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Nr. 205 . Morgen-Ausgabe, 1. Blatt. Wiesbadener Tagblatt.

fein wird, schließt doch ganz aus, daß gerade m diesem Jahre der Kaiser unsere Stadt meiden sollte.

Aus dem fernen Osten von der russischen Grenze dringen zwar Nachrichten durch die Zeitungen, daß am Goplosee Terrain militärischerseits zur Erbauung einer Luftschiffhalle gleich der in Metz angekauft wurde. Immerhin wird Metz den Ruhm haben, die erste Luft- rreuzerstation des Reiches zu sein, wie es. überhaupt als Festung sicher in allererster Linie marschiert. mmwnv. . ""**.- '

Arrs MKdi und Kaud.

Wiesbadener Nachrichten.

Wiesbaden, 4. Mai.

Die Gefahren der Straße.

Mr die Jugend bietet das Straßenleden in großen Städten mancherlei Gefahren, insbesondere soweit sie sich im schulpflichtigen Alter befindet. In den Abeud- «tunden, wenn die beendete Berufsarbeit den Straßen­verkehr am stärksten anschwellen läßt, vft Liefe Gefahr am höchsten, denn oft fehlt es nicht an Szenen aus­brechender Roheit in Worten und Gebärden. In diesem Milieu gedeiht der Samen der Verwahrlosung der Jugend, zumal die Schulen und Anstalten, welche tags­über den Kindern Schutz und Bewahrung bleten, meistens abends geschlossen find. Wenn nun die neuere Gesetzgobunig sich einerseits tbemÄht, vre hernnw-achseuoen Kinder vom Hausieren, vom Besuch der Kneipen und überhaupt tunlichst von der Arbeit ausz-uschalten, w er­wächst ihr andererseits die Aufgabe, die Hand zum Schutz und zur Aufsicht der Jugend zu bieten. In diesem Sinne kann man einen Erlaß auffassen, den der öster­reichische Unterrichtsminister Iw. Marchet vor kurzem an die Schulbehörden gerichtet Hat. Der Erlaß behandelt hie Ausgaben der Schule über den Schutz der Jugend sowohl im schulpflichtigen als auch im vorschulpflichtigen Alter in Anbetracht der fortschreitend sich geltend machen­den Verwahrlosung der Jugend. Der Erlaß erklärt zunächst die Bereitwilligkeit der Staatsregierung, für neu zu errichtende Kinderbewahranstalten, namentlich in Orten mit vorwiegender ArbeiterLevölkerung, ange­messene Beiträge zu Len Kosten zu gewähren. Es werden bann ausführlicher die Maßnahmen erwogen, welche den Schutz der im schulpflichtigen Alter stehenden Kinder in schulfreier Zeit vor dem Herumlungern und vor den Gefahren der Straße 'bezwecken. Hierbei werden zunächst die Aufgaben der Kinderhorte und Klnderböfchäftigungs- anstalten besprochen. Der Minister fügt noch hinzu, daß auch der Pflege des Jugendfpieles das