Nr. 203.
Morgen-Ausgabe, 1. Blatt._MrSVS-eN-r TaKblütt.
Erledigung von durchschnittlich täglich 657 Sachen. Der Bericht schließt mit dem Hinweis, daß die Kasse im abge- lausenen Jahre trotz der finanziellen Schwierigkeiten auf der Höhe ihrer Leistungen geblieben ist. Der Stand der Finanzen wäre heute trotz alledem kein so ungünstiger, wenn die Kasse nicht zu sehr unter der Zersplitterung im Krankenkassenwesen zu leiden hätte. Auch auf die bevorstehenden Verhandlungen mit den Ärzten bezüglich Abschlüsse neuer Verträge nimmt der Bericht Bezug in der Hoffnung, daß es dem Vorstand gelingen möge, die durch das heute bestehende freie Arztwahlsystem herbcigeführten, im Bericht selbst nachgewiesencn Nachteile der Kasse zu beseitigen. In der auf den 5, Mai er. cinberufenen 2. ordentlichen Generalversammlung steht der Bericht zur Tagesordnung.
— Am Denkmal Wilhelms des Schweigers vor der evangelischen Marktkirche war dieser Tage ein Lorbeeckranz mit Schleife in den deutschen Farben und dem Stadtwappen niedergelegt, über den Zweck dieser Ehrung erfahren wir, daß sie dem Geburtstag des Oraniers galt, der am 24. April 1533 geboren war.
— Der Bezirksverein Mittclrhcinischer Mincralwasser- sabrilantcn, Sektion Wiesbaden", richtet im heutigen Inseratenteil eine Warnung und Bitte an das Publikum. Namentlich wird gewarnt vor dem strafbaren Mißbrauch und Ankauf der Mineralwasserflaschen. Im Interesse der Konsumenten dürfte es gelegen sein, Füllungen nur kn Flaschen des betreffenden Fabrikanten, bezw. Händlers anzunehmen. Entsprechende Belohnung erhält derjenige, der Flaschenmarder so zur Anzeige bringt, daß dieselben gerichtlich belangt werden können.
— Kinematographische Vorführungen. Morgen, Montagvormittag 11 Uhr, werden behufs linematographischcr Vorführungen in der Ausstellung Hierselbst photographische Aufnahmen: „Leben und Treiben vor und im Kaufhaus S. Blumenthal u. Ko., Kirchgasse 39", vorgenommen. Die Sache wird von dem bekannten Impresario Viktor D r e ch sl e r arrangiert, welcher eigens zu diesem Zweck aus München nach hier gekommen ist.
— Das neue Fünsundzwanzigpfennigstück. Das vom Bundesrat angenommene Modell für das neue Fünfund- zwanzigpsennigstück ist, wie wir hören, eine Kombination zweier Entwürfe ans dein veranstalteten Wettbewerb. Die mit dm beiden ersten Preisen ausgezeichneten Entwürfe haben keine Verwendung gefunden, hingegen hat der dritte Preis die Schristseite der neuen Münze geliefert» während der Reichsadler das Werk eines anderen Bewerbers ist. Die Münze wird in reinem Nickel in einer Größe von 23 Millimeter hergestellt. Wegen des geringen Größenunterschiedes von nur i Millimeter der Reichsmark wird die Münze erheblich dünner gehalten; daneben bleibt der Rand glatt.
— Der Reinertrag aus der Veranstaltung (großes Konzert im Kasino) vom 26. März d. I. hat 500 M. ergeben und ist an den Richard-Wagner-Stipendienfonds abgeführt worden.
— Versicherungszwang der Automobilisten. Sicherem Vernehmen nach sind zwischen dem „Kaiserlichen Automobilklub" und Interessenten gegenwärtig Verhandlungen im Gange, die bezwecken, für die Klubmitglieder im ganzen deutschen Kartell eine eigene Versicherung auf Gegenseitigkeit zu begründen. Man will hierdurch unabhängig vom Vcrsicherungstrust die Gefahr beseitigen, daß durch Ansetzung einer übergroßen Prämie mit Rücksicht auf das neue Haftpflichtgesetz die Automobilindustrie geschädigt wird. Einer Zwangsgenossenschaft steht man im „Kaiserliche Automobilklub" ablehnend gegenüber. — Bezüglich der Auiomobilrennstraße hat sich die Automobilindustrie bekanntlich dahin geäußert, daß sie gegenwärtig eine Rennstraße nicht wünsche, da sie zur Bestreitung von Rennen nicht erbötig ist. Es hängt dies mit der gegenwärtigen Geschäftslage der Automobilindustrie zusammen. Aus diesem Grunde hat man das Projekt auf ein Jahr zurückgestellt. Die vorhandenen finanziellen Schwierigkeiten sind hierbei nicht ausschlaggebend gewesen, da sie wohl zu überwinden wären.
