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Vexlag Langgaffe 27.

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Nr. 18t.

Morgen - Kusgabs.

1. AUcrtt.

Mns wird im Reichstag?

Heute nimmt der Reichstag die durch die diesmal nur kurzen Osterferien unterbrochene Arbeit wieder auf, die bekanntlich im Zeichen der Reichsfinanzreform steht, die nicht nur den Kern und Mittelpunkt der parlamentarischen Tätigkeit des Reichstags bildet, son­dern zugleich bestimmend für diese sein wird, da von der Lösung der Finanzreformfrage das Schicksal des Blocks und somit die gesamte Gestaltung der inner- politischen Lage in Deutschland abhängt. Zunächst frei­lich ist diese Haupt- und Kardinalfrage noch nicht für das Plenum reif, denn die Reichsfinanzreform steckt, obwohl ihre erste Lesung bereits Ende November vorigen Jahres stattfand, noch immer in der Finanz- und Steuerkommission, wo die Beratung noch nicht einmal bis zum Abschluß der ersten Lesung gediehen ist. Die Sachlage in der Kommission, die erst am Donnerstag ihre Arbeit wieder aufnehmen wird, ist zurzeit die folgende: Angenommen sind die Braustener und die Vorschläge über das Erbrecht des Staates, ab­gelehnt dagegen die Gas- und Elektrizitätssteuer, die Inseraten- und Plakatsteuer, das Spiritusmonopol und die am heißesten umstrittene Nachlaßsteuer be­ziehungsweise die Vorschläge zur Änderung der Erb­schaftssteuer. Noch nicht abgeschlossen ist die Beratung über die Branntweinverbrauchsabgabe, und in Sub­kommissionen stecken zurzeit noch die Tabaksteuer und die Weinstcuer.

Die Finanz- und Steuerkommission des Reichs­tags gleicht mithin einigermaßen der Höhle des Löwen, in die bekanntlich viele spuren hinein-, aber wenige herauSführcn. Wenn sich die Arbeit der Kommission weiter mit dem bisherigen negativen Ergebnis und in dem bisher beliebten Schneckentempo abspielt, das noch dazu sehr an die Echternacher Springprozession erinnert, bei der zwei Schritte vorwärts und einer zurück gemacht werden, dann wäre ein Ende dieser Be­ratungen überhaupt nicht abzusehen, soll doch der ersten Lesung der Vorlagen in der Kommission noch eine zweite Beratung folgen, von der überhaupt erst positive Ergebnisse zu erwarten sind, während die erste Lesung mehr ein.Vorpostengefecht darstellte. Nun scheint es sa, als ob sich die Gefechtschancen neuerdings für die Regierungsvorlage wesentlich günstiger ge­staltet haben. Zahlreiche Kundgebungen der jüngsten Zeit lassen unschwer erkennen, daß der hartnäckige Widerstand der Rechten gegen die unterdessen zu einer Reichserbschaftssteuer gewordenen Nachlaßsteuer auf der ganzen Linie ins Wanken geraten ist. Schon in der Rcichstagssitznng vom 30. März hatte sich ja ge­zeigt, daß bereits zahlreiche, bis dahin erbschaftssteuer- feindliche Politiker nach dein Vorgänge des Reichs­kanzlers Fürsten Bülow sich in der Erbschaftssteuer­frage von Saulus zu Paulus entwickelt hatten, und

FemlLetmr.

«NachdruS verboten.)

Mexikanische LtierMechtE-

Von Dt. W. Bergmann.