besondere Augen­merk zuzuwerrüen und zu diesem Zwecke auf die Schaf fung von Jugendspielplätzen, zumal in größeren Orten, mit allenl Nachdrucke hinzuwirken wäre. Auch die er­ziehliche Knabenhandarbeit sei als ein Mittel anzu­sehen, das durch die Freude an der Arbeit und an dem durch diese Geschaffenen sehr wohl geeignet sei, die Fugend von den Freuden und Vergnügungen der Straße mit ihren verderblichen Folaeerscheinungett fern zu halten. Überhaupt sei jede Institution, welchen ytamen sie auch führen möge, die die Jugend außerhalb der Unterrichtsstunden bei entsprechender Aufsicht an­gemessen in Anspruch nehme und zu sittlichem Gchabeu anleite, der Beachtung und Förderung von seiten der Schule würdig. Der Minister erklärt sich bereit, nach Maßgabe der verMgbaren Mittel auch Institutionen dieser Art durch Gewährung von Subventionen seine Unterstützung angedeihen zu lassen. Es erscheint indes, so bemerkt der Erlaß weiter, wenn die Volksschule ihrer erziehlichen Aufgabe gerecht werden soll, ^ notwendig, besonders auch auf einen geregelten Schulbesuch Bedacht zu nehmen und in Absicht auf die Erzielung eines solchen ebenso gegen die ihre einschlägige Pflicht hintan- setzenden Eltern und deren Stellvertreter mit aller Entschiedenheit vorzugehen, wie andererseits gegen jene Kinder, welche eigenmächtig dem Unterricht fern bleiben, die Mläffigen Disziplinarmittel Der Schule mit ziel- bewußter Beharrlichekit anzuwenden. Was jene Kinder anbelangt, bei welchen mit den gewöhnlichen Diszi- pltnarmatzrogeln der Schule nichts erreicht werden kann, so werde der Landesschulrat die Einrichtung von Dts- ziPlinarklassen bei den schnlerhalterrden Faktoren an­regen. 5Befntöfje der der allgemeinen Volksschule ob- ltogenden Aufgabe erscheine ferner die Lehrerschaft be­rufen, neben dem Verhalten der Kinder in der Schule auch dem Betragen derselben außerhalb der Schule ihre Aufmerksamkeit zu schenken, andererseits aber auch berechtigt, zur Abstellung etwaiger Unzukömmlichkeiten nicht nur die pädagogisch bewährten zulässigen Mittel in Anwendung zu bringen, sondern nötigenfalls die Mitwirkung der Schulbehörden, der Ortspolizei und des Pflegschaftsgerichtes in Anspruch zu nehmen. In­dem der Minister für eine kraftvolle Mitwirkung der Lehrerschaft ans dem Gebiete des Kinderschuhes als an einer der Schule obliegenden erziehlichen Aufgabe an das Pflichtgefühl appelliert, stellt er schließlich auch be­sondere Anerkennung für hervorragende Leistungen auf diesem Gebiete in Ansficht.

