht worden, auf dem Wege der Ergänzung des Artikels 3 der deutschen Reichsverfassung dem ver­fassungslosen Zustande in den beiden Großherzog-

LerrilleLon.

Ein Edison Le§ MitLelalLsrs«

Ein interessanter Vorgänger Edisons, der ihm an Fülle und Energie des Erfindungsgeistes nicht uneben­bürtig erscheint, wenn er auch freilich, durch ein widerstreben­des Zeitalter gehemmt, in seinen Erfolgen weit hinter dem großen Erfinder des neunzehnten Jahrhunderts zurückblieb, war Edward Somerset, Marquis von Worcester, dem George Frederic Stratton inScientific American" einen längeren Aussatz widmet. In der Geschichte der experimentellen Wissenschaften hat er zwar nur einen bescheidenen Platz bei der Erfindung der Dampfmaschine, aber in seinen Ideen und Plänen, in seinem Wollen und Wirken war er eine weit über die Grenzen seiner Zeit hinausschauende, schon ganz modern anmutende Persönlichkeit, ein Experimentator großen Stils. Wenn einer seiner zeitgenössischen Biographen von ihm sagt, er habe nichts an und für sich für wahr gehalten, sondern alles durch das Zeugnis eines einwandsfreien Experiments erweisen wollen; er habe aus allem, was er dachte oder las, Stofs zu Erfindungen gezogen", so erinnert das an ein ähn­liches Bekenntnis desWeisen von Menlo-Park", der von demselben rastlosen Versuchseifer, dem gleichen Wunsch, durch Experimente seine Ideen zu beweisen, sich beseelt zeigt.

In den unrnhvollen Zeiten Karls I. von England, in der Ara der Revolution und Cromwells ragt die Gestalt Edward Sorrwrsets als eine fremdartige und doch gewaltige Erscheinung aus seiner Umgebung hervor. Einem uralten Geschlecht tapferer Soldaten und mächtiger Edelleute ent­sprossen. war er im Hosleben ausgewachsen und zu einem königstreuen Krieger geworden, der für seinen angestammten Herren Gut und Habe opferte. Nicht weniger als 350 000 i Pfund hat er aufgebracht, um Truppen gegen die Rebellen kmsznrüsten; er hat sich im Bürgerkriege selbst an ihre Spitze I gestellt. Nirgends trat ihm in seiner Erziehung und Um- 1 (cinna ein Hinweis aus jene wissenschaftlichen Beschäs-

Wiesbaden, Donnerstag, IS. Mai LSvS.

tümern ein Ende zu machen. Zuletzt hat der Reichstag im vergangenen Jahre mit großer Mehrheit einen An­trag angenommen, demzufolge hinter Artikel 3 der Reichsversassnng folgender Zusatz eingefügt werden soll:In jedem Bundesstaat mutz eine aus Wahlen der Bevölkerung hervorgegangene Vertretung bestehen, deren Zustimmung zu jedem Landesgesetz und zur Feststellung des Staatshaushaltes erforderlich ist."

Die jetzt im Reichstags Angebrachte Interpellation richtet an den Reichskanzler die Anfrage, was er zu tun gedenke, nachdem die in dem Bundesratsbeschlutz vom 26. Oktober 1875 ausgesprocheneErwartung, es werde den großherzoglich-mecklenburgischen Regierur,, gen gelingen. eine Änderung der bestehenden mecklen­burgischen Verfassung mit dem. mecklenburgischen Land­tag zu vereinbaren", nicht in Erfüllung gegangen ist und auch die von dem Stellvertreter des Reichskanz­lers am 24. Januar 1905 zum Ausdruck gebrachte An­nahme, es seiganz ausgeschlossen, daß die mecklen­burgischen Regierungen es ausgegeben haben sollten und die niecklenburgischen Landstände es auf die Dauer ablehnen könnten, eine den modernen Anfor­derungen der Zeit entsprechende Verfassung in ihrem Lande herzustellen", sich> wenigstens soweit die Mehr­heit der mecklenburgischen Ritterschaft_ in Frage kommt, als irrtümlich erwiesen hat. Diese Versuche des Reichstags, die mecklenburgische Verfassungfrage von Reichs wegen zu lösen, sind jedoch noch stets an der ablehnenden Haltung des Bundesrates gescheitert, der wenigstens bisher den Standpunkt vertrat, daß, wenn die mecklenburgischen Regierungen durch einen Zusatz zur Reichsverfassung verpflichtet würden, eine Ver­fassung einzufüljren, den beiden Regierungen die prak- tischen Mittel zur Durchführung jenes Beschlusses fehlen würden, wenn die derzeitigen Landesvertretun­gen aus ihrem Widerstande beharren. Diese Auffassung ist jedoch durchaus anfechtbar, da nach der überwiegen- den Meinung der Staatsrechtslehre,.- auch hier der Paragraph 76 Absatz 2 der Reichsvcrfassung in Frage kommt, welcher besagt:Versassungsstreitigkeiten in

solchen Bundesstaaten, in deren Verfassung nicht eine Behörde zur Entscheidung solcher Streitigkeiten be­stimmt ist, bat auf Anrufen eines Teiles der Bundes­rat gütlich auszugleichen oder, wenn das nicht gelingt, im Wege der Reichsgesetzgebung zur Erledigung zu bringen."

