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Wiesbaden

Verlas Langgaff« 27.

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Wiesbaden, Freitag,

Für die Ausnahme ipater eingereichter Anzeigen in di- nächs.erichein eude Ausgabe wird .ein-Gewüh- übernommen.

57. Jahrgang.

Morgen - Ausgabe.

_1 . Wkait. __

Mi Mir Kund naflj der neuesten UolNsßyiung.

Der neueste Band des „Statistischen Jahrbuches für Las Deutsche Reich" bringt in einer übersichtlichen Tabelle die Verteilung der Bevölkerung auf Stadt und c>and nach den Ergebnissen der Volkszählung von 1905. Statistische Tabellen zu lesen, ist nicht ieder- manns Dache, obwohl es eine höchst lehrreiche und darum auch interessante Beschäftigung ist. Darum öeien hier die wichtigsten Ergebnisse initgeteilt. W:r beschränken uns dabei zunächst auf Preußen.

Das „Statistische Jahrbuch" rechnet zu den land- Ocken Gemeinden alle Orte mit weniger als 2000 Ern- mabnern- Gemeinden mit inehr als 2000 Einwohnern werden als „städtische Gemeinden" bezeichnet. Zwerfel- fns ist diese Unterscheidung sehr schematisch und trifft nickt überall mit den tatsächlichen Verhältnissen uber- »in Es kann eine Gemeinde mit kaum 1000 Seelen vollständig städtischen Charakter tragen. Ber ^abrikarbeiterdörfern in der Nähe von Großstädten ?stird das oft zutreffen. Andererseits gibt es nicht wenige Kleinstädte mit 4000, 5000, 6000 und mehr Ein­wohnern, die noch ausgesprochene Landstädtchen mü vorwiegend Ackerbau treibender Bevölkerung sind. Man findet solche Orte vielfach im Osten, wo dre In­dustrie noch nicht hingekommen ist. Indessen stnd bei statistischen Zusammenstellungen solche schematischen Einteilungen unvermeidlich. Sie beeinflussen aillh das Gesamtergebnis nicht wesentlich, Werl sich tastach lÄe Unrichtigkeiten nach der einen oder anderen Serie ousheben und ausgleichen.

Betrachten wir das Gesamtergebnis, so bestätigt es ■bereite Bekanntes: die städtische Bevölkerung

verwiegt schon erheblich. Zwar ist naturgemäß L « a M der ländlichen Gemeinden ber wertem dre aröstere 50 933 gegen 2088 städtische Orte. Aber m mehr als 50 000 Landgemeinden wohnen nur iE Millionen, während in den 2000 Stadtgeweurden ve'-eits annähernd 22 Millionen Menschen Hausen. Das entspricht einem Verhältnis von 5 : 7. -so sehr hat sich fchon das Übergewicht der Stadt zuungunsten des

Landes verschoben. .

~ Nehmen wir die einzelnen Provinzen, so ist hier natürlich das Verhältnis sehr verschieden. Ordnen wir .„nächst einmal nach der Zahl der ländlichen ^rt- ickaften, so erhalten wir folgende Tabelle:

^ 1 Schlesien mit

6 y 2 Mill. Seelen

3%

3%

3

2 %

2 2 2

1 %

1% iy 3

der ersten Tabelle

8712 Landgemeinden 7330 6049 6021 4603 4321 4048 3244 2812 2490 2016 1265

2. Ostpreußen mit .

3 '. Posen mit . . .

4. Brandenburg mit

5. Pommern mit

6. Hannover mit

7. Sachsen mit . -

8. Westpreutzen mit

9. Rheinland mit -

10. Hessen-Nassau mit

11. Schleswig-Holstein mi

12. Westfalen mit

Feu illeto n.

AN Dm Wen MAN MMomW.