Wenn Der österreichische U n t e r richt sm in ist er die Kinderhorte, Knaben-beschäftigungs-Anstalten, Jugend- spiele, den Handfertigkeitsunterricht und die Einrichtung vonDisziplinarschulklassen" als Mittel zur Be­kämpfung der schlechten Eindrücke des Straßenlebens namentlich auf schulpflichtige Knaben hinstellt, so ist dazu zu bemerken, daß alle diese Institutionen doch meistens nur für die Tages- oder höchstens die Nach- Miitagöstunden, nicht aber für die besonders gefahrvollen Abendstunden in Betracht kommen. Für diese käme eine Einrichtung in Frage, die in Amerika und England schon feit Jahren mit Erfolg angewendet wird, nämlich bas K i n L e r l e s e z i m m e r. So wie von strebsamen Fünglingen u^d Erwachsenen die Lesezimmer der Volks- bibliotheken mit Vorliebe abends ausgesucht werden, so geschieht dies seitens der Kinder auch in den Orten, wo sich Kinderlesezimmer befinden. In Hamburg tritt gegenwärtig die Patriotische Gesellschaft für die Aus- sübruua dieser Idee ein. Diese Gesellschaft hat mit den

vor einigen Jahren von ihr errichteten drei großen Bücherhallen einen beispiellosen Erfolg in der Ver­breitung guter Lektüre gehabt und so wird auch die neu erwählte Kommission zur Einrichtung von Kinderlüse- zimmern in allen Stadtteilen voraussichtlich bald mit der Sympathie weiter Kreise der Handels-Großstadt rechnen dürfen. Gerade in Hamburg macht sich in den ärmeren Stadtteilen die Enge der Wohnungen bejson- ders fühlbar und ermöglicht es vielfach nicht den Kindern, sich zu Hause in ein gutes Buch zu vertiefen. Das erste Kinderlesezimmer wurde im Gemeindehaus zu St. Georg am 22. Oktober eröffnet. Es sind dort 380 ausgewählte Jugendschristen aufgestellt. Eine Dame, der andere Damen als freiwillige Hilfskräfte beistehen wollen, führt die Aufsicht. Eine Summe von 8000 M. hat die Julie-Kufel--Stiftung für die KünderlesezimMer zur Verfügung gestellt. Ein Herr I. G. Hat 1000 M. geschenkt, und weitere Beiträge sind gesammelt worden. Es wird alltags von 6 bis 7Vz Uhr geöffnet sein. Kinder von 9 Jahren bis zur Konfirmation sind willkommen. Ein zweites Lesezimmer soll in einem anderen Stadt­teile eröffnet werden.

Wie wäre es, wenn die bestehenden Bolkslefehallen in den deutschen großen Städten ein besonderes Zimmer als Kinderlesezimmer einrichteten? Diese Verbindung würde nur geringe besondere Anforderungen an die Beaufsichtigung stellen, da >das benötigte Lesematerial ja größtenteils in den Volksbibliotheken mit enthalten ist oder doch ergänzend beschafft werden bann. sie.

Naffauischer Sängerbund.

Der diesjährige Delegiertentag des Nassauischen Sängerbundes" fand am Sonntag im Gast­hausZum Schwanen" in Erbenheim statt. Bürger­meister Merten begrüßte die Erschienenen und lud sie zu dem am 26. bis 28. Juni d. I. in Erbenheim abzuhaltenden 11. Gesangwettstreit des Nassauischen Sängerbundes ein. Namens des geschäftsführenden Ausschusses wünschte Herr Heinrich Merten den Verhandlungen besten Erfolg. Der Bundesvorsitzende Herr Heinrich Jamtn-Heddernheim stellte fest, daß 36 Vereine vertreten seien. Herr Heinrich Thiele- Schierstein erstattete den Kassenbericht; darnach betrugen die Einnahmen 318,82 M. und die Ausgaben 144,80 M. Die Jahresrechnung wurde in Ordnung befunden und dem Kassierer Entlastung erteilt. Der Jahresbeitrag, welcher seither 3 M. betrug, würde auf 5 M. erhöht. Die An­träge des MannergesangvereinsFidelio"-Biebrrch und des Bundesvorsttzenden Jamin, diejenigen Vereine, welche sich nicht an dem Bundeswettstreit beteiligen, resp. diejenigen Vereine, welche sich nicht am Bundeswettstreit beteiligen, aber inr selben Jahre einen sogenanntenwilden" Wettstreit besuchen, aus dem Bunde auszuschließen, wurden bis zum nächsten Delegiertentag zurückgestellt. DerLiederkrcrnz"- Rambach bearrtragt, daß die Punktierungstabellen sofort nach dem Singen den wettstreitenden Vereinen übergeben werden Möchten. Es wurde beschlossen, die Punktierungen durch die Preisrichter auf Durchschreibpapier vornehmen zu lassen und, nachdem der Bundesvorstand, resp. Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses dieselben einer Prüfung unterzogen haben, sie den Vereinen zu übergeben. Der Be­ginn des Wettsingens am Sonntag wird auf 11% Uhr fest­gesetzt. Jeder Klasse steht ein großer Saal zur Verfügung. Vereine, welche sich aus irgend einem Grunde am Wettstngen nicht beteiligen, haben das Recht, das Fest durch Vortrag von Chören auf dem Festplatz verherrlichen zu helfen. Die wettstreitenden Vereine singen in folgender Reihenfolge und Stärke: 1. Kunstklasse: 1.Frohsinn" - Heddernheim,