Es wäre um so wünschenswerter, daß auch der Bundesrat sich endlich zu diesem Standpunkt, welcher der des Reichstags ist. bekennt, da man zu wissen glaubt, daß auch die beiden mecklenburgischen Groß- herzöge im Falle eines endgültigen Scheiterns der Re- form jenem letzten Ausweg nicht grundsätzlich abge- neigt wären. Wer aber von Mecklenburg selbst eine Besserung erwartet, der ist ein unverbesserlicher Opti­mist, und sollte man es wirklich, da alle guten Dinge drei sind, noch mit einem dritten Appell an diege-

tigungen entgegen, denen er sich später mit immer größerer Leidenschaft zuwandte. Mit 27 Jahren war er jedoch be­reits von seinen Ideen und mechanischen Experimenten so erfüllt, daß er in einer seiner Burgen, Raglan Castle, Werk­stätten einrichtete und einen geschickten Meister, den Deutschen Kaspar Kalthoff, zum Leiter berief, unter dessen Aussicht seine Ideen zur Aussührung gebracht werden sollten. Wenige Jahre später genügten ihm diese Werkstätten nicht mehr, sondern er erbaute in Vauxhall bei London besondere Gebäude und Laboratorien, die ihn allein 200000 M. kosteten. Die Gesamtsumme, die er für seine Experimente ausgc- geben hat, wurde auf eine Million Mark berechnet, für damalige Verhältnisse ein enormer Betrag, dessen Hingabe selbst bei einem so reichen Manne wie dem Marquis von Worcester allgemeines Aufsehen erregte. In die Wirren des Bürgerkrieges war Somerset als eifriger Parteigänger des Königs eng verstrickt, und nach der Hinrichtung Karls I. ging er in die Verbannung nach Frankreich. Seine Güter wurden eingczogen und er lebte drei Jahre in großer Armut. Seine gewaltigen Werkstätten in Vauxhall waren aber von dem Protektor Cromwell vor Zerstörung geschützt worden, und es war Kallhoff erlaubt worden, in seinen Arbeiten ruhig fortzufahren. Da litt es den Marquis nicht im fremden Laude, fern von seinem Lebenswerk; er kehrte nach London zurück und wurde hier drei Jahre im Tower gefangen ge­halten.

Von hier aus verkehrte er mit seinem Werkmeister, schickte ihm Zeichnungen und Anweisungen zur Ausführung der Modelle und Maschinen, die auch in der Zeit des größten Unglücks ganz allein seinen Geist erfüllten und beherrschten. Genauere Einzelheiten über die Erfindungen Somersets sind uns hauptsächlich erhalten in einem 1663 von ihm ver­öffentlichten Werk, das den TitelEin Hundert Erfindungen" führte. Der Titel wurde von ihm selbst dahin erklärt, daß er hier hundert von ihm gemachte Erfindungen znsammen- gestellt habe, die soweit durchdacht und gefördert seien, daß jede von ihnen in der Praxis eingeführt werden könne; er veröffentliche nur die wichtigsten seiner Ideen, soweit er sich

57. Jahrgang.

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treuen Stände" versuchen, so würde dabei schwerlich ein anderes Ergebnis erzielt werden als auf jenem ersten mecklenburgischen Landtag, von dem Reuter erzählt und der eine Verfassung einsetzte mit dem Art. 1:Allens bliwwt bi'n Ollen!"

Politische Übersicht.

Die Lage.