Das höchste Ziel der Schauspielkunst ist die Em- f.fhtM einer freien, großen und schönen Personlrchkert. ^n keinem andern künstlerischen Schaffen liegt das letzte in völlig im Unbewußten, in dem instinktiven Zu- mmmenklingen äußerer und innerer Mittel. Dre Ev- sckeiuung «ines reiir \tnb stark erwachsenen Mensch en- bildes getragen, beflügelt und emporgehoben von «eidenschaft und Phantasie, wird ihren gewaltigen Zan° iber ans die Menschenherzen nie verfehlen, weil sre auch niniere Seelen zugleich emporreißt, hoch empor über das was uns alle bändigt, das Gemeine". In diesem ihealcn, ungestüm aufwärts drängenden Wefenszug lag die Größe Adalbert Matkowskys, den nun der Tod von tckwerer Krankheit erlöst und vor langem Siechtum bittet bewahrt hat. „Immer höher mich ich steigen, ?nrmer weiter must ich schauen", dies jungcrhaltende Wort des Goetheschen Euphorion war seine Losung. Die wohltätige Natur, die ihrem Liebling alle glänzen­den Gaben körperlicher Schönheit in reicher Fülle ver­liehen! hatte dies wundervolle Instrument seiner Stimme, seiner Augen, seiner Gebärde mit einem nie verlöschenden Feuer beseelt, durch ein hinreißend mäch- Temperament geadelt. Wanderers Sturmlied", Goethes Jnbelgesang des Naturgenies, war auch seine »ebensmelodie: „Den du nicht verlassest, Genius, Wirst ihn heben übern Schlammpfad Mit den Feuerflügeln Wandeln wird er ,. . Wird der Regenwolke, Wird

Man könnte meinen, die ungeheuren ZahlLnunter- schiede dieser Tabelle entsprächen dem Unter,W in der Zahl der G e s a m t bevölkerung dreier Provinzen.

Mit andern Worten: Sind die Provinzen mrt den

meisten Landgemeinden dreienrgen, dre auch dre groll e Bevölkerung haben? Das ist kerneswegs der Fall Nach der Gesamt bevölkerung ergibt stch vrelnieyr folgende Ordnung:

1. (9.) Rheinland mit . .

2. (1.) Schlesien mit . . -

3. (12.) Westfalen mit . . .

4. (4.) Brandenburg mit

5. (7.) Sachsen mit. . . •

6. (6.) Hannover mit . . .

7. (10.) Hessen-Nassau mit .

8. (2.) Ostpreußen mrt . .

9. (3:) Posen mit ....

10. (5.) Pommern mit ,. . .

11. (8.) Westpreußen mit . .

12. (11.) Schleswig-Holstein mrt

Wir haben die Ordnungszahlen^ , ,, , .

in runden Klammern dazugesetzt, so daß dre oft lern große Verschiebung sogleich augenfällig wrrd.

Noch größer werden die Verschiebungen, wenn wrr nun die Gesamteinwohnerzahl der ländlichen Orte zum Matzstab nehmen. Es wohnen in Landgemeinden in Schlesien .... W 2 Millionen Menschen

in Hannover .... W 2 » "

in Rheinland .... 1% » «

in Ostpreußen ... Ws

in Posen.1%

in Brandenburg - . - 1% -- "

in Sachsen » "

in Westpreußen ... 1 » "

in Hessen-Nassau . . 1 „ »

in Pommern .... 1 ,, »

in Westfalen .... ^5 » "

in Schleswig-Holstein . %

Vergleichen wir die zweite und dritte Tabelle mit­einander, dann erhalten wir den Prozentsatz der länd­lichen Bevölkerung und damit eine vrerte Tabelle, ^n Landgemeinden wohnen

irr Ostpreußen . . 67 % der GesanMevolkerung

in Westpreußen . . 67 % „' «

in Posen .... 67 % „

in Pommern ... 57 % „ "

in Hannover . . . 55 % „ »

in Schlesien ... 50 % „ «

tit Hessen-Nassau . 50 % „ »

in Schleswig-Holstein 50% „ in Sachsen .... 42 % „ „

in Brandenburg") . 36 % „

in Rheinland ... 23 % „ „

in Westfalen ... 23% „

Das ist das bekannte Bild, pernßnchen Provinzen i>n nur , ländliche Bevölkerung, dre mehr als dre Halste ^der Gesamtbevölkerung ausmacht, und von diesen fünf