47 Sänger, 2.Fidelio"-Biebrich, 63 Sänger, 3. Männer­gesang-Verein Schierstein, 73 Sänger. 2. Kunstklasse: 1.Liederkranz"-Run!el, 28 Sänger, 2.'Eintracht"-Schier- stein, 30 Sänger, 3.Eintracht"-Niederlahnstein, 29 Sänger, 4.Frohsinn"-Oberlahnstein, 34 Sänger, 8.Arndt"-Ems, 39 Sänger, 6.Liederkranz"-Heddernheim, 30 Sänger, 7.Liederblüte"-Dotzheim, 85 Sänger, 8.Eintracht"- Johannisberg, 39 Sänger, 9. Arbeiter-Gesangverein-Biebrich, 31 Sänger. Volksklasse: 1. Märmergesang-Verein-Vocken-- hausen, 37 Sänger, 2.Sängerlust"-Schierstein, 45 Sänger, 3. Männergesang-Verein-Naurod, 39 Sänger, 4.Cäcilia"- Winkel, 28 Sänger und 5.Harmonie"-Kiedrich, 24 Sänger. Ferner teilte der Bundesvorsitzende mit, daß im Kreise Limburg unter dem Vorsitz des Landrats Büchting und im Kreise Höchst unter dem Vorsitz des Landrats Achenbach Sängervereinigungen ins Leben gerufen werden sollen. Es wurde beschlossen, den beiden Herren die Mitteilung zu­kommen zu lassen, daß derAassauische Sängerbund" schon über ein Vierteljahrhundert bestrebt sei, die Sangeskunst zu pflegen. Zum Schluß wurden die einzelnen Preischöre ver­ausgabt, und zwar für die erste KunstklaffeKaiser Rot­barts Maiensegen", Gedicht von Rudolf Dictz, komponiert von N. v. Wilm, für die 2. KunstklasseHeimatglocken", Ge­dicht von Karl Heinz Hill, komponiert von Karl Wmann, und für die VolksklasseDie Lotte am Tore", Volkslied, bearbeitet von N. v. Wilm. Ein gemeinsames Mittagessen beschloß die gut verlaufene Versammlung.

Gesellschaftsabend des Vereins Wiesbadener Presse. Karten im Vorverkauf für das am Donnerstagabend %9 Uhr im Paulinenschlößchen stattsindende große Pressefest sind zum Preise von 6 M. in der Schalterhalle desWies­badener Tagblatts" zu haben, ebenso in der Expedition ser Wiesbadener Zeitung", vormalsRheinischer Kurier". Weitere Verkaufsstellen werden im Anzeigenteil der nächsten Nummer bekanntgegeben. Die Subskription gestaltet sich sehr lebhaft, und es hat den Anschein, als ob das Fest, für das bekanntlich alle Spitzen der Regierungs- und Kom­munalbehörden eingetreten sind, außerordentlich stark be­sucht würde. General-Intendant Graf Hülsen- Häseler ist dem Ehrenausschuß zum Pressefest bei­getreten.

Der Wiesbadener Verein für Sommerpflege armer Kinder sandte vorgestern und gestern die ersten Kolonien aus: 80 Mädchen kamen ins Ferienheim bei Oberseelbach und 28 ins Elisabethensttft in Kreuznach. Von den Ange­hörigem zur Bahn begleitet, zogen die Scharen jubelnd ihrem Bestimmungsort entgegen, wo ihnen durch stärkende Bäder, kräftige Kost und frische Landluft die so nötige Erholung winkt. Zu dieser ersten Sendung sind vor allem solche