Die Ansichten über Stiergefechte gehen bei uns in Deutschland sehr weit auseinander. Die Einen be­geistern sich dafür, sic sehen darin ein nervenerschüttern­des Schauspiel, die Vorführung von Mut und Kraft, den Sieg menschlichen Geistes und menschlicher Ge­wandtheit über die brutale Kraft des Stieres, die anderen verabscheuen die Stiergefechte als eine nutz­lose und blutige Hinmordung von Stieren, Pferden und gelegentlich auch Menschen. Alle Berichte, die man zu lesen bekommt, lassen eine gewisse Voreinge­nommenheit oder auch völlige Unkenntnis der Sache erkennen. Besonders wird der ästhetische Gesichts­punkt in keiner Weise berücksichtigt. Ich hatte während meiner letzten Forschungsreise durch Mexiko im Jahre 1907 Gelegenheit, mehreren Stiergefechten beizu- wohnen und es sei mir hier gestattet, zwei der charak­teristischsten objektiv zu schildern und meine Eindrücke wiedcrzngeben. Das erste war ein großes öffentliches Stiergefechl von berufsmäßigen Toreros, das zweite eine von Amateursticrfcchtern improvisierte Eorrida.

Am 15. September, dem Vorabend des Jahrestages der Verfassungsvroklamation , sollte der neue Stier- zirkus von Mexiko, die Plaza de Toros, deren Zn- schcmcrraum über 20 000 Menschen saßt, eingeweiht werden, aber da man in Mexiko Zeit wie Heu hat, ganz im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, wo Zeit Geld ist, war man natürlich nicht fertig geworden.

Wiesbaden, Dienstag, LS. April LK«1D»

seitdem scheint noch für viele andere der Tag von Damaskus gekommen zu sein. Ob freilich, da , das Zentrum offenbar mehr denn je entschlossen ist, bei der Reichsfinanzreform nicht mitzumachen, bereits eine Mehrheit für diese Steuer als gesichert gelten kann, ist immerhin noch fraglich, und als zweite Schwierrg- keit kommen die Unstimmigkeiten in ^er Branntwern- steuerfrage hinzu, in der eine Einigung zwischen Rechts und Links ebenfalls noch aussteht. Haben sich somrr die Aussichten der Reichsfinanzreform während der Osterferien immerhin etwas gebessert , so kann von einer Lösung der Krisis doch noch keineswegs ge­sprochen werden. Wie es heißt, wird der Reichs­kanzler Fürst Bülow, der sich unterdessen im sonnigen Süden von den politischen Strapazen der jüngsten Zeit erholt hat und am Tage des Reichstagszusammen­tritts Abordnungen aus dem Reiche in Sachen der Finanzresqrm empfangen wird, die Gelegenheit be­nutzen, den Standpunkt der Regierung dieser Frage gegenüber klarznlcgen, was um sa erwünschter, ja dringend erwünscht wäre, da diese in a n g e l n d e Klarheit über die Haltung der Regierung ihr gut Teil zu der Z er fahren heit der Lage ber- aetragcn hat.

Die Reichsfinanzreform ist zwar die hauptsächlichste, aber nicht die einzige dringende Aufgabe, die der Reichstag zu lösen hat. Jin Zusammenhang mit dieser Reform steht zunächst die Beamtenbesoldungs­vorlage, deren Verschleppung in den beteiligten Kreisen recht schmerzlich empfunden wird. Aus dem Tagungsabschnitt 1907308 harren noch immer der Er­ledigring der Gesetzentwurf über die Sicherung der Baufordcrungen und das Viehseuchengesetz, die beide in der Kommission durchberaten sind, und der größere Teil der Gewerbeordnungsnovelle, die in der Kom­mission nahezu erledigt ist. Auch von den im jetzigen Tagungsabschnitt eingebrachten Vorlagen ist ein Teil bereits in den Kommissionen durchberaten, nämlich das Arbeitskammergesetz, das Bankgesetz und die Re­form der Zivilprozeßordnung, während der Entwurf über den unlauteren Wettbewerb und die beißum- strittene Fcrnsprechgebührenordnung noch der Erledi­gung harren. Hat der Reichstag somit noch ein um­fassendes Pensum vor sich, wozu noch die neuerdings eingegangene Revision der Berner Übereinkunft zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst kommt, so ist schon jetzt noch weiterer Arbeitsstoff angekündigr, wie die beiden dem Bundesrat vorliegenden Gesetz­entwürfe, betreffend den Handelsvertrag mit Portu­gal, und das Abkommen mit der Nordamerikanischen Union, betreffend den gegenseitigen gewerblichen Rechtsschutz. Unter diesen Umständen ist an die Er­ledigung der Novelle zum St r a f g e s e tz b u ch und des Entwurfes über die Änderungen des Gerichts- verfassungsgesetzes und der Strafprozeß­ordnung in dieser Session überhaupt nicht zu, denken, selbst wenn sonst alles glatt gehen sollte- So wird man sich denn auch diesmal wieder mit dem neuerdings üb­lich gewordenen Aushilfsmittel der Vertagung statt des Reichstagsschlusses behelfen müssen-