Berlin mit seinen 2 Millionen ist hierbei n i ch t mit- gevechnet, sonst betrüge der Satz nur etwa 29 Prozent.

dem SHloßensturm entgegen singen, wie die Lerche du da droben." Wir haben dem gewaltigen SHaufprel dieses in Gewitter und Windgebraus sich ^ ganz ent­ladenden Elementargeistes ergriffen zugeschauts er­schüttert stehen wir vor der Übermacht unhermlrch dunkler Mächte, die den aufrechten Riesenbaum in vollster Blüte mit ihren schleichenden Giften gebvochen

^^Gin Liebling, der Natur, ein Günstling des Ge­schicks war dieser Schauspieler in seinem Leben und in seinem Wirken,' ihm schienen mühelos und selbstver­ständlich all die Kräfte und Mittel gehorsam, die sonst moderne Menschen in heißem Ringen sich erst erobern müssen; zeitlos und ewig stand er in seiner Zeit da, eine harmoni'che, in sich geschlossene Welt unter all den zwiespältigen Charakteren, die ihre Schönheit und ihr Wunder aus qualvollem Widerstreit erstehen ließen. Und mochten auch die Zeitgenossen fühlen, daß hier eine ihrem Wesen fremde Persönlichkeit sich auslebte, es war doch eben die Klarheit und Reinheit dieser Persönlich­keit, die seine Kunst in ihren vollemöetsten Gestaltun­gen zu einem fernen Paradies unserer Sehnsucht machte. Matkowsky hatte den stolzen Mut, der laut und zwin­gend sprechenden Stimme seines Innern M folgen, un­beirrt von all dem, was rings um ihn her auf Seiten­pfade und Abwege locken mochte. DieS Vertrauen aus sein Genie lebte in all den Personen großer Dichtung,, die aus ihrem Schattendasein zum Leben erweckte, von seinem Blut trinken ließ, daß sic im hellen Licht aus der Bühne standen; dieser Glauben an sich selbst hat ihn auch durch sein Leben geleitet. In den anspruchslosen Er­innerungen, die er unter dem Titel „Eigenes, Frem-

liegen vier im Osten und eine Ef Westem Drel Pws vinzen stehen in der Mitte, unter rhnen Schlesien. Bm Rheinland und Westfalen sind dre Verhältnisse^allbe- kannt. Mehr überraschen wird es, daß auch rn L-achsen und Brairdenburg schon die städtische Bevölkerung uber- wieal, zumal bei Brandenburg Berlin mcht mrtgs- rechnet ist. Man rechnet doch im großen und ganzen diese beiden Provinzen noch zu denen, rn welchen dre Industrie erst in der Entwickelung begrrffen rst. Der Grund für die ungünstige Verteilung von ländlicher und städtischer Bevölkerung liegt eben hrer nicht rm Überwiegen der Industrie, sondern in andren. Der- hältnisscn, die einer näheren Untersuchung bedurften.

Nicht unwesentlich würde sich das Bild andern, wenn wir zur ländlichen Bevölkerung auch noch dre Landstädte bis zu 6000 Einwohnern rechneten, wozu eine gewisse Berechtigung ganz gewiß vorhanden rst. Es sind solcher Landstädte vorhanden

in Ostpreußen . in Westpreutzen in Brandenburg in Pommern . in Posen . . . in Schlesien in Sachsen . . in Schleswig-Hol' rn Hannover in Westfalen in Hessen-Nassau in Rheinland Nehmen wir diese Zahlen noch hinzu, dann w- geben sich für die in Orten von weniger als 5000 Einwohnern lebende Bevölkerung folgende Sätze: Es wohnen in solchen Orten

in Westpreußen . . 76 % der Gesamtbevölkerung in Ostpreußen! . . 75 % „ «

in Posen . . . . . 75 %

42 mit 135 716

Einwohners.