Dienstag, 4. Mai 1900, _ Seite 3. ^

Kinder ausgewähtt worden, die nach schweren Erkrankungen im Winter jetzt bei den ärztlichen Untersuchungen als be­sonders bedürftig bezeichnet wurden. Leider zeigte es sich bei der Gepäckrevision wieder, daß trotz aller Ermahnungen an die Eltern die Ausrüstung bei vielen ungenügend war; die Vorräte der Kommission wurden so sehr in Anspruch genommen, daß diese sich mit der herzlichen Bitte an alle Gönner des Vereins wendet, sie durch Zusendung von Schuhen, Wäsche, Mänteln, besonders auch Schirmen, in den Stand zu setzen, den bald folgenden neuen Anforderungen zu genügen. Herr W. Erkel, Wilhelmstraße 54, ist bereit, Sachen in Empfang zu nehmen, ebenso der Hausmeister, Stcingasse 9, 3; auf Wunsch werden sie auch abgeholt.

Klagen über das neue 3-Mark-Stück. Aus kauf» männischen Kreisen wird uns geschrieben: Das neue 3 -Mark- Stück, dessen Einführung von der gesamten Kaufmannschaft sowie von allen Gewerbetreibenden mit großer Freude be­grüßt worden ist, da es einem wirklichen Bedürfnis im Kleingeldverkehr entsprach, hat sich im geschäftlichen Leben doch nicht so bewährt, wie man allgemein annahm, und gibt schon oft zu mancherlei Klagen Anlaß. Es ist eben nicht deralte Taler"! Wenn auch das 3-Mark-Stück dem verflossenen Taler an Geldeswert gleichkommt und auch in der Größe sowie in der Dicke möglichst dem alten Vorbild nacheifett und darum scheinbar geeignet ist, ihn völlig zu ersetzen, so ergeben sich doch aus kleinen Äußerlichkeiten der neuen Form allerlei Mißstände, die beim alten Taler ver­mieden waren. Das 3-Mark-Stück ist ein Übergang vom 2-Mark-Stück zum 5-Mark-Stück. Der Wettunterschied zwischen 2 Mark und 3 Mark ist, in Silberform ausgedrückt, nicht gerade sehr groß. Während das 2-Mark-Stüü als ganz neue Münze vom neuen Münzgepräge sich sehr leicht von dem alten glatten Taler unterscheiden ließ und wohl selten zu Verwechslungen Anlaß gab, hött man jetzt vielfach von Verlusten, die durch eine Verwechslung dieser beiden Münzsotten entstanden sind und von großen Geschäften sogar schon aus eine bestimmte Höhe angesetzt werden können. Die neuattige Prägeform der 3-Mark-Stücke und besonders der breite Adler sowie das Pottrait Kaiser Wilhelms II., die den 2-Mark-Stücken und 3-Mark-Stücken mit ganz geringen Größenunterschieden gemeinsam sind, fördern eine Verwechslung dieser beiden Münzen ganz unge­mein. Der alte Taler unterschied sich nicht nur durch die alte Form des Adlers auf der Rückseite der Münze von dem 2-Mark-S1ück, sondern wies auch meist ein ganz anders ge­artetes Herrscherbild auf der Vorderseite der Münze auf. Wenn auch diese Ähnlichkeiten, bezw. Unterschiede nicht sehr erheblicher Natur sind, fo sind sie doch bei dem geringen Größenverhältnissen der Münzen geeignet, entweder Ver­wechslungen herbeizuführen oder Verwechflungen vorzn- beugen. Dazu kommt noch die Schnelligkeit des Vettchrs, die eine Prüfung sehr oft unmöglich macht und bei der die geringen Größenunterschiede des Adlers und des Kaiser­bildnisses bei sonst völliger Gleichheit des Bildes von neben­sächlicher Bedeutung sind. Die lange Gewöhnung an das

2- Mark-Stück fühtt schließlich in den meisten Fällen eine Verwechslung zum Schaden der Verkäufer herbei, die das

