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Verla« Langgaffe 27.

Tagülatt-Haus".

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2 TageslNlsgMll.

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Nr. LKr.

Morgen ° KN§gsbe.

1. Wkcrtt.

§iüv Wcrr imö Juni

auf öös

Wiesbadener Cagblatt"

zu adonni-ren, findet sich Gelegenheit

km UrrlsgTagblirttharrs" Langgassr 87 ,

in den Zrvrigstrllrri der Stadt,

in den AnvgndeAeUen der Kind! rnid Uactzbarorts,

md bei fimitlidiB« deutschen Neichspostanstalten.

Jer ksuserylltive GegZryug.

Aus parlamentarischen Kreisen schreibt man uns: Dülows Mobilmachung der öffentlichen Meinung gegen die Finanzkommission des Reichstages hat auf die Konservativen herzlich wenig Eindruck gemacht. Ihre Reichstagsfraktion hat, wie schon mitgeteilt, beschlossen, sowohl die Nachlaßsteuer wie auch einen etwaigen Er­satz durch eine E r b a n f a l l st e u e r abzulehnen, und einen Antrag Graf Westarp-Roesicke eingebracht, der die Negierung auffordert, anstelle dieser Steuern eine Be­steuerung des Wertzuwachses bei Immobilien und Wertpapieren, oder als Ersatz dafür die Einführung eines Jmmobiliarumsatzstempels und Erhöhung des jetzigen Börsenumsatzstempels dein. Reichstag vorzu- schlagen, eventuell auch das eine mit dem anderen zu verbinden.

An und für sich ist der Gedanke der Besteuerung des unverdiente n Wertzuwachses durchaus gesund. Freilich eignet sich diese Steuer in erster Linie.für die Kommunen, die durch ihre Aufwendungen für Straßen­bau, Kanalisation, Wasserleitung, Gas, Elektrizität, Verkehrsmittel wesentlich zu der Werterhöhung der Grundstücke beitragen. Viele Gemeinden haben des­halb auch diese Steuer mit Erfolg zur Durchführung gebracht, und es hat Bedenken, in eine derartig zur Gemeindesteuer prädestinierte Form. nun auch von seiten des Reiches einzngreifen, das seinerseits nur ver­hältnismäßig wenig tut, um diese Wertsteigerung her­beizuführen. Immerhin ließe die Not des Meiches ja auch über solche Bedenken hinwegsehen, wie dies zur Zeit ein Vorschlag des Abg. Dr. Potthoff getan hat, der freilich Steuersätze in einer Höhe Vorsicht, die kaum in Frage kommen dürften.

Die Voraussetzung jeder derartigen Reichssteuer ist aber, daß sie nicht für gewisse Kategorien des Besitzes Begünstigungen schasst. Das aber will der konservative Antrag.Verträge über die Überlassung l and Wirt - s ch a f tl i ch genutzter Grundstücke an Deszendenten bleiben frei" d. h. ins Praktische überseht: wenn ein Hausbesitzer seinen Erben ein Grundstück, ein In­dustrieller ein Fabrikgrundstück.überläßt und nur ein Erbe übernimmt es und zahlt den Miterben heraus oder läßt ihren Anteil ganz oder teilweise hypothe- l

Feuilleton.

(Na4bruc> verboten.)

Frau Dsnuerys tzunÄ.

Von Leonore Nietzen-Deitcrs.

Frau Dennerys unzertrennlicher Begleiter, ihr Hund, war nach dem einstimmigen Urteil aller, die ihn kannten, ein wahres Scheusal.