49

138 921

96

300 036

41

128 919

„

53

167142

*

169

„

502 904

*

14)ß

„

422390

lein

64

„

204 921

„

.

100

295 772

*

214

641 010

m

84

265 433

m

268

„

808 925

m

Von den zwölf noch fünf eine

in

Schleswig-Holstein 67 %

„

„

ip.

Pommern . . ■

. 64 %

„

--

in

Hannover . •

. 64%

„

*

in

Hessen-Nassau

. 62%

„

in

Schlesien . .

. 60%

„

in

Sachsen . . .

• 58 %

tf

*9

in

Brandenburg*)

. 43%

„

»

in

Westfalen . .

. 43%

„

„

in

Rheinland . .

. 35 %

"

Wenn sich naturgemäß auch die Prozentsätze er­höht haben, so ist dock die Reihenfolge fast ganz dieselbe geblieben mit dem einzigen wesentlichen U„tm:schied« daß Schlesien und Schleswig-Holstein die. Platze ver- tauscht haben. Schleswig-Holstein stcht hier, auf dre Reihenfolge gesehen, günstiger. Schlesien dagegen un­günstiger als in der anderen Prozenüabelle Bmner- kenswert ist auch, daß nach dieser, letzten ^.abelle West­falen, trotz seiner ungeheurer. Fabrikbevölkerung, ttckn Brandenburg steht und Rheinland, mit dem es der vorigen Tabelle denselben Prozentsatz hatte, erheblich überflügelt.

*) Auch hier ist Berlin in die Gesamt-bevMerWiD nicht miteingerochnet.

des" zusammensaßte, spiegelt sich in liebemswürdigep Weise die kindlich frohe Zuversicht eines Mannes, der sich im Ausleben seines Talents des rechten Weges stets

wohl bewußt war. ^ _ •

Aus ärmlichen Verhältnissen ist der geborene Dar­steller ber Helden und Könige emporgcwa.chsen. In einer einzigen Stube lebte er mit der Mutter und der. halbgelühmten Großmutter zusammen; der Vater war. früh gestorben, und nun hatte die Mutter, der der Sohn zu rührende Worte der Erinnerung und des Dankes geweiht, die sorgenvolle Ausgabe, den wilden, ungeLän- üigten Kimben zu erziehen. ,PWic sic es unermüdlich und immer tat, wenn der Knabe rufend nach ihr ver­langte, ivie sie freundlich schnell herbeieilte auch auf die leiseste Bitte und ihm, bald tröstend, bald mahnend, stets aber gütig nnd helfend erschien, so ergeht es mir honte noch mit der Mutter, heute, wo die Gute, doch achl so banae schon dahin. Ich brauche nur die Augen schließen und eine kleine Weile an sie denken, gleich stehi! sie vor mir, die große schlanke Frau, und schaut mtcki warm an mit ihren großen, frommen, nur ein wenig müden Augen!" In diese dämmernd enge Welt fiel als erster Strahl aus der glänzenden Welt des schönen Scheins ein Besuch in dem Zirkus Carrs, der nach Mat­kowskys Heimatstadt, Königsberg, gekommen war. Un­widerstehlich fühlte er sich zu den Artisten hingezogen» durste an ihren Proben teilnehmcn und zeigte sich ge­schickt in allerlei Kunststücken; Jongleur oder gar Athler zu werben, wozu ihn sein kräftiger Körperbau befähigte, schien dem Knaben das Ideal. Er wollte und mußte mit, und da er keine Erlaubnis erhielt, versteckte er sich im Requisitenwagen und wurde ans diesem hervo-rsc--