So hatte man denn die Eröffnung auf den 22. ver­legt und auch glücklich bis zu diesem Termin den Zirkus notdürftig vollendet.

Ich hatte zunächst gar nicht vor, einem Stierge­fecht beizuwohnen, aber ein Reisegefährte und Freund, der seit 7 Jahren in Mexiko lebt, überzeugte mich da­von, daß dies notwendig sei, um den mexikanischen Volkscharakter kennen zu lernen und so bat ich ihn denn, Eintrittskarten im Vorverkauf für uns zu lösen. Dieser findet in Zigarrengeschäften statt, die von Toreros besucht werden. So einen Torero erkennt man auch auf der Straße, also gewissermaßen in Zivil, so­fort. Schon die „Coleta", der ,Zopf, verrät ihn. Er ist ein Ehrenzeichen für den: Stierfechter, denn der Be­sitz der Coleta beweist, daß er ein tüchtiger Vertreter seiner Zunft ist. Einem Torero, der sich unsterblich blamiert oder der sich sonst etwas zu schulde,: kommen läßt, wird die Coleta abgeschnitten. Dies ist die größte Demütigung, die es für einen Toreador gibt. Aber auch wenn ein Torero sich ins Privatleben zurück- zieht, wird diese Amputation vorgenommen, dann allerdings mit größter Feierlichkeit und mit einer goldenen Schere. Aber auch der niedrige Filzhut mit geradem, steifem Rand und die kurze, rund geschnittene und einem Smoking nicht unähnliche, Jacke kennzeich­nen den Stierkämpfer. Schön ist dies Zivil gerade nicht, und der häufig etwas brutale Gesichtsausdruck trägt- nicht dazu bei, die Erscheinung des Torero an­ziehender zu machen, obschon er meist eine prächtige, schlanke und sehnige Gestalt hat. Es gibt allerdings auch wirklich schöne Leute unter den Toreros und man kann es verstehen, wenn das Herz eines mexikani- i scheu Mädckiens beim Anblick eines solchen Fechters ' höher schlägt, wenn er kalt und überlegen, den Degen

57. Jahrgar»,,.

Politische Übersicht.

Dis FäUchsrua.

Man schreibt uns aus Westfalen: Großes Aufsehen hat in der Bergarbeiterschaft die. Enthüllung erregt, daß das anonyme Flugblatt, das den Abgeordneten Brust der Bestechung durch die Grubenbesitzer beschul­digte, von einem Beamten des Alten Verbandes her- stammt, denn diese Tatsache steht jetzt fest. Der „Bergknappe" hat zwar den jetzigen Verbandsbeamten Götte als Verfasser bezeichnet, während der Verbands­vorsitzende Sachse sagt, es sei der frühere Verbands- beamte Spaniol gewesen. Aber darauf kommt gar nichts an. Sachse gibt letzteren jetzt preis (oder mutz man sagen: „will ihn zum Sündenbock stempeln?"), weil Spaniol sich inzwischen mit dem Vorstande über- morsen hat, ausgestoßen worden und in verschiedene Prozesse mit Vorstandsmitglieder geraten ist. Ob das von Herrn Sachse klug und vorsichtig war? Sachse gibt ferner zu, daß das Flugblatt von den Organen des Verbandes verbreitet worden ist. Die Aufforderung des Vorstandes, es „beiseite zu legen", ist erst mehrere Tage, nachdem die Verbreitung er­folgt war, ergangen. Herr Sachse entlastet also im günstigsten Falle nur sich selbst, nicht aber die anderen Vorstandsmitglieder und -beamten. Der von ihm betonte Umstand, daß das Flugblatt nicht in der Druckerei der Verbandszeitung hergestellt worden sei, ist natürlich ganz unwesentlich. Derartige Fälschun­gen, wie hier eine so spät anfgedeckt worden ist, sind im öffentlichen Leben Deutschlands eine große Selten­heit und werden den schuldigen in den Augen des ge­samten Publikums einen empfindlichen Makel an­heften. Die Angelegenheit wird, wie wir hören, trotz der iw der Hauptsache schon gegebenen Aufklärung noch das Gericht beschäftigen., Es kann auch wirklich nicht schaden, wenn hier die Verantwortlichen genau erkannt und bezeichnet werden.