Die rundliche Frau Amtsrichter (mit einein Nest kleiner Kinder daheim) meinte achselzuckend, alle kinderlosen Frauen kämen auf derartige Verrückt­heiten. Leutnant Rutzhausen widersprach höflich, aber entschieden: Hunde im allgemeinen wären durchaus keine Verrücktheit! Da aber Leutnant Rutzhausen entschieden Hundeverstand besaß, mußte er nt. diesem Falle zugeben, es sei eine Schande, sich mit einen! so entarteten Geschöpf, so einer konzentrierten Hunde­ausstellung, öffentlich sehen zu lassen. Dr. Schönau, der Ästhetiker, der d'Annunzio gelesen hatte und sich mit Stelio und seinen Empfindungen für die Wind­hunde verwandt fühlte, sagte, es müsse das künstlerische Empfinden jedes halbwegs feinfühlenden Menschen geradezu schmerzhaft berühren, eine junge, cdelgebaute Frau in Verbindung mit einem plumpen, stumpf­nasigen Bauernköter zu sehen.

Auch daheim hatte Bob wenig Freunde. Das Dienstmädchen schätzte es durchaus nicht, überall An­denken an ihn in Gestalt unzähliger grauer Härchen zu finden und abbürsten zu müssen, und selbst der alte Sanitätsrat, der Frau Dennery häufig besuchte, ein Mann, der gegen Mensch und Tier dieselbe freundliche Gesinnung hegte, fand es zum mindsten überflüssig.

Wissberden, SorrrrtKg, LZ. April LKVN.

87. Jahrgang.

karisch darauf eintragen, so wird nichtsdestoweniger die ganze Umsatzsteuer fällig, wenn aber das gleiche bei einem großen Rittergut passiert, so bleibt es, auch wenn es im Laufe der Jahre doppelt soviel wert geworden ist, von der Umsatzsteuer befreit.

In der Begründung wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß der zur Besteuerung gelangende Wertzu­wachs der landwirtschaftlichen und auf dem Lande de- legenen Grundstücke bei einer durchschnittlichen Besitz­dauer von 25 Jahren 100 Millionen, in den kleinen und Mittelstädten bei löjähriger Besitzdauer 270 Millionen, und in den Großstädten bei nur lOjähriger Besitzdauer 360 Millionen betragen würde, wovon sechs Prozent als Reinertrag für das Reich 43,8 Millionen ausmachen würden. Davon würden das platte Land nur 6 Millionen, die Großstädte aber die volle Hälfte des Gesamtbetrages aufbringen müssen. Im übrigen dürfte man mit einem jährlichen Wertzuwachs von 270 Millionen Mark in den kleinen und Mittelstädten wohl kaum rechnen, denn in den Kleinstädten und auch in vielen stagnierenden Mittelstädten ist von einem Wert­zuwachs der Grundstücke nicht die Rede. Findet doch selbst in. den Großstädten in zurückgehenden Stadtteilen häufig sogar eine Entwertung statt- Es handelt sich also bei dem Vorschlag in erster Linie um eine Be­steuerung der Großstädte und der Industrie­stadt e, und namentlich in letzteren findet bereits heute eine steuerliche Überlastung statt.

Die schwersten Bedenken erweckt aber die Wert­zuwachssteuer ans Wertpapiere. Nach der Be­gründung kommen dafür im wesentlichen nur die Dividendenpapiere iit Betracht,weil bei fest verzins­lichen nicht erhebliche Schwankungen Vorkommen" tollen: eine freilich recht irrige Auffassung. Haben wir doch selbst bei deutschen Reichsanleihen im Verlaufe weniger Jahre Schwankungen von 10 Prozent und mehr erlebt und noch höher waren diese bei Renren- und Pfandbriefen. Der Nennwert des Kapitals der deutschen Aktiengesellschaften beträgt nach der Be- gründung 14 Milliarden, in Wirklichkeit wird er eher eine Milliarde höher sein. Dagegen wird der Besitz an ausländischen Dividendenpapicren mit 6 Milliarden Mark wesentlich zu hoch beziffert sein. Nun nimmt die Begründung an, daß die Dnrchschnittskurse dieser Papiere in den 5-. oder 6jährigen Perioden des wirt­schaftlichen Aufschwunges um etwa 3040 Prozent steigen, und rechnet 2 Jahre des Stillstandes oder Sinken des Kurses, so daß üe in einer solchen 8jährigen Periode auf einen durchschnittlichen 'Jahreswert- znwachs von 5 Prozent kommen, also auf eineMilliarde jährlichen, der Bcsteuernng zu unterwerfenden Wert­zuwachses. Dieser Wertzuwachs soll im Fall des Um­satzes mit 6 Prozent versteuert werden, wovon rund 50 Millionen Mark erhofft werden.