—- Gewässerter Spargel. Es wird darauf hingcwiestn, daß die vielfach geübte Unsitte, Spargel, der unter Wasser aufbewahrt war, als frischen Spargel zu verkaufen, unzulässig und nach dem Nahrungsmittelgesetz strafbar ist, da derartiger „gewässerter" Spargel gegenüber frischgestochc- nem minderwertig ist. Die mit der Nahrungsmittelkontrolle beauftragten Beamten der Polizei werden jeden derartigen Fall zur Anzeige bringen. — Also heiht's im Frankfurter Polizeibcricht.
— Knrhans-Wochcnprogramm. Ein K am mermujik- Übend im Abonnement der Herren Inner, Brühl, Sadony, Schildbach und Spanaenberg unter Mitwirkung der Konzertsangerin Fräulein Elsa Laube aus Hamburg eröffnet am Dienstag die besonderen _ Kurhaus - Veranstaltungen der kommenden Woche. Am Mittwoch spielt das Kurorchester im Abonnement einen Nordischen Kamponisten-Abend. Am Donnerstag findet um 12 Uhr ein Militär-Promenade-Kon- zcrt an der Wikhelmstraße statt, wie von nun an jede Wocye am Donnerstag. Mit einem Festkonzert nachmittags 4 Uhr im Abonnement feiert die Kurverwaltung an diesem Tage den Geburtstag des Kronprinzen: abends, 8 Uhr spricht im kleinen Saal Ludwig Fulda eigene Dichtungen. Für Freitag hat die Kurverwaltung die Königliche Kammersängerin Lilli Lehmann zu einem Liederabend gewonnen, der bei einfachen Preisen stattfindct und große Zugkraft üben dürfte. Der Samstag bringt ein Gartenfest mit großer Illumination und Ball. Für Sonntag sind zwei Duppvlkonzerte (4 und 8 Uhr) im Abonnement anberaumt, außerdem beginnt an diesem Tage im kleinen Saal unter der Bezeichnung „Lyrik des 19. Jahrhunderts in Wort und Gesang", ein Zyklus historischer Konzerte. auSgeführt von der Königlichen Opernsängerin Frau Dr. Schrödcr-Kaminsky von hier, dem Königlichen Opernsänger Heinz Raven vom Hostheater in Cassel, dem Regisseur und Dramaturg am Königlichen Theater Dr. Oberländer und dem städtischen Kapellmeister Uao Afferni. Die MaKcoach-Ausslüge finden täglich 3% Uhr ab Kurhaus statt.
— Stenographisches. Der „Stenographeiiverein Gäbels- berger" eröffnet Dienstag, den 4. Mai, abends 8y 2 Uhr, einen neuen Anfängerkursus in der Stenographie Gabelsberger für Damen nrid Herren; der Unterricht findet in der Mittelschule Lüisenstraße 2!), Zimmer 26, statt und wird von staatlich geprüften Lehrern der Stenographie geleitet. Anmeldungen nimmt die Geschäftsstelle des Vereins, Wörthstraße 3, 2 rechts, entgegen.
— Der Verband Deutscher Ostseebäder zu Berlin, Unter oen Linden 76 a, dem alle iraenwie bedeutenden Ostseebäder angehören, versendet seinen loeben erschienenen bekannten Kührer durch die Ostseebäder 1909 für 80 Pf., franko 60 Vr. Der Führer, 304 Seiten stark mit Karten und Plänen,
beschreibt in Kürze sämtliche 79 Ostseebäder und enthalt alles
Wissenswerte in bezug auf ihre Lage und Einrichtungen, über Reife, Unterkunft und Aufenthalt, Kurtaxe ufw. .. Die Auswahl eines passenden Bades wird durch diesen Führer sehr erleichtert. In iinserer Stadt zu beziehen durch oj. Schottenfels u. Ko., Theater-Kolonnade 29—31.
-— Güterrechtsregister. Gütertrennung haben eingeführt die Eheleute Maurer August Ott und Anna, geb. Schwarz, zu Wiesbaden, und Rentner August Bücher zu Wiesbaden nlid Laura, geb. Sedlmayr.