Bischof und Kstzrrevsi'eirr.

Aus Lehrerkreisen wird uns geschrieben: Die

Tagespreise registriert zurzeit das Auftreten des Straßburger Bischofs Dr. Fritzen gegen den Deutschen Lehrerverein. Letzterer soll ein unbegreifliche „Feind­schaft gegen die katholische Kirche, das Papsttum,, die Bischöfe und den Klerus" bezeugen. Von gewöhnlichen Sterblichen fordert man, wenn sie solche verletzenden Behauptungen ausstellen, den Wahrheitsbeweis: ein

geweihtes Haupt sollte eigentlich niemals reden, was es nicht verantworten kann, denn mit dem Beweise der Wahrheit dürfte es bei dem Herrn Bischof doch etwas hapern. Ter Deutsche Lehrerverein fragt weder nach dem religiösen noch nach dem politischen Glaubens­bekenntnis seiner Mitglieder: er bezweckt ausschlietzlick, ,die Förderung der Volksbildung durch Hebung der Volksschule". Freilich, wenn der Herr Bischof, darin die erwähnte „Feindschaft" erblickt, dann kann ihm der Deutsche Lehrerverein nicht helfen. Kirche, Papsttum und Bischöfe haben in den 38 Jahren, welche der

in der Faust, dem wütenden Stiere gegenüberstehr. Wohl fast in allen Fällen sind die Toreros niederer Herkunft. Blutjunge Desperados, die nichts zu ver­lieren haben außer ihrem bißchen Leben, widmen sich diesem Berufe. Aber auch die Eitelkeit spielt oft eine große Rolle. Manchen reizt es, in der prächtigen Tracht der Toreros in der Arena auftreten zu können und dann als Sieger vom Volke umjubelt zu werden. Es gibt jedoch auch Liebhaber, welche diesem Sport huldigen und dann häufig den ersten Gesellschafts­klassen entstammen. >

Es war noch früh, als mein Freund mich abholte, aber dennoch waren alle Wagen der elektrischen Bahn bereits überfüllt. Mehrere Linien waren umgeleitet worden, aber trotzdem konnte man nicht alle Menschen befördern. Mit großer Mühe erkämpften wir uns noch einen Platz auf der Plattform. In schneller Fahrt, denn niemand wollte vor dem Zirkus aussteigen und weitere Passagiere konnte der Wagen nicht aufnehmen, weshalb an den Haltestllen nicht mehr gehalten wurde, ging cs vorwärts. Auf den Geländern, den Puffern und den schutzwesten saßen und standen Leute. Ein deutscher Polizist wäre in, Verzweiflung geraten. Von der Haltestelle bis zürn Zirkus gab es dann einen all- gemeinen Wettlauf, da sich jeder noch einen inöglichst guten Platz sichern wollte.

Der Sticrzirkus erhebt sich wie ein gewaltiger Trichter in der Ebene, denn aus der Ferne sieht man nur den steinernen Jnnenbau, während das äußere eiserne Trägergcrüst ganz verschwindet. Diese Träger sind so dünn und die ganze Eisenkonstruktion macht einen sa luftigen Eindruck, daß ich kaum glaube, daß dieser Barr den Beifall unserer Baupolizei erringen würde. Unter dem eigentlichen Zirkus, in die Eisen-