Man kann diese Berechnung für richtig oder falsch halten, das Entscheidende ist, daß der Wert­zuwachs bei Wertpapieren, wie ja auch die Begrün­dung des konservativen Antrages zugibt, kein dauernder ist, sondern die Perioden des Rück­ganges ihn wieder illusorisch machen, und daß der­

jenige, der einen Gewinn am Verkaufe eines Efferts inacht, doch fast immer gleichzeitig ein anderes Effert erwirbt, von dem er hofft, darin noch eilte bessere Ver- mögensanlage zu machen oder höheren Gewinn zu er­zielen ; eine Hoffnung, die meist sehr trügerisch nt. Jemand hat z. B. in der letzten Hochkonjunktur 100 000 Mark Oberschlesische Eisenbahnbedarfsaktien, die er mit 123 gekauft hatte, mit 145 verkauft und gleich­zeitig Norddeutschen Lloyd mit 140 gekauft, weil er,von diesem damals glänzend prosperierenden altehrwurdi- gen und nach seiner Auffassung solide fundierten ltnternehmcn das Beste erwartete. Heute aber steht dessen Kurs auf itnter 90. Und nun muß, er vielleicht verkaufen. Der Gewinn, den er einstmalig versteuert hatte, hat sich also cls facto in einen enormen Verlust verwandelt. Von ersterem hat er 6 Prozent an bas Reich abgeben müssen, für den viermal größeren Ver- li'.st entschädigt ihn niemand. Das ist das Ungerechte jeder Umsatzsteuer auf Wertpapiere.

Eine solche Steuer ebenso wie die eventuell in jenem Antrag angeregte V e r s ech sf ach u n g des Börsen Umsatz st empels würde aber vor allem die Folge haben, daß die Kurse außerordentlich schwan- ken, das Börsengeschäft veröden und das deutsche Kapi­tal ins Ausland getrieben würde, denn an das bei a u s l ä n d i s ch e n Bankiers deponierte und an aus- ländischen Börsen umgesetzte Wertpapiere könnte die Steuer nicht heran. Dann würde der Ertrag der Steuer nicht nur zum großen Teil illusorisch werden, sondern das deutsche Bankgeschäft und das deutsche Wirtschaftsleben würden in einer Weise geschädigt werden, gegen die der Ertrag der Steuer verschwrn- dend sein würde. Das ist aber für die Konservativen gleichaültig. Sie haben bei allen Steuern nur emen Gedanken: jede Steuer ist, gerecht und gut, die von an deren getragen wird, und jede ist verwerf­lich, bei der der gr o ß e L a n d w i r t auch nntzu- tragen hat. Der konservative Steuerantrag durfte demnach nicht nur für die Nationalliberalen und Frei­sinnigen sondern, soweit er die Effektsumsätze treffen will, selbst für die Sozialdemokraten unannehmbar sein: denn auch diese werdeii bei aller Kapitalfeind- lichk'eit sich doch Wohl hüten, einen derartig gefährlichen Weg zu beschreitcn. Die Aussichten, die Steuerreform mit dem Block zu machen, sind jedenfalls durch den. konservativen Antrag wieder in nebelgraue Ferno gerückt. _

Politische Übersicht.

Der? rrens Ke!e!d>Lgmrgsparagr?srph.

Als Lex Eulenburg ist alsbald, der verschärfte Be- leidignngsparagraph für die Presse, den die Novelle zum Strafgesetzbuch als ihr Hanptstück darbretet. vom berechtigten Argwohn der deutschen Journalistik be­zeichnet worden. Ohne den Prozeß Eulenbnrg und die dazu gehörigen Prozesse Moltke-Harden wäre, dieser Paragraph schwerlich vorgeschlaaen worden. Wie man

auf Überzieher und Hosen Abdrücke von feuchter Gartenerede mitzunehmen, selbst wenn diese von einer durchaus- freundlich gemeinten Begrüßung stammten.