— Steckbrieflich verfolgt werden der Stallschweizer Emil Albert Knörich, geboren am 10. September 1881 in Striogau, wegen Diäbstähls, und der Buchbinder Max Lange, geboren tun 10. April 1884 zu Wiesbaden, wegen Urkundenfälschung.
— Kleine Notizen. Die Tanzschüler des Herrn H. Edingshaus veranstalten heute Sonntag, mn großes Frühlingsfest im Gcrmaniasaal, Platter Straße 128.
Theater, Kunst, Vorträge.
* Königliche Schauspiele. Am Samstag, den 8. d. M..
findet, wie bereits mitgeteilt wurde, das einmalige Gastipiei oes rühmlichst bekannten Heldentenors Charles Dalmores statt. Uber den Künstler, welcher vor einiger Zeit in der Wiener Hofover als „Löhenarin" gastierte, äußert sich die Wiener Presse in enthusiastiicher Weise; n. a. schreibt das „Wiener Journal": „Dalmores , hat zum zweitenmal den
„Lohengrin" gesungen. Noch mächtiger. entfaltete sich die glänzende Pracht der Stimme. . Was dieser ganger kanii, ist imponierend. Zu der königlichen Virtuosität kommt das wundervollste musikalische Verständnis und die aufrichtigste künstlerische Hingabe." In gleichem Sinne urteilen andere Blätter. Bekanntlich wird Dalmores auch hier als „Lohen- grin" austreten.
* Mai-Festvorstellungen. Für die am 21. und 22. Mai im hiesigen Königlichen Theater in Gegenwart der Allerhöchsten Herrschaften stattfindenden Vorstellungen zoll anz Allerhöchsten Befehl mit Rücksicht darauf, daß Se. Maiestat der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin an dielen beiden Tagen bis nachmittags dem Preissingen der Mannergesangvereine in Frankfurt a. M. beiwohnen werden, von. Opern- aufführniigen abgesehen werden. Das Programm für die;c beiden Tage ist wie folgt festgesetzt worden: Am 21. Mar: „Die Neuvermählten", Lustspiel in 2 Auszügen, von Bjornstiernc Bjürnson, Deutsch von Wilhelm Lange. Hierauf: „Der blaue Teufel", ländliches Charakterbild mit Gesang in 1 Aufzug von Max Stieler (mit Direktor Konrad Dreher). Am 22. Mai: „O, diese Leutnants", Lustspiel in 3 Akten von Kurt Kraatz. Diese beiden Vorstellungen finden, um auch weiteren Kreisen Gelegenheit zu geben, einer Vorstellung vor den Allerhöchsten Herrschaften beizuwohnen, zu erhöhten Tagespreisen statt. Diese Preise betragen (elnschließlich 50 Pf. Bormerkgebühr): Seitenloge im 1. Rang 10.50 M.,
1. Ranggalerie und Orchcstersessel 9.50 M.» Parkett 7.50 M., Parterre 4.5« M., 2. Ranggalerie 1. Reihe 6.50 M„ 2. Rang- gcrlerie 2. Reihe und 3., 4. und 5. Reihe Mitte 4.o0 M.,
2. Ranggalerie 3. bis 5. Reihe Seite 3.50 M.. 3. Ranggalerie 1. Reihe und 2. Reihe Mitte 3.50 M., 3. Ranggalerie 2. Reihe Seite und 3. und 4. Reihe 2.50 M.. Amphietheater 1.90 M.
* Residenz-Theater. Der andauernd große Erfolg, den Ludwig Thomas „M ora l" bei bisher stets ausverkauften Häusern erzielte, veranlaßt die Direktion, das beliebte Stuck in dieser Woche morgen Montag und am Donnerstag zu wiederholen. Am Dienstag wird Wilhelm Jacobys trefflicher Schwank „Der Doppelmensch", der inzwischen an einer Reihe von Bühnen außerordentlichen Erfolg erzielte, wieder in den Spielplan aufgenommen. Am nächsten Samstag gelangt als Neuheit zum erstenmal „Im Klubsessel" zur Aufführung, Lustspiel von Karl Roeßler und Ludwig Heller, welches, in dieser Spielzeit in Berlin der größte Erfolg auf dem Gebiete
des Lustspiels war.