L. Berlin, 12. Mai.

Die Schwierigkeit der Lage beruht nicht bloß in dem Widerspruch der Konservativen gegen die Erb- anfalliteuer, sondern auch, wie man offen zugeben muß, in der Ungewißheit darüber, ob 400 Millionen in­direkter Steuern von der sogenannten Blockmehrheit (den Block einmal als noch vorhanden betrachtet) wer­den ausgebracht werden. Nach verschiedenen Mitteilun­gen klingt e§ nicht unglaubhaft, daß Fürst Bülow, be­vor er seine weiteren Entschließungen faßt, genauer darüber unterrichtet sein möchte, ob er auf ein Ent­gegenkommen von links her in Sachen namentlich dev Branntweinsteuer rechnen kann, ans ein Entgegen­kommen, das ihn berechtigen würde, den Konservativen Opfer in bezug auf die Frage einer Besitzsteuer in irgendeiner hinreichenden Form zuzumuten, somit mutz die Lage auch von dieser Seite her als ver­worren und undurchsichtig bezeichnet werden, denn die freisinnige Fraktionsgemeinschaft wird begreiflicher­weise keine Zugeständnisse machen können und wollen, wenn sie nicht ihrerseits bindende Versprechungen so­wohl der Regierung wie der Konservativen empfängt, die ein Abgehen von der bisher innegehaltenen Rich­tung hinsichtlich der Liebesgaben allenfalls ermöglichen könnten. Würde diese Sicherheit nicht gegeben wer­den können, so müßte ein etwaiges Opfer_ der Frei­sinnigen nicht bloß nutzlos fein sondern die Partei auch aufs schwerste gefährden. Inzwischen hat sich ein weiteres bedenkliches Hindernis für das gesuchte Kom­promiß ergeben, indem sich nämlich herausgestellt hat, daß die Frage einer Reichswertzuwachssteuer für Immobilien, wie sie die Finanzkommission ja vorge­schlagen hat, noch lange nicht spruchreif ist. In dev Konferenz beim Reichsschatzsekretär Sydow, an der neben Vertretern der einzelnen Bundesstaaten auch die Oberbürgermeister der großen Städte, sowie Ver­treter der Wissenschaft, darunter Professor Adolf Wagner, teilnahmen, wurde nahezu einstimmig. fest­gestellt. daß bisher die Grundlagen fehlen, auf die hin eine Vorlage an den Reichstag gebracht werden könnte, ferner, daß die erwarteten großen Erträge eben nicht zu erwarten seien, und daß die Steuer bei günstigster Schätzung höchstens 12l/ 2 . bei noch optimistischerer und in besonders günstigen Jahren höchstens 20 Millionen bringen werde. Also kann Fürst Bülow den Konser­vativen in dieser Richtung nicht entgegemkommM.

ihrer noch erinnere, und auch nur Pläne, die er nach dem Jahre 1658 gefaßt habe, da seine früheren Aufzeichnungen ihm verloren gegangen seien. Eine ganze Reihe moderner Errungenschaften auf dem Gebiete der Technik ist hier be­reits vorweg genommen und in allen Einzelheiten be­schrieben. So erläutert ereine Maschine, in der Tasche tragbar, die im Innern des größten Schisses zu jeder be­stimmten Minute, bei Tag oder Nacht, selbst noch eine Woche nachher, bewirken kann, daß das Schiff unwiderruflich sinken muß". Es handelte sich um einen Explostonsstosf, der durch ein Glockenwerk zur Wirkung gebracht wurde, also um einen Vorläufer des modernen Torpedobootes. Des weiteren be­schäftigt sich der Erfinder viel mit der eingehenden Erörte­rung von Sicherheitstüren und Vexierschlössern, durch die jeder Dicbesgefahr vorgebeugt wird.Der Eigentümer kann", so heißt es von einem dieser Sicherheitsschlösser,auch wenn es eine schwache Frau ist, mit leisem Handgriff die Stellung des Schlosses zehn Millionen Mal mehr verändern, als es selbst der Verfertiger oder ich, der Erfinder, weiß. Wenn es ein Fremder öffnet, so ertönt eine Alarmglocke, die der Eindringling nicht abstellen kann, und auch wenn es niemand hört, wird seine Hand in einer Fuchsfalle sestge- halten."

Somerset gibt die Konstruktion einer Baggermaschins an, die der heute gebrauchten Form bereits sehr nahe kommt; er scheint auch der Erfinder des hydraulischen Widders ge­wesen zu sein, denn er beschreibt unter anderen Wasserhebs­maschinen auch einen Stoßheber ganz genau. Sein ver­besserter Revolver, den er sich 1661 patentieren ließ, ist be­reits eine Art Magazingewehr mit Hinterlader-Einrichtung; er enthältzehn Kugeln, die hintereinander abgeschosien werden können, so daß man mit einer einzigen Ladung zehn Diebe töten kann, ohne von neuem zu laden." Die Ge­danken einer Universalschrift beschäftigten auch den Marquis, die die Völker untereinander näher verbinden sollte. Seine größte Erfindung aber war dieFcner-Wasser-Maschine", die durch Dampf in Bewegung gesetzt wurde und in Vaux- hall mehr als acht Jahre in Tätigkeit war. Es war eine

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