3- Mark-Stück, das noch in sehr beschränkter Anzahl im Um­

lauf ist, meist noch sehr selten zu Gesicht bekommen haben und denen es deshalb noch nicht ein gewöhntes Verkehrs­mittel geworden ist. In den meisten großen Geschäfts­häusern wurden darum die Kassierer und Kassterettrme» schon mehrfach darauf hingewiesen, bei der Ausgabe von Silbergeld besonders auf die 2- und 3-Mark-Stücke zu achten^ damit sie vor Schaden bewahtt blieben. Vielleicht wird eine größere Gewöhnung der kaufmännischen Kreise an die neue Münze, wenn sie erst einmal vollzählig im Umlauf ist, den obenerwähnten übelstand beseitigen. Einstweilen besteht er aber ganz offenkundig und es wäre vielleicht eine Keine Änderung der äußeren Form angebracht, die eine Verwechs­lung ansschließt. Vielleicht würde sich eine Münze empfehlen, die größer und dünner wäre als das 3-Mark-Stück. Dadurch wäre eine Verwechslung mit dem 2-Mark-Stück ausge­schlossen, und mit dem 5-Matt-Stück auch nicht in Bettacht kommt. - fe,

Goldene Hochzeit. Dem sächsischen Provinzialschnlra, Herrn Dt. Bräutigam, welcher seit einer Reihe von Jahren hier im Ruhestand lebt, und mit seiner Gattin gestern das Jubelfest der goldenen Hochzeit begehen konnte, wurde bei der Trauung, die in der Bergkirche voll­zogen ward, von Herrn Pfarrer Veesenmeyer mit einem Glückwunschschreiben des sächsischen Konsistoriums eine Ehrenbibel von der sächsischen Landeskirche überreicht.

Arbeitsnachweis. Bei den Vermittelungsstellen des Vereins für Arbeitsnachweis" im Rathaus standen im April d. I. in der Abteilung für männliche Personen 642 Arbeitsgesuche 467 Angeboten von Stellen gegenüber, von denen 330 besetzt wurden. In den Abteilungen für weibliche Personen lagen 903 Arbeitsgesuche vor; 1071 Stellen waren angemeldet und 687 wurden besetzt. Der Abteilung für das Gast- und Schankwittschaftsgewerbe waren 612 Arbeits­gesuche, darunter 254 von weiblichen Personen, zugegangen, denen 730, darunter 303 für weibliche Personen, offene Stellen gegenüberstanden; von denselben wurden 460, dar­unter 118 durch weibliche Personen, besetzt. Insgesamt waren im April dieses Jahres 2160 (im April 1908 1136) Arbeitsgesuche und 2268 (1401) Angebote angemeldet, besetzt wurden 1477 (597) Stellen.

Der Deutsche Verein für Schulgesundheitspflege hält seine diesjährige 10. Versammlung in Dessau am 1. und 2. Juni ab, zu der jedermann Zutritt hat. Nach dem soeben veröffentlichten Programm wird sich die Versammlung zu­erst mit dem überaus wichtigen ThemaSchutz der Augen in Schule und Haus" beschäftigen. Als Referenten sind hier­für gewonnen: Professor Dt. Best-Dresden als medizinischer, Volksschullehrer Graupner-Dresden als pädagogischer und Hauptmann a. D. v. Ziegler-Rummelsburg als militärischer Referent. Den zweiten Hauptpunkt der Tagesordnung bildet das ThemaProphylaxe und Bekämpfung der Lehrerkrank- heiten mit besonderer Berücksichtigung der Volksschule". Sanitätsrat I>r. Thiersch-Leipztg wird diese Frage vom medizinischen Standpuntt behandeln; pädagogische Referen­ten sind: Rektor Endrt s- Rüdesheim und Lehrerin Frl. A Dörries-Hannover. Mit der Jahresversammlung ist die Tagung der Vereinigung der Schulärzte Deutschlands der- bunden. Hierfür sind Vorträge über die einheitliche Organi­sation des schulärztlichen Dienstes von Sanitätsrat Dt. F. Cuntz-Wiesbaden und Stadtarzt Dt, Oebbecke-Breslau