* Unter dem Titel: Lyrik des 10. Jahrhunderts,im Wort
und Gesang" wird der Dramaturg der hiesigen Königlichen Schauspiele, Herr Dr. Hans Oberländer, im Kurhaus einen Zyklus historischer Konzerte geben. Über die Idee dieser Veranstaltung schreibt er uns: Dem Programm musilalisch-
deklamatori'scher Soireen, die in ihrer früheren Form — glücklicherweise aus der Öffentlichkeit verschwunden, ganzlia, in die Allein- und Gewaltherrschaft des Laientums gerieten, eine neue, des Podiums würdige Idee zu geben, ist der literarische Zweck meiner historischen Konzerte, die zur Bestimmung haben, eine „praktische" Darstellung der lyrischen Poesie im Wort und Gesang dem Publikum zu übermitteln. Jedem einzelnen Programm des ganzen Zyklus „Lyrik des 19. Jahrhunderts im Wort und Gesang" soll eine einheitlich geschlossene und bestimmte literarische Idee zugrunde gelegt werden. Es handelt sich in allen Programmen um die Wiedergabe und literarische Einschätzung einzelner Autoren durch Rezitationen und Gesänge, oder mit der Wiedergabe mehrerer Autoren um die Charakteristik einzelner Epochen in der Entwicklung gewisser Dichterkrcise, deren geistige Verkettung für die Interpretation einen besonderen Reiz bietet. Aus den Rezitationen sollen die Dichter selbst für die. an ihnen geübte literarische Abwertung sprechen, aus den Gesängen aber ihre Komponisten, und es wird darauf ankommen. Zweiflern an dem Wert gesanglicher Borträge zum Zweck literarischer Einschätzung den besonderen Sinn der musikalischen Interpretation unserer Lyriker in diesem Zusammenhänge klarzulegen. Der musikalische Ausdruck des Komponisten ist stärker als jedes Wort, das wir andern, die wir nur lesen oder hören, über dasMaß unseres Empfindens, über das innere Erleben beim Genüsse eines lyrischen Gedichtes äußern können. Der Komponist, um es mit Absicht platt auszudrücken, macht sich über ein Kunstwerk der lyrischen Dich- tima. seine musikalischen Gedanken und gibt in einer neuen Kunstsorm gebunden, einheitlich und tief durchdrungen wieder, was er beim Lesen erlebte und genoß. Nicht einmal das abgeklärte Urteil der Kritik kommt diesem Ausdruck gleich, weil nur der Komponist mit seiner der Dichtung übergeordneten Kunst -beweisen kann, m welchem Maße die in jedem guten Gedicht lebende Seele des Poeten die Seele des Genießenden zu entzünden vermag, derart nämlich zu entzünden, daß der Genießende wiederum ein schassender wird und das Unaussprechliche, woran die Macht des Wortes scheitert, bis zu restloser Ausschopfinig des Gedankens und Empfindens in Musik auslöst. In mustkalricher Hinsicht wurde ich durch die Musikhistoriker und Professoren Dorn-Wies- baden, Max Friedlünder-Universrtat Berlin Kretschmar- Universität Berlin. Walfram-Umversttat Heidelberg, KauU- mann-Ünibersität Tübingen, sowie von unseren ersten deutschen Musikverlegern bei Sichtung des Programm-Materials unterstützt. Die einzelnen Programme iclbst stelle ich mit den irtiütwrieirben KnnMeün lesbtftltd} nach ben gründlichen unmittelbarer künstlerischer Stimmung und Wirkung Mummen, die alle Trockenheit falsch angebrachten Gelehrtentumsans- schließen und aus die Unterhaltung des Publikums abzielen. Die Absicht und neue Idee dieser Konzerte. Lne Stellung unserer «roßen Lhriker in der Literatur und Musrklrteratur auf eine'lebendig-praktische Weise durch Rezitation und Gesang zu veranschaulichen, ändert trotz des wissenschaftlichen Grundgedankens nichts an der Tatsache, daß chre pra.mijche Ausführung sich in nichts von gediegenen Unterhaltungs- konzerten unterscheidet. Der erste Abend, welcher am st Mai im Wiesbadener Kurhaus stattfindet, umfaßt „Theodor Storni und Eduard Morike", sowie ihre besten Kompoütionen vom Anfang des vorigen Jahrhunderts bis zur Gegenwart. , Die Lieder' werden gesungen von Frau Dr. Schroder-Kaminsky (Hoftheater Wiesbaden — Alt) und Herrn Heinz Raven (Hop- theater Cassel — Tenor).