Der alte Sanitätsrat war es auch, der Frau Dennery eines Tages fast ärgerlich fragte:Liebe

gnädige Frau, mm sagen Sie mir nur, warum Sie sich ansgerechnet dieses struppige Vieh zum Liebling er­koren haben? Sie sind doch sonst entschieden eine Frau von Geschmack!"

Er war erstaunt, Frau Dennerys Gesicht ernst, fast traurig werden zu sehen. Als gut erzogette Dame be­herrschte sie sich aber und fragte lächelnd:Hat Xtr.

Schönau Ihnen vielleicht auch einen Vortrag ge­

halten?"

Auch das! Aber ich frage, ehrlich gestanden, weil ich mich selber wundere", sagte der, alte Herr und klopfte nachdrücklich den Schmutz von seinen Hosen.

Sie standen vor Frau Dennerys Gartenhäuschen. Die junge Frau zog eine Weinranke herunter, drehte sie um ihre Finger und stand einen Augenblick nach­denklich wie unschlüssig.

Plötzlich sagte sie:Sie sind mir ein wahrer Freund geworden, seit ich hier bin. Ich werde Ihnen die Ge­schichte. erzählen, und Sie sollen selber urteilen, ob Bob für mich Nicht wertvoller ist als alle Rassehunde der

Welt! . ^

Sie wissen, daß ich Witwe bin. Kein Mensch hier weiß mehr von mir als meinen Namen und diese Tat­sache. Nur Sie, der Sie mich öfter sehen, wissen viel­leicht außerdem, daß ich zuweilen etwas melancholisch bin. Sie hätten mich vor vier Jahren kennen sollen!

Ich war damals ganz jung verheiratet und mein Mann und ich wir wußten kaum wohin mit all dem

Glück. Wir waren beide jung, hatten unssolieb, hatten keine Sorgen, ich dachte damals, es gäbe über­haupt niir Sonnenschein.

Wir wohnten in X.. in einem allerliebsten Haus- chen etwas vor der Stadt, lind wenn mein Mann eben Zeit hatte, schleiidcrten wir zusammen durch die Felder oder wir machten kleine Ausflüge in die nächsten Dörfer. Bei einer solchen Gelegenheit fanden wir Bob, und zwar in einer sehr kritischen Situation: Ein alter Bauer war eben beschäftigt, seine drei Geschwister zu ersäufen, und er sollte auch daran glauben, war aber entwischt und ivackelte ängstlich quiekend über die Straße. Er sah so drollig aus ein wahres Haar- bündel und er tat mir so leid! So'ii junges, kleines. Viehchcn und sollte in das eklige, schwarze Wasser! Ich quälte meinen Mann, bis er das Tierchen für ein paar Pfennig kaufte. , . c

Ich sehe uns noch heute, wie wir durch d:e Feloer heimzogen, ich mit meinem kleinen Haarbnndel auf dem Arm! Er kriegte zu Hause ein rotes Schleif- chen um: wir waren wie die Kinder trnd haben uns abends lange mit dem Tierchen amüsiert! Vielleicht hatten wir beide heimlich das Gefühl, daß es so etwas Vorläufiges war bis man etwas Besseres haben würde, um damit zu spielen.

Jedenfalls waren wir eine sehr glückliche kleine Familie, wir drei. Wir hatten keinen anderen Kum­mer als höchstens den, daß Bob sich ganz unheimlich entwickelte. Ich hatte erwartet, er würde ein Spitz aber mit vier Monaten war er schon größer, und es verging kein Tag, an dem mein Mann mich nicht mit meinem kleinen 'Nilpferd gefoppt hätte. Sie werden solche Neckereien kennen: es wurden meist Küste daraus.

. Wir waren io glücklich damals.