* Kabarett Chat «vir der Walhalla. Das neue Programm ist ebenso abwechslungsreich wie unterhaltend. Besonders z>r erwähnen ist das Gastspiel der Brettl-Diva Trude Walde und das' des populären rheinischen Humoristen Paul Jülich., ,Dic Vorstellungen beginnen um 10)4 Uhr. Die neu eingerichtete KünUerklanse bleibt bis 3 Uhr geöffnet.
Sonntag, 3. Mar 160!). Seite 3. /
* Schiffcrmission. Montag, den 3. Mai, abends 8)4 Uhr,
findet im Vereinshaus Platter Straße 2 ein Vortrag von Herrn Schisfermissionar W ar stad t - Ruhrort über Schiffermission statt. Herr Warstadt war früher Jahrelang hier tätig. Eintritt frei.
Vereins-Nachrichten.
* Das von dem „Klub Edelweiß" heute Sonntag in Biebrich im Saal „Zur alten Turnhalle", Kaiserstraße, arrangierte Frühlingsfest, bestehend in Unterhaltung und Tanz, findet bei zeder Witterung statt.
* Der diesjährige große Frühjahrs-Familienausflug der Privatgesellschaft „Siegfried" findet heute Sonntag nach der „Alten Ädolfshühe" (Besitzer Herr I. Pauly) statt.
Aus dem Landkreis Wiesbaden.
/X Schierstein, 80. April. Die 11 nt e r st ü tz u n g s- lasse Einigkeit zählte im ersten Quartal 1909 für 27 Krankenunterstützungen mit 390 Krankheitstagen 472.68 IN. Unterstützungsgelder und 50 M. für einen Sterbefall aus. Der Mitgliederbestand beträgt zurzeit 114. Für Ausstellung ärztlicher Atteste wurde freie Arztetvahl beschlossen. — Von einer fleißigen Minorka-Henne erhielt ein hiesiger Züchter eine Anzahl Eier in dem respektablen Gewicht von 130 bis 140 Gramm. — Der von Haiger hierher versetzte evangelische Pfarrer Steubing würde heute durch den Kirchenvorstand begrüßt. Morgen Samstagabend geschieht dassekbe durch den evangelischen Kirchengesangverein, die Amtseinführung findet am Sonntag-Vormittag statt.
88 Erbenheim, 1. Mai. Gelegentlich des morgen in: Gasthaus „Zum Schwanen" stattfindenden Delegiertentages des Nassauiichen Sängerbundes werden di« von Vereinen, Freunden und Gönnern des Gesangvereins „Eintracht" zahlreich gestifteten und .zum großen Teil sehr wertvollen Preise zur Ausstellung gelangen. •— Kommenden Mittwoch hält der „Turnverein" seine Monatsversamrnlung im Gasthaus „Zum Löwen". Bei dieser Gelegenheit wird den Mitgliedern der vom „Turnverein" zum 11. Nassauifchen Ge- iangwettstrelt gestiftete Preis (Trinkhorn) vorgezeigt werden. — Gestern abend fand im Gasthaus „Zum Schwanen" die diesjährige Generalversammlung des Gewervever- cins statt. In Abwesenheit des ersten Vorsitzenden Herrn Wegsmeister Becker erüsfnete der zweite Vorsitzende Herr Lehrer Adolf Loos die Versammlung und gab, eintreteWd in die Tagesordnung, eingehenden Bericht über das abgelaufene Vereinsjähr., Darnach betrug die Mitgliederzahl 133 gegen 143 im Vorjahr. Die Zeichenschule, in welcher, außer den gesetzlichen Ferien, das ganze Jahr unterrichtet wurde, war von 61 Schülern besucht, welche sich auf 3 Klassen verteilten. Die Zeichenborschule zählte 32 Schüler. Der Unterricht in der gewerblichen Fortbildungsschule begann am 1. September vorigen Jähres und wurde an 3 Wochentagen, Dienstags, Donnerstags und Freitags von nachmittags '6 bis 8. Uhr erteilt. Die Schülerz-ckhl betrug 45, welche in 2 Klassen getrennt unterrichtet wurden. Der Kassierer Herr Philipp Hch. Christ erstattete den Kassenbericht; die Einnahmen betrugen 1223 M-, die Ausgaben 1231.80 M. Zu Rechnungsprüfern wurden die Herren Heinrich Ott, Wilhelm Häuser und Karl Schröder gewählt. Bei der nun folgenden Ergänzungswähl des Vorstandes wurden die Herren Lehrer Adolf Loos und Schuhmachermeister Phil. Theodor Stein wieder- und Glasermeifter Karl Bewtol.d neugewählt. Zu der am 28. und 29. Juni d. I. zu Wiesbaüeri stattsindendeir Generalversanimlung des Gcwerbcvereins für Nassau sollen zwei Abgeordnete entsandt werden und wunden die Herren Lehrer Adolf Loos und BautcchniLer WiWelm Häuser nnld als deren Stellvertreter die Herren Wegemeister August Dambeck und Schreinermeister Heinrich Krag bestimmt.
Nassanische Nachrichten.
M. Schlanyenlmd, 1. Mai. Das Ehepaar Hotelbesitzer Herr Georg Winter und Frau feierten heute das Fest der silbernen Hochzeit. Der hiesige Schützenverein brachte dem Jubelpaar am Vorabends einen kräftigen Salut. — Vorn 1. Mai äch hat die Kleinbahnverwaltung den Frühzug ab Eltville 6.45 Uhr in den Fahrplan ausgenommen..
H. Neücnhttin, 30. April. Am Mittwoch wurde in der hiesigen Turnhalle ein frecher Einbruch verübt. Die Diebe müssen es auf Turnutensilien abgesehen haben, denn einige .Handübungsinstrumente fehlen. Für die Ergreifung der Tater ist vom hiesigen Turnverein eine Belohnung von'50 M. ausgefetzt. _
Aus der Umgebung.
vrb. Gießen, 1. Mai. In dem benachbarten Kirtorf wurde der Aübeiter Lanz durch herabstürzende Ebdmassen eines Steiäbruches b e r z ch ü t t e t. Seine Frau fand ihn, als sie ihm das Essen bringen wollte, tot vor.
Sportliche Aücrsicht.
Im R e n n s p o r t ist jetzt der Betrieb auf der ganzen Linie eröffnet. Die Flachrennsaison fand am Sonntag in Hamburg-Horn ihre Fortsetzung, nachdem Cöln acht Tage vorher sie eingeleitct hatte. Von dem Programm des Eröffnungstages verdiente das „Frühjahrs-Handicap" die meiste Beachtung. Das mit 16 000 M. ausgestattete Rennen versammelte eine stattliche Zahl von Pferden am Start, Herrn G. Kochs „Anklang", der schon in Cöln seine hohe Lklasse bewiesen hatte, konnte auch hier wieder, trotz des ihm zudiktierten, fast unglaublich hohen Gewichtes, Las er zu tragen hatte, sicher gewinnen. Auch im Hindermssport gab es ein Rennen von Bedeutung. Die „Berolina" wurde in Karlshorst geritten und von Lt. v. Lippas „Gerolstein" sicher gewonnen.
Auch bei unseren Nachbarn werden einige Nennen gelaufen» deren Ausgang auch in Deutschland allgemeineres Jntcreffc erregt. In der Freudenau bei Wien kamen die Trial Stakes, die erste der großen Drcijührigen-Prüfungen, zur Entscheidung. Der reiche Preis (46 000 Kronen) wurde von dem früher in Deutschland tätigen Jockey Aylin sozusagen verschenkt. Er hatte den Sieg in Händen, infolge seiner Unachtsamkeit erlag er einer Überrumpelung, die H. v. Blasewitz' „Disco" unter Carslake den Sieg brachte.
In dem bekannten „Prix Biennal", der in Paris znm Austrag kam, stellten sich dem heißen Favoriten, W. K. Vanderbilts „Negofol", von den ursprünglich genannten 62, nur zwei Pferds. , Wider Erwarten gewann v. Rothschilds „Verdun". Die „Zweitausend Guineen", dieses klassische Nennen von Newmarket, war das Ereignis des englischen Rcnnsports. Es kam «m Mittwoch zur Entscheidung und brachte König Eduard, der bekanntlich ein eifriger Sportsmann ist und heute noch einen großen Rennstall besitzt, einen wohlverdienten Erfolg mit Minoru. Der heutige Sonntag bringt uns in Mannheim das bedeutendste deutsche Hinder- nisrennen, die „Badema-Stccple-Chase".
Die Zahl der großen Automobtlrennen ist sehr stark zulammengeschrumpst, nachdem die großen Automobil- fabrilen es müde waren, jährlich Tausende und Abertausende siir diese zu opfern. Nachdem sie unter sich einig waren und sich gegenseitig verpflichtet hatten, keine Rennen mehr zu
